Fünftes Kapitel.

(Ort der Handlung: ein Kaffeehaus in Rom.)

Mehrere amerikanische Herren sitzen beisammen. Einer derselben liest und übersetzt aus dem Wochenblatt: Il Slangwhanger di Roma den folgenden Artikel:

Wunderbare Entdeckung.

»Vor etwa sechs Monaten kaufte Herr John Smith, ein Amerikaner, seit einigen Jahren in Rom wohnhaft, für eine unbedeutende Summe ein kleines Stück Land in der Campagna, gerade hinter dem Grabmal der Familie Scipio, von dem Eigentümer, einem bankerotten Verwandten der Prinzessin Borghese. Hierauf begab sich Herr Smith zum Minister der öffentlichen Angelegenheiten und ließ das Grundstück auf einen armen amerikanischen Künstler Namens George Arnold übertragen, indem er erklärte, er thäte das als Vergütung und Ersatz für einen baren Schaden, welchen er vor langer Zeit zufällig an Herrn Arnolds Eigentum angerichtet habe. Auch fügte er hinzu, er wolle, um den Herrn völlig zufrieden zu stellen, verschiedene Verbesserungen auf dem Grundstück für eigene Rechnung ausführen lassen.

Vor vier Wochen nun, bei Gelegenheit einer notwendigen Umgrabung auf dem Grundstück, förderte Herr Smith die herrlichste antike Statue zu Tage, welche jemals den reichen Kunstschätzen Roms hinzugefügt worden ist. Es war eine wundervolle Frauengestalt, die, obgleich auf traurige Weise im Erdboden von dem Moder der Jahrhunderte beschädigt, dennoch jedes Auge durch ihre hinreißende Schönheit entzücken muß. Die Nase, das linke Bein vom Knie an, ein Ohr, zwei Finger einer Hand, sowie die Zehen des rechten Fußes fehlen; im übrigen ist die edle Gestalt aber wunderbar gut erhalten. Die Regierung sandte sofort eine Wache ab, um Beschlag auf die Statue zu legen und setzte eine Kommission von Kunstkennern, Altertumsforschern und Kirchenfürsten ein, um ihren Wert abzuschätzen und die Höhe der Entschädigung zu bestimmen, welche dem Besitzer des Grund und Bodens gebühre, auf dem sie gefunden worden. Bis zum gestrigen Abend herrschte über die ganze Angelegenheit das tiefste Geheimnis und die Kommission hielt ihre Sitzungen bei verschlossenen Thüren. Schließlich war einstimmig festgestellt, daß die Statue eine Venus sei und von einem unbekannten aber hochbegabten Künstler aus dem dritten Jahrhundert vor Christo herrühre. Sie ward für das tadelloseste Kunstwerk erklärt, das die Welt je gesehen hat.

Um Mitternacht erfolgte die Schlußberatung, in welcher die Venus auf die ungeheure Summe von zehn Millionen Franken geschätzt ward. Da nach römischem Gesetz und Brauch der Staat zur Hälfte Eigentümer aller in der Campagna gefundenen Kunstschätze ist, so hat die Regierung weiter nichts zu thun, als Herrn Arnold fünf Millionen Franken zu zahlen und dauernden Besitz von der schönen Statue zu nehmen. Heute morgen wird die Venus auf das Kapitol geschafft und dort bleibend aufgestellt werden. Am Nachmittag begiebt sich darauf die Kommission zu Herrn Arnold, um ihm eine Anweisung für die päpstliche Schatzkammer zu übergeben, welche auf die fürstliche Summe von fünf Millionen Franken in Gold lautet.«

Chor von Stimmen: »Ein unerhörtes Glück. So etwas ist noch gar nie dagewesen!«

Eine Stimme: »Meine Herren, ich schlage vor, daß wir sofort eine amerikanische Aktiengesellschaft gründen zur Erwerbung von Landbesitz und Ausgrabung von Bildwerken. Für rechtzeitiges Steigen und Fallen der Papiere sollen unsere New Yorker Börsenagenten Sorge tragen.«

Alle: »Einverstanden!«