Rückfallfieber.

Das Rückfallfieber ist bei uns in Deutschland heutzutage eine im ganzen recht selten gewordene Erkrankung, die aber neuerdings besonders dadurch an Interesse gewonnen hat, daß sie als relativ häufige Krankheit unserer afrikanischen Schutzgebiete erkannt worden ist. Noch vor wenigen Jahrzehnten kamen übrigens auch bei uns in Deutschland größere Epidemien der Krankheit vor.

Das Krankheitsbild ist in erster Linie charakterisiert durch einen sehr eigentümlichen Fieberverlauf. Gewöhnlich beginnt die Krankheit plötzlich mit Schüttelfrost und schwerem Krankheitsgefühl, Gliederschmerzen und anderen etwas wechselnden Erscheinungen. Die Temperatur steigt bald sehr hoch an, meist über 40°, und fällt erst nach einer 5–7tägigen Fieberperiode zur normalen Temperatur, meist noch erheblich tiefer, ab. Gleichzeitig pflegt starker Schweißausbruch zu erfolgen, die Krankheitserscheinungen gehen zurück, der Patient scheint sich zu erholen und bleibt eine ganze Reihe von Tagen fieberfrei, bis plötzlich ein ganz ähnlicher Anfall wie der erste, der meist nur etwas kürzer ist, beginnt. Auch dieser endigt mit »kritischem« Abfall der Temperatur, die meist wiederum eine Reihe von Tagen normal bleibt, bis der dritte, meist letzte Anfall erfolgt, nach dessen Überwindung dann die Rekonvaleszenz eintritt. In seltenen Fällen ist die Anzahl der Anfälle noch größer, oft werden auch nur zwei Anfälle beobachtet. Im allgemeinen pflegt der Ausgang günstig zu sein; nur vorher geschwächte Individuen erliegen gelegentlich der Krankheit.

Im Blute von Rückfallfieberkranken während des Anfalles entdeckte bereits im Jahre 1873 der deutsche Arzt Obermeier feinste, Eigenbewegungen zeigende, flach schraubenförmig gewundene Fäden ([Abb. 20]), die er mit vollem Recht, wie wir heute wissen, als die Ursache der Krankheit ansprach. Metschnikoff zeigte, indem er sich selbst mit dem Blute eines Rekurrenskranken impfte, die Übertragbarkeit der Krankheit mit dem spirillenhaltigen Blute auf den Menschen: er erkrankte an typischem Rückfallfieber. Robert Koch gelang die Übertragung der Krankheit in gleicher Weise auf Affen. In jüngster Zeit wiesen endlich dann Novy und Knapp nach, daß man sie auch auf Ratten und Mäuse überimpfen könne, was jahrzehntelang für unmöglich galt. Erst durch diese Feststellung wurde ein genaueres Studium der Spirillen weiteren Kreisen der Forscher möglich, denn eine Kultur der Spirillen ist bisher nicht gelungen. Auch besteht übrigens bisher noch keine Einigkeit darüber, ob sie zu den Bakterien oder zu den niedersten tierischen Lebewesen gehören.

Abb. 20.
Spirillen des Rückfallfiebers im Blute einer künstlich infizierten Maus. E = rote Blutkörperchen; W = weiße Blutkörperchen; Sp = Spirillen.

Im erkrankten Körper finden sich die Spirillen ganz ausschließlich im Blute und in den blutbildenden Organen. Daraus ergibt sich, daß sie in keinerlei Ausscheidung der Kranken in die Außenwelt gelangen, und es ergibt sich weiter die Frage, wie denn unter diesen Umständen die Verbreitung der Krankheit zustande komme. Man hatte darüber schon längst richtige Vermutungen. Es lag nämlich sehr nahe, anzunehmen, daß blutsaugende Insekten die Überimpfung vom kranken auf den gesunden Menschen vermitteln, die wir bei experimenteller Übertragung auf Tiere absichtlich vornehmen. Damit war die Beobachtung auch gut vereinbar, daß die Krankheit ganz vorwiegend die niederen Volksklassen befällt und hier wieder vor allem die untersten Schichten, Vagabunden z. B., heimsucht, die im allgemeinen besonders viel mit Ungeziefer in Berührung kommen. Zwar ist für das europäische Rückfallfieber die Ungezieferart, die speziell für diese Übertragungen verantwortlich gemacht werden muß, noch nicht mit unbestrittener Sicherheit festgestellt, wohl aber ist diese Feststellung Robert Koch für die Spirille des afrikanischen Rückfallfiebers gelungen, das mit dem europäischen sehr weitgehende Übereinstimmung zeigt und auch von Spirillen von durchaus ähnlichen Eigenschaften ausgelöst wird. Das afrikanische Rückfallfieber wird nach Kochs Feststellungen durch eine bestimmte Zeckenart verbreitet, die nachts den Menschen befällt und Blut saugt. Dabei hat sich die sehr merkwürdige Tatsache gefunden, daß die Spirillen, die mit dem Blute eines rekurrenskranken Menschen in den Körper der Zecken gelangen, mit den Eiern, die das Tier legt, in die Außenwelt gelangt, nicht zugrunde gehen. Es finden sich vielmehr später in einzelnen Eiern wieder lebende Mikroorganismen, und die Zecken, die sich aus solchen Eiern entwickeln, sind nachweislich wieder imstande, Spirillen und Rekurrensfieber auf gesunde Tiere (und also auch auf den Menschen) zu übertragen. Europäer erkranken auch in Afrika deshalb selten an Rekurrens, weil sie dem Biß der gefährlichen Zeckenart weniger ausgesetzt sind als die Neger.