Schriftsteller des 14. und 15. Jahrhunderts.
Ibn el Kotbi esch-Schafi el Bagdadi (angeblich armenischer Abkunft) schrieb (in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts) eine Arzneimittellehre, welche nach den Anfangsworten Malajesa (═ quod nefas est medico ignorare) bekannt wurde und im wesentlichen eine berichtigte Ausgabe des pharmakologischen Hauptwerkes von Ibn Beitar darstellt.
Muhammed ben Abdallah Ibn el Katib (geb. 1313, enthauptet 1374) spielte in Granada eine bedeutende politische Rolle und zeichnete sich durch umfassende Gelehrsamkeit aus. Seine schriftstellerische Tätigkeit bezog sich nicht nur auf Medizin, sondern auch auf Geschichte, Philosophie, schöne Künste. Er verfaßte ein Handbuch der Medizin und eine Reihe von Spezialschriften über verschiedene Themen, z. B. über Pest, Bereitungsweise des Theriak, über die Erhaltung der Gesundheit in den einzelnen Jahreszeiten, über die Entstehungsweise des Fötus.
Sams ad-din al Afkani († Kairo 1348), Verfasser von enzyklopädischen Werken und einer augenärztlichen Schrift.
Sadaka as-Schadili (zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts) verfaßte eine Augenheilkunde (Augenärztliche Stütze), vgl. über diesen und den vorigen Autor Hirschberg.
Dschelal ed-Din es-Sojuti (1445-1505) zu Kairo, berühmt wegen seiner umfassenden Gelehrsamkeit und Schreibseligkeit (560 Nummern). Seine medizinischen Schriften standen bis in die neueste Zeit namentlich in Algier in hohem Ansehen und bezeugen durch die starke Hinneigung zu allerlei Aberglauben (insbesondere Amuletttragen) den tiefen Verfall. — Lat. Uebersetzung seiner Schrift über den medizinischen Nutzen der Tiere in De proprietatibus et virtutibus medicis animalium etc. ed. Abr. Ecchellensis, Paris 1647[16].
Unter den arabischen Aerzten der späteren Zeit wären zu nennen:
Abu Muhammed Dāud (Dawud) ben Omar el Antaki ed Eddhari ═ der Blinde (in Kairo, † 1597 oder 1599 zu Mekka) verfaßte ein großes Handbuch der gesamten Medizin (Tadkira ═ Erinnerungsbuch), welches sich durch seinen Reichtum an Arzneimitteln (1712) auszeichnet.
Abd-er-Rezzak ben Muhammed Eddschezzairi (erste Hälfte des 18. Jahrhunderts). Seine Arzneimittellehre wurde von L. Leclerc (Traité de matière médicale de Abd-er-Rezzaq, Paris 1874) ins Französische übertragen.
Zweifelhafte Autoren.
Mesue (der Jüngere) — Joannes filius Mesuae filius Hamech filii Haly Abdala regis Damasci — Joannes Mesue Damascenus — Joannes Mesuae — Joannes Nazarenus filius Mesuae. Nach einer wenig zuverlässigen Angabe soll der Autor der unter den angeführten Namen bloß lateinisch (übersetzt?) vorliegenden Werke ein jakobitischer Christ des 10. Jahrhunderts gewesen sein, welcher seine Ausbildung in Bagdad empfing und am Fatimidenhofe in Aegypten als Leibarzt tätig war. Arabische Originale fehlen. Es liegt die Vermutung sehr nahe, daß sich unter dem Namen Mesue ein lateinisch schreibender Autor des 11. oder 12. Jahrhunderts verbirgt, der seinen Schriften unter dieser Flagge leichter Eingang verschaffen wollte. Mit welchem Erfolg — das beweist die Tatsache, daß „Mesues” Werke fast so häufig wie diejenigen Avicennas gedruckt worden sind und noch im 16. Jahrhundert kommentiert wurden. Schriften: De medicinis laxativis (solutivis, purgatoriis), auch de simplicibus oder Consolatio (═ Correctio simplicium) genannt, besteht aus einem allgemeinen und einem speziellen Teile, die zuweilen als zwei getrennte Schriften angeführt werden. Antidotarium sive Grabadin medicamentorum compositorum. Practica medicinarum particularium s. liber de appropiatis — auch als 2. Buch des Grabadin angesehen (daher Grabadin morborum particularium) — ist ein unvollständiges Handbuch der speziellen Therapie, welches mit der Behandlung der Herzleiden aufhört. Es gibt nicht weniger als 26 Ausgaben der Opera Mesuae, z. B. Venet. 1471, 1540, 1549, 1561. Italienische Uebersetzungen Modena 1475, Venezia 1487 u. ö., Firenze (um 1490). Außerdem mehrere Teilausgaben.
Die Schrift de consolatione medicinarum handelt von der Auswahl der Purgiermittel nach ihren Eigenschaften und Wirkungen, von der Korrektion derselben, d. h. Beseitigung ihrer schädlichen Bestandteile (oder Paralysierung derselben), von der Eventualität, daß das Mittel seinen Dienst versagt und von der Ausgleichung der durch das Mittel im Organismus etwa hervorgerufenen Störungen. Die medicamenta solutiva umfassen sowohl Brech- als Purgiermittel. Die Brechmittel zerfallen in gelinde wirkende (z. B. Semen Anethi), mittelstarke (z. B. Nux vomica) und heftig wirkende (z. B. Helleborus albus). Die Abführmittel zerfallen in die gelinde und in die drastisch wirkenden; zu den ersteren gehören z. B. Wermut, Tamarinden, Rhabarber, zu den letzteren z. B. Helleborus, Scammonium, Koloquinthen. Die Abführmittel wirken in der Weise, daß sie die Säfte anziehen und zwar jedes Mittel den ihm verwandten und passenden Stoff; einige dehnen ihre Wirkung auf besondere Körperteile aus, so auf die Säfte des Kopfes (z. B. die Koloquinthen), auf die Säfte der Brust (z. B. Manna), auf die Milz, die Leber, den Magen (z. B. Rhabarber, Wermut, Tamarinden) u. s. w. Die Korrektion der Purgiermittel erfolgt durch Kochen oder Waschen, durch Infusion (mit Wasser, Essig, Milch u. a.) oder durch das Zerreiben der Arzneistoffe.
Das Antidotarium s. Grabadin enthält in 12 Abschnitten (de electuariis[17], de medicinis opiatis, de medicinis solutivis, de conditis, de speciebus Loch, de syrupis et robubus, de decoctionibus, de trochiscis, de pillulis, de sussuf et pulveribus, de unguentis et emplastris, de oleis)[18] die Vorschriften über die Zubereitung der Arzneien. Dieses Werk stand als Kanon der Apothekerkunst im Abendlande während des ganzen Mittelalters in hohem Ansehen. Mesue wurde geradezu als „pharmacopoeorum Evangelista” angesehen.
Vollkommen verschieden von diesem Autor ist ein dritter „Mesue”, welcher als Verfasser einer aus dem 13. Jahrhundert stammenden (lateinisch geschriebenen) kompilatorischen Chirurgie auftritt. Diese führt den Titel Cyrurgia Johannis Mesuë, quam magister Ferrarius Judaeus cyrurgicus transtulit in Neapoli de Arabico in Latinum. Ausgabe der drei ersten Bücher von J. L. Pagel, „Die angebliche Chirurgie des Johannes Mesuë junior etc.”, Berlin 1893; des vierten und fünften Buches in den von Pagel inspirierten Berliner Dissertationen von F. A. Sternberg (1893), Walther Schnelle (1895), Hans Brockelmann (1895).
Serapion (der Jüngere). Unter diesem Namen läuft ein Werk über die einfachen Arzneimittel (Liber de simplici medicina, Mediol. 1473, Venet. 1497, 1552, Argentor. 1531 und mit den Schriften des älteren Serapion), welches im Abendlande während des Mittelalters und darüber hinaus sehr geschätzt wurde. Ueber den Verfasser herrschen nur Vermutungen; jedenfalls wäre er frühestens ins 11. Jahrhundert zu versetzen. Im wesentlichen handelt es sich um eine Kompilation aus griechischen und arabischen Vorgängern. Vgl. Guigues, Les noms arabes dans Sérapion, Journal asiatique 1905.
Canamusali (Alcanamusali de Baldach). Unter diesem Namen geht ein von abendländischen mittelalterlichen Autoren zitiertes Werk über Augenheilkunde (de oculorum curationibus). Neudruck in Pansier, Collectio ophthalmologica veterum auctorum, Paris 1903-1904, Fasc. IV. Während früher angenommen wurde, daß es sich um die Uebersetzung der Augenheilkunde des 'Amar ben Ali al-Mausili handle, wurde die Schrift von Hirschberg für eine plumpe Fälschung erklärt.
Werke in persischer Sprache.
Abu Mansur Muwaffak ben Ali Harawi, Verfasser einer Arzneimittellehre (zwischen 968-975), deren Bedeutung besonders darin liegt, daß darin nicht bloß indische Heilmittel, sondern auch indische Grundanschauungen über Medizin auffallend bevorzugt werden. Ausgabe von R. Seligmann, Liber fundamentorum pharmacologiae, Wien 1830-1833, deutsche Uebersetzung von Abul Chalig Achundow in R. Koberts historischen Studien des pharmakologischen Instituts der Universität Dorpat, Bd. 3, Halle 1893. Das Werk bespricht 585 Arzneimittel, wovon 466 pflanzlichen, 75 mineralischen und 44 tierischen Ursprungs sind. Die Substanzen teilt Abu Mansur nach ihrer Wirkung auf den menschlichen Körper in vier Gruppen. Zur ersten gehören diejenigen, welche äußerlich und innerlich mit Nutzen gebraucht werden können (z. B. Weizen, innerlich als Speise und äußerlich als Streupulver bei Hautleiden), zur zweiten Gruppe gehören diejenigen, welche innerlich als Speise dienen können, äußerlich aber reizend wirken (z. B. Knoblauch), zur dritten Gruppe zählen diejenigen, welche äußerlich in gewissen Fällen heilsam, innerlich aber in größeren Dosen giftig wirken (z. B. Kupfersalze), die vierte Gruppe umfaßt jene Stoffe, welche äußerlich und innerlich giftig wirken (z. B. Akonitpräparate). Die vier Qualitäten des menschlichen Körpers erfahren durch eingenommene Arznei- und Nahrungsmittel eine gewisse Veränderung. Die Beeinflussung besteht gewöhnlich in einer Steigerung einer der vier Qualitäten, wobei vier Grade der Wirkung unterschieden werden. Die zur ersten der oben genannten Gruppen gehörenden Stoffe wirken im 1. Grade, weshalb sie meist als Nahrungsmittel dienen können; die zur vierten Gruppe gehörenden wirken im 4. Grade, d. h. sie erzeugen die höchste Steigerung, sie sind die spezifischen Gifte. Die im 2. und 3. Grade wirkenden Substanzen sind teils zu Heilzwecken dienende Nahrungsmittel, teils eigentliche Arzneistoffe. Um die kleinen Unterschiede, welche die verschiedenen Substanzen in der Wirkung zeigen, genau beurteilen zu können, werden bei jedem der vier Grade drei Unterabteilungen unterschieden, so daß die Kälte oder Wärme, Feuchtigkeit oder Trockenheit erzeugende Wirkung eines Mittels im Anfang oder in der Mitte oder am Ende eines Grades sein kann. Die Gifte werden in drei Klassen geschieden. Zur ersten gehören die Tiergifte, welche nur durch Beißen oder Stechen dem Körper beigebracht werden, zur zweiten gehören diejenigen pflanzlichen oder mineralischen Gifte, welche schon in kleineren Dosen wirken (z. B. Akonit, Secale cornutum), die dritte Klasse umfaßt die „langsam tötenden” Gifte, welche hauptsächlich auf ein bestimmtes Organ spezifischen Einfluß ausüben (z. B. Kanthariden — Nieren, Akonit — Herz, Mandragora — Gehirn, Arsenikpräparate — Darm). Aufschlüsse für die Diagnose der Vergiftung geben gewisse Symptome; so deuten Hitze, Brennen und Schmerz im Darmtrakt mit gleichzeitigem Schwitzen auf eine akute Vergiftung (z. B. durch Arsenik oder Quecksilberpräparate), Besinnungslosigkeit, Schwäche und Kälte des Körpers auf Narkotika; besonders wichtig ist der Geruch, Geschmack und die Farbe des Erbrochenen (die Therapie wird daher meist mit einem Brechmittel eingeleitet); ein allgemeines Antidot gibt Abu Mansur nicht an.
Zarrin-Dast verfaßte (um 1088) eine Augenheilkunde, vgl. Hirschbergs Geschichte der Augenheilkunde bei den Arabern.
Aus späterer Zeit wären die Werke über Arzneimittel von Hadschi Sein eddi Ali ben Husain el Ansari (betitelt Bismillah, verfaßt 1386), Nurredin Muhammed Abdullah (betitelt Elfas el Edijeh, verfaßt 1553, auszugsweise ins Englische übersetzt von Gadwin)[19], Mir Muhammed-Zeman-Tunkabuni (betitelt Tohfat-ul Mowmin, verfaßt 1669, von dem Karmelitermönch P. Angelus [Jos. de Labrosse] ins Lateinische übersetzt, „Pharmacopoea Persica ex idiomata Persico in Latinum conversa”, Paris 1681), Mir Muhammed Husain (betitelt Mukhzun al-Udwieh, verfaßt 1771; macht bereits von europäischer Arzneikunde Gebrauch) zu erwähnen.
Armenisch.
Mechithar aus Her, „der Doyen der ärztlichen Schriftsteller Armeniens”, verfaßte 1148 die Schrift „Trost bei Fiebern”. Deutsche Uebersetzung von E. Seidel, Leipzig 1908. Dieselbe beruht auf arabischen, persischen und (hinsichtlich der Therapie auch auf) armenischen[20] Quellen und besteht aus 46 Kapiteln. Fieber wird definiert als Vermischung fremder mit der angestammten Wärme, welcher Vorgang im Herzen stattfindet und sich von hier in den ganzen Körper unter Herabsetzung seiner natürlichen Funktionen fortpflanzt. Die Ursachen zerfallen in äußere (z. B. heiße Luft, Kälte, adstringierende Wässer) und innere (z. B. heiße Speisen und Getränke, Gemütserregungen), abgesehen davon, daß manche besonders komplizierte Fieber als Gottesstrafe aufzufassen sind. Die prädisponierenden Momente sind teils in den sieben „natürlichen Dingen”, teils in den sechs „nichtnatürlichen Dingen”, teils in den außernatürlichen Dingen zu suchen[21]. Fieber entstehen im Pneuma (Eintagsfieber), in den trockenen oder festen Teilen (Zehrfieber), oder in den Säften (Schimmel- oder Faulfieber); letztere sind kontinuierlich oder intermittierend (Wechselfieber), je nachdem die Fäulnis innerhalb oder außerhalb der Adern vor sich geht. Die Anzahl der Fieberarten und Unterarten ist sehr bedeutend, die Diagnose stützt sich auf die Anamnese (Schweregefühl, Hitze- und Frostempfindungen etc.), auf die Beobachtung des Pulses, Urins, der Zunge, der Haut (Farbe, Spannung; Temperatur mit der aufgelegten Hand bestimmt), der Exkrete; an einer Stelle wird auch der Trommelton des meteoristisch aufgetriebenen Bauches und die Prallheit der Milz erwähnt. Therapeutisch kommen außer zahlreichen Arzneimitteln, sorgfältigen diätetischen Maßnahmen und Blutentziehungen auch Hydrotherapie (warme und laue Bäder, Dampfbäder, Dunstumschläge; bei Doppeltertiana Kaltwasserkur) und Frottieren in Betracht, in Fällen von psychischer Depression Musik und erheiternder Zuspruch, gelegentlich auch Amulette und Sympathiemittel (namentlich bei der Quartana).
[1] Infolge frühzeitiger Uebersetzung bürgerten sich die Schriften Serapions in der arabischen Literatur ein.
[2] Da Serapion von seinem späteren Herausgeber Albanus Torinus (Basil. 1543) „Janus Damascenus” genannt wird, so wurde er öfter mit dem älteren Mesuë verwechselt.
[3] Aus der verloren gegangenen Chirurgie des Antyllos wird folgende Beschreibung mitgeteilt: Beim Starstich sitze der Kranke im Schatten, entgegengesetzt dem Sonnenball. Sein Kopf werde festgehalten. Er blicke gegen den größeren Augenwinkel hin, ohne von dieser Richtung abzuweichen. Nun entferne der Arzt das Instrument vom Hornhautrande (schläfenwärts) ebenso weit, wie von demselben die Pupille absteht. Der Arzt ergreife das stumpfe Ende des Stieles der Nadel und drücke dasselbe hier ein, so daß eine Marke davon entsteht und somit die Nadel nicht gleite bei der Durchbohrung. Das Maß des Eindringens der Nadel sei der Abstand zwischen dem Rand der Pupille und dem der Hornhaut, so daß es den Rand der Pupille nicht überschreitet oder doch höchstens um das Maß eines Gerstenkorns. ... Nun wird die Spitze der Nadel aufgesetzt an dem Ort der Marke und die Bindehaut und die harte Haut durchbohrt. ... Ist nun die Nadel im Auge, so bringe deinen Mund an das Auge und blase auf dasselbe, damit die Pupille ordentlich bleibt. Das Instrument verharre an seinem Orte. Du betrachte seine Spitze. Ist sie noch nicht genügend nahe (dem Star), so drücke sie ein wenig vor. Hat sie den Ort des Stares überschritten, so ziehe sie zurück, daß sie in gleicher Höhe mit dem Stare sei. Ist dies geschehen, so hebe die Handhabe der Nadel ein wenig nach oben, daß die im Innern des Auges befindliche Spitze nach unten gedrückt wird und durch dieses Manöver der Star nach dem unteren Teil des Auges niedergedrückt werde. Ist der Star schwierig, weil er beim Niederdrücken nach oben hin zurückkehrt, so zerstückle ihn nach den Seiten hin, wo es dir leichter erscheint, ihn zu beseitigen, bis der Kranke dann sofort sieht. Ist dies gelungen, so ziehe die Nadel aus und leg auf das Auge Eiweiß mit Rosenöl auf 3 Tage. (Im weitern folgen Vorschriften über die Rückenlage, Verbinden des zweiten Auges, Aufenthalt im dunklen Zimmer, Inachtnahme vor Niesen, Reden, Husten; Abnahme des Verbandes nach 3 Tagen.)
[4] Ebenfalls aus Antyllos: Einige spalteten den unteren Teil der Pupille und zogen den Star heraus; das geht nur beim dünnen Star, beim dicken nicht, weil die Eiweißfeuchtigkeit mit herausfließt. Einige führten an Stelle der Nadel eine gläserne Röhre ein und saugten die Eiweißfeuchtigkeit mit aus.
[5] Diese Ausgaben enthalten die Uebersetzung des Stephanus von Antiochien. Eine frühere von Constantinus Africanus herstammende lateinische Uebertragung ist in dessen opera (Basil. 1536) und in der Gesamtausgabe der Werke des Isaac Judaeus als „Pantegni” veröffentlicht.
[6] Unter seinen Werken behandelte eines die Lehre von Arzneimitteln. Die von Ibn Beitar überlieferten Stellen verraten ausgezeichnete botanische Kenntnisse. Eine Schrift über Melancholie wurde von A. Bumm ins Deutsche übertragen (Die Identität der Abhandlungen des Ischak ibn Amran und des Constantinus Africanus über Melancholie), München 1903.
[7] Von maßgebender Seite wird übrigens für das Viaticum Ahmed ben Ibrahim al Dschezzar in Anspruch genommen.
[8] Im Liber servitoris ist eine eingehende Beschreibung des Verfahrens enthalten, um aus Ebenholz, Buchsbaum oder Elfenbein Augenstempel (vgl. S. 10) herzustellen. Die in Handschriften enthaltenen Abbildungen von Kollyrienstempeln sind von P. Pansier (Collectio ophthalmologica veterum auctorum II) veröffentlicht worden. Der Name des Arztes fehlt auf den Stempeln der spanischen Araber. Der Gebrauch stammte aus der römischen Zeit und war im Irak und in Aegypten unbekannt.
[9] Entsprechend der bekannten Lokalisationslehre.
[10] Avicenna machte angeblich selbst eine solche Diagnose bei dem liebeskranken Neffen des Kalifen Kabus in Dschordschan, indem er während der Untersuchung alle Namen der im Palaste wohnenden Personen nennen ließ und dabei bemerkte, wie der Puls bei der Nennung eines bestimmten weiblichen Namens in starke Erregung geriet. Vgl. hierzu die recht ähnlichen Erzählungen in der Biographie des Hippokrates und Erasistratos.
[11] Nicht zu verwechseln mit Isa ben Ali (um 885), einem Schüler Hunains, welcher ein Buch über die Gifte verfaßte.
[12] Mit den opera Mesuës (Venet. 1549 u. ö.), mit Ibn Dschezlas Tacuin sanitatis und Alkindus, Argentor. 1531.
[13] Die Vorrede des Maimonides zu diesem Kommentar im Original und mit deutscher Uebersetzung von Steinschneider veröffentlicht in der Zeitschr. d. deutschen Morgenländ. Gesellsch. 1894.
[14] Welche Bewandtnis es mit dem bereits mehrere Male in deutscher Sprache veröffentlichten „Gebet des Maimonides” hat (vgl. Israelit. Familienblatt, Hamburg 1902), muß weiteren Forschungen vorbehalten bleiben.
[15] Es heißt darin: car les preuves qui tombent sous les sens, sont bien supérieurs à celles qui ne sont fondées que sur l'autorité. En effet, quoique Galien ait apporté la plus scrupuleuse exactitude et le soin le plus attentif à tout ce qu'il a fait et à tout ce qu'il a rapporté, cependant le témoinage des sens mérite d'être cru préférablement au sien, ce qui n'empêche pas qu'on ne puisse ensuite chercher, s'il est possible, un moyen d'expliquer ses paroles de manière à y trouver un sens que le justifie.
[16] Diese Schrift ist ein Auszug aus der sehr reichhaltigen, aber auch phantastischen Naturgeschichte der Tiere, welche Kemal ed-Din el Demiri (Domairi), † 1405, hinterlassen hat.
[17] Unter diesen befindet sich auch die (später jahrhundertelang in den abendländischen Pharmakopöen als hervorragendes Cardiacum und Pestmittel gerühmte) Edelsteinlatwerge Electuarium de gemmis, bestehend aus weißen Perlen, Fragmenten des Saphirs, Hyazinths, der Granaten, Smaragde, aus roten Korallen, Ebenholz, Gold- und Silberfolie, aromatischen Wurzeln und Substanzen, Moschus und Ambra, die mit Rosenhonig o. a. zur Konsistenz gemischt werden. Dem Mittel wurde große Wirksamkeit nachgerühmt gegen Krankheiten des Herzens, Gehirns, der Leber, des Magens, des Uterus, auch sollte es Melancholische aufheitern. „Wegen solcher Vorzüge,” heißt es, „ist dieses Mittel bei Königen und Fürsten sehr beliebt.”
[18] Bemerkenswert ist insbesondere die Destillation der empyreumatischen Oele, z. B. Ol. Juniperi, Ol. fraxinum. Sie geschah aus dem Destillationsfaß, einem großen, inwendig glasierten Tongefäß mit engem Hals. In einer mit Töpferton ausgemauerten Grube befand sich als Vorlage ein aufrecht stehender, inwendig glasierter Krug mit weiter Mündung, die durch eine siebartig durchlöcherte, fest anliegende Eisenplatte geschlossen war. Hiermit wurde der Hals des Fasses bogenförmig mittels Töpferton verkittet, so daß von den Dämpfen aus beiden Oeffnungen nichts entweichen konnte (Berendes).
[19] Vgl. R. Seligmann, „Ueber drei höchst seltene persische Handschriften”, Wien 1833.
[20] Ein (aus dem Persischen übertragenes) Medizinbuch des Armeniers Kakga (Ende des 10. bis Anfang des 11. Jahrhunderts) und eine anonym aus arabischen Vorlagen zusammengestoppelte Pharmakopöe.
[21] Vgl. S. 166.