14. Die Grabentour von Freiberg (Halsbrücke) bis Nossen und Roßwein.

Ein lohnender Wandertag! Erst durchwandert man die alte Bergstadt Freiberg, genießt Erinnerungen historischer und bergtechnischer Natur, dann besucht man die Halsbrücker Esse, ein Wunderwerk neuzeitlicher Technik. Nun beginnt eine Wanderung durch die lieblichen Täler der Bobritzsch und Freiberger Mulde. Zuletzt läßt man sich noch von den Trümmern Altzellas von vergangenen Zeiten erzählen.

FreibergHerders Ruhe (45 Min.) – Halsbrücker Esse (50 Min.) – Krummhermersdorf (30 Min.) – Oberreinsberg (1 Std. 10 Min.) – Zollhaus (40 Min.) – Nossen (1 Std. 15 Min.) – Altzella (30 Min.) – Roßwein (1 Std.)

Wanderzeit: 6¾ Std.

Ausgangspunkt: Bahnhof Freiberg. Linie Chemnitz–Dresden.

Freiberg, bis in die letzte Zeit Hauptort des sächsischen Bergbaues. Gegen 31000 Einwohner, 412 m hoch gelegen. 2 km von der Freiberger Mulde entfernt auf dem flachen Abhang des Erzgebirges. An Stelle des erlöschenden Bergbaues traten nach und nach andere Industriezweige, doch geben die zahlreichen Grubengebäude, Schmelzhütten und Steinhalden der Stadt und ihrer Umgebung charakteristisches Gepräge. Auch den Charakter einer alten Stadt hat Freiberg treulich gewahrt. Bürgerhäuser mit hohen Ziegeldächern, Bergmannsfiguren, architektonisch interessante Tore und Giebel legen Zeugnis davon ab.

Freiberg wurde 1175 vom Markgrafen Otto dem Reichen gegründet. Veranlassung war das Auffinden reicher Silbergänge in der Gegend. Bald war die Stadt im ganzen Reiche hochangesehen. Der Wert ihres Besitzes brachte ihr mancherlei Gefahren. Sie ward wiederholt vom Kaiser begehrt und hart belagert, fiel aber immer wieder an das Haus Wettin zurück. In der Fürstengruft des Domes liegen die evangelischen Glieder dieses Geschlechtes von Heinrich dem Frommen ab begraben. Harte Kriegsdrangsale gingen über die Stadt hin, besonders als am 29. Oktober 1762 Prinz Heinrich v. Preußen beim Hospitalwalde die entscheidende »Schlacht bei Freiberg« gewann. Die Stadtmauer mit ihren Türmen hat man zum großen Teil abgetragen und rings um die Stadt einen freundlichen Gürtel von Promenaden mit Brunnen und Denkmälern geschaffen. Weltbekannt ist die 1765 gegründete Bergakademie mit wertvollen einschlägigen Sammlungen. Der Dom besitzt einige Kostbarkeiten, besonders die berühmte »Goldene Pforte« und die Orgel, das Erstlingswerk des begnadeten Freiberger Orgelbauers Gottfried Silbermann.

Vom Bahnhofe durch die Bachstraße in Richtung der Klosterkirche, die Bergstiftsgasse überschreiten. Die Untere Langegasse kreuzend links auf die Bahnhofstraße. Diese nach rechts hinab. Weiter durch die Frauensteiner Straße, links die Schmiedestraße ab, den Münzbach überschreiten. Die Jakobikirche (Klosterkirche) bleibt rechts. Zwischen dem alten dohlenumflatterten Donatturm und dem Friedhof die Himmelfahrtsgasse nach rechts. Links die Scheunenstraße ab. Teilung: links, an den Scheunen vorbei, den Fußweg weiter, über drei Fahrwege weg. Richtung gibt die Höhe mit dem Haine an. Bei der Reichenzeche Kreuzung: geradeaus zu Herders Ruhe, einem Hügel, der auf der ehemaligen Grube »zu den heiligen drei Königen« als Grabmal für den Oberberghauptmann Siegmund August Wolfgang v. Herder, einem Sohne des großen Dichters, errichtet wurde. Die Gruft zieren die ehrenden Worte: »Hier ruht der Knappen treuester Freund«. Vom Hügel aus schöne Blicke auf Freiberg, die Halsbrücker Esse usw.

Nun den nordwärts auf die Halsbrücker Esse zuführenden Weg. Nach wenigen Minuten vor der Tuttendorfer Ortstafel die Straße nach links und nach einer Minute den Fahrweg nach rechts ab. Rechts der Kobschacht, sowie die Kirche von Tuttendorf. Jenseits der Mulde Conradsdorf. Bei der Wegkreuzung geradeaus auf die Esse zu, durch Halsbrücke. Über die Sekundärbahn Freiberg–Halsbrücke, über die Grabenbrücke und zur Mulde hinab. Über die Brücke und links den Fußweg an dem gemauerten Luftkanal aufwärts zur Halsbrücker Esse.

Höhe 140 m, die höchste Esse Europas. Grundfläche 12 m, Sockel 10 m Seitenlänge. Untere lichte Weite 5,15 m, obere 2,50 m. 1080000 Normalziegel wurden gebraucht. Die Baukosten betrugen 130000 Mark. Die obere Schwankung beträgt noch im heftigsten Schneesturm nur 12–13 cm. Die Esse dient dazu, die giftigen Gase, die sich in der Halsbrücker Hütte entwickeln, in die Höhe zu leiten und dadurch unschädlich zu machen. Vor der Erbauung der Esse wurde die ganze Gegend durch die ausströmenden Gase geschädigt, wie noch jetzt an der Pflanzenarmut und Öde der Umgebung der Hütte zu erkennen ist.

Wir wandern in östlicher Richtung weiter den Weg, der aus dem Muldentale heraufgekommen ist. Diesen ca. 3 Minuten nach links, einen Fahrweg schneiden, den Fußweg, der genau nordwärts führt. Er geleitet uns auf die Dorfstraße von Krummhermersdorf. Diese abwärts. Wir wandern bis zur Bobritzsch, gehen über die Brücke und links die Straße weiter bis zur Mühle. Hier links über den Graben und auf den Promenadenwegen an ihm hin, den blauweißen Marken nach. Der Graben lieferte früher das Trinkwasser zum Bau des Rothschönberger Stollens. Er führt durch vier Stollen. Auf der Strecke bis zum Austritt des ersten prächtige Riesenfichten, die Königsfichten genannt. Hinter dem zweiten Stollen rechts über den Steg und auf die Höhe über dem dritten Stollen. Herrliches Waldpanorama. Der Graben tritt in den vierten Stollen ein. Der Weg führt an einer senkrechten Felswand hin. Hernach ist der Graben überdeckt. Wir verlassen den Wald. Beim Reinsberger Schießhaus geradeaus auf Promenadenweg weiter bis auf die Straße. Wir sehen Schloß Bieberstein. Die Straße links führt uns nach Oberreinsberg. Hier ist die eigentliche Grabentour zu Ende.

Beim Erbgericht gehen wir rechts hinab. Nach 1 Minute links den Fußweg, Wegbezeichnung »Zollhaus« weiter und hinab zur Talstraße. Diese links bis zur Mühle. Hier rechts weiter (links sehen wir das Schloß Bieberstein), über die Bahn (Linie Potschappel–Wilsdruff–Nossen), an der Haltestelle Nieder-Reinsberg vorüber, die Talstraße weiter zum Zollhaus Bieberstein, Gasthaus mit prächtigem Garten, stark besucht von Nossen und Siebenlehn. Hier fließt die Bobritzsch in die Freiberger Mulde.

Aus dem Zollhaus tretend führt unser Weg links weiter über die Brücke und sogleich den Fußweg nach links, dem Flusse folgend, immer auf dem rechten Ufer. Nach 10 Minuten gelangen wir zur »Zottigen Fichte«, einem Riesenbaum. Prächtiger Waldweg. Wegteilung: scharf links hinab zur Mulde. Dann zur Steiermühle, Papierfabrik. Nicht über den Fluß zur Fabrik hinüber, sondern am rechten Ufer weiter. Bei der ersten Straßenbiegung links ab, bis zur Beiermühle (Pappenfabrik). Wir gehen den breiten Talweg weiter, an Huthaus Vereinigte Feldstollen vorüber, nach 5 Minuten an die Muldenbrücke. Von hier zwei Wege nach Nossen.

1. Weg: links über die Brücke und den Fahrweg weiter.

2. Weg: In der alten Richtung am rechten Ufer fort. Durch Wiesen. Vom zweiten Steinbruch ab mitunter unbequemer aber anregender Weg am Mühlgraben hin durch Busch. Beim Lehrerseminar links über den Mühlgraben, die Bahn überschreiten. Links über die Muldenbrücke. Von hier führt die erste rechts abbiegende Straße nach Altzella. Geradeaus geht es hinauf zum Markt von Nossen.

Stadt mit gegen 5000 Einwohnern, 256 m hoch an der Freiberger Mulde gelegen. Zahlreiche Fabriken für Leder, Papier, Pappe, Kartonagen, Maschinen usw. Knotenpunkt der Bahnlinien Leipzig–Döbeln–Dresden, Nossen–Freiberg–Moldau, Nossen–Riesa, Nossen–Wilsdruff–Potschappel. Das Schloß steht auf einem steilen Felsen. Der älteste Teil, die Dechantei, befindet sich auf dem nach der Mulde schauenden Felsen. Das Schloß enthält das Amtsgericht und Beamtenwohnungen.

Vom Markt aus hinaus zum Bahnhof. Dem Bahndamm nach, den Weg an der Mulde hin, unter der Bahn hindurch und den Fußweg an der Klostermauer hin. Dann durch ein Pförtchen hinein, oder um die Mauer weiter herum bis zum großen Eingangstor mit alten einfachen Säulenkapitälen des Klosters Altzella.

Klosterzella oder Altzella war ehemals ein Cistercienserkloster und wurde 1162 von Otto dem Reichen gegründet. Es war berühmt durch seine Klosterschule, die als erste Anstalt dieser Art in Sachsen gilt. 1545 wurde das Kloster aufgehoben. 1599 vernichtete ein Brand beinahe alle Gebäude. Es stehen nur noch das Refektorium, die Apotheke und das Schreiberhaus. Das Refektorium dient jetzt als Kuhstall und Getreideboden, besitzt aber noch Säulen, Gewölbe und Decke, die gut erhalten sind. In der 1787 von Friedrich August III. neuerbauten Begräbniskapelle, dem Mausoleum, ruhen die Gebeine der sächsischen Fürsten von Otto dem Reichen bis Friedrich dem Streitbaren. Das Mausoleum besitzt eine einzig dastehende Akustik. Das alte Portal ist romanisch und besteht aus 7 gewaltigen, hintereinander gewölbten Schwibbögen. Hier eine akustische Merkwürdigkeit: Worte, die an dem Ende eines Bogens im Flüstertone gesprochen werden, sind für eine am anderen Ende des Bogens stehende Person deutlich vernehmbar, besonders beim zweiten Bogen gelingt der Versuch.

Zum Tore hinaus, die Dorfstraße rechts hinab und an den letzten Häusern den Fahrweg links. Er windet sich rechts über die Wiese. Weiter geht es aufwärts in den Wald. Gleich hinter dem Steinbruch, wo links der Wald aufhört, rechts den Fußweg hinab. Im Walde an der Bahn hin, am Bahnwärterhaus vorüber. Dann links und dicht an der Mulde weiter. Nun hoch am Felsen durch dichtes Buschwerk weiter, tief unter uns braust der Fluß. Nach ¼ Stunde über die Wiese auf die Dachpappenfabrik »Burgmühle« zu und auf der überdeckten Muldenbrücke den Fluß überschreiten. Am anderen Ufer den Fahrweg nach links. In ca. 20 Minuten zur Restauration »Zur Schelze« mit großem, schönen Garten. Den alten Weg weiter am Talbad vorüber bis auf den Markt von Roßwein.

Betriebsame Industriestadt, 206 m hoch an der Freiberger Mulde gelegen mit gegen 10000 Einwohnern. Sehenswert sind der Marktplatz mit dem Rathaus und dem Abthaus daneben, in welchem die Äbte des Klosters Altzella residierten. Große Freitreppe und interessantes Renaissance-Portal. In Roßwein befindet sich eine Schlosserschule.

Vom Markt die Döbelner Straße hinaus, links durch die Dresdner Straße, über die Muldenbrücke, durch einen Bahndurchgang zum Bahnhof.

Linie Chemnitz–Frankenberg–Hainichen–Roßwein.