10. Auftritt
Die Vorigen und Podkoliessin mit einem Spiegel in der Hand, in dem er sich aufmerksam betrachtet.
Kotschkarjow (kommt herangeschlichen und erschreckt ihn). Puff!
Podkoliessin (schreit auf und läßt den Spiegel fallen, der zerbricht). Du? Du bist wohl verrückt geworden? .. Was für einen Sinn hat das nur? .. Wozu diese Dummheiten? .. Wahrhaftig, ich bin so erschrocken, daß ich gar nicht weiß, wo ich bin.
Kotschkarjow. Ach, reg dich nicht auf ... es war doch nur ein Spaß!
Podkoliessin. Ein schöner Spaß! Ich kann mich bis jetzt nicht vom Schreck erholen. Und der Spiegel ist zerbrochen. Das war doch kein billiges Stück. Den hab’ ich in einem englischen Laden gekauft.
Kotschkarjow. Nun, nun, sei friedlich! Ich werde dir einen andern Spiegel kaufen.
Podkoliessin. Ja, ja, ich weiß schon. Ich kenne diese andern Spiegel schon. In denen sieht man um zehn Jahre älter aus. Die ganze Fratze wird einem schief darin.
Kotschkarjow. Ich hätte viel mehr Grund, mich über dich zu ärgern. Ich bin doch dein Freund, und du verheimlichst mir alles. Du willst dich verheiraten!
Podkoliessin. Ach, Unsinn. Wer denkt denn daran.
Kotschkarjow. Bitte, hier steht der Beweis. (Zeigt auf Thekla.) Man weiß schon, was das für ein Vogel ist. Nun, nun, das schadet ja nichts. Das ist doch kein Verbrechen! Ein ganz christliches Werk, sogar ein patriotisches Werk! Doch, laß mich nur machen! Ich nehme alles auf mich. (Zu Thekla.) Also, nun los, erzähle. Wie, wo, was. Ist es ’ne Adlige, eine aus dem Beamten- oder Kaufmannsstande und, vor allem, — wie heißt sie?
Thekla. Agathe Tichonowna heißt sie.
Kotschkarjow. Aha, Agathe Tichonowna Brandachlistowa!
Thekla. Nein, Kuperdjagina.
Kotschkarjow. Na ja, und wohnt in der Schestilawotschnaja.
Thekla. Nicht doch, in der Nähe von Peßki wohnt sie. In der Müllnijgasse.
Kotschkarjow. Natürlich, in der Müllnijgasse, gleich hinter dem Kramladen. In dem hölzernen Haus.
Thekla. Nein, nicht hinter dem Kramladen; hinter der Schenke.
Kotschkarjow. Wieso hinter der Schenke? ... Das versteh ich nicht.
Thekla. Wenn du in die Gasse einbiegst, so kommst du gleich an einem Häuschen vorbei. Gleich hinter dem Häuschen mußt du nach links einbiegen. Dann siehst du das hölzerne Haus vor dir, in dem die Näherin wohnt, ... die, die früher mit dem Obersekretär des Senats zusammengelebt hat. An der Näherin also mußt du vorübergehen: du läßt sie hinter dir. Aber sofort danach, das steinerne Haus, das gehört ihr. Das heißt, da wohnt sie: Agathe Tichonowna, die Braut.
Kotschkarjow. Gut, gut. Ich werde schon Alles besorgen. Jetzt kannst du abziehen. Wir brauchen dich nicht mehr.
Thekla. Was, du willst doch nicht, .... du kriegst doch keine Heirat zustande!
Kotschkarjow. Selbstverständlich! Ich besorge das ganz allein. Du brauchst dich um nichts mehr zu kümmern.
Thekla. Pfui, schäme dich. Das ist doch kein Beruf für Männer. Lassen Sie die Hand davon, Väterchen! Ich bitte Sie!
Kotschkarjow. Geh, geh nur. Was verstehst denn du davon? Schuster, bleib bei deinen Leisten. Los, Abfahrt!
Thekla. Was? Du willst den Leuten das Brot wegnehmen? Wart, du alter Sünder. Mischt sich in diese Angelegenheit. Wenn ich das gewußt hätte! Kein Wort wäre über meine Lippen gekommen! (Läuft wütend hinaus.)