14. Auftritt

Podkoliessin und Agathe Tichonowna.

Agathe Tichonowna. Aber bitte schön, so nehmen Sie doch Platz!

(Beide setzen sich und schweigen.)

Podkoliessin. — Fahren Sie gerne spazieren?

Agathe Tichonowna. Wie meinen Sie das? ...

Podkoliessin. Im Sommer ist es doch schön, Kahn zu fahren.

Agathe Tichonowna. Ja, zuweilen mache ich einen Ausflug mit Bekannten.

Podkoliessin. Es läßt sich noch nicht voraussagen, was für einen Sommer wir in diesem Jahre haben werden.

Agathe Tichonowna. Aber hoffentlich wird er gut!

(Beide schweigen.)

Podkoliessin. Welches ist Ihre Lieblingsblume, gnädiges Fräulein?

Agathe Tichonowna. Am meisten liebe ich die Blumen, die stark duften. Zum Beispiel Nelken!

Podkoliessin. Den Damen stehen Blumen sehr gut.

Agathe Tichonowna. Ja, man muß sagen, sie machen recht viel Vergnügen!

(Beide schweigen.)

In welcher Kirche waren Sie am vorigen Sonntag?

Podkoliessin. In der Himmelfahrts-Kirche. Und eine Woche vorher, da war ich in der Kasanschen Kirche. Übrigens ist es doch ganz gleich, in welche Kirche man beten geht ... Nur ... die letztere ... die ist viel prächtiger.

(Beide schweigen.)

(Podkoliessin beginnt mit den Fingern auf den Tisch zu trommeln.)

Bald findet in Katharinenhof ein Gartenfest statt.

Agathe Tichonowna. Ja, ich glaube, in einem Monat.

Podkoliessin. Oh, in kaum einem Monat!

Agathe Tichonowna. Es wird wohl sehr lustig werden.

Podkoliessin. Heute haben wir den Achten. (An den Fingern abzählend.) Den Neunten, den Zehnten, den Elften ... In zweiundzwanzig Tagen.

Agathe Tichonowna. Denken Sie nur, schon so bald!

Podkoliessin. Und den heutigen Tag habe ich dabei noch gar nicht mal mitgezählt.

(Pause.)

Was für mutige Leute doch unsere Russen sind!

Agathe Tichonowna. Wie? ...

Podkoliessin. Ich meine die Arbeiter! Stehen da ganz ruhig hoch oben auf dem Gerüst. Ich kam nämlich heute an einem Neubau vorüber. Sitzt so ein Stukkateur ganz gemütlich hoch oben und denkt sich gar nichts dabei. Er fürchtet sich nicht im mindesten.

Agathe Tichonowna. Ja! Und wo war denn das? ...

Podkoliessin. Auf dem Wege nach dem Departement, da, wo ich täglich vorüberkomme. Ich gehe doch jeden Morgen in den Dienst.

(Beide schweigen. Podkoliessin fängt wieder an, mit den Fingern auf den Tisch zu klopfen. Dann steht er auf, nimmt seinen Hut und macht eine Verbeugung.)

Agathe Tichonowna. Wie, Sie wollen schon gehen?

Podkoliessin. Ja, gewiß habe ich Sie gelangweilt. Entschuldigen Sie.

Agathe Tichonowna. Aber wie können Sie nur so etwas glauben? Im Gegenteil. Ich danke Ihnen von Herzen für die angenehme Unterhaltung.

Podkoliessin (lächelnd). Nein, wirklich, mir schien, daß ich Sie langweilte.

Agathe Tichonowna. Wahrhaftig nicht!

Podkoliessin. Oh, wenn ich mich geirrt haben sollte, so erlauben Sie mir doch, daß ich zu einer anderen Zeit ... vielleicht einmal abends ...

Agathe Tichonowna. Ich würde mich außerordentlich freuen ... (Sie verabschieden sich voneinander, und Podkoliessin geht.)