5. Auftritt
Die Vorigen und Katerina Alexandrowna. Iwan Petrowitschs Frau.
Katerina Alexandrowna (erblickt Alexander Iwanowitsch). Ah! Alexander Iwanowitsch! Mein Gott, wie lange wir uns nicht gesehen haben! Sie haben mich ganz vergessen! Wie geht es Natalia Fominischna!
Alexander Iwanowitsch. Gottseidank! Übrigens kränkelt sie seit einer Woche.
Katerina Alexandrowna. Aeh!
Alexander Iwanowitsch. Sie leidet an Stichen und Beklemmungen in der Magengrube. Der Arzt hat ihr ein Abführungsmittel und heiße Kompressen von Kamillentee und Salmiakgeist verschrieben.
Katerina Alexandrowna. Versuchen Sie es doch mit einem homöopathischen Mittel.
Iwan Petrowitsch. Da du gerade von Homöopathie sprichst — es ist wirklich merkwürdig, wenn man bedenkt, wie weit man es jetzt mit der Aufklärung gebracht hat, Katerina Alexandrowna. Ich war vor kurzem in einer Vorstellung. Und was glauben Sie? Ein Bengel, wie soll ich euch sagen, so groß (zeigt mit der Hand) und etwa drei Jahr alt, nicht mehr — ihr hättet sehen müssen, wie der auf einem ganz dünnen Seil tanzte! Ich versichere Ihnen, im Ernst, der Atem stockte einem vor Angst!
Alexander Iwanowitsch. Die Melas singt wirklich sehr schön.
Iwan Petrowitsch (bedeutungsvoll). Die Melas? O ja. Mit vielem Gefühl!
Alexander Iwanowitsch. Ausgezeichnet.
Iwan Petrowitsch. Haben Sie bemerkt, wie geschickt sie das ... nimmt ... (beschreibt mit der Hand Kreise vor den Augen).
Alexander Iwanowitsch. Jawohl, besonders das macht sie ganz wundervoll. — Doch es ist gleich zwei Uhr.
Iwan Petrowitsch. Wie! Wollen Sie schon gehen, Alexander Iwanowitsch?
Alexander Iwanowitsch. Es ist Zeit. Ich muß heut vormittag noch an ungefähr drei Stellen sein.
Iwan Petrowitsch. Nun, dann auf Wiedersehn. Wann sehen wir uns? Richtig, ich hab fast vergessen: morgen sind wir doch bei Lukian Fedossejewitsch?
Alexander Iwanowitsch. Ganz bestimmt. (Sie verabschieden sich.)
Katerina Alexandrowna. Leben Sie wohl, Alexander Iwanowitsch.
Alexander Iwanowitsch (in der Garderobe, während er sich den Pelz umlegt). Ich kann diese Art Menschen nicht ausstehen! Das tut nichts, wird nur immer fetter und stellt sich, als wäre er dies und jenes, als hätte es dies getan und jenes verbessert — die leibhaftige Tugend! Und welche Ansprüche das macht! Einen Orden! Und er wird ihn auch bekommen! Ja, er wird ihn bekommen — dieser Gauner! Er wird ihn bekommen! Solche Menschen haben ja immer Erfolg! Und ich? Hä? Fünf Jahre bin ich länger im Dienst und bis jetzt noch nicht einmal für einen Orden vorgeschlagen? Pfui, was für eine ekelhafte Physiognomie? Und dazu entwickelt er noch zarte Gefühle: er will ja gar nichts so besonderes, nur damit man merkt, daß seine Vorgesetzten ihm einige Aufmerksamkeit erweisen. Und er bittet mich noch, daß ich ein Wort für ihn einlegen soll! Da sind Sie an den Richtigen gekommen, Verehrtester! Ich werde ihm schon einen Dienst erweisen! Nein, mein Bester, du sollst keinen Orden bekommen! Keinen! Keinen!! (Klopft einige Male wie zur Bestätigung mit der Faust auf die Handfläche und entfernt sich.)