Fußnoten

[1] Der Humor dieser Szene geht in der Übersetzung größtenteils verloren: Hübner nämlich spricht deutsch und radebrecht russisch, Chlestakóff dagegen russisch und radebrecht deutsch. Die deutschen Worte des Originals seien wenigstens im Druck gekennzeichnet. — Anmerk. d. Übers.

[2] Ein in der Übersetzung nicht zu veranschaulichender Wortwitz des Originals.

[3] Es versteht sich von selbst, daß der Autor des Stückes eine ideale Persönlichkeit ist: er verkörpert die Situation des Komödiendichters in der Gesellschaft, — des Komikers, der sich die Verspottung der Mißbräuche in den verschiedenen Ämtern und Ständen zur Aufgabe gemacht hat.

MODERNE RUSSEN

MICH. P. ARTZIBASCHEW:

Ssanin, Roman
GEHEFTET M. 5.—, GEBUNDEN M. 6.50

Aufruhr, Novellen
GEHEFTET M. 3.—, GEBUNDEN M. 4.50

Millionen
GEHEFTET M. 5.—, GEBUNDEN M. 6.50

Revolutionsgeschichten
GEHEFTET M. 4.—, GEBUNDEN M. 5.50

FJODOR SSOLOGUB:

Der kleine Dämon
GEHEFTET M. 5.—, GEBUNDEN M. 6.50

ALEXANDER KUPRIN:

Die Gruft
GEHEFTET M. 3.—, GEBUNDEN M. 4.50

GEORG MÜLLER VERLAG MÜNCHEN

M. ARTZIBASCHEW, Ssanin. Roman. 20. Auflage.

Finster, groß und ernst, von religiösem und sozial-ethischem Pathos erfüllt, mit weltreformatorischen Absichten und Gesinnungen, steht die russische Kunst, wie in Dostojewski und Tolstoi, so auch in Artzibaschew vor uns. Mit düsteren und starren Savonarola-Mienen blickt der Dichter auf das Leben seiner Zeit und seines Volkes, und er trägt Geißeln in seiner Hand; überall lodern die Flammen der Revolution, verspürt man den Atem umstürzlerischen Fühlens und Denkens.

Julius Hart im Tag

Das Dichterische hebt das ganze Buch Artzibaschews über das Niveau der Tendenz- und Absichtenbücher empor. Artzibaschew müßte zwar kein Russe sein, wenn sein Buch nicht im Grundton aller russischen Literatur, in philosophierender Grübelei erklingen sollte, aber er phantasiert nicht ins Blaue hinein, er hat vor allem wirklich etwas zu sagen. Und er sagt es mit künstlerischem Stil und poetischer Kraft.

Münchener Post

Der Verfasser verfügt über einen eigentümlichen Zauber in der knappen Charakteristik der Frauengestalten. Er gibt reizende, poetische Naturbilder von Gärten und Landschaften, in denen die jungen Leute sich umhertreiben; einzelne Szenen haben einen großartigen Zug echt russischen Charakters, wie man derartiges nur bei den ganz großen russischen Dichtern findet.

Kölnische Zeitung

M. ARTZIBASCHEW, Aufruhr u. andere Novellen. 3. Aufl.

Artzibaschew ist unstreitig der beste unter den jungrussischen Erzählern, der schon eine unendliche Reihe von Nachtretern gefunden hat. Er ist im Grunde seines Schaffens Impressionist ... seine Bilder stehen vor uns in einem packenden Rahmen, in klarer Deutlichkeit, mit richtiger Licht- und Schattenverteilung und in der menschlichen Unmittelbarkeit, die uns am tiefsten ergreift. Sein vorliegender Novellenband ist wieder einmal die Bestätigung dieser seiner großen poetischen Kunst.

Berliner Morgenpost

Es ist etwas Gewaltiges um den Realismus und die nackte Offenheit von dem Autor des „Ssanin“! Er ist ein Arzt der Seele, der die Wunden am Organismus des russischen Volkskörpers rücksichtslos bloßlegt. Keinem denkenden Leser wird es je einfallen, eine zynische Note in diesen aus künstlerischem und sozialethischem Geiste entstandenen Bildern zu suchen.

Hamburgisches Fremdenblatt

M. ARTZIBASCHEW, Millionen u. andere Novellen. 3. Aufl.

Die Psychologie der Erzählung ist so ausgezeichnet, wie man das von den Russen gewohnt ist. Sie geht in den Spuren des großen Dostojewski. Ein besonderes formales Moment sind die Naturstimmungen zu Anfang fast jeden Kapitels. Auch in der zweiten Erzählung finden sie sich. Sie sind eine Art von intimerem Symbolismus. Artzibaschews Sprache ... zeigt aber bemerkenswerte und besondere individuelle Vorzüge. Unvergleichlich und von höchst unmittelbarer, reizvoller Wirkung ist z. B. die schlichte und knappe und doch sehr plastische und suggestive Wirkung, wie Artzibaschew den Reiz des weiblichen Körpers und seine Macht auf den Mann mitzuteilen weiß. Ich könnte mir vorstellen, daß Artzibaschew nach solcher Richtung ein Dichter des Weibes werden könnte, wie ihn Rußland noch nicht gehabt hat.

Johannes Schlaf in „Nord und Süd“

Ein bis ins Unterbewußtsein kühn hineingreifendes, scharfes und unfehlbares psychologisches Vermögen, eine meisterhafte, wohlklingende Bildersprache, eine bis hart an die Grenze des Überfeinerten gesteigerte Ästhetik ... In allem eine minutiöse Detailmalerei, und eine Milieuschilderung, wie sie zum Besten in ihrer Art gerechnet werden müssen.

B. Z. am Mittag

M. ARTZIBASCHEW, Revolutionsgeschichten. 3. Aufl.

Der berühmte Dichter des „Ssanin“ zeigt sein hervorragendes dichterisches Können auch in diesem neuen Werk. Die „Revolutionsgeschichten“ sind furchtbare Illustrationen zu den nun schon historisch gewordenen Greueltaten jener Zeit, da Revolution und Reaktion in Rußland einen grauenvollen Kampf begannen. In diesen Geschichten steckt die sittliche Kraft der russischen Jugend und Intelligenz, die es gewagt hat, an den Grundlagen des tönernen Kolosses zu rühren und die Reformation des Landes unter Aufopferung ihrer eignen Personen zu erzwingen. Und doch lesen sich diese Geschichten nicht etwa bloß wie historische Berichte. Sie sind dichterische Schöpfungen.

Dr. Messer i. d. Neuen Freien Presse, Wien

FJODOR SSOLOGUB, Der kleine Dämon. Roman. 3. Aufl.

Ssologubs „Kleiner Dämon“ ist ein Buch, das man gerne liest und über das man gerne schreibt, seinem furchtbaren Stoffe, der Tatsache zum Trotz, daß es Seite für Seite vom Schmutz eines für westeuropäische Begriffe schier unglaublich niedrigen Alltags geradezu pappt. Dies grausame Buch ... bedarf einer energischen Abwehr der Insinuation des Naturalismus und seiner Lust zu stinken. Ssologub steht hoch über dem Verdachte, mit den Widrigkeiten seines Werkes Sensation beabsichtigt zu haben ... Er ist Dichter durch und durch und blickt mit den ernsten, echt menschlichen Augen eines vornehmen Ethikers. Ssologub macht keinerlei literarischen Getues mit dem Satanismus der Welt, die er schildert. Er spricht ruhig und gelassen wie von einer Sache, über die wir uns längst einig sind. Sein Pessimismus posiert nicht und ist keine trockene These, sondern bitterlich ernste Lebenserfahrung, Lebensstimmung.

Hermann Eßwein im Literarischen Echo

ALEXANDER KUPRIN, Die Gruft. Ein Roman aus der russischen Tiefe. Dritte Auflage.

Ein mächtiges Gefühl der Wirklichkeit lodert in seinem Schaffen, ein Streben, das ganze russische Leben zu umfassen und die Vielheit seiner Formen sinnreich zu beleuchten ... Kuprins Naturalismus hat hier in der Sprache, in der Darstellung von Tatsachen und in den Farben den Höhepunkt erreicht. Er erscheint hier als Naturforscher, als Psychologe und als Chirurg, der mit verblüffender Kaltblütigkeit das Seziermesser handhabt, um alle Atome zu zerlegen ... Die ethische Kraft, mit der Kuprin sein Werk geschrieben, ist gewaltig genug, um jede ernstdenkende und mitfühlende Persönlichkeit hinzureißen.

Neue Freie Presse, Wien

Was Kuprins Buch, das er den Müttern und der Jugend widmet, von der Bordell- und Dirnenliteratur unterscheidet, in der mit einem ethisch-sentimentalen Rittertum die Notwendigkeit der Institution und die Zusammenhänge unterschlagen wurden, ist die Objektivität, mit der er den Dingen aus nächster Nähe klar ins Auge sieht, ohne das ungeheuer Geschäftsmäßige der Prostitution dabei mit Gemüt zu überfälschen ... Es ist ein Erkenntnis- und ein Mahnbuch, ein Buch der Nächstenliebe, voll großen sozialen Empfindens.

Vorwärts, Berlin

RUDOLF HUCH

Mehr Goethe
7. Aufl. Geh. M. 2.—, geb. M. 3,—

Winterwanderung
2. Aufl. Geh. M. 2.50, geb. M. 3.50

Die beiden Ritterhelm
Roman. 2. Aufl. Geh. M. 4.—, geb. M. 5.—

Die Familie Hellmann
Roman. 2. Aufl. Geh. M. 6.—, geb. M. 7.50

Die Rübenstedter
Eine Kleinstadtsommergeschichte
2. Aufl. Geh. M. 3.—, geb. M. 4.—

Wilhelm Brinkmeyers Abenteuer
von ihm selbst erzählt
2. Aufl. Geh. M. 5.—, geb. M. 6.50

GEORG MÜLLER VERLAG MÜNCHEN

Mehr Goethe

Und nun komme ich zu einem der eigenartigsten und selbständigsten Bücher, die den Namen Goethe auf ihren Schild geschrieben haben. Das Buch von Rudolf Huch „Mehr Goethe!“ hat ja inzwischen seinen breiten Weg in die deutsche Leserwelt gefunden, es bedarf also der Empfehlung kaum noch ... Es ist ein frisches, mutiges und gesundes Buch, das aus seinem Herzen keine Mördergrube macht, keck und dreist, ohne viel gelehrten Ballast im Schulsack, mitten in die Dinge hineinspringt und alle graue Theorie zum Teufel jagt.

(‚Westermanns Monatshefte‘)

Winterwanderung

Anmutig und durch einen Beigeschmack feiner Ironie ätzend und oft fast pikant in gutem Sinne liest sich ein gleichwohl gedankenreiches, zu aphoristischer Form neigendes Werk von Rudolf Huch: Winterwanderung ... Ein vornehmer Grundton, ein aristokratischer Pessimismus, der sich an Schopenhauer vertieft hat, zieht durch Huchs Weltanschauung; aber ein oft feinsatirischer, oft grimmiger Humor bildet das angenehme Gegengewicht und läßt steife Feierlichkeit nicht aufkommen. Das geistvolle Buch, wiederum ausgezeichnet durch eine fesselnde Stilistik, ist insofern eine empfehlenswerte Ergänzung zu des Verfassers bekanntem Buch: Mehr Goethe.

(‚Der Türmer‘)

Die beiden Ritterhelm

Den hohen Reiz des Buches macht die gleichmäßige, epische Gelassenheit aus und, mit ihr zusammenhängend, die dem Stoff gemäße patrizische Natur des Erzählers. Das gibt dem Ganzen eine ungewöhnliche, lückenlose Einheitlichkeit. Wir spüren ein bildungsgesättigtes Wesen, das der Bildungsprotzerei entgegengesetzt ist, wir spüren einen tiefen Ernst der Lebensanschauung und zugleich eine humorisch mildernde Überstrahlung; weite Ausblicke werden in verhaltener Darstellung angedeutet, und überall erfreut die unsüßliche Anmut der sparsamsten Linie.

(‚Der Kunstwart‘)

Huchs Buch ist von einer kräftigen Strenge, herb und unerbittlich, männlich durch und durch. Und es ist fest in seinem Gefüge, seine Gewölbe sind tragkräftig, und der Mörtel des Baues ist hart wie Stein ... Die Gefühle der Menschen in diesem Buche liegen nicht an der Oberfläche und können nicht leichthin berührt werden. Sie sind in Knospen eingeschlossen ... Huchs Buch gehört zu jenen, die man nicht vergißt.

(Karl Hans Strahl in ‚Die Zeit‘, Wien)

Die Familie Hellmann

Kein Buch führt wohl so in gerader Linie auf den Stammbaum Goethes zurück wie dieser Familienroman Rudolf Huchs. Er ist ein Erlebnis für den Leser, davon er manchen Tag zehren kann und das ihm schwerlich mehr aus dem Gedächtnis schwindet; auf den fünfhundert Seiten wird keine Zeile langweilig sein. Da ist edle Ausgeglichenheit der Sprache, Wohlklang, Feinnervigkeit, männliche Kraft und frauliche Süßigkeit: das Buch hat etwas im tiefsten Grunde Musikalisches ... „Die Familie Hellmann“ bildet einen Höhepunkt in Rudolf Huchs künstlerischem Schaffen und verdient es, den bisher noch viel zu wenig gekannten Dichter endlich ans Licht zu führen.

(Dr. Ludwig Finckh in den ‚Propyläen‘)

Rudolf Huch hat sich schon früher durch einige Werke die Achtung des deutschen Publikums errungen. Mit diesem Roman steht er als ein ganz reifer, eigenartiger und als literarischer Charakter durchgebildeter Künstler vor uns, der auf äußeren und inneren Stil etwas hält, nicht gewisser Szenen wegen sich technisch überhastet, sondern ruhig und sachlich, das heißt episch langsam von Nuance zu Nuance, von Stufe zu Stufe fortschreitend erzählt. Und trotz dieser scheinbar ruhigen und sachlichen Art formt sich seine Geschichte immer mehr, runden sich seine Gestalten und erleben mit objektiver Unerbittlichkeit ihr Schicksal. Neben den tatsächlichen Hauptpersonen gewinnt eine Anzahl Nebenfiguren durch die liebevolle Behandlung von seiten des Autors wirkliches Leben und wirkliche, menschenähnliche Plastik.

(‚Pester Lloyd‘)

Rudolf Huch hat eine streitbare Schrift „Mehr Goethe!“ verfaßt, in der er den Deutschen als unverlierbare Richtschnur den Weg zu Goethe anpreist. Diesen Weg ist er mit seinem schönen Roman selbst geschritten. Er beleuchtete den Grundsatz des großen Meisters: Bilde, Künstler, rede nicht. Seine Figuren haben plastisches Leben. Sie bleiben in unserer Erinnerung, als ob wir sie selbst gesehen hätten. Lyrische Stimmungen, an denen auch dieser Roman nicht arm ist, verdrängen doch nicht die hartgefügten Menschengestalten, die der Dichter geschaffen hat.

(Dr. Max Messer)

Rudolf Huch ist ein Dichter mit starker Eigenart. Er prägt scharf und hart und baut seine Sachen ohne alle umhüllende Weichheit und Zartheit aus. Eine wirkliche Kompositionskunst und eine wundervolle Teleologie ist da, die jedes einmal aufgenommene Moment des Stoffes entwickelt und zur Geltung bringt. Huch schmückt die Form; doch sein Schmuck ist karg und spröd, voll Einfalt und Ungebrochenheit ... Wenige sind so frisch, kernhaft und anspruchslos wie er. Schönheit, tiefe und innere Größe ist auch den Menschen nahe, die durch diese letzte Arbeit Huchs gehen.

(‚Mannheimer General-Anzeiger‘)

Die Rübenstedter

Gottlob, endlich einmal Humor, wirklicher deutscher Erzählerhumor! Der Verfasser zitiert nicht umsonst in seiner Vorrede solch gute Geister wie Wilhelm Raabe und Fritz Reuter. Er hätte meinethalben auch noch Dickens nennen können, ja vielleicht den mit dem besten Recht. Denn Rudolf Huch streift ... durchaus die behagliche, künstlerische Sphäre des englischen Erzählers ... Huch steht alle „Moral“ so fern, daß er für die moralisch außerordentlich streng geregelte Lebensweise von Rübenstedt ein wirklich befreiendes Lachen des Mitgefühls übrig hat, das durchhält bis zum Schluß.

(Eugen Kalkschmidt in der ‚B. Z. am Mittag‘)

Die Rübenstedter sind ein ganz selbständiges Buch, durchsonnt von einem breiten, behäbigen Humor, köstlich in der feinen Verspottung der Kleinstädter, der Philister und all der Leute, deren freie geistige Regungen in der Kleinstadt verkümmert und die in ihr lederne Pedanten und Banausen geworden sind ... Die Gestalten der Geschichte sind mit wenig Strichen prächtig charakterisiert, die Darstellung ist von reifer Lebensweisheit getragen.

(‚Rhein- und Ruhr-Zeitung‘)

Rudolf Huchs Kleinstadtsommergeschichte „Die Rübenstedter“ ist ein prächtiges Buch .... Es ist ein Buch, das ganz köstliche Einzelheiten enthält, und über viele Stellen kann man bis zu Tränen lachen. Die Sprache in ihrer Ruhe und Sachlichkeit, die reiche Reihe glänzend gezeichneter, lebensvoller Gestalten ... sichern dem Buche einen guten Platz in unserer humoristischen Erzählungsliteratur.

(‚Literar. Zentralblatt‘)

Anmerkungen zur Transkription

Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch Variationen in der Transliteration der russischen Namen wurden nicht verändert. Die Übersetzer haben teilweise, zumeist im »Revisor«, die russischen Namen unter Verwendung von Akzenten transliteriert. Dies wurde unverändert übernommen und auch nicht vereinheitlicht.

Offensichtliche Fehler wurden, teilweise unter Zuhilfenahme des russischen Originaltextes, korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):