XVI

Er stand am Ladenfenster eines Herrenschneiders und träumte in das helle Glas. Weil er letzter Tage schon öfter dagestanden, indeß der Balthasar drinnen im Laden weilte, sah er mehr nach den goldenen Buchstaben des Schneidernamens als nach seiner Blesse.

Plötzlich schollern schwerste Räder übers Pflaster der Straße, erschreckt sieht Dauphin um und sieht wuchtige Kanonen daherkommen, von wuchtigen Pferden gezogen. Maskiert sind Pferde und Kanonen, mit Schmutz beschmiert, mit Oelfarben aller Art, und die Kanoniere sitzen oben, und ihre Köpfe hängen tief auf die Knie herab, und auch die Gäule schreiten müde dahin. Wenn ganz einmal einer der Soldaten den Kopf hochträgt und die Augen in die Zuschauer sinken läßt, sieht man unendliche Traurigkeit in diesen Augen, und die Menschen, die da stehen, gehen heim und verwinden die Tränen.

In der Ladentür steht Balthasar bei dem Schneidermeister und hat eine dunkle Weste an, die mit weißen Reihfäden allerlustigst durchsprenkelt ist, und über die gelblichen Hemdsärmel hängt das Metermaß.

Dauphin hat keine Ruhe mehr. Den Balthasar konnte er kaum erkennen, wollte ihn vielleicht auch nicht recht erkennen, und als er wieder im Laden verschwunden war, zog Dauphin sein Wägelchen an und zog es neben einer gestutzten Abwehrkanone her, die mit vier Füchsen bespannt war. Der Lärm der schweren Geschütze verschlang natürlich das Gekläpper des Wägelchens vollauf, und Balthasar merkte nichts.

Als die versunkenen Kanoniere erst weit draußen vor der Stadt den kleinen Abenteurer neben sich entdeckten, stiegen sie ab und banden ihn kurzerhand, ohne zu beachten, wie sehr er widerstrebte, an den nächsten Apfelbaum, der am Wege stand. Sie liefen eiligst ihrem Fuhrwerk, das unterdessen nicht halten konnte, nach und sprangen auf, und Dauphin flehte die, die unausgesetzt an ihm vorüberzogen, um Erbarmen an, daß sie ihn doch seiner Fessel entledigen und mitnehmen sollten. Und weil Soldaten sich auf die Pferdesprache manchmal recht gut verstehen, wenn sie wollen, geschah es, daß einer sich von seinem Protzkasten schwang und Dauphins Fessel löste und auch die Stränge des Wagens loskettete. Just im selben Augenblick, als Dauphin ausreißen wollte in die unsichere Freiheit des Nichtmehrganzjungen, da stand Balthasar hinter ihm und kettete die Stränge wieder ein, drehte das kleine Fuhrwerk stadtwärts, und Dauphin ließ den Kopf wieder hängen, denn er schämte sich vor den großen Gäulen sehr.

In die Kaserne ging's!

„Noch ein Weilchen Geduld, feiner Herr!” sprach Balthasar zu Hause, „die Hühnerleiter ist zwar schon herumgedreht: was unten war, ist heute oben, aber wir müssen nicht tollkühn sein und uns noch einen Tag gedulden können!”

Dieser Tag kam nach drei Tagen!

Balthasar trug einen neuen Anzug, einen schwarzen, steifen Hut und einen Spazierstock mit Silberkrücke. Dauphin ward nicht eingespannt, sondern durfte, nur mit dem Halfter bekleidet, an dem ein Lederriemen hing, mitgehen. Sie machten Halt in einer Wirtschaft der Stadt, und Dauphin ward in einen Stall geschoben, wo noch drei große Gäule standen, die vor Hunger stampften.

Kaum war Balthasar in der Wirtschaft verschwunden, so kamen zwei Burschen in den Stall, banden eilig den kleinen Dauphin los und führten ihn durch ein Hintertürchen — Dauphin verstand es wohl, sich zu bücken — davon.

Die drei Burschen liefen querfeldein und kamen nach einer Stunde auf einem großen Platze an, wo anscheinend der ganze Zug, der gestern durch die Stadt sich träg und ermattet hingeschlängelt, aufgelöst sich ausbreitete.

Da gab's offenbar etwas Neues! Dauphin reckte den vom Joch befreiten Hals mit glorreichem Schwunge in die Höhe, um nicht übersehen zu werden, denn er war doch daran gewöhnt, geachtet und sogar ausgezeichnet zu sein!

Kannte Dauphin nicht einen dieser dicken Kerle da? Hatte er nicht mit einem dieser roten Hengste einst sogar Freundschaft? Er zerrte an seiner Leine, und einer der Füchse legte seinen starken Hals über Dauphins Mähne ... Dauphin wibberte, indeß er so in dieser Liebkosung verharrte, am Heu eines Protzkastens, fraß nicht, hälmelte nur so und war seit langer Zeit wieder einmal durchaus beglückt!

Bauern, die Dauphin schon oft neben müden Kühen durch die Stadt hatte schlendern sehen, ergingen sich zwischen den abgeschirrten Pferden, rieben die Hände aneinander und lachten sich an und guckten den starken Gäulen in die aufgerissenen Mäuler. Dauphin hätte sich nicht so von jedermann in den Mund gucken lassen!

Seine zwei Begleiter hatten's eilig! Ein Judenbübchen, kaum fünfzehn Jahre alt, kam auf sie zu, klatschte Dauphin auf den Schenkel, trat aber wieder rasch beiseite, als fürchte er sich vor den Zweien. Es legte die eine Hand vorsichtig auf seine Mütze, die sonderbare Wülste hatte, als verhülle sie einen verbeulten Kopf.

„Na, willst du nicht anbeißen?” fragte der eine von Dauphins Begleitern, und der andere fügte gleich hinzu:

„Kannst ihn billig haben!”

„Der Fuchs hier,” antwortete das Judenbübchen, „kostet fünfundsiebzig Mark!”

Es zog aus seiner tiefen Innentasche ein Pfund Butter und stülpte die Mütze seines Kopfes und hielt in der Mütze den beiden zehn reinweiße Eier vor die Nasen. Der Knabe sah sogleich, daß sie's zufrieden seien und sagte, indem er ihnen seine Kostbarkeiten überreichte und die Leine ergriff:

„Emma heißt sie doch, gelt?”

Der eine steckte die Butter in seine Innentasche, der andere kippte am Wagenrad ein Ei auf, und beide sagten sie zugleich:

„Emma! Freilich, wie denn sonst!”

Auch der andere schlug ein Ei auf, und während der Judenknabe das Gäulchen schon fortführte, flogen die Eierschalen um ihre Ohren, aber sie beide achteten nicht darauf!

Sie entfernten sich weiter von der Stadt, überschritten die Brücke, die Dauphin noch nie überschritten hatte, und kamen auf eine Landstraße, die links und rechts mit alten Apfelbäumen bestellt war. An einem Steinhaufen mußte Dauphin stehen bleiben, und der Knabe schwang sich auf seinen Rücken.

Heisa! Heisa! Ein Kind auf Dauphins Rücken, draußen in der Freiheit, unter Apfelbäumen, zwischen Aeckern und Wiesen! In leichtem Trab lief er dahin über die Steinstraße, ledig der Siele, ledig der Stadt, ledig des mürrischen Balthasar!

Ein Apfel hing allein auf einem Baum: der Knabe stieg ab, warf mit einem Stecken in die Krone, der Stecken blieb hängen, der Apfel fiel, und der Knabe gab den Apfel dem Gäulchen, das auf einmal wieder einen Namen hatte!

„Will Emma auch ein Stück Brot?”

Jawohl, Emma will auch ein Stück Brot!

Aber Emma will auch den Knaben wieder auf ihrem starken Rücken tragen! Am nächsten Steinhaufen blieb Emma wieder stehen, und der Knabe schwang sich wieder bäuchlings auf den schmalen Pferderücken, und der Pferderücken schwebte nur so dahin, einer ungewissen Zukunft entgegen!

Die große Glocke der Stadtkirche flutete hinterdrein, und als das Gewoge nicht mehr zu hören war, verzögerte Emma den Schritt! Schweiß stand auf ihrer Haut. Durchs nächste Dorf führte der Knabe sein Tierchen an der Leine, und hinterm Dorf stieg er nicht wieder auf, und der Schweiß verkroch sich wieder.

Ein Gebirge hob sich aus der Ebene auf, und in den Fichtenspitzen des Bergkammes schwang sich ein leiser Wind. Die Sonne senkte sich gerade in diese zart bewegte Ruhe, und der Knabe sprach und deutete:

„Siehst du, Emma, dort oben hinter diesem Buckel ist unsere Heimat! Gehst du gerne mit? Du sollst es gut bei uns haben! Weißt, wir haben noch richtigen Hafer! Bei uns kannst du dich richtig erholen, da wird dein Wasserbauch verschwinden und die Faßreifen hier, und deine Backen werden sich füllen und deine Augen: zeig mal deine Augen! Aha! das ist eine Kleinigkeit für dich, die werden glänzen wie die Sonne am Berge Garizim! Zu schaffen ist ja nicht viel bei uns: du gehörst übrigens mir, und wenn sie dich einspannen wollen zu Dreckarbeiten, so werd ich auch ein Wörtchen mitzureden haben! Es ist ja richtig: wir haben einen Stall voll Kinder, und die Dienstboten bleiben nicht lang bei uns; aber bist du etwa ein Dienstbote? Nein, Emma, du bist kein Dienstbote! Und unter uns gesagt: Dienstboten sollte es fortan überhaupt nicht mehr geben!”

Gänse ergingen sich, Schweine grunzten im Chausseegraben, eine Dreschmaschine brummte irgendwo, und man sah sie nicht.

An all diesen Herrlichkeiten raste Emma vorüber, ohne verweilen zu wollen, und der Weg führte, wie sie wünschte, den Berg hinan, der Sonne entgegen! Die Sonne versank vollends, der Weg führte wieder talab, ein Dörflein hockte unten beisammen wie eine Hühnerschar. Im Dorf stand ein neues Haus neben der Kirche, beschattet von der Kirche: das Schulhaus natürlich, und hundert Kinder rasten an die Gitterstäbe, als Emma kam. Aber der Knabe hielt nicht an und eilte, ins Vaterhaus zu kommen, das am Ende der Straße in Fachwerk leuchtete.

„Vater, Vater!” rief der Knabe in den Hof, „Hans im Glück ist heimgekehrt! Komm rasch heraus und sieh, was ich dir bringe für die Butter und für die Eier!”

Die Mutter erschien, schlug die Hände überm Kopf zusammen, drei kleine Kinder wackelten herzu, vier größere rissen das Hoftor auf und warfen ihre Schulbücher in die Ecke, und dann kam auch der Vater mit dem Federhalter hinterm Ohr, und in das Gejubel der Kinder streckte sich seine sonore, hastige Stimme:

„Uebermorgen, Sigmund, ist sie tausend Mark wert unter Brüdern!”

Emma stand sehr erregt da, sah sich nach allen Seiten um, musterte besonders die Kinder und freute sich, daß nacheinander alle, und drei auf einmal sich auf ihren Rücken setzten.

„Tausend Mark unter Brüdern,” entgegnete Sigmund, „aber Emma wird nicht wieder verkauft! Emma gehört mir!”

„Und mir! Und mir!” krischen die Kleinsten durcheinander, und der Vater sagte:

„Versteht sich, Sigmund, daß er dir gehört!”

„Und wenn du ihn verkaufen solltest: nicht unter tausend Mark, und diese tausend Mark für mich auf die Kasse!”

„Versteht sich! Futtergeld abgerechnet!”

„Versteht sich!” erwiderte Sigmund und führte sein Gäulchen in den Stall des Vaters. Ein altes, ausgemergeltes Kühlein drehte gar freundlich den Kopf nach Emma und schien ihn nicht mehr wegwenden zu wollen! Sigmund fing an zu putzen und striegelte Emma blitzblank. Diese schüttelte sich einmal der ganzen Länge nach vom Halse bis zum Schweif und schien über die Maßen beglückt zu sein.

Am nächsten Morgen wurde das Kühlein geholt, und am Abend kamen zwei Kälber in den Stall. Emma, die den ganzen Tag über mit den Kindern und mit allen Kindern des Dorfes auf den herbstlichen Wiesen umhergetollt war, wie sie's seit ihrer Jugend nicht mehr getan, traf am Abend die beiden Milchkälber neben sich und mußte sehen, wie die acht Kinder sich eher mit diesen Neulingen beschäftigten als mit ihr. Denn die Neulinge waren noch so jugendlich, daß sie ihre Milch nicht aus der Schüssel trinken wollten, und daß sie also aus Flaschen mit Gumminapf trinken mußten.

Sie blieben nur eine Nacht im Stall, die Milchkinder, wurden geholt, und Emma war allein. Emma durfte ein Wägelchen ziehen, das kleiner und leichter war als das Kasernenwägelchen. Zum nächsten Dorf gings, an den Bahnhof! Ein Sack Grieß wurde aufgeladen, und diesen Sack zog Emma heim. Es ging am selben Tag nochmals an diesen Bahnhof, und diesmal gab's eine Kiste Zucker und ein Faß Marmelade.

Doch siehe! Ein Militärzug rauschte heran, und Sigmund stellte sich an die Sperre, indes Emma an der Straße stehen mußte. Sogleich waren Kinder um sie her. Aber die Kinder blieben nicht lange bei ihr, denn die Straße her kamen etwa zwanzig Soldaten zu vieren im Gleichschritt mit fliegenden Mänteln und pfiffen. Als sie an dem Wägelchen vorüberschritten, löste sich einer aus dem Glied, blieb einen Augenblick stehen und stürzte sich dann mit weitgeöffneten Armen auf das Gäulchen und schrie:

„Riesele! Riesele!”

Die Kameraden hörten auf zu pfeifen, der Trupp verwirrte auseinander, und der eine Soldat rief unausgesetzt:

„Freut euch mit mir, ich habe mein Riesele wiedergefunden, das verloren war!”

Alle umstellten sie Riesele, alle grinsten vor fröhlichem Lachen, alle legten die schweren Hände auf Rieseles Rücken! Etliche spannten schon aus, das Kummet flog auf das Marmeladenfaß, und jetzt erst kam Sigmund und schrie und tobte:

„Mein Gäulchen, mein Gäulchen! Tausend Mark ist es wert unter Brüdern!”

„Die Revolution hebt auch den Hilfsdienst auf, Gustav,” sagte ein Feldwebel, „du nimmst dein Riesele mit heim, wohin es gehört!”

„Tausend Mark! Tausend Mark!” schrie Sigmund.

Gustav zog seinen Geldbeutel, leerte ihn in die Hand und zählte; er hatte noch vierundzwanzig Mark und siebenzig Pfennige.

„Hier hast du die Barschaft eines geschlagenen Soldaten!”

Sigmund weinte heftig; Kinder kamen hinzu und viele Erwachsene, und niemand hatte gegen das Wort des Soldaten etwas einzuwenden. Die Soldaten aber zogen alle ihre Geldbeutel, und jeder gab dem Sigmund noch einen Markschein, so daß dieser die Lippen vorwulstete, das Geld einsteckte und sich getrost vor sein Wägelchen spannte und schließlich zu schmunzeln begann.

Riesele aber zog mit. Es hatte den Handel still über sich ergehen lassen und wohl dem alten, längst vergessenen, trauten Laute sich hingegeben, ohne der süßen Dinge gedenken zu können, die sich an diesen Namen hefteten. Da es ausgeschirrt wurde, mochten zudem allerlei zukunftsfrohe Bilder das verträumte Herz beschlichen haben, das auch ohne Künstlerschaft stets zu einem Abenteuer bereit war! Der alte Name Riesele aber brauchte nicht lange in dem zerquälten Kinderherzen umherzuirren, bis er sich selber wiederfand, denn die Jugend ist alleweil der ewige Nährboden der Seele.

Der Soldatentrupp nahm Riesele in seine Mitte und schob sich weiter die Landstraße hin. Man sang, man pfiff; einer trommelte geräuschvoll ins Land hinein, und Riesele trappte inmitten einer Herrlichkeit, die es noch nicht durchkostet hatte. In den Dörfern kamen Kinder, ritten eine Strecke auf Rieseles Rücken und liefen wieder zurück. Junge Mädchen kamen, hingen sich den Soldaten in die Arme, ließen sich küssen und lachten und sangen mit, hell, wie Kinder singen, und ihre Stimmen drangen Riesele ins Herz, als gehörten sie dorthin!

Keines ging, ohne Riesele gestreichelt zu haben, und viele schenkten ihm etwas: ein Stück Zucker, einen Bissen Brot, eine Handvoll Gras, das sie in der Eile neben an den Wiesen abrissen! Eines dieser Mädchen, das besonders übermütig sein mochte, ließ sich sogar auf Rieseles Rücken heben, als wär es selber noch ein Kind und ritt so eine gute Strecke mit.

Ehrenpforten taten sich auf, da der Trupp weiter ins Land kam, schwarz gekleidete Bürgermeister standen auf Balkonen und sprachen Gedichte von Schiller, und Riesele nahm alles ruhig und ernst entgegen. Rote Bänder flatterten wieder an seinen Schläfen, und der Hals reckte sich, und die Ohren spitzten fast so hoch als die der Soldaten.

Eine alte Frau sah zum Fenster heraus, schlug, da sie die heimkehrenden Soldaten sah, die Arme überm Kopf zusammen und schrie wild hinaus.

Indessen wurde noch an diesem Abend der Trupp kleiner und kleiner, und als man sich zum Schlafen anschickte, waren nur noch sieben Mann beisammen und Riesele. Sie schliefen in einem warmen Stall. Sie schliefen auch am nächsten Abend wieder in einem warmen Stall. Am folgenden Tag aber stiegen sie in die Eisenbahn; und nun gings rasch dahin, rechts die Ebenen, links das Gebirge, über einen Fluß, über Bäche, zu den zwiebeligen Kirchtürmen, und man stieg aus an einem Bahnhöfchen, das Riesele schon einmal gesehen hatte. Etliche Soldaten blieben zurück, zwei stiegen aus.

Nun wanderten die drei die Bergstraße hinan, wo Riesele alles schon gesehen hatte. Das Birkenwäldchen hob sich in den blauen Himmel, die Wiesen dehnten sich hin, und viele Kühe weideten den letzten Wuchs ab. Am Eingang des Dorfes prangten wie überall grüne Fichtenkränze, Tafeln mit Sprüchen, die noch im Kaiserreich geboren waren, und rote Papierfetzen flatterten hin und her, durchzittert von bangen Hoffnungen um die bessere Zukunft.

Ha, eben, wie Riesele den Weg links einbog nach dem Mutterhaus, ging etwas in seiner Seele vor: es blieb stehen! Es hob langsam den Kopf, es pendelte die Ohrenspitzen gegeneinander, es entblößte die Zähne, und nun begann es zu rennen, daß Gustav nur mit Mühe ihm folgen konnte.

Auf den Steinstufen der hohen Treppe saß die Familie des Bauern Klaus: er, der Bauer, Katherin, seine Frau, der rothaarige August und Trudel, die ein großes Mädchen geworden war. Sie tranken aus weiten tönernen Schalen ihre Abendmilch und aßen weißes Brot, das dick mit Butter bestrichen war.

Als sie erkannten, wer da heimkehrte, liefen sie von der Treppe herab, eine Schale zerklirrte in Scherben, und mitten auf dem Weg fielen sich alle nacheinander um den Hals, und auch Riesele ward geherzt und verstohlen geküßt. Als der Bauer sich überzeugt hatte, daß die beiden Zurückgekehrten unverletzt und gesund vor ihm standen, nahm er seine Frau an der Hand und führte die Seinen heim.