II. Humboldt-Bai und heimwärts.

Von d'Urville gesichtet. — Alte Glasperlen. — Einfahrt von Humboldt-Bai. — Samoa-Cove. — Erster Eindruck der Eingeborenen. — Besuch von Beccari-Cove. — Pfahldörfer im Wasser. — Merkwürdiger Baustil. — Inneres eines Hauses. — Frauen. — Taschendiebe. — »Tempel« in Tobadi. — Sein Inneres. — Staunenswerte Konstruktion. — Kein Tempel, sondern Versammlungshaus. — »Heilige« Flöten. — Holzschnitzereien. — Äußerer Schmuck. — Großartiges Bauwerk der Steinzeit. — Betrachtungen über die Erbauer. — Hollands Hoheitszeichen. — Wißbegierde. — Dörfer und Bevölkerung. — Zurück an Bord. — Wieder Tätowierung. — Tauschhandel unmöglich. — Wieder in See. — Le Maire-Inseln. — Blosseville. — Lesson. — Vulkanische Thätigkeit. — Hansa-Vulkan. — Wieder an der Küste. — Laing-Insel. — Hatzfeldthafen. — Eingeborene. — Ethnologisches. — Versprechendes Land. — Wieder in Astrolabe-Bai. — Kuram und die Flagge. — Hauptresultate der Reise. — Heimwärts. — Meerestiere. — Vögel. — Delphine. — Dolphin und Bonite. — Fliegende Fische. — Schildkröten. — Wiedersehen in See. — Befreite Sklaven. — Wieder in Blumenthal. — Auflösung der Station. — Abschied von der Samoa.

Der Eingang zu der Bai, vor welcher wir lagen, wird keinem Schiffe entgehen können, das von Angriffshafen nahe der Küste westlich segelt. Dumont d'Urville befand sich im August 1827 auf seiner Weltreise mit der Astrolabe in diesem Falle. Er benannte das geschlossene Becken nach unserem großen Landsmanne, Humboldt-Bai; die beiden Felsvorsprünge, welche die Einfahrt so kenntlich markieren, nach seinen eigenen: Kap Bonpland und Kap Caillié, und dabei blieb es. Denn erst dreißig Jahre später (1858) lief das holländische Kriegsschiff »Etna« zum erstenmal in die Bai ein, und so erhielten wir vier Jahre später die erste Kunde über dieselbe. Jedenfalls haben aber schon Portugiesen und Spanier im sechzehnten Jahrhundert diese Küste bereits berührt, wenn sich darüber auch keine sicheren Nachweise mehr erbringen lassen. Wie aber schon Schouten 1616 auf den Arimoa-Inseln eiserne Kessel von spanischer Arbeit bei den Eingeborenen vorfand, so erhielt ich am Sechstroh Belegstücke aus jenen Zeiten der ersten Entdeckungsfahrten. Bei einer Musterung der dort gekauften Brustschilde (XXIII. 2) fand ich zu meiner Überraschung unter den landesüblichen Abrusbohnen auch zwei fremde Gegenstände aufgeklebt. Sie erwiesen sich als Hälften einer schönen länglich runden (12 cm langen) Mosaikglasperle, merkwürdigerweise ein und desselben Stückes, welche ich sogleich als eine altvenezianische erkannte, was von Professor Salviati später bestätigt wurde. Von ähnlicher Herkunft ist ohne Zweifel das berühmte »Palau-Geld«[88]; während dasselbe aber dort noch heute als kostbar betrachtet wird, ist die Wertschätzung für alte Glasperlen im Laufe der Zeit bei den Papuas verloren gegangen und ich rettete wahrscheinlich ein paar der letzten Reste.

In der Frühe des anderen Tages (17. Mai) brachen wir von unserem Ankerplatze auf, passierten die kaum mehr als zwei Meilen entfernte holländische Grenze, ohne von Zollbeamten aufgehalten zu werden und dampften nach Humboldt-Bai, welche bald den folgenden Anblick bot ([S. 349]).

Der Hügel im Vordergrund links, mit den kahlen (rot und weiß gefärbten) Felsflecken ist Kap Bonpland (wohl nicht höher als 500 bis 600 Fuß), die Bergpyramide in der Tiefe der Mera, eine treffliche Landmarke für aus Ost kommende Schiffe und Wegweiser zum besten Ankerplatze. Er mag an 800 bis 1000 Fuß hoch sein und erhielt den bezeichnenden Namen mera = rot, weil sich in der dichten Bewaldung ein ziegelroter Streif schon von weitem bemerkbar macht, der von rotem Thon herrührt. Kap Caillié, die nordwestliche Ecke der Einfahrt, trat erst später deutlich hervor als ein ca. 400–500 Fuß hoher, steiler, dichtbewaldeter Hügel, mit einer kahlen Felsstelle an der Basis. Die Entfernung zwischen den beiden Kaps beträgt ca. vier Meilen, die Tiefe der ziemlich halbkreisförmigen Bai, deren Pforten sie bilden, etwa ebenso viel. Da uns, wie erwähnt, eine Spezialkarte fehlte, so mußten wir in diesem ausgedehnten Wasserbecken erst einen Ankerplatz suchen. Die Aussichten dafür sahen nicht eben günstig aus: soweit das Auge reichte, nichts als Sandstrand mit Kokospalmen und — Brandung. Als wir aber den letzten hügeligen Vorsprung (Hagenaarshoek) passierten, öffnete sich in Südost eine hübsche kleine Buchtung, mit einigen kleinen Inseln (Muskiet- und Meeuweneiland) oder vielmehr bewachsenen Felsen am Eingange und in diese schlüpfte die Samoa hinein und ankerte in fünf Faden. Da lagen wir gar prächtig und vor allem ruhig; denn nur Vogelstimmen ertönten aus dem dichten Urwalde, welcher die »Samoa-Cove« (wie ich sie später nannte) säumt, und nirgends waren Anzeichen von Menschen zu sehen oder zu hören. Und das sollte Humboldt-Bai sein mit den wunderbaren Pfahlbauten, den lärmenden und zudringlichen Eingeborenen, über die ich selbst geschrieben hatte? Das war freilich schon lange her, und in zwanzig Jahren kann das Gedächtnis über so entfernte Gegenden, die man nicht aus eigener Anschauung kennt, wohl wackelig werden. Ja, ganz richtig! ich hatte mich geirrt und die gesuchte Binnenbai mußte ja gerade in entgegengesetzter Richtung in West liegen. Sehen konnte man sie freilich nicht; nur kahle grasige Berge, sanft abfallende Ausläufer des Cyclopgebirges[89], dessen Gipfel häufig Wolken einhüllten, traten dem Auge wenig anlockend entgegen, aber hinter einem felsigen Hügel, da mußte das gesuchte Ziel liegen.

Einfahrt in Humboldt-Bai.

Diesmal irrten wir uns nicht, denn noch während des Ankerhievens wirbelten Rauchsäulen in jener Gegend auf, zum Zeichen, daß auch wir bemerkt waren. Und als wir längs der Küste, die aus einem fast ununterbrochenen Kokoswald zu bestehen scheint, in Fahrt waren, da kamen hinter jenem Felsenhügel bereits Kanus hervor, — eins, zwei, — sechs, — eine ganze Menge! Als handle es sich um eine Regatta, suchte ein Kanu das andere zu überholen, denn jedes wollte ja das erste längsseit sein, um zuerst beschenkt zu werden, wie dies die Eingeborenen im Verkehr mit Weißen gelernt hatten. Ja, diese Leute kannten bereits Schiffe, das konnte man schon am Ersten sehen, der herankam. Er wußte gleich, wo er sich festhalten müsse, um an Bord zu voltigieren, und ich hatte wieder Arbeit, um schmutzige Papuafinger, die sich bereits an die Reiling klammerten, los zu machen und ihre Besitzer ins Kanu zurück zu spedieren. Ganz nahe des felsigen Hügels, der, wie sich später zeigte, das Ende der Landzunge Anessau (Rotshoek der holländischen Karte) ist, ankerte die »Samoa« heut zum zweitenmal. Da hatten wir nun bald die gefürchteten Humboldtianer in jeder Auswahl um uns, und immer mehr Kanus brachten neue Zuschauer um jene Felsenecke heran. Auch aus Nord von den Mathilden- und Magdalenen-Inseln vor Challenger-Cove zeigten sich Segel. Der erste Eindruck dieser Leute war allerdings, auch für das an Papuas gewöhnte Auge, kein günstiger, schon deshalb weil sie, mit Ausnahme des bekannten Halsstrickchens und Grasarmbandes, total unbekleidet waren. Doch bemerkten wir auch bei ihnen einzeln die bereits ([S. 337]) erwähnten Kalebassen. Hautkrankheiten, namentlich Ichthyosis, waren nicht so häufig als anderwärts aber ich bemerkte eine Menge Leute mit Pockennarben, anscheinend vierzig Jahre alte Individuen. Im übrigen waren aber auch diese Eingeborenen echte Papuas, im allgemeinen vielleicht von etwas dunklerer Hautfarbe als an der Ostspitze, aber es gab, wie überall, auch hellere Individuen (bis Nr. 30). Der vorherrschende Färbungston hielt sich zwischen Nr. 28 und 29 aber mehr zu 28 neigend. Das wenig gepflegte Haar ist echt melanesisch. Powells Angabe, die hiesigen Eingeborenen seien »von mehr malayischem Typus«, fand ich daher nicht zutreffend, auch war keiner, der ein holländisches, geschweige ein englisches Wort verstanden hätte. Die guten Leute schienen übrigens ziemlich verblüfft, nicht an Bord kommen zu dürfen, betrugen sich aber nicht schlimmer als ihre Nachbarn am Sechstroh. Die Kanus, ganz in der Bauart wie dort, und mit ebensolchen geschnitzten Schnabelaufsätzen, trugen meist nur drei bis sechs, höchstens acht Mann. Ein alter pockennarbiger Kerl offerierte mir sehr bereitwillig seine Wasserdroschke, um mich in die Nebenbai zu rudern, was ich aber freundlich ausschlug, da ich mein Leben bereits zweimal in solchen Seelentränkern riskiert hatte. Freilich »der Ausleger verhindert das Umschlagen«, steht in den meisten Büchern, aber wer so manches Kanu umkippen sah wie ich, der weiß das besser. In unserem Whaleboot konnte das nicht passieren, welches zur Fahrt soeben klar gemacht wurde, zu der sich auch unsere Mioko-Schwarzen als Ruderer in den besten Staat werfen mußten. Sie sahen bald in roten englischen Uniformröcken, Mützen der »Heilsarmee«, Sachen, die ich für derartige Gelegenheiten eigens in Sydney gekauft hatte und in weißen Pantalons gar stattlich aus, machten aber betrübte, lange Gesichter. »Doctor! me like Market!« (ich wünsche eine Muskete), sagte Jimmy, »bye and bye Kanaker he fight, me kill« (damit ich die Kanaker totschießen kann, wenn sie uns angreifen). — »Ja, nicht wahr? das möchtest du wohl, so ein bißchen schießen, aus purer Angst! es wäre auch groß schade, wenn einer von euch erschlagen würde!« gab ich ihm tröstlich zur Antwort — und »down! pull« (rein! rudert!) da gingen wir schon dahin. Aber nicht in Windeseile, denn unsere furchtsamen Kanaker ließen sich Zeit und bemühten sich nicht, eine Wettfahrt einzugehen, zu welcher die uns begleitenden zum Teil nur von Frauen geführten Kanus so sehr reizten. Übrigens setzt bei Ebbezeit, wie wir sie hatten, ein starker Strom um die Felsenhuk, den die Eingeborenen, sich dicht am Ufer haltend, vermeiden konnten. Alle Erwartungen waren gespannt, als wir um die verhängnisvolle Ecke in die kleine Nebenbai einbogen, die ich später Beccari-Cove nannte. Sie zeigt im Norden dichtbewaldete Felsenhügel, zum Teil mit Plantagen, weiter West höhere Berge; der südlichere Kokosuferstreif endet in eine ausgedehnte Sand- und Schlickbank, die bei Hochwasser überflutet wird. Noch zeigte sich nichts von Siedelungen, aber dort, hinter einer zweiten Huk, in einer kleinen Buchtung, da standen Häuser im Wasser, nur sieben, das Dorf Ungrau. Ja, solche Pfahlbauten hatte ich in Neu-Guinea noch nirgend gesehen; sie erschienen gegen die armseligen Hütten an der Südostküste (P. Moresby, Hood-Bai etc.), wie Paläste. Das Separatbild S. 352 zeigt einen Teil des Dorfes Tobadi (auch Tobari ausgesprochen), der Perle von Humboldt-Bai und des Pfahlbauertums der Steinzeit überhaupt, wie ich es an Ort und Stelle skizzierte. Das Dorf liegt ebenfalls in einer kleinen Einbuchtung versteckt, der nächsten von Ungrau, und machte mit seinen düsteren, von Wetter und Rauch gebräunten Häusern, einen äußerst fremdartigen Eindruck. Von weitem glaubt man ungeheuer große Wigwams, oder Ostiaken-Dschums, im Wasser schwimmend zu erblicken, aber bald sehen wir, daß es solide auf Pfählen ruhende Bauten sind, die im wesentlichen aus einem spitzen, meist viereckigen Dache bestehen, dessen Spitze 30 Fuß und mehr Höhe erreichen mag. Sie ist häufig mit einer runden Holzscheibe gekrönt, auf der als besonderer Schmuck eine roh geschnitzte, menschliche Figur, in sitzender Stellung hockt. Diese aus Ried oder Gras sehr sorgfältig gedeckten Dächer ruhen auf ca. fünf Fuß hohen Seitenwänden aus gespaltenem Bambu und haben zwei gegenüber liegende Eingänge, vor denen Plattformen errichtet sind. Letztere ragen (bei Ebbe) an sieben bis neun Fuß über die Wasserfläche und stehen ebenfalls auf Pfählen. Dabei darf man sich aber nicht Pfähle nach unseren Begriffen, starke, gerade, behauene Stammstücke vorstellen, sondern schiefe, krumme Stämmchen, die gegenüber dem gewaltigen Bau unverhältnismäßig dünn erscheinen.

Ohne viel zu fragen, voltigierten wir, über den Rücken eines Schwarzen, auf die Plattform, deren Betreten allerdings Vorsicht erheischt, da sie aus morschen, wackeligen Brettern (Seitenborden alter Kanus) besteht, und treten, ein Heck überkletternd, ins Innere. Zunächst ist natürlich nicht viel zu sehen, denn die Thüren und die Öffnung in der Dachspitze spenden nicht viel Licht, aber das Auge gewöhnt sich nach und nach an die Dunkelheit. So konnte ich denn den Grundriß eines solchen Hauses skizzieren, wie ihn Taf. II. 2 des Atlas darstellt. Es ist ein Familienhaus mit Scheidewänden in jeder Ecke, beherbergt also voraussichtlich vier Familienverbände. Die Feuerstellen bestehen aus viereckigen mit Sand gefüllten Rahmen und sind mit Töpfen besetzt, die überhaupt einen hervorragenden Teil des Hausrates bilden und zu denen der Mera das Material liefert. Diese Töpfe (Uro) haben dieselben Formen als am Sechstroh (IV, 1, 2), sind oft von bedeutender Größe und zuweilen mit bunter Malerei, in Schwarz, Weiß, Rot, zum Teil Figuren von Vögeln und Fischen darstellend, verziert. Den meisten Hausrat hatte man hängend, zum Teil auf großen Horden untergebracht und noch besonders mit etwas höher befestigten, großen hölzernen Scheiben bedeckt, um die Vorräte vor den Ratten zu sichern, von denen es unter solchen Grasdächern wimmelt. Da der beständige Rauch alles schwärzt, so sind die meisten Gegenstände, wie dies überhaupt Papuasitte ist, in Blätter oder Tapa eingeschlagen. Doch bemerkte ich schöne Fischnetze und weitmaschige Netze aus dicken Stricken, die bei den Treibjagden auf Wildschweine dienen; an Waffen nur lange Speere (keine Keulen, Schilde und Kürasse). Gerüste zum Schlafen fehlen, da dafür die sehr saubere und ebene Diele benutzt wird, welche aus schmal gespaltenen (ca. drei Zoll breiten) Latten (wohl von der Betelpalme) besteht. Als Kopfunterlage dienen die bekannten kleinen Bänkchen ([S. 312]).

Damen von Humboldt-Bai.

Die Eingeborenen betrugen sich übrigens sehr anständig, ja sogar gastfrei, denn eine alte Frau gab uns etliche geröstete, sehr gute Yams und in einer Schöpfkelle aus Kokosnuß Wasser zum Trinken. Das galt aber nicht als Begrüßungszeremonie, sondern geschah nur ganz zufällig. Es ging uns also besser als den Besuchern vom »Challenger«, die nicht einmal in ein Haus gelassen wurden. Freilich machten wir nicht viel Umstände, und andererseits hütete ich mich wohl, die Hobeleisen, Messer und Glasperlen, die ich in einer Tasche bei mir trug, zu zeigen, sonst wäre es mit Notizenmachen aus gewesen und gewiß zu einem Radau gekommen. Ich begnügte mich, nur alte Weiber mit Streifen roten Zeuges zutraulich zu machen, und diese lockten dann auch die anfangs schreiend ausreißende jüngere Damenwelt herbei, von welcher die vorherige Abbildung Typen zeigt.

Verheiratete tragen ein großes Stück Tapa, mit einem Strick um die Hüften befestigt, das sehr dezent und ganz wie die Lavalavas der Polynesier kleidet. Diese Tapa ist zuweilen weiß gebleicht oder in bunten Mustern bemalt; zum Festbinden dienen manchmal hübsche Schnüre aus Coix- und Adenanthera-Kernen, mit allerlei Anhängseln. Unverheiratete begnügten sich, wenn auch schon in heiratsfähigem Alter, mit dem bescheidenen Kostüm Evens vor dem Fall. Aber die Mädchen eilten bei unserer Ankunft ihre Blöße, durch ein Stück Tapa oder ein Faserschürzchen zu decken. Auch diese hübschen, dunklen Gestalten wurden mit roten Streifen bedacht, machten dem Vorrate aber bald gegen meinen Willen ein Ende. Die Zeugfetzen folgten nämlich Dallmanns seidenem Taschentuche nach, das schon im ersten Hause gestohlen worden war. Ja, das mahnte zur Vorsicht; denn diese lieben Naturkinder verstanden so geschickt als ein großstädtischer Taschendieb zu stehlen.

Von großen spitzdachigen Familienhäusern waren in Tobadi[90], das im ganzen nur 32 Baulichkeiten zählte, nur ein Dutzend vorhanden, die anderen hatten die gewöhnliche Hausform mit schrägem, meist geradfirstigem, zuweilen sattelförmigem Dach.

Über einen nichts weniger als bequemen Steg, aus einem unbehauenen Baumstamme, turnten wir nach der Plattform des merkwürdigsten Bauwerkes von Tobadi, dem sogenannten »Tempel« hinüber. Schon diese an den Längsseiten ca. 50–60 Fuß messende Plattform, war ein gewaltiges Werk, konnte ihren Zweck als Tanzplatz aber nicht mehr erfüllen, da sie bedenkliche Senkungen zeigte.

Wie in der Beschreibung der Etnaexpedition zu lesen, hatten sich die ersten Besucher nur dadurch Erlaubnis zum Eintritt verschafft, daß sie als Zeichen der Verehrung vor dem Tempel niederknieten, wovon die Papuas wohl wenig begriffen haben dürften. Wir aber machten keine langen Faxen. Ich sagte den Leuten auch hier, »daß ich Finsch aus Bremen« und ein »Wapimé« (Freund) sei, und hie und da einen auf die Schultern klopfend, andere sanft zurückdrängend, befanden wir uns bald im Heiligtum. Diesem »fait accompli« gegenüber konnten die Eingeborenen nichts Besseres thun, als die gewöhnlichen Friedenszeichen anzubieten: niederzusitzen und Betel, was wir durch einige Zigarrenstummel erwiderten. Es litt mich aber nicht lange auf dem Baststück, das hier die Stelle von Matten vertritt, zu hocken, sondern ich begann, wie stets, sogleich mit Aufzeichnungen, denen der Grundriß (T. II. 1) sein Entstehen verdankt. Ein schräger Steg führte von der Plattform auf die etwas höher liegende Hausdiele, die 40 bis 50 Fuß Durchmesser haben mochte und so schön war als in den Familienhäusern. Erst im Innern konnte man recht die staunenswerte Konstruktion des an 60 Fuß hohen Daches bewundern, um so besser, als die im obersten Teil offene Spitze ziemlich viel Licht einließ. Das ist ein Gewirr von schiefen und geraden Stützen und Querhölzern in allen Richtungen, in welchen man, auch ohne Architekt zu sein, doch System erkennen konnte, und dabei waren alle Teile nur mittelst Lianen oder Stricken zusammengebunden. Dem ganzen merkwürdigen Turmbau schienen übrigens nur vier Hauptpfeiler als Grundfesten zu dienen; die niedrigen Seitenwände des von außen achteckigen Gebäudes schlossen in den Ecken gerundet ab, so daß das Innere fast kreisförmig erschien. Feuerstätten und Kopfbänkchen zeigten, daß das Haus auch als Wohnung dient und zwar für die unverheiratete junge Männerwelt, denn alte Junggesellen giebt es bei den Papuas wohl im ganzen wenig. Der so berühmte »Tempel« hat eben mit Religion nichts zu thun und ist einfach eins jener Versammlungshäuser der Männer, wie sie überall in Melanesien vorkommen und die aus bekannten Gründen für das weibliche Geschlecht »tabu« sind. Ja, in diesem Tempel mochte schon manches Festessen gehalten worden sein, denn wohl ein paar Hundert Schweineschädel, in allen Stadien der Verräucherung, waren in Querleisten eingesteckt und bildeten den hauptsächlichsten Ausputz. Wie das stärkere Geschlecht bei den Papuas in ungalanter Weise die Damenwelt am Bankett nicht teilnehmen läßt, um das »Poro« (Schwein) allein verzehren zu können, so besorgt es auch den Tanz ohne die schöneren Hälften. Das übliche Begleitinstrument, die Holztrommel (Meschink), in der bekannten Form, fehlte auch im »Tempel« nicht, ebenso wenig als das unerläßliche Lärmrequisit, eine Signaltrommel (Kaduar). Sie war außerordentlich groß, wohl 10 bis 12 Fuß lang, kanuförmig und der besseren Resonanz wegen aufgehangen. Bald hätte ich die Flöten (Ariho) vergessen, auf denen »die Jünglinge des Tempels bei den religiösen Tänzen musizieren«, wie es in der Etnareise heißt. Ich versuchte sogleich eine dieser »heiligen« Flöten, was die guten Eingeborenen-Seelen unendlich amüsierte, denn ich brachte keinen Ton hervor. Hätte ich es gewagt, ein Hobeleisen hervorzuholen, so würden sie mir gern eine solche Flöte verkauft haben, so mußte ich mich mit einer Abbildung (XIII. 5) begnügen. Es waren eben Flöten, Rohrflöten, wie anderwärts in Melanesien, ohne alle religiöse Bedeutung, sind aber wahrscheinlich wie manche andere Instrumente für die Frauen »tabu«. Waffen sah ich nicht, wahrscheinlich weil die Männer alle Vorräte mit in die Kanus geschleppt hatten; ebenso wenig hier, wie in irgend einem anderen Hause, Menschenschädel. Bloß unter den Talismanen, welche an den Brustschilden befestigt werden (meist Stückchen Rinde, Blätter und Vogelknochen) habe ich ein paarmal ein menschliches Schlüsselbein gesehen. Figuren, sogenannte »Götzen«, die man doch eigentlich in einem »Heidentempel« erwartet, fehlten ebenfalls. Nur im Vestibül standen drei kleine, anscheinend aus dem weichen, zelligen Stamme von Cycas roh geschnitzte Figuren (T. XV. 8), wohl die schüchternen Versuche angehender Künstler der Holzbildnerei. Dafür diente der »Tempel« außerdem als Werkstatt, und ich hatte die seltene Freude, Holzschnitzer der Steinzeit noch in voller Thätigkeit zu sehen. Mehrere junge Leute arbeiteten an einem ca. 15 Fuß langen Fries (Drom), der Figuren von Eingeborenen, Eidechsen und Fischen zum Teil zierlich durchbrochen ausgearbeitet zeigte. Mit Flußmuscheln (Batissa) und Raspeln aus Rochenhaut schabten und feilten noch einige daran, während andere bereits mit Bemalen begonnen hatten. Die Farben (schwarz, weiß, rot und ockergelb) waren in Topfscherben oder Kokosnußschalen angerieben und wurden mit Federn als Pinsel aufgetragen. An sonstigem Ausputz bemerkte ich nur noch lange Büschel von Pflanzenfaser, ebenfalls Erinnerungszeichen an gehaltene Feste.

Die alte Schuld der total unrichtigen Abbildung des »Tempels« aus dem Reisewerk der Etna durch Kopie zur weiteren Verbreitung verholfen zu haben, konnte ich nach fast zwanzig Jahren sühnen durch eine an Ort und Stelle aufgenommene korrekte Skizze (vergl. Separatbild). Derselben sind nur einige Worte zur Beschreibung des Äußeren hinzuzufügen. Die vier Absätze des achteckigen Bauwerkes tragen buntbemalte Holzschnitzereien, Friese, wie wir sie im Innern soeben arbeiten sahen; vom unteren Dachrande hängen lange Fransen aus Palmfaser und (wie auch an anderen Stellen) Festons von aufgereihten Eierschalen (wohl Krokodil oder Megapodien), im Dache selbst stecken Palmwedel und verschiedene buntbemalte Tierfiguren. Sie stellen Vögel, Eidechsen und besonders kenntlich Fische dar; auf der äußersten Dachspitze thront eine menschliche Figur, darüber ein Vogel, in fliegender Stellung, auf dem lärmende Glanzstare (Lamprotornis metallicus) lustig ihr Wesen trieben. Gleich neben dem Tabuhause baute man an einem anderen ähnlichen großen Gebäude, das schöne Gelegenheit zu Pfahlbau-Studien gab. Ich will aber nur erwähnen, daß das Gerüst (Hauptbild S. 352 in der Mitte des Hintergrundes) mit unseren baupolizeilichen Verordnungen sehr im Widerspruch stand und eben für Papuas praktikabel war, die im Klettern Großartiges leisten. Voll Bewunderung nahm ich Abschied von dem Bauwerk. Wenn der Ankömmling die Verfertiger desselben, draußen in der Bai in ihren Kanus, als »nackte Wilde« bezeichnen durfte, so mußte er ihnen das angesichts dieser Leistung im stillen abbitten. Menschen, die derartiges fertig bringen, sind gewiß keine Wilden mehr, sondern haben sich bereits auf die Stufen einer Kultur hinaufgeschwungen, die nur zu wenig bekannt ist, um Anerkennung zu finden. Dem civilisierten Herrn der Schöpfung ist es eben mit der Civilisation eingeimpft, seine nacktgehenden Speciesgenossen für wild und schamlos und wo möglich für bildungsunfähig obendrein zu halten. Das sind die Papuas nun aber keineswegs. Ob sich diese Bürger der Steinperiode jedoch in dem von uns gewünschten Sinne entwickeln lassen werden, das ist freilich eine ganz andere Frage, deren Beantwortung bis jetzt nur sehr ungenügend versucht wurde. An Bildungsfähigkeit mangelt es ihnen gewiß nicht, aber es ist zu bezweifeln, ob sie die Notwendigkeit, eine höhere Bildungsstufe zu erlangen, überhaupt einsehen und bei gebotener Gelegenheit benutzen werden. Jedenfalls fühlt sich der Papua im Kulturzustande der Steinzeit sehr wohl; warum sollte er also eine Änderung wünschen, die nur nach unseren Anschauungen eine Aufbesserung seiner Verhältnisse ist. Daß solche sogenannte Naturmenschen viel mehr zu leisten verstehen und leisten, als ihre geringen Bedürfnisse erheischen, das zeigte sich wieder einmal recht deutlich angesichts dieser Bauwerke. Wozu diese hohen, mühsam herzustellenden Dächer? kleine unbedeutende Hütten genügen ja anderwärts! Aber auch dem Papua wohnt Schönheitssinn inne. Er beseelt ihn eine Menge Dinge zu verzieren und auszuschmücken, die ohne diesen Kunstfleiß ihren Zwecken ebenso gut entsprechen würden.

(S. 358.)

Tabuhaus in Tobadi.

Zu den großartigsten Denkmälern dieses Kunstfleißes der Steinzeit zählt ohne Zweifel das Tabuhaus in Tobadi. Von einer Handvoll Menschen, nur im Besitz von Steingeräten, errichtet, ist es für diese Periode ebenbürtig einer Pyramide zu vergleichen, und würdig der Bewunderung, welche wir jenen Riesenbauten zollen. Wie viele solche Denksteine aus dem Wiegenalter der Menschheit sind aber bereits dahingeschwunden, unergründet für die civilisierte Welt, und wie bald werden ihnen diese nachfolgen. Schon hängt das Damoklesschwert auch über dieser bisher fast unberührten Oase der Steinzeit. Denn, wenn der Plan einer regelmäßigen Dampferfahrt nach Humboldt-Bai zur Ausführung gelangt, dann werden auch hier bald die letzten Reste jener Periode verschwunden sein.

Kommerzielle Erfolge dürfte eine solche Dampferlinie wohl kaum zu erwarten haben, da außer dem bißchen Kopra, das vielleicht den einen oder anderen Trader ernährt, sich wenig holen lassen wird. Aber die niederländisch-indische Regierung will wahrscheinlich ihre Herrschaft auch einmal in anderer kräftigerer Weise als mit dem bloßen »Je maintiendra« ihres Wappenschildes zeigen. Wir entdeckten dieses ziemlich nutzlose Symbol, womit Holland bis jetzt fast ausschließend seinen Besitz, aber nicht zugleich seine Macht, in Neu-Guinea kennzeichnet, ganz zufälligerweise. Das »wapenbord«, eine gußeiserne Platte mit dem holländischen Wappen und der obigen Devise, war sorgfältig mit Rotang an einem Hauspfosten befestigt, und schien nach den frischen Farben zu urteilen noch neu[91] zu sein. Ja, diese Wappenschilde haben den holländischen Kriegsschiffen schon manchmal etwas zu thun gegeben, den Eingeborenen aber ein paar starke Nägel verschafft. Denn das scheint nach ihrer Auffassung der einzige Zweck, und auch die hiesigen Eingeborenen würden mir das nutzlose Gußeisen, das sie überhaupt gar nicht als »szigo« (Eisen), anerkannten, für irgend eine Kleinigkeit verkauft haben. Ich suchte ihnen aber die hohe Bedeutung dieses Tabuzeichens des weißen Mannes klar zu machen und belobte sie für die gute Verwahrung desselben.

Häuptlinge von irgend welcher Bedeutung scheinen in Humboldt-Bai, wie meist in Neu-Guinea, zu fehlen. Aber einige schwarz- und rotbemalte Kerls mit viel roten Hibiscusblumen im Haar, wahrscheinlich Honoratioren Tobadi's, hatten sich bald angefreundet und spielten die Führer, inkommodierten indes mehr, als sie nützten. Die Wißbegierde dieser Leute war wirklich lobenswert; sie wollten alles sehen, in die Hand nehmen und — selbst Taschenuhr, Feldstecher und ähnliche Dinge — geschenkt haben. So zog mir einer den Schuh aus, während ich den Tempel zeichnete, indes ein anderer meine Taschen zu visitieren versuchte. Auffallenderweise schienen sie Gewehre und und deren Wirkung nicht zu kennen.

Mit einigen der neuen Freunde kletterten wir ins Boot um an Bord zurückzukehren, da sich die Dörfer links am Eingange von Beccari-Cove doch nicht erreichen ließen. Ich sah hier ein größeres, aus acht großen und acht kleinen Häusern bestehend, das Ingros genannt wurde, dahinter auf einer kleinen Insel (Janus-Eiland) noch einige Häuser: Kai. Diese Dörfer lagen jetzt bei Ebbe unnahbar auf einer großen Sand- und Schlammbank, welche die Beccari-Cove nach Süd zu schließen schien. Doch ließ sich in der nördlichen Ecke hinter Tobadi noch eine kleine Insel, Timsau (Slavante-Eiland der holländischen Karte) erblicken, auf der anscheinend Häuser stehen. Beccari-Cove zieht sich übrigens bei Hochwasser noch ziemlich weit nach Südost, hinter dem schmalen Kokosuferstreif hin, ist aber für Schiffe unzugänglich. Alles in allem mag es, mit Einbegriff der Siedelungen in Challenger-Cove, elf Dörfer in Humboldt-Bai geben, hinsichtlich deren Namen zum Teil noch arge Verwirrung herrscht. Die Gesamtbevölkerung schätze ich auf 1500 bis 1800, gegen 5000 in dem Etnareisewerk. Dieser Unterschied rührt wohl weniger von dem Rückgange der Bevölkerung her, sondern liegt hauptsächlich an den viel zu hoch gegriffenen Schätzungen der ersten Besucher.

Die kleine »Samoa« war von weitem kaum zu erkennen; nur Masten und Schornstein ragten aus einer wirren Masse von Kanus hervor. Herr, du meine Güte! welch ein Gewimmel! etliche siebenzig Kanus lagen um den Dampfer, als wäre Jahrmarkt, und es kostete Mühe, sich durchzuarbeiten. Ja, ich wollte gern glauben, daß der Steuermann und die Zehn, welche ihm noch geblieben waren, alle Mühe aufwenden mußten, um die Gesellschaft von Bord abzuhalten. Jetzt kam Hilfe, denn ich besaß ja einigermaßen Erfahrung, um das Geschäft mit übernehmen zu können. Da die »Samoa« so niedrig über Wasser lag, daß ein im Kanu stehender Mann mit dem ausgestreckten Arme den Deckrand erreichen konnte, so war es den Eingeborenen freilich leichter gemacht als auf den sieben Kriegsschiffen, welche sie bisher kennen lernten. Bald an Steuer- bald an Backbord zum Rechten sehend, hatte ich gute Gelegenheit, das interessante Bild zu betrachten. Die Männer glichen ganz den vorhergesehenen, und der junge Krieger von Massilia ([S. 333]), könnte ebenso gut als Type eines Humboldtianers gelten. Gewöhnlich war ihr Ausputz aber nicht so reich als an diesem, und rote Bemalung, oft das ganze Gesicht und Brust bedeckend, bildete einen hervorragenden Teil desselben, wie Hibiscusblumen und Blätterschmuck. Ziernarben, oft sehr regelmäßige auffallend erhabene Figuren bildend, fanden sich nicht nur an Männern, sondern auch bei Frauen. Die beigegebene Abbildung zeigt eine solche Ziernarbe auf der linken Achsel und zugleich die eigentümlichen Muster der Tätowierung. Ich hatte diese Körperverschönerung seit Dinner-Insel nicht mehr gesehen und freute mich, sie hier wieder zu finden. Übrigens schienen nur Frauen tätowiert und trugen das Haar in dünnen, rotgefärbten Strähnen, ganz wie die Mädchen in Friedrich-Wilhelmshafen ([S. 108]). Bei der Mehrzahl der Weiber war auf das Haar keine Pflege verwendet. Wenige hatten auch einen so reichen Ohrschmuck an dünnen Schildpattreifen aufzuweisen als die hübsche Frau unseres Bildes. Es gab übrigens mehr niedliche Gesichter, und Humboldt-Bai scheint in ganz Neu-Guinea die schönsten Frauen zu besitzen.

Tätowierte Frau, Humboldt-Bai.

Die guten Geschöpfe kamen gleich kanuweis an und brachten eine Menge Bananen, Yams, Taro, Zuckerrohr, wenig Kokos (Niu) und geräucherte Fische, die sie gern los sein wollten. Aber an Tauschhandel war bei dem Gewimmel gar nicht zu denken. Wollte man irgend etwas haben, dann kletterten gleich so viele herauf, daß man Last hatte, sie wieder herunterzuwerfen. Dazu ein Rufen und Streiten untereinander, kurzum ein unbeschreiblicher Lärm. Es war gut, daß ich meine Einkäufe am Sechstroh gemacht hatte, und ich konnte mein ethnologisches Gewissen beruhigen, indem alle Gegenstände, Geräte, Schmucksachen u. s. w. mit den dortigen ganz übereinstimmten. Da die Gesellschaft nicht an Bord kommen durfte, also nicht stehlen konnte, wurde sie immer zudringlicher. »Whistle«! (pfeife) Da schrillte die Dampfpfeife, aber diesmal wirkungslos, denn die Leute kannten ja ihren Ton. Etwas mehr Luft schaffte Abblasen des heißen Wasserdampfes aus den Ventilen an Bordseite. Da wurde im Augenblick Platz gemacht, und es gab ein Drängeln und Stoßen, wobei mancher Ausleger abknackte. Aber die Sache erwies sich als ganz harmlos und wurde bald unter brüllendem Beifall als Scherz aufgefaßt. Trotz aller Vorsicht war eine Konservebüchse gemaust, dem Thäter der Raub aber sofort abgejagt worden. Er zeigte sich sehr beleidigt und legte schon einen Pfeil auf die Bogensehne, aber gleich wieder nieder, als ihm einige plattdeutsche Flüche an den Kopf flogen. So ein bißchen Anlegen ist ja noch nicht geschossen, das muß man nicht so übel nehmen; es war gewiß nicht bös gemeint. Hatten die Leute Absicht, uns anzugreifen, dann würde nicht ein einzelner angefangen haben, sondern es giebt gleich einen ganzen Hagel von Pfeilen. Und dazu fehlte es nicht an Gelegenheit und Material, da sie ein wahres Arsenal an Bogen und Pfeilen mit sich führten. Da wir mit dem Gesehenen zufrieden sein konnten, so war ein weiteres Abmühen mit den Eingeborenen, das schließlich doch vielleicht zu ernsterem Streit führen konnte, nutzlos und wir lichteten Anker. Eigentlich sollte weiterhin ein ruhigerer Platz für die Nacht aufgesucht werden, aber die Leute schienen unseren Plan zu erraten. Was Hände hatte, versuchte sich am Schiffe festzuhalten und an Bord zu klettern, kurzum die ganze Flottille folgte uns nach. Diese Hetzjagd schien den brüllenden Insassen gerade ein besonderes »Gaudi«, wie der Wiener sagen würde. Das sah wenig nach Ruhe aus, und da wir an dem Lärm und Spektakel gerade genug hatten, so nahmen wir Abschied von Humboldt-Bai und dampften seewärts. In wohlthuender Stille ließ ich die Erlebnisse des Tages an meinem Geiste vorüber ziehen und kam hinsichtlich der Eingeborenen zu dem Schluß, daß auch die vielgeschmähten und verleumdeten Humboldtianer besser sind als ihr Ruf. Überall wird ihre Hinterlist und Verräterei hervorgehoben, aber bis jetzt liegen keinerlei Beweise dafür vor. Schreien und ein mehr als ungeniertes Wesen, das ist ihnen eigen, wie sie auch nicht von Stehlsucht freizusprechen sind. Aber daran sind hauptsächlich die ersten Besucher mit schuld, die sich soviel gefallen ließen und die Schwächen der armen, nackten »Wilden« zu rücksichtsvoll über sich ergehen ließen. Wenn auf Kriegsschiffen allerlei, selbst anscheinend gesicherte Gegenstände gestohlen wurden, wie wäre es da wohl der kleinen »Samoa« ergangen, wenn wir die Gesellschaft an Bord gelassen hätten? Es wurde aber immer gut aufgepaßt, und so kamen während aller unseren Reisen nur ein paar unbedeutende Diebstähle durch Eingeborene vor.

Wir waren wieder einmal in offener See; unter uns tiefblaues Meer, über uns lichtblauer Tropenhimmel, der sich an einem Morgen sogar fast durchaus wolkenlos zeigte, was ich deswegen bemerke, weil dies in diesem Teile der Tropen äußerst selten vorkommt. Der nicht unerhebliche Weststrom, gegen den die »Samoa« tapfer arbeitete, ließ es Kapitän Dallmann, im Hinblick auf den Kohlenvorrat, rätlich erscheinen, direkt nach Mioko zurückzukehren. Aber noch blieb zur Vollendung unserer Küstenfahrt die Strecke von Vulkan-Insel bis Kap Croissilles übrig, und diese Lücke von lumpigen 70 Meilen durfte doch unmöglich ungesehen bleiben. So willigte der Kapitän ein, O.-S.-O. zu steuern, nach jenen Inseln, die sich von Vulkan, ca. 20 Meilen von der Küste, an 80 Meilen weit nach W.-N.-W. hinziehen. D'Urville benannte sie Schouten-Inseln, was deshalb eine Neubenennung nötig macht, weil gleichnamige Inseln an der Küste Neu-Guineas (in Geelvinks-Bai) schon viel früher so getauft wurden. Der Name Le Maire's, des verdienstvollen Gefährten Schouten's, dessen Andenken bis jetzt kein Name auf der Karte Neu-Guineas ehrt, soll deshalb die Stelle des Irrtum erregenden fortan ersetzen.

Wir hatten am zweiten Tage D'Urville-Insel gesichtet und nach und nach kamen auch Roissy, Deblois und Jacquinot zum Vorschein, von denen die erstere die größte und an sechs Meilen lang sein mag. Diese westlichen Le Maire-Inseln erscheinen als dichtbewaldete, mäßig (400–600 Fuß) hohe Bergrücken, von wenig vulkanischem Gepräge, das in Garnot schon deutlicher hervortritt. Diese Insel bildet einen ebenfalls dicht bewaldeten stumpfen Kegel, ca. 600 bis 800 Fuß hoch, scheint aber keine Kokospalmen zu besitzen. Aber eine kleine Insel ca. anderthalb Meilen Südwest davon, die ich Hirt-Insel benannte, ist fast ganz mit solchen bewachsen und voraussichtlich stark bevölkert.

Insel Blosseville aus West.

Das Bild eines typischen Vulkans zeigt Blosseville, ein steil aus dem Meere aufsteigender, dichtbewaldeter, ca. 1200 Fuß hoher Kegel, der immer interessanter wurde, je mehr wir ihm näher kamen. Da zeigten sich die kahlen grünen und braunen Flecke als Plantagen, zum Teil mit Kokospalmen, und oben am Kraterrande stand ein großes Dorf mit 20 Häusern, etwas weiter von demselben zählte ich noch zwei Siedelungen von sechs, resp. vier Häusern. Diesen Häusern fehlten nur blinkende Glasfenster und man würde sich in die Heimat versetzt gefühlt haben. Das muß ein luftiges und lustiges Wohnen sein, da oben in ca. 1000 Fuß Höhe, wenn man erst oben ist. Wie die Leute überhaupt hinaufkommen, blieb mir unerklärlich, denn von irgend einem Pfade war, auch mit dem Fernrohr, keine Spur zu entdecken. Wenn die andere Seite der Insel nicht günstigere Verhältnisse bietet, dann können die Bewohner nur in den beiden fast senkrechten Schluchten, wie in einem Schornsteine emporklettern. Aber gesichert sind sie hier, das ist kein Zweifel, und es wird wohl noch lange dauern, ehe ein Weißer auf diesem Hort der Steinzeit mit Bandeisen und Glasperlen erscheint, um Civilisation einzuführen. Schon einige Meilen West von Garnot waren wir aus tiefblauem in scharf abgesetzt tiefgrünes Wasser gekommen und sahen ca. zehn Meilen Südost von Blosseville einen weißen Schaumstreif voraus, hinter dem wir an sieben Meilen durch trüb lehmbraun gefärbtes Wasser dampften. Dasselbe rührt vom Kaiserin Augusta-, Prinz Wilhelm- und Ottilienfluß her, die sich noch 15 Meilen von der nur schwach erkennbaren Küste in dieser Weise kennzeichnen, Färbungsverhältnisse, die nach dem jeweiligen Wasserstande natürlich sehr variieren. Die Kabbelung des östlichen Schaumstreifes »kochte«, wie der Schiffer sagt, so stark, daß Spritzwellen auf Deck schlugen, eine Erscheinung, die wir sonst nirgends beobachteten. Treibholz[92] gab es in Menge, darunter ganze Baumstämme, die Schiffen oft gefährlich werden können. So geriet der »Basilisk« neun Meilen Nordwest von Lesson in ein Gewirr von Treibholz, aus dem er mit Mühe und nicht ungeschunden herauskam. An solchen Kabbelungen pflegen sich Scharen von Fischen zu tummeln und, durch sie angelockt, Vögel (Sterna Bergii, Anous, Fregattvögel und Tölpel), die sich auch gern auf Treibholz niederlassen.

Lesson-Insel, die wegen bedeckter Luft erst später zu sehen war, ist ein getreues Abbild von Blosseville, nur bedeutend größer, an 1800 bis 2000 Fuß hoch und in der oberen Hälfte kahl. Die Wolken, welche meist den Gipfel bedecken, lassen über die vulkanische Thätigkeit Zweifel, aber einmal glaube ich sicher Rauch gesehen zu haben.

Noch vor Sonnenuntergang winkte uns das Feuer von Vulkan-Insel seinen Gruß entgegen, und in der Früh des anderen Tages passierten wir Hansastraße, welche Vulkan und die kleine Aris-Insel im Nordwesten zwei Meilen breit trennt. Letztere Insel ist nichts als ein ca. 200 Fuß hoher, dichtbewaldeter toter Krater, in den man an einer eingestürzten Randstelle förmlich hineinsehen kann. Sie scheint unbewohnt, wie die Nordwestspitze von Vulkan. Wir gingen hart längs der Westküste und sahen die Insel in ihrer ganzen imposanten Schönheit vor uns. Als die Maschine gestoppt wurde, konnte man die unterirdischen Kräfte arbeiten hören, gewaltiges, immer stärker werdendes Brausen, das in ein schwächeres Stöhnen und Ächzen überging, bis es eine Weile ganz schwieg, um bald aufs neue zu beginnen. Das wundersame, unheimliche Geräusch erinnerte an einen Riesenblasebalg und oben, aus der Esse, da wälzten sich gewaltige weiße Rauchmassen; wahrlich eine unterirdische Werkstatt der Natur, die den Beobachter mit stummer Bewunderung erfüllt.

Der stattliche, in seiner Form an den Stromboli erinnernde, aber höhere Berg mag über 4000 Fuß erreichen und ist bis zum oberen Drittel dichtbewaldet, am unteren Teile mit ausgedehnten grünen Flächen und ein paar grünen Hügeln versehen. Das Bett eines alten Lavastromes, den man bis zum Meere verfolgen kann, bildet eine gewaltige Schlucht und weiterhin sieht man die fast senkrechte kahle Wand des gegenwärtigen Hauptkraters, der etwas niedriger als die eigentliche Spitze liegt. Kokospalmen und Menschen, deren Häufigkeit Schouten 1616 gedenkt, waren nur spärlich vertreten. Denn nur an drei Stellen bemerkten wir einige Eingeborene, die mit Zweigen winkten und uns in Kanus einzuholen versuchten. Aber später sahen wir an der Ostseite viele Anzeichen von Bewohntsein in Plantagen und Rauch, und die sanft abfallenden, ausgedehnten Flächen hier werden ohne Zweifel treffliches Kulturland bieten. Die Landungsverhältnisse scheinen übrigens nicht günstig, und wie es in Bezug auf Wasser aussieht, bleibt noch zu ermitteln. Da es bereits an der Westspitze von Neu-Britannien eine Vulkan-Insel giebt, so verdient diese, um Verwechselung vorzubeugen, eine Sonderbezeichnung. Ich nenne sie daher Hansa-Vulkan, die nordwestliche Spitze Bremen, die südwestliche Hamburg, die nordöstliche Lübeck, zu Ehren der altehrwürdigen Hansestädte, deren Bürger ich bin.

Stephanstraße überquerend, begannen wir die weitere Küstenreise, da wo die Karten »Laing-Insel« verzeichnen, hinter der sich eine hübsche Bucht mit viel Kokospalmen in der Tiefe hineinzieht. Wir hatten aber keine Zeit, und ich mußte mich mit der Tagebuchnotiz »wäre sehr der Untersuchung wert«[93] begnügen.

Mit Laing-Insel endet das Flachland und hinter dem dichtbewaldeten Ufer beginnen wieder Hügelketten, deren ausgedehnte grüne Grasflächen der Landschaft ein »liebliches und civilisiertes Aussehen« verleihen, heißt es in meinem Tagebuche. »Urbargemachtes Land läßt auf Bevölkerung schließen«. Wirklich erblickten wir schon in der nächsten Buchtung, die »wahrscheinlich guten Ankerplatz bietet«[94] mehrere hübsche Dörfer, mit oft beträchtlichen Kokoshainen. Die Küste bildet jetzt eine sanfte Huk (»Podbielsky«: v. Schleinitz), hinter der sich eine kleine, dicht bewaldete Buchtung, Davidabucht und eine größere Bucht (»Prinz Albrechthafen«: v. Schleinitz) öffnet, die ebenfalls dichte Kokosbestände und vier größere Dörfer (bis zu zwanzig Häusern) zählt. Ihre Bewohner winkten mit grünen Zweigen und versuchten in Kanus abzukommen, aber wir durften uns nicht aufhalten. Vor der letzten Bucht liegen zwei kleine, bisher nicht notierte Inseln, die ich nach unserem Maschinenmeister Nielsen-Inseln benannte. Sie sind, wie die folgenden zwei Legoarant-Inseln, dicht bewaldet wie das Ufer, hinter dem sich immer noch grüne, ca. 500 bis 600 Fuß hohe, Hügelketten hinziehen, die fast nur in den Schluchten mit Gehölz bestanden sind. Aber weiter östlich nehmen die etwas höheren Hügelzüge wieder vorherrschend Waldcharakter an, wie die Küste selbst. Sie verläuft bis zu zwei kleinen Inseln, welche sich jetzt voraus zeigten, in fünf sanften Buchtungen, die vielleicht auch gute Ankerplätze geben dürften und scheint weniger bevölkert, denn ich zählte von den Legoarants an nur neun Siedelungen. Die erwähnten beiden Inseln schienen anfangs durch Riff versperrt, aber wir fanden eine treffliche Einfahrt und lagen bald darauf in einem nicht minder guten Hafen zu Anker. Er erhielt den Namen Hatzfeldt-Hafen, die westliche Insel Mahde (»Tschirimotsch« der Eingeborenen), die östliche Sechstroh (»Patakai« der Eingeborenen), nach unseren Steuerleuten.

Bald hatten wir wieder einmal Kanus mit Eingeborenen, nach und nach achtzehn, um das Schiff, immer dieselben Papuagestalten wie überall. Aber gerade aus Humboldt-Bai kommend, erschienen mir die hiesigen Eingeborenen doch etwas lichter gefärbt (zwischen Nr. 28 und 29, aber mehr zu 29 hinneigend). Sie unterschieden sich von den zuletzt gesehenen Humboldtianern überdies in einem wesentlichen Punkte, und zwar sehr vorteilhaft, durch ihr ruhiges Wesen und musterhaftes Betragen. Da mußte wieder einmal an Bord eingeladen werden; und erst nach vieler Mühe wagte es einer hereinzukommen in die gute Stube, die Kajüte. Die Leute schienen aber Eisen zu kennen, denn sie machten die Pantomime des Schneidens; doch beobachtete ich kein einziges Stück bei ihnen. In Bekleidung (Taf. XVI. 3), und Ausputz, wie Haar- und Bartschmuck, glichen sie ganz den bei Laing-Insel gesehenen Eingeborenen, wie denen von Venushuk ([S. 292]). Aber ich bemerkte keine anderen Waffen bei ihnen als Speere, darunter sehr reich mit Kasuarfedern und Cuscusfell verzierte. Solche Felle, und zwar mit Schwanz und Beinen daran, dienten einzelnen als sonderbare Kopfbedeckung. Als Brustkampfschmuck waren auch hier große Cymbiummuscheln mit allerlei Breloques (wie T. XXIII. 1, von Laing-Insel) das Wertvollste. Sonst erhielt ich noch schöne, äußerst reich verzierte Brusttaschen (vergl. X. 1) und hübsche Äxte mit Muschelklinge (T. I. 6) von Hippopus. Die Kanus weichen nur unbedeutend von denen bei Venushuk ab. Ziernarben waren häufig, oft in schwungvollen Schnörkeln auf Schulter und Achsel.

An Land, wohin ich bald eine Exkursion unternahm, sah es ganz versprechend aus. Hinter dem schwarzen Sandstrande, an welchem sich leicht landen läßt, dehnte sich ein weites, mit Hochgras und Bäumen (hauptsächlich Pandanus) bestandenes Vorland aus, das von dichtbewaldeten Bergen begrenzt wird, die hie und da Plantagen zeigen. »Das Land ist sehr der Untersuchung wert« schrieb ich damals unterstrichen in mein Tagebuch. Heute ist Hatzfeldt-Hafen eine Station der Neu-Guinea-Kompanie, mit Versuchsplantagen, namentlich für Tabak, auf dessen Kultur ich als besonders wichtig und versprechend wiederholt hinwies. Die Eingeborenen boten eine Menge Blättertabak an, den sie, wie in Port Konstantin »Kas« nannten, außerdem spärlich Kokosnüsse (Niu). Zahlreiche Speerträger, darunter auch bewaffnete Knaben, gaben mir das Geleit und zeigten sich ganz zutraulich. Auch hier herrschte, wie überall in Melanesien, die unserem Geschmack wenig behagende Umgangsform, Fremde am Arm oder der Hand zu halten. Es ist ein Zeichen der Freundschaft, von dem ich mich aber stets losmachte, denn man behält doch lieber die Hände frei, um wenigstens nicht ganz wehrlos erschlagen zu werden. Die Leute wollten uns nach ihrem Dorfe haben, das etwas östlich hinter einem Flüßchen lag, aber die anbrechende Dunkelheit nötigte an Bord zurückzukehren. Statt nun das Boot flott machen zu helfen, bemühten sich die Eingeborenen dasselbe festzuhalten, wahrscheinlich aus Freundschaft, was uns nicht hinderte, die Finger zu lösen.

Östlich von Hatzfeldt-Hafen sind die Uferberge wieder vorherrschend dicht bewaldet, und weiter Inland wird ein höheres Waldgebirge[95] sichtbar, das sich O.-S.-O. bis Pallas-Point und vielleicht weiter zu erstrecken scheint. Zwischen Samoahuk und Kap Gourdon, die wie stets an dieser Küste nur sanft gerundete Vorsprünge bilden, findet sich wieder vorzugsweise sehr versprechend aussehendes Grashügelland, ebenbürtig, ja vielleicht schöner als das, welches wir von Laing- bis östlich den Legoarant-Inseln sahen. Dieser ganze Küstenstrich darf überhaupt als der beste in ganz Kaiser Wilhelmsland bezeichnet werden, und ist zugleich der am dichtesten bevölkerte. Ich zählte von Laing-Insel bis etwas östlich von Kap Gourdon 35 Siedelungen und, nur so im Vorüberfahren, neun Mündungen, allerdings meist kleiner Flüsse, so daß auch kein Mangel an Wasser sein wird. Es dürften sich daher in keinem Teile von Kaiser Wilhelmsland günstigere Verhältnisse für Ansiedelung und Kulturen finden als gerade an dieser ca. 30 Meilen langen Küste, die sich auch trefflich zu Viehzucht eignet.

Franklin-Bai ist von bewaldeten Hügelketten gesäumt, die bei Neptun-Point sich in eine höhere, sanft ansteigende Kuppe von ca. 1500–1800 Fuß erheben, welche einige größere grüne Flecke zeigt. Hellblau gefärbtes Wasser, vielleicht von Riffen oder Flüssen herrührend, nötigte den Kapitän ein paarmal von der Küste abzuhalten, so daß wir »Pallas-Point« der Karten nicht mehr deutlich ausmachen konnten, da überdies der Abend hereinbrach. Schon bei Neptun-Point unwirsch von einer steifen Brise aus S.-O. empfangen, hatte die »Samoa« jetzt gegen den heftigen Weststrom anzukämpfen, welcher zwischen Dampier und dem Festlande durch die Izumrudstraße setzt. Da die Kohlen auf die Neige gingen, so rollte das zu leicht beladene Schiff viel ärger als sonst. Aber das war man ja gewöhnt, und auch dabei läßt sich ausgezeichnet schlafen, zumal in einer so kühlen Nacht als dieser mit nur 21° R.

Bei Anbruch des Tages (23. Mai) befanden wir uns in der Nähe von Kap Croissilles und dampften längs der Küste, um zunächst unseren Freunden in Friedrich-Wilhelmshafen einen Besuch abzustatten. Wie beim erstenmale ertönten dumpfe Signaltrommeln, als wir Dallmanns-Einfahrt einliefen, aber nicht um die Krieger herbeizurufen, sondern das freudige Ereignis »Maclay ist wieder da«! über die Inseln zu verbreiten. Das gab wirklich ein gar herzliches Wiedersehen, wenn die Leute bei aller aufrichtigen Freude auch nicht vergaßen an Tabak zu erinnern. Ich besuchte natürlich zuerst die Flaggenhalbinsel. Da war alles noch so wie damals; Kakadus kreischten in den Bäumen mit anderen Vogelstimmen um die Wette, es fehlte nichts als die Flagge. »Ja, die werden die Eingeborenen zu Stirnbinden oder Ähnlichem benutzt haben!« — Nein, da kannte ich meine guten Friedrich-Wilhelmshafener besser! — Sie errieten auch gleich, nach was mein Auge suchte, »Die Flagge! ja, die hat Kuram von Bilia«, so verstand ich die Leute, »die ist gut aufgehoben.« Und so war es auch. Da im »Szirit«, dem Rathause, da wickelte Kuram die »Kellkell« aus einem Blätterbündel, in welchem sie mit den hochverehrten »Tohn« ([S. 105]), tabu wie diese, verpackt war. »Tabu! Nicht wahr, einen besseren Platz konnte die Flagge nicht bekommen?«, schien sein freudestrahlendes Auge zu sagen. Und, nicht wahr? füge ich hinzu, das würde niemand von »Wilden« erwartet haben. Aus dem »Panu« (Dorf), dessen Anlage die Eingeborenen diesmal mit aller Bestimmtheit erwarteten, wurde wieder nichts, — ich mußte sie auf später vertrösten. Wir durften uns nicht lange aufhalten, um noch bei den anderen Freunden in Astrolabe, auf Bilibili und in Bongu vorzusprechen, die sich nicht minder freuten, uns wiederzusehen und so sehr zum Bleiben nötigten.

Da konnte ich noch einmal das Dschelum und den Telum Mul bewundern, für den man ein neues Haus errichtet hatte und dann dampften wir, Nord um Neu-Britannien, nach Mioko ab, wo die »Samoa« am 28. Mai wohlbehalten zu Anker ging. So war denn eine Reise glücklich vollendet, deren Hauptresultate in dem Nachweis der sicheren Befahrbarkeit einer 250 Meilen langen Küste auch für Segelschiffe, eines schiffbaren Stromes, vier schöner Häfen und ausgedehnten kulturfähigen Landes gipfelten, Ergebnisse, auf die wir mit Befriedigung zurückblicken durften.

Aber nun nach Haus, wo ich zur persönlichen Berichterstattung verlangt wurde, zunächst also nach Sydney, da die »Samoa« ohnehin einer gründlichen Reparatur ihrer Maschine bedurfte. Aber ich mußte erst noch die Station Blumenthal auflösen, die nach der inzwischen erfolgten Teilung Neu-Guineas zwischen Deutschland und Großbritannien dem letzteren Reiche zugefallen war. Die Einförmigkeit des Seelebens lag wieder vor uns, ging aber an mir, wie immer, spurlos vorüber, da stets reichlich vorhandene Arbeit Langweile nie aufkommen ließ. Die Beobachtung des Tierlebens raubte davon nur wenig Zeit, denn das Tropenmeer bietet auf seiner Oberfläche nicht viel, sondern will in der Tiefe untersucht sein.

Vögel zeigen sich meist nur vereinzelt und in wenigen Arten. Da wo größere Scharen meist dunkler Seeschwalben (Sterna fuliginosa und anasthaeta, Anous) sich versammeln, sind sie von anderen Seetieren angelockt worden. Bald durch Züge von Fischen, meist Makrelen, die, wohl infolge des Laichgeschäftes, oft in ungeheurer Menge erscheinen, bald von Delphinen, die in »Schulen« vereint an die Oberfläche kommen, um zu atmen. Dadurch werden unzählige kleine Meertierchen aufgescheucht, und diese, sowie die Auswurfstoffe der großen, sind es, welche die Seeschwalben beständig schreiend beschäftigen. Man sieht sie dann unaufhörlich aufs Wasser niederschießen, aber von allen Arten taucht nur Sterna Bergii wirklich unter. Fregattvögel, welche zuweilen bei diesen Vogelversammlungen erscheinen, beteiligen sich nicht selbst bei der Fischerei, sondern lassen die Seeschwalben dafür sorgen, indem sie ihnen die Beute abjagen. Wie ich Fregattvögel niemals tauchen sah, so auch niemals schwimmen, obwohl sie Schwimmfüße besitzen. Aber die Natur scheint oft sonderbar und richtet sich nicht nach den Systematikern und ihren Einschachtelungen. Sind schon größere Züge von Fischen im ganzen selten, so gilt dies noch mehr von den Meeres-Säugetieren. Den Wasserstrahl (spout) von Walfischen und zwar des Sperm- oder Potwal (Physeter), einer Art, die früher in dieser Region erfolgreich gejagt wurde, habe ich während diesen ganzen Reisen nur einmal beobachtet. Häufiger waren Tümmler oder Delphine (Delphinus), die Schweinfische (Porpoises) der Seefahrer, darunter zuweilen eine größere dunkle Grampus-Art, deren mächtiges Schnauben und Blasen gewöhnlich Aufregung an Bord hervorruft. Dann wird nach dem Gewehre gegriffen, obwohl man im voraus weiß, daß die Jagd erfolglos bleibt. Hierbei mag erwähnt sein, daß der »Delphine liebliche Scharen« nicht die treuen Begleiter des einsamen Schiffes sind, wie es irgendwo im Liede heißt, sondern daß sie nur für kurze Zeit demselben zu folgen pflegen. Sie scheinen meist Eile zu haben und steuern einen Kurs, der manchmal gerade unter dem Kiele des Schiffes weg führt. Zuweilen halten sie sich länger an einer Stelle auf, um zu spielen. Denn so erscheint das lustige Springen, mit denen die mächtigen Körper sich oft überschlagend hoch aus dem Wasser schnellen; ein gar hübsches Schauspiel. Der »Delphin« (Dolphin) der Seefahrer hat übrigens mit dem soeben erwähnten »Delphin der Landratte« nichts zu thun, sondern ist, wie das Attribut Neptuns, ein wirklicher Fisch (Coryphaena equisetis) und zwar ein sehr schöner, von merkwürdiger Gestalt und Färbung. Die Rückenseite ist goldgrün, zuweilen goldgelb, die Bauchseite gelb, beide schön himmelblau punktiert. Dabei wechselt die Färbung des sterbenden Fisches in wunderbar zarten Metalltönen, von denen alle Abbildungen nur eine schwache Vorstellung zu geben vermögen. Glücklicherweise erfreut dieser Fisch nicht nur durch sein Farbenspiel, sondern den materiellen Menschen auch durch sein wohlschmeckendes Fleisch und macht somit eine rühmliche Ausnahme unter den meist wenig empfehlenswerten Südseefischen. Wir erhielten übrigens nur ein paarmal Delphine (Coryphaena), wovon der eine drei Fuß lange sieben Pfund, der andere vier Fuß lange aber merkwürdigerweise sechzehn Pfund wog. Im ganzen blieben die Resultate der Fischerei überhaupt sehr hinter den Erwartungen zurück, obwohl sich Kapitän wie Steuerleute viele Mühe gaben und überall, wo es anging, Leine und Haken am Stern aushingen. Abgesehen von abgebissenen oder abgerissenen Leinen blieb der wirkliche Fang eines Fisches immer ein Ereignis. In den meisten Fällen war es dann eine »Bonite« oder »Albacore«. So nennen die Seeleute jene großen Makrelen oder Thunfische, von welchen die Südsee mehrere Arten besitzt, unter denen Thynnus germo am häufigsten scheint. Wenigstens beißt er noch am ersten an die Angel, der nur ein weißer Lappen Zeug als Köder dient. Trotz dem trockenen Fleische bildet ein solcher Fisch in dem ewigen Einerlei von Konserven immerhin eine erwünschte Abwechselung und eine hübsche Zugabe der Küche. Handelt es sich doch meist um beträchtlich große Fische, da eine kaum drei Fuß lange Bonite 18 Pfund wiegt. Auf Grund meiner genauen zoologischen Notizen kann ich leider über den Hai, »des Meeres Hyäne«, wenig berichten, obwohl sonst fast jeder Seereisende nicht genug von solchen zu erzählen weiß. Aber ich muß, wie mit Krokodilen, auch mit Haifischen Pech gehabt haben. Denn ich bekam während unserer ganzen Reisen nur wenige Male einen Hai zu sehen, und gefangen wurde überhaupt keiner. Wir hielten zwar immer die Haiangel bereit, aber selbst der kleine Geselle, welcher im Miokohafen sich häufig beim Schiffe zeigte, schien Vorsicht als Mutter der Weisheit bereits zu kennen und vermied trotz des verlockenden Speckstückes den Haken ängstlich. Dagegen schnappte er lustig nach allem Eßbaren, welches nicht mit dem verräterischen Haken verbunden war. Und die kleinen Fische, die machten es ebenso. Zu Hunderten spielten sie oft um den Kiel, so lange wir zu Anker lagen, fraßen alles, was über Bord fiel, aber eine Angel — I, Gott bewahre! da thaten sie so, als wollten sie sagen: »die kennen wir!« Ja, was solche Kanaker, selbst unter den Fischen, nicht klug sind! Die fliegenden Fische, welche so gern bei Nacht dem Lichtschein folgen und dadurch nicht selten an Bord eines Schiffes aufs Trockene geraten, schienen gegenüber der »Samoa« dieselbe Klugheit zu beobachten. Nur einige Male konnte ich der Schiffskatze einen fliegenden Fisch abjagen. Und doch war die »Samoa« sehr niedrig über dem Wasser und fliegende Fische, wenn auch nicht eine tägliche, so doch häufige Erscheinung. Da mußte ich mich denn begnügen ihre Flugübungen zu bewundern, die allerdings ganz erstaunlich sind. Die lieben Tiere! gebraten sind sie noch besser! »Aber Schildkröten! die muß es doch häufig geben«? fragt vielleicht mancher, indem er dabei an »turtle soup« und »turtle steaks« als nicht seltene Kost der Kajütentafel denkt. Ja, Schildkröten giebt es gewiß in Menge; die wären auch nicht verachtet worden, sicher nicht, wenn wir nur welche bekommen hätten. Aber, halt! da ist eine Schildkröte! — und damit verschwindet ein dunkler Fleck im Wasser. Das war alles, was wir gelegentlich von dem leckeren Suppentier zu sehen, aber nicht zu schmecken bekamen.

»Schiff voraus!« — hieß es plötzlich, als wir, von Trobriand herunterkommend um Kap Ventenat dampften. Und wirklich, da, hinter dem Gallow-Riff bei den Lydia-Inseln, zeigte sich ein Schiff und ein Dampfer dazu; das zweite Fahrzeug, welches wir überhaupt in See antrafen. Da wurde geguckt, und Gläser und Fernrohr gingen aus einer Hand in die andere, denn jeder wollte ja die seltene Erscheinung betrachten. Der Dampfer hielt recht auf uns zu, und als er näher kam, konnte man viele braune Gestalten an Deck sehen, Eingeborene. Sollte es ein Labourtrader sein? Aber das Schiff war zu groß und führte die Queensland-Flagge. Auch Weiße lehnten an der Reiling und als wir in Sprechweite waren, schallte es »Welcher Name?« in Englisch herüber. »Deutscher Dampfer »Samoa«!« — »Woher?« — »Von Mioko, Neu-Britannien!« — »Ist Doktor Finsch an Bord?« — »Yes!« — Da ging ein Boot zu Wasser, das bald fünf Herren in Civil längsseit brachte; alles fremde Gesichter. Aber der in Uniform, mit der goldbordierten Mütze, der am Steuer saß, den mußte ich schon gesehen haben! Und richtig, es war mein Freund Mr. Chester, der frühere Police-magistrate von Thursday-Island, unter dessen gastlichem Dache ich gewohnt hatte. Das war ein unerwartetes Wiedersehen, sollte aber nicht das einzige bleiben. Denn Mr. Romilly, den ich in Cooktown kennen zu lernen das Vergnügen hatte, ließ mich an Bord der »Victoria« einladen, da er wegen eines Fußübels kein Boot besteigen konnte. Dort erwartete mich eine neue Überraschung. »Doctor! you sabi me?« (kennen Sie mich?) sagte ein Kanaker, indem er mir die Hand reichte. »Halloh! Charly Tett von Honolulu!« — Ob ich ihn kannte, diesen biederen Matrosen, der mich vor drei Jahren, damals »Kapitän« der »Mairi«, auf der Fahrt von Port Moresby in Torresstraße nahezu ertränkt hatte. Nicht wahr, wie merkwürdig sich zuweilen Menschen nicht bloß auf der Terra firma, sondern sogar auf dem Wasser begegnen können! — Die meisten der Herren waren übrigens Reporters australischer Blätter, die über mich schon gar manches, nicht eben empfehlendes, geschrieben haben mochten. Dem »German East-Cap settlement«, das in den Kolonien soviel Staub aufgewirbelt hatte, galt natürlich die erste »interview«. Wie viele Soldaten dort wohl seien? ob Kanonen? und ähnliche Fragen stürmten auf mich ein. Die Jünger der Presse brauchten nicht viel aufzuschreiben[96]. Sie machten sehr verwunderte Gesichter, als sie hörten, daß das ganze »settlement« (Niederlassung) nur aus zwei Weißen bestehe, die wir unterwegs waren, abzuholen, was vollends beruhigte.

Das Kanakergewimmel an Bord der Victoria bestand wirklich aus Arbeitern, befreiten Sklaven. Die traurigen Enthüllungen beim Prozeß gegen das Werbeschiff »Hopeful« ([S. 275]) schrieen so laut zum Himmel, daß die Regierung einer genaueren Untersuchung der Verhältnisse nicht länger ausweichen konnte. Dabei stellte sich heraus, was ja längst jedermann wußte, daß, trotz der »Agenten für Einwanderung«, viele Eingeborene nicht besser als gestohlen waren. Diese Opfer des gewerbmäßigen Kidnappertums, 400 an der Zahl, wurden nun, sehr zum Mißvergnügen der Pflanzer, nach ihrer Heimat zurückbefördert. Und diesmal unter den Augen des »acting special commissioner for New-Guinea« (Romilly), also jedenfalls sicher, was sonst bei solchen Rücktransporten nicht immer der Fall zu sein pflegt. Wir begegneten später am Ostkap verschiedenen Befreiten, welche, trotz der reichen Geschenke von seiten der Regierung, auf Queensland nicht gut zu sprechen waren. Und das konnte man ihnen gewiß nicht verdenken. So ein paar Jahre Sklaverei lassen sich nicht so leicht wettmachen. Freilich erschienen die Leute jetzt als vollendete Gentlemen, die in Schuhen zwar erst wieder laufen lernen mußten, aber sie hatten auch vierzehnzöllige Messer zum Andenken erhalten. Damit läßt sich schon etwas anfangen, bei Massacres gegen Weiße, wobei solche Freigelassene gewöhnlich Rädelsführer spielen.

Blumenthal schien ausgestorben, und ich hegte schon allerlei Befürchtungen. Aber glücklicherweise war Hunstein und sein Gefährte bis auf etwas Fieber, das in jenen Regionen ja selten ausbleibt, wohlauf. Die Kühe hatten sich vortrefflich gehalten, aber die Schafe waren sämtlich, vermutlich am Genuß giftiger Pflanzen, eingegangen. Weniger erfreulich lauteten die Nachrichten über die Eingeborenen, welche sich nach Weggang der »Samoa« keineswegs als nette Kerle erwiesen, wie dies häufiger vorkommt. Zu so viel Waren gehörten eben mehr als zwei Weiße. Vor allem hatte der Reichtum von ein paar hundert Pfund Tabak die Habsucht der Eingeborenen gereizt, die einen Einbruch versuchten und untereinander bereits von Anzünden der Station wisperten. Aber ein Mann mit Hunsteins Erfahrungen wußte auch mit solchem Gesindel ohne Schießerei fertig zu werden. Übrigens war nur eine Minderzahl Eingeborener durch Gomira Taga, den Schneider, aufgereizt worden. Der Anstifter dieser feindlichen Pläne kam jetzt heran und begrüßte mich unter Freudenthränen des Wiedersehens, denn solches Schauspielertalent im Verstellen geht selbst Kanakern nicht ab. Ich that natürlich, als wenn ich von nichts wüßte, und es herrschte ein brüderliches Einvernehmen wie früher. Als aber nach der Kopra auch die übrigen Vorräte an Bord geschafft wurden, da machten die Eingeborenen lange Gesichter und suchten alles aufzubieten, um uns zu halten. Bei den meisten war die Betrübnis eine aufrichtige, denn jeder sah wohl ein, daß ihnen ein großes Brot von der Hänge fiel. Da richtete sich denn der Ärger gegen Taga, den Anstifter des Übels, und die Verwünschungen gegen ihn nahmen kein Ende. Während ich den guten Gomira Tohodo und andere Getreue zum Abschiede beschenkte, hielt ich dem Schneider eine Standrede. Da kam viel von: papoi (schlecht), itanem (stehlen), numa (Haus), Hihiaura, anahiri majau (anzünden), hirage (totschießen) u. s. w. vor, eine Rede, die sehr wohl begriffen wurde, denn noch am selbigen Abend rissen die Männer von Hihiaura, die guten wie die schlechten, mit Kind und Kegel aus. Sie hatten eben ein böses Gewissen und fürchteten wahrscheinlich, ich würde Hihiaura noch vor der Abreise in Flammen aufgehen lassen. Aber diese Drohung hatte doch soviel genützt, daß Kapitän Dallmann bei einem viel späteren Besuche Blumenthal unversehrt fand.

So schieden wir, unter Zurücklassung der Rinder, die inzwischen ohnehin halbverwildert, wahrscheinlich noch zu Stammeltern wilden Rindviehs in Ost-Neu-Guinea werden dürften.

Am 4. Juli trafen wir in Cooktown ein, um die Post und Kabeltelegramme aufzugeben und setzten dann die Reise südlich fort. Aber vor Townsville brach etwas an der Maschine und nötigte einzulaufen. Da gerade ein Dampfer nach Sydney bereit lag, so nahm ich Abschied von der »Samoa«, auf welcher ich über 11000 Meilen Südsee durchgekreuzt hatte. Und somit enden die »Samoafahrten!« — Kaioni!


[Register.]


Druck von August Pries in Leipzig.

[Fußnoten.]

[1] Die noch jetzt in Diensten der Neu-Guinea-Kompagnie thätige »Samoa« ist ein sehr stark gebautes, hölzernes, gekupfertes Schiff. Nach dem Flaggenattest wurde es 1883 in Tomalei (Neu-Süd-Wales) erbaut; die Länge beträgt 121, die Breite 21, die Tiefe 8 Fuß (engl.), der Raum 111 Tons reg. (= 164 groß), die Maschine hat 35 Pferdekraft (nom.).

[2] Da in Sydney Schiffsoffiziere deutscher Nationalität nicht immer zu haben sind, so hatte Kapitän Dallmann gleich einen ersten Steuermann, Hinrich Sechstroh aus Warfleth an der Weser und einen ersten Maschinist, Laars Nielsen aus Flensburg, mitgebracht. Die übrige Mannschaft (zweiter Steuermann, zweiter Maschinist, Koch, 4 Matrosen, 3 Heizer und ein Junge) zusammen 14 Personen, (mit Ausnahme eines Matrosen) alles Deutsche, wurde in Sydney angemustert.

[3] Bisher wurden von mir nur publiziert: 1. Die kurzen Berichte in „Nachrichten über Kaiser Wilhelms-Land‟ (2. 3. u. 4. Heft 1885); 2. Sechs Aufsätze in der „Gartenlaube‟ (1886 No. 5, 11, 21 u. 1887 No. 18, 28 u. 33); 3. Ein Aufsatz in „Über Land u. Meer‟ (No. 19, 1888). — Das dankenswerte Interesse des Herrn Verlegers hat die trefflichen Holzschnitte aus den obigen Artikeln der Gartenlaube (von A. v. Rößler) durch Erwerbung für dieses Buch zu sichern gewußt.

[4] Vergl. „Katalog der ethnologischen Sammlung der Neu-Guinea-Compagnie, ausgestellt im Kön. Museum für Völkerkunde‟ (Berlin 1886) und dasselbe „Katalog II‟.

[5] Alle Entfernungen sind nach Seemeilen, 4 = 1 geogr. Meile gerechnet.

[6] Powell läßt dieses Schiff gleich „3 Monate‟ lang gegen den Strom ankämpfen, um eine Distanz von 20 M. zu überwinden.

[7] Vergleiche meine Original-Mitteilungen, die in den „Hamburger Nachrichten‟ unter dem Titel „Aus dem Pacific. IX. Neu-Britannien‟ (30. Juni, 1., 2. u. 4. Juli) erschienen.

[8] Vergl. „Menschenfresser in Neu-Britannien‟: Illustrirte Zeitung 17. November 1883 mit Bild.

[9] Über diesen wie über Handel und dessen Produkte überhaupt vergleiche meine Abhandlung: „Über Naturprodukte der westlichen Südsee besonders der deutschen Schutzgebiete‟, welche das 7. Heft der „Beiträge zur Förderung der Bestrebungen des Deutschen Kolonialvereins‟ (1887) bildet.

[10] Nach Parkinson wurden im Bismarck-Archipel von englischen und deutschen Werbeschiffen allein 2200 Eingeborene weggeführt, vergl.: „Der Bismarck-Archipel‟ S. 35, sowie die übrigen, nicht eben sehr erfreulichen Erfahrungen des Verfassers hinsichtlich der „Labourtrade‟.

[11] Vergl. Parkinson l. c. S. 90, 91.

[12] „Turc-Red‟ ein dünnes hochrotes Baumwollenzeug, wovon die englische Elle (Yard) in Sydney ca. 25 Pf. kostet; sehr beliebtes und unentbehrliches Tauschmittel für die Südsee.

[13] Über seinen zweiten siebenzehnmonatlichen Aufenthalt (1876 u. 77) an dieser Küste hat der Reisende bis jetzt so gut als nichts publiziert. Vergl. Petermanns Geograph. Mitteilungen 1878 S. 407.

[14] Die kurzen Tagebuchnotizen von Romilly in „The Western Pacific and New Guinea‟ (221–230) sind noch das beste; Powell (Proc. R. Geogr. Society London 1883 S. 511) sagt so gut als nichts.

[15] Ein anderes Souvenir jener traurigen Gründung handelte ich von einem Eingeborenen ein. Es ist die rot und weiß seidene, mit Goldborten verzierte Fahne des „4me Bataillon‟ der Armee von Port Breton, die wie der ganze Freistaat nur auf dem Papier existierte.

[16] Eine wahrheitsgetreue Darstellung dieser wie der übrigen traurigen Expeditionen giebt das interessante Buch: „L'aventure du Port Breton et la Colonie libre dite Nouvelle France. Souvenirs personnels et documents par A. Baudouin, Médecin de la 4e Expédition (Paris, Maurice Dreyfous, Éditeur).‟ Der Leser, welcher jene Gebiete auch nicht aus eigener Anschauung kennt, wird schwer begreifen, wie Frankreich einen solchen Unfug, welcher so viel Unglück herbeiführte, überhaupt dulden konnte.

[17] Ausführliche Mitteilungen finden sich in meinen: „Anthropologische Ergebnisse einer Reise in der Südsee und dem malayischen Archipel in den Jahren 1879–1882‟ (Berlin, A. Asher & Co. 1884).

[18] Vergl. „Zeitschrift für Ethnologie‟ Jahrg. 1883. S. 205–208.

[19] Es kann nichts Praktischeres geben als diesen Tabak, welcher vollständig unsere Scheidemünzen ersetzt, aber gar sehr von dem bei uns gebräuchlichen abweicht. Twist hat die Form einer dünnen flachen Stange Siegellack und bildet eine fest zusammengepreßte schwarze Masse, welche mit einem scharfen Instrumente auseinander gebrochen werden muß. Jedes Stück besteht aus zwei übereinander geflochtenen Hälften, läßt sich also leicht teilen. Auf das Pfund werden 22 bis 26 Stücke gerechnet. Der Preis beträgt in Sydney (ohne Steuer) ca. 1 Mk. 8 Pf., in Mioko 3, in Neu-Irland und anderen neuen Plätzen 8 Mark!

[20] Dieselbe ist seitdem gegründet worden (Juni 1886).

[21] Wilfred Powell (l. c. S. 511) hat Astrolabe-Bai wohl nicht recht kennen gelernt, wenn er meint, sie würde einen „guten Hafen‟ abgeben.

[22] „440 Meter‟ deutsche Admiralitäts-Karte. — Wo nicht, wie hier, besonders bemerkt, sind die Höhenangaben nur nach Schätzungen.

[23] Sehr ähnlich ist das von Guppy abgebildete „Tambu-Haus‟ auf der Insel Santa Anna in den Salomons.

[24] Zum Beispiel „Manu‟ Vogel; „Niu‟ Kokosnuß; „Mata‟ Auge; u. a. m.

[25] Die südlich von derselben ist „Gronemann‟-, die nördliche „König-Insel‟ genannt worden. Vergl.: „Annalen der Hydrographie etc. Herausgegeben von dem Hydrographischen Amt der Admiralität‟. 1885. Heft IV. T. 7.

[26] Vergl. Finsch: „Abnorme Eberhauer, Pretiosen im Schmuck der Südseevölker‟ in: Mitteil. der Anthropol. Gesellsch. in Wien, Band XVII, 1887, Taf. VI.

[27] In der Kartenskizze von Hauptmann Dreger (Nachrichten aus Kaiser Wilhelmsland. Heft II 1887) ist dieser Hafen ca. 3 M. südlicher verzeichnet; zwischen diesem und Prinz-Heinrichs-Hafen noch ein neuer: Prinz-Friedrich-Karl-Hafen.

[28] Auch Kapit. z. S. Schering bemerkt: „Kap Duperré ist gar nicht vorhanden‟ und ich weiß nicht aus welchen Gründen Hauptmann Dreger „K. Duperré‟ an Stelle von K. Kusserow setzt, da es nach der engl. Admiralitäts-Karte doch 4 Meilen nördlicher verzeichnet ist.

[29] Die Regierung beeilte sich diesen Wunsch zu erfüllen und bis zum Jahre 1868 wurden nahezu 10000 Sträflinge der Kolonie als willkommene billige Arbeitskräfte zugeführt.

[30] Herr Romilly, der im Jahre 1881 mit dem Kriegsschuner »Beagle« Astrolabe-Bai besuchte, gehört zu diesen wenigen, wie er mir selbst erzählte.

[31] „Discoveries and Surveys in New Guinea etc. of H. M. S. Basilisk. By Capt. John Moresby‟ (London 1876).

[32] Wie von Maclay mitteilt, ist dies thatsächlich der Fall gewesen. Vergl. „Petermanns Geogr. Mitteil. 1878 S. 408‟.

[33]

Disraeli:11000′:Moresby;6118Meter!: Friederichsen.
Gladstone: 11400′"; 5725""

[34] Wilfred Powells Darstellung (l. c. S. 510) als dehnten sich die Terrassen bis zum Finisterre-Gebirge („15000′‟ hoch) aus, ist eine durchaus irrige. Ebenso finden sich keine „granite boulders‟ an der Küste.

[35] So ist es in diesem Terrassenlande wohl kaum möglich „eine beträchtliche Distanz inland zu reisen‟ wie Powell gethan haben will, wo er „Bewässerungsanlagen aus Bamburöhren‟, Häuser in beträchtlicher Anzahl, in „Bienenkorbform‟ fand (l. c. S. 510). Wer aber Neu-Britannien kennt und Powells Buch („Wanderings in a wild Country‟), der wird sich nicht mehr über die abenteuerlichsten Angaben wundern, denn die famosen Geschichten, wie die Eingeborenen Knochenbrüche behandeln (S. 165) und den „künstlichen Zähnen aus Perlmutter‟ (S. 166) wird wohl jedermann für lustige Münchhauseniaden halten. Man vergl. auch: Parkinson „Im Bismarck-Archipel‟ S. 39, 58 und 63.

[36] Nach denselben ist dieser Boden „als ein an Humus, Stickstoff, Kali, Kalk- und Phosphorsäure sehr reicher anzusehen‟.

[37] Powell (l. c. p. 510) läßt dieselben von „slaves taken in battle from the inland tribes‟ bearbeiten, aber von Inland kann hier kaum die Rede sein, und Sklaverei ist bei den Papuas Neu-Guineas wohl überhaupt noch nicht beobachtet worden.

[38] Sehr im Widerspruch damit bemerkt Powell (l. c. p. 510): „they shout and sing, making warlike gestures, with their spears, bows and arrows and tomahawks‟! Das habe ich nirgends gefunden und „Tomahawks‟ besitzen die Eingeborenen überhaupt nicht.

[39] Maclay erwähnt nur an einer Stelle: „das Gebiet der Menschenfresser Erempi‟, in der Nähe von „Cap Croissilles‟, das ich selbst nicht kennen lernte.

[40] Wie ich später von Kapitän Dallmann erfuhr, dürfte ca. 11 Meilen Ost von Teliata voraussichtlich ein „guter Hafen‟ vorhanden sein.

[41] Man kann ermessen, was dabei herauskommt, wenn jemand auf solche dürftige Angaben hin eine Länderbeschreibung wagt, wie z. B. Meinicke („Die Inseln des Stillen Ozeans‟ I. S. 134–136).

[42] Nach den mir durch einen „Pionier-Trader‟ im Jahre 1880 in Neu-Britannien gewordenen statistischen Notizen wurden in der Periode der ersten Niederlassung weißer Händler von 1875 bis Ende 1880 im ganzen dreizehn Morde durch Eingeborene verübt. Davon an zwei Weißen, offenbar wegen Raub, an fünf Weißen infolge Provokation, an zwei Weißen auf Anstiften und im Auftrage von Weißen, an vier farbigen Missionslehrern (Teachers); nur die letzteren sind verzehrt worden, aber keiner der Weißen. In derselben Zeit wurden übrigens an Bord von Schiffen fünf Morde, meist von farbigen Schiffsleuten untereinander begangen.

[43] Identisch mit „Richie-Isl.‟ von d'Entrecasteaux, welches dieser Seefahrer 1793 für eine Insel hielt.

[44] „Deaf-Adder-Bay‟ auf der englischen Admiralitätskarte.

[45] Die trefflichen Untersuchungen des Freiherrn von Schleinitz haben in der That eine Menge guter Buchten und Häfen nachgewiesen. Vergl. „Nachrichten über Kaiser Wilhelms-Land‟ I. Heft 1887 nebst „Kartenskizze von Huon-Golf‟.

[46] Seitdem vom Freiherrn von Schleinitz besucht und „Bayern-Bucht‟, die folgende „Samoahafen‟ benannt.

[47] Es ist wohl nur ein Druckfehler, wenn Moresby im Text zu seinem Reisewerke (S. 284) die Höhe zu „9000 Fuß‟ angiebt.

[48] Hier sind später vom Freiherrn von Schleinitz zwei Häfen (Dreger- und Schneider-Hafen) entdeckt worden.

[49] An der Nordwestküste von Holländisch Neu-Guinea giebt es auch ein: „Kap Finsch‟.

[50] Man vergleiche u. a.: Parkinson „Im Bismarck-Archipel‟ (1887, S. 60), wonach in jenem Gebiete in sieben Jahren im ganzen 215 Eingeborene, die beiläufig 350000 Mk. kosteten, bekehrt wurden.

[51] Als ich u. a. zeigte, wie die geschmackvollen Kniebinden (vergl. Atlas Taf. XVIII, F. 2) getragen werden, bemerkten Seine Majestät: „Ja, die haben ja schon ordentlich einen Hosenbandorden!‟

[52] „Wanderings in a wild Country‟ (S. 202).

[53] Dampier sah am 24. März 1700 nur Vulcano-Island in Eruption, aber Powell spricht 1879 oder 1880 von: „innumerable vulcanos small and large, all in violent eruption; land seemed all fire‟ (Wanderings S. 230). Ja, der trifft allenthalben etwas Besonderes!

[54] Ist keine Insel, sondern eine Halbinsel, wie Herr v. Schleinitz neuerdings nachwies.

[55] Ähnlich ging es Parkinson in Bezug auf den „good sized freshwater-lake, with a small Island in the centre‟, welchen Powell im Innern der Gazelle-Halbinsel beschreibt, und welcher sich nur als ein „Tümpel von ca. 8–10 Meter Durchmesser‟ erwies. (Im „Bismarck-Archipel‟ S. 61).

[56] Vergl. Finsch und Meyer: „Vögel von Neu-Guinea‟ (Zeitschr. f. die gesammte Ornithol. 1885. S. 369–373).

[57] Die telegraphische Nachricht, daß in Huon-Golf Gold gefunden sei, hat sich als irrig erwiesen.

[58] Parkinson (Im Bismarck-Archipel S. 31) erhebt gegen dieses Schiff, wie andere deutsche, schwere Anklagen wegen Gewaltthätigkeiten gegen die Eingeborenen und führt Fälle an, die in der That empörend sind, und leider noch 1883 vorkamen.

[59] Ausführlicher hierüber in der „Kölnischen Zeitung‟ (Nr. 192, 13. Juli 1885) „Der Unfall der Glattdeckkorvette »Marie«‟.

[60] r und l sind in den meisten Papuasprachen gleich, da viele kein r aussprechen können.

[61] l. c. S. 265, aber hier an unrichtiger Stelle und zu früh notiert.

[62] Nach Moresby längs dieser ganzen Küste von Ostkap bis Kap Vogel zwischen 500 und 600 Faden.

[63] Die Koiäri, Bergbewohner des Innern von Port Moresby, sind sehr begierig nach Salz, gebrauchen es aber nicht als Speisewürze, sondern mehr im Sinne einer Delikatesse. In ähnlicher Weise gedenkt von Miklucho salzwasserdurchtränkten Holzes, welches bei den Bewohnern von Astrolabe-Bai beliebt ist.

[64] Powell (l. c. S. 267) erzählt den Fall und das Ende von Kapitän L..., der schließlich von einem Trader erschossen wurde, ganz der Wahrheit gemäß

[65] Wie schlecht es den unzureichend versorgten Teachers zuweilen ging, darüber berichtet Moresby (l. c. S. 35).

[66] Das Massacre in Kalau (Hood-Bai), wobei zwölf der Mission angehörige Farbige von den Eingeborenen gespeert wurden, fand viel später (März 1881) statt, nachdem die Mission längst hier gefestigt war, und hatte seine besonderen Ursachen.

[67] So mußten u. a. die vier im Inneren von Port Moresby errichteten Stationen wieder aufgegeben werden und zwar nicht wegen „Wildheit‟ der Eingeborenen, sondern weil sich dieselben zu teilnahmslos zeigten.

[68] Die Abbildung bei Powell (l. c. S. 9) ist ganz unrichtig.

[69] Vergl. auch Moresby l. c. S. 165.

[70] Eine große Küsten-Kartenskizze (Maßstab 1 = 300000) ist nach meinen Materialien von dem talentvollen Kartographen Louis von der Vecht in Berlin gezeichnet, aber bisher nicht publiziert worden. Da die »Samoa« fast ununterbrochen nahe der Küste dampfte, so konnten schon deshalb die bisherigen Aufnahmen vielfach berichtigt und Lücken ausgefüllt werden, wenn auch für spätere Kartierung noch viel zu thun bleibt. Aber man darf nicht vergessen, daß wir nur eine erste Rekognoszierungsfahrt machten, und unsere Navigateure nur zehn Punkte nach Peilungen bestimmen konnten. Findlay's „South Sea-Directory‟ verzeichnete damals aber für ganz Neu-Guinea nur 38 astronomische Aufnahmen, darunter eine für diesen Teil der Küste.

[71] Von d'Urville nach dem spanischen Seefahrer Bernardo de la Torre benannt, der übrigens mit der Entdeckung Neu-Guineas nichts zu thun hatte.

[72] Ein solcher Korb ist weiter zurück abgebildet, aber aus Versehen des Zeichners einem Manne von Guap in die Hand gegeben.

[73] In einem Tragbeutel fand ich später ein kleines, 7 cm langes Stück verrostetes Bandeisen von einer Kiste.

[74] Ottilien-Fluß des Freiherrn von Schleinitz, dem mit Hauptmann Dreger die genauere Aufnahme der Küste von Irishuk bis Kap de la Torre zu verdanken ist. (Nachrichten aus Kaiser Wilh. Land 1887. Heft II).

[75] Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Alexander von Preußen zu Ehren benannt.

[76] Von Cinnamomum Kiamis oder Sassafras goesianum.

[77] In meinem ersten Reiseberichte („Nachrichten für und über Kaiser Wilhelmsland‟ Oktoberheft 1885) hat sich hinsichtlich der geograph. Lage dieses Punktes ein bedauerliches Versehen eingeschlichen. Auf S. 11 wird nämlich Guido Cora-Huk als östlich der Sainson-Inseln angegeben, während die betreffende Stelle des Textes, in Übereinstimmung mit der Karte, auf S. 10 hinter „Sapa Point‟ folgen sollte.

[78] Nach dem hochverdienten Präsidenten des Deutschen Kolonialvereins Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg.

[79] l. c. S. 512, übrigens die erste Erwähnung eines Punktes an der ganzen ca. 140 Meilen langen Küste von Broken Water-Bay an. Von den Eingeborenen wird nur gesagt, daß sie zu glauben schienen, die Fremden wären von der Sonne herabgekommen.

[80] Nach Graf Baudissin, damals Kapitän-Leutnant an Bord S. M. S. »Albatross«.

[81] Powell (l. c. S. 513) erwähnt von dieser Küste Segel, die in der Ferne „den Flügeln eines fliegenden Fisches‟ ähneln, sowie den reichen Ausputz an Schnitzerei und Muscheln der Kanus. Ich habe davon ebensowenig etwas gesehen, als von den ausgezeichneten Häfen, dem Reichtume an Kokospalmen und Muskatnußbäumen, von denen Powell spricht.

[82] „Weil sich hier dem Schiffe (Astrolabe) 20 Piroguen, jede mit drei bis acht bewaffneten Leuten, näherten und von der vordersten ein Pfeil auf das Schiff entsendet wurde. Eine Gewehrsalve und ein Kanonenschuß trieben die Böte zur sofortigen Flucht‟. (Lindeman in Geogr. Blätter 1888, S. 358).

[83] Einige vierzig Messungen, die ich an Papuas der Südostküste machte, ergaben für Männer 1,52 bis 1,78 m, (Frauen: 1,39–1,49 m); in Astrolabe-Bai für Männer 1,47–1,62 m.

[84] Nach dem ausgezeichneten Kenner Neu-Guineas Robidé van der Aa im Haag.

[85] Vergl. Abbild. ([S. 17]): rechts Kapitän Dallmann, links Sechstroh.

[86] „Neu-Guinea und seine Bewohner‟ (Bremen 1865).

[87] Nach qualitativer Untersuchung des Herrn Venator in Trier besteht die etwas fettig, wie getrockneter bläulichgrauer Thon aussehende Masse aus: „vorherrschend Magnesia, Eisenoxyd, Thonerde, Kieselsäure und Spuren von Kalk und Phosphorsäure‟. Sie dient den Eingeborenen übrigens nicht als Nahrung, sondern als Leckerei, die allerdings nicht nach unserem Geschmacke ist.

[88] „Journ. des Mus. Godefroy‟ Heft IV, S. 49 T. II. — Unbegreiflicherweise erklärt Kubary dieses „Geld‟ als „natürliche Emaillen‟! als wenn die Natur irgendwo farbige Mosaikglasperlen hervorbrächte.

[89] Die Höhe desselben ist mit 6000 Fuß zu hoch angegeben und beträgt wohl nicht mehr als 4000.

[90] Im Reisewerk der Etna-Expedition, wie so manches, übertrieben zu 90 Häusern angegeben, wofür in der engen Buchtung schon der Platz fehlt.

[91] Es wurde am 6. September 1883 durch die Expedition des Dampfers Sing Tjin errichtet und auf Janus-Eiland an einen „Tjamarabaum‟ genagelt.

[92] Powell fischte aus solchen gleich Kampferholz auf.

[93] Herr v. Schleinitz, dem die genaue Aufnahme dieser Küste von Kap Gourdon bis zum Augustafluß zu verdanken ist, benannte sie „Hansabucht‟ (vergl. Nachrichten über Kaiser Wilhelmsland Heft II 1887, mit Karte von Hauptmann Dreger).

[94] „Potsdam-Hafen‟: von Schleinitz. Am Eingange, liegt die kleine „Potsdam-Insel‟, die auf meiner ersten Kartenskizze (Nachrichten etc. Heft IV. 1885) unrichtig verzeichnet ist.

[95] Wenn Powell (l. c. S. 512) die Küste nördlich von Astrolabe- bis Broken-water-Bay als „hoch und steil; mit zahlreichen Bergströmen und Kaskaden, welche Hauptzüge derselben bilden‟ beschreibt, so wird man mit Recht zweifeln können, ob er sie überhaupt gesehen hat. Auch fehlt „terrace formation‟ hier durchaus.

[96] Sie hatten es aber doch gethan; denn später las ich Berichte im „Sydney Morning Herald‟ über dieses Zusammentreffen, die recht schön, aber nicht eben wahrheitsgetreu ausgeschmückt waren. Da sollte ich große Vorräte an Schnaps und Waffen (natürlich für die Eingeborenen) in Blumenthal gehabt haben und dergleichen Unsinn mehr. Ich war das aber von der australischen Presse, die sich damals viel mit mir beschäftigte, bereits gewohnt. So wurde in der „Geographischen Gesellschaft‟ in Melbourne einmal berichtet, ich hätte ganz Neu-Guinea für eine Flasche Rum gekauft.


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aus:

Marshall,

Die Tiefsee und ihr Leben.

(Siehe die folgende Seite.)

Verlag von Ferdinand Hirt & Sohn in Leipzig.

In Vorbereitung befindet sich für den Herbst d. J.:

Die Tiefsee und ihr Leben.

Nach den neuesten Quellen dargestellt von

William Marshall,

Professor an der Universität Leipzig.
Mit sehr vielen Abbildungen.

Folgende ältere Werke seien geneigter Beachtung empfohlen:

Die Expedition des Challenger.

Eine wissenschaftliche Reise um die Welt.
Von W. Spry, deutsch von H. von Wobeser.
Mit 12 Tonbildern, 35 Abbildungen im Text und Reisekarte.
Geheftet 12 M., gebunden 14 M.

Nach den Victoriafällen des Zambesi.

Von Eduard Mohr.
Mit Porträt des Verfassers, vielen Illustrationen in Holzschnitt und Farbendruck, Karte
und einem kommerziellen und astronomischen Anhang.
2 Bände. Geheftet 20 M., gebunden 24 M.

Die Eingeborenen Süd-Afrikas,

ethnographisch und anatomisch beschrieben
von Prof. Gustav Fritsch, Dr. med.
Mit zahlreichen Holzschnitten, größtenteils nach Originalphotographien und Zeichnungen des
Verfassers, 20 lithogr. Tafeln mit Abbildungen von Skelettteilen etc. und einer Karte der
Wanderungen der südafrikanischen Völkerstämme.

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Verlag von Ferdinand Hirt in Breslau.

Kutzen, Prof. J., Das deutsche Land in seinen charakteristischen Zügen und seinen Beziehungen zu Geschichte und Leben der Menschen. Dritte Bearbeitung von Prof. Dr. Koner. Geh. 8 M. Geb. 10,50 M.

Delitsch, Prof. Dr. O., Deutschlands Oberflächenform. Versuch einer übersichtlichen Darstellung auf orographischer und geologischer Grundlage zu leichterer Orientierung im deutschen Vaterlande. Mit 3 Karten. 1,60 M.

Avé-Tallemant, Dr. R., Wanderungen durch die Pflanzenwelt der Tropen. 4 M.

Probe der Abbildungen aus Stevens, Um die Erde auf dem Zweirad. II. Teil (Schluß)
(Siehe die folgende Seite.)

Verlag von Ferdinand Hirt & Sohn in Leipzig.

Probe der Abbildungen
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Brassey, Familienreise.

Reiseschilderungen der Weltumseglerin Lady Annie Brassey,

für das deutsche Publikum bearbeitet von A. Helms:

Eine Familienreise von 14000 Meilen in die Tropen und durch die Regionen der Passate. Mit 290 Abbildungen u. 7 Karten. In Prachtband 8,50 M. Geheftet 6,60 M.

Sonnenschein und Sturm im Osten. Seefahrten und Wanderungen vom Hyde-Park zum Goldenen Horn. In Prachtband 8,50 M. Geheftet 6,60 M.

Eine Segelfahrt um die Welt. Pracht-Ausgabe. Gebunden 15 M. Geheftet 12 M. — Billige Ausgabe. (Fünfte Auflage.) Gebunden 8,50 M. Geheftet 6,60 M.

☛ Die Schriften der kürzlich auf hoher See verstorbenen kühnen Weltumseglerin Lady Brassey sind auch in Deutschland nicht minder günstig aufgenommen worden, als in England. Die inhaltliche Gediegenheit, wie auch die vornehme Ausstattung haben diese, in vielen Auflagen vorliegenden Bücher allenthalben in den gebildeten Familien heimisch gemacht.

Schriften von P. G. Heims, Kaiserl. Marinepfarrer.

Unter der Kriegsflagge des Deutschen Reichs.

Erste Reihe:

Rund um die Erde. Bilder und Skizzen von der Weltreise S. M. S. »Elisabeth« (1881–1883). Mit mehreren Karten der Reise. Zweite Aufl. Sehr reich gebunden 8 M., geheftet 6 M.

Zweite Reihe:

Kreuzerfahrten in Ost und West. Bilder und Skizzen von der Reise S. M. Kreuzer-Corvette »Nymphe« (April 1884 bis Oktober 1885). Sehr reich gebunden 8 M., geheftet 6 M.

Seespuk.

Aberglauben, Märchen u. Schnurren.
In Seemannskreisen gesammelt u. bearbeitet.
Illustriert von Joh. Gehrts.
Reich gebunden 6 M., geheftet 4,50 M.

☛ Das außergewöhnliche Erzählertalent des Marinepfarrers Heims dürfte genugsam bekannt sein. Seine Schilderungen sind wahr und lebenstreu und verdienen wegen ihres für Jung wie Alt belehrenden Inhalts die allgemeine Beachtung.

In dritter (unveränderter) Auflage liegt folgendes, originelle Reisewerk bereits vor:

Um die Erde auf dem Zweirad.

Nach dem Englischen des Th. Stevens,
übersetzt von Dr. F. M. Schröter.

Teil I: Von San Francisco nach Teheran. Mit Porträt des Verfassers und vielen Abbildungen im Text. Reich gebunden 8,50 M.

Teil II (Schluß): Von Teheran nach Jokohama wird in Kürze zur Ausgabe gelangen.

Schloß Windsor.
Verkleinerte Abbildung aus Brennecke, Alt-England.
(Siehe die folgende Seite.)

Verlag von Ferdinand Hirt & Sohn in Leipzig.

In mehr als 13,000 Bänden hat folgendes Prachtwerk bereits Verbreitung gefunden:

Nordland-Fahrten.

Malerische Wanderungen durch Norwegen u. Schweden, Irland, Schottland, England, Holland u. Dänemark.

Mit besonderer Berücksichtigung von Sage und Geschichte, Litteratur und Kunst
geschildert durch Prof. Dr. Adolf Brennecke, Francis Broemel, Friedrich von Hellwald, Dr. Hans Hoffmann, Richard Oberländer, Joh. Prölß, u. Dr. Adolf Rosenberg.

Mit mehreren Hunderten von Abbildungen nach Originalzeichnungen der hervorragendsten Künstler. In 4 ganz selbständigen, einzeln käuflichen Bänden. In Prachtband je 20 Mark.

Band I: Norwegen, Schweden, Irland u. Schottland. Einbd.: Norweg. Gebirgslandschaft. Zeichng. von C. Römer. 2. Aufl.

Band II: Wanderungen durch England u. Wales. Einband: Englische Burgruine. Zeichnung von C. Römer.

Band III: England und die Kanalinseln. Einband: Englische Felsenküste. Zeichnung von C. Römer.

Band IV: Holland und Dänemark. Einband: Holländische Winterlandschaft. Zeichnung von W. Georgy.

Die bis auf wenige Exemplare vergriffenen Bände II u. III dieses Unternehmens finden Ersatz durch das folgende, kürzlich in gleicher Ausstattung erschienene Werk:

Alt-England. Eine Studienreise durch London und die Grafschaften zwischen Kanal u. Piktenwall. Von Adolf Brennecke. Mit zahlreichen Abbildungen nach Zeichnungen hervorragender Künstler. Prachtband 20 M.

☛ Der Text beschränkt sich nicht auf vereinzelte geographische und geschichtliche Mitteilungen, sondern er bringt in fesselnder Darstellungsweise das geistige, gesellschaftliche und künstlerische Leben, die Entwickelung der Baukunst, die Industrie und den Weltverkehr Englands (mit statistischen Nachweisen) zur Behandlung. Überall sind die neuesten und zuverlässigsten Quellenwerke benutzt worden.

Proben aus Ferdinand Hirts Geographischen Bildertafeln. (Siehe die folgende Seite.)

Australneger. (Festland).

Papûa (Neu-Guinea).

Sudan-Neger (Nord-Afrika).

Buschmann (Süd-Afrika).

Patagonier (Süd-Amerika).

Botokudin (Süd-Amerika).

Geographische und geschichtliche Werke für Jung u. Alt.

Ferdinand Hirts Geographische Bildertafeln.

Für die Belebung des erdkundlichen Unterrichts und die Veranschaulichung der Hauptformen der Erdoberfläche mit besonderer Berücksichtigung der Völkerkunde und Kulturgeschichte, herausgegeben von Dr. Alwin Oppel und Arnold Ludwig.

Teil I: Allgemeine Erdkunde.

Herausgegeben unter Mitwirkung von

Prof. Dr. G. Fritsch (Berlin), Dr. G. Leipoldt (Dresden), Prof. Dr. R. Perkmann (Wien), R. Waeber (Liegnitz) und vielen anderen hervorragenden Fachmännern.

Mit 319 Abbildungen auf 25 Tafeln.
Zweite Auflage.
Geheftet 3,60 M. Gebunden 4.75 M.
Erläuternder Text 1 M.

Teil II: Typische Landschaften.

Herausgegeben unter Mitwirkung von

J. Kanitz (Wien), Dr. Karl Müller (Halle), Richard Oberländer (Leipzig), Prof. Seibert (Bregenz) und vielen anderen hervorragenden Fachmännern.

Mit einführendem Text und 29 Bogen Abbildungen
178 Landschaftsbilder enthaltend.
Zweite Auflage.
Geheftet 5 M. Gebunden 6,50 M.

Teil III: Völkerkunde.

(In 3 Abteilungen.)

Herausgegeben unter Mitwirkung von

Dr. J. Baumgarten (Coblenz), C. Bock (Christiania), Prof. Dr. Kan (Amsterdam), J. Kanitz (Wien), Dir. Dr. Müller (Antwerpen), Prof. Dr. Partsch (Breslau), Prof. Seibert (Bregenz).

Schiffer aus Neapel. (Aus Teil III. 1. Abt.)

Abteilung 1: Völkerkunde von Europa.

Mit 300 Holzschnitten auf 30 Tafeln und einem kurzen erläuternden Text. Geheftet 5,50 M. Geb. 7 M.

Abteilung 2: Völkerkunde von Asien und Australien.

Mit 27 Tafeln Abbildungen und einem kurzen erläuternden Text. Geheftet 6,50 M. Geb. 8 M.

Die Abteilung 3: Völkerkunde von Afrika und Amerika ist in Vorbereitung und beschließt das Unternehmen.

Als ein erweiterter, erläuternder Text zum II. Teile ist erschienen:

Landschaftskunde. Versuch einer Physiognomik der gesamten Erdoberfläche in Skizzen, Charakteristiken und Schilderungen von Dr. A. Oppel. Geheftet 12 M. Gebunden 14,50 M.

Empfohlen seien auch folgende geographischen Charakterbilder:

Umschau in Heimat und Fremde. Ein geographisches Lesebuch von Prof. Dr. Hentschel und Dr. Märkel. Mit vielen Bildern. Teil I: Deutschland. Geh. 2,50 M. Geb. 3,30 M. Teil II: Europa (Mit Ausschluß d. Deutschen Reichs). Geh. 3,60 M. Geb. 4,50 M.

Ein Seitenstück zu den vielverbreiteten »Geographischen Bildertafeln« bilden:

Ferdinand Hirts Historische Bildertafeln.

Für die Belebung des geschichtlichen Unterrichts
herausgegeben von mehreren praktischen Schulmännern und Gelehrten.

Teil I: Das Altertum bis zum Untergange des Heidentums. 2,50 M.

Teil II: Von den Anfängen d. Christentums bis zum Beginn d. XIX. Jahrh. 2,50 M.

Teil I u. II in einem Bande, nebst erläuterndem Text (einzeln 1 M) geh. 6 M, geb. 7,50 M.

Proben aus Ferdinand Hirts Geographischen Bildertafeln. (Siehe die vorhergehende Seite.)

Frau von den Tonga-Inseln.

Giljak-Frau (Ost-Sibirien).

Chinese.

Araber aus Aden.

Nubier (Nord-Afrika).

Germane.