5. Die Blüte.
Die Teile der Blüte. Eine vollständige Blüte ist zusammengesetzt (von außen nach innen) aus den Kelchblätt., Blblätt., Stbblätt. und dem Stempel. Die beiden äußeren Blattkreise (Kelch- und Blblätt.) werden auch als Bltnhülle bezeichnet. Sind beide Kreise der Bltnhülle von gleicher Beschaffenheit (Tulpe) oder ist nur ein Kreis vorhanden (Windröschen), so ist die Bltnhülle einfach. Sind dagegen die beiden Blattkreise von verschiedener Beschaffenheit und Färbung, so nennt man die (meist grünen) Blätt. des äußeren Kreises den Kelch und die auffällig (weiß, rot, blau usw.) gefärbten Blätt. des inneren Kreises die Blkrone. Dann bezeichnet man die Bltnhülle als doppelt. Die Stbblätt. sind in der Regel aus dem den Bltnstaub enthaltenden Stbbeutel und dessen stielart. Träger, dem Stbfaden, zusammengesetzt. Der unt., meist kugelig oder walzl. gestaltete Teil des Stempels heißt Frknoten. Er setzt sich nach oben in einen stielart. Teil, den Griffel, fort, der in die sehr verschieden gestaltete Narbe endigt. Enthält eine Blüte nur Stbblätt., so wird sie Stbblüte genannt; ist nur ein Stempel vorhanden, so heißt sie Stempel- oder Frucht-Blüte. Das mehr oder weniger verdickte Ende des Bltnstiels, aus dem die genannten Teile entspringen, ist der Bltnboden. Ist dieser mehr oder weniger gewölbt, so steht der Frkn. höher als die anderen Bltnteile: er ist oberständig (Fig. [26], 1). Ist der Bltnboden aber napf- oder krugf. ausgehöhlt, und ist der in dieser Höhlung (also unter den übrigen Bltnteilen) stehende Frkn. mit dem Bltnboden verwachsen (Fig. [26], 2), so nennt man ihn unterständig. Tritt bei derselben Beschaffenheit des Bltnbodens eine Verschmelzung nicht ein, so ist der Frkn. mittelständig (Fig. [26], 3).
Fig. 26.
Die Blütenhülle. Die Kelch- und Blblätt. sind entweder frei, d. h. vollständig unter sich getrennt od. mehr od. weniger vollkommen miteinander verwachsen. Läßt sich eine Blüte durch mehr als einen Schnitt in zwei symmetrische Teile zerlegen, so daß die eine Hälfte das Spiegelbild der andern ist, so heißt sie regelmäßig (Schlüsselblume); läßt sie sich aber nur durch einen einzigen Schnitt in der angegebenen Weise teilen, so ist sie unregelmäßig (Taubnessel, Veilchen).
Die Blkr. kann ihrer Gestalt nach sein: röhrig, mit wenig sich erweiterndem Saum[2] und daher überall ziemlich gleichweit (Schlüsselblume); keulig, nach oben sich verdickend (Fig. [630], Schwarzwurz); glockig (Glockenblume); trichterf., von unten nach oben gleichmäßig erweitert (Fig. [121], Winde); radf., mit kurzer Röhre und flach ausgebreitetem Saum (Ehrenpreis, Labkraut); stieltellerf., ebenso, aber mit langer Röhre (Flieder); krugf., oben verengt, unten bauchig (Fig. [51], Sumpfheide, Heidelbeere); zweilippig, unten röhrig, oben durch einen tiefen Einschnitt in 2 Zipfel (Lippen) gespalten (Fig. [651], Taubnessel); schmetterlingsf., mit 5 freien, ungleichen Blblättern, von denen das größere, obere Fahne (Fig. [27], Fa.), die beiden seitlichen Flügel (Fl.), die beiden unt., verwachsenen (K.Sch.) Kiel oder Schiffchen genannt werden (Erbse). Fast sämtliche Formen kommen auch beim Kelch vor.
Fig. 27.
An den freien Blblätt. unterscheidet man den unt. schmäleren Teil, den Nagel, und den oberen, ausgebreiteten Teil, die Platte. Je nach der Länge des Nagels heißt ein Blblatt lang- oder kurzbenagelt.
Die Bltnhülle der Orchideen besteht aus 6, in 2 Kreisen angeordneten Blätt., von denen das unt. Blatt des inneren Kreises zu einer Honiglippe ausgebildet und oft gespornt ist (Fig. [41]).
Bei den Bltn der Gräser (Fig. [28], [789]) nennt man die kleinen kahnf. Deckblättchen Spelzen. Die Spelze am Grunde eines Ährchens, die etwa die Stelle des fehlenden Kelches einnimmt, ist die Kelchspelze (K.); die beiden darauf folgenden Spelzen, die Staubblätt. und Stempel einhüllen, bezeichnet man als Bltnspelzen. Sie werden als äußere (a.B.) und innere (i.B.) Bltnspelze unterschieden.
Fig. 28.
Die Blütenstände. Sind bei einer Pflanze mehrere Bltn vorhanden, so sind dieselben fast immer in einer gesetzmäßigen Art und Weise zu Bltngemeinschaften od. Bltnständen angeordnet. Den Stengelteil des Bltnstandes, dem die einzelnen bltntragenden Zweige od. die gestielten od. ungestielten Bltn entspringen, bezeichnet man als die Hauptachse desselben. Die aus ihm hervorgehend. Zweige werden Nebenachsen genannt. Man unterscheidet:
1. Traubige Blütenstände. Die Hauptachse ist bis zu einer gewissen Größe verlängert und übertrifft die Nebenachsen an Länge und Stärke. Dazu gehören: Traube, die Hauptachse trägt langgestielte Bltn (Fig. [29a], Maiblume); Doldentraube, eine Traube, bei der alle Bltn fast in gleicher Höhe stehen (Fig. [29b], Rainfarn); Rispe, eine Traube, deren Nebenachsen wieder Trauben bilden (Fig. [29c], Weinstock, Rispengräser); Doldenrispe, eine Rispe, bei der die Endbltn fast in gleicher Höhe stehen (Fig. [29d], Eberesche); Ähre, die Hauptachse trägt ungestielte Bltn (Fig. [29e], Eisenkraut). Bei der zusammengesetzten Ähre (Fig. [29f], Roggen) findet sich an Stelle der Blüte eine kleine Ähre (Ährchen); der Kolben ist eine Ähre mit fleischig verdickter Achse (Fig. [29g], Aronstab), das Kätzchen, eine Ähre mit unscheinbaren Bltn, die später als Ganzes abfällt (Haselnußstrauch). Wenn bei einem Kätzchen Achse und Deckschuppen verholzen, so wird es als Zapfen bezeichnet (die meisten Nadelholzbäume).
Fig. 29.
2. Doldige Blütenstände. Die Hauptachse ist verkürzt (»hört plötzlich auf«), und die Nebenachsen entspringen an einem Punkte. Hierher gehören: Dolde, von der verkürzten Hauptachse erheben sich gestielte Bltn, die zumeist in gleicher Höhe stehen (Fig. [29h], Schlüsselblume); zusammengesetzte Dolde, eine Dolde, bei der jede Nebenachse wieder eine Dolde trägt (Fig. [29i], die meisten Doldenpfl.); Köpfchen, auf der verkürzten Hauptachse stehen dicht gedrängt zahlreiche ungestielte od. ganz kurz gestielte Bltn (Fig. [29k], Grasnelke). Wenn ein Köpfchen von Hüllblätt. umgeben wird (wie bei den Korbblütlern), so nennt man es Blütenkörbchen (Fig. [29l]).
3. Trugdoldige Blütenstände. Die Hauptachse ist durch eine endst. Blüte abgeschlossen und trägt unter dieser nur noch eine od. wenige Nebenachsen, die entweder mit einer Blüte abschließen od. in derselben Weise verzweigt sind. Bei der Trugdolde entspringen unter der endst. Blüte an einem Punkte 2 od. mehr Nebenachsen, die sich wiederholt wie die Hauptachse verzweigen können (Fig. [30], Wolfsmilch, Holunder). Büschel od. Knäuel sind Trugdolden mit sehr verkürzten Stielen, so daß die Bltn meist unregelmäßig gehäuft erscheinen (viele Nelken, Gänsefuß).
Fig. 30.