Die Sedimentgesteine

nehmen in Dr. Baumann's Sammlung eine nicht sehr hervorragende Stellung ein; doch besitzen manche von ihnen eine gewisse wirthschaftliche Bedeutung. So dürften vor allem die Kalksteine, welche sich an mehreren Punkten im Gebiet der altkrystallinen Gesteine vorfinden, neben den im Urgebirge selbst eingelagerten körnigen Kalken, als Baumaterial von grossem Werthe sein. Zum Theil sind es gleichmässig körnige, fast dicht erscheinende, dolomitische Kalke von gelblicher Farbe, denen hier und da in Gestalt kleiner Körnchen etwas Urgebirgsmaterial beigemengt ist, zum Theil sind es bräunliche, dünnschiefrige Kalkmergel; ihrer Mikrostruktur nach sind die ersteren meist undeutlich oolithisch. Ueber ihre Lagerungsverhältnisse konnten nur ungenügende Beobachtungen gemacht werden. In Bezug auf ihr geologisches Alter lässt sich leider auch nichts Bestimmtes sagen, da sie weder makroskopisch Fossilreste bergen, noch mikroskopisch solche in ihnen wahrnehmbar sind; allem Anschein nach sind sie mesozoischen Alters und lassen, hinsichtlich ihrer Farbe und Struktur, eine grosse Aehnlichkeit mit europäischen Juragesteinen nicht verkennen. Die reineren Kalke stammen von

1. »Ngorongoro, Kesselgrund am See, 21. März 1892«,

2. »Serengeti, zwischen Njogomo und Duvai bei den Massai-Lagern, 27. März 1892«,

3. »Unweit Marago Duvai, 28. März 1892«,

4. »Ikoma, 8. Juni 1892, 11h 39 a. m.«.

5. »Towa Bach, Ntussu, 17. Juli 1892«,

6. »Uha, 20. Oktober 1892, Str. NNO., F. OSO. ca. 60°«,

7. »Irangi, Abfall zum Bubufluss 29. Dezember 1892. Schichtung nicht wahrnehmbar«,

die Mergel dagegen rühren von

1. den »Hügeln bei 1h 5 p. m. 1. April 1892, vor Elmarau«

und

2. »Uha, Uschingo, 13. Oktober 1892, 6h 40 a. m. Ungestört.«

her.

Neben diesen compacten Kalksteinen scheinen übrigens auch recente Kalksinterbildungen, welche zu dem genannten Zweck ebenso gut brauchbar sind, wenn auch wahrscheinlich in geringer Mächtigkeit, doch weit verbreitet zu sein. Solche meist weisse, bröckelige, schalige Incrustationen hat Dr. Baumann an folgenden Punkten angetroffen:

1. »Auf der Anhöhe am Nordende des Manyara-Sees, 12. März 1892«,

wo sie laut einer Bemerkung auf der Etikette, auch das Bindemittel eines Conglomerates bilden und im Gegensatz zu den übrigen, häufig grau gefärbt und von grosser Festigkeit sind; ferner

2. am »Singisa-See, Turu, 19. Dezember 1892«,

3. am »Lolduman-Hügel, 6. Februar 1893«

und

4. »Unweit des Balbaliberges in der Kiwaya-Steppe, 13. Februar 1893.«

Hornsteinknollen, wahrscheinlich aus den zuerst erwähnten mesozoischen Kalken stammend, liegen vor von

1. »Buenyi am Nyansa«,

in der gewöhnlichen grauen Farbe; 2. röthlich gefärbt und durch schlecht erhaltene, auffallend weitgekammerte Foraminiferenschälchen ausgezeichnet, in einem leider nicht mit der Angabe des Fundortes versehenen Fragment, und endlich in

3. »Strandgeröllen vom Ufer des Balangda-Salzsees, Mangati, 25. Januar 1893«,

die lichtgrau gefärbt sind und eine runzelig-zerfressene Oberfläche besitzen.

Von practischer Verwerthbarkeit dürften noch ein plastischer grauer Töpferthon von

»Unyanganyi, 21. Dezember 1892«

und weisse, durch Glimmer und Quarzpartikelchen nur wenig verunreinigte Kaoline sein, welche in

1. »Ussui, 26. August 1892«

und

2. »Imbo, Urundi, 22. September 1892«

offenbar die in situ befindlichen Verwitterungsproducte feldspathreicher Urgebirgsgesteine darstellen.

Von Eisenerzen liegt krystallinisch-blättriger Rotheisenstein von

»S.O. Urundi, 8. Oktober 1892, 8h 58 a. m.«,

stalaktitischer Brauneisenstein bezw. Raseneisenstein von

»Nord Urundi, 9. September 1892«

und vom

»Tümpelrand beim Lager Urambo, 29. Oktober 1892«

vor; ausserdem ist ein gänzlich verwitterter Gneiss von

»West Ussui, in Klötzen am Hang verstreut, 4. September 1892«,

in einem solchen Grade mit Hämatit imprägnirt, dass er für die Eisengewinnung local vielleicht von einer gewissen Bedeutung sein könnte.

In der Gruppe der vorwiegend chemischen Sedimente möge hier auch noch das Vorkommen von Salzen Erwähnung finden, von welchen diejenigen von Kochsalz im Innern von Deutsch-Ostafrika selbstredend eine grosse wirthschaftliche Bedeutung besitzen. Dr. Baumann hat eine Anzahl von solchen Salzproben zum Theil als natürliche Efflorescenzen in der Umgebung der zahlreichen Natronseen gesammelt, zum Theil von den Eingeborenen erhalten, welche Salz aus diesen salzreichen Sedimenten auswaschen und sich augenscheinlich mit sehr unreinen Producten begnügen. Die vorliegenden Salzproben stammen von

1. »Südl. Uha, Uvinsa«,

2. »Singisa-See, Turu«,

3. »Nyarasa, Salzefflorescenz«,

4. »Mangati, Balangda-See«,

5. »Strandsalz (Magadi) Manyara-See, Nordende, 11. März 1892«,

6. »Magadi vom Südende des Manyara-Sees«,

7. »Salziger Lehm von Laua ya Sereri, Kutadus Land, Umbugwe«,

8. »Irangi, aus dem Boden gewaschen«.

Sie sind grossentheils stark verunreinigt durch sandig-thonige Beimengungen und zeigen eine sehr schwankende chemische Zusammensetzung, indem bald Chlornatrium, bald kohlensaures Natron, bald schwefelsaures Natron vorherrscht. Mit Ausnahme des letzten, von Irangi herrührenden, relativ reinen Kochsalzes, dessen qualitative Prüfung auch die Anwesenheit von Magnesia ergab, sind die vorerwähnten Salzproben im chemischen Laboratorium der Königl. Bergakademie zu Berlin analytisch untersucht worden. Diesen Analysen zufolge ist die Zusammensetzung der Salzproben No. 1-7:

100 Theile Salz enthalten vonNo. 1No. 2No. 3No. 4No. 5No. 6No. 7
Chlornatrium95,5787,5383,2259,5339,645,382,31
Schwefelsaures Natron1,092,131,6822,741,3120,464,05
Kohlensaures Natron0,120,078,6113,1310,4848,6312,92
Schwefelsaures Kali1,22
Phosphorsaures Natron0,400,34
Thon, Sand2,0010,276,494,6048,1725,1980,72
100,00100,00100,00100,00100,00100,00100,00

Sehr auffallend ist die grosse Verschiedenheit der Salze vom Manyara-See No. 5 und 6; das letztere dürfte, ebenso wie No. 4, wegen des hohen Gehalts an Natronsulfat und Natroncarbonat sich zur Verwendung als Speisesalz ohnehin nicht mehr eignen.

Im Anschluss hieran mag noch an dieser Stelle erwähnt werden, dass Dr. Baumann auch Wasserproben mitgebracht hat und zwar vom

1. »Balangda-See, Mangati,«

2. »Eyassi-See, Nordende, 24. März 1892,«

3. »Manyara-See, 10. März 1892«

und von einer

4. »Heissen Quelle am Manyara - See, Temp. 80° C., 10. März 1892«,

sie wurden gleichfalls im chemischen Laboratorium der Königl. Bergakademie zu Berlin der Analyse unterworfen, welche ergab, dass in 1000 Theilen Wasser enthalten sind von:

No. 1No. 2No. 3No. 4
Chlornatrium144,40 18,80 4,80 0,62
Schwefelsaures Natron41,00 1,79 0,53 0,11
Kohlensaures Natron94,10 10,50 12,04 1,50
Schwefelsaures Kali3,50 0,24
Phosphorsaures Natron0,40 0,09 0,12
SchwefelnatriumSpurSpur
Summa der festen Bestandtheile:283,40 31,18 17,73 2,23

Was zum Schlusse die im Expeditionsgebiete gesammelten wesentlich klastischen Sedimentgesteine anlangt, so zerfallen dieselben in Grauwacken, Sandsteine und Schieferthone, welche leider ebensowenig wie die Kalksteine, wegen des Mangels an Fossilresten eine nähere Altersbestimmung ermöglichen; indessen besitzen die verkieselten Grauwacken von

1) »Kiruwassile-Bach (Lager), 30. März 1892«

2) »Bach, 1h 27 v. 1. April 1892 vor Elmarau Str. NS. F. W. 20°«

3) »Usenye-Hügel, 7. April 1892 früh«

4) »Kiruwiru am Speke-Golf, 8. Mai 1892 Str. NS. F. SO. ca. 70°«

5) »N. Urundi, 10. Sept. 1892 8h 2. a. m. Lagerung nicht sichtbar«

einen entschieden palaeozoischen Habitus. Aeusserlich Quarziten ähnlich, bestehen sie grösstentheils aus Quarzkörnchen, denen in geringem Maasse Feldspathpartikelchen beigemengt sind; das Bindemittel ist schwach doppelbrechende Kieselsäure, mehr oder weniger mit Eisenoxyden imprägnirt; nur bei No. 4 zeigt das Caement mehr die klastische Natur eines feinen chloritischen Detritus und dem entsprechend ist auch die Gesteinsfarbe eine grünliche, während die zuerst genannten Vorkommen roth gefärbt erscheinen.

Sandsteine wurden angetroffen

1) »Wasserriss bei Nyaruvunga, Ussui, 25. August 1892 7h 12 a. m. Str. NNO-SSW. F. WNN. circa 20°«

und

2) »Uyogoma, W. Ussui, 30. August 1892, 5h 53 a. m. Str. NNO.-SSW. F. NNW. ca. 10°«.

Der erstere ist ein mittelkörniger, mit Eisenoxydkrusten überzogener Quarzsandstein, der letztere äusserst feinkörnig und durch Beimengung von Feldspathmaterial mehr arkoseartig.

Schieferthone, z. Th. hart und splitterig, z. Th. weich und erdig, fanden sich in dem Grauwackenstrich vor Elmarau (s. o.), nämlich

1) »Bach 3h 9 p. m. vor Elmarau, 1. April 1892«

ebenso in

2) »Nord Urundi, 8. Sept. 1892 Str. NO.-SW. F. ┴«

ferner

3) »Am Rubana-Fluss, Nata, 7. Juni 1892«

4) »Kisura, Urundi, 7. Oktober 1892«

und

5) »SO. Urundi, 7. Oktober 1892, 9h 40 a. m. Str. O.-W. auch nach SO.-NW. F. N 40°«.

In Verbindung mit den jüngeren Eruptivgesteinen treten endlich im »Grossen Graben« und auf dem Mutyek-Plateau auch vulkanische TrümmergesteineTuffe — auf, die aus lockerem Auswurfsmaterial bestehend, durch kalkiges Bindemittel verfestigte Massen sind. Es sind meist scharfkantige Bruchsplitter, sehr selten vollständige Kryställchen von Augit und Feldspath, hin und wieder auch Olivin und Quarz neben reichlichem Magneteisen, die sie zusammensetzen. Besondere Verbreitung scheinen diese Tuffe

1) »Am Plateauabfall nördlich vom Eyassi-See«

zu besitzen, indem von hier mehrere, z. Th. sehr bröckelige Proben vorliegen.

Die übrigen stammen von

2) »Lgeju Sinoni, Serengeti, 28. März 1892, horizontal«

3) »Makenga Bach, 10. Januar 1893«

und vom

4) »Nordende des Maitsimba-Sees, Ufiomi, 28. Januar 1893«.

In den Trachyttuffen vom Eyassi-See begegnen wir, mit Ausnahme des Sodaliths allen Konstituenten des oben (p. 282) geschilderten Sodalithtrachyts wieder; der Tuff vom Makenga-Bach hat bei einem geringen Olivingehalt mehr basaltischen Charakter, in jenem von Serengeti ist in Gestalt von Turmalin führenden Quarzkörnchen augenscheinlich auch Urgebirgsmaterial vorhanden, während der lichtgraue kalkreiche Tuff vom Maitsimba-See mehr den Eindruck eines, mit viel vulkanischem Material vermengten, lacustren Sedimentes macht.

Wenn in den vorstehenden Zeilen auch wichtige neue Beobachtungen nicht enthalten sind, so ist das ihnen zu Grunde liegende Material doch höchst schätzbar für die Erweiterung unserer petrographischen Kenntnisse von dem Inneren Deutsch-Ostafrika's und der Eifer, wie das Verständniss, mit dem Herr Dr. Baumann auch in dieser Beziehung wieder gesammelt hat, im höchsten Grade anerkennenswerth. Vom wirthschaftlichen Standpunkte aus dürfte auch bei ferneren Expeditionen ein besonderes Augenmerk auf das Vorkommen und die Verbreitung der nutzbaren Mineralien und Gesteine, der Kalksteine, Thone, Salze, Eisenerze u. s. w., zu richten sein; die wissenschaftliche Geologie andererseits wird dankbar sein für alle, auch scheinbar geringfügigen Angaben in Bezug auf die Lagerungs- und gegenseitigen Verbandsverhältnisse der Gesteine, namentlich auch über das Vorkommen von fossilen Einschlüssen in den Sedimenten, welche für die ungefähre Altersbestimmung, für den geologischen Bau dieser Länderstriche im Besonderen und für die Erdgeschichte im Allgemeinen als brauchbare Anhaltspunkte dienen können.

[[←]] II. Kulturpflanzen

gesammelt von Dr. O. Baumann. 1892/93.
Von Prof. Dr. F. Körnicke.