Hülsenfrüchte.

[[←]] III. Ueber die Molluskenfauna Centralafrikas.

Von Dr. Rudolf Sturany, Wien.
[Mit Tafel XXIV und XXV.]

Dr. Oscar Baumann hat auf seiner letzten Reise eine Anzahl Schnecken- und Muschelschalen gesammelt, welche hauptsächlich dem Tanganyika-, Victoria- und Manyara-See entstammen und über welche im Folgenden durch namentliche Aufzählung der Arten eingehend berichtet werden soll.

Bei der Durchsicht und dem Studium der sehr umfangreichen Literatur[27], welche ich zu Rathe ziehen musste, um die Bestimmungen durchführen zu können, ward mir bald klar, dass die Fauna des centralen Afrika trotz der wiederholten Aufsammlungen, die dort durch Reisende gemacht worden sind, noch immer unzulänglich bekannt ist; denn schon in der relativ geringen Ausbeute Dr. Baumann's befinden sich Formen, welche von den bisher bekannten Arten so abweichen, dass sie sich mit keiner von diesen gut vereinigen lassen. Ich halte es daher auch für gerathen, diese Formen besonders hervorzuheben, jedoch, — da sie meist nur in so geringer Anzahl vorliegen, dass strikte Diagnosen für diese vermuthlich neuen Arten nicht zu geben sind, — vorläufig bloss in der Weise, dass ich jede derselben unter ihrem unschwer festzustellenden Genus-Namen und einem hintangesetzten nov. sp.? anführe und abbilde; im Texte füge ich bloss noch Maassangaben bei und meine Ansicht über die Verwandtschaft der betreffenden Form. Sieht sich dann einmal ein Fachmann, der über ein grösseres Vergleichsmaterial verfügt, genöthigt, die von mir hier bekannt gegebenen »neuen« Formen aus guten Gründen (z. B. weil Uebergänge gefunden wurden u. dgl.) zu früher schon beschriebenen Arten einzuziehen, so wird mir damit nur die willkommene Aufklärung zu Theil. Die beigegebenen Abbildungen werden aber wohl auch dann noch ihren Werth zumindest für die Orientirung behalten.

Wo mir die Zugehörigkeit zu einer bereits bekannten Art über allen Zweifel erhaben schien, habe ich Abbildungen vermieden; im Uebrigen aber wurde mit Illustrationen nicht gespart, weil ich solche für das wichtigste Moment bei derartigen Publikationen halte.

[[←]] I. Formen aus dem Tanganyika-See.

Nachdem Bourguignat[51] im Jahre 1889 nicht weniger als 271 Arten aus dem Tanganyika-See aufgezählt und in seiner Iconographie[48] und Histoire malacologique[56] eine grosse Anzahl vorzüglicher Abbildungen und genauester Beschreibungen gegeben hat, musste ich der Meinung sein, dass sich die von Dr. Baumann am Nordende des Sees gesammelten Conchylien — es sind dies nicht viele Arten — unter Zuhilfenahme der obigen Hauptwerke mit Leichtigkeit bestimmen lassen würden, und dies umsomehr, als die zahlreichen Aufsammlungen, die im Laufe der Jahre im Tanganyika-See von Reisenden und Missionären (Speke, Thomson, E. Coode Hore, Dr. Kirk, Damon, Dr. Böhm, V. Giraud, L. Joubert, Guillemé, Leroy, Hauttecœur u. A.) gemacht worden sind, die Vermuthung gerechtfertigt erscheinen liessen, dass wenigstens alle an den Ufern des Sees vorkommenden (auffindbaren) Formen bekannt sind. Indess gelang es mir bei den Repräsentanten der Gattungen Rumella und Grandidieria nicht, sie mit voller Gewissheit mit schon beschriebenen Arten zu identificiren, obwohl sie mit mancher derselben grosse Aehnlichkeit besitzen. Die Schuld an diesem Umstande liegt wohl — abgesehen von dem Formenreichthum der Fauna und deren noch immer nicht erschöpften Erforschung — auch in dem Verfahren Bourguignat's, der, wie fast allgemein zugegeben wird, in jeder Localform (Varietät) eine neue Art vermuthet und beschrieben hat und dadurch den Determinator neuen Materiales förmlich zwingt, jede wenn auch schwach abweichende Form, und wenn sie auch mit dieser oder jener der bereits aufgestellten sogenannten Arten unstreitig nahe verwandt ist, wieder zu isoliren. Ich bin auch überzeugt, dass Bourguignat, wenn er noch lebte, die von mir hier abgebildeten Formen von Rumella und Grandidieria ohne Zögern als unbedingt neue Species beschreiben würde.

Die in diesem Kapitel nunmehr aufzuführenden 12 Arten hat Dr. Baumann sämmtlich am Nordende des Tanganyika-Sees, östlich von der Russisi-Mündung, gesammelt.

Planorbis Sudanicus v. Martens.

Von dieser Art liegen mir einige Exemplare vor, welche in der Grösse, wie folgt, verschieden sind:

Höhe5,04,24,64,0
Durchmesser16,516,013,313,0 mm u. s. w.
Anzahl der Windungen 5½ bis 6.

Hier kann ich die Bemerkung nicht unterlassen, dass die Art Planorbis tanganikanus Bourg. (Iconogr.[48] pl. 1 Fig. 16-17 und Hist. mal.[56] p. 16) wohl zu der älteren Pl. Sudanicus v. Martens eingezogen werden könnte, da sie von dieser kaum zu unterscheiden ist.

Neothauma Tanganikanum Grand.

Bekanntlich hat Grandidier[38] die Smith'sche Art Tanganyicense[27] in Tanganikanum umgetauft und sie von Crosse's Tanganyicense (op. c. [29] J. d. Conch. p. 112 pl. 4. Fig. 1-1a und op. c. [30] J. d. Conch. p. 281) getrennt, welch' letzterer er, um Verwechselungen zu verhüten, den Speciesnamen Bridouxianum gab. Da nun die von Dr. O. Baumann am Nordende des Tanganyika-Sees ziemlich zahlreich gesammelten Exemplare fast durchgehends mehr mit der ersteren Form übereinstimmen, so habe ich den Grandidier'schen Namen für die Aufschrift gewählt; im Uebrigen theile ich die von E. Smith in einer jüngeren Schrift[52] ausgesprochene Ansicht, dass nämlich die von Bourguignat[51, 48, 56] unterschiedenen 8 Neothauma-Arten nur Varietäten einer einzigen guten Art sind.

Ampullaria ovata Oliv.

Unter den Exemplaren vom Nordende des Sees befindet sich sowohl die schlankere, dem Typus der ovata Oliv. entsprechende Form als auch die mehr aufgeblasene, welche sich auf die vormals als Art betrachtete Kordofana Parr. bezieht.

Die Messungen ergaben:

fürdieHöhederSchale63555150½
""Breite""55444640½
""HöhederMündung48404132
""Breite""33282827 mm u. s. w.

Paramelania nassa Woodw.

Dr. Baumann hat von dieser Art am Nordende des Sees bloss ein Exemplar gefunden (Höhe 13, Breite 8½ mm).

Rumella nov. sp.?

Fig. 19, 24.

Den Namen Rumella hat Bourguignat einer im Tanganyika-See vorkommenden Gattung gegeben, welche grosse Aehnlichkeit mit der im Meere lebenden Gattung Ruma (Natica) hat. Die verschiedenen Arten, 6 an der Zahl, hat Bourguignat in seiner Iconographie[48] abgebildet und in der Histoire malacologique[56] ausführlich beschrieben. Ein paar Dutzend leider zumeist schlecht erhaltener Repräsentanten dieses interessanten Genus, welche Dr. Baumann fand, weichen von den bekannten Arten unbedeutend, aber doch so ab, dass ich sie mit ruhigem Gewissen zu keiner derselben rechnen kann. Ich lasse vor Allem die Abbildungen sprechen (Fig. 19, 24), welche man mit den Bourguignat'schen vergleichen möge, und füge nur hinzu: Die Exemplare sind von blassgelber, gelbbrauner oder braungrauer Farbe; die Epidermis ist zumeist abgerieben, und nur wo dies nicht der Fall ist, werden 8-10, selten noch mehr orangerothe Längsstreifen sichtbar, welche parallel zu einander laufen. Diese sind dann entweder in gleichen Zwischenräumen von einander entfernt, oder es treten mehrere feinere zusammen, oder es wechseln dickere und dünnere, gröbere und feinere, mit einander ab. Die Anzahl der Umdrehungen ist 4-4½, die Naht schneidet tief ein.

Die Grösse ist sehr variabel, wie die folgende Tabelle zeigt.

Höhe desGehäuses6,36,16,66,66,3
Breite ""5,05,05,15,15,0
Höhe derMündung5,15,15,55,15,0
Breite "" (incl. Callus)4,64,64,04,54,0 mm u. s. w.

Das Gehäuse ist durchwegs schlanker, d. h. schmäler und dabei etwas höher, als bei Rumella globosa Bourg. (Iconogr.[48] pl. 17, Fig. 20-22 und Hist. mal.[56] p. 250).

Von Rumella Giraudi Bourg.[39] p. 90 (Iconogr.[48] pl. 17, Fig. 35-37 und Hist. mal.[45] p. 253), mit der die mir vorliegenden Exemplare viel Aehnlichkeit hätten, sind sie durch den feinen, nicht abgestumpften Apex unterschieden.

Genus Grandidieria.

Diese Lamellibranchiaten-Gattung ist im J. 1885 von Bourguignat[37] aufgestellt worden und zugleich hat der Autor sehr treffende Merkmale zur Unterscheidung von den Unioniden und Sphaeriiden angegeben. Im Jahre 1889 gibt Bourguignat[51] schon ein Verzeichniss von 23 Grandidieria-Arten, wovon freilich mehrere auf früher irrthümlich als Unio-Arten beschriebene Muscheln zurückzuführen sind.

Dr. O. Baumann nun hat mir vom Nordende des Sees eine bunte Mischung einzelner Grandidieria-Schalen (sozusagen halbe Exemplare) übergeben, welche in der Farbe[28], Grösse und Form so verschieden sind, dass es mir eine saure Arbeit schien, eine strikte Determination vorzunehmen, indem sich auch hier wieder der Gedanke aufdrängte, dass viele der Bourguignat'schen Arten durch Uebergänge mit einander verbunden sind.

In dieser Auflese Baumann's sind vertreten:

Grandidieria rotundata Bourg.

Grandidieria insignis Ancey.

Grandidieria Smithi Bourg.

Grandidieria Tanganikana Bourg.

Einige Schalen, auffallend durch besondere Gestalt oder Grösse, lassen sich mit keiner beschriebenen Art vereinigen, z. B. eine aussen blaugraue, innen perlmutterartig glänzende linke Schale, 28 mm lang, 18½ mm hoch und (in der Hälfte) 9 mm tief. Diese ist auffallend stark gewölbt und zeichnet sich auch dadurch aus, dass der Wirbel nach vorne gerückt ist. Ich habe sie in Fig. 31 und 35 als Grandidieria nov. sp.? abgebildet.

Fig. 18 und 28 stellt das grösste Exemplar dar; diese (linke) Schale ist 33 mm lang, 24 mm hoch und 8½ mm tief, sie dürfte verwandt sein mit der schon oben angeführten Grandidieria insignis Ancey.

Cameronia Spekei (Woodw.) Bourg.

Die alte Woodward'sche Iridina (Pleiodon) Spekii ist im Jahre 1879 von Bourguignat[24] als erster Vertreter einer neuen Gattung, genannt Cameronia, aufgestellt worden. Zu dieser Art gehören zweifellos ein vollständig erhaltenes und ein zertrümmertes Exemplar aus der Kollection Dr. Baumann's. Ersteres ist 118 mm lang, 54 mm hoch und 34½ mm dick.

Ein drittes Exemplar vom Nordende des Tanganyika-Sees stimmt überein mit

Cameronia admirabilis Bourg.

Dies ist eine der 26 Arten, welche Bourguignat späterhin unterschied [42].

Das mir vorliegende Exemplar misst 140 mm in der Länge, 62½ mm in der Höhe und 48 mm in der Breite (Dicke). Die Epidermis ist stark abgerieben.

[[←]] II. Zur Fauna des Nilquellgebietes und hauptsächlich des Victoria-Sees.

Im Folgenden sind die Mollusken aufgezählt, welche Dr. O. Baumann im Kagera-Nilquellgebiete, im Grumeti-Bach und in den Bächen von Ngoroïne (d. s. östliche Zuflüsse des Victoria-Sees), sowie im Victoria-See selbst aufgefunden hat.

Das Material, welches im Laufe der letzten 3 Decennien von verdienstvollen Forschern wie Speke, Hauttecœur, Guillemé, Leroy, Dr. Fischer, Dr. Emin Pascha, Dr. Stuhlmann, Hannington, Gordon u. A. im Victoria-See gesammelt worden ist, wurde in einer Reihe von Abhandlungen nach und nach bekannt gemacht. [8, 25, 34, 38, 41, 46, 54, 58, 62].

Zuletzt hat E. Smith [65, 66] die Molluskenfauna dieses grossen Wasserbeckens zusammengestellt und unter kritischer Ausscheidung derjenigen Formen, deren Vorkommen im See wegen unverlässlicher Fundortsangaben zweifelhaft erschien (Koll. Speke [8]), im Ganzen 37 Arten angeführt. Hierzu kommen aber noch zwei von diesem Autor übersehene, von Dr. von Martens [54] beschriebene Arten, Paludina constricta und Spatha subaequilatera, und nun — nach Durchsicht des Baumann'schen Materiales — möchte ich dem Verzeichnisse noch drei Arten hinzufügen: 1) die Corbicula pusilla Phil. (s. unten!), 2) eine vermuthlich neue Mutela-Art (s. unten!) und 3) die alte Olivier'sche Paludina unicolor, welche sich in einer Varietät im Kagera-Nilquellgebiete findet und in jungen Exemplaren (?) auch aus dem Victoria-See selbst von Dr. Baumann gebracht wurde (Abbildung und Beschreibung der letzteren siehe unten!). Dohrn [8] hat zwar Anno 1864 Paludina unicolor Oliv. vom Victoria-See angeführt, Smith aber lässt in seinem Verzeichnisse diese Art absichtlich — aus dem oben genannten Grunde — aus.

Die Muscheln aus Ngoroïne und dem Grumetibache sind neue Spatha-Arten.

Paludina victoriae Smith.

Fig. 5.

Das einzige mir vorliegende, vollständig gebleichte, in der Mündung etwas mangelhafte Exemplar aus dem Victoria-See misst 24,2 mm in der Höhe, 15,5 mm in der Breite. Die Mündung ist 10 mm hoch, 9 mm breit. Die Grössenverhältnisse würden also zu der von E. v. Martens beschriebenen Paludina constricta ([54] S. 56, Taf. 41, Fig. 7) auffallend stimmen, und auch Gestalt und Skulptur sind annähernd so, wie sie Prof. v. Martens in seiner Diagnose angiebt. Da aber der über der Naht stehende und bis zur Mündung reichende Kiel auffallend stark entwickelt ist und vortritt, und ferner über diesem, etwa in der Mitte des Umganges, ein zweiter, aber zarter Kielstreifen läuft, sehe ich mich veranlasst, das Baumann'sche Exemplar zu Smith's Viviparus victoriae zu rechnen und zwar speciell auf die in Smith's Abhandlung [65] in Fig. 10 abgebildete var. a zu beziehen, obwohl dieses Exemplar bedeutend niedriger ist. Sollte sich einmal herausstellen, dass die Arten victoriae und constricta zusammenfallen, so hätte der Martens'sche Name das Prioritätsrecht. Nahe verwandt damit scheinen mir auch die von E. v. Martens beschriebenen, aber noch nicht abgebildeten Arten phtinotropis und trochlearis zu sein (siehe Martens [62] S. 17-18).

Paludina (?) rubicunda v. Martens

Fig. 2, 3, 4.

Die 4 Exemplare, welche Dr. Baumann im Victoria-See gesammelt hat, und wovon hier die 3 grössten abgebildet sind, zeigen sehr verschiedene Proportionen, wie die folgende Uebersicht ergibt.

Höhe des Gehäuses28,026,022,019,7
Breite des Gehäuses18,516,614,313,3
Höhe der Mündung12,710,410,010,4
Breite der Mündung10,09,08,28,2 mm

Durch das Fehlen jedweder Kante an den Umgängen des Gehäuses ist die Zugehörigkeit der Exemplare zu P. rubicunda sehr wahrscheinlich; aber auch der Paludina Abyssinica von Martens (siehe [10] Mal. Bl. XIII. S. 97, Taf. 3, Fig. 7) stehen sie nahe.

Paludina unicolor Oliv. (juv?)

Fig. 8, 9.

cf.

etc. etc.

TAFEL XXIV

Unter diesem Namen führe ich fünf Exemplare aus dem Victoria-See an, welche mir bei der Bestimmung besondere Schwierigkeiten bereiteten. Ihre Dimensionen sind die folgenden:

Höhe desGehäuses18,112,614,514,212,6
Breite ""13,210,011,111,110,1
Höhe derMündung9,37,08,37,77,3
Breite ""7,35,76,36,05,7 mm.
(Fig. 9)(Fig. 8)

Anfangs glaubte ich vermuthen zu müssen, dass E. v. Martens solche Exemplare wie diese vorgelegen sein mögen, als er Paludina capillata Frnfld. aus dem Victoria-See anführte (siehe [25] S. 104 »nur junge Exemplare mit zwei deutlichen Kanten«), aber ich kam bald von dieser Idee ab, indem ich fand, dass die Frauenfeld'sche Abbildung der Vivipara capillata aus dem Nyassa-See ([9], S. 533. Taf. 22) gar zu wenig auf die mir vorliegenden Exemplare passt; und zweitens sind nach Smith's Auslegung ([65] P. Z. S. p. 124) die Martens'schen jungen capillata-Exemplare zu victoriae Smith zu ziehen — und also müsste es auch mit den hier zu besprechenden Exemplaren geschehen, was mir aber wenig plausibel erscheint.

Viviparus jucundus Smith ([65] p. 124. pl. 12. Fig. 6) steht in der Abbildung wie in der angegebenen Grösse unseren Exemplaren sehr nahe, in der sonstigen Beschreibung jedoch wieder nicht. Mit der Küster'schen Art biangulata (Küster, Monogr. Paludina im Conch. Cab. I, 21. S. 25. Taf. 5. Fig. 11, 12) aber, welche von E. v. Martens ([10] Mal. Bl. XII. S. 203) für unicolor juv. erklärt worden ist, haben die von Dr. Baumann gesammelten Stücke unverkennbare Aehnlichkeit.

Paludina unicolor Oliv., nov. var?

Fig. 16, 27.

Dr. Baumann sammelte im Kagera-Nilquellgebiete 6 Stück einer zweifellos mit unicolor Oliv. verwandten, daher von mir vorläufig als eine Varietät von dieser bezeichneten Paludina-Form. Die Gehäuse sind leider stark gebleicht, besitzen einen engen, schwach gedeckten Nabel und setzen sich aus 6½, durch eine tiefe Naht getrennten Windungen zusammen. An der Oberseite der Umgänge läuft ein Kiel und unter diesem Spuren von 1-2 Längsrippen; nur an den Embryonalwindungen sowie an dem letzten Umgange, also vor der Mündung, fehlen diese Merkmale. Am deutlichsten sind die Rippen an der vierten Windung (vom Apex an gerechnet), d. h. hier bemerkt man eine Anzahl parallel laufender Längsstreifen.

Kleinstes und grösstes
Ex.
Höhe desGehäuses21,026,0
Breite ""16,020,5
Höhe derMündung11,513,2
Breite "" 9,210,3mm.

Ampullaria Gordoni Smith.

Fig. 33.

In der hier citirten Abhandlung beschreibt E. Smith zwei Ampullarien-Arten aus dem Victoria-See; die eine (Amp. nyanzae) ist eine Riesenform, indem sie 115 mm misst, und wurde von Rev. E. Cyril Gordon am Südende des Victoria-Sees gefunden; die andere, ebenfalls von Gordon gesammelt, jedoch nur in einem Exemplar, ist bedeutend kleiner (54 mm hoch) und unterscheidet sich von jener durch einen engeren Nabel und die weitere Mündung. Zu dieser letzteren Art, der Ampullaria Gordoni, gehören vermuthlich die 11 leider schlecht erhaltenen Stücke, welche Dr. Baumann vom Victoria-See gebracht hat. Eines von diesen ist 56 mm hoch und 48 mm breit und seine Mündung 45 mm hoch und 29 mm breit, die übrigen variiren in der Höhe zwischen 31 und 44 mm, in der Breite zwischen 26 und 35 mm. Die Höhe der Mündung ist in der Regel ungefähr gleich der Breite des Gehäuses. Der Nabel ist zur Hälfte von der Spindel bedeckt, die Farbe des Gehäuses aussen dunkelolivgrün, innen purpurroth bis braunroth; hauptsächlich am letzten Umgange laufen aussen zahlreiche dunkle Spiralbänder, welche entweder scharf getrennt von einander sind oder zu breiteren Bändern zusammenfliessen; dieselben scheinen nach innen durch.

Melania tuberculata Müller var.

Von dieser aus dem Victoria-See schon lange bekannten und immer schlechtweg als var. bezeichneten Lokalform der kosmopolitischen Melania tuberculata Mllr. brachte Dr. Baumann 10 Exemplare.

Corbicula pusilla Phil.

Diese Art ist bisher im Victoria-See nicht konstatirt worden. Die Exemplare, welche von Dr. Baumann von dort gebracht wurden, sind jedoch so ähnlich den in Jickeli's grossem Werk abgebildeten und beschriebenen Exemplaren, dass ich die obige Bestimmung ruhig hier publicire. In der Grösse variiren sie, wie folgt:

BreitederSchale6,37,68,18,09,7
Höhe""6,07,07,47,29,0
Dicke""4,14,85,04,96,2mm.

Die Farbe der Schalen ist aussen hell- oder dunkelgelb, innen weiss bis schwach violett. Die Rippen sind deutlich, die Wirbel stets abgerieben.

Das Verfahren von Prof. Krauss [3], diese Art mit der folgenden unter dem Namen Africana zu vereinigen, hat zwar später keinen Anklang gefunden, ist aber doch empfehlenswerth. Dr. Baumann hat, wie es scheint, die beiden Formen an einer Stelle des Victoria-Sees gesammelt.

Corbicula radiata Phil.

Es liegen mir aus dem Victoria-See bloss einzelne stark gebleichte Schalen vor, welche ihre Zugehörigkeit zu Corb. radiata Phil. (Parr.) durch den rosig angehauchten Wirbel und ihre intensivere violette Färbung im Innern verrathen.

Grössenproportionen für

linke Schalen10,912,1 mm breit
9,711,1 mm hoch
und für rechte Schalen10,812,114,012,8 mm breit
9,710,412,311,7 mm hoch.

Unio Edwarsianus Bourg.

Dr. Baumann brachte ein einziges Exemplar dieser Art aus dem Victoria-See. Dasselbe ist 22,6 mm lang, 14,4 mm hoch und 11 mm dick.

Unio Hauttecœuri Bourg.

Von dieser — ebenso wie die vorige — bloss im Victoria-See vorkommenden, also für ihn charakteristischen Art liegen nur 3 Stücke vor, wovon das grösste 28,5 mm in der Länge, 21,2 mm in der Breite und 15 mm in der Dicke misst.

Mutela nov. sp.?

Fig. 30, 34.

Die hier zu besprechende linke Schale aus dem Victoria-See vermochte ich mit keiner der bisher bekannt gewordenen Arten aus dem genus Mutela, in dessen Formenkreis sie jedenfalls zu gehören scheint, zu identificiren. Vielleicht aber fällt sie mit M. diaphana (Bourguignat in sched. 1875) zusammen, einer Art, die leider weder schon beschrieben, noch irgendwo abgebildet ist, nach Bourguignat aber im ganzen Lauf des Nil vorkommt (op. c. [34] p. 5).

Die Schale ist 62,6 mm lang, 26,5 mm hoch und 8,5 mm dick; in der Wirbelgegend ist sie stark abgerieben, die Farbe von dunkelbraungrün gegen den Hinterrand in ein helles kastanienbraun übergehend; Jahresringe ziemlich deutlich; Innenseite dunkel perlmutterglänzend; hinterer Muskeleindruck schärfer als der vordere. Das Schloss ist eine lange, scharfe Kante. Ueber die allgemeine Gestalt mögen die Figuren Aufklärung geben.

Spatha Baumanni n. sp.

Fig. 38.

Das Exemplar, welches ich mit diesem Namen belege, wurde von Dr. Baumann am 4. März 1892 im Grumeti-Bach, welcher von der Ostseite des Victoria-Sees her in diesen einmündet, gesammelt. Es ist 107 mm lang, 58 mm breit und 32 mm dick. Die Farbe ist rings um den stark abgewetzten, weisslichen Wirbel gelbbraun und geht nach dem Rande hin allmählich in ein kastanienbraun über; innen ist die Muschel schön rosenroth (rosa) gefärbt. Indem der Vorderrand abgerundet ist und der Dorsalrand in den Hinterrand ohne stark merklichen Winkel und ohne zuerst aufwärts zu ziehen, übergeht, ferner die Rundung auch nach unten schön geschlossen und der Unterrand nicht eingebogen ist, weicht diese Form von der Spatha Hartmanni v. Martens ab (vgl. Jickeli [19] S. 263, Taf. 8, Fig. 2; Martens [10] Mal. Bl. XIII, S. 10; Conch. Cab. IX. 1, S. 190, Taf. 61, Fig. 2, 3).

Nach einer brieflichen Mittheilung des Herrn Prof. E. von Martens ist die hier kurz beschriebene Spatha-Art und die folgende von den bisher bekannten Formen so verschieden, dass es gerechtfertigt erscheint, beide mit neuen Namen zu belehnen.

Spatha Martensi n. sp.

Fig. 39.

Aus einem der Bäche von Ngoroïne, ebenfalls einem östlichen Zuflusse des Victoria-Sees, stammt eine einzige rechte Schale, welche, wie die Abbildung bekräftigen möge, zwischen Spatha Caillaudii v. Martens[29] und Spatha Hartmanni v. Martens steht.

Sie misst 137 mm in der Länge, 77 mm in der Höhe und 21 mm in der Tiefe und fällt durch den stark ausgezogenen und nach abwärts gekrümmten Hinterrand auf. Der Wirbel ist stark ausgefressen und auch im Uebrigen die Aussenseite durch Eindrücke, die wahrscheinlich von den Eingeborenen herrühren, verunziert. Die Farbe ist dunkelbraun.

Aetheria elliptica Lam.

Smith schreibt in seiner jüngsten Abhandlung[66] p. 381: »In addition to the above species Mr. Gordon also obtained the Aetheria elliptica from the Nile and the Ripon Falls. This species was found at the southern part of Lake Victoria by the late Bishop Hannington« und stellt damit das Vorkommen dieser interessanten »Süsswasserauster« auch im Victoria-See fest. 3 Exemplare, welche Dr. Baumann von dort gebracht hat, bestätigen diese Angabe. Sie messen 8-9 cm in der Länge und 6-7 cm in der Höhe. Innen an der Perlmutterschicht bemerkt man zahlreiche, oft geplatzte Blasen. Die Muskeleindrücke und der Mantelrand sind ziemlich deutlich, die ersteren aber nicht tief.

[[←]] III. Ueber die Fauna des Manyara-Sees.

Aus dem von Dr. Baumann entdeckten Manyara-See, der im südlichen Theil des grossen ostafrikanischen Grabens, westlich vom Kilimanjaro gelegen ist, liegen 5 Arten vor. Dieselben sind echte Süsswasserformen und ihr Vorkommen in dem stark salzigen Wasserbecken ist daher sehr auffallend. Einen Schluss auf die Herkunft der Manyara-Fauna aber, welcher für die Graben-Theorie interessant gewesen wäre, lässt das vorliegende Material nicht zu. Die hier gefundene Ampullaria ovata Oliv. z. B. ist eine im Nil- und Nilquellgebiet weitverbreitete Art, findet sich aber auch im Tanganyika-See; das Gleiche gilt von der Planorbis sudanicus v. Martens, welche im Manyara-See nur etwas grösser wird (var. magna s. unten).

Lanistes affinis Smith, zu der ich die Manyara-Form als Varietät stelle, ist ausserdem auch in den Landschaften südlich vom Victoria-See, in Unyamwesi verbreitet und kommt auch im Nyassa-See vor.

Von den 2 Paludina-Arten schliesslich, welche Dr. Baumann gefunden hat, ist die kleinere eine vermuthlich neue, für den See charakteristische Art. Die grössere lässt, wiewohl sie mit einer im Kagera-Nilquellgebiet vorkommenden auffallend ähnlich gestaltet ist, keinen sicheren Schluss auf die Provenienz zu, weil sie als Varietät einer sehr weit verbreiteten Art, der Paludina unicolor Oliv. oder wenigstens als sehr nahe mit dieser verwandt angesehen werden muss.

Ueber die hier im Voraus genannten 5 Arten des Manyara-Sees lasse ich nun die näheren Angaben folgen.

Planorbis Sudanicus v. Martens var. magna mihi.

Fig. 10, 14, 29.

(Literatur über Planorbis Sudanicus v. Martens, siehe im Kapitel I.)

Die mir vorliegende Reihe aus dem Manyara-See enthält Exemplare von sehr wechselnder Grösse, wie die Beispiele hier zeigen sollen:

Höhe des Gehäuses7,06,35,85,05,04,0
Breite (Diam.) des Gehäuses21,420,518,616,415,013,2 mm.

Anzahl der langsam und regelmässig anwachsenden, gerundeten Umgänge 5, 5½ oder 6.

Die Oberseite ist bei den grösseren Stücken weniger concav als bei den kleineren, die Unterseite aber meist stark ausgehöhlt. Farbe des Gehäuses blassgelb.

Von dem Typus von Sudanicus v. Mart. sind die Exemplare des Manyara-Sees also bloss durch die beträchtliche Grösse unterschieden.

Ampullaria ovata Oliv.

(Synonymie siehe im Kapitel I.)

Lauter gebleichte Exemplare, meist mit gebrochenem Mundrand.

Höhe desGehäuses46494540
Breite ""39383734½
Höhe derMündung33½333229
Breite ""23½2422½21mm u. s. w.

Lanistes affinis Smith var. Manyarana mihi.

Fig. 32.

Es ist wieder nur ein einziges Exemplar, welches ich bei der folgenden kurzen Beschreibung berücksichtigen kann. Dasselbe ist 32 mm hoch und 31 mm breit, seine Mündung 22 mm hoch und 18 mm breit. Die Breite des Gehäuses ist also nicht viel geringer als die Höhe. Die Umgänge, in der Fünfzahl vorhanden, nehmen allmählich an Breite zu. Die Mündung ist ohrförmig, die Columella schlägt sich schwach über den sonst weiten Nabel.

Die nahe Verwandtschaft des Exemplares mit Lanistes affinis Smith aus dem Nyassa-See mögen die oben citirten Abbildungen und Beschreibungen bezeugen. Leider lässt sich in Folge des gebleichten und abgeriebenen Zustandes weder mehr die Farbe (die charakteristische orangegelbe Binde unterhalb der Naht) noch die Skulptur genau erkennen.

Dr. von Martens ([59] S. 17) führt die Smith'sche Art affinis aus Unyamwesi an (leg. Dr. Stuhlmann und Emin Pascha) und seine Grössenangaben stimmen mit den Proportionen des Exemplares aus dem Manyara-See ziemlich genau überein.

Paludina unicolor Oliv. nov. var.?

Fig. 7, 12, 22.

(Literatur über Pal. unicolor Oliv. siehe in Kapitel II.)

Die hier zu besprechenden Exemplare aus dem Manyara-See sind auffallend ähnlich denen aus dem Kagera-Nilquellgebiete, welche ich bereits oben (in Kapitel II.) angeführt habe.

Die Farbe des Gehäuses ist verblasst, der Apex abgenagt, die Anzahl der Windungen daher nicht genau festzustellen. Ueber die Windungen läuft eine kielartige Rippe und unter dieser liegen noch 2 Rippenspuren, von denen jedoch die unterste in die Naht einbezogen ist, d. h. deren Begrenzung bildet. Im Uebrigen ist die Skulptur unkenntlich.

Maasse des grössten und kleinsten Exemplares:

Höhe derSchale23,016,5
Breite ""18,513,4
Höhe derMündung13,09,5
Breite ""10,07,4mm.

Paludina nov. sp.?

Fig. 12, 17, 23, 25.

Diese zweite Paludina-Form aus dem Manyara-See, welche Dr. Baumann in einigen Exemplaren gesammelt hat, ist kleiner als die vorige und mehr vorn gespitzt, kegeliger Gestalt. An der Schale lassen sich mehr oder weniger deutliche Querstreifen und hier und da eine Spur eines oberen oder unteren Kielstreifens erkennen. Der Nabel ist ritzförmig, die Anzahl der Windungen beträgt 6½. Die Proportionen wechseln folgendermaassen:

Höhe desGehäuses15,916,313,6
Breite ""11,112,010,0
Höhe derMündung7,58,06,5
Breite ""6,06,55,5 mm.

Es ist mir weder in der Literatur noch in dem Material des hiesigen Hofmuseums eine Paludina-Art untergekommen, mit welcher die hier beschriebene zu vergleichen wäre. Ich vermuthe also in dieser eine neue Art und habe nur wegen der geringen Anzahl und der relativ schlechten Konsistenz der vorliegenden Repräsentanten davon abgesehen, ihr einen definitiven Namen zu geben.

[[←]] IV. Landschnecken.

An dieser Stelle sind nur einige wenige Arten zu besprechen, darunter aber eine neue, Succinea Baumanni mihi.

Limicolaria Martensiana Smith.

Dr. Baumann hat diese schöne Schnecke am Nordende des Tanganyika-Sees gesammelt. Es liegen mir mehr als ein Dutzend Schalen vor, von denen nur eine kleine Auswahl die lebhaft gescheckte Färbung aufweist, während die übrigen gebleicht sind.

Die Gehäuseproportionen bewegen sich in geringen Abweichungen um die von Smith [27] angegebenen Maasse. Das grösste Exemplar misst 44 mm in der Länge und 18,4 mm in der Breite, und seine Mündung ist 17,5 mm hoch und 9,5 mm breit.

Limicolaria rectistrigata Smith.

Grandidier ([33] p. 160) hat bekanntlich den von E. Smith [31] pl. 33, Fig. 14 u. 14a abgebildeten rectistrigata-Formen andere Artnamen beigelegt, sie nämlich Burtoniana (Fig. 14) und Bridouxi (Fig. 14a) genannt. Ich glaube nun, dass sich zwar Burtoniana Grand. von ihrem Vis-à-vis, der Bridouxi, wie von der »echten« rectistrigata (Smith [27] P. Z. S. pl. 31, Fig. 2) scharf trennen lässt, dass aber die beiden letzten, Bridouxi Grand. und rectistrigata Smith, Synonyme bleiben.

Die von Dr. Baumannn am Nordende des Tanganyika-Sees gesammelten Exemplare stehen, hauptsächlich was die Grössenverhältnisse (s. unten) anlangt, zwischen diesen beiden letztgenannten Arten, und ich wählte daher ungescheut den älteren Namen rectistrigata Smith für die Aufschrift.

Höhe desGehäuses37,138,036,2
Breite ""16,016,016,5
Höhe derMündung16,014,015,0
Breite ""8,78,59,0 mm u. s. w.

Limicolaria rectistrigata Smith var. minor mihi.

(Fig. 36, 37.)

Diese kleine Form der rectistrigata liegt mir in einer grösseren Anzahl aus der Umgebung des Victoria-Sees vor. In Folge des gebleichten Zustandes sind bei den meisten Exemplaren von den Bändern nur mehr Spuren sichtbar. Die Grösse ist variabel:

Höhe desGehäuses36,035,129,529,529,329,0
Breite ""14,715,014,114,014,513,0
Höhe derMündung13,514,012,312,512,012,0
Breite ""8,28,06,77,36,57,0 mm
(inkl. Columellarausschlag).

Die Limicolarien aus der Nyarasa-Steppe, gesammelt von Dr. Baumann im Juni 1892, sind gänzlich gebleicht und dürften theils zu L. rectistrigata Smith theils zu L. Martensiana Smith gehören.

Die am Manyara-See gefundene Limicolarien, gleichfalls schlecht erhalten, erinnern an die Art Heugliní v. Martens (confer [10] Mal. Bl. XIII., S. 94, Taf. 4, Fig. 1-4).

Succinea Baumanni mihi.

(Fig. 1, 6, 11, 15, 20, 21, 26.)

Testa ovato-conica, solida, vix pellucida; anfractus 4-4½, sutura profunda separati, primi subtiliter striati, ultimus rugis et striis instructus; apertura ovalis, altitudinis ⅝ vel ⅔ aequans.

Alt. 13-21,4 mm, diam. 7,1-12,5 mm. Apert. 8,5-14,5 mm alta, 5-9 mm lata.

Mögen die beigegebenen Abbildungen, sowie die hier noch folgenden Bemerkungen dazu dienen, die vorstehende lateinische Diagnose zu ergänzen, und so eine vollständige Vorstellung der neuen Art ermöglichen.

Succinea Baumanni liegt mir von zwei Fundorten vor:

1) aus der Nyarasa-Steppe; in vielen Exemplaren im Juni 1892 gesammelt, davon etwa 2 Dutzend gut erhalten (die Farbe ist allerdings bei allen gebleicht).

Hinsichtlich der Gestalt, respektive der Grössenverhältnisse lassen sich diese Exemplare in zwei Reihen stellen.

In die erste Reihe, welche relativ breite Exemplare umfasst, gehören beispielsweise die Stücke folgender Dimensionen:

Höhe desGehäuses18,017,016,316,015,515,114,013,5
Breite ""11,010,49,49,59,28,58,47,9
Höhe derMündung12,311,210,611,010,010,08,88,4
Breite ""7,87,06,86,46,06,05,85,0 mm.

Dividirt man das Maass der Höhe durch das Maass der Breite, so erhält man eine Verhältnisszahl, welche hier 1,6-1,7 beträgt.

In die zweite Reihe, zu den relativ schmäleren Exemplaren, gehören die folgenden, im Allgemeinen grösseren:

Höhe desGehäuses21,219,318,418,217,617,017,314,214,0
Breite ""11,310,39,610,010,010,010,17,38,4
Höhe derMündung12,712,011,511,511,111,211,19,08,8
Breite ""7,57,06,56,56,56,56,85,05,8 mm.
Fig. 6, 20. Fig. 11, 21.

Hier erhält man als Verhältnisszahl (Höhe:Breite) 1,7-1,9.

In Fig. 1 ist ein Exemplar mit ausnahmsweise hoher Mündung abgebildet (Höhe der Grösse 21,4, Breite 12,5 mm; Höhe der Mündung 14,5, Breite derselben 9 mm).

2) aus dem Kagera-Nilquellgebiet; Exemplare in geringer Anzahl und schlechtem Zustande.

Höhe desGehäuses19,317,216,416,0
Breite ""11,09,09,29,3
Höhe derMündung12,411,511,011,1
Breite ""7,56,56,46,7 mm
Fig. 15, 26.

Diese Exemplare sind ähnlich denen der zweiten Reihe aus der Nyarasa-Steppe.

Succinea Baumanni ist mit der von Prof. Krauss[3] S. 73 vom Limpopo-Fluss angegebenen Succinea amphibia Drap. var. Africana (= Succinea Africana Bourg. [4] Amen. I, p. 136) nahe verwandt. Leider existirt von dieser keine Abbildung und keine ausreichende Beschreibung.

Aus einigen der eingetrockneten Exemplare Dr. Baumann's war es mir noch möglich, die Radula und die Kieferplatte herauszupräpariren. Diese letztere ähnelt sehr auffallend dem Kiefer von S. elegans (vide Hazay, Molluskenfauna von Budapest, Taf. 6, Fig. 12, 13, 16 und Taf. 9, Fig. 8).

[[←]] Uebersicht der von Dr. Baumann gesammelten Mollusken.

a) Süsswasser-Mollusken.

1.Planorbis Sudanicus v. MartensNordende des Tanganyika-Sees.
2.Neothauma Tanganikum Grand" "
3.Ampullaria ovata Oliv." "
4.Paramelania nassa Woodw." "
5.Rumella nov. sp.? (aff. globosa Bgt. et Giraudi Bgt.)" "
6.Grandidieria rotundata Bourg." "
7. " insignis Ancey." "
8. " Smithi Bourg." "
9. " Tanganikana Bgt." "
10. " nov. sp.?" "
11.Cameronia Spekei (Woodw.) Bgt." "
12. " admirabilis Bourg." "
13.Paludina victoriae SmithVictoria-See.
14.(?) " rubicunda v. Martens"
15. " unicolor Oliv. juv. (?)"
16.Ampullaria Gordoni Smith"
17.Melania tuberculata Mllr. var."
18.Corbicula pusilla Phil."
19. " radiata Phil."
20.Unio Edwardsianus Bourg."
21. " Hauttecœuri Bourg."
22.Mutela nov. sp.?"
23.Aetheria elliptica Lam."
(ad 15)Paludina unicolor Oliv. nov. var.?Kagera-Nilquellgebiet.
24.Spatha Baumanni Stur.Grumeti-Bach.
25.Spatha Martensi Stur.Ngoroïne-Bach.
(ad 1)Planorbis Sudanicus v. Martens var. magna Stur.Manyara-See.
(ad 3)Ampullaria ovata Oliv."
26.Lanistes affinis Smith var. Manyarana Stur."
(ad 15)Paludina unicolor Oliv. nov. var.?"
27.Paludina nov. sp.?"

b) Land-Mollusken.

28.Limicolaria Martensiana SmithNordende des Tanganyika-Sees.
29. " rectistrigata Smith" "
(ad 29) " " Smith var. minor Stur.Umgebung des Victoria-Sees.
30.Succinea Baumanni Stur.Nyarasa-Steppe und Kagera-Nilquellgebiet.

[[←]] Verzeichniss der benutzten einschlägigen Literatur[30].

Material gesammelt von:
[1] 1804- 12.Olivier, G. A.: Voyage dans l'empire ottoman, l'Egypte et la Perse. Tome III et Atlas.
[2] 1842- 51. Philippi, Dr. R. A.: Abbildungen und Beschreibungen neuer oder wenig gekannter Conchylien. Bd. I-III. Mit vielen Tafeln. 4°. (Cassel, Fischer.)
[3] 1848. Krauss, Ferdinand: Die südafrikanischen Mollusken. (Stuttgart, Ebner & Seubert.) 4°. 140 S. 6 Taf.
[4] 1856- 60.Bourguignat, J. R.: Amenités malacologiques. Tome I et II. 8°. (Paris, Baillière.) [Rev. et Mag. de Zool. 1853-1860.]
† [5] 1859. Woodward, S. P.: On some new Freshwater Shells from Central Africa. [Proc. Zool. Sec. London part XXVII, p. 348-350, pl. XLVII.]Capt. Speke.
[6] 1859. Martens, E. v.: Verzeichniss der von Prof. Peters in Mossambique gesammelten Land- und Süsswasser-Mollusken. [Mal. Blätter, 6. Band, S. 211-221.]
[7] 1864. Lea, Isaac: Descriptions of six new species of Unionidae from Lake Nyassa, Central Africa etc. [Proc. Acad. Nat. sc. Philadelphia 1864, p. 108-109.]Dr. John Kirk.
๐ [8] 1864. Dohrn, H.: List of the shells collected by Captain Speke during his second journey through Central Africa. [Proc. Zool. Soc. London 1864, p. 116-118.]Speke.
[9] 1865. Frauenfeld, Georg R. v.: Zoologische Miscellen V. [Verh. zool. bot. Ges. Wien Bd. XV, S. 525-536. Taf. VIII-XI und XXII.] Vivipara- Arten aus dem Nyassasee, leg. Dr. Kirk.
[10] 1865- 66. Martens, Ed. v.: Uebersicht der Land- und Süsswasser-Mollusken des Nil-Gebietes. [Mal. Blätter XII, S. 177-207; XIII, S. 1-21 und S. 91-102]
[11] 1866. Lea, Isaac: New Unionidae, Melanidae etc. chiefly of the United States. [Journ. Acad. Nat. sc. Philadelphia VI, p. 5-65, pl. 1-21.]
[12] 1866. Adams, Henry: List of the shells collected by Samuel White Baker Esq. during his recent explorations in Central Africa. [Proc. Zool. Soc. p. 375-376.]Baker.
[13] 1867. Martens, E. v.: Ueber einige Muscheln des oberen Nilgebietes. [Mal. Blätter XIV, S. 17-20]
[14] 1868. Morelet, Arthur: Mollusques terrestres et fluviatiles (Voyage du Dr. Friedrich Welwitsch dans les royaumes d'Angola et de Benguella, Afr. équinoxiale). 4°. 102 p. 9 pl. (Paris, Baillière et fils.)
[15] 1870. Martens, E. v.: Conchylien aus dem oberen Nilgebiet (Gazellenfluss). [Mal. Blätter XVII, S. 32-36.] Dr. Schwein- furth.
[16] 1872. Morelet, Arthur: Notice sur les coquilles terrestres et d'eau douce recueillies sur les côtes de l'Abyssinie. [Ann. Mus. Civ. Stor. Nat. Genova III, 1872.]
[17] 1873- 74.Jickeli, C. F.: Reisebericht. [Mal. Blätter XX, S. 1-20, S. 109-151; XXI, S. 81-109.]
[18] 1873. Jickeli, C.F.: Diagnosen neuer Mollusken meiner Reiseausbeute. [Mal. Blätter XX, S. 99-108.]
[19] 1874. Jickeli, Carl F.: Fauna der Land- und Süsswasser-Mollusken Nord-Ost-Afrikas. [Verh. kais. Leop.-Carol. D. Akad. Naturf. Dresden, Band 37, S. 1-350. Taf. 1-11.]
[20] 1874. Martens, Ed. v.: Zusammenstellung der von Dr. Georg Schweinfurth in Afrika gesammelten Land- und Süsswasser-Conchylien. [Mal. Blätter XXI, S. 37-46.]
[21] 1876. Martens, E. v.: Die von Prof. Dr. R. Buchholz in Westafrika gesammelten Land- und Süsswasser-Mollusken. [Monatsber. Akad. Wiss. Berlin 1876, S. 253-274. 5 Tafeln.]
[22] 1877. Smith, Edgar A.: On the shells of Lake Nyassa and on a few marine species from Mozambique. [Proc. Zool. Soc. London 1877, p. 712-721, pl. 74, 75.]F. A. Simons.
[23] 1878. Martens. E. von: Uebersicht der von Herrn J. M. Hildebrandt während seiner letzten mit Unterstützung der Akademie in Ostafrika ausgeführten Reise gesammelten Land- und Süsswasser-Conchylien. [Monatsber. Akad. Wiss. Berlin 1878, S. 288-299. 2 Tafeln.]
† [24] 1879. Bourguignat, M. J. R.: Description de diverses espèces terrestres et fluviatiles et de différents genres de Mollusques de l'Egypte, de l'Abyssinie, de Zanzibar, du Sénégal et du centre de l'Afrique. 8°. 54 p. (Paris, Tremblay.)
๐ [25] 1879. v. Martens: Mehrerlei ausländische Conchylienarten, (3. Recente Conchylien von Bagamoyo, leg. Fischer. 4. Recente Conchylien aus dem Victoria-Nyansa, leg. Emin Effendi 1877.) [Sitzungsber. nat. Fr. Berlin, S. 99(102)-105.]
[26] 1879. v. Martens: Uebersicht der von Peters von 1843-1847 in Mossambique gesammelten Mollusca. [Monatsber. Akad. Wiss. Berlin 1879, S. 727-749.]
† [27]1880.Smith, Edgar A.: On the shells of Lake Tanganyika and of the neighbourhood of Ujiji, Central Africa. [Proc. Zool. Soc. London, p. 344-352, pl. 31.]E. Coode Hore.
† [28] 1880. Smith, Edgar A.: Diagnoses of new shells from Lake Tanganyika and East Africa. [Ann. and Mag. of Nat. Hist. London. Vol. VI. (5. ser.) — No. XXXVI. — p. 425-430.]J. Thomson, E. Coode Hore, Dr. J. Kirk.
† [29] 1881. Crosse, H.: Faune malacologique du Lac Tanganyika. [Journ. de Conch. XXIX. p. 105-139, pl. IV.]
† [30] 1881. Crosse, H.: Supplément à la Faune malacologique du Lac Tanganyika. [Journ. de Conch. XXIX. p. 277-306]
† [31] 1881. Smith, Edgar A.: On a collection of shells from Lakes Tanganyika and Nyassa and other localities in East Africa. [Proc. Zool. Soc. London, p. 276-300, pl. 32-34]J. Thomson.
† [32] 1881. Smith, Edgar A.: Descriptions of two new species of shells from Lake Tanganyika. [Proc. Zool. Soc. London, p. 558-561, 2 Figs.]Damon.
† [33] 1883. v. Martens: Einige centralafrikanische Conchylien, welche theils von Dr. R. Böhm aus dem Tanganyika eingesandt, theils von Lieutenant Wissmann von seiner Reise quer durch den südlichen Theil von Afrika mitgebracht worden sind. [Sitzungsber. nat. Fr. Berlin, S. 71-74]
๐†[34] 1883. Bourguignat, M. J. R.: Mollusques fluviatilis du Nyanza Oukéréwé (Victoria-Nyanza), suivis d'une note sur les genres Cameronia et Burtonia du Tanganika. — 8° — 23 p., 1 pl. (Paris, Imp. Tremblay).Missionar Hauttecœur.
[35] 1883. Bourguignat, M. J. R.: Histoire malacologique de l'Abyssinie. [Ann. des sc. nat. Paris VI. ser., tome XV., p. 47-162, pls. 7-11]Achille Raffray.
[36] 1885. Martens, E. von: Afrikanische Binnenmollusken. [Conchol. Mittheilungen, Kassel, II. Bd., 1881-1885, S. 188-190, Taf. 34]. v. Mechow (Loango- Küste), Wissmann (Nyangwe).
† [37] 1885. Bourguignat, M. J. R.: Monographie d'un nouveau genre d'Acéphale du Lac Tanganika. [Bull. Soc. Malac. de France, Juillet 1885, II. p. 1-12, pl. 1]
๐†[38] 1885. Grandidier, Alfred: Descriptions de quelques espèces nouvelles et observations critiques sur divers mollusques du centre de l'Afrique. [Bull. Soc. Malac. de France, Juillet 1885, II. p. 157-164, pl. 7]
† [39] 1885. Bourguignat, M. J. R.: Notice prodromique sur les mollusques terrestres et fluviatiles recueillis par M. Victor Giraud dans la région méridionale du lac Tanganika. — 8° — 110 p. (Paris. Imp. Tremblay)
[40] 1885. Martens, E. v.: Einige Landschnecken, welche Prof. G. Schweinfurth auf seiner letzten Reise an der arabischen Seite Egyptens von Kairo bis Koseir gesammelt hat. [Sitzungsber. nat. Fr. Berlin, S. 87-89]
๐†[41] 1885. Bourguignat, M. J. R.: Espèces nouvelles et genres nouveaux découverts par les rév. pères missionaires dans les grands lacs africains Oukéréwé et Tanganika. 8°, 39 p. (Paris, Imp. Tremblay)Rév. Pères Guillemé, Leroy, Hauttecœur.
† [42] 1886. Bourguignat, M. J. R.: Nouveautés Malacologiques, 1. Unionidae et Iridinidae du Lac Tanganika. — 8° — 93 p. (Paris, Imp. Tremblay).Leopold Joubert etc.
† [43] 1886. Bourguignat, M. J. R.: Des Tiphobies du Lac Tanganika. [Bull. Soc. Malac. de France III. Juillet 1886, p. 141-150, pl. VI.]Leopold Joubert etc.
[44] 1886. v. Martens: Subfossile Süsswasser-Conchylien aus Egypten (Schweinfurth leg.) [Sitzungsber. nat. Fr. Berlin, S. 126-129]
[45] 1887. Grandidier, Alfred: Mollusques de l'Ousaghara, de l'Oukami etc. (Afrique Équatoriale). [Bull. Soc. Malac. de France IV. Juillet 1887, p. 185-194]Rév. P. Leroy.
๐ [46] 1887. Bourguignat, M. J. R.: Mollusques nouveaux de la région du Nyanza Oukéréwé (Victoria-Nyanza). [Bull. Soc. Malac. de France, IV. Juillet 1887, p. 267-272]
[47] 1888. Smith, Edgar A.: On the shells of the Albert Nyanza, Central-Africa, obtained by Dr. Emin Pasha. [Proc. Zool. Soc. London, p. 52-56]
† [48] 1888. Bourguignat, M. J. R.: Iconographie malacologique animaux mollusques fluviatiles du lac Tanganika. — 8° — 82 p., 35 plchs. (Corbeil, Impr. Crété)
[49] 1888-89. Stuhlmann, Dr. Franz: Berichte über eine mit Unterstützung der Königlichen Akademie der Wissenschaften unternommene Reise nach Ost-Afrika, zur Untersuchung der Süsswasserfauna. [Mathem. naturw. Mitth. Sitzungsber. Kgl. preuss. Akad. Wiss. J. 1888, S. 801-815; J. 1889, S. 451-466.]
† [50] 1889. Bourguignat, M. J. R.: Mollusques de l'Afrique équatoriale de Moguedouchou à Bagamoyo et de Bagamoyo an Tanganika. — 8° — 229 p., 8 pl. (Paris, Impr. Dumoulin)
† [51] 1889. Bourguignat, M. J. R.: Melanidées du lac Nyassa, suivies d'un aperçu comparatif sur la faune malacologique de ce lac avec celle du grand lac Tanganika. [Bull. Soc. Malac. de France VI. Juni 1889, p. 1-66, pl. 1-2.]Victor Giraud.
† [52] 1889. Smith, Edgar A.: Diagnoses of new shells from lake Tanganyika. [Ann. Mag. Nat. Hist. London. Vol. IV. (VI. ser.) No. XX., p. 173-175].Coode Hore.
[53] 1889. Martens, E. v.: Südafrikanische Landschnecken (leg. Dr. A. Schenck, 1884-87). [Sitzungsber. nat. Fr. Berlin S. 160-165.]
๐ [54] 1889. Martens, E. v.: Concholog. Mittheilungen. [III. Band, 1.-2. Heft, S. 1-3, 8-9, 16-17, 18 und diverse Abbildungen.]G. Schweinfurth, Dr. Fischer.
[55] 1890. Möbius (Dr. F. Stuhlmann): Mittheilungen über die Fauna von Ost-Afrika. [Sitzungsber. nat. Fr. Berlin. S. 181-184.]
† [56] 1890. Bourguignat, M. J. R.: Histoire malacologique du lac Tanganika (Afrique équatoriale). [Ann. des sc. nat. Paris, VII. ser., tome X. p. 1-267, pls. I.-XVII][31]
† [57] 1890. Smith, Edgar A.: On a new genus and some new species of shells from lake Tanganyika. [Ann. and Mag. Nat. Hist. London. Vol. VI. (ser. VI.) No. XXXI., p. 93-96]E. Coode Hore.
๐ [58] 1890. Smith, Edgar A.: List of land- and freshwater-shells collected by Dr. Emin Pasha in Central Africa, with descriptions of new species. [Ann. and Mag. Nat. Hist. London. Vol. VI. (ser. VI.) No. XXXII., p. 146-168, pl. V. & VI.]Dr. Emin Pasha, Rev. J. L. Last, Bishop Hannington etc.
[59] 1891. v. Martens: Von Dr. F. Stuhlmann auf der Expedition Emin Pascha's in den Landschaften Ukwere, Ukami, Usagara und Ugogo gesammelte Land- und Süsswasser-Conchylien. [Sitzungsber. nat. Fr. Berlin. S. 13-18.]
[60] 1891. Smith, E. A.: On the Mollusca of British Central Africa. [Proc. Zool. Soc. London, p. 309-310.]
† [61] 1891. Martens, E. von: Bericht über die Tanganyikaschnecken Bourguignat's. [Nachrichtenbl. d. d. mal. Ges. Bd. XXIII., S. 7-10 und 12-128.]
๐ [62] 1892. v. Martens: Einige neue Arten von Land- und Süsswasser-Mollusken aus Uganda und dem Victoria-Nyansa (leg. Emin Pascha et Dr. Stuhlmann. 1890-91). [Sitzungsber. nat. Fr. Berlin 1892. S. 15-19.]
[63] 1892. v. Martens: Ueber die von Dr. Stuhlmann in Nordostafrika gesammelten Land- und Süsswasser-Mollusken. [Sitzungsber. nat. Fr. Berlin 1892. S. 174-181.]
[64] 1892. v. Martens: Beschreibung vier neuer afrikanischer Conchylien-Arten. [Sitzungsber. nat. Fr. Berlin 1892. S. 181-183.] Dr. Preuss (Kamerun), Conradt (Usambára).
๐ [65] 1892. Smith, Edgar A.: On the shells of the Victoria Nyanza or Lake Oukéréwé. [Ann. and Mag. Nat. Hist. London (6. ser.) Vol X., No. LVI., p. 121-128, pl. XII., Figs. 3-6, 8-16.]
๐ [66] 1892. Smith, Edgar A.: Additions to the Rev. shell-fauna of the Victoria Nyanza or Lake Oukéréwé. [Ann. and Mag. Nat. Hist. London (6. ser.) Vol. X., No. LIX., p. 380-383.]E. Cyril Gordon.
† [67] 1884. Tausch, Dr. Leopold: Ueber einige Conchylien aus dem Tanganyika-See und deren fossile Verwandte. Mit 2 Tafeln. [Sitzungsber. Akad. d. Wissensch. XC. Bd. S. 56]
๐ [68] 1894. Stuhlmann, Dr. Franz: Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika. (Berlin, Dietrich Reimer). S. 731 ff. [Notiz von Prof. Dr. E. von Martens über die Vertheilung der Süsswasser-Mollusken in Centralafrika]

Ausser diesen hier angeführten Abhandlungen benutzte ich noch vielfach die Reeve'schen Monographien, das Küster'sche Conchylien-Kabinet, Pfeiffer's »Novitates conchologicae«, die verschiedenen Handbücher der Conchyliologie u. A.

TAFEL XXV

[[←]] Figuren-Erklärung zu Taf. XXIV und XXV.

Fig. 1, 6, 11, 20, 21Succinea Baumanni Stur. (Nyarasa-Steppe.)
Fig. 2, 3, 4Paludina (?) rubicunda v. Martens. (Victoria-See.)
Fig. 5Paludina victoriae Smith. (Victoria-See.)
Fig. 7, 12, 22Paludina unicolor Oliv. nov. var.? (Manyara-See.)
Fig. 8, 9Paludina unicolor Oliv. juv. (?) (Victoria-See.)
Fig. 10, 14, 29Planorbis Sudanicus v. Martens var. magna Stur. (Manyara-See.)
Fig. 13, 17, 23, 25Paludina nov. sp.? (Manyara-See.)
Fig. 15, 26Succinea Baumanni Stur. (Kagera-Nilquellgebiet.)
Fig. 16, 27Paludina unicolor Oliv. nov. var.? (Kagera-Nilquellgebiet.)
Fig. 18, 28Grandidieria insignis Ancey (?). (Tanganyika-See.)
Fig. 19, 24Rumella nov. sp.? (Tanganyika-See.)
Fig. 30, 34Mutela nov. sp.? (Victoria-See.)
Fig. 31, 35Grandidieria nov. sp.? (Tanganyika-See.)
Fig. 32Lanistes affinis Smith var. Manyarana Stur. (Manyara-See.)
Fig. 33Ampullaria Gordoni Smith. (Victoria-See.)
Fig. 36, 37Limicolaria rectistrigata Smith var. minor Stur. (Umgebung des Victoria-Sees.)
Fig. 38Spatha Hartmanni Stur. (Grumeti-Bach.)
Fig. 39Spatha Martensi Stur. (Ngoroïne-Bach.)

[[←]] IV. Insekten aus Deutsch-Ostafrika.

[[←]] I. Lepidopteren.

Von H. Rebel und A. Rogenhofer.

Schon bei seinen früheren Expeditionen hatte Herr Dr. Baumann auf das Sammeln von Lepidopteren seine besondere Aufmerksamkeit gerichtet, welche diesmal noch dadurch eine Steigerung erfuhr, dass der Expeditions-Soldat Hamissi hadim Mirari und sein Schüler Katilfil hadim Munyikombo mit dem Fange von Schmetterlingen durch Dr. Baumann beauftragt wurden, und diesem Auftrage auch in reichem Maasse nachgekommen sind.

Die Anzahl der von dieser Expedition mitgebrachten Lepidopteren übersteigt demnach auch weitaus alle bisher in diesen Gebieten gemachten Ausbeuten, da mehr als 4000 Stücke vorliegen. Dieselben umfassen Formen aus allen nördlichen Küstengebieten von Deutsch-Ostafrika, dem Massailande, Unyamwesi und der Umgebung des Victoria- und Tanganyika-See.

Wenn trotz dieser beträchtlichen Stückzahl die Zahl der Arten in der Ausbeute eine relativ sehr geringe ist und erst nach Sicherstellung einiger zweifelhaft gebliebener Formen 200 übersteigen dürfte, so hat dies seinen Grund einerseits in der schon oft erwähnten faunistischen Gleichförmigkeit der ostafrikanischen Gebiete und andererseits in dem Umstande, dass regelmässig Eingeborne, also nicht Fach-Entomologen, als Sammler thätig sind. Immerhin bildet die vorliegende lepidopterologische Ausbeute aus den von Dr. Baumann betretenen Gebieten, worunter namentlich das Bergland Urundi und das Quellengebiet des Kagera-Nil die entomologisch meist versprechendsten zu sein scheinen, insbesondere auch durch die von Dr. Baumann persönlich beigesetzten genauen Fundortsangaben, einen sehr werthvollen Beitrag zur Lepidopterenfauna Ost-Afrika's und bestätigt bei vielen Arten neuerlich die grosse Uebereinstimmung, welche in der Fauna aller tropischen Theile Afrika's herrscht.

An neuerer lepidopterologischer Literatur für die afrikanischen Tropengegenden erwähnen wir:

Auf die beiden erst genannten Publikationen haben wir mit Rücksicht auf die darin enthaltenen zahlreichen Literaturangaben in dem nachfolgenden Verzeichnisse thunlichst Bezug genommen.

Wien, im Dezember 1893.

Rhopalocera. — Papilionidae.

Pieridae.

Danaidae.

Nymphalidae.

Satyridae.

Lycaeniden.

Hesperidae.

Heterocera. — Sphingidae.

Arctiidae.

Nyctemeridae.

Lithosidae.

Agaristidae.

Hypsidae.

Notodontidae.

Saturnidae.

Hepialidae.

Plusiidae.

Ophideridae.

Ommatophoridae.

Ophiusidae.

Remigidae.

[[←]] II. Coleoptera.

Bestimmt von Custos L. Ganglbauer.

Die Mehrzahl der Käfer gehört Arten an, die bereits von Professor Gerstäcker in den wissenschaftlichen Ergebnissen von Baron Carl Claus von der Decken's Reisen in Ostafrika (Dritter Band, zweite Abtheilung, 1873) aufgeführt oder beschrieben wurden. Einige Arten konnten nach Gerstäcker's Bearbeitung der von Dr. G. A. Fischer während seiner Reise nach dem Massai-Land gesammelten Coleopteren (Jahrb. Hamburg. Wissensch. Anstalten 1884, 40-63) und nach Léon Fairmaire: »Coléoptères des voyages de M. G. Revoil chez les Somâlis et dans l'intérieur du Zanguebar« (Ann. Soc. Ent. France 1887, 69-186, 277-367) eruirt werden, ein Theil blieb vorläufig ohne genauere Bestimmung. Unter den letzteren mögen sich wohl einige Nova befinden, doch bleibt deren Feststellung und Beschreibung besser künftigen Monographen der betreffenden Genera überlassen. Isolirte Beschreibungen einzelner neuer Arten aus heterogenen Gattungen erfordern sehr umständliche und zeitraubende Literaturstudien und sind überdies von sehr problematischem Werthe, wenn sie nicht auf grösserem Vergleichs-Materiale basiren.

Carabidae.

Dytiscidae.

Hydrophilidae.

Silphidae.

Histeridae.

Trogositidae.

Dermestidae.

Passalidae.

Scarabaeidae.

Buprestidae.

Elateridae.

Lycidae.

Apatidae.

Tenebrionidae.

Cantharidae.

Curculionidae.

Cerambycidae.

Chrysomelidae.

Coccinellidae.

[[←]] III. Orthoptera.

Bestimmt vom Hofrath Brunner von Wattenwyl.

Blattodea.

Mantodea.

Phasmodea.

Acridiodea.

Tettigidae.
Tryxalidae.
Oedipodidae.
Pyrgomorphidae.
Pamphagidae.
Acridiidae.

Locustodea.

Pseudophyllidae.
Conocephalidae.
Heterodidae.
Gryllodea.

[[←]] IV. Hymenoptera.

Bestimmt von Franz Kohl.

[[←]] V. Rhynchota.

Bestimmt von Anton Handlirsch.

[[←]] VI. Diptera.

Bestimmt von Professor Friedrich Brauer.

Tabanidae.

Bombylidae.

Asilidae.

Muscaria.

[[←]] V. Das Watussi-Rind.

Von Dr. Leopold Adametz,

O. ö. Professor an der K. K. Universität in Krakau.

Auf seiner letzten Reise, in den Jahren 1891-1893 beobachtete Herr Dr. O. Baumann auf den 1500-2000 Meter hoch zwischen dem Tanganyika und Victoria-Nyansa gelegenen Plateau-Landschaften eine durch ungeheuere Hörnerentwickelung ausgezeichnete Rinderrasse. Dieselbe erweckte sein Interesse um so mehr, als östlich von dem geschlossenen Verbreitungsgebiete dieser Rasse durchaus nur die gewöhnlichen ostafrikanischen Zebus gehalten werden. Dr. Baumann fand diese Rasse namentlich in dem westlich von dem Victoria-Nyansa gelegenen Urundi und Ruanda, ferner in Ussui und Karagwe. Sie ist eine den Watussi- (Wahuma-) Stämmen charakteristische Rinderrasse.

Auf Grund der mir von Herrn Dr. O. Baumann freundlichst zur Verfügung gestellten Notizen, Photographien und eines wohlerhaltenen aus Urundi stammenden Stierschädels, liefere ich im Folgenden die Beschreibung dieser interessanten Rasse. Durch dies Material war ich in die Lage versetzt, ohne Schwierigkeit die Stellung dieser Rasse im zoologischen Systeme und die Zugehörigkeit derselben zur Sanga-Gruppe festzustellen.

Das Rind ist nach europäischen Begriffen von mittlerer Grösse, einfarbig röthlich bis dunkelbraun vorwiegend kastanienbraun und besitzt ein ähnlich dunkelpigmentirtes Flotzmaul. Desgleichen sind auch die übrigen, dem Auge zugänglichen Schleimhäute pigmentirt. Das Deckhaar ist kurz, ziemlich dicht gestellt und glänzend.

Der Höcker ist bei Kühen namentlich oft nur schwach entwickelt, wie dies auch die nach einer Photographie angefertigte Abbildung (pag. 85) erkennen lässt. Auf derselben ist der Höcker nach Dr. Baumann auffallend stark entwickelt, derselbe ist sonst oft kaum wahrnehmbar. Nur in gutem Ernährungszustande befindliche Stiere zeigen ihn.

Die feinknochigen Extremitäten zeigen nur mässige Muskelentwicklung und besonders die sogenannte Hosenparthie erscheint auffallend leer.

Am Brustkorb fallen die weiten Rippenzwischenräume auf. Das Euter der Kühe ist nur sehr mangelhaft entwickelt womit die äusserst geringe Milchergiebigkeit im Einklange steht.

Der charakteristischeste Theil des ganzen Thieres ist der selbst bei Kühen mit ungeheueren Hörnern versehene Kopf. Derselbe erscheint gegen die Schnauze zu schwach zugespitzt und zeigt eine mächtig entwickelte ziemlich breite Stirne, von welcher die gewaltigen Hörner ausgehen. Der Verlauf derselben ist zunächst nach seitwärts oben gerichtet, während die Spitzen nach rückwärts und gewöhnlich auch etwas nach innen gewendet endigen.

Nicht nur der Verlauf der Hörner, über welchen übrigens die Abbildung (pag. 239) die beste Auskunft giebt, sondern weit mehr noch ihre ungeheuere Dickenentwicklung bedingt das charakteristische Aussehen dieser Rinderrasse. Auch bei dem ungarischen Steppenrind findet man ja oft Hörner von nahezu 1 Meter Länge; stets bleiben diese jedoch verhältnissmässig dünn und schlank. Beim Watussi-Rinde hingegen beträgt der Umfang an der Hornbasis 40-50 cm. Diese charakteristische Beschaffenheit des Hornes findet man nur bei den in Abessinien und den Galla-Ländern verbreiteten Sanga- oder Senga-Rindern wieder, mit welchem das Watussi-Rind, wie speciell aus der weiter unten mitgetheilten vergleichend osteologischen Betrachtung seines Schädelgefüges hervorgeht, identisch ist.

Früher war man der Meinung, dass die reine grosshörnige Sanga[35]-Rasse nur in Abessinien und den Galla-Ländern vorkommt. Das grosse centralafrikanische Verbreitungsgebiet dieser Rasse erlangt daher besonderes Interesse, welches durch die von allen Reisenden beobachtete auffallende Aehnlichkeit erhöht wird, welche zwischen den Vieh züchtenden Watussi-Stämmen und den Abessiniern besteht.

Was die Hornentwicklung der echten abessinischen Sanga anbetrifft, welche ich des Vergleiches wegen anführe, so zeigt ein von Salt dem »Museum of the Surgeons« geschenktes Gehörn folgende Maasse:

An der Aussenseite gemessen
Hornlänge
118,0 cm
Abstand der Spitzen von einander101,0 cm
Hornumfang38,0 cm.

Thiere mit besonders grossen Hörnern sollen speciell die südlich von Endesta wohnenden Galla züchten und Salt berichtet über ein Gehörn, welches bei 120 cm Länge 53 cm Umfang an der Basis besass. — Jerom Lobo erwähnt sogar eines Sanga-Hornes, welches 11 Liter fasste.

In Anbetracht der ganz eigenartigen, bei keiner anderen Rinderrasse wiederzufindenden Hornentwicklung des Sanga-Rindes kann es füglich nicht Wunder nehmen, wenn dieselbe von manchen Reisenden als die Folge eines Krankheitsprozesses angesehen wurde. — So behauptete z. B. Bruce (citirt nach Vasey) die grossen Hörner seien die Folge einer durch die Weiden und das Klima bedingten, mit dem Tode des Thieres endigenden Krankheit. Nach dem Genannten treiben die Eingeborenen, welche die grossen Hörner sehr schätzen, jene Thiere, welche die ersten Symptome des Leidens zeigen, auf die besten und ruhigsten Weideplätze. Nichtsdestoweniger magerten dieselben allmählich derart ab, dass sie »kaum mehr Fleisch genug um ihre Knochen zu bedecken« besässen und schliesslich nicht mehr im Stande seien, den Kopf mit seinen gewichtigen Hörnern zu erheben, wonach sie endlich der Tod von ihren Leiden erlöse.

Dem früher bereits genannten Reisenden Salt, der die ersten Sanga in den Galla-Ländern sah, gebührt das Verdienst, die Unrichtigkeit dieser Behauptung festgestellt und bewiesen zu haben, dass die mächtige Hornentwicklung auf einem vollkommen normalen Vorgang beruhe und dieser Rasse eben eigenthümlich sei.

Immerhin wäre es eine äusserst interessante Aufgabe, an Ort und Stelle nach den Ursachen zu forschen, welche diese eigenartige, die Thiere entschieden häufig benachtheiligende Hornentwicklung veranlassen konnten, besonders, da wir sie als Folge künstlicher, von Seiten des Menschen ausgeübter Zuchtwahl nicht unbedingt ansehen dürfen, weil wir aus den Angaben Stanley's und Keller's wissen, dass die Hirten ihren Thieren in manchen Gegenden, wie in Nkole häufig die Hörner abbrennen oder stutzen, um ihnen ein leichteres Eindringen in die Dickichte zu ermöglichen. In den von Dr. Baumann besuchten Gebieten geschieht dies allerdings nirgends.

Der Schädel des Watussi-Rindes erscheint in Folge der stark entwickelten, allmählich in die mächtigen Hornzapfen übergehenden Stirne nach unten zu verschmälert. Zwischen dem stärker entwickelten Stirntheile und dem sich verschmälernden, schwächer entwickelten Gesichtstheile des Schädels besteht ein auffallender Unterschied. Von der Seite aus betrachtet (im Profil) erscheint der Schädel in Folge der gewölbten Stirnpartien schwach geramst.

Wenn wir mit den bei Betrachtung des Kopfes zu allererst in die Augen fallenden gewaltigen drehrunden Hornzapfen beginnen, welche dem Kopfe das charakteristische Aussehen verleihen, so wäre zu erwähnen, dass dieselben ohne eigentliche Stiele, vielmehr durch allmähliche Verjüngung der seitlich oberen Stirnpartien entstehen. — Tiefe, mächtig ausgeprägte Längsfurchen und zahlreiche Knochenwärzchen bedecken die Oberfläche der knöchernen Hornzapfen. Dennoch kommt es nicht zur Ausbildung jenes aus dichtgestellten Wärzchen bestehenden Kranzes an der Basis der Hörner, wie dies z. B. beim Bos primigenius (Thür) und seinen Abkömmlingen der Fall zu sein pflegt.

Die den knöchernen Hornzapfen entsprechenden, einen Meter Länge und darüber messenden Hornscheiden sind ebenfalls drehrund und mit Ausnahme der etwas dunkleren Spitze hornfarbig. — An dem vorliegenden Schädel zeigt die Hornsubstanz eine eigenthümlich faserige Beschaffenheit, ist rauh und besitzt die Neigung sich auszufransen. Diese Hornbeschaffenheit kommt nach Dr. Baumann's Beobachtungen der ganzen Watussi-Rasse normaler Weise zu.

Der obere Rand des Stirnwulstes verläuft nicht etwa mehr weniger horizontal, oder aber dachförmig, wie bei den europäischen Rinderrassen, sondern halbmondförmig; derartig, dass die horizontal gemessene Zwischenhornlinie mit diesem oberen Rande des Stirnwulstes ein Segment bildet.

Der Stirnwulst selbst, am vorliegenden Schädel 6 cm hoch, zeigt stets eine überaus starke Entwicklung.

Die Stirnplatte ist schwach nach aussen vorgewölbt, weist jedoch sonst keine wesentlicheren Unebenheiten auf. Namentlich fehlt hier die für viele Rinderrassen so charakteristische Aushöhlung im unteren Theile der Stirnplatte zwischen den Augenhöhlen. Desgleichen findet sich auch nicht die leiseste Andeutung eines Stirnbeinkammes. Die convergirend verlaufenden Supraorbitalrinnen sind oberhalb der oberen Augenlinie tief eingegraben; von da an beginnen sie seichter zu werden und reichen, nur mehr schwach kenntlich, bis zum Thränenbein. — Mit der Hinterhauptfläche bildet die Stirnbeinfläche nahezu einen rechten Winkel.

Die Thränenbeine sind ziemlich breit und zeichnen sich durch den fast in einer Geraden verlaufenden Rand aus. Die untere mediane Spitze der Thränenbeine befindet sich nahezu in der Mitte der Nasenbeinlänge. An jenem Punkte, in welchem das Thränenbein, Stirnbein und Nasenbein zusammenstossen, findet sich eine kleine Knochenlücke. Der Bau der Thränenbeine ähnelt somit ganz entschieden dem der europäischen Brachyceros-Rassen.

Schädel des Watussi-Rindes (Seitenansicht).

Die an ihrem Ursprunge breiten Nasenbeine verjüngen sich allmählich und endigen mit je zwei ganz kurzen Spitzen. Die auf diese Weise am vorderen Rande der Nasenbeine entstehende Bucht ist daher nur sehr seicht. Im Gegensatze zu anderen Rinderrassen weist der laterale Rand beider, nur eine flache Rinne bildender Nasenbeine, etwa in der halben Länge eines jeden eine starke Einbuchtung auf. — Am Wangenbeine fällt die starke Entwicklung des ziemlich deutlichen, eine dreiseitige Pyramide bildenden Wangenhöckers auf. — Die Nasenäste der Zwischenkiefer sind, was das Verhältniss ihrer Entwicklung zu den übrigen Schädelknochen (namentlich zur Gesammtkopflänge) anbelangt, ähnlich geartet wie bei den typischen Rassen der europäischen Brachyceros-Gruppe; sie sind nämlich äusserst kurz und reichen nicht nur bis an die Nasenbeine heran, sondern endigen im vorliegenden Falle sogar 2,1 cm unterhalb des seitlichen Nasenbeinrandes.

Die Augenhöhlen sind seitlich gestellt und ziemlich seicht; nie röhrenförmig. Die schmalen oberen Augenbögen liegen tiefer als der zwischen ihnen befindliche mittlere Theil des Stirnbeines. Legt man etwa in der Mitte der Augenbogengegend ein Stäbchen quer (senkrecht) zur Medianlinie des Schädels, so kommen die Augenbögen unter der so gebildeten Horizontalen zu liegen, d. h. wir finden in diesem Theile des Schädels ein ähnliches Verhältniss wieder, wie es für Bos primigenius und dessen reinblütigen Nachkommen, dem Steppenvieh, so charakteristisch ist.

Schädel des Watussi-Rindes (Vorderansicht).

Die Schläfengrube, am vorliegenden Schädel 5,5 cm tief, ist verhältnissmässig schmal. — Die Hinterhauptfläche ist ganz ähnlich wie bei den echten Primigenius-Rassen Europas verhältnissmässig niedrig; sie beträgt in Prozenten der Hinterhauptsenge ausgedrückt nur 106,8 pCt.

Der Unterkiefer, welcher ebenfalls grosse Bedeutung für die Lösung der Frage nach der Rassenzugehörigkeit gehabt hätte, stand leider nicht zur Verfügung, da er beim Transport zur Küste in Verlust gerathen war.

Für die Bestimmung und Beurtheilung der Rinderrassen ist bekanntlich eine eingehende Betrachtung des Zahnbaues von grosser Wichtigkeit. Dieselbe ergiebt, dass wir es beim Watussi-Rinde mit einer sehr einfachen Bauart des Schmelzgerüstes und der Marken der Zähne zu thun haben. Der Verlauf der Buchten und die Form der Marken ist verhältnissmässig wenig komplicirt und erinnert merkwürdigerweise in manchen Stücken sehr an jene der Brachyceros-Gruppe. Wie dort so findet man auch hier die an der Medianseite der Oberkieferbackzähne befindliche grosse Schmelzfalte nur schwach entwickelt und von sehr einfachem Verlaufe. Am dritten (d. i. letzten) Molar-Zahn des Oberkiefers des vorliegenden Stierschädels ist diese Falte sogar vollkommen verschwunden. Dort, wo sich dieselbe sonst von der Medianseite des Zahnes ablöst, findet sich eine schmale, ziemlich tief nach dem Inneren des Zahnes zu sich erstreckende Bucht; in Folge dieser Einschnürung erscheint der ganze Zahn deutlich in eine vordere und hintere Hälfte getheilt.

Als besonders auffallend wäre hier ferner zu erwähnen, dass, wenn man afrikanische Rinderrassen zum Vergleiche herbeizieht, der Zahnbau des Watussi-Rindes am vollkommensten mit dem des schwachgehörnten oder ganz hornlosen Somali-Rindes übereinstimmt. Diese nicht zu übersehende Aehnlichkeit des Zahnbaues zwischen diesen beiden afrikanischen Rinderrassen ist deshalb so bemerkenswerth, weil dieselben sonst hinsichtlich des Körperbaues etc. so ungeheuer von einander verschieden sind.[36]

Aus den mitgetheilten charakteristischen osteologischen Verhältnissen ist mit Bestimmtheit zu ersehen, dass das Watussi-Rind dem abessinischen Sanga-Rinde nahe verwandt ist. Sehr auffallend ist hierbei die Thatsache, dass in inniger Mischung am Schädel solche Formen auftreten, welche für unsere europäischen grosshörnigen zur Primigenius-Gruppe gehörigen Rinderrassen charakteristisch sind neben anderen, welche wieder nur bei typischen Brachyceros-Rassen vorkommen. Während z. B. der Schädeltheil des Kopfskelettes fast vollkommen die Merkmale echter Primigenius-Rassen besitzt, finden wir am Gesichtstheile derselben und ferner an den Zähnen diejenigen der Brachyceros-Gruppe auftreten.

Nach den Erfahrungen Baumann's, Stanley's und anderer ist der wirthschaftliche Nutzen dieser Rinderrasse kein besonders grosser.

Das Fleisch des Watussi-Rindes schmeckt nach Baumann schlechter als das des ostafrikanischen Zebus und soll ein eigenthümliches, offenbar durch grobfaserigen Bau und Armuth an intermuskulärem Bindegewebe bedingtes, als »schlüpfrig« bezeichnetes Gefühl beim Kauen hervorrufen.

Hinsichtlich der Milchleistung lauten die Erfahrungen ebenfalls sehr ungünstig. Nach Baumann's Beobachtungen beträgt der durchschnittliche tägliche Milchertrag einer Kuh höchstens einen Liter; desgleichen erwähnt auch Stanley, dass die Thiere namentlich in Anbetracht ihrer Grösse und der guten Weideverhältnisse nur recht wenig Milch liefern. Die Milch des Watussi-Rindes gilt jedoch für wohlschmeckender als jene der ebenfalls nicht viel besser melkenden ostafrikanischen Zebus.

Wie bei den meisten im halbwilden Zustande lebenden Rindern hält es auch bei dieser Rasse schwer, die Kühe zu melken, da dieselben unter gewöhnlichen Umständen die Milch zurückzuhalten pflegen. Nach Stanley pflegten Kavalli's Leute die Kühe in der Weise zu melken, dass sie den Thieren vorher die Hinterbeine zusammenbanden und das Kalb nach dem Kopfe der Mutter brachten.

Was die wirthschaftliche Leistung anbelangt, so hat es den Anschein, als ob fast alle mittelafrikanischen Rinderrassen mehr oder weniger ungünstig in dieser Beziehung sich verhielten. So erwähnt auch Schweinfurth[37] gelegentlich der Beschreibung des lang- und schlankhörnigen Buckelrindes der Dinkastämme, welches höchst wahrscheinlich ebenfalls in näheren Beziehungen zum Sangarinde stehen dürfte, die geradezu »miserablen« Milcherträge dieser Rasse, von denen die besten Kühe weniger Milch liefern, als bei uns mittelmässige Ziegen und ferner, dass zur Herstellung eines Pfundes Butter ganz erstaunliche Quantitäten von Milch nothwendig sind. Als ebenso interessant wie auch beachtungswerth erscheint hierbei die von Schweinfurth gemachte Bemerkung, wonach die trotz aller angewandten Sorgfalt und Pflege seitens der Dinka nicht zu verkennende Degeneration dieser Rasse theils eine Folge mangelnder Kreuzung, theils aber auch dessen sei, dass den Rindern niemals Kochsalz gereicht wird. Die von ihm selbst gemachte Erfahrung, nach welcher durch Kochsalzgaben den Thieren förmlich neues Leben und frische Kräfte eingeflösst und er hierdurch Kühe milchend und in gutem Ernährungszustande erhielt, sprechen wohl zu Gunsten der letzten Ansicht.

Als ein weiterer, für den Züchter höchst beachtenswerther Umstand muss endlich die relativ geringe Widerstandsfähigkeit des Watussi-Rindes gegenüber Schädlichkeiten klimatischer, wie auch anderer Natur hervorgehoben werden. Nimmt man das Watussi-Rind von seinen üppigen Hochweiden, so beginnt es zu kümmern und geht bald zu Grunde. In dieser Beziehung ist z. B. nach den Erfahrungen Baumann's, der Heerden sowohl des Watussi-Rindes, als auch des gewöhnlichen, kurzhörnigen ostafrikanischen Zeburindes auf seinen Reisen mit sich führte, letzteres ganz unvergleichlich widerstandsfähiger.

Dieser Umstand macht es erklärlich, dass überall dort, wo die Watussi-Stämme in engere Berührung mit Stämmen treten, welche das kleinere ostafrikanische Zebu züchten, dieselben theils freiwillig, theils unfreiwillig — wegen der die eigne Rasse in heftigerem Maasse heimsuchenden Seuchen — zu ersterem übergehen. Unterstützt wird dieser Prozess des Verschwindens der Watussi-Rasse noch dadurch, dass bei Kreuzungen diese sonst so charakteristische Rasse nur schwache Durchschlagskraft besitzen soll.

So erklärt sich denn ziemlich einfach die Thatsache, warum die nördlich vom Victoria-Nyansa und bis zum Ostufer des Albert-Nyansa wohnenden Watussi-Stämme nicht mehr die echte alte Rasse besitzen, sondern ein Kreuzungsrind, innerhalb dessen nur ab und zu grosshörnige Individuen als Produkte atavistischer Vorgänge auftreten.

Wissen wir doch nach Baumann bestimmt, dass z. B. die vor wenigen Decennien erst in die Umgebung von Tabora gezogenen Watussi bei ihrer Ankunft ihre typische Rasse mit sich führten, während sie heute bereits aus den eben angeführten Gründen fast ausschliesslich im Besitze der gewöhnlichen ostafrikanischen Zebu sich befinden.

Was die Verbreitung des Watussi-Rindes anbelangt, so findet sich dasselbe überall in den sogenannten Wahuma-Staaten. Es reicht im Süden bis Ujiji und wird auf den Hochplateaus von Urundi, Ruanda, Ussui, Karagwe und Mpororo gehalten. Stuhlmann fand es am Süd- und Westufer des Albert-Edward-Sees; auch am Westufer des Albert-Sees ist es verbreitet. Von Uganda aus macht sich das Vordringen der grossbuckeligen ostafrikanischen Zebu-Rasse bemerkbar, welche in den Ländern des Zwischenseengebietes, also vor allem in Unyoro, immer mehr an Boden gewinnt und zur Entstehung verschiedener Kreuzungsprodukte mit dem Watussi-Rinde Veranlassung giebt. Unter diesen treten, wie schon erwähnt, grosshörnige Exemplare als Produkte atavistischer Vorgänge nur vereinzelt auf. Das allmähliche Verschwinden dieser weniger widerstandsfähigen Rasse ist daher nicht unwahrscheinlich.

Nach Aussage aller Reisenden ist das Watussi-Rind, das dem abessinischen Sanga so nahesteht, für die hamitischen Wahuma-Stämme charakteristisch, deren Abkunft ebenfalls aus den Gallaländern hergeleitet wird. Die Herkunft der Hamiten überhaupt ist jedoch aus sprachlichen und anthropologischen Gründen unbedingt aus Asien herzuleiten.

Wenn wir nun auch bezüglich dieser Frage unsere Zuflucht zur vergleichenden Beobachtung des afrikanischen und speciell des Sanga-Watussi-Rindes und der indischen Zeburassen nehmen, so ergiebt sich die Thatsache, dass eines der edelsten indischen Zeburinder, nämlich die sogenannte Götterrasse, einen Schädelbau besitzt, der in aller und jeder Beziehung mit dem des Watussi-Sanga-Rindes übereinstimmt. Die Hörner sind ebenfalls mächtig, wennschon sie nicht ganz jene ungewöhnlichen Dimensionen erreichen, wie bei so vielen Individuen der letztgenannten afrikanischen Rasse. So z. B. messen die Hörner einer solchen Götterkuh, deren Schädel mir durch die Freundlichkeit des Herrn Professor C. Keller zur Verfügung stand, immerhin 50 cm in der Länge und 24 cm im Umfange an der Basis. — Die Art des charakteristischen Schädelbaues im Allgemeinen und im Speciellen und selbst der Hörner zeigten in jeder Beziehung die allergrösste, an Uebereinstimmung grenzende Aehnlichkeit mit dem des Watussi-Rindes, so dass trotz des als einzigen Unterschied zwischen beiden Rassen hervorzuhebenden etwas komplizirteren Zahnbaues beim indischen Zebu, die relativ nahe Verwandtschaft dieser Rinder unverkennbar ist.

Hieraus kann zwar nicht gefolgert werden, dass die Sanga-Rasse von jener erwähnten Varietät des indischen Zebus abstamme, sondern es ergiebt sich nur die Wahrscheinlichkeit, dass beide aus einer und derselben, früher verbreitet gewesenen Spielart ihren Ursprung nahmen und sich dann eventuell in Folge ähnlicher Daseinsbedingungen und sonstiger Umstände, trotz der sonst den Zebus im Allgemeinen zukommenden hochentwickelten Veränderungsfähigkeit, in ähnlicher Weise weiter entwickelten.

Wir wissen, dass das Wildrind, von welchem sämmtliche asiatischen Zeburassen abstammen, der Banteng, Bos soudaicus ist. Da in afrikanischer Erde bis zum heutigen Tage überhaupt keine fossilen Reste von Buckelrindern gefunden wurden (denn die in Algier aufgefundenen fossilen Rinderreste gehören dem Ur, Bos primigenius an, der mit der Gruppe der Höckerrinder in gar keinem Zusammenhange steht), so müssen wir uns zu der Annahme bequemen, dass die eben geschilderte Watussi-Rasse, sowie die afrikanischen Buckelochsen im Allgemeinen, ebenfalls vom asiatischen Banteng abstammen und von Asien aus erst nach Afrika gelangten.

Auch bezüglich dieser Frage sehen wir also völlige Uebereinstimmung herrschen zwischen den Folgerungen anthropologischer Forschung und den Resultaten der vergleichenden Hausthierkunde; beide weisen mit Bestimmtheit auf Asien hin als der ursprünglichen Heimath sowohl der hamitischen Hirtenvölker Centralafrika's, als auch der von ihnen gezüchteten Rinderrasse.

[[←]] VI. Untersuchung von acht Schädeln.

Von Prof. Dr. Zuckerkandl.

Mit 2 Tafeln (Tafel XXVI und XXVII).

Von den acht Schädeln sind fünf, No. 1-5 der Tabelle recent, No. 6 und 7 sind es nicht. Von den zwei Irakucranien konnte für anthropologische Zwecke nur der des Kindes verwerthet werden, da jener des Mannes in Folge von frühzeitiger Synostose der Pfeilnaht seine ursprüngliche Form eingebüsst hat.

Von den vier Watussi zeigen drei (No. 1-3) so ziemlich die gleiche Form; sie sind klein (siehe die Capacität), extrem dolichocephal und prognath, zwei auffallend chamaecephal, der dritte orthocephal, alle drei platyrrhin. Die Stirne ist niedrig und fliehend, ein Torus frontalis ziemlich gut ausgebildet. Der Nasenrücken ist schmal vorspringend und mit einer deutlichen sattelförmigen Vertiefung versehen, nur beim Kinde breit und flach. Der Zwischenkiefer zeigt eine schräge Lagerung. Der Unterkiefer, jener des Kindes ausgenommen, ist äusserst kräftig entwickelt, der aufsteigende Fortsatz von auffallender Breite, der Uebergang beider Aeste ineinander fast rechtwinklig. Die Prognathie der Unterkiefer gelangt in einer Vorbiegung des Alveolarfortsatzes im Bereiche der Schneide- und Eckzähne deutlich zum Ausdruck.

Die Profillinie des Gesichtes ist winkelig geknickt; es schneiden sich nämlich in der Mundregion die Profillinien des Ober- und des Unterkiefers unter einem stumpfen Winkel, dessen Knie nach vorne gerichtet ist. Die Mahlzähne sind kräftig und hinsichtlich der Zahl ihrer Höcker variant. Der vierte Watussischädel unterscheidet sich von den übrigen; er ist wohl auch dolichocephal, prognath, und chamaecephal, aber durch ungewöhnliche Grösse und Stärke ausgezeichnet. An dem durch besondere Länge auffallenden Gesichte tritt die Prognathie weniger hervor als an den anderen Watussischädeln.

TAFEL XXVI

Watussi-Schädel.

TAFEL XXVII

Massai-Schädel.

Die zwei Massaicranien (No. 5 und 6 der Tabelle) sind nicht gleich geformt. No. 5 stimmt seiner ganzen Architektur nach mit den drei ersten Watussischädeln überein. Das Cranium ist extrem dolicho- und chamaecephal, prognath, platyrrhin und chamäkonch. Seine Stirne ist niedrig und fliehend, der Torus frontalis gut ausgebildet, der Nasenrücken vorspringend und mit einer sattelförmigen Einschnürung versehen. Der Zwischenkiefer ist schräg gelagert und zu beiden Seiten der Spina nasalis inferior vertieft, der Unterkiefer sehr kräftig gebaut, sein aufsteigender Fortsatz ausnehmend breit, der Uebergang in den horizontalen Ast rechtwinklig. Der Aveolarfortsatz des Unterkiefers zeigt keine Prognathie, möglicherweise aus dem Grunde, weil die Alveolen der fehlenden Mittelschneidezähne verödet sind.

Dem anderen Massaischädel (No. 6 der Tabelle, Tafel XXVII) fehlt der Unterkiefer. Er ist dolicho-orthocephal, prognath, mesorrhin und hypsikonch. Die Prognathie fällt viel weniger auf, auch ist der Zwischenkiefer nicht schräg gelagert. Die Stirne ist gewölbt und senkrecht ansteigend, der Nasenrücken mässig vorspringend. Capacität beider Massaischädel gering.

Der Schädel des Irakukindes ist dolicho-orthocephal prognath, hyperplatyrrhin und hypsikonch. Die Stirne erscheint gut gewölbt, der Nasenrücken plattgedrückt, steil abfallend, der Zwischenkiefer schräg.

Resumé. Die geringe Anzahl der Cranien gestattet es nicht, sichere Schlüsse zu ziehen; ich beschränke mich deshalb auf nachstehende Bemerkungen: der Form nach stimmen die drei Watussischädel (1-3) und der Massaischädel No. 5 überein. Die Frage, ob diese vier Cranien dem Negerschädel an die Seite gestellt werden dürften, ist negativ zu beantworten. Watussischädel No. 4 und Massaischädel No. 5 weichen hinsichtlich ihrer Form von den vorigen wesentlich ab. Sie geben Typen wieder, wie solche auch bei uns angetroffen werden. Am meisten negerartig ist der Schädel des Irakukindes.

Hauptmaasse und Indices

Herkunft, Geschlecht.Watussi ♂Watussi ♂Watussi-Kind ♀Watussi ♂Massai ♂Massai ♂Iraku-Kind
Hirnschädel
Capacität130012501650
ap.
13501240
Länge185180165197190184169
Breite129131114143139125124
Stirnbreite112126128114102
Höhe132129115131130130120
Ohrhöhe102104105115101
Länge Schädelbasis100978610396101
Horizontalumfang506502552525507
Sagittalumfang359360401381
Querumfang283292305307284
Gesichtsschädel
Gesichtsbreite949677108989485
Gesichtshöhe12111191132120
Obergesichtshöhe716256757659
Jochbreite12111191132120
Höhe der Nase54464358535544
Breite der Nase28252229282628
Höhe der Orbita45413744433937
Breite der Orbita38313139343632
Profilwinkel79,580,073,075,067,577,081,5
Indices
Längenbreiten-69,772,869,112,573,867,973,4
Längenhöhen-69,771,769,766,568,470,774,0
Nasen-51,954,351,250,052,847,363,6
Augenhöhlen-84,475,683,888,679,192,386,5

[[←]] VII. Sprachproben.

Von Dr. O. Baumann.

Da mir zu sprachlichen Studien nur wenig Zeit blieb, so beschränkte ich mich auf das Einsammeln kleiner Texte, die am ehesten geeignet sind, auf die linguistische Zugehörigkeit Licht zu werfen. Herr Prof. Dr. Leo Reinisch, welcher die Güte hatte, die Proben durchzusehen, konnte dieselbe auch in vielen Fällen vermuthen, nur die Sprache der Wassandaui bleibt unbestimmt. Leider konnten keine Interlinearversionen sondern nur Uebersetzungen erhalten werden, die jedoch ziemlich genau sein dürften. Als Orthographie wurde die Steer'sche Swahíli-Schreibart angewandt.