VORWORT.
Die Expedition, deren Ergebnisse nachfolgend veröffentlicht werden, wurde vom Deutschen Antisklaverei-Komite ausgerüstet, unter namhafter Betheiligung der Eisenbahn-Gesellschaft für Deutsch-Ostafrika und der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft, welch' letztere die Anregung zu dem Unternehmen gab.
Meine Aufgabe lag in der geographischen und wirthschaftlichen Erforschung der weiten, unbekannten Striche, die sich noch im Norden der deutschen Interessensphäre ausdehnten. Unter Vermeidung aller Karawanenstrassen wandte ich mich daher vorzugsweise Gebieten zu, die vorher noch kein Europäer betreten. Der Schwerpunkt meiner Arbeiten lag auch diesmal in der kartographischen Aufnahme der durchreisten Länder. Deren Ergebnisse bleiben einer besonderen Publikation in grösserem Maassstabe vorbehalten, erscheinen jedoch in der dem Buche beigegebenen Uebersichtskarte bereits in den Hauptzügen erkennbar. Als einziger Europäer hatte ich auch die ganze Last des Expeditionsdienstes zu tragen. Dieser Umstand, sowie die Raschheit mit der meine Reise ausgeführt wurde, möge als Entschuldigung dienen, wenn der wissenschaftliche Theil dieses Buches nicht jene Gründlichkeit besitzt, die ich selbst am meisten gewünscht hätte. Besonders in ethnologischen Fragen war ich meist auf Erkundigungen bei Eingeborenen angewiesen, die ich durch Befragen mehrerer Personen zu berichtigen suchte. Immerhin mögen dabei Irrthümer unterlaufen sein, deren Aufklärung ich meinen Nachfolgern überlasse. Wenn ich es trotz des fragmentarischen Charakters meines Materials versucht habe im II. Theil dieser Veröffentlichung ein allgemeines Bild der durchreisten Länder zu entwerfen, so geschah dies keineswegs in der Absicht, eine Monographie dieser weiten Gebiete zu schreiben. Dazu fehlt noch so gut wie Alles. Diese Anordnung des Stoffes schien mir nur wünschenswerth, da sie allein dem Fachmann eine leichte Uebersicht in der täglich anwachsenden Literatur gestattet.
Es erübrigt mir noch Jenen meinen Dank auszusprechen, die meinem Unternehmen ihre Förderung angedeihen liessen. Es sind dies die Körperschaften, welchen ich die Mittel zu demselben verdanke, vor Allem das Deutsche Antisklaverei-Komite, unter dem Vorsitze Sr. Durchlaucht des Fürsten Wilhelm zu Wied, das mir nicht nur während meiner Thätigkeit in Afrika volles Entgegenkommen bewies, sondern auch in liberaler Weise die Mittel zur Herausgabe dieses Reisewerkes bewilligte. Dadurch wurde es der Verlagsanstalt Dietrich Reimer, unter der bewährten Leitung meines verehrten Freundes Consul Vohsen, möglich, der Publikation die Ausstattung zu geben, in welcher sie heute an die Oeffentlichkeit gelangt. An dieser Stelle dürfen die Herren Maler Rudolf Bacher und Ludwig Hans Fischer in Wien nicht unerwähnt bleiben, die nach meinen Photographien und Zeichnungen naturwahre und dabei künstlerisch schöne Illustrationen entwarfen.
Mit herzlichen Grüssen gedenke ich auch der Freunde in Ostafrika, aller jener zahlreichen Europäer, seien es Deutsche, Engländer oder Franzosen, seien es Gouvernementsbeamte, Kaufleute oder Missionare, die meiner Expedition liebenswürdige Gastlichkeit und kräftige Unterstützung zu Theil werden liessen. Möge ihnen ein frohes Wirken im sonnigen Tropenlande beschieden sein!
Bei wissenschaftlichen Fachleuten fand ich freundliches Entgegenkommen, vor Allem bei jenen ausgezeichneten Gelehrten, deren Arbeiten im Anhang zur Veröffentlichung kommen, sowie bei Dr. Bruno Hassenstein, der die Herstellung der Uebersichtskarte leitete.
Zuletzt sei es mir gestattet, jene zu erwähnen, die durch Wochen und Monate meine einzigen Gefährten waren: die schwarzen Soldaten und Träger der Massai-Expedition. Diese pflegen an ähnlicher Stelle meist mit vornehmem Stillschweigen übergangen zu werden. Jedoch mit Unrecht. Denn der Forschungsdrang und wie alle die Triebe heissen mögen, welche den Europäer in schweren Stunden aufrecht erhalten, sie fehlen seinen farbigen Begleitern. Und doch ist es ihre Treue, ihr Gehorsam, ihr Heldenmuth vor dem Feinde und ihre unvergleichliche Zähigkeit im Ertragen aller Mühsale allein, die es ihm möglich machen, in Afrika Erfolge zu erringen.
Wien, am Weihnachtsabend 1893.