FREUDE

Durch den blauen See zu schwimmen! Du feuchtes Vergessen,

Durch den klaren Tag zu wandeln! O holdes Erwachen!

Durch eisigen Sturm zu schreiten! Du ewiges Bangen!

O munteres Leben!

WEINLIED

Starker, goldener Wein! Du bist

Wie das Glück im Spiel.

Ewig gleich aus deinem Innern, ob

Wir wild werden, toll werden, bös werden,

Strahlt die Verlockung.

Du und ein fragendes Kind! Ihr weckt

Das arge Wissen in uns, doch ihr

Gebt auch das Vergessen.

Du bist die Lust zu gestehen, bist

Die Lust zu verhehlen, dein

Ist Klarheit und Heimlichkeit.

Ewig gleich aus deinem Innern, ob

Wir traurig sind, ob wir froh sind,

Strahlt die Verlockung.

Und du bist wie die großen Geister.

Du machst uns stolz, bis wir

Hintaumeln, machst uns stark, bis du

Uns umwirfst. Freund, Verführer und Herr!

Denn dein heiliges Sein

Ist nicht erkannt, nicht gewürdigt.

ARISTOGEITON

Drei Frühlingstage war ich bang um dich.

Ich wußte nichts. Doch ahnte ich — Böses.

Schöner Knabe, folgsam der Sünde!

Später vergaß ich.

Drei Wochen später! Da erzähltest du mir.

Ich dachte: daß diese Dinge

Ewig die gleichen sind!

Das ist das Schöne.

Daß er dir Gift geschickt hat!

Weil — du ihn batest darum

In der Stunde der Scham,

Ist schön. Ich mußte doch lachen.

Das Gewissen tilgt den Dünkel nicht.

Und die Götter müssen uns verdammen.

Alles Tun und unsre Einsicht ist

Furchtbare Frechheit.

Einst war mir der Gedanke traurig,

Daß diese Dinge ewig die gleichen:

Jugend, Sünde, Scham, Verwirrung, Erwachen.

Dann fand ich das Ewige schön.

Jugend, Sünde, und: daß du mir all das

Erzählen mußtest: folgsam den Göttern,

Schöner Knabe, dem Tode entronnen!

Wie ich dich liebe!

ZWEIFEL

Ach, wir wissen von keinem Gedanken, wann er

Neu war, von keiner Schönheit, wann sie

Schwand und erschien, von keiner Tat, wir erkennen

Unsre Schuld nicht.

Darum laßt uns verehren, es wäre ja schmählich,

Wollten wir deshalb verehren, weil wir wüßten:

Denn von jeher liebte ein Mensch, ins Hirn dem

Andern zu spucken.