MELANCHOLIE

Ein nacktes Jungfräulein hängt

An einem Galgen: das Blut, das von Mund und Nase

Und sonst herunter geflossen, bildet im Rasen

Eine rote Lache, die mählich schwarz gerinnt

So wie das Blut der lehmigen Pfützen umher

Mit der sterbenden Abendröte vergeht.

Sie sind: die Pfützen, die Augen der Dämmerung.

Doch gegen das weiße ungeküßte Knie des Weibes

Fliegt ein Rabe: Wie unmelodisch

Ein Rabenflügel sich gegen den Rasen zeichnet

Ehe die Dämmerung ganz herein ist.

UNMUT

Spart euch den Trost! Der Wahnsinn ist

Der Gläubiger der Geschlagenen.

Und ihm verfällt des Elends wache Brut.

Spart euch den Spott.

Denn wie ein Schiff der sturmzerpeitschten Flut

Sind Worte mir zur Last: verhaßt die Blicke

Der Gütigen.

Ich hasse: wenn weit durch das zitternde Land

Der Frühling mit grünschattenden Pfeilen zielt.

Ich liebe es, wenn um der Männer Stirn

Das Grün des Elends spielt.

Ihr seid mir Brüder: in Todes Hirn

Begraben will ich allen freien Mut.