Moral ohne Religion.
Die religiösen Werte hat die »Moderne« zum Teil verworfen, der moralischen kann sie nicht entraten, denn der tugendhafte Mensch bleibt ja ihr Ideal; da die »Götter für sie tot sind«, soll der »Übermensch leben«. Um den tugendhaften Menschen heranzubilden, bedarf sie aber der Tugendlehre. Wohl lehrt auch das Christentum Tugend und Moral. Aber das steht ja einmal bei den Neueren fest, daß Christliches sie nicht mehr beglücken kann. Darum sucht man nach neuen ethischen Gesetzen.
So uneinig man nun auch in der Aufstellung neuer moralischer Werte sein mag, in einem Punkte trifft man zusammen: darin, daß eine reinliche Trennung von Moral und Religion vorgenommen werden muß.
Gott ist der christlichen Moral Kern und Stern; er ist die letzte Norm der christlichen Moral, er ihr letzter Verpflichtungsgrund und ihre allein durchschlagende Werbekraft. Nach allen drei Beziehungen soll Gott ausgeschaltet und die neue Ethik auf sich selbst gestellt werden. Unmögliche Forderungen!