Nachwort.
Aus dem Überblicke der freimaurerischen Systeme oder Lehrarten ist zu ersehen, daß der Freimaurer-Bund viele Mannigfaltigkeit und ein reiches Maß von Entwickelung und Gewissensfreiheit besitzt. Nicht wenig günstig ist für ihn, daß diese seine Eigenschaften noch lange nicht vollkommen sind (welche menschliche Einrichtung wäre dies?) und daher große Hoffnung auf Verbesserungen gehegt werden darf, ohne die ja eine Versumpfung unvermeidlich wäre. Daß er stetsfort an Zahl der Mitglieder zunimmt, und zwar vorzugsweise an jüngeren Kräften, berechtigt schon an sich zu Hoffnungen. Wie unser dem unerreichbaren Br. Goethe entnommenes Motto sagt:
Immer höher muß ich steigen,
immer weiter muß ich schaun,
so soll sich auch der Bund verhalten. Er soll mit der Zeit alles Kindliche und Naive, das wir bereits oben getadelt haben, weil es einem überwundenen Standpunkt angehört, abstreifen und an dessen Stelle Höheres und Weiteres setzen. Dazu besitzt er Keime genug, namentlich in dem von ihm beobachteten richtigen Maße von Gefühl für das Allgemeine und das Besondere, für Menschheit und Vaterland. Mit allgemeiner Menschenliebe, mit Humanitätsstreben verbindet er, bei der völligen Abwesenheit gemeinsamer Oberhäupter, Begeisterung für die Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Organisationen in den einzelnen Ländern. Er ist die einzige Internationale auf der Erde (allerdings neben einer Anzahl ähnlicher, ihm nachgeahmter Verbände, wie die Oddfellows, Druiden, Guttempler und viele andere), die mit ihrem Kosmopolitismus auch Patriotismus verbindet. Alle übrigen Internationalen sind vaterlandslos.
- die schwarze, d. h. der Ultramontanismus, der für Rom und sein Papsttum und dessen geträumte Weltherrschaft willig das Vaterland preisgeben würde und dessen willenlose Schafe auf jedes eigene Denken verzichten, nicht aus Treue, nur aus Sklavensinn,
- die goldene, d. h. die Börsokratie, der für Gold, Ehre, Gewissen, Familie, Heimat feil sind und die sogar nicht davor zurückschrecken würde, dem Feinde ihres Vaterlandes gegen gute Bezahlung Waffen zu liefern,
- die rote, d. h. die Sozialdemokratie mit ihrem Vetter, dem Anarchismus, der das Vaterland „Wurst“ ist und die den Umsturz aller Ordnung und Kultur anstrebt, um die Menschheit in ein charakterloses Proletariat zu verwandeln, in dem jedes Hervorragen begabter Geister verpönt wäre und unterdrückt würde.
Diesen drei gewaltigen, aber unter sich feindseligen, ja einander glühend hassenden Heeren, für deren erste es nur den Klerus und seinen Anhang, für deren zweite es nur den Mammon und für deren dritte es nur ein Proletariat gibt — diesen Heeren gegenüber steht
die blaue internationale, die unter dem Banner der Treue kämpft, bestehend aus der Freimaurerei und den ihr ähnlichen Bünden.
Sind diese Bünde auch nicht unter sich zu einer Einheit verbunden, so beseelt sie doch ein gemeinsames Streben. Für sie allein gibt es eine Menschheit und ein Vaterland und wenn man will (nach Nietzsche) auch ein Kinderland, und es steht zum Glücke überdies auf ihrer Seite der unter allen Völkern waltende Geist der Freiheit, des Fortschrittes, der Menschen- und Vaterlandsliebe. Von ihm unterstützt ist es unsere Pflicht, unentwegt für die hohen Güter der menschlichen Kultur zu kämpfen, ohne Furcht und Zagen immer höher zu steigen und weiter zu schauen!
[15] Wir beschränken uns hier auf die jetzt noch bestehenden Lehrarten der Freimaurerei. Diejenigen früherer Zeit gehören in die Geschichte des Bundes.
[16] Nach Rob. Fischers „Darstellung der hauptsächlichsten freimaur. Systeme“. 9. Aufl. Leipzig 1906.
[17] Ebenfalls nach Fischer oben S. 127.
[18] In Dänemark besteht eine Loge, in Norwegen 5 sogar unter deutscher Großloge englischen Systems.
[19] 136 Logen gegen 92 nicht englischen aber darunter nur 26 schwed. Systems.
[20] 152 (darunter 85 schwedische) Logen gegen 40 englischen Systems.
Druck von Julius Beltz, Hoflieferant, Langensalza.