Entstehung der Studie.

Dem Steuermann eines Schiffes gleich muß der Ingenieur, der inmitten des rastlos pulsenden Getriebes der modernen Welt steht, seine Augen unablässig auf das gerichtet halten, was vor ihm liegt. Was überwunden hinter ihm bleibt, entschwindet auch bald aus seiner Erinnerung.

Das unablässige Vorausschauen, zu welchem die stürmische Entwickelung der Ingenieurkunst zwingt, hat es mit sich gebracht, daß die Ingenieure der klangvollen Geschichte ihres eigenen Berufes bis jetzt nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben, daß sie dem Gedächtnis ihrer Pioniere nicht immer die verdiente Ehre gewidmet und die Pietät gegen deren Erstlingsschöpfungen nicht allezeit gewahrt haben. Darum ist es auch gekommen, daß um so weniger andere Berufe die kulturgeschichtliche Bedeutung der Ingenieure und ihrer Kunst gewürdigt haben: Kein geschichtliches Werk verzeichnet den Einfluß ihrer Arbeit auf die Entwicklung der Menschheit, und eine Gedenktafel für einen ihrer Führer ist eine seltene Erscheinung in Deutschland, das sonst so viel historischen Sinn zur Schau trägt.

Als ein erfreulicher Wandel ist das Geschenk zu begrüßen, welches das beginnende Jahrhundert den deutschen Ingenieuren gebracht hat: die Gründung eines Museums, das ihrer Kunst und ihrer Geschichte gewidmet ist, und zwar an einer Stätte, die nicht ein Mittelpunkt der Industrie sondern durch die Pflege der Kunst und durch künstlerische Tradition als ein Kulturmittelpunkt Deutschlands mit Fug und Recht gilt.

Die Entwicklung der Technik bietet — auch in früherer Zeit bereits — eine solche Fülle von fesselnden Bildern, daß der Aufbau dieses Museums als eine dankbare Aufgabe erscheint; freilich ist der Stoff so zerstreut, daß die Sammlung und Ordnung die Mitarbeit vieler notwendig macht. Eine treffliche Grundlage hierfür bieten die wenigen Werke über die Geschichte der Technik, die bisher entstanden sind: die »Geschichte des Eisens« von Ludwig Beck, die »Ingenieurtechnik des Altertums« von Merkel, die »Lebendigen Kräfte« und andere Arbeiten von Max Eyth und die »Geschichte der Dampfmaschine« von Matschoß.

Für die Gruppe »Hebemaschinen« haben die »Beiträge zur Geschichte des Maschinenbaues« von Theodor Beck für die Zeit vor dem Jahre 1500 wertvollen Stoff geliefert, während für die spätere Zeit sehr zerstreutes Material aus einer großen Zahl von alten Werken zusammengetragen werden mußte.

Es lag nun der Gedanke nahe, die Ergebnisse dieser historischen Studien nicht nur in einem Bericht für das Museum von Meisterwerken zusammenzustellen, sondern sie gleichzeitig den Fachgenossen zugänglich zu machen, die der Geschichte ihrer Kunst einige Neigung entgegenbringen.

Es braucht kaum gesagt zu werden, daß die vorliegende Studie keinen abschließenden Bericht, sondern nur einen ersten Anfang mit vielen Lücken vorstellen kann.

Den Persönlichkeiten und Werken, die diese Studie durch freundliche Zusendung von Mitteilungen und Photogrammen unterstützt haben, sei auch an dieser Stelle bestens gedankt, ebenso dem Künstler, der den Schmuck des Buches entworfen hat.

Besonderer Dank aber sei dem Verleger ausgesprochen, auf dessen Anregung die Veröffentlichung zurückzuführen ist, und der weder Mühe noch Kosten gescheut hat, um die Studie in einer des Deutschen Museums würdigen Gestalt erscheinen zu lassen.

Charlottenburg 1906.

Der Verfasser.