Jockeys

Für alle solche Sachen sind die indischen Jockeys nur allzu leicht zu haben. Englische Berufsjockeys verirren sich recht selten jenseits Suez. Die australischen Bundesbrüder und Berufsgenossen sind zu wenig entgegenkommend. Um ihre eigenen Kreise nicht stören zu lassen, dulden sie nur Australier auf den indischen Rennplätzen. Sie wissen, daß sie sich auf ihre Landsleute aus Australien in allen dunklen Renn-Machenschaften verlassen können! Sollte jemals ein nicht australischer Jockey es wagen, in Indien in den Sattel zu steigen, so scheuen die Braven aus Australien auch nicht vor einem Mord zurück. Im Flachrennen drängten sie einen englischen Berufsgenossen, der es gewagt hatte, nach Indien zu kommen, so an den Hang, daß er mit seinem Pferde zu Tode stürzte. Natürlich konnte man den Übeltätern nichts beweisen.

Eher gestatteten sie noch indische Jockeys als Mitreiter, denn mit ihnen ist immer eine Verständigung möglich. Auch sind sie keine Spielverderber, wenn es sich um einen Gewinn handelt. Dabei machen die Inder keine großen Ansprüche und sind im schlimmsten Falle unschwer einzuschüchtern.

In Bombay und Poona sind von arabischen und indischen Rennstallbesitzern Inder als Jockeys angestellt, meistens Mohamedaner, für arabische Pferde. Doch der Turf-Klub hat stets große Bedenken, einem Inder das Patent als Rennjockey auszustellen. Sie sind stets bestechlich und immer für unlautere Tricks zu haben. Außerdem sind sie Stümper. Sie haben weder den Verstand noch die feinen Nerven, die unerläßlich für einen Rennreiter sind. Vor allem aber haben sie kein Handgelenk. Ihre harte Faust reißt den Pferden viel zu sehr ins Maul.

So ist das indische Rennleben, von welcher Seite man auch mit ihm in Berührung kommen mag, eine recht indische Angelegenheit, erfüllt mit Lug und Trug, mit Intrigen und Geldgier. Mögen sich nun vizekönigliche Sekretäre mit Renngeschäften befassen oder mögen unwissende Inder als gelehrige Schüler bei den durch und durch verrohten Abkömmlingen früher nach Australien deportierter englischer Diebe, Mörder und Totschläger in die Schule gehen.

Nur die Pferde bleiben stets dieselben. Treu und anhänglich dem, der sie gut behandelt und ihnen mit Verstand und Freundlichkeit entgegenkommt, ob sie nun in Indien geboren sind oder aus England stammen, oder ob die freie Wüste Arabiens die Heimat ihrer Jugendjahre war. Allein die aus Australien eingeführten Tiere geben durch ihr Benehmen von der hohen Kultur seiner Bewohner Zeugnis, und es dauert stets lange, ehe sie begreifen lernen, daß es auch andere Menschen als ihre heimatlichen Rohlinge auf Erden gibt.

Vollbluthengst „Foxy“ mit Verfasser im Renndreß


GRÖSSERES BILD

Englisches Vollblut im Hofe des Marstalls von Kapurthala

Eberjagdpferd

VIII.
Hindu-Indisches

Diesen mehr von Europäern gepflegten sportlichen Betätigungen, Jagden auf Antilopen, Eberjagden und Pferderennen stellen sich mannigfache Jagdgelegenheiten rein indischen Charakters zur Seite. Eine der interessantesten ist die Falkenbeize auf Enten.