II

Der Wind ist in den Eichen,

Die sich nach Westen legen

Und diesen kleinen, bleichen

Himmel zusammenfegen;

Ich atme schlecht! Ich zucke

So an der Luft! Untätig.

Mir ist vom steten Drucke

Nicht mehr viel Ich vorrätig.

IN DER WELT

Ich lasse mein Gesicht auf Sterne fallen,

Die wie getroffen auseinander hinken.

Die Wälder wandern mondwärts, schwarze Quallen,

Ins Blaumeer, daraus meine Blicke winken.

Mein Ich ist fort. Es macht die Sternenreise.

Das ist nicht Ich, wovon die Kleider scheinen.

Die Tage sterben weg, die weißen Greise.

Ichlose Nerven sind voll Furcht und weinen.

ADIEU MÄDCHENLACHEN!

Sie nehmen Abschied, werden nicht vergessen

Die Wege, die sie jetzt gehn — Du und Ich,

Zwei Lächeln nur, mit denen sich

Apokalyptische Gesichte messen.

O fälschte doch mein sicheres Gesicht!

Die Furcht läuft in die Zukunft und sieht mutig,

Da liegst du, abgeküßt und schenkelblutig:

— Mein Hirn bellt auf — brautnackt im Ampellicht.

Die Schmerzen beißen in das Hirn hinein.

Was martert, mordet nicht mein wilder Freisinn!

O meine Mutter, weißhändige Greisin,

Nimm mich zurück ins Nichtgeborensein!

NACH DER NACHT

Laternen, die den Regenabend führen,

Haben die Stadt, die glänzende, verraten.

Eiweißer Eiter tropft im Lichteratem

Der Friedrichstraße, wo sich Dirnen rühren.

Die Augen kriechen aus den Faltenlidern

Und spritzen einen Blick, der dich begießt.

Sie lachen sich das Kleid vom Bauch; du siehst

Die Brüste — Krötenbäuche in den Miedern.

Du flohst, und Vögel sangen für dich junitags.

Der Morgen senkte sich in dein Gesicht.

Es schlugen Uhren an, weckten das Licht.

Doggengebell des Turmuhrstundenschlags.

Du öffnest deinen Mund, der ist lichtzahnig.

O Wanderungen im Gestein der Stadt!

O Röcheln, Schreie, seelenquälend Rad! —

Es sprudelt aus der Morgenröte sahnig.

Du schweigst. Hinter den dunklen Augen ruht

Das Hirn vom Krampf der tötenden Arsene.

Du lächelst, blickst — und da betritt die Szene

Die Sonne, jugendlich, im Wolkenhut.

DAS WIEDERSEHEN

Wie warnend leuchten schwarze Fensterscheiben.

Mystische Telefone knacken, knacken —:

Dastehst Du nahe mit beweinten Backen,

Plastik aus Rauch.

Ich drehe angstvoll mein Gesicht zum Nacken

Und steige zitternd aus aus euren Häusern.

Sind das die Häuser? Ist die Nacht aus Stein?

Ich mache langsam Schritte in Berlin.

Kein Mensch. Herabgestürzte Jalousien.

Ich habe keinen Wunsch, einer zu sein.

MANN UND MENSCHFRAU

Der Park beleckt, ein grüner Katarakt,

Das weiße Haus, in dem wir nach uns greifen.

Du hast Angstaugen. Um die Fenster streifen

Ahorne braun und indianernackt.

Sturm hat die Nacht, die Negerin, gepackt.

— Du wirst doch diese Herzart nicht begreifen.

Laß aus dir trinken, und ich werde reifen.

Verdorrte Augen überschwemmt dein Akt.

Du kriegst ein Kind. Ich werde einsam sterben

In braunen Muskeln und vom Tag gedörrter.

Jetzt könnten deine Arme mich entfärben.

Orient und Eden machst du gegenwärtig.

Wir wandeln nackt durch baumige Hirnörter.

Engel — dein weißer Bauch ist dunkelbärtig.