Die Räuber aus dem Riesengebirge

Drei ehrbare Handwerker aus dem Riesengebirge, ein Schuster, ein Schneider und ein Hutmacher, beschlossen eines Tages, Räuber zu werden; denn ach, ihre Geschäfte gingen schlecht! Machte der Schuster ein Paar Stiefel, so kam sein Kunde nach ein oder zwei Tagen angehinkt, schimpfte, daß ihm alle Zehen zerquetscht und die Fersen zerrieben seien, schlug dem Meister die Stiefel um den Kopf und verlangte sein Geld zurück. Nähte der Schneider mit Sorgfalt und viel Geschicklichkeit einen Anzug, so wies ihm sein Kunde bei der Ablieferung mit rauhen Worten nach, daß das eine Hosenbein weit wie ein Mehlsack, das andere eng wie ein Pfeifenrohr sei, und daß der Rock hinten zwei Buckel mache, wie das Fell eines Trampeltiers. Maß der Hutmacher einem ein recht fesch Hütlein an, so saß es ihm am Ende auf dem Wirbel wie eine Hanswurstkappe oder fiel ihm in die Stirn bis über die Spitze des Kinnbartes herab.

So sagten eines Tages die drei Meister zueinander: »Das Handwerk hat keinen goldenen Boden mehr. Man kann tun, was man will, das Publikum ist nicht zufrieden. Es gibt nichts als Zank und Streit. Wir wollen uns also nach einer friedfertigeren Beschäftigung umsehen.«

Darauf beschlossen sie, Räuber zu werden, und meinten, dabei ihr gutes Auskommen zu haben. Sie wuschen sich nun sechs Wochen lang nicht mehr, kämmten ihr Haar nicht mehr und zogen ihre ältesten Kleider an. Darauf nahmen sie von ihren Freunden Abschied, sagten, sie möchten sie nur in gutem Andenken behalten, zogen in den Wald und wurden Räuber.

Zwei Tage und zwei Nächte saßen sie unter dunklen Bäumen und lauerten, ob jemand des Weges daherkommen würde. Es kam aber niemand, und die Räuber froren und langweilten sich. Zum Glück hatten ihnen ihre Freunde Essen und Trinken mitgegeben, sonst hätten die armen Kerle Not leiden müssen.

Am zweiten Tage gegen Abend meldete der Schneider, der als Kundschafter ausgeschickt worden war: es ziehe ein starker Mann daher. Er sei groß wie ein Riese und habe einen Knüppel in der Hand. Man könne nicht wissen, was er im Schilde führe.

Da versteckten sich die drei Räuber hinter die Brombeerhecken und atmeten auf, als der starke Kerl vorbei war. Der Hutmacher aber, welcher der Klügste von ihnen war, sprach:

»Auf diese Weise werden wir auch keine guten Geschäfte machen!« Und er hielt eine Rede, und alle drei beschlossen, den nächsten Wandersmann zu überfallen, sei es auch, wer es sei.

Wie nun der Morgen in hellgoldener Pracht über den Bergen aufging, kam der Schuster angerannt und sagte: ein einzelner Reiter komme den Talweg herauf. Es sei wohl ein reicher Ritter, denn er habe eine Feder auf dem Hut und trage ein seidenes Wams. Er sei schon ganz nahe. Das Schlimme sei nur, daß er ein Schwert an der Seite trage; man könne also nicht wissen, was er im Schilde führe.

»Schwert oder nicht Schwert,« brüllte der Hutmacher so mutig, zornig und laut, daß die Luft dröhnte; »wir müssen ihm am Kreuzweg auflauern und ihm seine Habe abnehmen. Der Schneider wirft dem Pferde eine Schlinge um den Hals, der Schuster zieht den Ritter vom Roß herunter, und ich packe ihn dann von hinten!«

In diesem Augenblick wieherte ein Pferd, und die drei Räuber rannten so schnell als möglich nach dem nahen Kreuzweg. Als nun der Ritter ankam, sprangen sie ihm mit einem fürchterlichen Geschrei entgegen.

Und was nun kam, geschah alles blitzschnell. Der Ritter entriß dem Schuster die Schlinge und warf sie ihm selbst um den Hals, er zog den Schneider zu sich aufs Roß hinauf und packte den Hutmacher von hinten am Halswirbel. Darauf stieg er gelassen vom Roß herab, nahm auch den Schuster mit hinunter und legte alle drei Räuber sacht, aber bestimmt auf die Erde, mit den Nasen in den aufgeweichten Boden hinein. Dann befahl er ihnen, nur recht still zu liegen, da sie ja nicht wissen könnten, was er im Schilde führe, räumte ihnen die Taschen aus, was sie da noch an Wurst, Speck und Tabak hatten, zählte jedem mit der flachen Klinge seines biegsamen Degens zwanzig ansehnliche Streiche auf den Hosenboden, stieg dann wieder zu Roß und ritt langsam davon, indem er mit fröhlicher Stimme sang:

»Es ist so schön der Morgen
Im frohen Sonnenlicht,
Kein Kummer und keine Sorgen
Drücken mein Herze nicht!«

Als der Ritter um die nächste Waldecke verschwunden war, hob der Hutmacher die Nase aus dem Schlamm, nieste kräftig und sagte:

»Unser Anschlag ist fehlgegangen!«

Nun erhoben sich auch die beiden anderen, gaben dem Hutmacher recht und waren allesamt äußerst betroffen.

»Wir werden uns nach einem friedfertigeren Gewerbe umsehen müssen,« klagte der Schuster. Sie wußten aber keines, denn es waren kümmerliche Zeitläufte.

So saßen sie am Kreuzwege und fingen schließlich alle drei an bitterlich zu weinen.


Plötzlich fuhren sie zusammen, denn es kam ein Mann gegangen.

»Der Ritter!« schrie der Schneider und wollte entfliehen. Doch der Fremdling war schon da. Er führte das Roß des Ritters am Zügel und trug seine Kleider und Waffen; aber es war der Ritter nicht.

Der Fremde machte erstaunte Augen, als er die drei sitzen sah, und fragte:

»Was sitzt ihr drei armen alten Frauen hier und weinet?«

»Wir sind keine alten Frauen,« schluchzte der Schuster, »wir sind Männer. Junge Männer!«

»I der Dauz,« rief der Fremdling erstaunt, »junge Männer seid ihr! Wer hätte das gedacht! Aber sagt mir, warum weinet ihr?«

»Weil es uns so schlecht geht,« heulte der Schneider.

»Schlecht geht? Wieso? Wie kann es einem jungen Mann schlecht gehen? Sehet mich an! Ich bin ein Räuber. Mir geht es gut. Werdet auch Räuber, und es wird auch euch gut gehen!«

»Wir sind ja Räuber!« sagte der Hutmacher kleinlaut.

Da lachte der Fremde so laut, daß sich das Roß aufbäumte und dem Schneider einen Tritt auf die Schulter gab.

»Ach, ihr seid Räuber? O, welch ein Spaß! Welch eine Überraschung! Warum aber habt ihr euch alsdann den reichen Rittersmann entgehen lassen, der vor einer Stunde hier vorbeizog? Seht mich an; ich bin ein einzelner Mann und habe dem Ritter alles abgenommen, was er besaß.«

Der Schneider log, sie hätten den Ritter leider nicht gesehen; sonst hätten sie ihn schon ordentlich ausgeraubt, denn sie seien tapfere Leute, und von alten Weibern sei keine Rede.

»Nun,« sagte der Fremde, »wenn ihr meine Kollegen seid, so sollt ihr wenigstens mit mir frühstücken.«

Er packte nun die Wurst und den Speck aus, den der Ritter vordem den dreien abgenommen hatte, und lud zum Mahle ein. Der Fremde aß aber fast alles selbst, und dem Schneider, dem Schuster und dem Hutmacher blieb nicht viel mehr als von der Wurst die Haut und von dem Speck die Schwarte. Die lagen ihnen schwer im Magen.

Während des Frühstücks erzählte der Fremde, er heiße Wolfsklaue und habe in den italienischen Abruzzen, im ungarischen Bakonywald und im Böhmerwald seine Studien gemacht. Neulich habe er sein Meisterstück gemacht, und nun wolle er hier im Riesengebirge das Räubergewerbe auf eigene Faust betreiben. Wenn es den dreien recht sei, sollten sie in seine Dienste treten; er nehme nicht mehr als die Hälfte der Beute für sich; die andere Hälfte solle den dreien überlassen sein.

Da schlugen sie ein und wurden fröhlich.


»Kameraden,« sagte nun Wolfsklaue, »wenn wir rechte Räuber sein wollen, genügt es nicht, daß wir hier am Kreuzweg sitzen und heulen oder Wurst und Speck essen, sondern wir müssen auf Taten ausgehen.«

O, da stimmten die drei anderen bei. Jahrelang, sagten sie, sehnten sie sich schon danach, mal etwas Ordentliches zu tun zu bekommen. Taten! Das sei so etwas für sie!

»Gut,« sagte Wolfsklaue, »hört mich also an. Weit im Gebirge drin wohnt ein Müller, der ist so steinreich, daß er sich alle Tage mit Seife wäscht und seine Kühe mit Apfelsinen füttert. Den wollen wir ausrauben.«

»Den wollen wir!« stimmten die drei freudig bei.

»Ja, aber die Sache ist nicht so leicht. Der Müller ist ein starker Kerl und hat vier Knechte; auch sind er und seine Leute wohlbewaffnet mit Dolchen, Pistolen und Totschlägern. Überdies hat er zwei Bluthunde.«

»Muß es nun grade der Müller sein?« fragte der Schneider.

»Jawohl. Denkt doch an sein vieles Geld. Die Sache bedarf nur der nötigen Schlauheit. Hört mich an! Ich stecke euch in Getreidesäcke und verkaufe euch dem Müller als Korn und Gerste. Er schafft euch in seine Mühle. In der Nacht schlüpft ihr aus den Säcken heraus, öffnet mir die Tür, und alles andere laßt ihr mich besorgen. Ich habe nicht umsonst in Böhmen mein Meisterstück gemacht.«

Auf diesen Plan gingen die drei ein, und am nächsten Morgen schon standen der Schuster, der Schneider und der Hutmacher als Säcke auf dem Getreidemarkt in Hirschberg.

Es war ein warmer Tag und viel Volk beisammen. Damit nun die Säcke nicht um die Gestalten schlotterten, waren sie mit Heu ausgestopft.

»Ich schwitz mich tot,« sagte der Hutmacher in seinem Sack.

»Mensch, halt dein Maul,« knirschte Wolfsklaue, »oder du verrätst uns. Schwitze im stillen!«

Nun kam ein Hund gegangen, schnubberte an dem Sacke, in dem der Schneider steckte, und fing ein wütendes Gebell an. Der Schneider erbebte; er erkannte den Hund an der Stimme; oft genug hatte er dem Köter früher einen Fußtritt gegeben. Jetzt mußte er es sich gefallen lassen, daß der Hund sich wie rasend in den Sack verbiß und ihn umriß. Alles Volk lachte.

Eine Stunde später kam der Ratspolizist. Er hatte im Auftrage der hohen Obrigkeit einzelne Säcke zu öffnen und zu prüfen, ob sie auch gutes, gesundes Korn enthielten.

»Wir sind verloren,« dachte der Schuster, als der Polizist gerade den Sack öffnete, in dem er steckte.

Zum Glück war der Polizist sehr kurzsichtig. Als er nun die Nase tief in den Sack steckte und des Schusters strohgelben Schädel sah, sagte er befriedigt:

»Ich habe lange kein Korn von so schöner goldener Farbe gesehen.«

Und er band den Sack wieder zu. Der reiche Müller, der in der Nähe stand, hatte das lobende Urteil gehört, und da die Säcke groß und prall waren, kaufte er sie um einen guten Preis und ließ sie auf seinen Wagen laden.

»Das war Zeit,« seufzte der Schneider; »ich habe schon das Zittern in den Beinen!«

»Ich schwitz mich tot!« stöhnte der Hutmacher.

»Ich schwitze so,« sagte der Schuster, »daß der Schweiß sicher schon durch den Sack dringt. Es ist wenigstens gut, daß wir jetzt liegen!«

Nun kam der Müller, befühlte die Säcke und sagte: »Oho, sie sind ja feucht! Wenn ich nur kein dämpfiges Korn gekauft habe. Es scheint bei der Ernte nicht ordentlich ausgetrocknet zu sein. Peter, lade das andere Korn auf und laß uns heimfahren!«

Der Knecht lud nun noch etwa zehn Säcke auf und warf sie mit Wucht auf die drei Räuber, welche angstvoll ihr letztes Stündlein gekommen glaubten. Sie seufzten, stöhnten, ja schrieen zuweilen, und es war nur gut, daß der Wagen, der sich in Bewegung gesetzt hatte, so laut knarrte, daß von den Angstrufen nichts zu hören war.

Der Weg von Hirschberg bis zur Mühle betrug sechs Stunden. Es war eine so schreckliche Fahrt, daß der Schuster bei sich meinte, fast sei es weniger arg, ein Paar Stiefel zu machen, als ein solch heißes und drückendes Abenteuer zu erleben. Und die beiden anderen hatten ähnlich düstere Gedanken.

Endlich ging auch dieser Schmerzensweg zu Ende. Der Wagen hielt; die Säcke wurden abgeladen. Steif standen die drei Räuber, ohne sich zu rühren. So zerschlagen und zerschwitzt sie sich fühlten, freuten sie sich doch, daß bis jetzt alles glatt abgelaufen war, und hofften auf gute Beute und auf die Zufriedenheit ihres Herrn und Meisters Wolfsklaue.

Ach, es kam anders.

»Hm! Dieses Korn scheint wirklich ganz dämpfig zu sein,« sagte der Müller; »sieh mal, Peter, die Säcke sind naß, wie wenn sie aus dem Wasser gezogen wären. Da bin ich betrogen worden. Am besten ist es, wir schaffen das Zeug bald weg. Schütte es augenblicklich in die große Schrotmühle; wir machen Schweinefutter daraus!«

Wie der Schneider etwas von der Schrotmühle und vom Schweinefutter hörte, schrie er laut auf vor Angst, warf sich um und rollte durch den Hof. Von den anderen beiden Säcken begann der eine zu hüpfen, der andere um Hilfe zu schreien. Der Peter schrie, der Müller schrie, die anderen Knechte kamen gesprungen und schrieen, die Bluthunde heulten, und es ward ein großer Lärm.

Das Ende vom Liede war, daß die Säcke geöffnet und die drei Räuber herausgezogen wurden. Triefend von Schweiß, mit angstverzerrten Gesichtern und schlotternden Beinen standen sie da, und als einer der Knechte rief:

»Die haben sich einschleichen wollen; das sind Räuber!« ging ein toller Lärm an. Der Schuster, der Schneider und der Hutmacher bekamen so viel Prügel, wie nie drei Räuber oder sonstige schlichte Bürger Prügel bekommen haben. Halb totgeschlagen wurden sie endlich zum Tore hinausgeworfen. Dort blieben sie anfangs wie betäubt liegen; dann krochen sie, hinkten sie, schleppten sie sich in den Wald hinein.

Dort trafen sie Wolfsklaue.

Als er hörte, was vorgefallen war, sprach er ihnen erst sein Bedauern aus, dann hieb er sie noch einmal durch, indem er sagte:

»Ein richtiger Räuber darf nicht zucken und mucken, auch wenn er zu Schweinefutter gemahlen werden soll.«


Wochenlang kühlten sich die Räuber ihre brennenden Gebeine. Sie lagerten sich ins weiche Moos und legten sich gegenseitig Salben und kühlende Kräuter auf. Wolfsklaue erschien nur alle drei Tage bei ihnen, brachte ihnen einige Stücke harten Brotes, das sie sich im Wasser des Baches aufweichen mußten, und tat sich selbst bei Braten und Wein lecker. Manchmal erzählte er von seinen Taten; Schlösser hatte er ausgeraubt, reisende Kaufleute überfallen und andere einträgliche Geschäfte gemacht. So strotzten seine Finger von funkelnden Ringen; er hatte in jeder der sechs Taschen seiner rotseidenen Weste eine Uhr stecken und eine Kette daran und trug in jeder Hand zwei Spazierstöcke mit silbernen Knäufen. Jedesmal kam er auf einem anderen Roß angeritten, die immer aus Arabien stammten; die gestickten Decken waren aus Persien, das Lederzeug aus England, die Beschläge aus Italien. Aus Deutschland war nichts, das wäre zu gewöhnlich gewesen.

Während nun die drei armen Kerle ihre Brotrinden aßen und sich von Zeit zu Zeit den abheilenden und darum juckenden Buckel krauten, hielt Wolfsklaue schwelgerische Mahlzeiten, funkelte mit seinen Ringen, zog seine Uhren auf und putzte seine goldenen Ketten mit einem Lederlappen.

Die drei armen Hascher sahen mit gierigen Augen zu. Und eines Tages, als Wolfsklaue wieder ganz aufdringlich geprahlt und die drei sehr schlecht behandelt hatte, sagte der Hutmacher, als sie wieder allein waren:

»Brüder, das halte aus, wer da wolle! Es ist schlimmer als ein Hundeleben! Was hat uns Wolfsklaue dagelassen? Nichts! Nicht einmal die Knochen von seinem Wildbret. Die hat er seiner dänischen Dogge gegeben. Es macht mir keinen Spaß mehr, ein so armer Teufel zu sein; ich will lieber so reich sein wie Wolfsklaue und werde das in drei Tagen erreichen.«

Der Schneider fragte den Hutmacher freundlich, ob er etwa Kopfschmerzen habe und am Gehirn leide; aber der Hutmacher verneinte das und sagte, er sei kein bißchen verrückt, sondern er habe im Gegenteil einen großartigen Plan.

Erst nach Mitternacht, als der Mond schon untergegangen war, und das kleine Holzfeuer, um das die drei saßen, erlosch, gab der Hutmacher seinen Plan kund.

»Überfallen müssen wir ihn!«

»Wen?«

Der Hutmacher zog das linke Ohr des Schneiders und das rechte des Schusters dicht an seinen Mund und flüsterte:

»Ihn – Wolfsklaue!«

Da rissen die beiden ihre Ohren los und sprangen in die Höhe. Sie schüttelten sich vor Entsetzen.

Aber als die Sonne aufging, hatte des Hutmachers große Redekunst über alle Besorgnisse gesiegt, und es war ausgemacht, das nächste Mal Wolfsklaue zu überfallen, sobald er seine Waffen abgelegt hatte und seine Dogge in den Büschen verschwand, um nach Wildfährten zu spüren. –

Der dritte Tag erschien; aber Wolfsklaue erschien nicht. Da bekamen die drei Angst, er möge am Ende von ihrem Anschlag Wind bekommen haben.

»Man kann bei ihm nie wissen, was er im Schilde führt!« sagte der Schneider besorgt. Die beiden anderen schwiegen und sahen bedrückt vor sich hin. Es war ganz still im Walde. Kein Laut rührte sich. Nur die Magen knurrten von Zeit zu Zeit im Dreiklang, oder ein Schluchzer oder Seufzer kam aus einem bärtigen, verwilderten Räubermunde.

Am vierten Tage erschien Wolfsklaue. Er trug eine flimmernde Königskrone auf dem Kopf, ein ganzes Bündel von Spazierstöcken mit goldenen, silbernen und demantenen Knäufen unter dem linken Arm, unter dem rechten hatte er ein Szepter gequetscht, und in der Hand hielt er eine goldene Kugel. Von seinen Schultern fiel ein Purpurmantel, der mit Edelsteinen übersäet und so lang war, daß er den halben Waldweg entlang schleifte. Um den Hals trug er so viel goldene Ketten, daß sich unter der Last sein Nacken krümmte; seine Brust und sein Bauch waren wie ein Spiegel, weil dort gar so viele Orden blitzten, sein rechtes Hosenbein war aus himbeerrotem Sammet, sein linkes aus bernsteingelber Seide, an dem rechten Fuß hatte er einen Stiefel von Elenleder, an dem linken einen perlengestickten Pantoffel.

Der Schneider, der Schuster und der Hutmacher sprangen ob des wunderbaren Anblicks in die Höhe und fielen dann platt auf die Nasen.

»Guten Tag, meine Herren,« sagte Wolfsklaue freundlich und lüftete die Krone; »ich freue mich, euch so wohl zu sehen. Ihr habt euch jedenfalls hier gut unterhalten. Ich habe inzwischen ein kleines Geschäft erledigt. Ich hatte eine Zusammenkunft mit dem Könige von Polen. Ihr seht, daß ich mir einige kleine Andenken mitgebracht habe. Es war wirklich sehr nett!«

Er winkte dem Hutmacher, ihm vom Pferde zu helfen, gürtete sich sein Schwert ab, das er dem Schneider übergab, nahm seine Pistole aus dem Gürtel und gab sie dem Schuster, raffte schließlich seinen Purpurmantel zusammen und legte sich auf die Erde.

»Aber anstrengend ist es, meine Herren, sehr anstrengend! Ihr glaubt gar nicht, wie müde ich bin! Siebzehn Kammerdiener und achtundfünfzig Soldaten habe ich erst entfernen müssen, ehe ich mit Se. Majestät unter vier Augen reden konnte. Gebt mir doch mal die Flasche aus der Satteltasche. Es ist alter Malvasier drin. Und füllt eure hohlen Hände dort am Brünnlein, und dann wollen wir mal auf meine Gesundheit trinken.«

Es geschah alles, wie Wolfsklaue es wünschte. Die drei armen Hascher füllten ihre Hände an der Quelle, und dann mußten sie mit der Hand an Wolfsklaues goldenem Becher anstoßen und »Zur Gesundheit!« sagen.

»Ah, das schmeckt? Nicht wahr?« fragte Wolfsklaue, als sie getrunken hatten. »Ein bißchen schwer ist der Trank; aber wie Feuer geht er durch die Adern. Nun, lassen wir es uns wohl sein! Einen Sieg, wie den meinen, muß man feiern. Ich denke, wir trinken noch ein Schöpplein!«

Wieder mußten die drei armen Hascher ihre hohlen Hände an der Quelle füllen und mit Wolfsklaue anstoßen.

»Wohl bekomm es!« sagte Wolfsklaue; »es geht nichts über einen guten Trunk. Man wird so fröhlich dabei.«

Der Hutmacher hustete sehr laut und sagte, er habe sich verschluckt.

»Immer hübsch langsam trinken,« mahnte Wolfsklaue; »immer alles mit Maßen! Ich möchte wohl noch einen dritten Becher; aber ich sehe, ihr habt schon genug, und ich bin auch müde. Ich will ein wenig schlafen. Ihr drei möget Wache stehen und mich wecken, wenn der Morgen graut. So hat jeder sein Vergnügen. Gute Nacht!«

Er schlief ein. Die Krone rutschte ihm tief in die Stirn herab, er legte das himbeersamtne Hosenbein über das bernsteingelbe, faltete die Hände auf seinem dicken, ordengeschmückten Bauche und schnarchte bald laut und tief.

Die drei anderen Räuber schauten sich an. Der Schneider wischte sich den Mund ab; der Schuster klagte, das kalte Wasser sei ihm in seine hohlen Zähne gekommen; der Hutmacher sah finster vor sich hin. Auch das Roß hatte sich gelegt, sich mit den Zähnen die schwere persische Seidendecke zurechtgezupft, so daß es nicht frieren konnte und schlief auch ein. Die große dänische Dogge verschwand im Walde, um zu wildern.

Die Nacht brach herein; der Mond verbarg sich hinter den Wolken. Da runzelte der Hutmacher die Stirn, blitzte die beiden anderen mit den Augen an und sagte leise:

»Jetzt, jetzt ist's Zeit!«

Bei diesen Worten krümmte sich der Schneider zusammen, sagte, es käme ihm in den Leib, und verschwand im Gebüsch. Der Schuster hielt den linken Fuß vorgesetzt, um zur Flucht bereit zu sein, der Hutmacher aber warf sich heulend auf Wolfsklaue, packte ihn am Halse und schrie:

»Gib alles her! Gib alles her!«

»Was – was ist – was ist los –«

Wolfsklaue rieb sich die Augen. Er sah den Hutmacher über sich knien und schrie plötzlich ganz jämmerlich:

»O weh! O weh! Ich bin überfallen! Ich habe keine Waffen! Ich bin verloren! Wehe mir! Wehe mir!«

Pardauz, lag auch der Schuster über ihm her und rief dem Hutmacher zu:

»Mach Platz! Mach Platz! Ich will ihn auch würgen!«

Und nun traute sich auch der Schneider aus dem Gebüsch, kam vorsichtig näher und hielt den Pantoffel in der Hand, den Wolfsklaue, weil er mit den Beinen um sich schlug, verloren hatte.

So wurde Wolfsklaue besiegt. Stück um Stück nahmen ihm die drei Räuber ab, zogen ihn aus bis aufs Hemd. Dann zwangen sie ihn, an der Quelle seine hohle Hand zu füllen, mit ihnen anzustoßen, die nun der Reihe nach den Becher leerten, sich hinzulegen und von jedem zehn Stockhiebe aufzählen zu lassen. Am Schluß gaben sie ihm aus Gnade den schäbigen, geflickten Mantel des Schneiders um; er mußte gegen alle vier Himmelsrichtungen hin eine Verneigung machen und zu der Räuber Gaudium laut schreien: »Ich bin ein großer Esel«, und dann wurde er in die finstere Nacht hinausgejagt.


»Nun wollen wir die Beute teilen,« sagte der Hutmacher. »Ich für meinen Teil begehre nur die Hälfte all dieser Sachen; die andere Hälfte ist für euch beide.«

»Was?« höhnte der Schuster; »wenn drei teilen, wird wohl ein jeder ein Drittel bekommen.«

Der Hutmacher schüttelte den Kopf.

»Seit Wolfsklaue besiegt ist,« sagte er würdig, »bin ich euer Hauptmann.«

Die beiden anderen brachen in ein schallendes Gelächter aus.

»Lacht nicht!« begehrte der Hutmacher auf. »Wer hat den Gedanken gehabt, Wolfsklaue zu überfallen? Ich! Wer hat ihn tatsächlich überfallen? Ich!«

»Ich auch!« rief der Schuster, »und außerdem hatte er mir sein Schwert übergeben; ich hatte euch alle in meiner Gewalt.«

»Ja, wenn ich nicht die Pistole gehabt hätte,« meinte der Schneider; »eine Pistole ist flinker als ein Schwert.«

»Wenn du schießen könntest, du Tolpatsch!« höhnte der Schuster.

»Kannst du etwa fechten, du Dämlack?« zischte der Schneider.

Da fuhren sie sich in die Haare und prügelten sich. Der Hutmacher setzte sich indessen die Königskrone auf und zählte die Dukaten, die sie Wolfsklaue abgenommen hatten. Als das die beiden Kampfhähne sahen, ließen sie ab von einander und fragten: »Was tust du da?«

»Ich zähle mir die Hälfte der Beute ab,« sagte der Hutmacher in Gemütsruhe, »Daran werdet ihr zwei Dummköpfe nichts ändern.«

Da sahen sich der Schuster und der Schneider mit einem bedeutungsvollen Blicke an, und plötzlich stürzten sie sich auf den Hutmacher und überwältigten ihn. Sie drohten, ihn zu töten, wenn er ihnen nicht gänzlich gehorsam sei. Darauf prügelten sie ihn durch, zwangen ihn, seine hohle Hand an der Quelle zu füllen und mit ihnen am goldenen Becher anzustoßen, und jagten ihn dann in die Nacht hinaus. – –

»Jetzt wollen wir zwei die Beute teilen,« meinte darauf der Schneider, »und es soll jeder seine Hälfte bekommen.«

»Jawohl,« sagte der Schuster; »aber da ich zuerst den Gedanken hatte, den Hutmacher zu überfallen, gebührt mir die größere Hälfte. Ich werde sie mir auswählen, und was übrig bleibt, sollst du erhalten.«

Damit bückte er sich zu den Schätzen nieder. Der Schneider aber griff blitzschnell nach der Pistole und dem Degen und rief:

»Laß alles liegen oder du bist ein Kind des Todes!«

Da erschrak der Schuster, und da der Schneider alles Ernstes drohte, ihn zu erschießen, entfloh er schreiend in den Wald.

So kam es, daß der Schneider, der größte Feigling unter allen, zuletzt ganz allein in dem Besitz der geraubten Reichtümer des Polenkönigs war.


Der Hutmacher und der Schuster waren sich im Walde begegnet und saßen sich grollend gegenüber. Plötzlich sahen sie Wolfsklaue daherkommen. Er ritt auf einem starken Ziegenbock und hatte einen Stecken in der Hand. Zuerst schien es, als ob er entfliehen wolle, aber dann kam er näher, grüßte demütig und sagte:

»Ich hoffe, edle Herren, daß ihr mir nichts mehr anhaben werdet. Denn sehet, ich bin ein geschlagener Mann. All mein Hab und Gut habe ich verloren; ich sitze jetzt auf einem Ziegenbock und habe einen Stecken als Waffe; ich muß also, da ich in meinem Räubergewerbe pleite geworden bin, ganz klein wieder von vorn anfangen.«

Da erzählten ihm die beiden, der Schneider sei eine Bestie, er habe sie beraubt und betrogen, und sie seien nun ebenso arm wie er.

»Man hätte es dem Schneider nicht angesehen, daß er ein so großer Held ist,« meinte Wolfsklaue nachdenklich. »Da er nun alles Geld und alle Waffen hat, ist es am besten, wir gehen hin und wählen ihn zu unserem Hauptmann.«

»Ich will lieber deinen Ziegenbock zu meinem Hauptmann wählen als den Schneider,« knirschte der Hutmacher.

»Nun, einen Hauptmann müssen wir haben,« lächelte Wolfsklaue, »und mein Ziegenbock wird die Wahl nicht annehmen. Er ist ein sehr gescheites Tier. Wählen wir also den Schuster!«

»Den Schuster?« schrie der Hutmacher. »Noch eher wählte ich den Schneider als den Schuster.«

Da saß ihm der Schuster auch schon an der Gurgel, und sie prügelten sich. Wolfsklaue aber setzte sich an den Wegrand, streichelte seinen Ziegenbock und sang mit fröhlicher Stimme:

»Im holden Waldesfrieden
Da wird der Wandrer froh,
Nichts Schönres gibt's hienieden,
Trara, trara, hallo!«

Während er noch so fröhlich sang und die beiden anderen rauften, trat etwas Seltsames in Erscheinung. Das Araberroß kam daher; ganz langsam hob es die Beine wie in zierlichem Tanz und wandte den Kopf schelmisch bald hin, bald her. In den Zähnen aber trug es ein zappelndes Bündel von Purpur, himbeerfarbenem Samt und bernsteingelber Seide, auch fiel bei jedem Schritt ein kostbarer Orden klirrend auf den Waldboden. Neben dem Roß trabte die dänische Dogge, die trug das Schwert im Maule.

Als Roß und Hund bei Wolfsklaue ankamen, legten sie ihre Bürde vor ihm nieder. Da wickelte sich aus dem zappelnden Bündel erst eine Königskrone heraus, aus der unten nur die Stumpfnase und der Ziegenbart des Schneiders hervorschauten; dann kam der ganze Schneider zum Vorschein, und eine meckernde Stimme rief um Gnade.

»Nun also!« rief Wolfsklaue und nahm das Schwert an sich, »so sind wir ja alle wieder beieinander.

O, tut das Scheiden noch so weh,
Ich weiß, daß ich dich wiederseh.«

Er blitzte mit den Augen.

Der Schneider, der Schuster und der Hutmacher warfen sich nun vor Wolfsklaue nieder und baten und wimmerten um Verzeihung.

Wolfsklaue sagte gar nichts. Er band den Schuster an den Halftergurt und den Schneider an den Schweif seines Rosses, legte den königlichen Schmuck wieder an, schwang sich auf das Roß und befahl dem Hutmacher, sich auf den Ziegenbock zu setzen, denn er verdiene eine Auszeichnung.

Dann ritt Wolfsklaue zwei Tage und zwei Nächte lang ohne zu rasten über das ganze Riesengebirge weg und kam mit seinen Gefährten in das Land Böhmen.


Diese Reise war für die drei, die nicht auf dem Pferde saßen, äußerst beschwerlich. Der Schuster mußte so rasch traben, daß ihm oft der Atem ausging, der Hutmacher saß auf dem Ziegenbock wie auf einem schlingernden Schiff, das in schwerem Sturm hin- und herstößt, bald hoch, bald niedrig geht und seinem Passagier sehr übel am Magen mitspielt, und der arme Schneider am Pferdeschwanze verlebte erst recht keine gute Zeit. Das Roß nahm in keinerlei Weise Rücksicht auf ihn. Das Schlimmste aber geschah, wenn sich dem Hengst eine Fliege in die Flanke setzte. Dann hob er den mächtigen Schweif und hieb ihn samt dem Schneider nach der Fliege, daß dem armen Kerl, der so durch die Luft sauste, Hören und Sehen verging.

Wolfsklaue aber pries die Annehmlichkeiten der Reise und die Schönheit des Gebirges und sang fröhliche Wald- und Wanderlieder.

Als sie nun nach Böhmen kamen, wurde endlich Rast gehalten. Die drei armen Hascher fielen wie tot auf das grüne Moos und schliefen drei Tage und drei Nächte lang. Dann weckte sie Wolfsklaue und sagte, plötzlich wieder sehr freundlich:

»Liebe Kameraden, es tut mir leid, euch in eurem kurzen Schlummer stören zu müssen; aber wir müssen nun endlich ausführen, was wir uns vorgenommen haben; wir müssen auf Taten ausgehen.«

»Herr,« meinte der Hutmacher, »ich bitte euch, gebt mir Urlaub. Ich will mein Räuberleben beenden. Ich kann ein wenig singen und Gitarre spielen; da will ich sehen, wie ich mich hierzulande durchschlagen kann.«

»Wäre noch schöner,« rief Wolfsklaue, »in Böhmen betteln und singen zu gehen, ist das Dümmste von der Welt; denn die Hälfte aller Böhmaken sind selbst Bettler oder Musikanten.«

»Ich,« sagte der Schneider, »möchte mich als Bauernknecht vermieten.«

»Und ich,« sagte der Schuster, »will wieder Stiefel machen.«

»Mensch, willst du wieder ein Verbrecher werden?« fuhr ihn Wolfsklaue an. »Willst du, daß die Menschheit erlahmt und lauter Hinker durchs Leben schreiten? Nein, nein, es wäre jammerschade um drei so verwegene Gesellen wie ihr seid. Ihr, die ihr sogar Wolfsklaue besiegt habt!«

Da schlugen die drei die Augen nieder. Wolfsklaue aber machte ihnen mit gedämpfter Stimme Mitteilung von einem großen Plan, durch dessen Ausführung sie alle zu unerhörtem Reichtum gelangen würden, und der außerdem sehr lustig und unterhaltsam sei.

Weiter drin in Böhmen sei ein herrliches Schloß, das berge so große Reichtümer, daß sich der Kaiser aus Wien daselbst fast alles Geld borge, dessen er bedürfe. Und das wolle etwas heißen! Sich zum Herrn dieses Schlosses zu machen, sei nun Wolfsklaues Ziel. Er vermöge das aber nicht allein, sondern bedürfe dazu der Hilfe seiner drei guten, lieben Freunde.

Die drei »guten lieben Freunde« schlugen wieder schamhaft die Augen nieder; aber Wolfsklaue klopfte sie vertraulich auf die Schultern und sagte in herzlichem Tone:

»Brüder, denkt nicht mehr an die alten Tage. Es waren Zeiten der Trübsal und der Prüfung. Sie sind nun vorüber, und eine bessere Zeit bricht für uns alle an. Kommt ein bißchen tiefer mit mir in den Wald hinein und seht, was ich mich herbeizuschaffen bemüht habe, indes ihr euch nach der langen beschwerlichen Reise ausruhtet.«

Da gingen sie mit ihm tiefer in den Wald und kamen in eine Räuberhöhle, von der man nichts anderes sagen kann, als daß sie höchst luxuriös war. Während der Fußboden mit echten und unechten Bärenfellen belegt war, hingen an den Wänden gerahmte und ungerahmte Bilder, die alle große Räuber- und Heldentaten darstellten und prachtvolle rote und grüne Farben hatten. Flinten, Schwerter und Spieße hingen an den Wänden, die ganz mit Edelsteinen besetzt waren, die kleineren stammten aus dem siebenjährigen, die größeren und wertvolleren aber aus dem dreißigjährigen Kriege. Der Raum wurde taghell beleuchtet von sieben Spitzbubenlaternen, die rubinrote Scheiben hatten, und in der Mitte der Höhle stand eine Tafel, da perlte in kristallenen Flaschen der köstlichste Branntwein, und auf goldenen und silbernen Tellern lagen Pökelfleisch und Sauerkraut.

Den drei Räubern liefen vor Rührung Tränen im Auge und das Wasser im Munde zusammen.

»Ach,« seufzte der Schuster, »ach, wenn wir bloß nicht wieder aus einer Wasserquelle trinken müssen!«

Diesmal aber kam's anders. Die Räuber aßen so reichlich und tranken so viel, daß sie nach der Mahlzeit auf den Bärenfellen einen Schlaf taten, der fünf Tage und fünf Nächte lang war, worauf sie sich lächelnd und gestärkt von ihrem Lager erhoben.

»Nun,« sagte Wolfsklaue, »wollen wir unsere große Tat vorbereiten. Das Schloß ist so wohl bewacht, daß es nur durch äußerste Klugheit und Tapferkeit gelingen wird, uns zu seinem Herrn zu machen. Mein Plan ist der, daß ich euch drei zunächst als meine geheimen Boten nach dem Schlosse absende.«

Alle drei Räuber machten abwehrende Handbewegungen und schüttelten heftig die Köpfe. Wolfsklaue lächelte.

»Ich schicke euch natürlich nicht so, wie ihr hier vor mir steht, sondern in einer geschickten Verkleidung, so daß euch sicher niemand erkennen wird, zumal ich euch eure Rollen gut einstudieren werde. Du, Hutmacher, hast eine schöne Stimme und spielst die Gitarre. Ich werde dir ein schönes Gewand besorgen, und du wirst als Minnesänger nach dem Schlosse ziehen. Dir, Schuster, schaut Tapferkeit und ritterlicher Mut aus den Augen; ich werde dich in der Kunst des Kämpfens unterweisen und dich ausstatten wie einen Ritter aus dem Morgenlande. Du, Schneider, bist ein pfiffiger und gewandter Geist, du wirst als handelnder Jude in das Schloß eindringen.«

Da versanken die drei in tiefes Nachdenken, bis schließlich einer fragte:

»Und du – was wirst du tun?«

»Ich komme nach euch, wenn ihr den Weg für mich geebnet habt. Alsdann erscheine ich als Prinz von Czernagora. Der Minnesänger muß den Rittern und Edelfrauen sehr viel von den Tugenden und der Schönheit dieses Prinzen vorsingen; der Ritter muß sich nach großen Heldentaten als den geringsten unter den Mannen jenes Prinzen bezeichnen; der Jude muß erzählen, daß der Prinz reich genug ist, ihm alljährlich für viele Millionen Edelsteine abzukaufen, und wenn dann der Prinz einzieht, das heißt, wenn ich komme, werden alle Herzen schon so in Achtung und Liebe für mich entbrannt sein, daß es mir ein leichtes sein wird, mich eines Tages als den Herrn und Gebieter der Burg ausrufen zu lassen.«

»Und was wird dann aus uns?« fragte der Hutmacher.

»Euch drei erhebe ich dann in den Adelstand und statte euch aus mit großen Gütern.«

Einen ganzen Tag und eine ganze Nacht lang mußte Wolfsklaue noch reden, ehe er den dreien ihre vielerlei Bedenken aus dem Kopf geschlagen hatte und sie sich bereit erklärten, die ihnen zugedachten Rollen zu übernehmen.

Dann begann der Unterricht.

Der Schuster lernte reiten und kämpfen; der Hutmacher saß den ganzen Tag im Walde, klimperte auf einer Gitarre und sang zärtliche oder lobpreisende Lieder dazu; der Schneider ging mit einem Hausiererkasten von einem Baum zum anderen und bot ihnen mit artigen Bücklingen und überzeugenden Handbewegungen seine Waren an. Wolfsklaue war der Lehrmeister, gab alles an, überwachte alles, lobte oder tadelte und sorgte für alles, was die drei brauchten.


Eines Tages sagte Wolfsklaue zu dem Schuster:

»Jetzt reite aus. Glaube mir, daß dir kein Ritter im Morgen- und Abendland gleicht. Du bist ganz einzig in deiner Art. Reite dahin und verkündige den Ruhm des kommenden Prinzen von Czernagora.«

Der Schuster trug eine blitzende Rüstung, hatte eine Lanze in der Hand, die neun Ellen lang war, und saß auf einem prachtvollen Roß. Sein strohgelber Schädel war von einer schwarzen Perücke wohltuend überdeckt, und selbst sein Auge hatte etwas Kühnes bekommen.

So ritt er dahin. Wolfsklaue in der bescheidenen Tracht eines Dieners zeigte ihm den Weg. Er gab ihm noch einmal viel gute Lehren, sagte ihm, er solle mit tapferen Rittern sich im Turnierkampf messen und, wenn er gesiegt habe, ja nicht vergessen, zu sagen, daß er nur der bescheidenste aller Mannen des czernagorischen Prinzen sei.

Der Schuster sagte zu allem »Ja!« Im Innern aber dachte er:

»Daß ich ein Esel wäre, wenn ich gesiegt habe, mich als einen geringen Mann zu bezeichnen. Dann werde ich mich schon in anderem Lichte zeigen, und wer weiß, ob sie nicht mich selbst zum Herrn der Burg ausrufen.«

So kamen sie auf eine waldige Berghalde und sahen in der Ferne die leuchtenden Zinnen der Burg. Sie lag im hellen Sonnenlicht; dreizehn Türme und viele Erker schmückten sie gar herrlich; eine starke Mauer umgürtete ihre vielen Gebäude und Höfe, und vier Wallgräben zogen sich um sie her, davon war der erste mit Wasser, der zweite mit Tinte, der dritte mit Schwefelsäure, der vierte mit glühendem Blei gefüllt, so daß es für alle Feinde sehr mühsam war, die vier Gräben zu durchschwimmen.

Als der Schuster die Burg sah, wurde ihm übel. Aber Wolfsklaue gab ihm aus einem Fläschchen zu trinken, das einen ungeheuren Mut in die Adern des Schusters ergoß, und so zog er wohlgemut dahin, nachdem Wolfsklaue ihm glückliche Reise gewünscht hatte und umgekehrt war.

Von den dreizehn Türmen des Schlosses klangen die Hornsignale der Wächter, daß ein Fremder daherziehe. Der Schuster dachte: die blasen so niederträchtig laut, daß mir noch mein Roß scheu werden wird. Da sah er auch schon, wie sich auf den Söllern und Mauern der Burg hunderte von edlen Rittern, wunderschönen Edeldamen und allerhand Kriegsvolk ansammelte, um nach dem nahenden Fremdling auszuschauen. Der Schuster hob seine neun Ellen lange Lanze zum Gruß, und der Federbusch auf seinem Helm spielte im Winde. Er kam sich ganz herrlich vor, und alle Angst war verschwunden.

Da begegnete ihm auf einem Kreuzweg ein Reiter.

»Hallo,« dachte der Schuster, »das ist der rechte Mann, einen Waffengang mit ihm zu wagen und vor allem Volk auf der Burg meine Tapferkeit und Geschicklichkeit zu erweisen.« Er nahm also seinen Helm ab, machte eine Verneigung und sagte: »Entschuldigt, edler Herr, beliebt es vielleicht, Euch im ritterlichen Kampfe mit mir zu messen?«

Ein Gelächter erscholl von der Burg, und der Reiter lachte auch. Da faßte den Schuster ein wilder Zorn, er trieb sein Roß an, stürmte gegen den Reiter, hob die Lanze und bohrte sie tief – in die Luft neben dem Reiter. Er selbst verlor ob des Anpralls das Gleichgewicht und purzelte in den Straßengraben.

Nun rasselte die Zugbrücke der Burg; Ritter und Damen eilten herbei, und die Ritter lachten so tief und schauerlich, daß es klang, wie wenn alte Wagen mit eisernen Rädern über spitze Steine fahren, oder wie wenn man mit klobigen Hämmern auf leere Fässer schlägt, und die Damen girrten und zwitscherten wie silberne Tauben in der Luft oder wie blaue Schwalben am Dachsims.

Das verdroß den Schuster; er arbeitete sich aus dem Graben heraus, verlor dabei seinen Helm und seine schwarze Perücke, stand mit seinem strohgelben Schädel da, machte ein dummes Gesicht und schrie:

»Ich bin der beste Ritter des Prinzen von Czernagora.«

O, wie rollten die Wagen, wie dröhnten die Fässer, wie girrten die Tauben, wie zwitscherten die Schwalben!

»Mit einem Knecht, mit einem waffenlosen, ganz gewöhnlichen Roßknecht hat er angebunden, und ist von ihm besiegt worden! Welch ein Spott, welch ein Spott!«

So lachte und höhnte es von allen Seiten.

Nun trat ein hoher Herr in königlichem Schmuck aus der Menge. Es war der Burgherr. Der sprach:

»Der Prinz von Czernagora ist mein Todfeind. Wenn dieser Mann zu seinen Rittern gehört und er sich von meinem Knechte hat werfen lassen, so nehmt ihn und bringt ihn ins Verließ. Wir werden Gericht über ihn halten.«

Schwapp – lag der Schuster auf den Knien. Er warf seine Lanze von sich, hob bittend beide Hände auf und flehte:

»Seid gnädig, Herr, und glaubt ja nicht, daß ich ein tapferer Ritter sei. Nein, ich bin nur ein Schuster, ein Schuster aus Hirschberg, und wenn Ihr das nicht glauben wollt, so will ich Euch augenblicklich ein Paar Stiefel fertigen.«

»Das verhüte Gott,« sagte der Burgherr mit Ernst. »Nehmt ihn und führt ihn ins Verließ!«

So geschah es. Und als der Tag vergangen war und der Mond über die Waldberge wanderte, schien er auch durch eine winzige Mauerlucke in das bleiche Gesicht des Schusters, der in seinem feuchten Verließe saß und um den die Ratten und Mäuse tanzten, wie es nun einmal in den Burgverließen traurigerweise Mode ist.


Drei Tage darauf sagte Wolfsklaue zu dem Hutmacher:

»Nun singst du über alle Maßen schön und lieblich. Du kannst den Text, die Melodie und die Begleitung; also bist du über alle Nachtigallen des Waldes, die nur die Melodie können. Reite aus, edler Sänger, und verkünde auf der Burg die Schönheit und die Macht des Prinzen von Czernagora.«

Der Hutmacher stimmte seine Gitarre, setzte sich auf den zahmen Schimmel, den ihm Wolfsklaue besorgt hatte und zog gen die Burg. Als er ihrer ansichtig wurde, stimmte er die Gitarre aufs neue und sang ein schönes Weihnachtslied. Die Julisonne brannte ihm dabei auf den Rücken, und nach einiger Zeit dachte er sich: Die Leute werden meinen Gesang nicht hören, denn die Burg ist wohl noch gut eine Meile entfernt. Also ritt er auf seinem zahmen Schimmel noch etwa zwei Stunden lang vorwärts, und da er dadurch der Burg sichtlich näher gekommen war, stimmte er seine Gitarre und sang ein neues Lied:

»Ich bin ein Minnesänger
Und komm aus Morgenland,
Die schönsten Saitenklänger
Rühr ich mit meiner Hand.«

Trara! Trara! fingen die Wächter auf den dreizehn Türmen an zu blasen, so laut und dröhnend, daß die nächsten dreizehn Strophen des Minnesängerliedes nicht einmal von dem zahmen Schimmel gehört werden konnten. So brach der Hutmacher schon nach der zwölften ab und fragte sich, ob er sich als Sänger über solch schmetternden Empfang eigentlich freuen oder ärgern solle.

Zunächst ärgerte er sich. Aber bald leuchteten seine Augen auf. Das Burgtor öffnete sich, und an die dreißig schöne Jungfrauen traten heraus. Sie waren alle weißgekleidet, trugen goldene Gürtel um die Hüften, grüne Kränze im Haar und lichtblaue Schleier darüber. In den Händen hielten sie Rosen und bunte Blumen.

Der Hutmacher stieg von seinem Roß und machte dreißig Verneigungen. Darob lächelten die holden Mädchen; dann stellten sie sich im Halbkreise auf und begannen mit glockenhellen Stimmen zu singen:

»Gegrüßt sei mit Blumen und Rosen,
Du Ritter im Sängerkleid,
Viel Frauenaugen sie kosen
Die Stirne dir, von Musen geweiht.
Da schläft wie in heiligen Schächten
Der edlen Gedanken Gold,
Da blüh'n wie in Wundernächten
Die Märchenblumen so hold,
Da ist das tiefe Verstehen,
Das tiefste Erbarmen zu Haus,
Da wohnt das geistige Sehen
In Weiten und Zeiten hinaus,
Da hat seine heimlichen Bronnen
Der Schönheit gewaltiger Strom,
Da hat sich der Herrgott ersonnen
Der Menschheit heiligen Dom.«

O, war das noch ein Klang? War das noch eine Melodie? War das nicht wie ein Silberrieseln, das vom blauen Himmel heruntertaute? Die Mädchen standen in ihrer großen Schönheit wie Engel im reinen Licht, als sie das sangen.

Und der Hutmacher fiel mit dem Gesicht auf die Erde, bohrte seine Stirn tief in den Rasen und weinte bitterlich. Als die holden Mädchen erschreckt näher kamen, rief er:

»Ich schäme mich! Ich schäme mich! Schaut meine Stirn nicht an!«

»Ei warum denn nicht, du fremder Sänger?«

»Ich bin kein Sänger – ich habe euch betrügen wollen – ich bin nur ein Hutmacher und ein Räuber!«

Erschreckt standen die Jungfrauen zur Seite. Da kam der Burgherr und fragte strenge:

»Wer hat dich gesandt?«

»Der Prinz von Czernagora!« gestand der wimmernde Mann.

»Führt ihn in das Verließ!« befahl der Burgherr. Das geschah, und es nutzte gar nichts, daß sich die Mädchen bemühten, für den armen Tropf Fürsprache einzulegen.


Der Schneider übte sich gerade in der Hausiererkunst, indem er einem alten Tannenbaum durchaus ein Paar Hosenträger aufschwatzen wollte, als Wolfsklaue an ihn herantrat und sprach:

»Nun ist's Zeit, lieber Freund, daß du dir andere Kundschaft aussuchst. Ziehe hin nach dem Schloß, mache dich angenehm durch dein Benehmen und deine Waren, und erzähle vom Reichtum des Prinzen von Czernagora.«

»Sie werden mer derkennen,« sagte der Schneider in seinem jüdischen Dialekt.

»Nein, se werden der nich erkennen,« beschwichtigte ihn Wolfsklaue. »Ich sage dir, Schneider, du bist ein Itzig, wie er sein soll.«

In der Tat sah der Schneider aus wie ein jüdischer Händler. Wochenlang hatte er sein Gesicht den Sonnenstrahlen aussetzen müssen und sich nicht mehr waschen dürfen, so daß er eine schöne dunkle Hautfarbe hatte; Wolfsklaue hatte ihm eine Perücke mit langen schwarzen Locken verschafft, ihn auch sonst ganz richtig ausstaffiert, ihm sogar den leutselig verschmitzten Blick solcher Händler einstudiert.

Nun übergab ihm Wolfsklaue zwei Kästen. In dem oberen waren allerhand billige, aber bunte und schön anzuschauende Gebrauchsgegenstände für das Dienstvolk; in dem unteren lagen prachtvolle Goldgeschmeide und herrliche Edelsteine in allen Farben und Größen für Ritter und Edelfrauen.

Der Schneider nahm Abschied und machte sich auf den Weg. Als er allein im Walde war, öffnete er den unteren Kasten, betrachtete die Kostbarkeiten und dachte bei sich:

»Was nutzt es mir, wenn ich diese schönen Dinge auf der Burg verkaufe? Der Prinz von Czernagora wird kommen und mir den Erlös abnehmen. Höchstens werde ich einen kleinen Profit behalten. Besser ist es, ich wandere nach Prag, verkaufe dort meine Waren und freue mich dessen, was ich dafür erhalte.«

Also machte sich der Schneider nicht auf den Weg nach der Burg, sondern marschierte auf der Landstraße gen Prag. Als er aber einen halben Tag gewandert war, kam ihm plötzlich Wolfsklaue entgegen. Der Schneider erschrak des Todes. Wolfsklaue aber lächelte und sagte:

»Schneider, du verläufst dich! Hier geht es nach Prag. Die Burg liegt dir genau im Rücken. Sei also so freundlich und kehre um. Ich werde dich begleiten, bis du durch die Burgpforte hineingegangen bist, damit du dich nicht noch einmal verirrst.«

Der Schneider knirschte innerlich vor Wut über diese Begegnung; äußerlich aber mußte er tun, als freue er sich sehr, daß er vom unrechten Weg abgebracht worden war, und mußte sich Wolfsklauens Begleitung gefallen lassen, der mit ihm ging, bis die Burg in Sicht war, und sich dann unter einem Baum auf die Lauer setzte.

So wanderte der Schneider den Talweg entlang der Burg zu. Auf einer Wiese sah er ein Mädchen stehen. Es war eine Gänsehirtin. An die ging er heran, lüftete seine Kappe und sagte:

»Scheens Freilein, woll'n Se vielleicht kaufen ä Paar hochfaine Strumpfbänder?«

Das Mädchen lachte mit seinem kirschroten Mund, daß man alle ihre schönen weißen Zähne sah, und sagte:

»Ich habe noch nie Strümpfe gehabt; ich gehe immer barfuß. Und ich habe noch nie einen Pfennig Geld in der Hand gehabt.«

»Dumme Gans!« brummte der Schneider und klappte den Kasten zu.

Da kam des Wegs eine Edeldame geritten. Sie war prächtig aufgeputzt, trug einen Falken auf dem Finger, und hinter ihr ritt ein Forstmann. Als sie den Schneider sah, hielt sie ihr Roß an und rief:

»Heda, Hebräer, was hast du Schönes in deinem Kasten?«

Der Schneider stürzte herbei, machte eine Verneigung, sah der Dame ins Gesicht und stotterte:

»Ich könnte Euch geben, gnädigste Frau Ferstin, ä sehr ä gutes Mittel gegen rote Nase.«

»Pfui!« schrie die Dame und sprengte davon. Der Forstmann aber hieb dem Schneider mit der Reitpeitsche den Buckel ganz jämmerlich voll und sagte:

»Ich werde dich lehren, du schmutziger Kerl, unsere Frau Burggräfin zu beleidigen. Ich schlag dich auf der Stelle tot!«

Der Unmensch hätte es vielleicht auch getan, wenn nicht die Burggräfin zurückgekommen wäre.

»Laß ihn am Leben,« rief sie, »laß ihn vorläufig am Leben! Er soll mir erst sagen, ob er meine Nase wirklich für rot hält.«

»Gnädigste Burggräfin,« wimmerte der Schneider, »Eure allerdurchlauchtigste Nase ist so weiß und stattlich wie die Schneekoppe im Winter.«

Das besänftigte die Dame.

»Ich will ihm Gnade widerfahren lassen,« sagte sie milde, »weil er seinen Irrtum eingesehen und ihn so poetisch widerrufen hat. Zeige er, was er im Kasten hat.«

Da öffnete der Schneider den unteren Kasten, und wie die Sonne hineinschien, blitzte und gleißte es von Diamanten, Rubinen, Saphiren und Opalen. Die Burggräfin sprang entzückt vom Pferde.

»Das ist das Schönste, was ich gesehen habe, das Allerherrlichste, das Allerwundervollste! Was soll dieser Stein kosten?«

Sie griff mit zitternder Hand nach einem Diamanten, der so groß war wie ein Gänseei.

»Gnädigste Burggräfin,« sagte der Jude; »den Stein habe ich abgekauft dem Kaiser von Persien selbst um die zehntausend Golddukaten. Er hatte gehabt gerade Ausverkauf, sonst hätt' ich ja beileibe den Stein nich gekriegt so spottbillig. Er is unter Brüdern wert ä Königreich. Aber da mer is mei Läben noch mehr wert als ä Königreich, und da mer hat geschenkt die Frau Burggräfin mei Läben, so schenk ich der Frau Burggräfin den Stein.«

Das Gesicht der Burggräfin wurde glühend rot wie die Sonnenscheibe. Aber dann machte sie eine hoheitsvolle Miene und sagte:

»Braver Mann, Ihr meint's gut. Aber als Burggräfin kann ich kein Geschenk von Euch annehmen; ich kann Euch den Stein nur abkaufen. Nehmt also diese fünf Gulden als Kaufpreis.«

»Auch recht,« sagte der Jude und steckte die fünf Gulden ein.

»Und nun,« sagte die Gräfin, »kommt mit auf die Burg. Wir wollen sehen, was Ihr sonst noch Schönes im Kasten habt.«

Sie übergab dem Forstmann ihren Falken, sagte, die Jagd sei für heute aus, und ritt langsam den Burgweg hinan, während der Schneider zehn Schritte weit hinter ihr herging. Als sie aber in einen dunklen Torweg kamen, winkte die Gräfin den Händler heran und raunte ihm mit hastiger Stimme zu:

»Habt Ihr wirklich ein gutes Mittel gegen – gegen –«

Hier blieb sie stecken.

»Gegen was?« fragte der Schneider und tat unbefangen.

»Gegen – gegen Nasenröte!« brachte sie mühsam heraus.

»Hier, Frau Burggräfin,« sagte der Jude wohlwollend und drückte ihr ein Büchslein Salbe in die Hand. »Ich verrat nix!« – – –

Auf der Burg wurde der Schneider von den Damen mit aufgeregtem Gezwitscher, von den Herren mit freundlichem Gebrumm und Gegrunz aufgenommen. Alle wollten die prachtvollen Steine sehen, jedes wollte wenigstens eines der köstlichen Stücke, die der Jude um ein Spottgeld abgab, für sich kaufen. Selbst der Burgherr kam und erstand einen funkelnden Rubin, der so groß wie ein Apfel war und einen prachtvollen Schmuck für einen Degengriff abgeben mußte.

In dieser Burg lebte aber wie in allen Burgen ein Alchimist. Dieser berühmte und gelehrte Mann hatte versprochen, aus Kupfer Gold zu machen und ein Lebenselixier zu brauen, das ewige Jugend verlieh. Er hatte zwar sein Versprechen noch niemals eingelöst, aber man konnte nicht wissen, ob er es nicht am ersten besten Tage tun werde. Er stand darum in hohem Ansehen.

Der Alchimist zog sich nun in seine Hexenküche zurück, kam nach einiger Zeit wieder und verkündete:

»Alles Geschmeide, das der Jude verkauft hat, und alle seine Steine sind unecht und ohne Wert.«

Da schrien die Männer, da schrien die Frauen vor Wut.

Der Schneider aber stand lächelnd da und sagte:

»Dieser Gelehrte ist ein Dummkopf. Meine Steine und mein Gold sind echt. Und wenn ihr mir nicht glaubt, so wartet, bis mein Herr, der Prinz von Czernagora, kommt, der wird es euch bezeugen.«

Kaum hatte der Jude den Namen des Prinzen von Czernagora ausgesprochen, so wurde er auch schon gepackt und flog ins Verließ. Die Goldgeschmeide und die Steine aber wurden in den Brunnen geworfen, wo sie liegen bis auf den heutigen Tag.

Nur der Burggraf behielt seinen Rubin, und die Burggräfin behielt das Büchslein mit der Nasensalbe.


So saßen die drei armen Hascher gefangen beieinander und waren in großer Betrübnis.

»Wenn ich mir's recht überlege,« sagte der Schneider, »so haben wir eigentlich in unserem Räuberberufe Pech gehabt.«

»Ein Hundeleben ist es,« knirschte der Hutmacher, »und wenn dieser Wolfsklaue nicht ein großer Schelm und Betrüger ist, so will ich mich hängen lassen.«

»Gehängt werden wir so wie so!« meinte der Schuster schwermütig.

Da kratzten sich alle drei am Halse, als ob sie etwas jucke.

Gegen Mitternacht begann ein Glöcklein zu läuten. Bang und schaurig gingen seine Klänge durch die stillen Hallen und Gänge der Burg und drangen bis ins Verließ. Da wußten die drei armen Hascher, daß ihr letztes Stündlein gekommen sei.

»Brüder,« sagte der Hutmacher, »wir müssen Abschied nehmen vom Leben. Wir wollen uns also in Liebe miteinander versöhnen und uns alles verzeihen, was wir einander angetan haben, damit auch Gott uns verzeihe.«

Sie fielen einander um den Hals, und ihre Tränen rannen heiß und schwer.

Da kamen auch schon die Schergen und schleppten sie hinauf in den Burghof. Dort stand unter einer großen Linde der Richtertisch. Ein Totenkopf lag darauf und ein Schwert. Der Burgherr saß auf dem hohen Richterstuhl, und um ihn herum im Halbkreis saßen sieben schwarz vermummte Männer. Der Nachtwind rauschte in dem Gezweig des großen Baumes, und die rotbrennenden Fackeln flackerten und warfen blutige Lichter über den Hof und das graue Gemäuer.

Der Burgherr erhob sich und sagte:

»Diese drei Schelme haben als Verräter und Betrüger in meine Burg eindringen wollen; sie sind gekommen als die Abgesandten meines Todfeindes, des Prinzen von Czernagora. Was dünkt euch, ihr ehrenwerten Richter, daß mit ihnen geschehen soll?«

»Sie sollen des Todes sterben!« sagten die Richter.

Da schlug der Burgherr mit dem Richtschwert dreimal auf den Tisch und bestätigte das Urteil:

»Sie sollen des Todes sterben!«

Darauf wurden die drei armen Hascher aus der Burg hinausgeführt in die dunkle Nacht. Das Glöcklein läutete, und eine Trommel schlug die dumpfe, einförmige Todesmusik. Bis zum Galgenberge ging es, da ragten drei Richtgerüste gegen den Nachthimmel auf. Die drei Räuber wurden gehängt, und der ganze Troß von der Burg kehrte augenblicklich um.

Nun zappelten die drei armen Hascher. Der kalte Angstschweiß rann von ihren Stirnen, und ihre Züge verzerrten sich. Noch läutete das Glöcklein. Ein Schwarm schwarzer Raben flatterte zu Häupten der Gehängten, und drei Eulen saßen am Boden, die glühten sie an mit unheimlich funkelnden Augen.

Plötzlich brach ein Roß aus dem Gebüsch. Wolfsklaue saß darauf. Er stieß ein höhnisches, teuflisches Gelächter aus, blökte den dreien die Zunge heraus und jagte davon.

Dann kam ein Zug von Männern. Der Müller mit seinen Knechten war es, den die Räuber einmal hatten überfallen wollen. Die Männer lachten verächtlich und zogen vorbei.

Der Polenkönig kam geritten mit siebzehn Kammerdienern und achtundfünfzig Soldaten, und er trug die Krone und den Mantel und hatte die himbeersamtne und bernsteingelbe Hose an.

Zuletzt kam ein alter Mann. Er hinkte, hatte ein närrisch kleines Hütlein auf dem weißhaarigen Kopf und zwei Buckel auf seinem Rücken. Er blickte die drei Gehängten an und sagte:

»Ehe ihr sterbt, will ich euch noch einmal danken dafür, daß ihr mich so schön ausstaffieret habt. Sehet die Stiefel, den Rock und den Hut, die ihr mir für gutes Geld gemacht habt!«

Da hoben die drei armen Hascher in ihrer schweren Todesnot mit der letzten Kraft bittend die Hände zu ihm hin. Er aber sagte:

»Würdet ihr brave und geschickte Handwerker werden, wenn ich euch von da oben herunterhelfen würde?«

Sie nickten, und es war schrecklich anzusehen, wie eifrig sie nickten.

Da besann sich der alte Mann noch ein wenig, dann zog er sich ächzend die Stiefel aus, legte umständlich den Rock ab und nahm langsam den Hut vom Kopf. Die drei Gehängten sahen ihm mit stieren, angsterfüllten Augen zu.

Endlich kletterte der Alte an dem Galgen hoch, löste die drei Ärmsten und ließ sie schwer ins Gras hinunterfallen. Dort lagen sie lange, halb bewußtlos und schwer röchelnd. Der Alte flößte ihnen ein wenig Wein ein, und als sie sich erholt hatten, gebot er ihnen, mitzukommen. Mit schwankenden Schritten und leise weinend gingen sie hinter ihm her. Sie wanderten lange und kamen ums Morgengrauen an einen Scheideweg. Drei Straßen führten dort hinaus ins Land. Da machte der Alte halt und sprach in großem Ernst:

»Ein neuer Lebensweg liegt nun vor einem jeden von euch. Wenn ihr auf diesen drei Straßen wandert, so wird jeder zu einem tüchtigen Handwerksmeister kommen. Bei diesem mag er in die Lehre treten. Er mag sich ja nimmer einbilden, je ein Meister gewesen zu sein, sondern demütig und treu ein Lehrling sein, der auch dann nicht murrt, wenn es einmal mehr Püffe und harte Worte gibt als gute Kost und faule Zeit. Drei Jahre beträgt die Lehrzeit. Haltet ihr sie aus, so ist euch geholfen; lauft ihr fort oder seid faul und frech, so werdet ihr, ehe die Sonne dreimal untergegangen ist, wieder am Galgen hängen. Geht in Frieden!«

Da wanderten die drei ein jeder seinen Weg, und der Alte stand da und sah ihnen nach, bis die Sonne aufging und sein ehrwürdiges Haupt verklärte.


Drei Jahre waren vergangen. Vor der Stadt Hirschberg lag ein kleiner Platz, darauf mündeten drei Wege. Von Osten her kam ein Mann, der trug sieben Paar Stiefel und Schuhe über der Achsel; von Süden her kam einer, der hatte auf einem Karren eine ganze Menge Kleider geladen; von Westen kam singend einer dahergeeilt, der führte in Beuteln und Schachteln sieben Hüte mit sich.

Und als sie alle drei auf den kleinen Platz kamen, blieben sie erst erschrocken stehen, fielen sich dann um den Hals und fingen an zu lachen und zu weinen vor lauter Freude.

»Hutmacher!« »Schneider!« »Schuster!« »Freund!« »Bruder!« »Kamerad!« so ging es in hellem Jubel durcheinander. –

»Nun, wie ist es euch inzwischen ergangen?« fragte endlich einer.

Da machten sie alle betroffene Gesichter und kratzten sich hinter den Ohren. Sie erzählten sich weiter nichts; es dachte sich jeder schon von selbst, wie es dem anderen ergangen war.

Aber gelernt hatten sie etwas, und die letzten Waren, die sie gefertigt hatten, durften sie nun als ihr Eigentum auf dem Markt von Hirschberg verkaufen, um einen Grund zu legen für ein neues Geschäft.

So zogen die drei fröhlich in Hirschberg ein und schlugen ihre Verkaufsplätze dicht nebeneinander auf. Sie waren voll der besten Hoffnung. Plötzlich aber erbleichten sie. Der Müller, den sie einmal hatten ausrauben wollen, kam auf sie zu und neben ihm ging der Ratspolizist.

»Es ist aus,« sagte der Schuster.

»Ja!« hauchte der Schneider.

Helden waren sie immer noch nicht geworden. Der Müller aber kam ganz freundlich näher, kaufte einen Anzug, ein paar Stiefel und einen Hut, bezahlte alles reichlich und pries laut die Ware. Der Ratspolizist nickte und sagte: ja, die drei seien berühmte Kaufleute aus Breslau, die kenne er schon lange. Der gutmütige Mann war leider inzwischen noch kurzsichtiger geworden.

Wie nun den dreien das Geld in der Tasche klang und der Müller ruhig von dannen ging, wurden sie wieder vergnügt, und es stand ihnen bald ein neues Glück bevor. Der Bürgermeister ging über den Markt, schimpfte, daß die Handwerker nichts Rechtes mehr leisteten und man kaum einen vernünftigen Stiefel oder Rock bekommen könne, und stieß plötzlich auf die drei, die ihm bescheiden ihre Waren anboten.

O, was machte da die Stadtobrigkeit für erstaunte und glückliche Augen!

Ja, rief der Bürgermeister, das sei noch echte Handwerkskunst. So etwas gäbe es weder zu Augsburg, zu Venedig, zu Nürnberg oder zu Lübeck, so etwas gäbe es nur in Hirschberg!

Und er kaufte Anzug, Stiefel und Hut und bezahlte die Hälfte des Preises, während er die andere schuldig blieb.

Nun zog ein Rittersmann auf edlem Roß langsam über den Markt. Die drei Handwerker erkannten mit Schrecken, daß es jener starke Reiter war, den sie einmal überfallen, der ihnen aber den Speck abgenommen und ihnen die Haut gegerbt hatte. Der Ritter kam heran und summte leise vor sich hin:

»Es ist so schön der Morgen
Im frohen Sonnenlicht,
Kein Kummer und keine Sorgen
Drücken mein Herze nicht!«

Da glaubten sich die drei schon sicher erkannt; aber der Ritter machte seinen Einkauf, bezahlte gut und ritt davon, indem er laut sagte:

»Solch treffliches Handwerk soll man sich in der Welt suchen.«

Nun aber begann ein Sturm auf die Verkaufsstände der drei. Jeder wollte bei ihnen einen Anzug, ein paar Stiefel, einen Hut kaufen.

Da entstand ein Tumult auf der anderen Seite des Marktes. Der König von Polen zog in die Stadt ein. Er hatte siebzehn Kammerdiener und achtundfünfzig Soldaten bei sich. Aber er sah etwas schäbig aus. Die Krone und die Edelsteine hatte er aus Geldnot versetzen müssen, und die himbeersamtne und bernsteingelbe Hose war im Laufe der Jahre ein wenig fadenscheinig geworden. Trotzdem wurde er mit großer Ehrerbietung bewillkommnet. Er hörte aber kaum auf die Begrüßungsworte des Bürgermeisters und beachtete nicht die Bücklinge des Ratsdieners, welcher ihn für den Grafen Schaffgotsch hielt, sondern steuerte auf den Verkaufsstand der drei Freunde zu und wählte einen Federhut, einen Seidenmantel und ein Paar hirschlederne Stiefel. Er bezahlte zwar nicht, aber er stellte einen langen Schuldschein aus.

Nun schien das Glück der drei Handwerker gemacht zu sein. Aber noch einmal faßte sie ein tödlicher Schrecken. Der Burgherr, der sie einmal hatte hängen lassen, kam mit einem Troß reisiger Knechte daher. Da duckten sich die drei armen Hascher tief über ihre Tische, und jeder von ihnen preßte beide Hände vor die Kehle.

Der Burgherr aber erkannte sie nicht. Er pries ihre Ware, kaufte den ganzen Rest und sagte zuletzt:

»Bares Geld habe ich nicht bei mir; aber ich gebe euch diesen Rubin, der so groß ist wie ein Apfel. Verkaufet den kostbaren Stein und teilt euch in den Erlös.«

Dann ritt er von dannen. Die drei Handwerker seufzten tief und erleichtert auf. Der Schneider aber sagte leise:

»Brüder, den Stein kenne ich. Er ist leider falsch. Aber es genügt uns, wenn uns das Leben und die Freiheit bleibt.«

Wie erstaunten sie aber, als bald darauf ein Frankfurter Jude zu ihnen kam, ihnen den Rubin für einen hohen Preis abkaufte und auf des Schneiders ehrliche Einwendung sagte: nur ein Dummkopf könne den Rubin für unecht halten; es sei der schönste Stein, den es je gegeben.


Glückselig saßen endlich die drei in der Herberge und teilten friedlich miteinander den Gewinn des Tages. Es war so viel, daß jeder von ihnen ein Handwerksgeschäft gründen konnte, das alle Sorge zeitlebens von ihnen nahm.

Wie sie noch so dasaßen, kam zur Tür der alte Mann herein, der ihnen einst vom Galgen geholfen und sie auf den neuen Weg geleitet hatte. Er trug noch das winzige Hütlein, die schlechten engen Stiefel und den buckligen Rock; aber er war freundlich und sagte:

»Ich freue mich über euch. Nun folgt mir und kommt mit.«

Da gingen sie verwundert hinter ihm her. Er führte sie zur Stadt hinaus gegen die Berge hin und ging plötzlich so schnell, daß sie ihm nicht zu folgen vermochten. Aber sie sahen, daß er sich auf einen Straßenstein setzte.

Als sie aber nun näher kamen, saß nicht der alte Mann auf dem Straßenstein, sondern der Burgherr. Der lächelte ihnen zu, schwang sich auf ein Roß, das am Wegrande weidete, und sprengte eine Strecke weit davon. Dann machte er halt, drehte sich um und winkte ihnen mit der Hand.

Wie nun die drei herbeieilten, saß nicht mehr der Burgherr auf dem Roß; sondern der Ritter, an dem sie zuerst ihre Räuberkunst probiert hatten. Auch der Ritter sprengte schnell davon und verschwand hinter der nahen Wegbiegung.

Dort aber fanden ihn die drei nicht wieder, sondern der Müller trat ihnen entgegen, reichte ihnen die Hand und lachte.

Auch der Müller blieb nicht lange stehen, sondern verschwand in einem Wäldchen, aus dem gleich darauf auf einem prächtigen Araberrosse Wolfsklaue hervorritt.

»Kennt ihr mich nun?« fragte er, und seine Augen flammten schön und herrlich auf. Dann ritt er mit Windeseile gegen die Berge hin, verschwand im Wald und wurde wieder sichtbar, als er langsam und in feierlicher Größe den Kamm des Riesengebirges entlang ritt, der im roten Schimmer der untergehenden Sonne lag.

Da erkannten ihn die drei; da wußten sie, wer die Gestalten waren, die ihren seltsamen Lebenspfad gekreuzt, da wußten sie, daß es der Berggeist Rübezahl war, der gesunde Naturgeist, der alles Schlechte vernichtet und allem Guten aufhilft.

Und so war es und so ist es noch heute und wird es immer sein. Und darum muß auch zu allen Zeiten vom Rübezahl erzählt werden.


Paul-Keller-Bücher

»Es gibt in Deutschland und Österreich kaum einen zweiten Schriftsteller, der künstlerische Vornehmheit und die besondere Art volkstümlicher Herzlichkeit in Ernst und Humor so bedeutsam zu verbinden weiß, wie der Schlesier Paul Keller …« (Kölnische Zeitung.)

Ferien vom Ich

Roman.

40.-45. Auflage.

Preis M. 5.–, gebunden M. 6.–

Grünlein

Eine deutsche Kriegsgeschichte von einem Soldaten, einem Gnomen, einem Schuljungen, einem Hunde und einer Großmutter. Alten und jungen Leuten erzählt.

Bilderschmuck von Walter Bayer.

40.–45. Tausend. Gebunden M. 1.20

Waldwinter

Roman aus dem winterlichen Riesengebirge.

Mit Buchschmuck von G. Schütz.

56.–60. Auflage. Preis brosch. M. 5.–, geb. M. 6.–

Die Heimat

Roman aus den schlesischen Bergen.

Mit Buchschmuck von Philipp Schumacher.

35.–37. Auflage. Preis brosch. M. 5.–, geb. M. 6.–

Das letzte Märchen

25.–27. Auflage. Preis brosch. M. 5.–, geb. M. 6.–

Von Hause

Ein Paketchen Humor aus den Werken von Paul Keller.

Mit Bildern. 21.–26. Auflage. Gebunden M. 3.50

Der Sohn der Hagar

Roman. 44.–47. Aufl. Preis brosch. M. 5.–, geb. M. 6.–

Die alte Krone

Roman aus Wendenland.

26.–28. Auflage. Preis brosch. M. 5.–, geb. M. 6.–

Die Insel der Einsamen

Eine romantische Geschichte. 20.–24. Auflage.

Preis broschiert M. 5.–, gebunden M. 6.–

Die fünf Waldstädte

Ein Buch für Menschen, die jung sind.

Mit Bildern von G. Holstein u. R. Pfähler v. Othegraven.

22.–25. Auflage. Preis gebunden M. 3.50

Das Königliche Seminartheater und andere Erzählungen

Mit Bildern. 21.–26. Auflage. Preis gebunden M. 3.50

»Paul Keller … einer der feinsinnigsten Poeten, die unser Vaterland sein eigen nennt …«

(Literarisches Echo, Berlin.)


Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.