VIII.
Nach Wochen einer grausam verlorenen Einsamkeit konnte Severin sein Verlangen, Mylada wieder zu sehn, nicht mehr bezähmen. Die blutleeren Gespinste, die seine Phantasie ihm vorgaukelte und die er im Schatten der Nächte verfolgte, führten ihn immer wieder zu der Stelle hin, wo das Licht der Weinstube wie ein großes und blendendes Rad auf die Gasse fiel. Nathans Mahnung fand keinen Widerhall mehr in seiner Seele. Geduckt vor Scham und von Sehnsucht verwüstet, fand er sich eines Abends wieder in der „Spinne“ ein.
Er brachte es nicht mehr über sich, den letzten und bittersten Stachel seines Leidens länger zu entbehren. Mylada sah über ihn hinweg, wie über einen fremden und unbekannten Gast. Aber an ihrer Stimme, die sich lüstern bog, an ihren Augen mit der goldenen Arglist in den Pupillen, entfachte er das Gedächtnis an ihre Leidenschaft und ihre böse und verderbliche Liebe. Er rief jene Stunde in seine Erinnerung zurück, wo sie als Nonne verkleidet zu ihm gekommen war. Er schauerte und seufzte unter ihren Küssen und hielt entzückt den Spuk in seinen Armen, der ihn einmal im Sommer unter den Akazien verwirrt hatte.
Nun saß er mit aufgestützten Armen unter den anderen. Zwischen den vorgehaltenen Fingern hindurch sah er Mylada mit den Männern scherzen und fand die Linien ihres Leibes unter dem Gewand. Der Buchhändler Lazarus schaukelte sie auf den Knien. Sein Kahlkopf drängte sich an ihre Brüste, und Severin sah die Furchen seiner Schädelknochen unter der gespannten Haut. Der Abend kam ihm in den Sinn, wo er mit dem Feldstein bewaffnet durch die Stadt gelaufen war, um einen Menschen zu töten. Mylada spielte mit dem Barte, der ungepflegt und schütter von den schlaffen Kiefern des Alten hing, und in ihren hellen Augen ging die Wolke auf, die er darin kannte. Ein widerwärtiges Gefühl rutschte ihm wie eine schleimige Faust durch die Kehle. Er trank sein Glas leer und ging auf die Gasse.
Draußen breitete sich der tiefe und unausschöpfliche Nachthimmel des Winters über die Stadt. Es war nirgends ein Stern zu sehn und der abziehende Herbst schleifte eine klebrige, naßkalte Schleppe von Dünsten hinter sich her und fegte damit das Pflaster. Bei der Maschine eines fahrenden Teekochers blakte ein winziges Lämpchen; zwei Dirnen mit Federhüten und hellgelben Sommermänteln nahmen dort eine hastige Mahlzeit ein und unterhielten sich lachend. Severin trat hinzu und kaufte ein paar Zigaretten. Eines der Mädchen sprach ihn an und bettelte um ein Zwanzighellerstück. Er griff in die Tasche und reichte ihr eine Handvoll Silbermünzen.
Eine gleichgültige und verschlossene Herbheit hatte sich seiner bemächtigt. Er wußte nicht, wohin er gehn und was er beginnen solle. Aus dem teppichbelegten Hausflur einer Bar schlug ihm ein warmer Fuselgeruch ins Gesicht, und der Portier legte grüßend die Hand an die Mütze. Severin gedachte der Jahre, wo er sein Leben in solchen Lokalen verschlagen hatte. Ein bohrender Wunsch nach dieser Zeit übermannte ihn. Damals besaß er eine Zufluchtstätte. In der Dürftigkeit und in der Enge seines Daseins war er nicht allein; einfältige Begierden leisteten ihm Gesellschaft, weinerliche Ahnungen von der Größe und der Irrsal der Welt. Jetzt wußte er es besser. Zerstört und beschmutzt, verbraucht und entkräftet ging er im Unrat zugrunde, weil ihm ein Animiermädchen den Laufpaß gegeben hatte.
Jetzt konnte er auch das Wort verstehn, das Nathan Meyer im Munde führte. Es gab welche, für die der Glanz des Lebens nur ein Trugfeuer war. Höhnische mit unseligen Händen, Parias, die eine hündische Angst durch die Straßen hetzte, Mörder und Gezeichnete. Das war die Gilde, zu der auch Severin gehörte.
Er hatte es immer gefühlt, schon damals, wie er als Knabe in dem wilden Buche las und nach Abenteuern hungerte. In den blassen Flammen seiner wurmstichigen Jugend war immer ein rötlicher Rauch gewesen, der aus den schlimmen Verstecken seines Herzens kam. Das Glück der andern war ihm ein kindisches Bilderrätsel. Planlos hatte er mit dem Schicksal gespielt und war an seinen armseligen Mausefallen vorbeigestolpert, ohne sich zu verletzen.
Er sah auf und merkte, daß er im Kreise beständig denselben Weg gegangen war. Das Lämpchen des Teekochers glomm vor ihm in der kleinen Laterne, und die weiße Schürze des Mannes leuchtete in der Finsternis. Severin unterdrückte ein Schluchzen. Der da hatte ein Heim und das Kerzenstümpchen in dem zerbrochenen Glase brannte in einem friedfertigen Licht.
Und er? Und Severin?
Tief, in der innersten Seele spürte er einen Schmerz. Ein süßes, unter Scherben und Kehricht vergrabenes Frauenbild hob das vergrämte Antlitz zu ihm. Aber er warf den Kopf in den Nacken und wollte es nicht sehn.
Oder doch? War es möglich? —
Eine linde und beschämende Schwäche löste seine Glieder. Vor den Torstufen eines Hauseingangs sank er in die Knie und kühlte seine Stirne an den Steinen. Er faltete die Hände und schloß die Augen, und gerade über ihm in dem schmalen Ausschnitt, den die Gasse für den Himmel frei ließ, kam ein schüchterner Stern zum Vorschein und strahlte.
Eine dünne, lichtgraue Helle kündigte den Morgen an, als Severin sich aufraffte und die Richtung gegen den Altstädter Ring einschlug. Die bunten Straßenplakate zeigten schon ihre flüchtigen Umrisse an den Wänden, und der Mann mit der Teemaschine rüstete sich zur Heimfahrt. Vor der Ringapotheke lehnte ein Frauenzimmer mit übernächtigen Augen und zog an der Glocke.
Der Hausbesorger hielt ihm verschlafen die verschwitzte Hand entgegen und nickte zufrieden, als er den späten Besucher erkannte. Severin gab ihm ein Geldstück und stieg die Treppen zu Zdenkas Wohnung hinauf. Eine endlose Pause setzte sein Herz zu schlagen aus, bevor er an die Türe pochte.
Ein Geräusch ward drinnen vernehmbar.
Ist jemand hier? — fragte eine Stimme.
Ich bin es — Severin!
Die Türe öffnete sich und eine heiße Hand führte ihn in das Zimmer. Die Petroleumlampe mit dem grünen Schirme qualmte auf dem Tische. Zdenka war im Hemd. Das Haar fiel ihr in blonden Ringen auf den Hals und sie zitterte vor Kälte.
Warum kommst du zu mir? — fragte sie ruhig.
Severin nahm den Hut ab und hielt ihn in den Händen. Er schaute sich um und umfaßte die Stube mit einem langen, abschiednehmenden Blicke. Das Frühlicht rann durch die Fenstervorhänge herein und machte den Schein der Lampe klein und ärmlich. Neben dem Bette stand der Schrank, in dem Zdenka die Kleider und die Wäsche aufbewahrte. Die violette Porzellanvase auf der Truhe hatte einen Sprung und von dem Henkel war die Farbe losgegangen. Ein vertrockneter Blumenstrauß stak darin, den sie einmal im Sommer miteinander im Walde gepflückt hatten.
Zdenka sah ihn an und wartete. Das Hemd glitt über ihre nackte Brust und sie zog frierend die Schultern zusammen. Mit einer eingelernten und mechanischen Bewegung streckte er die Arme aus. Aber er ließ sie wieder sinken.
Warum bist du gekommen? — —
Da kehrte er sich um und ging zur Türe hinaus.
IX.
Der Wind, der in den Vormittagsstunden mit den Firmatafeln der Kaufleute geklappert hatte, war zur Ruhe gekommen. Ein stiller Abend machte den Himmel klar und eine blasse und schöne Sonne fing an zu scheinen. Severin richtete sich in dem zerwühlten Bette auf und sah nach der Uhr. Der lange Schlaf nach der durchwachten Nacht hatte ihn nicht gekräftigt. Er wusch sich die heiße Betäubung aus den Augen und kleidete sich sorgfältig an.
Auf der Gasse kamen ihm die Gruppen halbwüchsiger Gymnasiasten entgegen, die eben aus der Schule heimkehrten und aufgeregte Gespräche miteinander führten. Severin schaute sich mit einem unbestimmten Gefühle des Neides nach ihnen um. Der Wetterumschlag lockte die Menschen aus den Häusern heraus und eine Schar von Spaziergängern schlenderte den Gehsteig entlang und sammelte sich vor den Auslagefenstern der Geschäfte. Mit kleidsamen Samthauben auf der koketten Frisur drängten sich die Mädchen durch die Menge. Ein Liebespaar blieb an der Straßenkreuzung stehn und bewunderte den Sonnenuntergang. Mohnblumenfarbene Streifen tauchten am Rande der Dächer auf und setzten die Kamine in Brand. Eine dicke Wolke kam plötzlich in Glut und schwamm über dem Karlsplatze wie ein großer, aus Goldblech gerollter Klumpen.
Severin ging gemächlich, mit einer kalten und entschlossenen Neugier seinen Weg. Jene halbdunkle Empfindung überrumpelte ihn, die ihn immer nach einer Erschöpfung heimsuchte und der er sich widerstandslos überließ. Sein Bewußtsein spaltete sich und lebte getrennt von ihm ein selbständiges Leben. Die Vergangenheit und die Gegenwart zogen wie die Bilder eines Panoramas an ihm vorbei und er sah verwundert und willenlos in seine eigene Existenz. Die Gesichter der Leute, die sich neben ihm bewegten, die Profile der Häuser, die er kannte, gewannen eine neue und besondere Anschaulichkeit, die seine Aufmerksamkeit reizte.
An den Ecken der Quergassen hatten die Kastanienbrater ihre Öfen aufgestellt. Ein freundlicher Lichtglanz lagerte über der Stadt. Ein verrunzeltes Weiblein humpelte umständlich mit dem Krückstocke über das Pflaster. Vor den Haustoren standen langhaarige Studenten mit den Dienstmädchen im Gespräch, und die blaue Dämmerung holte behagliche Schatten aus den Winkeln. Vor der Kreuzherrnkirche funkelte eine verfrühte Laterne auf und füllte die Luft mit gläsernen Farben.
Severin trat auf die Brücke. Ein kalter Windhauch blies vom Wasser herauf und verscheuchte die Stimmung, an die er sich hingab. Messerscharf kam die Erinnerung wieder und zerschnitt das betrügerische Spiel seiner Sinne. Der Abend gaukelte über dem Flusse. Ein Automobil mit großen, milchweißen Lampen tutete melancholisch, und die Glocke der kleinen Kapelle am Fuße der Burgstiegen läutete zum Segen. Severin schritt an den schwarzen Steinfiguren der Brüstung vorüber. Er biß mit den Zähnen auf seine Zunge und das Blut floß ihm in den Mund und schmeckte wie Galle. Das war nicht die Stadt, die er kannte. Das war ein Guckkasten, wo brave Bürger und Bürgerinnen ihre Besorgungen machten, und wo der heilige Nepomuk mit gleißnerischen Händen die Moldau bewachte.
Das Zwielicht dunkelte immer stärker, als Severin durch die Turmeinfahrt der Kleinseite zum Radetzkydenkmale einbog. Bei dem Tore der Hauptwache ging ein Soldat mit geschultertem Gewehr auf und ab und auf dem alten Platze mit den Laubengängen lag der Farbton vergilbter Kupferstiche. Severin kletterte durch die Spornergasse zum Hradschin hinauf. Die Stadt, die er kannte, war anders. — Ihre Straßen führten in die Irre und das Unheil lauerte auf den Schwellen. Da klopfte das Herz zwischen feuchten, verräterischen Mauern, da schlich sich die Nacht an erblindeten Fenstern vorbei und erwürgte die Seele im Schlaf. Überall hatte der Satan seine Fallen aufgestellt. In den Kirchen und in den Häusern der Buhlerinnen. In ihren mörderischen Küssen wohnte sein Atem und er ging in Nonnenkleidern auf Raub aus —
Vor dem Eingange zum Schloßhof wandte Severin den Kopf. Es war finster geworden und mit tränenden Lichtern breitete sich Prag zu seinen Füßen.
Ein Hund heulte irgendwo und sein angstvolles Gebell hörte sich an, als ob es aus der Tiefe käme, aus einem verschollenen Erdschacht unter den schiefen Gassen des Hradschin —
In der „Spinne“ war heute schon seit dem frühen Abend eine zahlreiche Gesellschaft beisammen. Lazarus zahlte Champagner. Mit unzüchtigen Scherzen wurde der Geburtstag Myladas gefeiert.
Es waren viele Bekannte aus dem Kreise darunter, der sich ehemals bei Doktor Konrad zusammenfand. Lazarus hatte alle eingeladen, selbst Nikolaus saß ernst und gelangweilt unter den andern und auch der blatternarbige Maler war da, der jetzt mit der blonden Ruschena lebte. Mylada führte mit hinreißender Laune den Vorsitz der Tafelrunde. Ihre geschmeidige Schamlosigkeit entzückte die Männer und begeisterte die jungen Leute. Einer nach dem andern trank ihr zu und sie netzte ihre rote Zunge in dem Glase eines jeden. Die Begehrlichkeit hüpfte wie ein Flämmchen über die Angesichter und nestelte an ihrem grünen Kleide. Jemand schlug eine Tombola vor, deren Erlös bei nächster Gelegenheit vertrunken werden sollte, und unter Jubel und Lachen erklärte sich Mylada bereit, dem Gewinner anzugehören. Der Preis der Lose war groß, aber trotzdem waren alle bis auf eines verkauft, als Severin eintrat und mit lautem Zuruf empfangen wurde.
Mylada begrüßte ihn.
Willst du das letzte Los haben?
Sie hielt das weiße Blatt zwischen den Fingerspitzen.
Was kann ich gewinnen? — fragte er.
Mich!
Da legte er schweigend sein letztes Geld in ihre Hände und nahm den Zettel.
Die Ziehung begann. Die Nummern wurden in einen Sektkühler geworfen und man drängte sich schreiend um den Tisch. Eine wütende Erregung hielt alle in ihren Klauen. Der Weinrausch rötete die Stirnen und eine fratzenhafte Spannung straffte die Züge der Bezechten und machte Tiergesichter und Grimassen daraus.
Mylada griff mit verbundenen Augen in den Kübel. Es wurde still im Zimmer, als sie das Papier auseinanderfaltete.
Du hast Glück gehabt, Severin! — meinte sie lächelnd.
Eine neidische Pause entstand.
Severin trat näher. Das Blut brauste in seinen Ohren und er war bleich. Er hob den Gegenstand in die Höhe, den er unlängst aus dem Schreibtische Nathan Meyers entwendet hatte. Wie ein weißer Wurm ringelte sich die Zündschnur um seinen Arm.
Eine Bombe! rief jemand entsetzt und ein Aufschrei erschütterte alle.
Ich bin gekommen, um euch zu töten —
Seine Stimme zerriß. Mit roten Augen starrte er in die Lampe.
Nikolaus nahm ihm die Büchse aus der Hand und streichelte ihm wie einem Kinde die Wangen.
Warum? fragte er zärtlich.
Weil ich euch hasse! —
Und weshalb tatest du es nicht? — flüsterte Mylada und schaute mit geöffnetem Munde zu ihm auf. Sie reckte ihren Leib und ihre Brüste berührten ihn.
Jetzt habe ich ja das Los gewonnen! —
Eine tödliche Scham warf ihn zu Boden. Er kniete nieder und legte seinen Kopf in ihren Schoß. Das Schluchzen bezwang ihn und er weinte. Aber das Gelächter der Betrunkenen ging über ihn hinweg und verwandelte seine Tränen in einen unsauberen und glühenden Schlamm.
Von Paul Leppin sind bisher erschienen:
Die Türen des Lebens, Novelle (Prag, Symposion-Verlag)
Glocken, die im Dunkeln rufen, Gedichte (Cöln, Schafstein & Comp.)
Daniel Jesus, Roman (Berlin, Magazin-Verlag Jean Jaques Hegner)
Der Berg der Erlösung, Die sieben Kapitel eines Wunders (Berlin, Oesterheld & Comp.)
Sammlung abenteuerlicher Geschichten Bd. 1:
Hermann Eßwein
Megander
Der Mann mit den zween Köpfen und andere Geschichten
Mit Umschlagzeichnung von A. Kubin
Geheftet 3 Mark, in Halblederband 4 Mark 50 Pf.
J. Robert im „Berliner Lokal-Anzeiger“: „Das Geschichtenbuch von Hermann Eßwein: ‚Megander‘ enthält Tragikomödien, erzählt in einer Sprache, die zuweilen an Gottfried Keller, öfter an Jean Paul erinnert. In der Mehrzahl der acht Erzählungen klingt ein Motiv immer wieder an. Das Motiv vom Rausch, vom göttlichen Rausch, der uns Vergessen bringt, aber auch fortreißt zur schöpferischen Tat. Und diese Begeisterung, dieser Taumel, diese starken phantastischen Kräfte zersplittern an der braven Gemeinheit des Alltags. Und ein zweites Motiv klingt an: von wirren Träumen und vom Wahnsinn.“
Otto Pick im „Pester Lloyd“: „Eßwein gelingt es, den Leser durch rein menschliches Interesse über Gespenstiges und Unerklärliches hinwegzugeleiten. Dies scheint die Novellen zu den beliebten, kühl erklügelten Geschichten vom Grauen in wohltuenden Gegensatz zu stellen: daß sie nie von außen geformt, sondern von innen heraus mit künstlerischer Notwendigkeit erstanden sind.“
Dr. M. Schumann i. d. „Augsburger Neueste Nachrichten“: „Die Sprache Eßweins ist meisterlich, und sein Standpunkt über den Dingen kennzeichnet sich in der Art, wie er das Spießbürgerliche, Nüchterne mit seinem Spott abtut. In dieser Sprache offenbart sich die ganze hervorragende stilistische Begabung des Autors. Leicht beweglich, ungezwungen und doch so wohlgeschliffen in jedem Ausdruck, gewinnt das Erzählte bei jedem Wort an Selbstverständlichkeit. In dieser Sprache allein ist schon die ganze Stimmung, die den Geschichten selbst zugrunde liegt, und all das gibt dem Buch Eßweins einen hervorragenden Wert in der Literatur der sonderbaren Geschichten; es ist eine der wenigen Erscheinungen auf diesem Gebiete, die eine selbständige Bedeutung haben.“
Delphin-Verlag / München
Sammlung abenteuerlicher Geschichten Bd. 2:
A. M. Frey
Dunkle Gänge
Zwölf Geschichten aus Nacht und Schatten
Mit Umschlagzeichnung von L. Durm
Geheftet 2 M. 50 Pf. In Halbleinenband 3 M. 50 Pf.
Paul Zech im „Berliner Tageblatt“: „Zu den wenigen jüngeren Schriftstellern, die das Erbe Edgar Poes mit dem richtigen Instinkt aufnahmen und damit wucherten, gehört A. M. Frey. Er stellt sich mit seinem Erstling gleich in die vorderste Reihe der Erzähler dieser exponierten Gattung von Belletristik. Er holt seine Stoffe nicht aus unkontrollierbaren Bezirken. Der Alltag, der in seiner bunten Vielgestaltigkeit auch diese Abseitigkeit trägt, ist für Frey eine unerschöpfliche Fundgrube. Man wird in unerklärliche Situationen befördert, ohne die Fahrt zu spüren. Man ist plötzlich in einem unentrinnbaren Labyrinth und wie von Polypenarmen umstrickt. Fast jede der zwölf Geschichten bohrt ein Extrem an, das die festen Enden der Nerven berührt und aufpeitscht zu unerhörten Sensationen, das Märchenhafte ins Grausige, Exzentrische, phantastisch Verstiegene und übermenschlich Visionäre umwandelt. Man wird das Buch nicht mit einem einmaligen Lesen abgetan haben. Es kribbelt in den Nerven weiter und setzt Blutkreise in Bewegung, die in der Schalheit vieler Stofflichkeiten, die den Augenblick bewegen, nur selten zirkulieren.“
Eugen Reinbold in d. „Württemberger Zeitung“: „Neben der großenteils originellen Erfindung bewundern wir die sichere Gestaltung, die geradezu fesselnde Sprachkunst, die die Dinge mit persönlichem Leben zu erfüllen weiß und sie philosophierend in Zusammenhang mit allgemein Menschlichem zu bringen sucht. So möge, wer eine wirklich interessante und doch nicht rein oberflächlich unterhaltende Lektüre liebt, nach diesem Werkchen greifen.“
L. E. Kemmer in der „Badischen Landeszeitung“: „Mit einer knappen Anschaulichkeit, die oft den Eindruck einer wohlgetroffenen Farbenskizze macht, verbindet er eine Geschlossenheit der Form, wie wir sie nur bei den bedeutendsten Novellisten finden, und die jede einzelne der zwölf Erzählungen zu einem kunstvoll geschliffenen Edelstein gestaltet hat.“
Delphin-Verlag / München
Sammlung abenteuerlicher Geschichten Bd. 3:
Ernst B. Schwitzky
Das Geheimnis der Gioconda
Das Tagebuch des Diebes
Mit Umschlagzeichnung von M. Wiederanders
Geheftet 2 Mark. In Halbleinenband 3 Mark
Das geheimnisvolle Verschwinden der Gioconda aus dem Louvre ist der erste Anlaß zu diesem phantastisch-mysteriösen Buche gewesen. Welch ein Tummelplatz in der Tat für die Phantasien eines mit dem ausgesprochenen Hang zur Mystifikation ausgestatteten Geistes. Und doch ist das Buch weit mehr als nur ein chaotisches Durcheinander ausschweifender Phantasie. Zwischen spöttischem Scherz und grotesk schillerndem Humor webt der Autor einen tieferen Sinn, verbirgt er oft hinter lachenden Ironien ernstes Empfinden und läßt endlich sein hastiges Buch in dramatischer Steigerung in einer alpschweren Phantastik ausklingen, aus der man wie aus einem Traum erwacht. In glitzernden Anspielungen, ernstem Erbeben, tiefem Grauen und flüchtig leichtem Spiel hat der Autor den Zauber und die Rätsel des Gioconda-Antlitzes festzuhalten gewußt. Mit Recht gab er deshalb seinem Buch den Titel „Das Geheimnis der Gioconda“. Alle die für das Ungelöste, Mysteriöse Sinn haben, werden dem dichterischen Spiel seiner Gedanken gern folgen, ergriffen von dem dämonischen Reiz dieses spannenden Buches.
Delphin-Verlag / München
Buchdruckerei Hesse & Becker, Leipzig
Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
- ... Der Sommer hatte die Statd in diesem ...
... Der Sommer hatte die [Stadt] in diesem ... - ... ihn immer nach einer Erschöfung heimsuchte ...
... ihn immer nach einer [Erschöpfung] heimsuchte ...