Generalbericht.

Der König, Abt Mauritz sein Gewissensrath.

(Der König liegt im Bette. Der Beichtvater sizt an der Seite, und fühlt an den Puls.)

Edu. Mein lieber Abt, ich habe einige ausserordentliche Gewissenszweifel, die ich sonst nie fühlte ——

Abt. Eure Majestät handeln sehr großmüthig mit ihrem Gotte; andere große Könige wissen nicht einmal, daß ein Gott ist. Die Gewissenszweifel sind eine Gattung schwerer Träume. So ein Alp entsteht vom dicken Geblüte. Wie befinden sich Eure Majestät?

Edu. Schlecht! Ich werde sterben ——

Abt. Könige sind unsterblich! —— Ich spreche Eure Majestät los von allen Sünden, die Sie begangen haben, und künftig begehen werden, denn alles, was wir auf Erden lösen, das ist auch im Himmel gelöset! —— Ueberdieß haben die Könige und besonders die Helden und Eroberer gewisse Freyheiten, wie die Dichter. Was für den gemeinen Pöbel Todsünde wäre, ist für Durchlauchtige Sünder höchstens eine Läßliche! Auf ein Paar Stunden in das Fegfeuer, so ist der Spaß gar! Das verstehn wir aus der Kunst. Ein armer Teufel muß indeß in der Hölle zappeln, da wird Heulen seyn und Zähnklappen!

Edu. Auf meine Zweifel zu kommen ——

Abt. Dafür weiß ich geistlichen Seelenrath ——

Edu. Ich liebte das schöne Geschlecht ——

Abt. Kleinigkeiten. Der weise Salomon hatte viele hundert Kebsweiber. Es giebt Schwachheiten, die den Menschen und nicht den König betreffen. Man kann ein schwacher Mensch, und grosser Monarch seyn. Der Gesalbte des Herrn, David war nicht unempfindlich für das schöne Geschlecht, wie uns die Schrift sagt. Klopfen Eurer Majestät mit einer politischen Reue an das Herz mit den Worten: mea Culpa, mea maxima Culpa! Ich werde einige Messen lesen, multum enim valet deprecatio justi assidua! Sagt der heilige Jakob —— Enthalten sich auch Eure Majestät der Gewohnheitssünden, bis Sie wieder genesen ——

Edu. Was denken Sie von meinen Eroberungen?

Abt. Eure Majestät sind Adams Erbe. Er war König der Welt. Gott selbst sezte den Menschen zum Herrscher über alle Thiere! Ich habe bedächtig alle Kriegserklärungen durchblättert, sie reden alle von lauter gerechten Waffen.

Edu. Lieber Abt, glauben Sie also, daß ich für so viel Arbeit den Himmel erbe?

Abt. Wenn ich Eurer Majestät so viele Welten versprechen könnte, als ich Ihnen Freuden des Himmels zusagen kann, wie viel Welten würden Sie erobern!

Edu. Ich danke für ihren guten Willen und frommen Wunsch. In meiner Lage wird mir eine Welt zu schwer.

Abt. Das ist die schönste Verfassung eines Christen. Ihre Seele ist mit dem Schöpfer ausgesöhnt. Beten Eure Majestät zwey Vater unser —— et ego te absolvo a peccatis tuis u. s. w.