AUTOGRAMME
Fräulein P. Sch.! Ihnen danken?! Ja, da müßte man ja auch ununterbrochen der Sonne danken, daß sie Licht und Wärme spendet! Das wäre ja zu strapaziös!
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An Fräulein...: Glauben Sie mir, Sie irren sich, ich kann Ihnen wirklich gar nichts bieten! Denn das Bieten hängt nicht vom Reichtum des Gebers, sondern vom Reichtum des Nehmers ab!
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An die junge Frau...: Sagen Sie über mein Buch: „Ja, ich habe es dringend gebraucht!“ Oder: „Nein, ich habe es nicht gebraucht!“ Aber sagen Sie nur nicht: „Wirklich, sehr interessant und apart!“
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Einem Freunde, der ihn angeblich ganz besonders gut versteht: „Du gleichst dem Geist, den du begreifst, nicht mir!“
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Lieber Freund, ich bin keine Krücke für die Lahmen, ich bin ein Flügel für die Gehenden, daß sie schweben können!
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Sie fragen mich: „Soll man also seine zärtlich Geliebte eigentlich nicht liebhaben?!“ O ja, aber immer noch mehr die huschende Smaragdeidechse, die tirilierende Lerche, den schweigenden Wald!
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Viele, die mir folgen, glauben, daß sie sich einem Abgrund nähern! Diese sollen nur abstürzen!
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Zum Dichten gehört vor allem Gedächtnis! Man muß nämlich an alle schönen und alle häßlichen, an alle gemeinen und alle ungemeinen, an alle lächerlichen und an alle tragischen Dinge des Lebens zugleich denken können!
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Jede Liebe muß die Form einer exzentrischen und hysterischen Sentimentalität annehmen; sonst steht es doch gar nicht dafür, sich diese Unbequemlichkeit aufzubürden!
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Viele Menschen, mit denen man verkehrt, geben einem noch immerfort, wie die Lehrer im Gymnasium, Sittennoten, Sittenpunkte. „Das, Herr Peter, ist wirklich sehr nett von Ihnen! Das wieder ist roh und gemein! Heute sind Sie in Stimmung! Heute sind Sie unausstehlich!“ Ich mache daher alle diese Wohlmeinenden aufmerksam, daß wir zwar längst nicht mehr im Gymnasium uns befinden, daß sie mich aber trotzdem alle nach wie vor — — — —!
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An Paula Sch.: Die meisten Menschen gehen nur ihre Wege, aber die Dichter gehen ihre Wege und auch Ihre Wege! Weshalb ich das gerade an Sie schreibe?! Weil nur Sie das ganz verstehen! Soll ich es einer schreiben, die sagt: „Sehr tief, aber was bedeutet es?!“
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Ich schenke Ihnen, Fräulein, mein Buch. Es ist nicht für Sie geschrieben, aber aus Ihnen heraus!