DIE „GEWÖHNLICHE FRAU“

Wehe dir, der du nicht geschützt bist vor Frauengunst,

und verbrennst in Liebesbrunst!

Ein ewig Wachsender bisher, wirst du nun

ein Stillgestandener!

Eh du es spürst, bist du ein anderer,

ein Niederhocker wirst du, Wanderer,

Nicht wie im Kaleidoskope mehr wandeln sich dir

in holdem Verändern die Bilder des Lebens,

wandelt sich dir dein wandernder Blick;

und im kleinen Kreislauf und lieblichen Austausch

geschlechtlich-seelischer Kräfte

vollendet sich nun dein allzu gesichertes Alltagsgeschick!

Aber die anderen, einsam, den Blick gerichtet in Fernen,

folgen unentwegt ihren Sternen!

Wehe dir, der du nicht vor Frauengunst geschützt bist,

und nur für die „kleine Tat“ des Lebens ausgenützt bist!

Für die All-Schönheit darfst du nichts mehr fühlen — — —

Die Hauptsache ist, du sollst dich nicht verkühlen!

Nicht mehr bei Emerson-Lesen und Beethoven-Spielen,

wirst du himmlische Kräfte zu unerschöpflicher

Tat aufspeichern!

Emerson und Beethoven sind heilige Geber — —

aber die Frau will sich an dir bereichern!!

Und du, Arm-seliger, verarmst!

Deines Größenwahnes heiligen Kern heilt sie dir,

gibt dir zugeschnittene gesunde Glückseligkeit dafür!

Im blasenden Sturm hemmt sie dir deinen Lauf,

stellt dir sorgsam den Rockkragen auf!

Vor Abgründen sucht sie dich zu bewahren,

läßt dich in den Abgrund deiner Alltäglichkeit fahren!

Dein Gehirn schützt sie vor Melancholien und Träumen,

weiß mit überschüssigen Kräften aufzuräumen!

Deine Seele schützt sie vor Wanken und Schwanken,

weiß sie an nahe Ziele festzuranken!

Deinen Körper zwingt sie schäbig, sich zu erhalten,

denn sie braucht ihren Alten!!

Wehe dir, der du nicht geschützt bist vor Frauengunst,

und verbrennst in Liebesbrunst!

Unser vergebliches Sehnen ist unser Kräftespender!

Unser erreichtes Ziel ist unser Wegbeender!

Durch unsere Tränen hängen wir mit der Welt zusammen,

die selbst ewig um Ideale weint!

Doch unser Siegerlächeln wird uns verdammen,

denn wir sind vorzeitig geeint!

Zum Abschluß will die Frau uns bringen

und unser Ringen!

In friedvolle endgültige Ehe wollen wir einst mit

der Gesamtnatur treten,

Ihr aber müßt bereits zu Anna oder Grete beten!

Der Gott in dir duldet keine Göttinnen,

aber schon gar nicht irdische Hundsföttinnen!

Bei Emerson-Lesen und Beethoven-Spielen

kannst du unerschöpfliche Kräfte erzielen!

Aber selbst deine vollkommenste Frau

erhebt sich nicht zu Brünhildens Abschiedsworten:

„Zu neuen Taten, teurer Helde,

wie liebt ich dich, ließ ich dich nicht?!?“

Es ist ganz einfach: Deine vollkommenste Dame

wird stets eine Klette, eine infame!