MAN ERMANNT SICH
„Jetzt hab ich’s aber einmal dem g’sagt!“, ist ein schrecklich blödes und kindlich-rührendes Auskunftsmittel, seine eigenen irritierten Nerven zu beschwichtigen. Denn der, dem man’s „endlich einmal“ g’sagt hat, der hat eine andere Ansicht darüber und denkt: „Jessas, hat der sich jetzt ‚gift‘!“ Das heißt wirklich „vergiftet“ durch Ärger! Jeder hat doch eben irgend einen Panzer gegen das, was man ihm sagt, um ihn empfindlich zu treffen! Man muß nur Frauen anschauen, ihr Katzenantlitz, wenn man ihnen den Vorwurf der Koketterie macht! „He, Dummer, kann ich etwas dafür, wenn ich so vielen gefalle?!?“
Wirklich, soll sie sich denn das süße Gesichterl mit Ruß anstreichen, sich die kleinen Brüste und den großen Popo abschneiden?! Niemandem, siehe, hat man es „endlich einmal“ gesagt! Sondern man hat eine Kugel zielsicher abgeschossen, die abprallt und nur dich selbst verwundet!
Sagen kann man nur etwas jemandem, der schon erbleicht und krank ist vor innerem Selbstvorwurf, ehe du es ihm gesagt hast! Du kannst jedem „zu sich selbst“ verhelfen, aber nicht „zu dir“! Will er „durch sich selbst hindurch“ ernstlich zu dir, dann kannst du ihm eventuell liebevoll die Rettungsleine werfen eines ernsten Wortes! Aber „Dem hab ich’s einmal g’sagt!“ gibt es nicht.