NACHTRAG ZU PRODROMOS

SIMPLEX VERI SIGILLUM!

Jeder Mann weiß ganz genau, welche Art von Nahrung sein geliebter Hund braucht, um „fit“ zu bleiben, wann, wo und wie er schlafen muß, kennt es ihm sogleich an, wenn ihm irgend etwas fehlt, ja, geht sogleich in zweifelhaften Fällen zum Tierhändler, zum Tierarzt. Aber von der geliebten, zartesten Frau sagt er: „Geht ihr denn was ab? Hat sie sich zu beklagen?! Na also!“ Er forscht nicht nach, sie hat leider die Sprache mitbekommen, sie, diese dennoch ewig Stumme und Verstummende! Von ihrer Ernährung, von ihrer Verdauung weiß er nichts, das weiß er nur von seinem Hunde. Auch kann er nicht wegen ihr zum Tierarzt gehen, leider. Auch zum Tierhändler nicht, denn er hat sie wahrscheinlich nur von einem Menschen erhandelt. Und den trifft keine Verantwortung.

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Fasten: Wenn du deinem Leibe etwas weniger darreichst, als er benötigt, frißt er dir genial-freundschaftlich zuerst die krankhaften Gewebe und das überflüssige Fettgewebe weg. Herr Banting, Kaufherr, der Bauer Schroth, ahnten das. Aber die Ärzte päppeln dich auf wie das Mastvieh zur Viehausstellung, um von idiotischen Eltern, idiotischen Liebhabern, idiotischen Ehegatten belohnt und belobt zu werden!

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Zu mager gibt es nicht, es gibt nur zu dick!

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Die, die über mich lachen, werden später über sich weinen!

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Ich bin nicht erstaunt, daß jemand, der abends geröstete Kalbsleber oder Nierndln frißt, mir meine geliebteste Geliebte wegnimmt! Bei weichgekochtem Reis hätte er diese Untat nicht vollführt!

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Schmutzige und vor allem vorstehende Fingernägel (Krallen) sind unnötig. Belästigen wir unsere daran unschuldigen Nebenmenschen mit unseren notwendigen Unzulänglichkeiten, und verschärfen wir unsere ohnedies prekäre Situation, in jeglicher Beziehung, nicht noch durch unnötige Belästigungen der daran völlig unschuldigen Nebenmenschen!

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Im Augenblicke, da eine geliebte Frau es uns traurig mitteilt, sie habe unideale Brüste, hat man es ihr bereits verziehen; ja, sie rührt uns dann eventuell desto mehr! Nur der Pfau, der mit bereits zerschlissenen Federn noch sein Rad schlägt, ist uns verächtlich!

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Um gesund zu bleiben oder zu werden haben wir ganz einfach bei Tag und bei Nacht die Darmnerven zu schützen, die Magennerven, die Sexualnerven, die Gehirnnerven und die Herznerven. Und alle anderen Nerven obendrein. Freilich muß man auch Geld haben, keine Eifersuchtsqualen, und stets gerade die Frau, auf die man momentan „fliegt“! Basta.

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Ein Mensch, auch wenn er nur eine Frau ist, muß nie ungezogen sein, nie taktlos sein, nie vorlaut sein, nie geschmacklos sein, nie roh sein, nie grausam sein, nie frech sein, nie unbescheiden sein, nie arrogant sein, nie habsüchtig sein, nie eitel sein, nie kokett sein, nie neidisch sein! Nein, wahrlich, das muß er nicht! Weshalb sind sie es also fast alle?! Weil sie keine Menschen, sondern „Menscher“ sind!

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Bei allen Dingen, die man für seine Gesundheit, seine Entmaterialisierung, sein Leicht- und Unbeschwertwerden, unternimmt, muß man vor allem daran fast religiös glauben! Der Skeptiker, Pharisäer, Melancholiker ist verdammt, daß alles Unternommene ihm doch nichts nütze! Der Glaube an die Wahrheit versetzt Berge!

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Symptome von Krankheiten, Haut-Ekzeme, beheben, statt auf die Ur-Ursache des Leidens tiefzubohren, ist ein feiges Manöver, für das die idiotischen Eltern, der idiotische Geliebte (meistens Gehaßte) oder der in Erwerbssorgen sich erschöpfende idiotische, angeblich liebevolle Gatte (er verdient das Geld) dem Arzt gern und dankbar bezahlen! Vogel-Strauß-Politik: man sieht nichts mehr von der Erkrankung. Nein, sie hat sich wegen schlechter Behandlung ins Innere zurückgezogen und lauert hier auf Rache in Form von künftigem Krebs usw.! Krankheit ist der Notschrei der beleidigten Natur! Halte ihr nicht den Mund zu! Wenn sie schon so gütig ist, zu schreien und um Hilfe dich anzuflehen!

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Ich sterbe lieber an Diarrhöe als an Verstopfung. Wer das nicht versteht, versteht überhaupt noch nichts. Und vor allem wird er vorzeitig Gott sei Dank elend zugrunde gehen!

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Hippokrates: „Je mehr ihr einen kranken Organismus ernähret, desto mehr schadet ihr ihm!“ Denn gerade zur Verarbeitung, Assimilierung fehlt ihm im kranken Zustande die nötige Kraft! Man frißt sich viel mehr zu Tode, als man sich zu Tode sauft! Alkohol ist ein sichtbares, erkennbares, spürbares Gift, aber die Wiener Mehlspeisen sind ein unkenntliches heimtückisches Gift, unter den verräterisch-appetitlichen Namen: Tatschkerln, Fleckerln, Wuchterln, Strudel, Erdäpfelnudel, Rahmstrudel, Dalken, Palatschinken, Omelette.

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Ein Teufelssatz: Was einem schmeckt, kann einem nicht schaden! Richtiger ist, daß, was einem nicht schmeckt, einem nicht schaden kann, denn man läßt es eben stehen!

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Die Katze ist, abgesehen von ihrer genialen Bewegungsanmut, ein Genie: sie heilt sich von jeder Erkrankung, sogar von Vergiftung, durch Aushungern!

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Wir brauchen den Mann als ‚Wurzen‘,“ sagte eine ganz süß Aufrichtige. „Aber wieso er uns braucht, das ist mir ganz unverständlich!“

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Ich entließ mein Stubenmädchen im Grabenhotel, Risa Schmied, mit folgendem Zeugnis, da sie es vorzog, die Privatwohnung des Grafen Kaltenegg zu betreuen: „Wenn Sie bei uns geblieben wären, hätte ich, als Junggeselle, den Tagen der Vereinsamung, des Alterns, der Krankheit ruhig entgegengeharrt, wie ein in Familienliebe Gebetteter! Nein, besser!“

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Du wirst es mir doch nicht ins Gesicht sagen wollen, Selbstbetrüger, daß dir Austern besser schmecken als mir mit Hunger Gesegnetem dampfende Kipfelerdäpfel in der Schale mit Teschener Butter und Salz?! Gleich wird dich der „Krebs“ holen und die Leberentartung!

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Rechnen ist so einfach; aber falsch rechnen, da kennt man sich dann gar nicht mehr aus.

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Fett ist besser als Mehl und Zucker. Weshalb?! Man hört früher auf, weil es einem bald widersteht. Günstig ist alles, was sich einem von selbst bald mies macht! Also auch die geliebte Frau!

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Ein „Pfleger“ sollte das Zarteste sein, aber er ist das „Roheste“! Nur Trinkgelder können ihn noch menschlich machen! Aussagen von „Pflegern“ Gehör und Glauben schenken, ist das feigste, infamste Verbrechen, das je Ärzte, Verwandte, Gattinnen, Freundinnen, Geschwister begangen haben!

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Gefährlich sind nur die Dinge, die du auf die Dauer verträgst! Ein festes Verhältnis, die Ehe und Mehlspeisen! Fett und die Hure sind ungefährlich!

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„Willst du nicht lieber noch auf das Glück des Hungers warten?!“ sagte der Papa zu seinem geliebten Kindchen. „Nein, Papschen, ich möchte lieber jetzt schon essen!“ Der Vater dachte: „Aus dir wird auch kein Genie!“

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Einem Patienten, der unter deiner Obhut steht, um acht Uhr abends ein ausgiebiges Schlafmittel verabreichen, Paraldehyd 20 Gramm, während im Nebenzimmer einer laut betet und Gott und die Welt zu Zeugen für irgend etwas anruft und mit Ermordung aller Schuldigen droht, ist ein feiges Verbrechen von Ärzten und Pflegern! Schlafmittel haben Nachtruhe zu garantieren, sonst sind sie ein Gift, ein wissentlicher Mord!

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Meine „Pfleger“ Franz Pfleger und Josef Hennerbichler waren Genies der Menschenfreundlichkeit, wie Beethoven ein Genie der Töne. Aber die andern sollte man alle chinesisch foltern für ihre geheimnisvollen Verbrechen, die sie vollführen und die selbst durch Trinkgelder nicht immer verhindert werden können, am wenigsten aber durch die kontrollierenden (ha, ha, ha, ha!) Ärzte, vulgo „ich kenn mich nix aus“!

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Der Patient einer Anstalt ist der „schreckliche Mensch“, der den Arzt Tag und Nacht hindert, ein ungestörtes ödes und friedlich-sattes Familienleben zu führen!

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Ich leide an Ekzem, Hautausschlag, Pusteln, heißt: mein Körper hat die Gnade, mir es mitzuteilen, daß etwas in ihm versteckt tief drinnen nicht ganz in Ordnung ist, und er macht mich daher gnädig bittend aufmerksam, durch äußere Anzeichen, daß drinnen etwas Bösartiges sich ereigne. Wenn ich aber die getreuen Sendboten dieser Meldung, Ekzem, Hautausschlag, Pusteln, vertreibe, vernichten lasse durch Salben, dann bin ich ein gottverlassener Ochs, der der Bestrafung durch ein gerechtes Schicksal nicht entgehen wird!

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Wenn die Frauen es einsähen, daß Fasten eine Verjüngungskur sei, würden sie sich zu Tode fasten!

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Hast du schon auf der Wiese, auf der Alm den Duft frischen Kuhdüngers gespürt?! Er gehört gleichsam zum Duft der Erde und der Gräser! Die Kühe haben nicht das Glück, von Menschen-Almen dasselbe zu behaupten! Aber sie werden es einst! Hoffentlich!

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Genieße erst eine Frau, bis dich die Sehnsucht nach ihr verzehrt! Auch hier gilt das Sprichwort: Hunger ist der beste Koch!

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Professor Sandouzy: La sur alimentation n’est que de la sur intoxication! (Vergiftung.)

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Belästigen Sie mich nicht mit den Konfidenzen Ihrer geistig-seelischen Komplikationen! Essen Sie ausschließlich Hafergrütze, Pommes cheeps (in dünnen Scheiben geröstete Salzkartoffeln), Eidotter, Spinat, Spargel, Gervais, schlafen Sie zwölf Stunden bei weit geöffneten Fenstern, nehmen Sie morgens nüchtern einen Eßlöffel voll Rhamnin (Cortex Rhamni Frangulae) — — — und dann wollen wir weitersprechen über Ihre merkwürdigen seelisch-geistigen Komplikationen! Aber zuerst muß die Maschinerie in Ordnung sein! Verstanden?!

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Nach überstandenem Typhus verjüngt man sich, wenn man eben nicht zufällig daran gestorben ist, bloß darum, weil man in der glücklichen Lage war, sechs Wochen und länger nichts essen zu müssen, zu können! Die Auffassung von Glück ist eben verschieden; ja, die eine ist richtig und die andere unrichtig, die eine ist anständig, die andere ist unanständig, die eine ist eine Weisheit und die andere ist eine Stupidität! Verschwenden ist unrichtig, unanständig und stupid. Ohne tiefste Anhänglichkeit eine Frau genießen wollen, ist unrichtig, unanständig und stupid. Weshalb aber?! Weil sich alles mehr rächt, als es dir Genuß bereitet hat, Esel! Wenn es umgekehrt wäre, hättest du recht, und ich wär der Esel! So aber bist du es!

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Hunger ist nicht nur der beste Koch, sondern auch der beste Arzt!

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Bei Überreichung einer weißen Ledertasche mit eingesetzten grünen und rostroten und lila Lederfleckchen, an einem schwarzen dicken Seidenkordon, für Paula-Ju-Ju: Der Wert einer Sache ist eben nicht ihr Geldwert, sondern immer nur der Grad der inneren Kultur des Beschenkers: sein vornehm-exzeptioneller Geschmack! Nie dürfte mir eine Freundin, wenn ich reich wäre, den Schmuck tragen, den diese reichen Unkultivierten schenken! Eine große schwarze Perle ist — — — groß und schwarz, aber schön ist sie nicht. Sie erweckt nur Neid und Eifersucht, ist also ein Geschenk Satans an eine Teufeline!

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Reine Hände und Füße sind gewiß notwendig und angenehm, aber noch viel, viel notwendiger und angenehmer ist ein reiner, gründlich gereinigter Darm!

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Ihr nehmt parfümierte Seifen zu zwei, drei, fünf Kronen. Aber ein Eßlöffel von Rhamnin (Cortex Rhamni Frangulae) würde euch viel reiner und appetitlicher, froher und leichter machen, nämlich von innen heraus!

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Ich bin fest überzeugt, daß Jago, Franz Moor, Macbeth, Mephisto, Hamlet, Wallenstein an Verstopfung litten!

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Das Überflüssige und das Notwendige — — — Hölle und Paradies!

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Die „Jungfrau von Orleans“ hat nie menstruiert. Die dadurch ersparten Lebensenergien verwendete sie, um Frankreich zu erretten!

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Das tiefste Verbrechen der Ärzte in den Sanatorien ist, Schlafmittel nicht restlos ausschlafen zu lassen, Melancholiker zur Nahrungsaufnahme mit Gewalt zu zwingen; reiche Mäzene sollten Prämien aussetzen für ideale, gutmütige, verständnisvolle Pfleger!

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Der Geist ist die notwendige unentrinnbare Folge des Leibes. Wie das Licht der Lampe die Folge von Docht, Petroleum, Luft ist. Rußen tut nur der Leib; der schlimme Geist, das trübe Licht ist eine Konsequenz des ungepflegten Leibes! Der Geist brennt immer gern klar, wenn Docht, Lampe, Luft nur richtig sind! Es gibt keine „Ausnahmen“. Ausnahmen entstehen dadurch, daß man gewisse Ursachen nicht erschauen kann, obwohl sie vorhanden sind! Eine Ausnahme ist eben einer, dessen Ursache man nicht kennt!

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Es gibt nur eine Wahrheit, unter verschiedenen Namen. Siede alle Religionen, alle Philosophien der Welt in einem Weisheitskessel aus, und es bleibt ein allgemeingültiger gleicher Extrakt übrig!

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Jeder bedauert seine weisen Erkenntnisse. Wahrscheinlich sind sie eben weder genug weise noch genug Erkenntnisse!

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Banting war ein Kaufherr, Ludwig Kornaro ebenfalls, Schroth war ein Bauer, Prießnitz ebenfalls, Fletscher ist ein Millionär und Altenberg ist ein Dichter. Aber die Ärzte sind — — — Ärzte!

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Es gibt zwei Dinge, an denen man, bei völliger leiblicher Gesundheit, zugrunde gehen kann; unglückliche Liebe, Eifersucht und Geldkalamitäten. Das sind ja schon drei Dinge. Es wird also jedenfalls noch mehr geben.

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Anklagen erheben gegen die verbrecherische Stupidität in Sanatorien ist zwecklos. Die Ärzte verstehen nichts, und die Pfleger sind Leute, die ihren Beruf als Fleischer und Gefängniswärter verfehlt haben! Ich erkläre jeden Menschen, der in gutgemeinter Absicht einen lieben Verwandten usw. usw. einem Sanatorium zur Pflege überantwortet, für einen wissentlichen Meuchelmörder! Nein, für ein Rindvieh erster Klasse! Ihr Leitmotiv ist: „Sollen die Ärzte ihr Leid an ihm erleben! Ich kann keine Rätsel auflösen, er sagt, er könne ohne die Anna absolut nicht leben! Kann man ohne eine Anna nicht leben, wenn ein geliebter?! Vater dagegen ist?! Marsch, ins Sanatorium! Dort wird man dir ‚die Anna‘ schon austreiben!“

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Nichts ist leichter, als erkannte Wahrheiten predigen. Aber sie nicht zu predigen ist eine feige Gemeinheit!

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Wüste, Steppe, Sümpfe in gesundes Ackerland verwandeln! Aber einige Hypokriten weinen um die verlorengehende Romantik dieser Gegenden!

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„Sie wollen nicht essen, mein Herr, weil Sie verzweifelt sind, melancholisch sind, der Nahrung nicht bedürfen?! Na, wo ist denn der Gummischlauch, durch die Nase in den Magen?! Da wird Ihnen die Verzweiflung schon vergehen, bei einer anderen!“

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Es gibt Pfleger, die „Bauchredner“ sind, und daher jedem Unglückseligen das „fremde Stimmen hören“ beibringen können! Ob sie von den „Beteiligten“ dafür bezahlt sind, weiß man nicht!

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Gebt ihnen nicht das Wissen! Gebt ihnen den Glauben an das Wissen! Siehe, das kann man aber eben nur den Gläubigen! Denn in ihren Herzen ist bereits das Wissen, wenn es auch noch nicht ins Gehirn hinaufgedrungen ist. Sie wissen, mit ihrem gläubigen Herzen! Aber die, so weder mit dem Herzen noch mit dem Gehirne wissend werden können — — — sie sollen unerlöst bleiben ewiglich und verdammt — — — zu innerer Unrast, Unfreiheit und Bösartigkeit!

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„Mein Herr, es ist leichter zu predigen, als es besser zu machen!“ „Ja, aber es schlechter machen und das Bessere nicht einmal zu predigen, das ist eine Infamie!“

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Arzt sein heißt, die Natur in ihren genial weisen Plänen unterstützen und es verhindern, daß man ihre geheimnisvolle Rekonstruktionsarbeit störe! Unterstützungen der Natur sind: Restloser Schlaf bei weitgeöffneten Fenstern mit Ohropax (Watte-Wachs-Kugeln) in den Ohren. Rhamnin (Cortex Rhamni Frangulae) ein Eßlöffel vor dem Frühstück. Bestäuben der ganzen Haut mit Eau de Cologne oder Menthol-Franzbranntwein vermittels einer großen Parfümspritze, Vermeidung jeglichen Ärgers (Krebs der Seele, es frißt weg!). Leichtest verdauliche Nahrung: Weichgekochter Karolinenreis, Gervais mit Salz, junger Camembert mit Salz, harte Eidotter mit Salz, Joghurt, saures Oberes, Pularde, Chapon de Styrie, Sterlett, Branzino, Spinat.

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Nicht trinken dürfen, wenn man durstig ist, gehört zu den scheußlichsten ärztlichen Verordnungen. Freilich kannst du den Durst mit fünf Eßlöffel voll Wasser oft löschen!

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Suppe verdünnt den Magensaft. Mehr braucht man darüber nicht zu sagen!

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Die meisten Bedürfnisse sind nur Ungezogenheiten!

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Kopiös frühstücken heißt, die im Schlafe gewonnenen Lebensenergien sofort für die Verarbeitung völlig überflüssiger Nahrung verschwenden! Das Frühstück hat ein Kultivierter nur zu markieren!

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Schlafmittel müssen restlos ausgeschlafen werden! Sonst wenden sie sich gegen den Organismus. Bei Schlafmitteln zu einer bestimmten Zeit geweckt werden ist ein heimtückischer Nervenmord! Siehe: Sanatorien mit gemeinsamen Schlafräumen!

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Schöne Frauen, seid nackt unter euren Kleidern! Dieses Reizmittel ist von der Hygiene geheiligt! Keine Strümpfe, seidene Socken! Keine Höschen! Der nicht abgehärtete Mensch ist noch kein Mensch!

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„Hast du mich denn aber wirklich auch ein bißchen lieb, Anna?!“

„Liebster, wie könnte ich denn sonst die vielen schönen teuren Geschenke von dir annehmen?!“

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Eine kultivierte Frau sein heißt ganz einfach, die Milliarde unserer Lebensenergien noch um eine Milliarde vermehren!

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Dies, siehe, ist vom Teufel: Rohe Eidotter sind gesund, aber fad!

Wie kann etwas fad sein, das gesund ist?!

Gesundheit ist das größte Amüsement!

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Wenn ihr wüßtet, wie spielend leicht der heilige Magensaft püreeförmige Speisen durchdringt und verarbeitet, verdaut, und wie mühselig feste Stückchen — — — wenn ihr es wüßtet! Aber ihr wißt nichts, zu eurem Verderben!

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„Ich hab noch an guten Magen!“

Noch!

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Die Geschmacksnerven müssen durch die Intelligenz ersetzt werden! Die meisten essen nach ihrem Geschmack!

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Wir sollten nicht so sehr lang leben als kurz sterben wollen!

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Unsere „Apparate“ haben eine himmlische Nachsicht. Sie verzeihen uns jahrelang alle unsere Infamien, Unanständigkeiten, Stupiditäten, die wir begehen. Aber endlich remonstrieren sie — — — mit Krankheit! Da sollten wir doch endlich weise aufmerksam werden! Nein, wir rennen zum Arzt!

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Später ist zu spät!

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Stoff wechseln! Aber nicht nur außen, Batisthemd und seidene Socken, sondern innen, innen! Die innere Wäsche wird gewaschen durch „Verbrennen mit Sauerstoff und Purgieren“! Ihr aber: außen hui, innen pfui!

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Ich sehe eine Säuferleber und saufe dennoch! Ich sehe eine dicke Frau und heirate dennoch!

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Vom Geist, von der Seele aus wollt ihr repariert werden?!? Nein, die Maschinerie muß repariert werden! Man denkt anders, man empfindet anders nach Bohnenpüree wie nach Bohnen mit der Schale!

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Man sollte jede ungezogene, lieblose, hartherzige Frau fragen, was sie denn am Abend vorher supiert habe?! Sagt sie: „Bries mit Spinat,“ dann bist du verloren! Gib jede Hoffnung auf! Aber sagt sie: „G’selchtes mit Knödel“, dann rate ihr zu: „Bries mit Spinat!“ Ein letzter Versuch!

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Ich kann mir leider auf nichts mehr einbilden, seitdem diese dummen alten Griechen das Wort geprägt haben: „Mens sana in corpore sano!“ Und außerdem waren es sogar Lateiner!

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Iß schön deine Suppe! ist genial-richtig gesagt. Denn die Suppe muß die Konsistenz einer dickflüssigen Speise haben, sonst verdünnt sie dir nur deinen wertvollen Magensaft, den du doch, wie du nicht weißt, zu Wichtigerem brauchst!

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Auch „Arteriosklerose“ kann man für zwanzig Jahre besiegen, wenn man rechtzeitig weiß, daß man sie hat! Nur „nicht wissen wollen“, ist eine irreparable Sünde!

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Sich wiederholen?! Ja, man wiederhole: 2 und 3 macht 5!

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Napoleon I. soll von einer wunderschönen Frau, die ihn fast mystisch verehrte, gesagt haben: „Qu’elle se déshabille!“ Es gibt aber entgegengesetzte Naturen, die in einem solchen Falle mit ebensolcher Berechtigung sagen könnten: „Qu’elle ne se déshabille pas!“

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„Wann soll man also eigentlich essen, Herr von Altenberg, nach Ihrer Ansicht?!“ Erstens lassen Sie das „von“ aus, zweitens ist es nicht meine Ansicht, sondern die der Natur selbst, und drittens: Bis dir der Gedanke an eine alte Brotrinde das Wasser im Munde sozusagen zusammenlaufen macht!

„Herr von Altenberg, ist es in ‚sexuellen Dingen‘ vielleicht ebenso?!?“ „Ja, ganz ebenso!

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Der Sokrates hat den „Giftbecher leeren“ müssen wegen seiner Ansichten über das Leben, mich laden sie wegen meiner Ansichten zu „Champagner“ ein. Jedenfalls eine angenehmere, wenn auch langwierigere Todesart!

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Eine schreckliche und gefährliche Erkrankung für junge Mädchen ist: Ewige Dezentralisation durch „Amüsements“. Da kann sich nämlich nichts im Innern langsam organisieren, wenn man es immer durch Äußeres stört oder unterbricht! Mütter sind daher schamlose Verbrecherinnen, die darüber erfreut sind, daß ihr Töchterchen immer erfreut ist! „Sie ist kopfhängerisch“ würde natürlich bedeuten: „Sie ist wertvoll!“ „Sie ist lustig“ bedeutet natürlich: „Sie ist flach und wertlos!“

Wollt ihr nicht endlich, Betrüger und Selbstbetrüger, diese verlogenen Ausdrücke: „Liebe“, „Freundschaft“ durch die heiligen Worte ersetzen: „Weise Erkenntnis“?! Niemandem nämlich kannst du nützen wie durch weise Erkenntnis seiner Bedürfnisse! Mutterliebe, die das geliebte Töchterchen aus dem heiligen wertvollen, ja unentbehrlichen Morgenschlaf in das Leben hineinzerrt, ist Mutterhaß! Mütter maßen sich Erziehungsintelligenz an, weil sie konzipiert und geboren haben, zwei Vorgänge, die mit dem „Geist“ nichts gemeinsam haben!

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Vom „Geist“ aus müßt ihr göttlich werden können, das heißt gerecht, gütig und wahrhaftig, ihr Lügetiere! Es gibt keinen Ehrentitel: Mama, man muß sich ihn erst redlich verdienen!

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Melancholiker (und welcher Kranke wäre keiner?!) in Sanatorien, wo man sowieso in gedrücktester, verzweifelter Stimmung sich befindet, zu normaler Nahrung und Einhaltung von Speisestunden zu zwingen, zumal mit Androhung künstlicher Ernährung durch den Nasenschlauch, ist eine verbrecherische Stupidität, die überall im sogenannten aufgeklärten Europa, inmitten der Kontrolle?! der bürgerlichen Gesellschaft ausgeübt wird, die sich über sibirische Gefängnisse jedoch angenehm skandalisiert! Pfui Teufel! Ihr jesuitischen Feiglinge!

Melancholisch Bedrückte, Stoffwechsel-Verlangsamte, Brütende, Trauernde kommen mit einem Minimum von einem Minimum von Nahrung aus (drei Gläser Joghurt, drei rohe Eidotter mit Salz in Suppe gesprudelt, Milchkaffee, Biskuit). Das Wort „essen“ ist in Mostschädel, Idiotengehirne eingenistet, aber das Wort „verdauen“ begreifen sie nicht! Denn sie verdauen tatsächlich alles, was sie fressen, diese Gesundheitsviecher! Und gerade diese Untiere sollen die Abnormalen, die Kranken, verstehen?!? Die Kranken sollten die Gesunden internieren, damit diese an ihnen keine Gemeinheiten begehen können! Ich sah einen vormittags Bratwürstchen mit Rotkraut verzehren, infolgedessen gab ich den Verkehr sogleich mit ihm auf. Da kann nichts Gutes herauskommen, bei dieser verbrecherischen Lebensführung!

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Wenn ich die Leute in den Sanatorien so Revue passieren lasse — — — lauter nette, feine, gescheite, ruhige, anständige Menschen! Was macht es, daß sich einer für einen Kaiser hält und eine für eine Fürstin?! Alle sind ganz normal, bis auf eine kleine, unscheinbare, fixe Idee. Aber draußen, draußen im Leben, da ist ein jeder voll von fixen Ideen! Der eine hat Ehrgeiz, wozu, weshalb?! Der andere will von einer geliebt werden, die ihn nicht ausstehen kann. Einer stirbt vor Eifersucht wegen einer, die es nicht einmal verdiente, daß man sich ihren Namen, viel weniger ihre Adresse merke. Einer hofft, ewig begehrenswert zu bleiben; eine, ewig taufrisch! Einer glaubt etwas zu sein, weil eine, die nichts ist und noch weniger, auf ihn „fliegt“! Einer läßt sich ein hellblaues Samtgilet machen mit grünen Glasknöpfen. Einer zahlt einer ein Kalbsfilet mit Spargelspitzen und ist überzeugt, bei ihr eine Eroberung gemacht zu haben. Ein anderer zahlt noch mehr und ist noch überzeugter! Die begehrten Frauen fühlen sich wie in einem Irrenhaus. Nur die begehrenden Männer nicht. Die sind zu borniert dazu. Die nehmen alles ernst. Eine junge Dame sagte zu mir: „Daß wir die Männer brauchen, das begreife ich! Als idiotische Wurzen! Aber wozu sie uns brauchen, das kann ich nicht begreifen!“

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Lukullus-Diner: Soupe Crême d’orge; Asperges de Eibenschitz et Pudmeritz; Bries gratiné sauce Parmesan; Zanderfilets, sauce pomo d’oro salée; Crême de framboises; poires bonne femme; Gervais, Camembert, Roquefort, Chester; Café au lait; Kurfürstlicher Magenbitter „Danziger Lachs“; das Recht, seiner schönen Nachbarin, vom servierten Kaffee an, ganz sachte und zart die Hand auf ihr Knie legen zu dürfen!

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Eine angezogene Frau hasse ich wegen ihrer Kompliziertheit, und eine ausgezogene wegen ihrer Primitivität! Wenn man einmal eine angezogene Frau fände, die man sich nicht ausgezogen wünschte, und eine ausgezogene, die man sich nicht angezogen wünschte! — — — Das wäre das Glück!

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„Herr Peter, was spricht man denn stundenlang mit dieser Person, ein so intelligenter Mensch, was Sie sind?!?“

„Dasselbe, was man mit der Antilope spricht, der Gazelle und dem Kolibri! Man bewundert sie!“

Langweilen Sie sich nie mit ihr?!“

„Nein, sie mit mir!“

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Wenn ich sogar mit Beethoven beisammen sitze, so schaue ich doch unwillkürlich, ob er kurzgeschnittene ganz reine Fingernägel habe! Später erst sage ich mir beschwichtigend, er habe die IX. Symphonie gedichtet.

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Eine Frau muß absolut einen nach süßen Mandeln duftenden Atem haben! Diese Tragödie müßte man einmal schreiben, wo eine Frau sämtliche herrlich tiefen Eigenschaften einer wertvollsten Frau habe, und nur einen unidealen, wenn auch noch nicht ganz schlechten, Atem! Aber dazu sind unsere Dichter zu wenig — — — Dichter! Die halten noch bei den Komplikationen der Seele, ha ha ha ha!

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Treue ist ein Wort, das die Männer wegen bequemer Selbsttäuschung und die Frauen wegen Geld erfunden haben!

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Nur die sehnen sich nach dem Unbewußten zurück, denen das Bewußtsein nur die Erkenntnis gebracht hat, daß sie Esel waren und geblieben sind!

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Beweis für „begehrenswert“ sein, ist nur, wenn man mit einer bestimmten Dame lieber als allein in die „Meistersinger“ ginge, lieber mit ihr als allein eine Dolomitentur machte, lieber mit ihr als allein sein Geld ausgeben möchte! Die anderen Anzeichen von „begehrenswert“ sind ungültig!

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Deine allererste Enttäuschung an einer geliebten Frau sei auch immer sogleich deine allerletzte! Glaube ja nicht an Zufälligkeiten! Sie ist stets ein wohlgeordnetes logisches Mistvieh!