SPLITTER
Zum Singen gehört die heilige Trinität: ein feines Ohr, eine feine Seele, ein feiner Geist! Die meisten haben höchstens ein feines Ohr. Und das haben sie meistens nicht!
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Es ist angenehmer, mit Frauen zu verkehren als mit Männern! Die Frau denkt: „Ich versteh einmal gar nichts. Er versteht vielleicht auch nicht viel. Aber mehr als ich versteht er jedenfalls!“
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Eine Dame sagte zu mir: „Wissen Sie, was mir an Ihnen am meisten imponiert hat?! Daß Sie wissen, was eine ‚legierte Suppe‘ ist! Das weiß der Hofmannsthal nicht und der Dehmel nicht und der George nicht. Der Shaw weiß es vielleicht, aber er wird uns zum Narren halten und uns erklären, daß es eine Suppe sei, in die uneheliche Kinder hineingesprudelt werden!“
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„La forme littéraire de son esprit était — — — la lettre!“
La forme littéraire de son esprit était: la conversation!
La forme littéraire de son esprit était, de mettre la main tendrement sur les genoux d’une dame pendant le souper!
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Es ist eine Bestialität, bei Tag und bei Nacht auf der eigenen Loblauer zu liegen!
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„Eine Dame läßt man nicht warten,“ ist von Anno 1870, zur Zeit des Börsenkrachs.
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Attachements an Frauen werden immer bestraft. Selbstverständlich. Solche horrende Stupiditäten können gar nicht genug bestraft werden.
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Es gibt dreierlei Menschen, die kein Geld haben: die Verschwender, die Geizigen und die Armen.
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Man muß wenigstens der Leithammel seiner eigenen Schafherde werden können!
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An der Frau erlebt man nicht nur die Enttäuschungen, die sie uns bereitet, sondern auch jene, die wir ihr bereiten!
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Ein glückliches Paar: Er tut, was sie will — — — und sie tut, was sie will.
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Es ist traurig, eine Ausnahme zu sein. Aber noch trauriger ist es, keine zu sein.
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Bekehren?! Man kann einen Vogel nicht dazu bekehren, daß unter Wasser zu atmen leichter, angenehmer und gesunder sei! Dazu kann man nur einen Fisch bekehren!
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Bei der Auswahl eines japanischen Papierkorbes kamen sie ganz auseinander. Sie sagte: „Wie gut, daß es nicht erst im Bett geschehen ist!“
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Die Französin:
„J’ai vu dans un certain théâtre un certain Girardi, qui m’a fait une certaine impression dans une ville qui m’en a fait aucune!“
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Im Augenblick, da man eine Frau „sein eigen“ nennt, ist sie es schon nicht!
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Auch der Hund ist nur wertvoll, weil er sich nach uns sehnt, wenn wir nicht da sind. Ein Hund, der sich nicht nach uns sehnt, ist ein Hund!
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Es ist nicht wahr, daß man eine geliebte Frau sein eigen nennen will, man will vor allem nicht, daß der andere sie so nenne!
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„Aber Peter, deine Angeschwärmte macht sich doch lustig über dich!“
„Ich würde mich schämen, so wenig kompliziert zu sein, um von der Dame verstanden zu werden! Außerdem habe ich eine Glatze und kein Geld.“
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„Langweilen Sie sich nie mit dieser Person, Herr Peter?!“
„Nein, sie mit mir!“
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Das Publikum ist für sein Geld gern reserviert, ohne Stimmung. Ich bin für das Geld von anderen gern stimmungs-voll!
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Hedi Weingartner, Mademoiselle Morvay, Elsa Török, Paula Hein und eine goldrote Fremde sind die besten Tänzerinnen im Saale! Ist das ein Aphorismus?! Nein, aber wahr ist es!
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Die maurische Tänzerin tanzt mit den langen graubraunen Händen und Fingern anmutiger als viele andere mit den langen weißen Beinen!
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„Was spricht man mit so einem Mädchen den ganzen Abend?!“
„Dasselbe, was man mit der Antilope, der Gazelle und dem Kolibri spricht! Man bewundert sie!“
„Und das genügt Ihnen?!“ sagen immer diejenigen, denen etwas noch viel weniger Wichtiges genügt!
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Paula Hein tanzt unübertrefflich Tango! Wenn sie noch dazu ein Kollier von erbsengroßen Perlen eines Grafen umhätte, würde das Publikum ihre Kunst anerkennen!
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Heute, Sonntag abend, treten Esthère und Hélène zum erstenmal auf. Es ist, wie wenn man sagte: „Punkt elf Einzug der Göttin Anmut!“
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Die russische Truppe Glazeroff ist „ein feuriger Wirbelsturm“. Mancher könnte von ihnen Elan lernen! Aber „Elan“ erlernt man nicht!
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Die lange, edel gebaute Engländerin Deeley tanzt in einer weiten, langen, himbeerfarbigen Samthose (Herrenhose) und mit gelben Holzpantinen. Wenn ich denke, wie Frau Kl........ erst darin ausschauen würde! Aber sie trägt leider „Paquin-Modelle“!
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Frauen haben nicht nur fünf Sinne mitbekommen, sondern auch einen sechsten und sogar einen siebenten Sinn für alle Lächerlichkeiten und Eitelkeiten des Mannes, der sie verehrt! Er aber glaubt alles ausgleichen zu können mit seinem — — — Geiste!
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Hedi Weingartner ist im Apollosaal unbedingt die ideale Repräsentantin der Wiener Tänzerin: Eine riesige Verve, gutmütig, ein edel-süßes Gesichterl, bescheiden, lebenslustig und dabei doch innerlich ganz traurig. Worüber? Fragen Sie doch Franz Schubert und Hugo Wolf!
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Von der Idee, daß es einer Rose im Glase vielleicht weh tut, wenn sie an eine andere zu nahe angepreßt ist und sich nicht entfalten kann, bis zu der Idee, daß es jemandem, der einen liebhat, vielleicht weh tut, wenn man — — —, ist ja nur ein Weg, der Weg des Herzens!
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Tanzen: Zuerst tanzt man zu wenig; hernach tanzt man zu viel, und bis man’s kann, tanzt man weder zu wenig noch zu viel, sondern gerade recht! Ist es mit allem so?! Ja, mit allem!
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Würde! Würde ist nichts anderes als so viel zu können, daß man’s nicht mehr nötig hat, es zu zeigen!
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Wenn eine Frau einen sehr, sehr gern hat, so bemerkt man dennoch, das heißt, man bemerkt natürlich nicht, daß sie neben einem, ganz neben einem, hinwelkt, matt wird, ganz matt wird und stillschweigend verkommt! Woher, meine Herren, kommt das?! Wissen Sie, was Sauerstoff ist und Verbrennung, Stoffwechsel?!
Es entsteht durch Anregungen, durch Anregungen mancherlei Art. Nur durch Anregungen, von selbst nie, nie! Verstanden?!
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Wenn wir eifersüchtig sind, entsteht gerade jene Spannung, die die Frau braucht, um den anderen interessant zu werden. Wie sollte sie also darauf verzichten können? Wenn sie uns unseren Frieden läßt, macht sie ein schlechtes Geschäft. Vorläufig hat sie noch uns und die anderen. Später, wieder ein gutes Geschäft, nur mehr die anderen!
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Frauen nehmen uns drei Viertel unserer Lebensenergien weg. Wenn wir sie aber nicht hätten, hätten wir überhaupt keine Lebensenergien. Freilich, es gibt noch andere Stimulantien unserer Maschinerie: Eitelkeitsbefriedigungen, Ehrgeiz und Geldsucht. Aber das sind Phantome. Der Leib der Frau ist leider eine Tatsache!
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Der Mörder.
Wenn mein herziges Kanarienvogerl seine ihm notwendige Freiheit durchs Fenster nimmt, so habe ich zu warten, ob das unvernünftige leichtsinnige Tierl ein grauslicher Kater frißt oder ob es in sein Käfigerl „reuig“ (ein schönes und blödes Wort!) zurückkommen werde! In keinem Falle habe ich mit der Browning nach ihm zu schießen! Auch dann nicht, wenn ich ein fescher Tangotänzer bin! Verstanden, Sie, Herr von Mörder?!
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Moderne Schauspielerin:
„Ich will auf der Bühne nicht mehr schreien und weinen, ich will Gedankenstriche laut und deutlich nicht sprechen!“
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Hausfrau und Gast:
„Bei uns ist es langweilig, aber man ißt gut.“
„Dann ist es doch nicht langweilig!“
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Man kann mit einer „Gefallenen“ beisammensitzen, selbstverständlich. Nur mit einer Mätresse kann man es nicht, dieser Gefallenen eines Einzelnen!
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Waldspaziergang im Herbstnebel:
„Hier, hier ist es friedvoll, hier kann einen nichts stören und irritieren als höchstens eine geliebte Frau!“
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A la Pschütt-Karikaturen:
Weshalb verzögern uns die geliebten Frauen die letzte Gnade?! Weil sie wissen, daß es ihre letzte ist!
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Wenn eine Dame über jemanden sagt: „Es ist nichts zwischen uns, man kann nur so gut mit ihm über alles reden!,“ dann kann sie eben auch so gut mit ihm darüber reden, wann man mit ihm wird — — — wieder reden können!
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Viele Mädchen, die zum Geschirrabwaschen bestimmt waren, gehen später auf die Fasanenjagd. Sie haben ihren Beruf verfehlt!
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Der „Tango“ ist eine ethische Angelegenheit: er ist der Ausgleich für alles, was der Mann der Frau schuldig geblieben ist! Ihre Verzweiflung heißt: Tango! Irgendwo muß sie sich anständig austoben!
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Der edle Tango ist eine Platonisierung der Sexualität durch schöne rhythmische Bewegung!
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Ein Handkuß kann eine letzte Ehrerbietung sein oder eine erste körperliche Berührung!
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Jeder tanzt den Tango, so wie er selbst ist! Die meisten daher hundsordinär!
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„Esthère, du wirst nie wissen, was du mir gewesen bist!“
„O ja, aber erst, wenn es für mich einen Seltenheitswert bekommen hat.“
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„Weißt du, daß das Drehen deines Köpfchens beim Tanzen und das Schütteln deiner Locken mich seliger machen als die ganze Gnade jeder andern?!“
„Mein Freund, ich weiß es. Deshalb solltest du mir auch ein ganz besonders schönes Weihnachtsgeschenk machen!“
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Naturschutzpark:
Gegenden „jungfräulich“ erhalten wollen?! Schwer aber verdienstlich!
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Wenn einem Manne, der selbst unglücklich geliebt hat, ein anderer sich anvertraut in seiner unglücklichen Liebesangelegenheit, hat er das Glück, ihm dieselben stupiden weisen Ratschläge zu geben, die ihm selbst einst gegeben wurden und die ihm in nichts genützt haben, sondern ihn nur weiter hineingerissen haben!
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Tränen eines Mannes wirken nicht, weil die Frau sie nach ihren eigenen billigen taxiert!
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Das Eheglück:
Wenn alles glatt geht, dann geht’s erst recht schief!
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Wenn ein Wertvoller sich umbringt, erfährt man es nie, weshalb?! Weil die Wertlosen, die es veranlaßt haben, es vertuschen!
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„Peter, der Gervaiskäse, den du mir als Souper angeraten hast, hat mir nicht gut getan!“
„Wahrscheinlich hast du dich im Laufe des Tages über irgend etwas ‚gegiftet‘!“
„Ja. Aber wie kommt das zum Gervais?!“
„Selbst Gervais wird dadurch unverdaulich!“
„Ja, Peter, Gervais, und sich nicht über Tag giften, so schön und einfach ist das Leben nicht!“
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„Machen Sie sie mit einer anderen eifersüchtig!“ ist ein perfid-blöder Rat. Denn wenn man sie nicht so gern hat, daß man ihr eben das nicht antun kann, dann hat man sie überhaupt nicht gern!
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„Alles zu seiner Zeit“ ist ein großartiges Sprichwort. Die Frauen möchten es gern befolgen! Aber die Männer lassen sich nicht Zeit zu „seiner Zeit“!
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Zeige mir deine Fingernägel, und ich werde dir sagen, ob du dich an mir rächen wirst! Wofür?! Daß meine schöner sind! Ist es mit dem Rücken und den Beinen ebenso?! Nein, denn man sieht sie nicht. Aber auf dem Lido?! Ja, dort ist es ebenso!
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Die einzige Art, den Haß gegen besser Ausgestattete zu besiegen, ist die Bewunderung! Künstler sein ist, das Bessere bewundern zu können, statt es zu hassen!