Untergang der alten Herrscher und Aufstieg der neuen Klasse.
Das Verschwinden der Riesengeschlechter der mittelalterlichen Saurier ist verschiedenen Ursachen zuzuschreiben. Als solche haben wir in erster Linie die Riesenhaftigkeit, die Plumpheit und Schwerfälligkeit, die geringe Fortpflanzungsfähigkeit und den großen Futterbedarf anzusehen. Es ist eine allgemein verbreitete Erscheinung, daß gerade die Riesenformen, sowohl unter Pflanzen wie unter Tieren, sich am schnellsten erschöpfen, während die kleineren Formen eine viel größere Lebenskraft haben. Welches Land könnte auf die Dauer Herden von Atlantosauriern, Brontosauriern, Gigantosauriern, Diplodoken usw. ernähren? Die Riesenformen ersticken sozusagen unter ihrer eigenen Last. Dabei sind sie von ihrer Umgebung weit mehr abhängig als die Kleinen. Jede Schwankung des Klimas, womit zugleich ein Wechsel der Pflanzenwelt verbunden ist, muß ihnen gefährlich werden, da sie durch ihre einseitige Entwicklung jede Anpassungsfähigkeit verloren haben. Wenn ein wasserreiches Land zur trockenen Steppe oder gar zur Wüste ward, oder wenn es umgekehrt langsam sank und das Meer vordrang, so gab’s für jene tappigen, schwer beweglichen Fleisch- und Knochenberge kein Entrinnen mehr. Dazu kam aber noch, daß ihnen aus anderen Klassen sehr gefährliche Konkurrenten erwachsen waren, den Fisch- und Langhalsdrachen in furchtbaren Haien und Seesäugetieren, den Landsauriern in den Landsäugetieren, den Flugdrachen in den Vögeln. Diese letzteren mögen selbst manchen Vertretern der Dinosaurier gefährlich geworden sein. Der Reptilientypus war einer besseren Ausbildung, einer Steigerung der Organisation nicht mehr fähig, wohl aber war dies beim Vogeltypus der Fall. Hier finden wir vor allem eine scharfe Trennung und bessere Ausbildung des Blutkreislaufs. Arterielles und venöses Blut mischen sich nirgends, und letzteres wird durch intensive Sauerstoffzufuhr, das heißt bessere Atmung rascher aufgefrischt. Es findet eine lebhaftere Verbrennung, infolgedessen Steigerung der Bluttemperatur und der Lebensenergie statt; die Verdauung wird eine viel raschere, der Stoffwechsel ein regerer; das Gehirn erhält mehr Blut und die beiden Halbkugeln des Großhirns erfahren bedeutende Förderung. Das leichte, luftige und zugleich warme Federkleid sichert die Warmblütigkeit des Körpers noch beträchtlich und verschafft dem Vogel die Unabhängigkeit von der Lufttemperatur und dem Klimawechsel; die Kälte der Nacht, des Winters, des Hochgebirges, des Pols, selbst der Eiszeit vermag ihm nichts mehr anzuhaben. Dazu die sorgfältige Brutpflege, das Anlernen der Jungen und die höhere Intelligenz, das alles mußte dieser neuen Klasse den Vorrang und den endlichen Sieg verschaffen.
Woher die Vögel eigentlich stammen? Die Frage ist noch offen. Man könnte an die Flugdrachen denken, aber damit ist’s nichts; zwischen beiden Gruppen gibt’s wohl mancherlei Ähnlichkeiten (Analogien), die durch gleichartige Lebensweise bedingt sind wie zwischen Fisch und Walfisch, aber keine Blutsverwandtschaft. So ist der Flugapparat eines Flugfingers oder einer Schnabelschnauze anatomisch etwas ganz anderes als ein Vogelflügel, wie auch der Flügel einer Fledermaus und der eines Schmetterlings anatomisch und entwicklungsgeschichtlich miteinander nicht zu vergleichen sind. Nun haben wir früher gehört, daß gewisse Schreckdrachen — Iguanodon und Verwandte — im Bau der Hinterglieder auffallend an große Laufvögel erinnern, weshalb sie den Namen der Vogelfüßigen (Ornithopoden) erhalten haben. Das scheint darauf hinzuweisen, daß wir in jener Gegend den Ursprungsort der Vögel zu suchen haben. Beide so verschieden geartete Stämme haben offenbar eine gemeinsame Wurzel, die bei den Urreptilien der älteren Triaszeit oder der Permzeit zu suchen wäre. Das ist alles, was sich über den Ursprung der Vögel sagen läßt.