II

IN jenem fernen, fremden Lande jenseits des Meeres lebte ein junger Prinz, dessen Mutter eine kummervolle Königin war. Diese Königin war in Ungnade gefallen und lebte mit ihrem einzigen Sohn an der Meeresküste. Der Prinz verlebte seine Kindheit allein und verlassen; er saß bei seiner verlassenen Mutter und wob das Netz seiner ungeheuren Wünsche. Er sehnte sich auf die Suche zu gehen nach dem fliegenden Roß, nach dem Edelstein in der Haube der Kobraschlange, nach der Himmelsrose, nach dem Zauberstab oder nach dem Orte jenseits der dreizehn Flüsse und sieben Seen, wo die Prinzessin Tausendschön im Schloß des Ungeheuers schlief.

Vom Sohn des Kaufmanns lernte der junge Prinz in der Schule die Geschichten von fremden Königreichen. Vom Sohne des Amtmanns hörte er das Märchen von Alladin und der Wunderlampe. Und wenn der Regen herniederrauschte und die Wolken den Himmel bedeckten, saß er auf der Schwelle, und auf die See hinausblickend sagte er zu seiner kummervollen Mutter: „Mutter, erzähle mir eine Geschichte von einem ganz fernen Lande.“

Und dann erzählte ihm seine Mutter eine endlos lange Geschichte, die sie in ihrer Kindheit gehört hatte, von einem Wunderlande jenseits des Meeres, wo die Prinzessin Tausendschön lebte. Und das Herz des jungen Prinzen wurde krank vor Sehnsucht, wenn er da auf der Scholle saß und hinausblickte auf den Ozean und der Wundergeschichte seiner Mutter lauschte, während draußen der Regen herniederrauschte und die grauen Wolken den Himmel bedeckten.

Eines Tages kam der Sohn des Kaufmanns zum Prinzen und sagte kühn: „Kamerad, meine Studien sind zu Ende. Jetzt will ich auf Reisen gehen und auf dem Meere mein Glück versuchen. Ich komme, dir Lebewohl zu sagen.“

Der Prinz sagte: „Ich will mit dir gehen.“

Und der Sohn des Amtmanns sagte auch: „Kameraden, ihr habt immer treu und redlich an mir gehandelt, ihr werdet mich nicht zurücklassen. Auch ich will euer Gefährte sein.“

Da sagte der junge Prinz zu seiner kummervollen Mutter: „Mutter, ich will jetzt auf die Reise gehen und mein Glück suchen. Wenn ich wieder zurückkomme, werde ich ein Mittel gefunden haben, all deinen Kummer zu bannen.“

So machten sich denn die drei Gefährten zusammen auf die Reise. Im Hafen lagen die zwölf Schiffe des Kaufmanns vor Anker, und die drei Gefährten gingen an Bord. Der Südwind blies, die zwölf Schiffe segelten fort, und die Wünsche des Prinzen flatterten ihnen voran.

An der Muschelinsel füllten sie ein Schiff mit Muscheln. An der Sandelbauminsel füllten sie ein zweites Schiff mit Sandelholz, und an der Koralleninsel füllten sie ein drittes Schiff mit Korallen.

Vier Jahre gingen dahin, und sie füllten noch vier Schiffe, eins mit Elfenbein, eins mit Moschus, eins mit Gewürznelken und eins mit Muskatnüssen.

Aber als diese Schiffe alle beladen waren, erhob sich ein furchtbarer Sturm. Alle Schiffe gingen unter mit ihren Nelken und Muskatnüssen und Moschus und Elfenbein und Korallen und Sandelholz und Muscheln. Aber das Schiff mit den drei Gefährten schlug gegen das Felsenriff einer Insel, warf sie wohlbehalten ans Ufer und brach selbst in Stücke.

Dies war die berühmte Karteninsel, wo As und König und Königin und Bube mit den Neunen und Zehnen und all den anderen Ständen nach den festgesetzten Regeln lebten.