Einladung zur Tafel.
Wird man zur Tafel eingeladen, so entsteht die Pflicht, sich später hierfür zu revanchieren, wenn man die geeigneten Räumlichkeiten zum Abhalten einer Gesellschaftstafel hat. Einzelstehende Personen revanchieren sich hierfür bei Familienfestlichkeiten durch Überreichen eines Geschenks. Erscheine zur Tafel stets pünktlich. Bist du abgehalten, so teile dein Fernbleiben unter dem Ausdruck des Bedauerns sofort mit. Den Grund hierfür anzugeben ist nicht nötig. Eine Verfehlung hiergegen würde wohl als Verzicht auf spätere Einladung in diesem Kreise angesehen. Das Erscheinen wird nicht angezeigt. Bin ich zu einer Familienfestlichkeit nicht geladen, so darf ich es nicht übel nehmen, sondern ich muß denken, daß eben nur die vertrautesten Freunde des Hauses geladen sind, zu denen ich noch nicht gehöre.
Auf der Einladungskarte schreibt man statt der Bemerkung „U. A. w. g.“, d. h. „Um Antwort wird gebeten“ diesen Passus lieber ganz aus, um jede Mißdeutung oder jedes Übersehen auszuschließen. — Lade nie einen Gast zu dem Zweck, daß dieser durch seine künstlerischen Vorträge die Gesellschaft unterhalten soll, da dieses im Grunde genommen als eine Beleidigung des Künstlers angesehen werden kann. Auch wäre der Spott auf deiner Seite, wenn du mit diesem Antrag abgewiesen würdest. Deine Einladung fasse kurz:
Berlin, den 28. Juli.
Die Unterzeichneten beehren sich, Herrn und Frau B. für Mittwoch, den 1. August, nachmittags 5 Uhr, zu einem einfachen Kaffee und Abendessen ganz ergebenst einzuladen.
Heinrich A. und Frau.
Oder:
Berlin, den 1. Februar.
Herr und Frau B. werden freundlichst gebeten, nebst Frl. Töchtern den am 10. d. Mts. in unsern Wohnräumen stattfindenden Familienball mit ihrer Gegenwart beehren zu wollen. Beginn des Vergnügens abends 8 Uhr.
Heinrich A. und Frau.
Diese kurze Form der Einladung ist für alle vorkommenden Fälle vollkommen genügend. Sie sagt dem Eingeladenen in höflicher und bündigster Weise alles, was er zu wissen nötig hat. Für eine größere Mittags- oder Abendtafel wird aus den vorher erläuterten Gründen links unten noch das U. A. w. g. (oder der genannte Satz) hinzugefügt. Dies zu tun bleibt jedem natürlich auch bei andern Einladungen unbenommen, sobald er wünscht, daß die Anzahl der Gäste zuvor schon wenigstens annähernd bestimmt sein möchte. Diese Einladung soll geschrieben sein, höchstens bei großer Anzahl der Gäste ist sie gedruckt. Den Zweck, Ort und Zeit hinzuzufügen sei dir überlassen. Bei der Versendung verwende einen Dienstboten, in größeren Städten die Post. Sind gedruckte Formulare verwendet worden, so müssen die Briefe auch geschlossen sein.