3. Der Damensattel.
Es ist schon mehrfach darauf hingewiesen worden, welche besonders wichtige Rolle der Sattel bei der Damenreiterei spielt. Nur der vorzüglichst konstruierte ist gerade gut genug, wenn Beschädigungen des Rückens der Pferde vermieden werden sollen. Es wird deshalb sich als nützlich erweisen, auf die maßgebenden Gesichtspunkte bei der Wahl des Damensattels etwas näher einzugehen.
| Fig. 21. | Fig. 22. |
| Fig. 23. | Fig. 24. |
| Fig. 25. | Fig. 26. | |
| Alte Damensättel. | ||
Um zu zeigen, welche Veränderungen der Damensattel im Laufe der Jahrhunderte durchgemacht hat, bringe ich in Abbildungen einige alte Modelle (Fig. 21-26) nach Zeichnungen vom Maler M. Veit, welche in ihrer Deutlichkeit einen Vergleich ermöglichen, während Fig. 27 einen modernen Damensattel zeigt. Die größte Veränderung, welcher der Damensattel vor etwa 50 Jahren unterzogen wurde, ist die Anbringung eines an der linken Seite befindlichen, nach unten gedrehten sog. Jagdhorns, welches über dem linken Knie liegt, und dessen Erfindung Baucher zugeschrieben wird. Zuerst nur als Sicherheitsfaktor für Jagdreiten gebraucht, hat es sich nun gänzlich eingebürgert und den Fortfall des früher an der rechten Seite befindlichen, für die Dame unbequemen Hornes veranlaßt, welches mit dem an der linken Seite befindlichen, nach oben gerichteten Horne die »Gabel« bildete, in welcher das rechte Bein der Reiterin ruhte und die einzige Stütze der Reiterin auf dem Sattel bildete. Wie unsicher aber dieser Sitz war, habe ich einst an meiner Frau gesehen, die eine recht gute Reiterin war. Bei einer unvermuteten Lançade des Pferdes stand sie einfach neben demselben. Hier konnte also die Reiterin mit Leichtigkeit aus dem Sattel geschleudert werden. Seitdem das Jagdhorn angebracht ist, kann sich die Reiterin mit den Beinen – richtig eingeschnallter Steigbügel vorausgesetzt – an den beiden linken Hörnern durchaus festklammern. Aus diesem Grunde wurde das rechte Horn der »Gabel« überflüssig und konnte fortfallen, an dem sich die Reiterin bei der Zügelführung mit zwei Händen und auch sonst oft genug stieß.
Infolge dieses durch das Jagdhorn geschaffenen, von vornherein sicheren Reitsitzes, welcher kaum erlernt, nur geübt zu werden braucht, hat also die Dame einen bedeutenden Vorsprung vor dem Herrensitz, zu dessen Erlernung – wenn er allen Anforderungen genügen und für jede Bewegung des Pferdes sicher sein soll – Jahre erforderlich sind.
Bei der Konstruktion des Damensattels ist zuerst die Lage des rechten Beines in Betracht zu ziehen, welches niemals höher, besser sogar etwas tiefer als der Sitz liegen darf, was für die Zügelführung sowohl wie für die gerade Haltung von besonderer Wichtigkeit ist. Ebenso wichtig ist die Anbringung des Jagdhorns sowohl wie die Form desselben. Es darf weder zu lang, noch zu kurz, am wenigsten aber zu geschweift sein und den Schenkel der Dame umfassen. Es würde sie das hauptsächlich im englischen Trabe, bei welchem sie mit dem Gesäß nicht auf dem Sattel bleibt, stark behindern, bei eventueller Trennung vom Pferde aber unter Umständen schwere Verletzungen herbeiführen; auch darf es weder zu tief noch zu weit rückwärts angebracht sein. Ist dann der Bügel so verpaßt, daß beide Kniee möglichst eng aneinander liegen, so ruhen beide Beine flach an der Seite, wodurch einer Verdrehung der Wirbelsäule sowohl wie dem »Hängen« an der linken Seite vorgebeugt wird. Dieser Sattel unterscheidet sich von dem älteren dadurch, daß er einen flachen Sitz hat (vergl. Fig. 27), während jener einen ausgearbeiteten Sitz hatte, in welchem die Dame tief saß, und demnach auch mit der Wirbelsäule eine größere Drehung zu machen hatte. Fig. 28 zeigt ein Pferd im Stalle unter dem flachen Damensattel, den Sitz der Dame auf einem solchen zeigte Fig. 4, während Fig. 3 den Sitz der Dame auf dem älteren Damensattel mit tiefem Sitz veranschaulichte. Man sieht daraus, daß die soviel angegriffene Drehung der Wirbelsäule bei dem flachen Sattel eigentlich ganz fortfällt.
Fig. 27.
Moderner englischer Damensattel.
Ferner sollte das Jagdhorn stets beweglich angebracht sein. Man kann es so für jede Dame am leichtesten verpassen, und die Reiterin kann sich bei längeren Ritten die Lage selbst ändern, wenn ihr etwas unbequem werden sollte. Bei kleinen Damen muß das Knie näher an das obere Horn herankommen als bei einer großen, die das Horn etwas niedriger braucht, weil sie es sonst nicht in der Gewalt hat. Sind bei einer kleinen Reiterin nämlich die Hörner zu weit auseinander, so hat das linke Bein nicht den richtigen Druck einige Zoll oberhalb des Knies, wodurch der Sitz sehr unsicher wird. Bei vielen Damen wird mit Rücksicht auf das elegante Aussehen das verstellbare Horn zu kurz gearbeitet, so daß es keinen Schenkeldruck hergibt. Oft wird die Schraube zu klein und zu fein gemacht. Sie muß aber genügend groß sein, weil sie sich sonst leicht losarbeitet. Ist das obere Horn zu hoch, so fällt das Reitkleid nicht hübsch darüber, ist es zu niedrig, so sitzt die Reiterin nicht fest.
Fast alle Damensättel haben einen zurückgeputzten Baum, über welchen die Sattelklappe fällt, um den Sitz eben zu machen. Die Kammer darf nicht zu hoch sein, um das Herumrutschen des Sattels nicht zu befördern und damit das rechte Knie der Dame nicht zu hoch kommt. Wie schon angeführt, darf dasselbe keinesfalls höher als der Sitz liegen, besser noch etwas tiefer, wenn die Dame bequem und angenehm reiten will. Jedenfalls aber muß die Kammer breit genug sein, um nicht bei dem meist nach links überfallenden Seitgewicht den Widerrist zu drücken.
Im allgemeinen bedarf der Sitz des Sattels des Maßnehmens, damit er weder zu lang noch zu kurz, auch nicht zu breit, jedenfalls aber flach und niedrig sei. Die Länge des Sattels wird sich demnach nach der Länge der Oberschenkel der Dame zu richten haben. Ruht das rechte Bein richtig – nicht allzu fest – an dem oberen Horn, so muß der Sattel so lang sein, daß der After desselben etwa 2½ cm hinter der Dame liegt. Ist das nicht der Fall, ist der Sattel kürzer, so kommt die Dame auf den Sattelkranz zu sitzen, was sie sehr unangenehm empfinden wird. Ist der Sattel zu lang, so leidet dadurch die Sicherheit des Sitzes, ebenso als wenn derselbe zu breit ist. Auch in diesem Falle kann die Dame keinen festen, anschmiegenden Sitz gewinnen, dieser wird im Gegenteil stets unruhig, daher für das Pferd sehr belästigend sein. Es soll allerdings nicht unerwähnt bleiben, daß viele gute und erfahrene Reiterinnen den modernen flachen Sitz nicht lieben, sondern einen leicht geschrägten vorziehen, weil sie sich behaglicher darauf fühlen. Das muß den Damen überlassen bleiben, jedenfalls wird es immer unangenehm sein, eine alte, liebgewordene Gewohnheit plötzlich aufgeben zu sollen, ohne daß ein triftiger Grund dafür vorhanden ist.
Fig. 28.
Damenpferd unter modernem Damensattel.
Der Sattel soll möglichst wenig gepolstert sein, damit die Reiterin das Pferd besser umfaßt und weniger Gefahr läuft, hin und her zu rücken oder aus dem Sitz zu kommen, hauptsächlich aber, daß sie dem Pferderücken möglichst nahe sitzt, d. h. nicht zu hoch über demselben. Die Trachten müssen in bezug auf die Polsterung recht oft inspiziert werden, um beim Nachlassen derselben nicht Druckflecke zu erzeugen. Am praktischsten wird es sein, die Polsterung mit Leder überziehen zu lassen und ohne Unterlegedecke zu reiten. Zweifellos liegt der Damensattel ohne Unterlegedecke viel besser und fester dem Pferderücken an, als mit einer solchen, daher wird auch ein Verrutschen des Sattels nicht so leicht eintreten. Des Ferneren macht die Unterlegedecke – es kann doch nur von einer solchen von Filz die Rede sein, da eine ganz dünne leicht Falten werfen und dann erst recht drücken würde – den an und für sich schon hohen Sitz der Dame noch höher, und es kommt doch, wie schon angeführt, darauf an, den Sitz möglichst nahe dem Pferderücken zu haben.
Unter Umständen könnte – besonders bei alten, nicht gut passenden Damensätteln –, eine Unterlage als nützlich in Betracht kommen, nämlich die Schwammdecke, welche allerdings größerer Haltbarkeit wegen und zur Schonung der Polsterung des Sattels auf der oberen Seite mit einem leichten Lederüberzug versehen sein muß. Trotz allen guten Willens wird bei vielen Reiterinnen der nicht symmetrische Sitz zur Mittelachse des Pferdes und die daraus entstehende ungleiche Gewichtsverteilung bei ev. noch dazu kommender vorwärts geneigter Haltung die Gefahr eines Widerristdruckes ziemlich nahe rücken, besonders in der heißen Jahreszeit und bei längeren Ritten. Hier dürfte die angefeuchtete Schwammdecke sich doch vielleicht als eine große Wohltat erweisen. Man bedenke nur die schweren Widerristschäden, welche unter Damensätteln besonders am Widerrist der Pferde entstehen, die nachweislich dann bis zu eines Jahres Länge zu ihrer Verheilung bedürfen. Wenn man die furchtbaren Eiterungen, die große operative Eingriffe und Einlage von Kanülen notwendig machen, gesehen hat, so kann man sich mitunter nicht genug über den Langmut der Pferde wundern, daß sie nicht bei solchen Qualen die peinigende Last der Reiterin mit einem radikalen Bocksatze in den Sand schleudern. –
Über das zulässige Gewicht des Damensattels ist viel gesprochen worden, doch dürfte sich dasselbe nicht unter 8½-9 Kilo herunterdrücken lassen. Immerhin – je leichter der Sattel, um so besser!
Leider ist es, wieder der ungleichen Gewichtsverteilung wegen, nötig, den Damensattel fester gurten zu müssen, als dies beim Herrensattel der Fall ist. Der leidigen Angewohnheit der Stalldiener, den Damensattel meist zu weit nach vorn aufzulegen, wäre energisch entgegenzutreten. Nach alledem kann man ersehen, wie notwendig es ist, daß das Damenpferd einen nicht mageren, aber hohen Widerrist und einen schlanken Rippenbau, also eine vorzügliche Sattellage besitzt. Ist das Gegenteil der Fall, der Widerrist gering und der Bauch stark gewölbt, so wird der Sattel stets nach vorn rutschen und damit locker werden. Er wird dann das Pferd drücken ev. mit der Reiterin herumrutschen. Dem Gegenteil, dem Zurückrutschen des Sattels, welches bei rundleibigen, flach gerippten Pferden vorkommt und fast unangenehmer wie das Vorrutschen ist, kann man am besten durch Anlegung eines Vorderzeuges begegnen, welches nebenbei auch, aus weißer Bandgurte angefertigt, das Pferd hübsch dekoriert. –
Demnächst hätten wir uns mit der Anbringung des Bügels und mit der Form desselben zu beschäftigen. Darüber läßt sich Herr B. A. D., ein bekannter, tüchtiger Fachmann in einer Fachzeitschrift folgendermaßen aus:
»Da das Damenreiten, besonders das Jagdreiten, in England eine ganz andere Rolle spielt als hier, so ist es begreiflich, daß dort die Konstruktion der Damensättel auf einer ganz anderen Stufe steht. Gewiß sind die hiesigen Sättel vom besten Leder und oft mit den schönsten Stickereien (ganze Eichenwaldungen) verziert, aber unpraktisch im Gebrauch, weil man hier noch zu wenig kennt, worauf es wirklich ankommt. Ist es doch z. B. nicht zu glauben, daß heute noch Damensättel gebaut und – empfohlen werden, deren Bügelriemen um das ganze Pferd herumlaufen und auf der rechten Seite befestigt werden! Etwas Sinnloseres gibt es überhaupt nicht. Wollte man etwas erfinden, was möglichst drückt, so könnte man es nicht besser machen als durch diesen Flaschenzug. Man bildet sich allgemein ein (vergl. Fig. 29), der bei a über eine Rolle laufende Bügelriemen zöge auch bei c nach abwärts. Da liegt der große Irrtum. Die Nachteile dieses Umlaufbügels sind:
1. Der durch den Flaschenzug hervorgebrachte ungeheure Druck auf die rechte Seite des Widerristes.
2. Nichts, was diesen Druck auf der anderen Seite ausgleicht. Wer sich hierüber praktisch belehren will, der schnalle den Bügel bei C los und halte ihn mit wenig Kraft nach oben. Dann bitte er die Dame, in den Bügel zu treten und sich darin zu heben. Er wird finden, daß er mit 1 Klgr. Kraft die 60-70 der Dame halten kann. Diese drückt aber mit Hilfe des Flaschenzuges viel mehr als nur mit dem Eigengewicht.
3. Die zusammenschnürende Einwirkung auf den Brustkorb des Pferdes.
4. Der Bügel ist bei dieser Einrichtung stets unegal, weil das Pferd bei verschiedener Arbeit sehr verschiedenen Umfang hat. (Bekanntlich schwindet auch nach einiger Zeit des von Hause Fortreitens der Bauch des Pferdes, d. h. der Gurt wird lockerer. Damit wird natürlich auch der Bügel der Reiterin länger. Die so sehr gerühmte Verschnallbarkeit des Riemens vom Sattel aus dürfte, nach Angabe hervorragender Reiterinnen, wertlos sein, da sie doch nicht Fingerkraft genug besitzen, um die Schnalle eigenhändig zu lösen und wieder festzumachen. Der Verf.)
5. Die Stelle des Riemens (Doppelriemens) bei a nutzt sich trotz aller Vorsichtsmaßregeln sehr schnell ab und ist daher niemals sicher. –
Danach hängt also der Bügel am besten in einer einfachen Krampe an der linken Seite des Sattels.«
| Fig. 29. Falsche Anbringung des Bügelriemens am Damensattel. | Fig. 30. Sicherheitssteigbügel. |
Was nun die Form des Bügels selbst betrifft, so äußert sich eine sehr erfahrene Reiterin darüber in der Art, daß sie einen Sicherheitssteigbügel einer Patentsturzfeder vorzieht. Sie läßt den Steigbügelriemen durch eine Schließkappe gehen und verläßt sich auf einen doppelten Sicherheitssteigbügel, d. h. auf einen kleineren inneren und einen größeren äußeren Steigbügel (Fig. 30), der, wenn die Reiterin zu Fall kommt, sich biegt, nachgibt und so den Fuß ausschuht. Dies wird als viel sicherer empfohlen als jede andere Vorrichtung, mit Ausnahme des veralteten Pantoffel- oder Schuhsteigbügels, den die Mode als unschön hat fallen lassen. Allerdings haben alle Sicherheitssteigbügel den Fehler, daß die Mechanik versagt, wenn der Bügel verkehrt herumgedreht ist. Man hätte also bei Benutzung von Sicherheitssteigbügeln darauf zu achten. Es empfiehlt sich ferner, damit die Dame den Bügel nicht verliert, womit ihr Sitz unter Umständen äußerst gefährdet ist, eine dünne Gummistrippe, wie sie zum Schließen von Paketen dienen, um Knöchel und Bügelriemen zu legen.
Endlich hätten wir auch der Gurtung noch einige Worte zu widmen. Es ist eine alte Regel, daß das Damenpferd, wie auch bereits angeführt, ziemlich fest gegurtet sein muß, wenn der Sattel nicht verrutschen soll. Diese feste Gurtung bedeutet allerdings für das Pferd eine Qual, denn es behindert die Ausdehnung der Rippen für die Atmung. Außerdem ist, wenn die Sattelstrippen und hauptsächlich die Gurtschnallen-Anbringung nicht sehr genau auf ihre Untadelhaftigkeit geprüft werden, ein Platzen derselben nicht ausgeschlossen. Man nimmt deshalb meist drei Gurte, in der Annahme, daß nicht alle drei zu gleicher Zeit platzen werden. Man kann sich aber auch einer elastischen Gurtung bedienen, indem man einen sog. Sattelselbstgurter einfügt. Es ist dies eine aus Spiralfedern hergestellte kleine Maschine (Fig. 31), welche man an den rechtsseitigen kurz zuschneidenden Sattelstrippen einschnallt. Es genügt, wenn beim Satteln diese Spiralfedern um 2-2½ Zentimeter ausgedehnt werden, da bei den meisten Pferden das »Schwinden des Bauches« soviel ausmacht.
Die Sattelgurte bestehen – am praktischsten blau oder braun gefärbt – aus breiten Bandgurten von Wolle oder Leinwand oder aus miteinander verbundenen Schnuren, den sog. Strickgurten.
| Fig. 31. Sattelselbstgurter. | Fig. 32. Schnellsattler. |
Eine neue Art der Sattelung soll nicht unerwähnt bleiben, da dieselbe, ebenso praktisch wie sicher, auch für die Damenreiterei dieselben Vorteile zu bieten scheint, wie für die der Herren. Bei ersterer ist das Satteln insofern mit technischen Schwierigkeiten verknüpft, als das feste Anziehen der Sattelgurte direkt körperliche Kräfte und – gute Zähne erfordert. Ein guter Reitknecht wird meist die Zähne dabei zu Hilfe nehmen, da er der einen Hand bedarf, um den Dorn in das Schnallenloch zu bringen. An diesem einen Schnallendorn hängt also die ganze Sicherheit der Reiterei.
Gegen diese Nachteile bezw. Unbequemlichkeiten tritt der Schnellsattler mit Erfolg auf. Es ist das eine von den österreichischen Hauptleuten Beranek und Kauçic erfundene Maschine, welche hebelartig den Gurt festlegt. Am Damensattel wäre diese Maschine an der rechten Seite des Sattels anzubringen. Sie beruht (Fig. 32) auf der Anwendung einer einfachen Hebelwirkung, die einen Strammschluß des Gurtes bei geringster Kraftanstrengung sicher herbeiführt. Unter der (beim Damensattel) rechten Sattelklappe wird eine Hakenbändertasche an die vom Sattelbaum herabhängenden Strupfengurte festgenäht. Die Hakenbänder sind zwei senkrecht gehende Metallstreifen (aa) mit korrespondierenden Einschnitten, die zur Aufnahme von rechts und links aus der Gurtenklappe (b) herausstehenden metallnen Stiften (cc) dienen. Der Gurt wird an der Gurtenklappe mittels eines Stahlstreifens (d) befestigt, indem die Metallstifte in die Einschnitte der Gurtentasche eingelegt werden. Wird nun durch Herumklappen der Gurtenklappen nach oben der Mechanismus geschlossen, so legt sich der Gurt ohne jede Kraftanstrengung stramm dem Pferdeleib an, da der Griff der Gurtenklappe wie ein verlängerter Hebel wirkt. Die Sattelklappe wird darauf heruntergeklappt, und die Gurtung sitzt fest. Von den Vorteilen, welche diese Sattelung bietet, sei nur hervorgehoben, daß zum Aufsatteln nicht mehr als 12-15 Sekunden gebraucht werden. Ferner ist die Möglichkeit geboten, in Momenten einer kurzen Rast dem Pferde durch Herunterklappen der Gurtenklappe eine wohltätige Erleichterung der Atmung zu gewähren. In bezug auf Haltbarkeit ist er unzerstörbar, also ist die Sicherheit selbst bei nur einem Gurte vollständig gewahrt. Der Vertrieb des Schnellsattlers ist für Deutschland dem »Offizier-Pferde-Verein«, Charlottenburg, Fasanenstrasse 24 von den Erfindern übertragen worden.
Für die Ausführung von tadellosen englischen Damensätteln, bei denen alle hier angeführten Eigenschaften derselben vorhanden sind, hat die Firma Champion and Wilton 457 and 459 Oxford-Street, London W., einen besonderen Ruf. Allerdings ist so ein Sattel nicht wohlfeil, er kostet in bester Qualität ca. 300 M. Über 4500 dieser berühmten Damensättel sind bereits im Gebrauch. Die Firma schickt für Bestellung eine Karte, auf der verschiedene Rubriken auszufüllen sind, wie Gewicht der Dame, Größe, gewünschte Breite des Sitzes usw. – Die besondere Bügelkonstruktion, die Lage der beiden Hörner, die Bauart der Kammer und die kunstvolle Polsterung der rechten Seite des Champion-Wilton-Sattels machen denselben zu dem vollendetsten, was es gibt. Ihre Majestät die deutsche Kaiserin reitet einen der vielen in Deutschland befindlichen Sättel dieser Firma. –
Da die Reiterin außer bei ihrem sonstigen Eigentum wohl auch die
Reinigung des Sattelzeugs
leiten bezw. überwachen wird, so können nachstehende Winke dafür gegeben werden:
Nachdem das Lederzeug und der Sattel mit Sattelseife gründlich abgewaschen, abgeschwammt und abgetrocknet worden, reibe man diese Gegenstände mit weißem Meltonian-Cream tüchtig ein. Sobald derselbe trocken ist, wird es mit einer steifen Bürste innen und außen gebürstet und zum Schluß noch einmal mit einer weichen Bürste oft und leicht nachgerieben. Das Leder wird dadurch glänzend und geschmeidig und alle Stellen der Innenseite verschwinden. Auszusparen von dieser Behandlung sind diejenigen Stellen des Sattels, die sich unter dem Bügelriemen befinden, weil Leder auf Leder durch das in dem Cream enthaltene Wachs kleben würde. –
IV. Abschnitt.
Die Grundregeln der Damenreitkunst.
Gefühl ist alles;
Name ist Schall und Rauch!