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Schließlich gab es auch da und dort unterirdisch einige Klarblickende. Aber sie waren mehr zu ahnen als zu sehen. Diese melancholischen Glühwürmchen löschten vorsichtig ihre Laternen aus, sie hatten Todesangst, daß man einen Schimmer wahrnehmen könnte. Zwar waren sie frei von dem Wahn des Krieges, aber sie waren nicht gläubig genug zur Tat wider den Krieg, sie blieben bloß Fatalisten und Pessimisten.

Clerambault erkannte, daß auch die höchsten Fähigkeiten des Herzens und des Geistes nur die öffentliche Knechtschaft verstärken, wenn sie nicht mit persönlicher Energie gepaart sind. Der Stoizismus, der sich den Gesetzen des Weltalls unterwirft, ist ein Hemmnis im Kampf gegen die Grausamkeit einzelner Gesetze. Statt zum Schicksal zu sagen: „Nein, hier ist kein Weg für dich“ (man wird ja sehen, ob es doch hindurchgeht), tritt der Stoiker höflich zurück und sagt: „Bitte, treten Sie ein!“

Der kultivierte Heroismus, die Neigung für das Übermenschliche, für das Unmenschliche, macht die Seele durch die Opfer trunken, und je toller sie sind, um so herrlicher erscheinen sie. Die Christen von heute, großmütiger als ihr Meister, geben alles dem Cäsar hin. Sobald er geruht, sie für irgendeinen Anlaß hinzuopfern, erklären sie diesen Anlaß schon für heilig. Fromm geben sie der Schande des Krieges die Glut ihres Glaubens hin und ihre Körper dem Scheiterhaufen. Die duldende, nachgiebige Resignation der Völker macht den Rücken krumm und läßt sich die Last aufladen: „Mach’ dir nichts draus!“ Zweifellos sind Jahrhunderte des Elends über diesen Stein dahingerollt. Aber auch der Stein verbraucht sich schließlich und wird Schlamm.