Alphabetisches Verzeichnis der Krankheiten.

Abweichen.

Ein Mann von 48 Jahren kommt und erzählt: „Ich habe beständig Abweichen, heute schon siebenmal, weil ich gereist bin, zu Hause täglich ein- bis sechsmal. An diesem Übel leide ich bereits seit ¾ Jahren.“ Das Aussehen dieses Mannes war sehr gut, weder mager noch zu stark, die Farbe frisch. — Dieser Kranke bekam: 1. jeden Morgen und jeden Nachmittag einen Oberguß, 2. jeden Morgen im Wasser gehen und jeden Nachmittag einen Knieguß.

Die Wirkung dieser Anwendungen war, daß nach fünf Tagen der Mann den ersten Stuhlgang bekam. Eingenommen hatte er nichts außer täglich sechs bis acht Wacholderbeeren.

Warum wohl hier diese Anwendungen gegeben wurden, die doch ganz verschieden sind von den sonst üblichen, so könnte mancher Leser fragen. Antwort: Weil dieser Mann gesund und kräftig aussah, auch das Auge frisch und gut, so war dies ein Beweis, daß noch gute Naturkraft vorhanden war; wird dieselbe nun unterstützt und noch mehr Wärme durch die Wasseranwendungen hervorgebracht, dann ist der innere Schaden bald durch die Naturkraft verdrängt, und somit findet hier das Sprichwort seine Anwendung: Ein guter Wirt wirft seine Lumpen selbst hinaus.

Als weitere Anwendungen würde ich empfehlen: in der Woche entweder 2–3mal ein Halbbad oder ebenso oft einen Oberguß mit Knieguß.

Asthma.

Ein Herr erzählt: „Ich bin 46 Jahre alt. Seit zwanzig Jahren leide ich an Asthma. Ich wandte mich an verschiedene Ärzte: allein sie erklärten meine Krankheit für unheilbar und verordneten mir nur Beruhigungsmittel, die alle erfolglos waren. So blieb mir nichts anderes übrig, als mein Kreuz zu tragen, bis mich Gott davon befreien wird. Dieses Kreuz war oft recht schmerzlich. Recht oft traten die Atembeschwerden, besonders zur Nachtzeit, in einem so heftigen Grade ein, daß ich ganze Nächte, auch bei der größten Winterkälte, an dem offenen Fenster stehen mußte, um nicht zu ersticken. — Solch ein Anfall konnte mehrere Tage nacheinander fortdauern. Alle gebrauchten Mittel waren ohne Wirkung. Zu diesem langen Leiden kam noch Appetitlosigkeit, große Abnahme der Kräfte, so daß ich einsehen mußte, daß es so nicht mehr lange gehen könne. Endlich erbarmte sich der Himmel. Das Buch „Meine Wasserkur“ kam in meine Hände, und es kam mir als Helfer in der größten Not. In acht Tagen wurde ich geheilt. Es ist kaum glaublich, wie das Wasser eine Natur in kurzer Zeit so umwandeln kann. Die Anwendungen waren: 1) Oberguß, darauf Knieguß — Wassergehen; 2) Rückenguß — Schenkelguß; 3) Sitzbad —- Oberguß — Halbbad; 4) Oberguß — Rückenguß — Wassergehen; 5) Halbbad — Oberguß — Sitzbad; 6) Vollbad — Oberguß; 7) Schenkelguß — Oberguß. Dazu täglich eine bis zwei Stunden im Gras barfußgehen. Es war Sommer, und meine Lage wurde von Stunde zu Stunde leichter.“

Atmungsbeschwerden.

Ein Priester macht folgende Angaben: „Ich bin gut gebaut, war stets gesund und kräftig; doch seit ¾ Jahren bin ich so verschleimt, daß ich recht viel Atemnot habe, und wenn der Husten kommt und die Atemnot, glaube ich, ich müsse ersticken. Ich hatte früher eine vorzügliche, klangvolle Stimme, und jetzt kann ich mich kaum mehr verständlich machen; auch werde ich so müde, daß ich fast nicht zu gehen vermag. Mehrere konsultierte Ärzte erklären es teils als Luftröhrenkatarrh, teils als Brustkatarrh.“

Anwendungen:[28] Täglich dreimal, auch viermal einen Oberguß und täglich zweimal im Wasser gehen bis über die Waden; so vier Tage lang. Nach diesen vier Tagen täglich zwei Obergüsse, einen Rückenguß und ein Halbbad. Zudem täglich noch im Wasser gehen; so fünf Tage lang; dreimal wöchentlich einen Shawl. Nach diesen fünf Tagen täglich ein Halbbad, einen Rückenguß, einen Oberguß und einen Knieguß. Nach kurzer Zeit war die ganze Kur vorbei. Es hat sich bei diesem Herrn eine ganz unglaubliche Masse Schleim abgesondert. Tag für Tag wurde das Aussehen besser, der Atem leichter, die Stimme reiner, die Gemütsstimmung heiterer. Nachteilig war für ihn früher die zu warme Bekleidung und Mangel an Bewegung.

Augen (-Katarrh).

Ein berühmter Militärarzt sagte mir vor zirka 35 Jahren: Der Katarrh ist ein Übel, aus dem sich alle möglichen Krankheiten entwickeln können, wie Schleimfieber, Nervenfieber, Typhus, Ruhr, Abzehrung, Schwindsucht usw. Darum härte man seine Natur gut ab, damit man bei all den unzähligen Anlässen und Gelegenheiten, die ganz dazu angetan sind, einem einen Katarrh anzuhängen, gesichert und gefeit sei. — Hat man einen Katarrh, so soll man nicht eher ruhen, bis er vollständig ausgeheilt ist.

Bedeutet gänzliche Erblindung soviel als Elend, so sind die verschiedenen Augenleiden immer Führer zum Elend. Die Augen gleichen kostbaren Perlen in der Schädelschale. Aber es sind ihrer nur zwei. Ein unersetzlicher Verlust ist’s schon, wenn eines verloren geht. Sei darum wohl auf der Hut und hüte beide gut! Augenleiden kommen häufig schon bei kleinen Kindern vor, die wenige Wochen alt sind, bei Schulkindern noch häufiger. Wir können sagen, in jedem Alter und Geschlecht trifft man Augenleidende genug.

Meistens stammt das Leiden aus dem Körper. Bei gesunden Menschen werden alle überzähligen Flüssigkeiten im Körper durch die Transpiration (Ausdünstung), durch das Atmen und anderes ausgeschieden. Wunderbar ist das Arbeiten dieser wunderbarsten aller Maschinen. Anders kommt es, wenn der Mensch krank wird. Die Flüssigkeiten, welche der schwache Körper nicht mehr ausscheiden kann, sammeln sich an im Leibe, im Kopfe usw. Was im Kopfe sich ansammelt, wählt so gerne den Ausgang durch die Augen. Die austretenden Flüssigkeiten sind scharf und ätzend, das Auge dagegen und alle Teile, die es bilden, überaus zart. Daher erklärt sich das heftige Brennen, welches der Ausgang der Flüssigkeit regelmäßig erzeugt. Das Brennen ist zugleich ein Zeichen, daß das Auge und die Gefäße im Auge von der scharfen Jauche angegriffen werden. Wird ihr Austreten gehindert, so entzünden sich die Augen; sie werden oft blutrot, und das schmerzhafte und geschwächte Auge kann keine Helle, kein Licht mehr ertragen. Heilung ist nur möglich, wenn die Flüssigkeit so schnell als möglich ausgeleitet wird. Das Auge an und für sich und alle seine Teile sind gesund, die Jauche allein und ihre ätzenden Stoffe machen es krank.

Die einen Augenleidenden sehen schon fast nicht mehr oder nur wie durch einen Schleier oder Nebel; andere glauben, es schwirren Mücken und Fliegen vor den Augen; andere sehen Feuerbündel, wieder andere anderes. Alle diese Übel quellen aus derselben Giftquelle, sind Blüten derselben Giftpflanze, rühren von demselben Giftstoffe her. Entferne diesen Giftstoff, stärke das verwundete Auge, und es ist geheilt! Ein Beispiel möge das Gesagte klarmachen.

Das kleine Mädchen Antonia, 5 Jahre alt, sieht recht blaß aus. Das Gesicht ist aufgedunsen, das ganze Aussehen krankhaft. Das Kind hat entzündete Augen und kann die Helle nicht mehr ertragen. Auch der Appetit ist nicht gut; in der Nacht schläft es nicht, es weint nur viel. Was tun? Das Kind soll täglich in ein Handtuch eingewickelt werden von unter den Armen an. Das Tuch werde zuvor in lauwarmes Wasser eingetaucht, in dem Haberstroh gesotten wurde. Das nasse wird mit einem trockenen gut umwunden. Wenn das Einwickeln zu einer Zeit geschieht, in der das Kind sonst zu schlafen pflegt, wird es bald einschlafen. Schläft es, so lasse man es ruhig bis zum Selbstaufwachen in der Umhüllung ruhen. Schläft es nicht ein, oder wacht es bald wieder auf, so soll es eine Stunde lang die Einfetschung tragen. Dieses Verfahren dauert eine Woche lang. In der zweiten Woche bereite man dem Kinde ein warmes Bad mit Absud von Haberstroh (zirka 24–26°), in dem es 15–20 Minuten bleibt. In der letzten Minute werde es mittels einer kleinen Gießkanne mit gewöhnlichem, nicht zu kaltem Wasser schnell übergossen und sofort angezogen. Auch bei Kindern ist diese erfrischende Übergießung nach einem warmen Bade höchst wichtig. Die kranken Stoffe werden durch das warme Bad aufgelöst und ausgeleitet; durch den kalten Guß tritt Stärkung und Schließung der Poren ein. Das Kind wird das erstemal jammern und weinen, wie Kinder tun; hat es aber die Sache einige Male durchgemacht, so wird ihm unter Ermutigungen der Mutter das Besteigen der Wanne später ein leichtes sein. Jeden zweiten oder dritten Tag werde das Bad wiederholt. Das Kind wird sich bald frischer, kräftiger, gesunder fühlen; auch das Auge wird reiner werden. Wünscht die sorgende Mutter noch ein Mittel direkt für das Auge, so nehme sie ein Stückchen Alaun, so groß wie vier Gerstenkörner, löse ihn in einem halben Schoppen Wasser auf und wasche täglich drei- bis viermal die Augen der Kleinen. Alles wird recht werden. Auch nach Entfernung des Übels versäume die Mutter es nicht, in der einen Woche das genesene Kind wenigstens einmal nach obiger Art zu waschen, in der anderen demselben so ein Bad zu richten.

Ist der kleine Patient nicht fünf Jahre, sondern erst fünf Wochen alt, so darf die besorgte Mutter nicht erschrecken, wenn ich denselben Wickel und dasselbe Bad auch diesem Kleinsten anempfehle.

Der kleine Anton mit vier Jahren ist skrophulös, hat Ausschlag am Kopfe, in den Haaren; auch um den Mund herum ist es nicht rein, die Augen sind entzündet. Die Mutter hat immer gemeint, das Kind sterbe; indessen es leidet, stirbt aber nicht. Die Mutter soll dem Kinde täglich vor dem Schlafengehen ein Hemdchen anziehen, das in Wasser, mit etwas Salz gemischt, eingetaucht wurde. Hernach soll sie das Kind schlafen legen und mit einer Decke gut umhüllen. Tut die Mutter dieses in der ersten Woche alle Tage, in der zweiten Woche jeden zweiten, in der dritten jeden dritten, in der vierten jeden vierten Tag, und gibt sie dem kleinen Anton noch täglich an die Kost oder in das Getränk eine kleine Messerspitze Kreidemehl, so wird der Bube gesund werden, und die Mutter wird sich ihres gesunden Kleinen freuen.

Berta geht in die Schule, sieht aber recht leidend aus, hat fast jede Woche oder doch recht oft „böse Augen“, so daß sie nicht lesen kann. Die Augen sind ganz rot und brennen heftig. Die Mutter soll dem Kinde innerhalb zehn Tagen sechsmal ein nasses Hemd anziehen, und reicht dieses Mittel nicht aus, so soll sie dem Kinde noch Bäder bereiten mit ungefähr 24° und zugegossenem Absud von Fichtenreisern, stets abschließend mit raschem kaltem Abguß. Nebenher kann als Augenwasser dienen das Aloë-Wasser (eine Messerspitze Aloë wird in ein Medizinglas gebracht und mit heißem Wasser aufgegossen), womit täglich dreimal die Augen ausgewaschen werden. Letzteres heilt das entzündete Auge und stärkt es.

Wilhelm, eine Knabe von neun Jahren, hatte Augenleiden. Er konnte nicht mehr lesen, kaum mehr ordentlich die Menschen unterscheiden; der Kleine war mehr als halb blind. Gegen 400 Mark hatten die Eltern schon für diese Augen verwendet. Nichts wollte helfen, nicht Doktor, nicht Apotheker. So verkümmert die Augen waren, so verkümmert war auch das ganze Kind: die Hände und Füße stets kalt, der Magen ohne Appetit, der Körper abgemagert, die ganze Gestalt traurig und gedrückt. Im Elende steckten nicht nur die Augen, im Elende steckte das ganze Menschlein. Blaue Brille und Führer bestätigten dieses auch nach außen hin.

In vier Monaten war Wilhelm völlig gesund am Körper sowohl wie an und in den Augen. Der Kleine mußte in der Woche zwei warme Bäder nehmen. Viermal wöchentlich ließ ich ihn ein Hemd anziehen, das in kaltes, mit etwas Salz gemischtes Wasser getaucht war. In der Umhüllung blieb er 1–1½ Stunden lang. Dazu hieß ich den Kleinen recht fleißig im nassen Grase oder bei Regen barfuß gehen. Nach Verlauf der ersten vier Wochen nahm Wilhelm in jeder weiteren Woche drei bis vier Bäder, nur mit 15 Grad und nie länger als eine Minute mit stets folgender Bewegung. Auch dieses währte einige Wochen. Dazu wusch der Knabe täglich zweimal seine Augen mit Alaunwasser (eine Messerspitze Alaun zu einem halben Schoppen Wasser). Gleichen Schritt mit dem gesundwerdenden, neu auflebenden Körper hielten die wieder erwachenden Augen. Sie öffneten sich endlich ganz und leuchteten und strahlten zuletzt im gesunden und frischen Gesichte des Knaben, als wenn ihnen nie auch nur das geringste gefehlt hätte.

Christine, 24 Jahre alt, sieht aus wie die Blüte des Lebens, hat aber immer mit Augenleiden zu tun. Sie hat zu viel Blut im Kopfe, zu wenig Blut in den Füßen, deshalb auch stets kalte Füße.

Patientin nimmt jeden zweiten Tag ein lauwarmes Fußbad mit Asche und Salz untermischt. Dieses zieht ihr das Blut vom Kopfe nach unten. Dreimal in der Woche geht sie bis unter die Arme ins kalte Wasser (Halbbad), eine halbe Minute lang. Bei der Arbeit ist sie viel barfuß. Der Blutandrang zum Kopfe nimmt ab, hört allmählich ganz auf, und das Augenleiden verschwindet.

Augenleiden.

Agatha kommt und klagt: „Drei Jahre lang war ich von heftigen Kopfschmerzen geplagt, so daß ich oft ganze Nächte hindurch nicht schlafen konnte. Meine Füße sind beständig kalt; läßt der Kopfschmerz etwas nach, dann habe ich solche Schmerzen auf dem Rücken, daß ich oft ganz steif bin. Auf viele Stunden weit habe ich alle Ärzte aufgesucht; helfen konnte keiner. Seit einem halben Jahre wird mein Augenlicht so schwach, daß ich kaum mehr die Häuser sehe, und wenn’s noch einige Zeit so fortgeht, werde ich stockblind.“

Agatha mußte

1. in jeder Woche zweimal ein Hemd anziehen, in Salzwasser getaucht, und in eine Decke eingewickelt 1½ Stunden lang bleiben;

2. in der Woche zweimal einen kurzen Wickel, in Wasser getaucht, worin Heublumen gesotten worden, warm 1½ Stunden lang nehmen;

3. täglich eine Minute lang Wasser auf die Knie gießen und darauf Bewegung machen; so zwei Wochen lang.

In der dritten Woche mußte sie täglich einen Oberguß und Knieguß des Morgens nehmen und nachmittags ein Halbbad, außerdem täglich drei Minuten im Wasser gehen; so auch in der vierten Woche. Nach vier Wochen war der heftige Blutandrang zum Kopf verschwunden; das Augenlicht war wieder hergestellt, weil die Ursache (der Blutandrang) gehoben war; die Füße waren warm, und die Kranke war geheilt.

Als weitere Anwendung mußte Agatha in der Woche drei Halbbäder nehmen zur Kräftigung des Körpers.

Augen-Star.

Ein Beamter brachte einen Knaben von neun Jahren, der augenleidend war. Beide Augensterne gaben so spärliches Licht, daß der arme Kleine nur mit Mühe allein gehen konnte. „Wie kommen Sie zu mir?“ „Ja, mein Kind“, sagte der Vater, „war längere Zeit in einer Augenheilanstalt; es wurde aber entlassen mit der Erklärung, das Leiden sei der unheilbare graue Star. Das ist schrecklich: Neun Jahre alt und blind!“ Das eine Auge erschien schon derart getrübt, daß man den Stern nur mit recht gutem Auge noch teilweise unterscheiden konnte; eine totale Finsternis war es für den Kleinen. Auf dem anderen Auge lag eine Wolke, und wie der äußere Sonnenrand, ehe der Ball hinter den Wolkenbergen verschwindet, nochmals aufleuchtet, so glänzte noch ein letztes Streifchen des ehedem lichtvollen Auges vor seinem gänzlichen, elendiglichen Untergange.

Der bedauernswerte Knabe litt nicht allein an den Augen, das sagte mir sein erster Anblick. Der ganze kleine Organismus war aufs tiefste heruntergekommen, elendiglich zugerichtet, so verkümmert, daß jedermann der Gedanke kommen mußte, dieses Kind ist durch und durch krank, fast, so scheint es wenigstens, abzehrend; kein Appetit, kein Leben, abgemagert, die Haut ganz trocken; rasch gestrichen stäubt diese förmlich. Also nicht die Augen allein, der ganze Körper ist krank, recht krank. Suchen wir zuerst diesen zu heilen, vielleicht öffnen sich dann auch die Augen wieder.

Wir begannen, nachdem wir zuerst die bislang getragene Brille entfernt. Der Knabe mußte täglich soviel wie möglich im nassen Grase oder auf nassen Steinen barfuß gehen, und täglich wurden im Anfang Rücken, Brust und Unterleib ein- bis zweimal kräftig gewaschen. Nach einiger Zeit traten an Stelle der Waschungen Halbbäder, endlich Ganzbäder, nie länger als eine Minute. Dazwischen hinein fiel abwechslungsweise der Wickel oder das nasse Hemd, in Salzwasser getaucht, auf 1½ Stunden. Alle diese Anwendungen bezweckten, neue Tätigkeit, neues Leben in den Körper zu bringen, mit anderen Worten, den Körper zu heilen und zu kräftigen.

Speziell für die Augen, d. i. zu deren Reinigung und Stärkung, verwendete ich mehrere Augenwasser: zuerst das Aloëwasser (man nimmt eine Messerspitze Aloëpulver und kocht dasselbe ein paar Minuten in einem Schoppen = ¼ Liter Wasser). Drei- bis fünfmal täglich wurden damit die Augen gut ausgewaschen, besonders im Innern. Aloë löst auf, reinigt und heilt. Später folgte diesem Alaunwasser (zwei Messerspitzen Alaun werden in einem Schoppen Wasser gemischt), zu täglich drei- bis viermaligem kräftigem Auswaschen. Alaun ätzt und reinigt. Noch später nahm ich Honig-Augenwasser (ein halber Löffel Honig wird in einem Schoppen Wasser fünf Minuten lang gesotten) zu täglich drei- bis fünfmaliger Waschung namentlich des inneren Auges. Der Knabe gedieh körperlich so kräftig, daß von Woche zu Woche seine Kräfte zunahmen, sein Aussehen frischer, gesünder, blühender wurde und Geist und Körper allmählich in die richtige Verfassung zurückkehrten. In dem blühenden Kopfe erblühen auch wieder die so lange geschlossenen Augen; sie leuchten zur Freude der Eltern hell und klar. Der Knabe sieht so gut wie seine Schulkameraden. Niemand würde glauben, daß das Kind je so armselig gewesen.

Ich bin der festen Überzeugung: die arg verkümmerten Augen waren nur ein Bild, eine Folge des noch ärger verkümmerten Körpers. Und wie vom welk werdenden Stamme die Blätter und der Blütenschmuck abfallen, so müssen im siechen Körper auch krank angelegte Augen vorkommen. Treibt der Stamm von neuem, dann treiben und grünen und blühen auch frisch und neu Blätter und Blüten.

Ausschläge.

Darunter verstehen wir alle jene unnennbaren und unbezeichenbaren Haut-Unreinigkeiten, die oft in einer Nacht, in einem Tag kommen und vergehen. Man schenkt denselben wenig oder gar keine Acht. Zuweilen indessen können sie recht lästig werden und plagen dann die Brust, den Rücken, die Arme, die Beine oder andere Stellen des Körpers. Jahrelang kann man die Last tragen, ohne daß sie den Träger krank macht oder auch nur in auffallender Weise in den Berufsarbeiten stört. Doch kenne ich Personen, bei denen stets Geistesstörungen eintraten, so oft der Ausschlag verschwand. Selbst zwei Fälle von Tobsucht sind mir bekannt, welche ausbrach infolge schnell zurückgetretenen Ausschlages. Anwendungen, wie sie bei Flechten und Geschwüren angegeben sind, lockten den Ausschlag von neuem hervor, wodurch die Störungen gehoben waren. Diese Kleinigkeiten sind also doch nicht so kleinlich; sie können, vernachlässigt, insbesondere in der Reinlichkeitspflege, große und schwere Folgen haben. Neben Geistesstörungen entwickeln sich insbesondere gerne Abzehrung, Schwindsucht, Leber-, Nierenleiden und anderes mehr. Wo der fressende Gesell und seine Giftstoffe sich einnisten, da verwüsten, zerfressen und zerstören sie.

Jedem derart Geplagten möchte ich raten, er solle früh genug, jetzt, wo er noch keine der genannten Folgen spürt, wöchentlich (jeden dritten Tag z. B. eine) ein paar leichte Anwendungen mit Wasser vornehmen. Solche sind der Reihe nach: die kalten Ganzwaschungen, der spanische Mantel und der kurze Wickel. Man erschrecke nicht, wenn nach der einen oder nach der anderen Anwendung der Ausschlag stärker auftritt. Das ist ja ein trefflicher Beweis ihrer Wirkung. Man stelle die Anwendungen nur nicht ein, sondern fahre um so entschiedener damit fort!

Wer den Rat befolgt, wird an sich erfahren: Das Ende jeder Anwendung gut, aller Ausschlag gut. Jeder Unparteiische urteile selbst, ob es besser sei, zu derartigen Reinigungen die häßlichen und abscheulichen Salben, heißen sie nun Schönheitsmilch, Wunderbalsam usf., zu gebrauchen oder das reine, kristallklare Wasser. Was mögen derlei ausgeschriene und jetzt bald in jedem Zeitungsblatte ausgehängte Salbereien für Zeug enthalten! Mancher und manche würden rot werden vor Scham, wenn seine Herren Kollegen, wenn seine hohen Verwandten wüßten, daß auch er oder sie unter die Quacksalber gegangen. Doch das hilft alles nichts, ich weiß es wohl. Die Welt hat gesalbt, und die Welt salbt. Mundus vult decipi, d. h. die Welt wird weiter schmieren und salben. Habeat sibi!

Ein Landwirt erzählt: „Ich habe schon mehr als zwei Jahre einen Ausschlag im Gesicht und am ganzen Körper. Manchmal sieht man wenig, dann kommt er aber stellenweise recht stark heraus. Ich bin sonst gesund; aber wenn sich dieser Ausschlag noch mehr verbreitet, wie es den Anschein hat, dann weiß ich nicht, welches Schicksal mich noch treffen wird. Ich habe schon vieles und verschiedenes dagegen gebraucht, doch alles umsonst.“

Anwendungen: 1) In der Woche zwei warme Haberstrohbäder mit zwei Wechseln, jedesmal 15 Minuten ins warme, eine Minute ins kalte Wasser, oder sich kräftig abwaschen. 2) Dreimal in der Woche in der Nacht vom Bett aus oder beim Aufstehen den ganzen Körper mit kaltem Wasser waschen. 3) Täglich eine Messerspitze voll weißes Pulver, wie in der Apotheke beschrieben. So 3–4 Wochen fortmachen, dann jede Woche ein- bis zweimal den ganzen Körper waschen oder, statt zu waschen, ein Halbbad nehmen.

Auszehrung.

Wir kennen viele Menschen, die außerordentlich schnell beleibt werden. Man fürchtet dieses im allgemeinen, weil die oftmals begründete Meinung herrscht, daß solche Leute meistens nicht lange leben. Desgleichen sind uns viele, Männer, Frauen und Kinder, bekannt, bei denen gerade das Gegenteil stattfindet, deren Kräfte auffallend rasch abnehmen. Sie gleichen dem Gras auf dem Feld, das heute grünt und morgen dörrt, und das Merkwürdige an der Sache ist, daß solche Kranke sehr häufig gar kein besonderes Leiden fühlen. Sie klagen meist nur über Mattigkeit, wenig guten Humor und entweder sehr großen oder gar keinen Appetit. Kommt man da nicht bald mit der Hilfe, so welken solche schon halbdürre Pflanzen nach und nach ganz ab; sie löschen aus wie ein schwachbrennendes Nachtlichtlein. Vielleicht kommt noch eine akute Krankheit dazu, die dem glimmenden Dochte rasch ein Ende macht. Kranke dieser Art kommen mir, um ein Bild aus dem alltäglichen Leben zu gebrauchen, vor wie ein Haus, das gebaut wurde aus schlechtem Kalk und Mörtel, das bald baufällig wird und bei dem in kurzem alles aus den Fugen geht. Er ist an der Brightschen Krankheit gestorben, hört man oft sagen. Das war so ein Zusammenbrechen eines morschen, baufälligen Körpers. Verschiedene Bezeichnungen für eine und dieselbe Sache! Gut essen und trinken hilft da nichts mehr. Wirf an ein zerfallendes Haus an diesen oder jenen Fleck noch einige Kübel Mörtel — jeder Vernünftige wird lächeln! Die Auszehrung unterscheidet sich von der Schwindsucht dadurch, daß bei dieser die Krankheit von einem Organe ausgeht, sei es von der Lunge, der Brust, dem Kehlkopf usw., und von diesem Punkte weitere Kreise zieht, bei jener aber mehr eine allgemeine Auflösung, ein Ruin des ganzen Körpers stattfindet. Oft sucht man den Hauptsitz oder den Ausgangspunkt der Auszehrung in den Nieren, im Unterleibe; vielfach ist jede genaue Bestimmung vor der Sektion unmöglich; gar oft täuschen die scheinbar bestimmtesten und sichersten Zeichen.

1. Ein ziemlich korpulenter Herr erfreute sich stets der besten und ausdauerndsten Gesundheit. Seine Lebensweise und Diät waren wohl geordnet. Plötzlich merkte er, daß seine Kräfte und seine Korpulenz schwinden. Er fühlte Schwindel im Kopf und getraute sich nicht mehr zu stehen, ohne sich festzuhalten. Peinlich vor allem war ihm der Gedanke, auf dem Boden ausschreiten, gehen zu sollen, ohne daß die Füße einen besonderen Halt hätten. Kaum sechs Wochen waren vergangen, und der Patient hatte 72 Pfund am Körpergewicht abgenommen. Der große und selten schöne Mann von ehedem wankte und schwankte daher wie ein geknicktes Rohr, leblos und tot wie ein Dürrling (dürrer Baum) im Walde. Alle ärztlichen Mittel wollten nichts helfen; der Kranke sah seiner baldigen Auflösung mit sicherem, aber wehmütigem Auge entgegen.

In diesem Zustande und in dieser Stimmung kam er zu mir; ich erkannte ihn nicht wieder, obwohl er mir sonst ein lieber Bekannter war. Ich selbst zweifelte an der Möglichkeit eines Wiederaufkommens. Doch riet ich, einen letzten Versuch mit Wasser zu machen.

Die Natur, die in ihrer Selbstvernichtung begriffen war, mußte gestärkt und dem selbstmörderischen Treiben gesteuert werden. Täglich zwei- bis dreimal ging der Kranke barfuß im nassen Gras oder auf nassen Steinen. Jeden weitern Tag nahm er einen Ober- und Unteraufschläger, in der Woche einmal den spanischen Mantel. Diesen Anwendungen folgten wöchentlich zwei Halbbäder, ein kurzer Wickel und ein Ober- und Unteraufschläger. Die Halbbäder lösten sodann Ganzbäder ab, und zwar kalte von je einer Minute Dauer und warme mit zweimaligem Wechsel, von beiden Arten je eines in der Woche; ebenfalls wöchentlich eine Ganzwaschung. Zur Ausheilung und zur Bewahrung vor einem Rückfall verordnete ich wöchentlich ein kaltes Ganzbad, einen Oberguß mit Knieguß und hin und wieder den spanischen Mantel. Das Bier wurde von vier bis fünf Glas auf zwei reduziert; die Kost mußte einfach und nahrhaft sein.

Schon nach Schluß der ersten acht Tage war Besserung eingetreten: Stillstand der Kräfte-Abnahme und Erstarkung. Nach acht Wochen konnte der Genesene wieder seinen Berufspflichten vorstehen. Er nahm zu wie an Kraft, so auch wieder an Korpulenz und ist heute noch ein gesunder, stattlicher und kräftiger Mann.

2. Eine Mutter, blühend wie das Leben, verlor in wenigen Wochen die Frische des Aussehens und alle Kraft. Allgemein war über sie schon das Todesurteil gefällt worden, zumal die ärztlichen Mittel ohne Wirkung blieben. In ihrer Not flüchtete sie zum Wasser.

Zweimal in der Woche zog sie ein nasses Hemd an und wickelte sich in die trockene Wollumhüllung, in der sie je eine Stunde blieb. Dann nahm sie ebenfalls wöchentlich zwei Halbbäder und setzte beide Übungen 14 Tage lang fort. Der Zustand besserte sich. An Stelle der früheren Anwendungen traten jetzt wöchentlich ein kurzer Wickel und einmalige kalte Ganzwaschung vom Bette aus. Die vollständige Gesundheit ward der Mutter, die gesunde Mutter den erfreuten Kindern wieder geschenkt.

Bei derartig Leidenden kann man (wie oben bei den Krankheits-Erscheinungen schon gesagt wurde) die Bemerkung machen, daß sie bald zu viel Nahrung einnehmen, so daß die geschwächte Natur dieselbe nicht in der rechten Ordnung zu Säften, Blut, Knochen, Fleisch usf. verarbeiten kann. Es müssen schlimme Folgen eintreten, wie anormale Fettbildung, Anstauungen von Blut, von Säften usw. Die gut verteilten Wasseranwendungen lösen auf, leiten Unbrauchbares ab, regeln und ordnen den Blutumlauf, kräftigen und stärken den Organismus.

Noch ein Fall ist möglich. Die Nahrung wurde eingenommen, geht aber ohne die gehörige Ausnützung wieder ab. Die Organe sind schwach und matt, untätig und arbeitsunfähig; sie sind in ihren Funktionen ganz geschwächt. Auch da müssen große Störungen im Körper entstehen, die Gesundheit muß untergraben werden. Schneide, welcher Pflanze du willst, die Saugwurzeln ab, sie muß zugrunde gehen. Den Saugwurzeln gleichen die Organe. Das Wasser kräftigt, erfrischt sie. Du kennst das oberschlächtige Wasserrad. Es kommt der Sturzbach, die ganze Maschine gerät in Bewegung und Tätigkeit, alle Schaufeln drehen sich. So rüttelt das Wasser, das in geordneter Weise den untätigen Körper trifft, alle Organe aus ihrer Schläfrigkeit und Schlaffheit. Sie arbeiten wieder, und neues Leben pulsiert im neu auflebenden Körper.

Wie viele junge Leute tragen heutzutage derlei sieche Leiber, wahrhaft schon halbe Leichname, mit sich herum! Ich wünsche allen von Herzen, daß sie zur rechten Stunde noch die rechte Hilfs- und Heilquelle auffinden mögen!

Beinfraß.

Ein Herr von Stand bekam eine kranke Zehe; er glaubte, der Nagel sei etwas beschädigt worden, und hielt die Sache keiner weiteren Beachtung wert. Die Zehe indessen entzündete sich und machte es notwendig, den Arzt herbeizuziehen. Dieser verordnete während mehrerer Wochen verschiedene Mittel. Die Zehe sei gut, meinte er, obschon die Entzündung an Ausdehnung gewonnen hatte und der ganze Fuß mächtig angeschwollen und zum Gehen und Stehen durchaus unbrauchbar war. Der Kranke ahnte nicht, was eingetreten war, bis sich eines Tages zwei kleine Beinchen aus- und ablösten. Daraufhin bekam er Mißtrauen zu seinem Fuße und zu all denen, die denselben bislang für ganz ausgezeichnet gehalten und erklärt hatten. Der Herr kannte mich und bat mich, nachzusehen. Es war Beinfraß eingetreten. Alsbald ließ ich Zinnkraut in Wasser sieden und den kranken Fuß, soweit die Geschwulst reichte, mit in den Absud getauchten Tüchern überschlagen. Innerhalb ganz kurzer Zeit war die Geschwulst und der noch junge Beinfraß gehoben; der Fuß heilte wieder zu, und sein Herr gebrauchte ihn wie früher.

Nach ungefähr einem Jahre meldete sich das fatale Leiden von neuem, diesmal an dem anderen Fuße, und zwar genau wieder an der großen Zehe. Der Arzt durchschnitt die Zehe und wendete scharfe Mittel an, welche die Zehe zuheilten. Während des Heilens spürte der Patient am anderen Fuße einen ähnlichen anhaltenden Schmerz wie früher vor dem Auftreten des ersten Leidens. Die Heilung der Zehe schritt indessen weiter und wurde schließlich als fertig und gelungen erklärt, wenn auch die durchschnittene und geheilte Zehe um die Hälfte dicker und immer etwas gerötet blieb. Der berufseifrige Herr konnte gehen und arbeiten, und was wollte er auch mehr? Als einer, der mit der Wahrheit nicht hinter dem Berge hält, sondern immer gerade herausrückt, wurde ich gemieden und nicht weiter gefragt. Mir war das lieb; denn meine Antwort hätte lauten müssen: Die Krankheit ist teilweise gehoben, aber nicht entfernt. Die Folge wird sein, daß früher oder später der Beinfraß weiterfrißt. Ich hatte mich nicht getäuscht; so kam es. Wie mußte dieser Fuß behandelt werden? Notwendig müssen beide Füße zugleich in Behandlung kommen, so lange, bis kein Fleckchen von besonderer Röte mehr zu sehen und keine Spur von Schmerz mehr zu fühlen ist. Sie sind zu behandeln mit in Haberstrohabsud eingetauchten Fußwickeln, in der Art, daß die Füße täglich einige Male umwickelt werden und die Wickel über die kranken und schmerzhaften Stellen etwas hinausreichen. Die vollständige und wirkliche Heilung wird nicht allzulange währen.

Wie kommt es wohl, daß in unserem Falle gerade in den Füßen der Beinfraß sich festsetzte? Weshalb nicht z. B. in den Händen oder Armen? — Dieser Herr hatte früher eine schwere, langwierige Krankheit durchgemacht, als deren Folge eine große Schwäche, besonders in den Füßen, zurückblieb. Möglich, daß darin kranker, giftiger Stoff liegenblieb. Sicher ist, daß bei dem dermaligen Rekonvaleszenten die Füße wegen ihrer schweren Arbeit (sie allein tragen stets den Körper, und oft was für einen!) sich nie gehörig erholen konnten und so als der schwächere Teil den Angriffen des Giftstoffes leicht erlagen.

Der Herr lebt noch. Er darf recht achthaben, wenn er vom Beinfraß nicht mehr will heimgesucht werden. Bei den geringsten Anzeichen möge er alsbald meinen freundlichen und gutgemeinten Rat befolgen und mit den Umschlägen von Zinnkraut- oder Haberstrohabsud nicht zögern. Sero venientibus ossa! Der Herr ist Lateiner, er lächelt und versteht mich. Wer nicht Latein kennt, soll nicht grübeln und sich kein graues Haar wachsen lassen, wenn ich diesmal gegen meine Gewohnheit die Fremdwörter nicht verdeutsche.

Andere Fälle mit geheiltem Beinfraß übergehe ich, da sie jüngere Personen betreffen, bei denen im Beginn des Leidens die Heilung leicht und schnell zustande kommt.

Bettnässen.

Dieses Übel kommt bei der heranwachsenden Jugend beiderlei Geschlechtes häufig vor. Auch gibt es viele Erwachsene, die bis in die 20er Jahre und noch länger daran leiden. Man findet in Zeitungen allerlei Mittel ausgeschrieben und angepriesen; gewöhnlich ist’s nur Schwindel. Leider, daß diese oft sehr schädlichen Mittel angewendet und solche unglückliche Kinder noch mit Rute und Stock gezüchtigt und verhöhnt werden, was doch gewiß nicht helfen, sondern das Übel nur ärger machen kann. Mir wurde von einer Anstalt erzählt, daß die betreffenden Kinder jedesmal vor dem Schlafengehen bestraft wurden. Die armen Geschöpfe können vor Angst und Furcht nicht sogleich einschlafen, geraten dann um so tiefer in Schlaf, und um so sicherer behauptet das Übel die Herrschaft. Der Grund des Leidens liegt in der Schwäche der Natur; wird diese gekräftigt, so muß jenes in Bälde weichen.

Sechs Kindern von 8 bis 13 Jahren riet ich, sie sollen täglich in einer Badewanne mit so viel Wasser, daß es bis an die Waden reicht, hin und her gehen 3–5 Minuten lang, dann im Zimmer oder im Freien rasche Bewegung machen, damit die Naturwärme schnell wiederkehre. Nach fünf Tagen passierte nur noch zwei Kindern das Unglück; in wenigen weiteren Tagen waren auch diese geheilt.

Eine zweite Anwendung bestand darin, daß sie nach dem Gehen im Wasser auch die Arme zwei Minuten in kaltes Wasser hielten, was sichtlich nicht bloß gegen fraglichen Fehler wirkte, sondern den zuvor krank aussehenden Kindern eine gesunde Gesichtsfarbe verlieh.

Auch bei Erwachsenen kann das angegebene Mittel ausreichen. Nur wenn durch Schwäche auch die Säfte mit dem Blute sehr heruntergekommen sind, empfiehlt es sich, täglich eine Tasse Schafgarbentee zu trinken, die eine Hälfte am Morgen, die andere am Abend.

Bemerkt sei hier, daß das kälteste Wasser am wirksamsten ist. Ich machte bei solchen Kindern den Versuch mit warmen Bädern und erreichte das Gegenteil

Blasenkatarrh.

Ein Herr berichtet: „Ich bin 30 Jahre alt, leide nun schon drei Jahre an Blasenkatarrh und habe mir dieses Leiden infolge von Überanstrengung im Beruf und besonders durch allzu langes Aufhalten des Harns zugezogen. Im Anfange verrichtete ich noch zwei Monate lang die mir obliegenden Arbeiten unter großen Schmerzen, bis ich bei Tische plötzlich einmal vor Schwäche und Schmerz zusammenbrach. Vier Monate lang bin ich krank im Bette gelegen und so elend geworden, daß mein Körper einem Totengerippe gleich war, — mein Körpergewicht betrug bloß mehr 82 Pfund. Der Arzt verordnete mir nun Wildunger-Wasser, wovon ich etwa 100 Flaschen getrunken habe, und warme Sitzbäder. Ich bekam zudem noch einen sehr heftigen Magen- und Darmkatarrh. Nach vier Monaten, als es Frühling wurde, ging es besser. Im Sommer sodann ging es mir erträglich, wiewohl ich immer noch zeitweise große Schmerzen verspürte und der Urin sehr oft, ja beinahe täglich noch trübe war. Der Winter aber brachte mir wieder ein ganzes Heer von Schmerzen; erst der folgende Frühling und besonders der Sommer halfen mir wieder auf die Beine. Aber im Winter 1887 steigerten sich die Blasenschmerzen wiederum mit jedem Tage; der Urin floß immer spärlicher, ward trüber, und ich mußte drei Wochen das Bett hüten. Meine körperlichen Kräfte schwanden immer mehr, so daß man glaubte, eine Art Abzehrung habe sich eingestellt. Am Unterkörper war ich zumeist kalt und konnte mich trotz des geheizten Zimmers, der fünf Unterbeinkleider und der drei Paar Strümpfe nicht erwärmen; es ging abwärts mit mir. Der Arzt sagte, ich solle mich nur recht warm halten, und gegen das Blasenleiden verordnete er teils Wildunger-, teils Kronenquell-Wasser, wovon ich etwa 150 Flaschen leerte. Auf vielseitges Anraten entschloß ich mich, sobald die Witterung es erlaubte, nach Wörishofen zu gehen.“

Der Patient sah sehr abgemagert und elend aus, hustete aber nicht. Ich gab ihm gute Hoffnung auf Wiederherstellung. Schon am dritten Tage bekam er eine bessere Gesichtsfarbe, die Schmerzen nahmen von Tag zu Tag ab, der Urin floß reichlicher und heller, und nach vier Wochen erklärte er: „Nun bin ich wieder der frohe, heitere, gesunde Mensch wie ehedem, — dies hat das Wasser getan.“

Der Erfolg war ein außerordentlich günstiger. Ein Arzt, der sich speziell mit Blasenleiden beschäftigt, erklärte den Herrn für vollständig hergestellt und war ganz erstaunt über den Heilerfolg.

Die Anwendungen waren: Anfangs einigemal Leibstuhldampf mit Zinnkrautabsud; ferner drei Wochen lang vor- und nachmittags Oberguß und Wassertreten; später Sitzbäder und Oberguß, täglich abwechselnd; außerdem anfangs Tee von Zinnkraut und Wacholderbeeren.

Blasenleiden, nervöses.

Ein Lehrer berichtet: „Meine Krankheit wird von den Ärzten bezeichnet als „nervöser Reizzustand der Blase und des Unterleibes“. Seit ungefähr 15 Jahren leide ich an Urinbeschwerden, bald mehr, bald weniger. Mit Beginn dieses Frühjahres stellte sich das Leiden wieder in besonders hohem Grade ein. Oft mußte ich in einer Nacht 15–20mal unter heftigem Drang den Harn lassen. In dem reichlichen Niederschlage fanden sich viele Salzkristalle, später auch Schleim. Dabei litt ich an hartnäckiger Stuhlverstopfung, Blähungen, oftmals, besonders nachts, an heftigem Erzittern des Körpers, hauptsächlich des Unterleibes, verbunden mit Kältegefühl, zuweilen auch an nervösen Zuckungen in den Beinen. Vollständige Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit haben mich sehr geschwächt.“

Die Anwendungen waren folgende:

1) in jeder Nacht Ganzwaschung;

2) den einen Tag einen kurzen Wickel, den andern ein in warmes Salzwasser getauchtes Hemd anziehen;

3) täglich eine Tasse Zinnkrauttee, worin 20 zerstoßene Wacholderbeeren mit abgesotten waren, trinken; so drei Wochen lang.

In kurzer Zeit stellten sich Schlaf und Appetit ein, und eine Krankheitserscheinung schwand nach der anderen. Nur blieb noch Mattigkeit und Schmerz in den Beinen zurück. Dagegen folgendes:

1) früh ein Oberguß;

2) nachmittags ein Knieguß;

3) manchmal ein Halbbad.

Die letzten Reste der Krankheit waren bald verschwunden.

Blasenstein.

Ein Herr in den schönsten Jahren erkrankte. Er bekam heftige Schmerzen in den Nieren, und es wollte durchaus kein Wasser mehr abgehen. Herbeigerufene Ärzte erklärten, es sei ein Stein in der Blase, der aber nur durch Operation entfernt werden könne. Der Kranke wollte sich dazu durchaus nicht verstehen.

Den kranken Herrn besuchte ein Bekannter, um sich über sein Leiden zu erkundigen. Diesem klagte der Patient seine Not und erhielt den Rat: mittags, abends und morgens ein warmes Sitzbad von Zinnkraut zu nehmen und vor jedem Bad eine Tasse Tee von Zinnkraut zu trinken. In 36 Stunden ging ein Stein ab in beinahe Haselnußgröße. Plötzlich war aller Schmerz weg und der Mann gesund.

Blattern.

Was Scharlach im kleinen, das sind die Blattern im großen. Giftig ist schon der Scharlach, giftiger sind die Blattern, seien es die weißen oder die schwarzen. Die Behandlung bleibt für alle Fälle dieselbe. Man sagt gewöhnlich, wenn die Blattern nicht hervortreten, so müsse der Kranke daran sterben. Darum kann nichts Besseres getan und sorgfältiger getan werden, als so schnell wie möglich den Blatternstoff an die Oberfläche der Haut zu leiten, um so im Inneren die ärgste Vergiftung zu verhüten und eine rasche Ableitung vorzunehmen.

Sechs Personen, die an den weißen Blattern erkrankten, wurden geheilt, indem dieselben so oft gewaschen wurden, als die Hitze recht groß, die Bangigkeit fast nicht auszuhalten war. Anfangs war es jede Stunde notwendig, später alle zwei Stunden, nach längerem Verlauf im Tage nur noch zwei- bis dreimal. Am siebenten Tage waren die sechs Kranken vollständig gesund. Gegessen haben sie fast nichts, was am besten ist, getrunken ziemlich viel, was nicht schadet, wenn nur in kleinen Portionen getrunken wird. Daß alle Patienten dies beachteten! Viel Trinken auf einmal löscht den Durst nicht nachhaltig und vermehrt die Bangigkeit.

Ich selbst mußte oft staunen, wie durch obige Behandlungsweise, durch die einfachen Waschungen, die Blattern stets auf der Oberfläche der Haut erschienen. Sie zeigen sich als kleine, spitzige Erhöhungen, aus der Haut hervortretend, ähnlich den Fröschen, die über das Wasser hervorschauen. Man wasche ohne die geringste Scheu! Je bälder und pünktlicher solches geschieht, desto schneller entwickeln sich die Bläschen, desto rascher wird der Giftstoff ausgeleitet. Ehe er zu den Geschwüren sich entwickeln kann, wird er, wenn ich so sagen darf, gleichsam weggewaschen.

Noch eines: Man gönne den Kranken auch die frische Luft, die ehedem so sehr mißgönnte und gefürchtete. Immer sei eine, wenn auch kleine Stelle geöffnet, bei der sie eindringen kann.

Das Waschen geschehe so schnell, daß höchstens eine Minute zu einer Waschung gebraucht werde. Auf diese Weise können bei Erwachsenen ebenso leicht die Blattern wie bei den Kindern der Scharlach geheilt werden. Bemerkt sei noch, daß die gelindeste Anwendung die beste ist.

Vier Personen litten an denselben Blattern. Sie wurden geheilt, indem sie statt der Waschungen täglich zwei- bis dreimal ein nasses Hemd anzogen, welches der spanische Mantel gut ersetzt hätte. Nach einer Stunde wurde das Hemd abgenommen und erst wieder angelegt, wenn Hitze und Bangigkeit groß waren. Die letzten Tage geschah dieses höchstens noch ein- bis zweimal. Nach acht Tagen war die ganze Kur vorüber, und von den schrecklichen Narben, die manches Antlitz fürs ganze Leben entstellen, war keine, auch nicht die geringste Spur zu sehen.

Fritz kann nicht mehr gehen, er ist todmüde an allen Gliedern. Sein Aussehen ist zum Erschrecken. Heftiges Kopfweh und lästige Übelkeiten befallen ihn, und es drückt ihn gewaltig auf der Brust. Man ruft den Arzt. Dieser erklärt, das seien sichere Anzeichen der Blattern; es brauche indes zur Entwicklung derselben noch drei Tage. Ein Abführmittel könne nicht schaden, sonst aber lasse sich nichts tun. Fritz war damit nicht zufrieden, und da er vom Wasser gehört, ließ er sich eine Wanne mit Wasser ins Zimmer bringen, unmittelbar neben das Bett. Jede Stunde steigt er ins Wasser und wäscht sich mit einem rauhen Handtuche kräftig ab; in ganz kurzer Zeit, in kaum einer Minute, ist jedesmal die Arbeit fertig. Innerhalb 18 Stunden hat sich der Kranke achtzehnmal gewaschen.

Bevor der Arzt wieder kam, war Fritz gesund und von seinem Blatternansatz gründlich geheilt. Gegessen hat er in dieser Zeit nichts und getrunken nur das liebe Wasser.

Soeben höre ich von einem Freunde, daß er, meinem Rate folgend, ganz auf diese Weise 4–5 Personen, die plötzlich vom Fieber befallen worden waren und bei denen mit Grund der Ausbruch der Blattern befürchtet wurde, in wenigen Tagen heilte.

Herrschen an irgend einem Orte die Blattern, Scharlach, Ausschlagkrankheiten und zeigen sich Krankheits-Erscheinungen, so beginne man möglichst bald mit der Anwendung. Ein zuwartendes, rein beobachtendes Verfahren, „was da wohl sich entwickeln möge“, ist stets vom Übel. Das Feuer greift weiter und verzehrt rasch die Kräfte. Wer sofort löscht, löscht am leichtesten. Nach wenigen Tagen schon kann die Rettung zu spät kommen.

Sobald ein Kind oder ein Erwachsener über Kopfweh, Beengung, schweren Atem, Husten klagt und sagt, daß aller Mut gebrochen, alle Kraft gelähmt sei, so sind dieses ebenso viele Fingerzeige, daß die Zeit der Anwendung gekommen. Selbst in Fällen, in denen man sich täuschte, können letztere (die Anwendungen) nie Schaden bringen.

Im allgemeinen wiederhole ich an dieser Stelle folgende Regeln:

Die Waschungen seien so kurz als möglich und erstrecken sich auf den ganzen Körper des Patienten.

Das Zudecken (Abschließen der äußeren Luft) nach der Anwendung geschehe sorgsam, nicht zu übermäßig. Man sorge für stete Erneuerung der frischen Luft (gute Lüftung) und verhüte nur, daß der Luftstrom dem Kranken direkt in das Gesicht wehe.

Die Wiederholung des Waschens bei jedesmaligem Steigen der Hitze und der Bangigkeit werde genau eingehalten.

Niemals dränge man einen Kranken, insbesondere einen Schwerkranken zum Essen. Der Magen kündigt durch Hunger an, wann er zur Arbeit wieder aufgelegt ist. Aufgedrungene Speisen läßt er unverändert liegen. Sie belästigen und sind zuweilen ein Haupthindernis der Genesung, zuweilen die einzige Ursache eines Rückfalles.

Welche Torheiten werden in dieser Beziehung oft, sehr oft aus Unwissenheit, besonders auf dem Lande, begangen! Alles kommt zum Krankenbett und nötigt in übelverstandenem Eifer und in schlimm wirkender Wohlmeinung das Essen, das Trinken auf. Man bringt dem Kranken Süßigkeiten u. a., was in solchem Zustande die Wirkung des Giftes tut. Man begeht, wie gesagt, unglaubliche Torheiten und sündigt unwissend schwer gegen die Gesundheit.

Meldet sich der Appetit, bittet der Kranke um Festes, um Flüssiges, so gebe man ja recht wenige, einfache (nicht viel gesalzene, nicht gewürzte), milde, leicht verdauliche Speisen, niemals bis zur vollen Sättigung. Ich empfehle als Beigabe namentlich gut eingekochte Früchte. Wasser mit etwas Wein, Wasser mit Milch und später Milch allein sind das beste Labsal. Man hüte sich, den Konditor, den Zuckerbäcker zum Krankenfütterer zu machen.

Man hat bereits mancherorts begonnen, bei Blattern-Epidemien das Wasser als Heilmittel anzuwenden, in vielen Fällen leider viel zu schroff und abschreckend. Es wäre nur zu wünschen, daß die Anwendung noch viel allgemeiner und in der Praxis viel gelinder, leichter[29] würde; zahlreiche Menschenleben könnten so gerettet werden. Nach meinen bisherigen Erfahrungen wage ich die Behauptung: kein an Blattern Erkrankter, der nicht außer den Blattern ein anderes schweres Leiden hat, würde (wenige Fälle ausgenommen) dieser Krankheit unterliegen. So oft ich lese, wie in einem Jahre Hunderte und Tausende von dieser Seuche, vielmehr der ihr vorangehenden und sie begleitenden Fieberhitze hinweggerafft werden, wandelt mich große Schwermut an. Das Löschmittel steht parat, aber oftmals wird kein Tropfen zur Kühlung, zum Auslöschen der Hitze verwendet. Wer versteht solches? Daß doch die Wirkung und Heilkraft des Wassers endlich zur vollen Geltung käme!

Die Heilung der Blattern durch Wasser hat noch den speziellen Vorteil, daß der Giftstoff nie tief einfrißt und daß deshalb nach solcher Behandlung niemals die entstellenden Blatternnarben das Gesicht fürs ganze Leben kennzeichnen.

Die Waschungen, welche wir in unseren obigen Fällen verordnet haben, können ersetzt werden durch den spanischen Mantel, den man täglich zweimal, bei großen Hitzen dreimal umlegt je 1–1½ Stunden lang. Man versäume es nie, nach jeder Anwendung den Mantel sorgfältig auswaschen zu lassen; er enthält jedesmal eine Menge giftiger Stoffe.

Eine weitere Anwendung besteht darin, daß man, zu Bette liegend, ein zweifach zusammengelegtes grobes Linnen ins Wasser taucht, es auf Brust und Unterleib legt in Form des Oberaufschlägers (s. Aufschläger) und nachher in derselben Weise den Unteraufschläger folgen läßt. Bei großer Hitze kann dieses Verfahren in einem halben Tage zwei- bis dreimal wiederholt werden.

Blutarmut (Bleichsucht).

Weil der ganze Körper aus Blut gebildet ist und der ganze Körper seine Größe, seine Kraft und Ausdauer vom Blute hat, so darf ich den Satz aufstellen: wer gesund bleiben und lang leben will, der muß gutes Blut und hinlängliches Blut haben. Die Natur bereitet aus Speise und Getränk das notwendige Blut, und man kann mit Recht sagen: wer gutes Blut hat, ist gesund, und wer viel Blut hat, ist ausdauernd, und wo wenig oder schlechtes Blut bereitet wird, werden alle möglichen Krankheiten eintreten können.

Zu einer guten Blutbildung ist vor allem notwendig eine gute, gesunde Luft, viel Licht, eine gute, entsprechende Nahrung, welche gutes Blut geben kann, und die erforderliche Bewegung oder Tätigkeit des Körpers. Gehen diese notwendigen Bedingungen ab, dann wird auch das Blut abnehmen, und sind die Nährstoffe nicht gut, dann wird zur Blutabnahme auch noch krankhaftes Blut bereitet werden.

Blutarmut kann auch eintreten, wenn man Blut verloren hat durch Verwundungen, Aderlaß und andere Blutverluste.

Wer blutarm ist, der ist auch schwächlich oder krank.

Ein Bild der Blutarmut ist der Bleichsüchtige. Das Gesicht des Bleichsüchtigen ist blaß, bleich, oft gelblich, bräunlich; besonders sind die Lippen und das Zahnfleisch abgestanden; die Augenlider sind matt, und so ist vorherrschend überall Schwäche, Magerkeit, Mangel an Wärme, gebückte Haltung — somit ein Bild der Krankheit. — Die weiteren Folgen sind: Herzklopfen, schwerer Atem, besonders beim Treppensteigen, Kopfweh, Kreuzschmerzen, Ohnmacht, Krämpfe, Magenkrampf, Verdauungsschwäche. Neigung bekommen solche Leute oft zu Speisen, die weder der Natur zuträglich sind noch ein gutes Blut geben können.

Als Heilmittel ist einzig sicher, daß der Kranke möglichst viel in frischer Luft verweilt, wenig im Zimmer, und dieses sei nur spärlich geheizt; die Kleidung sei ja nicht zu warm und schließe sich nie fest an den Körper an, damit überall die Luft eindringen kann. Solche Kranke sollen womöglich vermeiden: dumpfe Luft, wie im Keller, geschlossene Räume, rauchige Zimmer!

Solche Kranke sollen nur gute, leichtverdauliche Nahrung genießen: Milch, gutes Brot, gekochte Brotsuppe und von ganz einfachem Mehl bereitete Speisen; sie sollen recht wenig auf einmal essen; 2–4 Löffel voll Milch, und dieses öfter, ist am besten; weil wenig Magensäfte vorhanden, wird sie nicht schnell verdaut und darum schlecht im Magen. Bewegung und Arbeit im Freien (aber nie über die Kräfte arbeiten!) ist gut zur Vermehrung des Blutes, und die Gesundheit kommt dann von selber.

Die Anwendungen mit Wasser sind folgende: In der Woche drei- bis viermal in der Nacht vom Bett aufstehen, sich ganz waschen und gleich wieder ins Bett; ins Wasser stehen bis über die Waden, eine Minute lang; gleich darauf kommen auch die Arme ins Wasser, in der Woche ungefähr zwei- bis dreimal.

Ist der Bleichsüchtige recht schwach und hat er wenig Naturwärme, so soll anfangs nur warmes Wasser genommen werden, sowohl für die Waschungen als für die Bäder; in das Wasser kann auch Salz oder Essig gemischt werden. Um den Appetit zu fördern, ist es recht gut, täglich dreimal, jedesmal 2–3 Eßlöffel voll, Wermuttee einzunehmen. Ein vorzügliches Mittel gegen Bleichsucht ist auch, täglich zweimal, jedesmal eine Messerspitze voll, Kreidemehl in 4–6 Löffeln Wasser einzunehmen.

Hat sich durch die bezeichneten Anwendungen der ganze Zustand gebessert, dann können statt der Waschungen und Fußbäder Halbbäder in der Woche zwei- bis dreimal genommen werden; dann werden Ober- und Knieguß, nicht zu oft angewendet, ihre Dienste tun.

Ein armes Dienstmädchen wird nicht leicht bleichsüchtig.

Blutarmut bei einem Kinde: Eine Mutter bringt einen Knaben, 5 Jahre alt. Der Knabe ist wohlbeleibt, hat eine recht gute Haltung, ist also recht gut gebaut, aber im Gesicht so bleich, daß die Farbe mehr die eines Toten ist als die eines gesunden Kindes. Das Kind hat weder Leben noch Mut, ist ohne Appetit, hat auch keine Kraft, kurz, das Kind ist so blutarm und der ganze Organismus so untätig, daß es mehr einem Greise ähnlich sieht. Mehrere Ärzte haben das Kind behandelt, geholfen hat nichts. Zwei Ärzte haben recht viel Wein zu trinken befohlen; doch der Zustand blieb der gleiche, und das Kind hatte gegen den Wein wie gegen alle Kost die größte Abneigung. Was ist hier zu tun?

1) Jeden Tag dem Kinde ein Hemd anziehen, in warmes Wasser getaucht, in welchem Heublumen gesotten wurden;

2) jeden Tag den ganzen Knaben waschen mit Wasser und Essig;

3) womöglich im Zimmer barfuß gehen lassen; auch ins Freie, in die frische Luft gehen. Zu essen und zu trinken gebe man einfache Hausmannskost: Wasser, Milch (aber immer nur kleine Portionen, 2–3 Löffel voll); so 14 Tage lang. Nach dieser Zeit:

1) Täglich in nicht zu kaltem Wasser gehen lassen bis über die Waden, 3–5 Minuten lang;

2) täglich einmal ganz waschen mit Wasser und Essig;

3) in der Woche ein- oder zweimal ein Hemd anziehen, in Salz- oder Heublumenwasser getaucht.

Mit diesen Anwendungen 14 Tage fortmachen und dann dieselben höchstens halb so oft gebrauchen.

Blutbrechen und Blutsturz.

Wenn sich eine Blutung einstellt, so fragt es sich, ob das Blut aus dem Magen oder aus der Lunge kommt. Auf Lungenblutung kann man schließen, wenn das Blut unter Husten entleert wird und hellrot und schaumig aussieht; hingegen auf Magenblutung, wenn es durch Erbrechen entleert worden und von dunkelbraun-roter, kaffeesatzartiger Farbe, klumpig und geronnen ist. Blutbrechen ist stets erschreckend und erheischt Vorsicht, da es immer größere oder geringere Gefahren in sich schließt.

Kommt das Blut aus dem Magen, wer weiß, welches Äderchen gelitten hat, ob und wann das Brechen sich wiederholen wird? Eine Vernachlässigung könnte Blutarmut oder eine schwere Krankheit zur Folge haben. Man suche darum die wunde Stelle schnell zu heilen, dann hat das Blutbrechen aus dem Magen keine Bedeutung.

Von größerer, oft recht großer Gefahr ist das Blutbrechen aus der Lunge. Man schaffe deshalb möglichst schnelle Abhilfe!

Bei beiden Arten des Blutbrechens ist Tee von Zinnkraut immer ein erstes Hauptmittel wegen seiner zusammenziehenden Kraft. Ergießt sich das Blut aus der Nase, so ziehe man nach Können öfters solchen Tee durch die Nase ein. Kommt es aus dem Munde, so nehme man alle 10–15 Minuten ein paar Löffel solchen Tees ein. — In der Regel stillt derselbe sehr schnell. Der Tee werde selbst nach vollständiger Stillung noch eine gute Zeit genommen. Mir persönlich ist kein Fall bekannt, in dem Zinnkraut nicht rasche Hilfe gebracht hätte.

Stellt sich das Blutbrechen öfter ein, so müssen die Ursachen erforscht werden. Es ist dann entweder die Lunge krank, und der Patient gehört zu den Schwindsüchtigen; oder es findet ein zu starker Blutandrang nach dem Kopfe statt, der gehoben werden muß (s. „Kongestionen“), oder es rührt von Magengeschwüren her.

Der Blutsturz, den die Verletzung eines edleren Blutorganes zur Folge hat, sei hier nur erwähnt. Da hat gewöhnlich alle Hilfe ein Ende. Meistens tritt plötzlicher Tod ein.

Hier ein Wort über das Nasenbluten. Viele Menschen haben sehr häufiges Nasenbluten und machen sich nichts daraus, weil es ihnen darauf „wohl“ wird. Dennoch ist und bleibt dieser Zustand ein ungesunder, dem sicher früher oder später eine schwere Krankheit folgen wird. Abgesehen von allem andern muß notwendigerweise allmählich Blutarmut, schwaches Blut usw. eintreten und damit die bekannten Zustände: Angst, Furcht, Erschrecken, Ängstlichkeit, Skrupulantentum der verschiedensten Art. Als gute stillende Mittel beim Nasenbluten werden häufig gepriesen: den Betreffenden ohne sein Wissen zu erschrecken, ihm Wasser ins Genick zu gießen, ihn verschiedene Haltungen des Kopfes einnehmen zu lassen.

Ich bin gegen all diese oft das Gegenteil bewirkenden Manöver. Das einzig Richtige scheint mir zu sein, daß man den Blutlauf in geregelten Gang zu bringen sucht, das übermäßig zum Kopfe steigende Blut in den Unterleib und in die Füße lenkt, die bei solchen Zuständen regelmäßig blutarm sind, woraus sich dann später allerhand Schwächen und Gebrechen ergeben.

Zu dieser Ableitung des Blutes nach unten helfen vortrefflich: anfangs ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 15 Minuten lang, in der Woche zwei- bis dreimal; desgleichen wöchentlich 2–3maliges Gehen auf nassen Steinen und 2–3 kurze Wickel. Ist die Natur erst erstarkt, so tun weiter vorzügliche Dienste der Ober- und Unterguß und Halbbäder mit Waschung des Oberkörpers, wöchentlich je eine Anwendung.

Ein Nasenbluten gibt es, das nicht bloß bedenklich ist, sondern leicht den Tod bringt. Ein Mädchen von 15 Jahren, das in der Zeit der Entwicklung war, verblutete vollständig innerhalb 2 Stunden. Wie durch eine Röhre strömte alles Blut aus der Nase, das Bluten endete mit dem Tode (sog. Bluterkrankheit).

Mir selbst kam der Fall vor, daß ein Mädchen von 16 Jahren in ungefähr 1½ Stunden durch die Nase drei Lavoirs reines Blut verlor. Die zunehmende Totenblässe und die anrückende Schlafsucht ließen das Ärgste befürchten. Nachts 2 Uhr wurde ich schleunigst gerufen, die Verblutende zum Sterben vorzubereiten. Alle Hausmittel waren erschöpft, ein Arzt nicht zur Stelle. Ungesäumt ließ ich ½ Gießer mit Wasser auf den Kopf spielen, die andere Hälfte auf den oberen Rücken. Fast augenblicklich hörte das Bluten auf. Das Mädchen lag mehrere Stunden ruhig, aber in seiner Schwäche mehr oder weniger bewußtlos da. Kaum hatte es sich etwas erholt, so meldete sich das Nasenbluten wieder. Der Guß wurde wiederholt und erzielte dieselbe Wirkung. Zur Hebung der Schwäche nahm die Kranke — Appetit und Durst fehlten gänzlich — jede halbe Stunde 2–3 Löffel Milch; nach 2 Tagen konnten bereits Kraftsuppen folgen, die, im Wechsel mit Milch und in überaus geringen Portionen genommen, allmählich dem so arg geschwächten Körper etwas aufhalfen. Der Oberguß wurde täglich pünktlichst vorgenommen. Die Blutungen blieben aus, dagegen meldete sich binnen kurzem ein recht guter Appetit. In 4–6 Wochen erholte sich die Kranke sichtlich, in einem halben Jahre fühlte sie wohl im Innern noch Schwäche, im Äußern war das Aussehen blühend wie früher. Die beginnende Entwicklung mag, wie im ersten Fall, Ursache der Blutung gewesen sein.

Blutfluß.

Ein Hausvater kommt und erzählt folgendes:

„Meine Frau hat schon länger den Blutfluß und ist am Sterben; bis ich heimkomme, ist sie vielleicht schon gestorben. Ärztliche Hilfe gibt es keine mehr. Gibt’s denn gar kein Mittel?“

Ich gab dem Manne den Rat: Die Frau soll 1) anfangs nach je ¼ Stunde 2–3 Eßlöffel voll Zinnkrauttee nehmen, später täglich je 2 Löffel voll; 2) auf den Unterleib ein Tuch legen, in halb Wasser und halb Essig getaucht, 2 Stunden lang, und innerhalb dieser zwei Stunden nach je 20 Minuten wieder frisch eintauchen. Die Blutung hörte rasch auf, und das Weib hatte bloß noch zweimal, jedesmal eine halbe Stunde, einen solchen Überschlag anzuwenden.

Um wieder Blut zu bekommen, hat die beste Wirkung hervorgebracht: in jeder Stunde zwei Eßlöffel voll Milch zu der gewöhnlichen Hausmannskost. Nach vier Wochen konnte dieses Weib ihren Hausgeschäften wieder nachkommen.

Bemerkt sei hier, daß solche Anwendungen nur im Notfalle angezeigt sind, bis ein Arzt zur Stelle ist.

Blutvergiftung.

Eine Hausmutter hatte sich an einem Finger ganz unbedeutend geritzt, sie wußte nicht, ob an einem Nagel oder Holzsplitter, — beachtete diese Kleinigkeit gar nicht und ging am Abend ins Bett, ohne den Schaden näher anzusehen; er schien ihr zu unbedeutend. In der Nacht schon wacht sie auf, empfindet im Finger einen schmerzhaften Krampf, große Übelkeit, Brechreiz bis zum Erbrechen. Der Schaden war an der linken Hand, und sie empfindet auch Schmerz und Krampf am rechten Fuß. Die Hand schwillt stark an bis an den Ellbogen, wird feuerrot, und innerhalb 10 Stunden tritt am ganzen Arm ein fast unausstehlicher Schmerz ein. Die Adern bis zu dem Ellenbogen treten stark hervor und sind ganz dunkel. Arzt war keiner im Ort, und es war sichtbar die höchste Gefahr im Verzug, es werde die Blutvergiftung die Herrschaft bekommen. Die Röte war bereits über den Ellenbogen schon zur Hälfte auf den Oberarm gekommen.

Heublumen wurden mit siedendem Wasser übergossen, und die ganze Hand wurde mit so heißen Heublumen, als sie dieselben nur ertragen konnte, eingewunden. Der ganze Arm wurde mitsamt dem Verband in das heiße Heublumenwasser gelegt, acht Stunden lang. Diese Heublumen zogen wie ein Zugpflaster am ganzen Arm, und so ist es denselben gelungen, die Giftstoffe aus dem Blut auszuziehen, mithin wieder ein Beweis, wie schleunigst eingewirkt werden soll, wenn die Zeichen einer Blutvergiftung sich zeigen. Vielleicht wäre nach 1–2 Stunden die Hausfrau schon ein Opfer des Todes geworden. Bemerkt soll noch werden, daß selbst die Zunge schon eine bläuliche Farbe bekommen hatte. Nach 36 Stunden war auf der flachen Hand die Haut von allem Fleisch so abgelöst, daß sie hätte abgezogen werden können. Als die Krämpfe in dem Finger nachließen, hörte auch natürlich alle Übelkeit auf.

Blutzersetzung.

Auf der Heimreise von einer Fastenpredigt besuchte ich einen Pfarrer. Ich hatte auf dem Wege zufällig erfahren, daß man sein baldiges Ende erwarte. Ich trat ein. Der geistliche Herr saß im Lehnstuhle und erzählte: „Ich habe 25 Löcher und Wunden am Leibe. Sie sehen hier im Gesicht 5 Pflästerchen. Deren habe ich 20 am Leibe. Ganz schnell entstehen kleine Geschwüre mit brauner Flüssigkeit. Setze ich ein Pflästerchen auf, so hält es einen Tag; beim Wegnehmen bleibt gewöhnlich etwas abgestandenes, faules Fleisch hängen. So leide und dulde ich schon seit Monaten, und Hilfe bekomme ich keine mehr. Quälender noch als die Wunden am Körper empfinde ich den entsetzlichen Ekel im Gaumen, den ich niemanden beschreiben kann. Teurer geistlicher Mitbruder, wissen Sie einen guten Rat für einen Armen, dann geben Sie ihn bald; — mir scheint es höchste Zeit.“ Ich riet dem Bedauernswerten, er solle täglich alle 2 Stunden 4–6 Löffel Tee von Salbei und Wermut nehmen, daß ihm der Ekel aus dem Gaumen schwinde. Dann verließ ich ihn auf Wiedersehen in der Ewigkeit.

Nach fünf Tagen kam wirklich ein Bote, doch nicht mit der erwarteten Todesnachricht, sondern mit der Freudenkunde, der Ekel sei aus dem Gaumen entfernt, und der Kranke spüre schon Verlangen nach Speise. Der erste Rat habe so vortrefflich gewirkt, ich möchte bald einen zweiten geben. Ich ließ ihm melden, er solle während 14 Tagen täglich mit frischem Wasser Ganzwaschungen vornehmen oder vornehmen lassen, die einzelnen Waschungen so kurz wie möglich. Von neuem kam die Meldung, der Zustand mache sich, der Appetit sei im Steigen. Ich verordnete als weitere Anwendungen durch einige Wochen abwechselnd den einen Tag den spanischen Mantel, den andern eine Ganzwaschung. Nach 14 Tagen las der Pfarrer wieder die erste hl. Messe. Es folgten noch wöchentlich je ein Kräuterbad zu 28° R. aus Heublumen bereitet, am Schlusse mit kalter Abwaschung, und kalte Halbbäder (mit Waschen des Oberkörpers) im Wechsel mit Ganzwaschungen, den einen Tag die erste, den andern die zweite Anwendung. Der geistliche Mitbruder genas vollkommen und lebte noch 24 Jahre berufsfreudig in seinem Amte als Pfarrer bis zum Ende seines Lebens.

Ein Mann kommt und erzählt: „2½ Jahre bin ich krank, und niemand kann mir helfen. Vor zwei Jahren sind mir beide Füße stark geschwollen und wurden bis zu den Knien hinauf ganz blau. In jeden Fuß brachen zwei Löcher, aus denen viel Blut und Eiter lief. Als die Füße etwas besser wurden, schwoll der rechte Arm stark an, wurde ebenfalls ganz blau, und auch in ihn brachen Löcher. Der Arm ist jetzt wieder besser; ich habe aber eine Geschwulst und Schmerzen auf dem Rücken, auf dem obern Kreuz. Manchmal ist mir der Leib stark aufgetrieben, und ich habe darin große Schmerzen. Aber noch viel ärger als die erzählten körperlichen sind meine geistigen Leiden. Ich soll oft schon ganz verwirrt geredet haben. Wenn’s erlaubt wäre, hätte ich schon oft meinem Leben ein Ende gemacht. Man hat oft gesagt, es sei mir angetan. Doch sei ihm, wie ihm wolle, ich kann nicht mehr elender werden.“

Ich verordnete: „Sieden Sie Haberstroh, tauchen in solches Haberstrohwasser einen Getreidesack und schlüpfen hinein wie in ein Beinkleid bis unter die Schultern. So werden Sie eingewickelt in eine Wolldecke, bleiben zwei Stunden darin und gehen dann, so gut Sie können, Ihren Geschäften nach. Den zweiten Tag tauchen Sie ein grobes Hemd ebenfalls in solches heißes Wasser, ziehen es ausgewunden an und lassen sich in eine Wolldecke einwickeln. Am dritten Tag nehmen Sie einen kurzen Wickel, getaucht in warmes Haberstrohwasser, 1½ Stunden lang. So wird 14 Tage fortgemacht.“ Nach 14 Tagen waren alle Geschwülste beseitigt; ein Fuß war geheilt, der andere hatte noch eine kleine Öffnung; der Appetit stellte sich ein, und der Bauer mußte jeden dritten Tag eine von den drei Anwendungen im Wechsel vornehmen. Nach drei Wochen war Körper und Geist in Ordnung.

Bruchleiden.

Ein besonderes hervorragendes und häufiges Leiden unserer Zeit sind die Leibschäden, Brüche der verschiedensten Art. Oft erscheinen sie plötzlich wie die Schwämme im Walde über Nacht, oft künden sie sich am Körper durch besonders schmerzende Stellen an. Alle damit Behafteten zählen unter die Bresthaften, d. h. unter diejenigen, die nicht mehr zu allen Arbeiten fähig sind; denn jeder Bruch schließt stets die Gefahr nicht nur heftiger Leiden, sondern bei Unvorsichtigkeit sogar die des Todes in sich.

Diese Zustände kommen hauptsächlich bei schwächlichen Naturen vor. Deshalb kann das Zeitalter der Verweichlichung viele solche Früchte aufweisen. Ich bin der vollsten und festen Überzeugung: wenn eine vernünftige Abhärtung gepflegt würde von Jugend an, wenn nur reelle, nahrhafte, vernünftige Kost genossen würde und keine verkünstelte, verfeinerte und so vielfach verdorbene, so träten alle diese Übel höchst selten auf und meistens nur in Fällen, in denen gewaltsame Einwirkungen auf den Körper geschehen durch Schlag oder Stoß.

Vor 50 Jahren kannte man wenig „gebrochene Leute“ in einem Dorfe; in einem Städtchen konnte man die Zahl an den Fingern zählen. Heutzutage kommen vielleicht zwanzig Personen zusammen, und 3–4 derselben haben einen Leibschaden. Gewöhnlich suchen die Betroffenen zu allem Unglück hin ihr Übel soviel wie möglich verborgen zu halten. Man hört’s nicht gern, wenn es heißt: Der hat einen Bruch. Bei manchen klingt dieses fast wie eine Ehrenbeleidigung, die ihn rot macht bis über die Ohren. Torheiten! Es unterbleibt so die notwendige Pflege, und das kleinere Übel wird zum größeren. Bruchleiden triffst du nicht bloß bei solchen, die Tag für Tag mit schwerer Arbeit sich abmühen müssen; Bruchleiden genug findest du auch in den besseren und höheren Ständen. Wie leicht und schnell ist’s geschehen! A. bekam seinen Leibschaden auf dem Abort. B. hüpfte über einen kleinen Graben, er war gebrochen. E. litt viel durch übermäßige Gasbildung. Ein Unbedeutendes, eine Kleinigkeit, und das Bauchfell hatte einen Riß. D., ein Priester, predigte soeben begeistert; mit einem Bruch stieg er von der Kanzel.

Mich schmerzt es jedesmal tief (gerade weil großenteils so leicht vorgebeugt werden könnte), wenn ich höre, daß ein sonst gesunder, kräftiger Körper diesen Schaden gelitten, daß wieder ein Mann im schönsten, kräftigsten Alter zu den Invaliden gehöre. Fast muß ich es so heißen; denn eine große Anzahl Bruchleidender muß das Berufsleben vor der Zeit verlassen, oft schon mit 40, mit 50 Jahren, und selten ist solchen eine Woche gegönnt, in welcher die Beschwerden des Bruches nicht den Hauptbalken am täglichen Kreuze ausmachen. Wer es erfahren hat, weiß, daß ich nicht fasele, nicht übertreibe. Man sollte sich wahrlich mehr Mühe geben, nach den Ursachen des gewaltigen Überhandnehmens gerade dieses Übels zu forschen, mit anderen Worten: man sollte der verweichlichten, geschwächten Menschheit aushelfen. Wohin sollen wir denn kommen?

Ich habe schon von einer vernünftigen, gemäßigten Wasserkur gesprochen. Es lohnt sich wahrlich der kleinen Mühe und der geringen damit verbundenen Opfer, wenn durch sie nur diesem einzigen Übel gesteuert wird.

Der Bruch ist ja (Ausnahmen abgerechnet; [siehe unten], wo wir von Kindern reden) doch nicht angeboren oder angeschaffen, sondern erst eingetreten in Folge von angeborener oder später eingetretener Schwäche. Gar leicht hätte diese durch Abhärtung, speziell durch Abhärtung mit Wasser, ferngehalten oder beseitigt werden können. Ob die sogenannte „bessere Welt“ endlich klug wird? Ich zweifle daran. Dir aber, braver und wackerer Landmann, wenn du diese Zeilen gläubig liesest, rate ich: Nimm in der Woche ein- oder zweimal ein Halbbad oder ein paar kalte Sitzbäder (jedes Schaff ist gut genug)! Bald wirst du deren kräftige Wirkung erfahren. Zu derlei Bädern brauchst du keine bestimmte Zeit abzuwarten. Jede Stunde ist gut, und alles in allem: Ausziehen, Baden, Wiederanziehen dauert nicht länger als 4, höchstens 6 Minuten. Von der Arbeit weg kannst du das Bad nehmen, und unmittelbar darauf kannst du wieder an deine Arbeit gehen. — Doch ich bin im größten Schweiße! Auch das hindert nicht; bade ruhig, du hast nichts zu fürchten! Über diesen Punkt habe ich mich bei den Halb- und Ganzbädern des nähern ausgesprochen. Jedes Wort bei dieser verantwortungsvollen Sache ist reiflich erwogen, und erst ward lange Jahre versucht und praktiziert (gehandelt), bevor gesprochen und geschrieben wurde. Gehe bis zur Brust ins Wasser und wasche rasch und kräftig den Oberkörper ab; dann kleide dich, ohne abzutrocknen, an und gehe rüstig wieder an deine Arbeit! Nach 3–4 solchen Bädern brauchst du keine Aneiferung und keinen herzhaften Vorsatz mehr; das Bad oder die Waschung wird dir fast Bedürfnis, und du erweisest deinem Körper diesen Liebesdienst mit Freuden. Und das Werk (der Erstarkung, Feiung) wird seinen Meister loben.

Ein Bauer klagte mir einmal über arge Schmerzen etwas oberhalb der Weichen. Der Arzt habe erklärt, es sei ein Leibschaden im Anzuge. Ich riet ihm, fleißig Ober- und Unteraufschläger zu nehmen. Bald ließ der Schmerz nach. Der Bauer enthielt sich kurze Zeit der schwersten Arbeit und blieb von dem angekündigten Übel frei. Diese Warnung hat ihn zur Besinnung gebracht und klug gemacht, er wurde von nun an ein eifriger Wassermann.

Zum Schluß noch die Frage: Können Leibschäden gar nie geheilt werden? Mehrere neue Leibschäden habe ich, selbst bei Erwachsenen, dadurch geheilt, daß die gebrochene Stelle mit Kampferöl kräftig eingerieben und darüber ein Pechpflaster, das Pech auf Wachsleinwand gestrichen, aufgelegt wurde. Fuchsfett sodann ist und galt zu jeder Zeit als eines der allerbesten Mittel zur Heilung eines jungen Bruches. Man reibe alle zwei bis drei Tage die Bruchstelle mit solchem Fett ein und lege stets das Pechpflaster darüber. Auf solche Weise heilte ich einmal einen Bruch, der bereits sieben Wochen alt war.

Bei Kindern kommen Bruchschäden verhältnismäßig häufig vor. Die Ursache ist meistens, daß sie durch die Kost stark aufgetrieben werden, und daß so das Bauchfell an einer Stelle springt. Einem solchen Kinde bereite man täglich ein Haberstrohbad, ebenso täglich einen Ober- und Unteraufschläger, klein natürlich, wie sie für das kleine Geschöpf passen, und so lange, bis die Heilung eingetreten ist. Man reibe nebenbei sachte die leidende Stelle mit Kampferöl oder noch besser mit Fuchsfett. Solche Leibschäden heilen in kurzer Zeit, wenn sie nicht allzu große Ausdehnungen haben, in welchen Fällen kaum an Heilung zu denken ist. Für solche Leidende bleibt kein anderer Ausweg übrig, als daß ihnen ein Bruchband beschafft werde, das sie nach Anweisung des Chirurgen tragen.

Gerade die Mütter sollten alles aufbieten, — auch das nenne ich in diesem Punkte allein die wahre Mutterliebe, — derlei Gebrechen von Anfang an und von Grund aus vorzubeugen. Es hängt viel davon ab, oft das ganze spätere glückliche oder unglückliche Leben ihres Kindes, der Schmerz oder der Trost der Eltern. Wenn Gott mir das Leben gibt, werde ich den Müttern einmal einige Winke und Ratschläge aufschreiben, wie sie ihre Kleinen von Geburt an vernünftig abhärten und pflegen sollen. Sie mögen nicht erschrecken vor dem kalten Wassermann; er hat für die Erziehung und für alle, die dabei beteiligt sind, ein recht warmes Herz. An solche Mütter, die schwache Nerven haben und ihren „Engeln“ vor lauter Einmummung und Einbauschung in Samt und Seide und Wolle nicht einmal die frische Luft gönnen, werde ich mich nicht wenden. Nur solchen gilt’s, denen daran gelegen ist, zur Heranbildung einer wieder lebensfähigen, starken Generation das Ihrige beizutragen. Auch alten Kindern dürfte die Lektüre der betreffenden Ratschläge nicht schaden. Doch wie gesagt, kommt Zeit, kommt Rat. Vielleicht macht der Herr des Lebens mir einen Strich durch die Rechnung. Und dann — ist’s auch so recht und gut, und ich bin damit zufrieden.

Brustfell-Entzündung

siehe unten [Seite 210].

Cholera.

Wie gefürchtet ist die Cholera! Vor einigen Jahren trat sie in mehreren Ländern als schreckliche Heimsuchung auf, und sie überlieferte dem Sensenmann zahllose Opfer. Um gegen Überschwemmungen sicher zu sein, wirft man Dämme auf, man reguliert die Flüsse. Bei einem Waldbrande zieht man Gräben, daß das verheerende Element nicht weiterfresse. Ein solcher Damm und Graben gegen die Cholera, diesen entsetzlichsten Feind des Menschenlebens, ist das Wasser. Es rettet aus der Gefahr und umgibt den oder die, so es richtig anwenden, mit einem Damm oder Graben.

Bei der Cholera herrscht der Grundsatz: Wer bald in Schweiß kommt, der ist gerettet. Wer nicht in starken Schweiß gerät, der ist verloren.

Einmal wurde ich nachts elf Uhr zu einer armen Magd gerufen. Schon zwanzigmal hatte sie Erbrechen gehabt, zwanzigmal schon an starkem Durchfall gelitten. Der Arzt war zwei Stunden weit entfernt. Die Magd wollte zum Tode vorbereitet werden; denn, sagte sie, sie fühle nur zu gut, daß sie dieser schrecklichen Krankheit erliegen müsse. Hände und Füße waren einer Eismasse gleich, das Gesicht blaß, die Gesichtszüge eingefallen, die Zeichen der Auflösung waren da. Sofort versuchte ich die Sterbenskranke in Schweiß zu bringen, von dessen Zustandekommen nach meinem Urteile alles abhing, Leben oder Tod. Schleunigst brachte die Hausfrau zwei große, grobe Leintücher. Ich ließ dieselben in heißes Wasser eintauchen, mehrfach zusammenlegen, auswinden und die fast heiße, dicke Überlage auf Brust und Unterleib decken. Unter dieselbe, auf den bloßen Leib, kam zuvor ein einfaches Tuch, das in heißen Essig getaucht war, zu liegen. Die nasse, heiße Auflage umhüllte und schloß nach außen ab ein Federbett, alles so warm und schwer, wie es die Kranke nur ertragen konnte. Schneidend drang die Hitze in den Choleraleib, und in 15 Minuten war der ganze Körper durchwärmt. Nach weiteren 20 Minuten perlten schon Schweißtropfen vom Gesichte. Ich ließ die heiße Decke nochmals in heißes Wasser tauchen. In ganz kurzer Zeit hörten alle Krämpfe auf, das Erbrechen und der Brechreiz verloren sich. Um der von außen wirkenden Wärme nach innen entgegenzukommen, bekam die Kranke eine Tasse Milch mit Fenchel (ein Löffel voll gemahlener Fenchel wird drei Minuten in Milch gesotten) so warm als möglich zu trinken.[30] Die Kranke kam in reichlichen Schweiß, und sie war gerettet.

Es durfte und darf in solchen Fällen nicht vernachlässigt werden die Ausheilung, die nicht schwierig ist, aber wichtig. Es soll der Rekonvaleszent (der Genesende) täglich einen Unteraufschläger (ein mehrfach zusammengelegtes Tuch unter der ganzen Rückenlänge) nehmen, ein Stunde lang; gleichfalls täglich einmal eine Stunde lang einen Oberaufschläger (dasselbe Tuch auf Brust und Unterleib), jedesmal gut zugedeckt. Auch unsere Kranke tat so, und in 10–12 Tagen war sie hergestellt. Ein zweiter Fall wurde ebenso und mit demselben Erfolge behandelt.

Zwei Bemerkungen will ich hier nicht unterdrücken.

Wenn die oben angeführten Symptome (Kennzeichen) der Krankheit wie heftiges Abführen, Erbrechen, Krämpfe usw. erscheinen, so soll man nicht säumen, solche Kranke alsbald ins Bett zu bringen. Landleute sind in dieser Beziehung gegen sich oft zu hart und deshalb unklug. Nach innen gebe man einen warmen Trunk. Drohen krampfhafte Zustände einzutreten, oder wollen die Füße eiskalt werden, so bringe man alsbald eine warme Überlage auf den Leib, nicht länger als zirka drei Viertelstunden. Ebenso lange lege man sich auf eine ebenfalls warme Unterlage. Wiederholen sich die Krämpfe, so können die Überlage und die Unterlage wiederholt werden. Treten Wärme und Schweiß ein, so hat man’s gewonnen.

Vorsichtig sei man, bis alles wieder in Ordnung ist, mit Essen und Trinken. Von der gewohnten einfachen Kost wähle man das Leichtere aus. Als Getränk diene am besten warme Milch, die Heil- und Nährmittel zugleich ist.

Wütet die Cholera an einem Orte, so vertraue auf Gott und sei unverzagt! Wasche zur Vorsicht jeden Morgen und jeden Abend kräftig die Brust und den Unterleib; kaue täglich zehn bis zwölf Wacholderbeeren, und sollten diese dir abgehen, so kaufe dir Pfefferkügelchen! Für 20 Pfennig erhältst du eine große Anzahl. Täglich zweimal je fünf solcher Pfefferkügelchen erwärmen den Magen, unterstützen die Verdauung und leiten die Gase aus.

Cholerine.

Fast in jedem Orte zählt man jedes Jahr einige Fälle von Cholerine; mir selbst sind jährlich solche Kranke genug vorgekommen. Die Cholerine ist die Cholera im Kleinen, ein recht unlieber, wenn auch weniger gefürchteter Gast. In ihrem Gefolge sind heftiges Abführen, starkes Erbrechen, zuweilen stärkere oder schwächere Krämpfe.

Meine Anwendungen bei Cholerine sind genau dieselben wie bei der Cholera, an Zahl und Stärke klug und verständig geregelt, je nach dem Heftigkeitsgrade der Krankheit. Auf einmal wurden so vierzig mit Cholerine Behaftete mit gleich gutem Erfolge behandelt und geheilt.

Congestionen.

Ein Beamter klagt folgendes:

„Ich leide an schwerem Atem, Krämpfen im Halse und sehr großen Kopfschmerzen. Oft ganze Nächte ist es mir wegen Congestionen und Schmerzen im Kopfe nicht möglich, zu schlafen. Stuhl erfolgt seit Jahren nur durch Medikamente. Außerdem besteht viel Krampf auf der Brust, und wenn dieser in den Unterleib kommt, empfinde ich sehr große Schmerzen. Gegen Kälte weiß ich mich gar nicht mehr zu schützen, Hände und Füße sind gewöhnlich kalt. Meine Lebensstellung wäre eine angenehme, wenn ich nicht fortwährend von Leiden gequält wäre. Ich besuchte schon mehrere Bäder, fand aber keine Hilfe. Statt der früheren Korpulenz ist nun Abmagerung eingetreten. Wenn nun Wasser keine Hilfe bringt, klagte er wehmütig, so bin ich verloren.“

Die Behandlung war folgende:

1) täglich morgens und abends längere Zeit im Gras und auf Fußwegen barfuß gehen, — was ihm eine unbeschreibliche Erquickung brachte und sein Kopfleiden ableitete;

2) in der Woche zwei kurze Wickel;

3) einmal den spanischen Mantel.

Um Stuhlgang zu befördern, mehrere Tage hindurch jede halbe Stunde einen Eßlöffel voll Wasser und bei größeren Beschwerden: Aloë, eine Erbse groß, mit einem halben Löffel voll Zucker, das Ganze in warmem Wasser aufgelöst, und auch dieses jede Stunde löffelweise genommen.

Darm-Entzündung.

Ein Verwalter erzählt: „Ich habe Jahre lang heftige, mitunter fast unausstehliche Schmerzen, viel Bauchweh und Grimmen. Ich kann schon längere Zeit gar nichts mehr essen ohne heftige Schmerzen und habe regelmäßig Abweichen darauf. Ich habe recht viel eingenommen, Hilfe wenig oder höchstens auf kurze Zeit bekommen.“ Das Aussehen dieses Mannes in den schönsten Jahren ist recht krankhaft. Er ist abgemagert, hat blasse Farbe und trübe Augen. Was mag helfen?

Dieser Mann hat in jeder Woche 1) drei Sitzbäder genommen, 2) jeden Morgen und Abend Brust und Unterleib mit Essig und Wasser kräftig eingewaschen, 3) in der Woche ein Halbbad genommen, eine Minute lang.

In vier Wochen war der arme Mann von seinem Magenleiden befreit. Eingenommen hat er bloß täglich zweimal jedesmal zwölf Wermut-Tropfen im warmen Wasser.

Darmkatarrh (Abweichen, Diarrhöe).

Es gibt Leute, welche ohne besondere Veranlassung Diarrhöe bekommen. Die Wiederholung kann regelmäßig, z. B. zu gewissen Zeiten, ein- bis zweimal im Jahre, oder unregelmäßig stattfinden. Die Betroffenen fühlen sich vor und nach den Anfällen wohl und gut. Die regelmäßigen Diarrhöen rühren daher, daß die kräftige Natur all die gesammelten überflüssigen Stoffe auswirft. Wie ruhig arbeitet man, wenn an einem Dampfkessel ein Sicherheitsventil angebracht ist! Wie ruhig darf man sein, wenn die Natur gleich diesem Kessel das „Zuviel und Ungesund“ ausspeit!

Gegen derlei Diarrhöe habe ich durchaus nichts zu verordnen; ich warne sogar, dagegen etwas zu tun. Meistens kommen diese Ausscheidungen im Herbst oder Frühjahr vor, und uns scheint, daß die Luft, die Temperatur gut einwirken und mithelfen.[31]

Beachtenswerter sind die unregelmäßigen Diarrhöen, die mit oder ohne Schmerzen stattfinden können. Es sind Mahnungen für solche Leute, daß in ihrem Körper sich krankhafte Stoffe angesammelt haben, die, wenn sie nicht entfernt werden, häufig Verderben anrichten. Man macht in der Tat die Erfahrungen, daß bei derart Heimgesuchten meistens das eine oder andere Organ krank ist, und daß solche Kranke sehr oft früh sterben oder wenigstens nicht besonders alt werden. Oft sind die Diarrhöen Vorboten von schweren Krankheiten. Bei der Heilung muß vor allem auf den Unterleib gewirkt werden, doch stets im Wechsel mit Anwendungen auf den ganzen Körper. Plötzliche Stillung der Diarrhöe ist nie zu empfehlen; es sollen die faulen Stoffe allmählich entfernt und die inneren Organe so gekräftigt werden, daß die Natur solch faule Stoffe gar nicht aufkommen läßt oder sie zur rechten Zeit ausscheidet.

Nach innen wende man Tee an von Wermut mit Salbei, von Tausendguldenkraut mit Salbei, von Schafgarbe mit Johanniskraut, täglich ein bis zwei kleine Tassen; oder man nehme täglich sechs bis zehn Wacholderbeeren. Alle die genannten Mittel befördern die Verdauung, unterstützen die Magensäfte und enthalten zugleich Nährstoffe.

Sollte die Diarrhöe stark sein und schon länger dauern, so werde zweimal täglich ein halber Löffel voll Heidelbeergeist (in warmem Wasser) eingenommen.

Als äußerliche Anwendungen genügen im Anfange wöchentlich drei bis vier Aufschläger auf den Unterleib von je 1½ Stunden (ein vierfach zusammengelegtes Tuch werde zu diesem Zweck in Wasser mit Essig oder in einen Absud von Fichtenreisern getaucht und auf den Unterleib gelegt oder gebunden), ebenfalls wöchentlich ein kurzer Wickel. So fahre man vierzehn Tage fort. Nach vierzehn Tagen können zur Kräftigung in der Woche ein bis zwei Halbbäder folgen mit Waschung des Oberkörpers und gleichfalls wöchentlich ein bis zwei Ganzwaschungen nachts vom Bette aus. Dieses für die folgenden drei bis vier Wochen. Wenn es dann zur Regel würde, keine Woche ohne wenigstens eine Ganzwaschung oder ein kaltes Halbbad mit Waschung des Oberkörpers vorübergehen zu lassen, müßte der ganze Organismus kräftiger und gesünder werden und der berührte Ausnahmezustand (wenn er nicht tieferliegende Ursachen hat) aufhören.

Ein Herr, 48 Jahre alt, erzählt: „Seit vielen Jahren habe ich mit wenig Unterbrechung Abweichen, ich mag essen, was ich will; habe von den Ärzten recht viel eingenommen, auch manches Hausmittel gebraucht, wurde in mehrere Bäder geschickt, doch — alles vergebens. Besonders stark ist das Abweichen, wenn ich trinke, sei es Wasser, Bier oder Wein. Recht trockene Kost ist mir am zuträglichsten. Weil mir alles zu rasch und zu wenig verdaut abgeht, bin ich nie bei Kraft, und bin ich auch nicht ganz abgemagert, so sind doch meine Muskeln nur welk.“

Die Anwendungen waren folgende:

1. täglich zweimal Oberguß,

2. täglich einmal im Wasser gehen und

3. einmal Knieguß.

In der zweiten Woche:

den einen Tag Oberguß und im Wasser gehen,

den anderen Tag Halbbad.

Nach diesen zwei Wochen fühlte sich der Kranke frischer, kräftiger und wohler, aber das Abweichen blieb.

In der dritten Woche bekam er:

1. täglich ein vierfach zusammengelegtes Tuch, in Wasser und etwas Essig getaucht, auf den Unterleib, 1½ bis 2 Stunden lang,

2. den einen Tag Oberguß und Schenkelguß,

3. den andern Tag Halbbad und Oberguß.

Nach dieser Woche hatte sich der Stuhlgang vollständig geändert.

Eine weitere Woche:

1. jeden Tag ein Halbbad,

2. jeden zweiten Tag ein Tuch auf den Unterleib wie oben.

Zur weiteren Erhaltung der Kraft und Gesundheit reichten aus:

in der Woche zwei Halbbäder und

ein- bis zweimal ein wie oben beschriebener nasser Umschlag auf den Unterleib.

Zum innerlichen Gebrauch wurden verwendet:

a. Wermuttropfen,

b. Wacholderbeeren, im Wechsel.

Es könnte mancher fragen, warum gerade diese Reihenfolge in den Anwendungen eingehalten wurde.

Darauf ist zu erwidern:

Die Anwendungen in der ersten Woche suchen den Körper, oben und unten angefangen, zu kräftigen;

die der zweiten Woche stärkten, wie den Körper im allgemeinen, so die Organe im Innern;

die der dritten Woche wirkten hauptsächlich auf die Kräftigung des Magens und der Gedärme.

Auf diese Weise wurde der ganze Körper ausgebessert. Die Anwendungen der vierten Woche umfaßten den ganzen Organismus in allen seinen Teilen, und so ist die Ausheilung auch bei diesem Körper gelungen. — Was innerlich gebraucht wurde, ist teils zur Aufbesserung der Verdauung, teils zur Kräftigung der inneren Organe geschehen.

Darmleiden.

Ein Priester, 45 Jahre alt, gibt an:

„Seit mehr als 25 Jahren leide ich an hartnäckiger Stuhlverstopfung und einige Jahre auch an Magenbeschwerden. Vor zirka acht Jahren machte ich eine Kaltwasserkur durch. Dieselbe besserte wohl meinen Magen, aber die Verstopfung blieb. Im Jahre 1885 trat auch Nierenleiden mit überschüssiger Harnsäurebildung und Grießbildung ein, wogegen mir der Arzt eine Traubenkur und nach dieser eine zehntägige Kur mit Glaubersalz verordnete, welche Kuren jedoch einen recht heftigen Dickdarmkatarrh zur Folge hatten. Nachdem ich mich allen möglichen Kuren vergeblich unterzogen hatte, wurde mir erklärt, mein Leiden sei unheilbar und könne wohl gelindert, aber nicht geheilt werden. Es quälten mich Schlaflosigkeit, Mangel an Appetit, Müdigkeit, Schwere in den Beinen, Unlust zur Arbeit, Schmerz und Druck in der Nierengegend und hochgradige Stuhlverhaltung mit Aufblähungen und Spannung des Unterleibes; die Füße waren stets kalt, der Kopf heiß, der übrige Körper leicht und stark schwitzend. — In diesem Zustande entschloß ich mich nun doch zum kalten Wasser, vor welchem man mich so sehr gewarnt hatte.“

Dem Herrn wurde folgendes verordnet:

Täglich ein Oberguß, ein Rückenguß, ein Sitzbad; dazu je nach Bedarf ein Halbbad, Knieguß, im Wasser gehen. Am durchgreifendsten aber hat der spanische Mantel gewirkt, der ihm ein lieber Freund geworden ist. Nach 12wöchentlichem Kurgebrauche kam die Verdauung vollkommen in Ordnung ohne besondere Diät; der Ernährungszustand wurde vorzüglich, das Körpergewicht hatte um 13 Pfund zugenommen.

Diphtheritis.

Wer überfallen wird von Diphtheritis, muß bemüht sein:

1. die angehäuften Krankheitsstoffe sobald wie möglich zu lösen,

2. auf die ganze Natur einzuwirken, daß die ungeregelte Strömung des Blutes und der Säfte, welche der Barometer des Fiebers anzeigt, zur Ordnung komme. Man lasse einen solchen Kranken zuerst einen Kopfdampf nehmen und nach je 20–24 Minuten den ganzen Körper waschen. Nach 6–8 Stunden soll er einen Schal überlegen, 1½ Stunden lang, nach jeder halben Stunde denselben von neuem in frisches Wasser eintauchend. Dann nehme der Kranke einen Fußdampf, gleich darauf ein Halbbad (ganz kalt) mit Waschung des Oberkörpers. In höchstens einer Minute kann das Halbbad und die Waschung vollendet sein. Es folgt von neuem der Schal, 1½ Stunden lang anzulegen, wie oben angegeben. Sind diese Anwendungen vorgenommen, so wiederhole man sie von vorne, auf jeden halben Tag eine derselben verteilend. Der Kranke gurgle nebenher fleißig mit Zinnkrauttee, täglich zum mindesten vier- bis fünfmal. Das garstige Übel wird sich in Bälde heben.

Alle die genannten Anwendungen sind so schuldlos, daß sie nie schaden können.

Hat der Kranke (es ist dies eine allgemeine Regel) zur Nachtzeit Ruhe, tritt Schlaf ein, so soll man denselben ja nicht stören. Denn eingetretener Schlaf ist ja ein Beweis, daß die Natur in Ordnung (zur Ruhe) kommt, und seine stärkende Wirkung macht, daß die Anwendungen selbst um so bessere Erfolge erzielen.

Bei dieser Gelegenheit sei noch bemerkt, daß, wenn während irgend einer Anwendung, die das Bett vorschreibt, ein Kranker in Schlaf kommt, man denselben nie wecken soll. Hat das Mittel, die Anwendung ihre Wirkung getan, so wacht der Kranke regelmäßig von selber auf.

Ein Vater kommt und erzählt: „Mein Kind, 11 Jahre alt, kann gar nicht mehr schlucken und schon volle drei Tage kaum mehr atmen. Es ist voll Hitze und phantasiert. Wohl habe ich der Schwerleidenden ein nasses Tuch um den Hals gebunden, aber es geht noch nicht besser. Was soll ich tun, damit das Kind mir nicht ersticke?“ Der Jammer des bekümmerten Vaters, noch mehr die mißglückte Anwendung bewog mich, ihn zum Krankenlager zu begleiten. Da lag das Kind, ein Jammerbild, allem Anscheine nach verloren. Denn schon waren Zeichen da, die kaum mehr auf Rettung schließen ließen. Wagen wir es dennoch in Gottes Namen! Jede halbe Stunde wurde während eines Tages Rücken, Brust und Unterleib mit kaltem Wasser gut gewaschen. Da die entsetzliche Fieberhitze nicht weichen wollte, kam auf den Unterleib nichts weiter als ein in kaltes Wasser getauchtes Tuch. Die Hitze mußte brechen. Am folgenden Tage kommt der Vater wieder und erzählt: „Das Kind ist bereits imstande, etwas zu schlucken, aber zu beiden Seiten des Kopfes schwellen die Backen (Wangen) gegen die Kinnlade zu ziemlich stark an. Das Reden ist kaum verständlich; doch freue ich mich namenlos, daß die Kleine wieder reden kann.“ Der Vater wurde angewiesen, rechts und links am Kopfe die Geschwülste mit Lappen einzubinden, die in Wasser, das mit Essig vermischt war, eingetaucht worden, und diese Umschläge nach jeder halben Stunde zu erneuern. Zudem soll er das Kind in der oben angegebenen Weise so oft an Brust, Rücken und Unterleib waschen, als sich dasselbe heiß und bange fühle. Am dritten Tage befand sich die Kleine außer aller Gefahr. Man setzte die Waschungen noch kurze Zeit fort, so oft die Hitze zu steigen begann.

Gurgelungen mit Tee von Foenum graecum (ein Kaffeelöffel Foenum graecum in einem halben Schoppen Wasser gesotten und der im Bette sitzenden Kleinen öfters löffelweise gereicht) hatten vorzügliche Wirkung. Tee der Malve, der Schafgarbe, des Wollkrautes würden dieselben Dienste erfüllen. Sehr gut ist auch, täglich drei bis vier Kaffeelöffel voll Baumöl (Salatöl) einzunehmen. Dieses nimmt die innerliche Hitze auffallend schnell.

Das Kind wurde gerettet und erfreut sich bis heute der besten Gesundheit.

Emphysem der Lungen.

Es kommt sehr häufig vor, daß Leute, welche noch im schönsten Alter stehen, sehr an Atembeschwerden leiden und nicht selten in die peinlichste Lage und Angst kommen, ersticken zu müssen.

Gewöhnlich sind solche Leute ziemlich korpulent, und die Lebensweise hilft auch noch als Nebenursache dazu, den Zustand ärger zu machen. Hauptgrund des Übels ist gewöhnlich, daß der Organismus an allgemeiner Schwäche leidet, matt und schlaff ist, wenig Blut hat und infolge der Untätigkeit und Schlaffheit die Blutvermehrung nicht so stattfindet, wie sie für den Körper notwendig wäre. Ich möchte solche Leute mit einer Maschine vergleichen, an der Rad zu Rad paßt, die gut in Ordnung, aber zu schwach ist für die Forderungen, die an sie gestellt werden. Ein weiterer Grund sind fast regelmäßig die Gase, welche sich im Unterleibe anhäufen und einen Druck auf die Organe des Oberkörpers üben. Dadurch werden diese mehr angestrengt, als sonst ihre Aufgabe es erheischt. Sie leiden unter diesem Drucke, und es tritt allseitige Beengung ein. Das Übel wird gehoben einmal dadurch, daß die Gase aus dem Körper verbannt werden, und dadurch, daß der ganze Körper abgehärtet und durch Auswahl einer einfachen, guten, nahrhaften Kost gekräftigt wird. Meine mehr als 35jährige Erfahrung belehrte mich, daß gerade bei diesem Leiden die Brightsche Krankheit leicht die Oberhand gewinnt, d. i. daß der ohnehin schon geschwächte Körper durch diese Krankheit vollends aufgelöst, aufgerieben wird.

Ein Herr, ziemlich korpulent, noch nicht 40 Jahre alt, bekommt von Zeit zu Zeit solche Erstickungsanfälle, daß er der Überzeugung lebt — der Arzt bestätigte ihm dieselbe —, er werde, wenn der Anfall noch zweimal wiederkehre, unterliegen. Die Atemnot war so groß, daß der Kranke, resp. sein Nach-Atem-Ringen, im unteren Stockwerke des Hauses gehört wurde. Oft meinte er, wie er sagte, er müsse vor Schmerzen und Todesangst an den Wänden hinauf. Diese Atemnot dauerte bei jedem Anfalle ziemlich lange und erschöpfte den Körper also, daß er sich jedesmal darnach ganz krank fühlte. Hatte er sich in kurzem wieder erholt, so fühlte er sich gesund und frisch. Die Anfälle blieben oft einige Tage aus, um so mehr aber steigerte sich ihre Heftigkeit.

Der genannte Herr besaß die größte Wasserscheu und konnte sich zur Wasserkur erst dann entschließen, als ihm keine andere Hilfe mehr blühte. Sechs Wochen hindurch gebrauchte er verschiedene Anwendungen. Die Heilung war eine so vollständige, daß die Anfälle niemals wiederkehrten und der Herr sich stets - es sind heute ungefähr 21 Jahre her — der besten Gesundheit erfreute.

Der Patient nahm mehrere Tage hindurch einen Tee von Dornschlehblüten, der einen recht gelinden, aber ergiebigen Stuhlgang beförderte; dann gebrauchte er den kurzen Wickel, Ober- und Unteraufschläger und zuletzt Halb-, auch Ganzbäder von der Dauer einer Minute. Unter den Anwendungen tat auch der spanische Mantel gute Dienste. Am wirksamsten erwiesen sie sich in folgender Ordnung:

Erst der kurze Wickel; er beginnt die Gase auszutreiben und die Ursache der Gase zu lösen;

sodann der Ober- und Unteraufschläger, eine Fortsetzung der ersten Anwendung, zugleich auf Kräftigung abzielend;

im weiteren der spanische Mantel; dieser leitet die verlegenen Stoffe aus der Haut;

endlich Halbbäder, welche den Organismus stärken.

Ein anderer Herr litt dermaßen an Atemnot, daß die Ärzte erklärten, es habe sich die Herzwassersucht angesetzt. Dieser Herr war, wenn auch gut genährt, nicht besonders korpulent; gleichwohl konnte er nur mit größter Anstrengung eine Stiege steigen. Appetit war fast gar nicht vorhanden, der Schlaf recht unruhig; niemals war der Herr ohne Angst und Furcht. In seinem Berufe hatte der Patient früher reichliche Bewegung gehabt; später kam er in eine Kanzlei, und dieses sitzende, untätige Leben brachte ihn nach und nach in den eben beschriebenen peinlichen Zustand. Zur Heilung reichten ganz wenige und leichte Anwendungen von Wasser aus. Dieselben helfen auch jetzt noch, sobald das Übel sich von neuem zeigen will. Es hat sich seit zwölf Jahren öfters gemeldet, ist aber jedesmal schnell wieder beseitigt worden. Zu den Wasseranwendungen gebrauchte der Herr noch Tee, den er wegen seiner trefflichen Wirkung lieb gewonnen hat. Dieser Tee besorgt lediglich einen geregelten Stuhlgang und die Ausleitung der Gase aus dem Magen, erspart zugleich zahlreichere und stärkere Wasseranwendungen, die der Herr fürchtet, und zu denen manchmal die Zeit fehlt. Der Tee ist der gelinde Wühlhuber, und die Anwendungen sind folgende: Erschien das Leiden in einem niedrigen Grade, so reichte aus, dreimal in der Woche einen Unteraufschläger zu nehmen, jeden Morgen beim Aufstehen Rücken, Brust und Unterleib kräftig zu waschen. Trat das Übel etwas stärker auf, so gebrauchte der Herr den kurzen Wickel oder auch ein Halbbad. Mit diesen Übungen wurden verbunden Waschungen zur Nachtzeit, die stets gute Dienste taten.

Es ist sonderbar, und oft staune ich, wenn man gegen solche Zustände die stärksten Mittel gebraucht, Mittel, welche für die Gesundheit niemals gute Folgen haben können; selbst mit Giften traktiert man leider nur allzu oft die armen Geplagten.[32] Letzteres insbesondere blieb und bleibt mir ein bis heute ungelöstes Rätsel. Ich muß mir stets Gewalt antun, um die innere Ruhe zu bewahren.

Ein anderer Fall von Emphysem.

Ein Pfarrer bekam Lungenentzündung in hohem Grade, nach dieser Lungenemphysem (Lungenerweiterung, Lungenblähung) und kam mit solchem Husten, daß er kaum anzuhören war. Das Aussehen war recht krank, Appetit wenig, die Kräfte im Abnehmen. Die Lunge wurde von den Ärzten noch als heilbar erklärt.

Die Anwendungen waren folgende: Vierzehn Tage hindurch 1) jeden Tag zwei Obergüsse; 2) jeden Tag zweimal im Wasser gehen drei bis fünf Minuten lang; 3) dreimal wöchentlich ein Schal; 4) jeden zweiten Tag ein Sitzbad eine Minute lang.

Einzunehmen bekam der Kranke Absud von Foenum graecum mit Honig gekocht, womöglich jede Stunde einen Löffel voll.

Die Wirkung war: die Aufgüsse kräftigten den oberen Körper. Der Husten war anfangs noch stärker, Schleim ging jedoch sehr viel heraus. Nach drei Tagen verminderte sich Husten und Auswurf, und in zwölf Tagen war nur mehr ein kleiner Rest von Verschleimung übrig. — Dieser wurde beseitiget durch weitere Anwendungen von Oberguß, Knieguß und Tee von Brennnesseln und Spitzwegerich. Nach etwa drei Wochen trat vollkommene Besserung ein.

Entkräftung.

Ein Schmiedmeister, 46 Jahre alt, kommt und klagt: „Meine Hände haben seit etwa zwei Jahren so an Kraft abgenommen, daß ich mit dem Hammer nicht mehr zurechtzukommen weiß. Wie meine Arme zwei Drittel der Kraft verloren haben, so sind dieselben auch um mehr als die Hälfte dünner geworden; sonst wäre ich ziemlich gesund. Nur fühle ich seit einem halben Jahre auch meine Füße viel schwächer werden, und daß sie besonders gegen Abend wehe tun. Der Appetit ist ziemlich gut, jedoch nicht wie früher. Auf meinem Rücken, am oberen Kreuz merke ich oft eine gewaltige Spannung.“

An den mageren Händen sieht man nur mit Mühe, wo die Adern sind; man erkennt leicht, die Arme werden nicht genährt, daher die Schwäche, Steifheit und Kälte. Blutanstauungen im Nacken und in dessen Umgebung mögen die Ursache sein, daß das Blut nicht nach allen Richtungen hin gelangen kann.

Der Schmied hielt vierzehn Tage hindurch täglich einmal die ganzen Arme in ein Heublumenbad eine halbe Stunde lang und einmal zu anderer Tageszeit zwei Minuten in kaltes Wasser; dazu kam wöchentlich dreimal der Schal. Schon während dieser Kur wurden die Arme fester, die Adern schwollen an, die Anstauungen wurden aufgelöst. Nach 14 Tagen wurde täglich ein Ober- und Unterguß, in der Woche zweimal ein warmes Heublumenbad und zweimal ein Kaltwasserbad für die Arme genommen. Der Mann fuhr damit fort und wurde wieder fähig zu seinem Beruf. Innerlich gebrauchte er während der Kur täglich zwanzig Wermuttropfen in warmem Wasser.

Entzündung. (Allgemeines.)

Ein Knabe, der kaum recht gehen konnte, sieht, wie die Mutter Licht gemacht hat. Er gibt sich alle Mühe, so ein Hölzchen zu erwischen; er will auch Feuer machen. Es gelingt ihm, und der kleine Übeltäter zündet mit dem Streichhölzchen ein mächtiges Feuer an. Das ganze Haus brennt ab und alles, was darinnen ist.

Wie viele tausend Menschen liegen auf den Gottesäckern, bei denen sich gleichsam so ein kleiner Funken krankhaften Stoffes im Körper entzündet hat; der Funken wurde zur Flamme. Von allen Seiten drang das Blut zur entzündeten Stelle und gab neuen Zündstoff. Es goß Öl in die Flamme, und die Flamme wurde zum großen Feuer. Es waren vielleicht nicht die richtigen Anstalten zum Löschen getroffen worden, und die armselige Hütte der menschlichen Seele brannte elendiglich zusammen. Tausende von Tieren gehen so jährlich zugrunde. Abertausende von Menschen ereilt ein gleiches Schicksal. Wie schnell geht das oft? Dein Hals hat an einer Stelle Feuer gefangen, er ist entzündet. Es kommt zufällig ein rauhes Lüftchen und tut Blasbalgdienste; es bläßt das Feuerchen an, die Adern liefern neuen Brandstoff, und in wenigen Stunden steht der Hals in Brand. Ist’s nicht so? Was tun? Was tun die Leute, wenn’s brennt? Sie schreien Feurio und suchen zuerst zu retten, was zu retten ist. Dann entfernen sie, wenn es Zeit ist, von der Brandstelle in aller Eile alles, was dem Feuer nur Futter sein kann, und spritzen dann darauf los, bis der Feuersnot oft die Wassernot folgt. Diesen Wink wollen wir verstehen und ausnützen.

Wenn irgend eine Entzündung eintritt, so suche man möglichst bald das auf diese Stelle zuströmende Blut zurückzuleiten. Man rette das noch nicht entzündete Blut. Ebenso wirke man auf die entzündete Stelle ein, damit das zusammengeströmte Blut möglichst verteilt und abgeleitet werde.

Unlängst ging nachts, als ich eben einschlafen wollte, das Holz im Ofen an. „Fatale Geschichte!“ dachte ich; „bis dieser Scheiterhaufen abgebrannt ist und ausgeknistert und ausgeprasselt hat, geht die halbe Nachtruhe hin.“ Mein Nachbar war gescheiter. „Nicht das Knistern, meine Ruhe will ich haben,“ murmelte er. Und was tat er? Er nahm Scheit für Scheit, ob’s flammte, ob’s schon knisterte, heraus. Und aus war alles Feuer. Das ist doch klar.

Doch nun zurück zur Halsentzündung! Greif einmal die Füße an und fühle, ob sie nicht vielleicht eiskalt sind! Manchmal trifft dieses zu. Wo mehr Wärme ist, entstehe sie, wo sie wolle, strömt mehr Blut zu. Das Blut in den Füßen ist gleichsam davon- und dem Brande im Halse zugeeilt. Wickle die Füße ein in linnene Lappen, die in mit etwas Essig vermischtes Wasser eingetaucht sind! Bald schon wirst du große Wärme verspüren. Der Fußwickel zieht das Blut nach unten, und etwas Brennstoff ist dem Feuer schon genommen. Suche sodann das Blut weiter abzuleiten in den Unterleib! Dieses geschieht durch Auflegen eines größeren, in derselben Weise durchnetzten Tuches auf den Unterleib. Sollte es recht heiß werden, so tauche es von neuem in ein kaltes Wasser, und zwar so oft, als die Hitze groß und das Tuch warm wird! Mehr Brennstoff als durch die erste Anwendung wird durch diese zweite dem gefährdeten Halse entzogen. Und nun kannst du den Hals selbst angreifen, den eigentlichen Feuerherd. Tauche ein Tuch ins kälteste Wasser und binde es um; laß das Tuch aber nicht zu heiß werden;[33] erneuere vielmehr dessen Eintauchen, so oft es recht warm wird!

Lässest du es heiß werden, so entwickelt sich auch am und im Halse wieder mehr Wärme, und das Blut, das zum Teil abgeleitet ist oder noch vollends abgeleitet werden soll, strömt von neuem dem Halse zu und droht die Entzündung frisch anzufachen. Wer diesen letzten Punkt, über den schon soviel gestritten wurde, mit mir also auffaßt, wird nach kurzer Praxis bald sein eigener bester Wärter. Er fühlt am besten, wo Hitze weggetrieben, wann der Aufschlag oder Wickel erneuert werden soll. Darnach appliziert und wiederholt er die Wasseranwendungen. Der Hitzegrad wird ihm der Zeiger an der Uhr: zeigt jener auf Null, d. h. ist das Feuer gedämpft, so läßt er den Körper in Ruhe; zeigt er auf geringere oder höhere Zahlen, d. h. nimmt das Feuer zu, so eilt er ohne Säumen neuerdings zur Feuerspritze.

Entzündung edler Körperteile: Lungen-, Brustfell-, Zwerchfell- und Unterleibs-Entzündung.

Margareta liegt zu Bett. Sie hat heftigen, trockenen Husten, verbunden mit viel Brechreiz, und von Stunde zu Stunde nimmt die Hitze zu. Gewaltiges Stechen und Brennen peinigt die Brust und die eine Seite. Der Arzt erklärt, es sei eine Lungen-Entzündung im Anzug. Wie kann der Kranken geholfen werden? Jedes Kind weiß, daß ein Schwamm ungemein viel Wasser einsaugen und behalten kann. Sollte es nicht auch Mittel geben, welche, wie der Schwamm das Wasser, die Hitze an sich ziehen, gleichsam einsaugen und behalten? Ja, es gibt solche Mittel, und sie liegen nicht ferne. Jede Bauersfrau bei uns auf dem Lande kennt den Topfenkäs. Anderwärts nennt man ihn Zieger; er wird gewonnen aus der geronnenen (gestockten) Milch.[34] Solchen Topfenkäs rührt man mit Topfenwasser zu einer feinen Salbe an, streicht ihn etwas mehr als messerdick auf Leinwand und legt das Pflaster auf die stechende oder brennende Stelle, an der das Feuer der Lungenentzündung um sich greifen will. Ich kenne kein Mittel, welches mehr Hitze an- und einzuziehen imstande ist. Die stärksten Hitzen habe ich so dämmen und ganz auslöschen sehen, wenn man täglich zwei- bis viermal, je nach dem Grade der Hitze, so ein Pflaster auflegte. Viele kenne ich, die hauptsächlich bei Lungenentzündung ihr Leben allein dieser so einfachen Auflage verdanken.

Innerlich soll der Kranke jeden halben Tag zur Kühlung einen Löffel voll Salatöl einnehmen.

Reichen diese zwei Mittel nicht aus, d. h. sollte die Hitze noch groß bleiben, so können Wasseranwendungen folgen. Man wickle den ganzen Körper des Kranken von unter den Armen an in ein naßkaltes Tuch ein (Unterwickel) und wiederhole dieses täglich zweimal. Von der jedesmal notwendigen Umhüllung spreche ich nicht mehr. Man sehe vorn nach bei der Beschreibung der Anwendungen. Oder man umbinde beide Füße bis über die Knöchel mit in Wasser (eine kleine Beimischung von Essig kann nur gut sein) getauchten Tüchern und erneuere das Eintauchen so oft, als die Tücher recht heiß werden. Statt der Tücher kann man auch nasse Socken anziehen, darüber als Umhüllung trockene.

Wendet die kranke Margareta 3–5 Tage das Pflaster an, gleich beim Beginn der Krankheit, so kann sie in 6–7 Tagen, längstens in 9–10 Tagen wieder gesund sein.

Wie die Lungen sich entzünden, ebenso können auch andere edle Teile des Körpers entzündet werden. Wir sprechen von Brustfell-, Bauchfell-, Unterleibs- und anderen Entzündungen. Bei allen gelten dieselben eben berührten, allgemeinen Grundsätze und dasselbe Heilverfahren: Verteilung, d. i. Ableitung des Blutes, Kühlung der entzündeten Stelle, d. h. Entziehung der Hitze durch Einwirken von Kälte.

Mitternachts wurde ich einst zu einem Kranken gerufen. Er wußte nicht mehr zu atmen. Husten und Brechreiz waren groß. In der Brust, besonders auf der einen Seite — so klagte er — gehe es zu, wie wenn man sie mit Messern durchsteche; der ganze Körper glühe schrecklich. Ich providierte den Kranken nicht, wie die Angehörigen baten, und bereitete ihn nicht zum Tode vor. Aber ich ließ ihn von unter den Armen an in nasse Tücher einwickeln (Unterwickel) und auf die schmerzende Stelle ein Topfenpflaster auflegen. Zum Einnehmen erhielt er einen Löffel Salatöl. Das tat wohl. Sechs Tage wurde so fortgefahren, und der Todkranke war außer Gefahr.

Stirbt jemand an der Lungen- oder an einer anderen inneren Entzündung, was ist da im Inneren vor sich gegangen, wie haben wir uns dieses vorzustellen? Im Äußeren spiegelt sich das Innere. Du hast sicherlich schon hie und da bei anderen kleine Geschwüre gesehen — man nennt sie Karbunkel — oder solche an einem Arm, Fuß, einer Hand oder auf deinem Rücken, Magen, deiner Brust usw. vielleicht schon selbst empfunden. Wie entwickeln sich diese? Wenn sich so ein Geschwür irgendwo bildet, entsteht an der Stelle erst eine Röte, und man fühlt im Innern ein Brennen. Die Geschwulst nimmt zu, und nach einiger Zeit bemerkt man an jedem dieser spitzen Kegel, seien sie groß oder klein, einen erhöhten weißen Punkt. Man sagt: das Geschwür ist reif, zeitig, und schneidet es auf oder drückt es aus. Es kommt Eiter heraus und mit und nach dem Eiter in Fäulnis geratenes Blut. Gut ist’s!

So ein kleines „Blutschwär“ (Blutgeschwür), wie es die Landleute nennen, verursacht meistens große Schmerzen, nicht allein an der Hand, am Fuß usw., wo es sich ansetzt. Man „spürt’s in allen Gliedern“, der „ganze Körper tut weh“. Das ist der deutlichste Beweis, daß der ganze Körper selbst bei solchen unscheinbaren Übeln in Mitleidenschaft gezogen wird, so daß folgerichtig es dem ganzen Körper zugut kommt, wenn derlei Dinge gut ausheilen, und daß er leidet, und daß es sich rächt, wenn sie vernachlässiget werden.

Kommt ein derartiges größeres Geschwür nicht zur Entwicklung, zum Aufbrechen, „wills“ nach dem Volksmund „nicht heraus“, so färbt sich nach und nach die kranke Stelle blau und rotbraun. Das Blut steht ab, und das abgestandene Blut wird und wirkt giftartig. Ein Biß der unheimlichen Klapperschlange, ein Tropfen Schlangengift ins Blut, und nach einigen Minuten tritt der Tod ein. Solches Blut ist Gift. Mischt es sich mit dem gesunden Blute, so vergiftet es auch dieses, es beginnt eine Blutvergiftung. Kann sie nicht aufgehalten werden, so endet sie stets mit dem Tod. Nicht anders haben wir uns den Prozeß im Inneren zu denken. Die Vergiftung vollzieht an edlen Organen ihr Werk nur schneller und wütet unheilvoller und schrecklicher. „Er unterlag einer Blutvergiftung,“ wie die heutige Sprache sich ausdrückt, oder: „Er ist am Brand gestorben,“ wie die alten und gemeinen Leute sagen — das sind beides nur verschiedene Ausdrücke für dieselbe Sache.

Martin, ein schöner, starker Mann, bekommt heftiges Fieber. Zuerst schüttelt ihn entsetzlicher Frost. Dann quält ihn brennende Hitze. Der Kopf ist so heiß, daß der Arzt auf eine Gehirnentzündung schließt. Das ganze Innere steht in Flammen; diese schlagen durch den glühenden Atem gleichsam zum Munde heraus, oder besser: wie die innere Glut den Holzhaufen verbrennt, so arbeitet die Glühhitze schrecklich, die inneren Organe in raschem Tempo zu verkohlen. Die Vorboten des Übels waren Kopfweh, Abgeschlagenheit, Mattigkeit und Frost. Außer dem Fieber aber fühlt der Kranke jetzt an keiner einzelnen Stelle besonderen Schmerz. Nach 10 Tagen war der Mann eine Leiche, und beim Sezieren stellte es sich heraus, daß das Gehirn intakt, unverletzt, daß der Arme vielmehr an einer Lungenentzündung gestorben war.

Wie hätten Sie diesen Fall behandelt?“ fragte man mich. Zuerst eine Vorbemerkung. Dieser Fall zeigt sonnenklar, wie leicht die Diagnose (die Kunst, nach den Erscheinungen die Krankheit zu unterscheiden und zu finden) täuschen kann. Bei Lungenentzündung ist fast regelmäßig Stechen, Brennen in der Lungengegend, Husten und Brechreiz vorhanden. Unser Kranker fühlte davon nichts. Wie hart tut in derlei Fällen — vielleicht komme ich später einmal in die Lage, davon mehreres zu sagen — der Allopath! Und wohlgemerkt, es ist oft die höchste Zeit, die Feuersbrunst hat schon große Dimensionen (Ausdehnungen) angenommen. Die Feuerspritze darf das Feuer nicht verfehlen, sonst ist’s geschehen. Auch tropfen- und löffelweise kann ich da nicht mehr zu Werke gehen, die Tropfen zehrt das Feuer augenblicklich auf. Mein einfacher Grundsatz in solchen verzweifelten Fällen — und es wird ihn wohl niemand anfechten — heißt: Wenn’s brennt, so lösche; lösche zuerst, wo es am meisten brennt; ist der ganze Körper ein Brand, so lösche auch am ganzen Körper! Vielleicht wirst du Herr des ganzen Feuers; jedenfalls schwächst du es und hast zu weiterer Überlegung Ruhe und ein freies Ausschnaufen.

Dem Kranken hätte ich während 3–4 Stunden jede halbe Stunde Rücken, Brust und Unterleib waschen lassen. Die Wut des Feuers wäre so um vieles gedämpft worden. Dann hätte ich weiter gelöscht mit Ober- und Unteraufschlägern — Unteraufschläger zum Daraufliegen recht dick (mehrfach zusammengelegt) — und mit nassen Socken oder Tüchern bis über die Knöchel, letztere nach jeder Stunde neu eintauchend. Hatte der Kranke sonst gesunde Lungen, — und mir scheint solches der Fall zu sein, wenn er im höchsten Stadium der Lungenentzündung keine Schmerzen fühlt, — so sollte er menschlich gesprochen, d. h. wenn Gott in seinen ewigen Ratschlüssen nicht anders bestimmt hat, gerettet werden.

Epilepsie.

Derart Heimgesuchte lasse ich nie berichten. Ich frage sie nur, wie lange sie dieses Übel schon haben, ob sie den Anfall, die Vorzeichen desselben jedesmal bemerken, wie alt sie seien, ob die Geisteskräfte noch frisch oder schon tief heruntergekommen seien.

Nach meiner Überzeugung hat auch diese Krankheit ihren Hauptsitz im Blut, sei es nun Blutarmut, krankhaftes, verdorbenes Blut oder ungeregelter Blutlauf. Meine Ansicht wird unterstützt durch die oft sich wiederholende Tatsache, daß hervorgelockte Ausschläge, gleichsam die Niederschläge, die Ausdünstungen des Blutes, solchen Kranken stets dauernde und sichere Hilfe gebracht haben, daß ferner sogenannte Unheilbare stets durch Aufgedunsenheit, blaue Farbe (das sind Anstauungen von verdorbenem Blute) sich kenntlich machen.

Lauten die Antworten auf sämtliche Fragen günstig, was in der Regel bei jungen Leuten im Alter von 8–20 Jahren bei mir zutraf, so betrachte ich das sogenannte hinfällige oder fallende Weh als krampfhafte Zustände, anschließend an den Veitstanz, und als heilbar. Recht vielen konnte ich Hilfe bringen, selbst solchen, welche das Übel von ihren Eltern geerbt hatten.

Wurde insbesondere die Frage nach dem Wahrnehmen der Vorzeichen verneint (Zeichen der geschwundenen Geisteskräfte), war das Übel alt und mehr oder weniger schon Blödsinn eingetreten, so hatten die bemitleidenswerten Kranken, die zum Glück ihr Unglück nie tief fühlen, von mir nie etwas zu erwarten.

Nach diesen Grundsätzen richtete ich jederzeit die Behandlungsweise ein, die stets auf Verbesserung des Blutes und Regelung des Blutumlaufes abzielte. Ich suchte die Kranken vor allem zur Abhärtung anzuleiten, besonders zu recht fleißigem Barfußgehen. Zur Sommerszeit ließ ich dieselben zuweilen ein kaltes Bad nehmen, nie länger als eine Minute; zur Winterszeit wurde dieses Bad (ein bis zwei Minuten dauernd) etwas erwärmt. Dazu kam in der Woche zweimal ein nasses Hemd, in Salzwasser getaucht.

Die durch letztere Anwendung oft zutage geförderten Ausschläge werden behandelt nach den an eigener Stelle (siehe [Ausschläge]) angegebenen Regeln. Junge Leute ermahne ich jedesmal, sich doch an einfache, vernünftige, nicht verweichlichende Kleidung zu gewöhnen, die Mädchen insbesondere, das verwerfliche, unnatürliche, krankhafte und krankmachende Einschnüren aufzugeben. Das tägliche Brot, das Essen sei einfach. Alle geistigen Getränke, wie Wein, Bier, Kaffee usw. müssen sorgfältigst gemieden werden. Die Arbeiten seien nie Kunststücke oder Kraftleistungen, sondern stets so, daß sie dem Vermögen und der Kraft angepaßt sind.

Fieber.

Anton kommt ins Zimmer und erzählt: „Ich bin nur mit Mühe noch über diese Stiege heraufgekommen. Meine Kraft ist ganz gebrochen; ich bin schon zweimal umgefallen. Auch habe ich schreckliches Kopfweh und bin bald wie eiskalt, dann folgt eine arge Hitze. Bisweilen fühlte ich ein Stechen, das wie der Blitz im Körper herumfährt. Ich merkte es schon einige Zeit; aber seit fünf bis sechs Tagen steigert es sich so, daß ich nichts mehr tun kann.“

Anwendung: Gehen Sie, Anton, nach Hause; legen Sie sich sogleich ins Bett, und wenn Sie ganz warm sind, waschen Sie sich mit kaltem Wasser den ganzen Körper, und ohne abzutrocknen legen Sie sich wieder ins Bett! So waschen Sie sich alle zwei Stunden, und wenn Sie stark in Schweiß kommen und der Schweiß eine halbe Stunde gedauert hat, waschen Sie sich wieder!

Anton kommt am dritten Tage und berichtet: „Mir ist’s schon ziemlich leicht; ich habe einigemal recht stark geschwitzt. Kälte und Hitze sind geschwunden; das Kopfweh hat aufgehört. Der Appetit will sich wieder einstellen. Ich fühle mich wohl, aber müde.“ Anton hat fernerhin ungefähr zehnmal innerhalb vierzehn Tagen sich gewaschen und erfreute sich dann voller Gesundheit. Er ist zirka 40 Jahre alt.

Flechten.

Viele Tausende von Menschen werden von Flechten gequält, ob sie es eingestehen oder nicht. Diese überaus lästigen Schmarotzer und Vampire verkriechen sich sehr gerne unter die Haare, auf den Rücken, die Brust usw. Sie scheuen aber auch das Tageslicht nicht und hängen sich wie Blutegel an die Arme, die Füße, und besonders gern zwischen die Finger fest. Diese Ausschläge können ein Erbteil sein, aber auch die Folgen schlechter Kost und schlechter Getränke, welche die Säfte ruinieren, nicht weniger die Folgen ungeordneter Lebensweise.

Sehr bedenklich und gefährlich ist’s, diesen unsauberen Gast mit scharfen Mitteln, seien dieselben zum Waschen oder Einreiben (grüne Seife usw.) oder zum Einnehmen (Quecksilber, Arsenik u. a.), anzugreifen. Gar leicht können die Flechten verdrängt werden; aber bei zurückgedrängten Flechten sind die letzten Dinge viel ärger als die ersten, ganz abgesehen von Zerstörungen, welche scharfe, ätzende Mittel an und in der Haut anrichten.

Als Regeln für die Heilung stelle ich folgende auf:

Äußerlich darf gar nichts angewendet werden als lauwarmes Wasser, um den Schmutz wegzuwaschen. Alles übrige ist vom und zum Übel.

Speise und Trank für solche Kranke seien leicht verdaulich, einfach, nicht wählerisch, aber so, daß sie gute Säfte abgeben und die vorhandenen verbessern. Alles Saure, scharf Gesalzene und Gewürzte, alle geistigen Getränke werden soviel wie möglich vermieden. Es sind wahrlich der Schärfen genug im Blute. Die eigentliche Wasserbehandlung sei folgende: Man lasse den Kranken am ersten Tage einen Kopfdampf nehmen und den spanischen Mantel anziehen, am zweiten Tage den Fußdampf und einen Unterwickel, am dritten Tage früh neuerdings den spanischen Mantel, nachmittags den kurzen Wickel. Am vierten Tag sei Ruhetag! Den fünften Tag hüte er das Bett und wasche nach je zwei Stunden den ganzen Körper schnell kalt ab! Im Verhinderungsfalle soll er außer Bett die Waschung morgens, mittags und abends vornehmen und sich darauf Bewegung machen oder an eine Handarbeit schreiten. Die Anwendungen lassen in dem Grade und in der Zahl nach, als die Flechtenbildung d. i. das Ausschwitzen und Ausströmen der unreinen Säfte von innen nach außen aufhört und die Neubildung der Haut fortschreitet.

Noch eine Bemerkung finde hier ihre Stelle:

Die Unterscheidung der Flechten in nasse und trockene hat auf deren Behandlung, beziehungsweise auf das Heilverfahren keinen Einfluß. Ich denke mir: beide Bezeichnungen werden ein und dasselbe Ding ausdrücken. Die trockenen Flechten sind jene, die weniger stark fließen, so daß die Flüssigkeit auf der Oberfläche der Haut sofort als Kruste vertrocknet. Die nassen Flechten sind die stark fließenden; deshalb lästiger, gefährlicher und schwerer zu heilen.

Die Folgen von zurückgedrängten Flechten (überhaupt kranker, giftiger Säfte) sind unberechenbar. Schwere Krankheiten, die nächsten Folgen, bereiten ein langsames Siechtum vor, das den Tod bringt oder, was noch schlimmer ist, sehr oft, wie die Erfahrung zeigt, zum Wahnsinn führt.

Ein Theologe hatte eine wie mit dem Zirkel gezogene runde Platte an der linken Wange. Die Platte bestand aus einer Kruste, welche gleich dem Deckel das rohe Fleisch zudeckte und sich öfters in einer Stunde öffnete, nur um zwei bis drei Tropfen Eiter ausfließen zu lassen. Das Gesicht des Herrn war voll; am Kopfe konnte man mehrere kleine Pusteln wahrnehmen. Der Patient hatte mehrere Ärzte befragt und verschiedenes angewendet, aber ohne Erfolg.

Meine Frage, ob er sich vielleicht verwundet habe, verneinte er; die Sache sei von selbst gekommen. Jetzt schien alles klar zu sein. Die blasse, kranke Gesichtsfarbe, noch mehr der Massenausfluß von Unrat benahmen den letzten Zweifel. Der Giftstoff kam aus dem Körper.

Noch vor 20–25 Jahren machten sich viele Menschen künstlich sogenannte Fontanellen, d. h. sie gruben sich an einem Arme oder an einem Fuße eine Quelle, richtiger Kloake (einen wunden Fleck, den sie nie zuheilen ließen), in welchen der Körper allen Abschaum, alle schlechten Säfte abführte, weshalb die Stelle auch immer eiterte. In unserem Falle hat die kräftige Natur sich selbst eine solche Öffnung gebohrt und mit dem passenden Deckel versehen.

Vierzehn Tage hindurch mußte der Kranke jeden zweiten Tag einen Kopfdampf nehmen, ebenso oft einen Fußdampf. Sodann kamen der kurze Wickel und der spanische Mantel zur Anwendung, so daß auf jeden Tag zwei, oft drei Anwendungen fielen. Tee von Salbei, Wermut und Minzen halfen innerlich zu raschem Erfolge mit. Unter der Kruste bildete sich schon bald ein zartes Häutchen, das sicherste Zeichen der vollendeten Auflösung und Ausleitung, d. i. der Heilung. Nach drei Wochen konnte man kaum mehr unterscheiden, auf welcher Wange die Kruste gesessen hatte.

Ein Mädchen, 25 Jahre alt, erzählt: „Ich habe am ganzen Kopfe einen starken Ausschlag, viele kleine Geschwüre unter den Haaren; meine Ohren sind voll großer Schuppen, und wenn sie von Zeit zu Zeit wegfallen, dann hat das Ohr keine Haut mehr. Kopfweh habe ich von Zeit zu Zeit stark, manchmal gar nicht. Die Augen brennen wie Feuer, und meistens läuft schmieriges Wasser heraus. Durch die Nase kann ich schon längere Zeit gar nicht mehr atmen. An meinem ganzen Körper habe ich ein so heftiges Beißen und Brennen, daß es mich im Schlafe oft aufweckt.“

Anwendung: 1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem Haberstroh, 30 Grad, mit zweimaligem Wechsel; zuerst fünfzehn Minuten ins warme Bad, dann eine Minute ins kalte oder doch ganz mit kaltem Wasser waschen. 2) In der Woche zwei Kopfdämpfe, 20 bis 25 Minuten. 3) Zweimal in der Woche ganz waschen. 4) Täglich zweimal jedesmal 25 Wermuttropfen in acht bis zehn Löffel voll Wasser einnehmen.

In vier Wochen waren die Flechten und die ungesunden Stoffe im ganzen Körper so ziemlich beseitigt, und zur weiteren Ausscheidung und Kräftigung reichte aus, noch vierzehn Tage lang dieselben Anwendungen halb so oft vorzunehmen. (Siehe [Kopfflechten].)

Ein ziemlich gut beleibter Gewerbsmann, zirka 40 Jahre alt, erzählt:

„Ich habe an den Vorderarmen und Händen, die Finger ausgenommen, seit zwei Jahren starke Flechten, auch an den Schenkeln, sowie Flecken auf Rücken und Brust und kann deshalb oft Nächte hindurch höchstens ein bis zwei Stunden schlafen. Sonst habe ich guten Appetit und Kraft.“

Die Anwendungen sind folgende: 1) In jeder Nacht ganz waschen. 2) In der Woche zwei warme Bäder von Haberstrohabsud, eine halbe Stunde lang, 28° R., nach je vierzehn Minuten ganz waschen und auch am Schluß des Bades. 3) Jeden Tag ein Oberguß und unmittelbar darauf ein Knieguß; dazu täglich zwei Messerspitzen voll weißes Pulver.

Nach vier Wochen kam der Mann vollkommen gesund zurück; um aber vorzubeugen, daß das Übel nicht mit der Zeit wiederkehren würde, mußte derselbe in jeder Woche sich zweimal in der Nacht ganz waschen und in jedem Monate ein oben genanntes Bad nehmen. Dazu erklärte er: „Wenn diese Anwendungen auch nicht notwendig sind, so werde ich sie doch vornehmen, um bei meiner dadurch gewonnenen Kraft und Frische zu bleiben.“

Fußgeschwüre.

Ein armer Taglöhner hatte viele Monate hindurch einen offenen Fuß, an welchem eine Öffnung war, so lang wie ein Finger und drei Finger breit. Dieser Mann, noch in den schönsten Jahren, hatte fast immer große Schmerzen und konnte nur selten einige Stunden schlafen. Sein Aussehen war recht krank und aller Mut verschwunden. Dem Patienten gab ich den Rat, er solle auf die wunden Stellen gekochtes Foenum graecum, auf Flecken aufgestrichen, wie ein Pflaster auflegen, darüberher den ganzen Fuß von ober dem Knöchel bis über die Waden mit frischen Huflattichblättern umlegen und darüber die Strümpfe anziehen. Jeden Morgen und jeden Abend mußte er Pflaster und Blätter frisch umwinden und vom Foenum graecum, zu Tee gesotten, nach je zwei Stunden zwei Löffel voll einnehmen. Dabei konnte er seinen Geschäften ohne Unterbrechung nachgehen. In vierzehn Tagen nach diesen Anwendungen waren zwei Dritteile dieser Wunde schon geheilt. Der Mann sah ganz gesund und frisch aus, hatte keine Schmerzen mehr und konnte gut schlafen. Drei Wochen später war der Fuß vollkommen geheilt. Zum Einnehmen des Foenum graecum wird ein kleiner Löffel voll in ungefähr einem Schoppen Wasser eine Minute lang gesotten, dann abgegossen und so löffelweise, wie bemerkt, eingenommen. Es nimmt die innere Hitze und wirkt heilend von innen heraus.

Fußleiden.

Ein Beamter klagt über einen lange schon offenen Fuß, der ihm im Berufe recht hinderlich sei. „Die Wunde unten an der Wade,“ so erzählt er, „ist bedeutend, und es fließt täglich viel Unrat aus derselben; schrecklicher noch als die Wunde und Entzündung kommt mir vor die Farbe des Fußes. Derselbe ist um und um schwarzblau. Ärzte befragte ich mehrere. Neben anderem ließen sie mich viel Mineralwasser trinken. Alles vergebens!“

Der Mann, gegen 45 Jahre zählend, zeigt kräftigen Körperbau, etwas Anlage zur Korpulenz. Das Aussehen ist ziemlich gerötet; ich erkannte sofort den Bierfreund. Die Augenwinkel waren trüb, die Augen selbst etwas gelb, die Ohren hochrot. Auf die Frage, ob er sich sonst gesund fühle, entgegnete er: „Mir fehlt gar nichts, ich habe den besten Appetit, ein Trinker bin ich nicht; es schmecken mir täglich meine zwei bis drei Glas Bier recht gut. Mein Leiden ist ein rein lokales, eines der so häufigen Fußleiden.“

Alle derartigen Kranken — eine Ausnahme ist so selten wie ein weißer Rabe — klagen stets nur über die wehtuende oder fließende Stelle und halten dafür, diese müsse zuheilen und so gesunden. Das umgekehrte Verfahren indessen ist das richtige. Erst muß man den Körper heilen, erst alle unreinen Säfte aus ihm entfernen, und die Mündung der Kloake, die Fußwunde heilt dann von selbst zu. In der Tat existiert nach meinem Dafürhalten keine verderblichere Blindheit und keine schädlichere Torheit, als einen Fleck, eine Öffnung heilen, eine Pforte verschließen zu wollen, durch welche der kranke Körper sich oft allein noch retten kann. In den Bergen sammeln sich die Wasser; sie brechen durch, und es fließt ein kristallheller Quell. Ähnlich geht es in manchem Körper zu; es strömen die ungesunden Säfte nach einer Stelle hin und drängen und treiben, bis ein Durchbruch geschehen ist.

Die Natur selbst zeigt an, wie sie sich helfen kann und will. Wir binden ihr sozusagen Hände und Füße, verstopfen und versalben ihr die Rettungswege. Wenn da das Ende Untergang und Verderben der Natur, des Körpers ist, wer will sich wundern?

Dem Beamten riet ich, er solle vierzehn Tage lang täglich einen Unterwickel nehmen, je 1½ Stunden lang, und zweimal im Tage den Oberkörper kräftig waschen; dazu wöchentlich einen Kopfdampf von 20 Minuten. Diese Anwendungen sollten den Körper reinigen, zugleich zur Ausscheidung der kranken Säfte kräftigen. Nach vierzehn Tagen kam der Kranke wieder; seine ersten Worte waren: „Ich habe das letztemal gesagt, ich sei nicht krank; jetzt aber weiß ich, daß ich recht krank war. Ich konnte nurmehr mit Mühe die Treppen steigen, so hart ging der Atem. Stets war ich ungewöhnlich aufgetrieben. Als ich dieses voll Angst dem Arzte sagte, meinte er, ich möge doch nur bedenken, daß ich allmählich älter werde. Jetzt aber,“ fuhr der Mann fort, „fühle ich mich ganz anders, wie neugeboren. Das Atmen geht leicht, und mir ist so wohl. Die Launenhaftigkeit hat mich früher fast zugrunde gerichtet; jetzt aber habe ich den heitersten Humor, und Essen und Trinken schmeckt mir wie nie zuvor. Daß man mir aber dieses früher nie gesagt hat! In diesen vierzehn Tagen,“ so schloß der Patient, „ging ungemein viel Urin ab; im Körper, besonders im Unterleib fühle ich mich viel leichter; schon lassen auch die Schmerzen im Fuße etwas nach, und der Schaden scheint gleichfalls zu heilen. Was muß ich weiter tun, damit der Fuß vollends heil werde wie der Körper?“

Der Beamte nahm wöchentlich noch zwei Unterwickel auf je eine halbe Stunde und täglich einen kräftigen Oberguß. Auf den Fuß legte er täglich ein drei- bis viermal in lauem Wasser neu angefeuchtetes leinenes Läppchen. Sonst durfte am Fuße absolut nichts geschehen. Wenn die Quelle nicht mehr gespeist wird, hört das Fließen von selbst auf, und sie versiegt. Nach weiteren 14 Tagen kam der erfreute Beamte wieder; am gesunden Körper hatte er auch wieder einen gesunden Fuß. Seitdem hat er nie aufgehört, die Heilkraft des Wassers zu loben. Ein so Geheilter soll (und dieses ist sehr wichtig), um die Ansammlung neuer Krankheitsstoffe zu verhüten, die eine oder andere der erprobten Anwendungen noch längere Zeit hindurch vornehmen. Er wähle unter den Übungen jene, deren Wirkung er als die wohltätigste verspürte.

Agatha litt seit Jahren an einem kranken Fuße, der von Zeit zu Zeit aufbrach, dann wieder von Zeit zu Zeit zuheilte. Über die unvermeidlichen Salbereien verliere ich kein Wort mehr, es würde mich nur aufregen. Der Arzt versprach der Kranken Heilung, wenn sie längere Zeit hindurch getreulich tun wolle, was er bestimme. Der Fuß wurde in ziemlich hohe Lage gebracht, so daß er im Bette etwas höher zu liegen kam als der Unterleib. Fast augenblicklich ließen die Schmerzen nach. Man brachte an die Wunde eine Kleinigkeit, ich weiß nicht was, und band sie gut ein. Der Kranken ging es vortrefflich; sie war ohne alle Schmerzen in dem kranken Gliede, und die Heilung machte große Fortschritte. Die Fußwunde war geschlossen. Plötzlich fühlte Agatha einen schweren Kopf und etwas Schwindel; doch sie machte sich nicht viel daraus. Nachts indessen überfiel sie eine solche Schwäche und Ohnmacht, daß der herbeigerufene Arzt erklärte, es trete schneller Marasmus ein, mit Agatha nehme es ein baldiges Ende. Nachts 12 Uhr noch mußte die Kranke versehen werden; fünf Tage lang lag sie regungslos da. Sie atmete mühsam und war geistesabwesend, wie betäubt. Am sechsten Tage kehrte die Besinnung wieder, mühsam brachte sie auch einige Worte zusammen. Ohne Geheiß legte sie selbst nasse Wickel um den Leib und den kranken Fuß. Den zweiten Tag schwoll der Fuß bedeutend an und begann heftiger zu schmerzen. Der Kopf aber und die Besinnung wurden besser. Agatha wickelte den Unterleib und den Fuß mutig weiter ein. Der halbe Fuß entzündete sich heftig, und nach fünf Tagen brach er auf. Die Heilung, wie oben angegeben, war ein leichtes. Agatha erhielt ihre frühere Gesundheit wieder.

Was aber hatte wohl der Anfall zu bedeuten? Am allerwenigsten einen Marasmus. Dem Knaben, der sich auf den Kopf stellt, muß das Blut zum Kopf strömen. Die vom Fuße gewaltsam (durch die erhöhte Lage) zurück und nach oben getriebenen Säfte stiegen der Brust und dem Kopfe zu und bewirkten die fatalen Erscheinungen. Die Wickel leiteten sie wieder nach unten, das Wasser öffnete die Wunde, und die kranken Stoffe, die ihre früheren Wege und Ausgänge offen fanden, ließen die Brust frei atmen und den Kopf frisch und leicht denken.

Daß jeder dieses recht beherzigte, der mit solchen „Bresten“ behaftet ist! Ich weiß gut: viele Ärzte der neuen Schule denken da ganz anders. Bei vielen Ärzten indessen, auch bei mir bleibt in dieser Beziehung alles beim alten. Ich halte und nenne jede offene Stelle, welche die Natur selbst sich gräbt, um das Ungesunde auszuwerfen, solange dieselbe fließt, eine Gesundheits- und Lebensversicherung. Wer kennt nicht Fälle genug, daß Leute nach zugeheilten Füßen schnell gestorben sind? Und wer weiß nicht, daß, wenn solche offene Füße im Alter sich schließen, der Sensemann kein ferner Gast mehr ist?

In einem mir vorliegenden Briefe steht wörtlich: „Mein Fußleiden ist wieder im Beginne. Das rheumatische Kopf- und Zahnleiden, an welchem ich vor vierzehn Tagen zum Rasendwerden litt, hat mich, seitdem ich am Fuße leide, gänzlich verlassen. Der eine oder andere Teil an meinem Körper ist immer leidend. Es herrscht bei mir ein doppeltes Leiden; entweder habe ich heftige Schmerzen im Körper, besonders in den Zähnen, oder wenn mich diese verlassen, arge Fußschmerzen, so daß ich nicht sagen kann, welches Übel ärger ist. Und ist eines von diesen zwei Leiden nicht in besonderer Stärke und Größe da, so bin ich am ganzen Leibe nicht gesund.“ Soweit der Bericht.

Wie das Quecksilber im Barometer steigt und fällt, so gibt es Leiden, die von einer Stelle im Körper zur andern eilen. Die Gicht, der wandelnde Rotlauf sind solche fahrende Schüler. Als Dritter im Bunde gesellt sich ihnen unser Übel bei mit dem Unterschiede, daß es nicht wie Gicht und Rotlauf sich äußerlich verrät, sondern seine Kreuz- und Querzüge stets auf verborgenen Wegen, im Innern, antritt.

Dreigeteilt muß stets der Angreifer gegen diese Wandergesellen vorrücken.

In unserem Falle greift der kurze Wickel die Plänkler an, d. h. er räumt mit all den Stoffen auf, die noch auf der Wanderung vom Kopf zu den Füßen oder von den Füßen zum Kopf begriffen sind. Öfter angewandt verleidet er ihnen durch Ausleitung alle Wanderlust. Sekundär wirkt er schon auf die leidende Stelle ein, indem Stoffe, die von ihr Reißaus genommen, unterwegs aufgefangen und so an der Rückkehr verhindert werden. Der Fußdampf mit dem abschließenden Unterguß richtet sich gegen den einen Flügel, die leidende Fußstelle. Er löst die kranken Stoffe auf und leitet sie aus.

Die kalten Waschungen, statt deren auch der spanische Mantel, rücken gegen das Zentrum, gegen den ganzen Körper vor, freilich zu freundschaftlichen Diensten. Sie kräftigen und stärken den Körper, daß er zu schneller Ausheilung mithelfe.

Sämtliche Angriffe wären somit der Reihe nach zu machen: der kurze Wickel, zwei Ganzwaschungen in einer Nacht, nochmals der kurze Wickel, der Fußdampf und zuletzt der spanische Mantel.

Als Hilfstruppen von innen könnte entgegenkommen Tee von Tausendguldenkraut, Salbei und Minze. Die ersten zwei wirken reinigend, die Minze mit ihrem Bitterstoff unterstützt die Magensäfte.

Noch zwei Arten von Heilung offener Füße will ich hier angeben; die erste kann manchem Bauern und einfachem Manne vielleicht Dienste leisten, der die Vorrichtung zum Baden nicht so leicht hat; die andere dürfte selbst Herrenleuten nicht übel anstehen.

Ein ziemlich wohlgenährtes Bäuerlein blinzelte, ob ernst, ob spöttelnd, ich weiß es nicht, gar klug mit seinen Augen und sagte: „Hochwürden, ich hab’ so einen offenen Fuß. Haben Sie nicht auch ein Wässerlein für mich?“ „O ja, guter Freund!“ sagte ich. „Jetzt machen Sie ’s so, Bauer: Sie gehen heim und breiten auf Ihrer Liegerstatt, auf dem Bett, einen wollenen Teppich oder ein recht grobes Tuch aus! Dann suchen Sie sich unter ihren Säcken einen recht alten, abgenutzten und deshalb nicht steifen aus! Den tauchen Sie herzhaft in kaltes Wasser, winden ihn etwas aus und schlüpfen dann in Adams Kostüm hinein! Oder wenn Ihnen das besser gefällt, können Sie den Sack wie elegante Hosen anziehen; darauf schnell einen Satz ins Bett und ein warmes Zudecken mit der Woll- oder rauhen Decke und dem gansfedrigen Oberbett.“ Die früher blinzelnden Augen wurden wie Pflugrädchen so groß und vor Wasserangst jetzt schon naß; dem Bauer kam’s schaurig vor. „Und dieses,“ so lautete der gestrenge Spruch weiter, „zum ersten Versuch täglich einmal, eine Woche lang; jeder Sackschlupf soll dauern zwei Stunden lang.“ Der Bauer schwitzte bereits beim Weggehen; dennoch tat er, wie ihm geheißen. Innerhalb fünfzig Tagen hat er fünfundzwanzigmal dies eigentümliche Sackschlupfen und Sackjucken probiert, und der Fuß war geheilt. Vor Freude hüpfte er auf, mehr noch als über den Fuß darüber, daß er in dem Sacke auch einen so trefflichen Humor bekommen. Ich riet ihm, die Übung noch zuweilen einmal vorzunehmen. Ich brauchte dieses nicht zweimal zu sagen. „Zum Dank und aus Freude,“ rief er mir zu, „will ich die Sackgeschichte ein ganzes Jahr lang treiben.“ Und er hat Wort gehalten.

So schauerlich diese Kur in manchem Ohre geklungen haben mag (in der Tat ist sie es nicht), so kurz und vornehm lautet die andere:

Man nehme: a) in der Woche zweimal ein warmes Bad mit dreimaligem Wechsel, am besten ein Haberstrohbad; desgleichen b) zweimal wöchentlich einen Unterwickel von 1½ Stunden oder statt dessen den spanischen Mantel in derselben Dauer.

Zur Warnung führe ich folgenden Fall an.

Ein ziemlich korpulenter, aber sehr gesunder Herr, der seinesgleichen suchte, bekam einen offenen Fuß, der ihm recht lästig war. Er nahm die Zuflucht zur Wasserkur und gebrauchte dieselbe auch zwölf Tage. Nicht genug konnte er erstaunen, wie leicht und wohl es ihm wurde. „Doch der leidige offene Fuß,“ sagte er, „heilen Sie den mir zu!“ „Wer es tut, kürzt Ihnen das Leben ab; ich tue es nie und nimmermehr,“ entgegnete ich entschieden. Das verdroß den Herrn, und er ging. Es war Herbstzeit; im Frühjahr besuchte er, wie ich hörte, ein Mineralbad und gebrauchte, nach Hause zurückgekehrt, verschiedene Mittel, die Wunde zuzuklabastern. Es gelang, und 6–8 Wochen freute er sich seines zugeheilten Fußes. Da bildete sich auf dem oberen Rücken, mitten auf dem Kreuze, ein gewaltiges Geschwür. Die Ärzte hielten dasselbe für einen Karbunkel und öffneten es durch einen kräftigen Kreuzschnitt. Doch statt des Unrates trafen sie auf eine große harte Platte. In zwölf Tagen hatte Blutvergiftung dem kräftigen Leben ein Ende gemacht. Solche und ähnliche Beispiele könnte man in großer Zahl sammeln und aufzählen.

Ich kam in ein Haus. Der junge Herr hatte eben seinen Fuß bis an das Knie herauf auf Verordnung des Arztes im heißen Wasser stehen. So heiß solle er das Bad nehmen, als er es nur ertragen könne. Die ohnehin großen Schmerzen wurden durch das heiße Wasser noch bedeutend gesteigert. Der Fuß war vom Knöchel bis an die Waden zur doppelten Stärke angeschwollen und die Geschwulst oberhalb des Knöchels so gefärbt und entzündet, daß ein baldiges Aufbrechen der brandigen Stelle nahe bevorstand.

Mir ist unbegreiflich, was bei einer so heftigen Entzündung eines Gliedes, das einen förmlich heiß anweht, noch heißes Wasser, das einen Gesunden halb verbrühen könnte, tun soll, und zwar nicht kurz und einmal, sondern länger und öfter genommen. Der Herr erklärte aufgeregt, er könne es nicht mehr aushalten, man solle ihm das Wasser aus den Augen bringen. Ruhig ließ ich seinen Befehl vollziehen und riet hernach, er möge statt des Brühwassers Krautwasser bringen lassen, einen weichen Fleck eintauchen und unmittelbar auf die am ärgsten entzündete Stelle legen, darüber ein größeres, recht weiches, in kaltes Wasser getauchtes Tuch umwinden, so daß es den ganzen Fuß vom Knöchel bis zu den Waden bedecke (darüber natürlich trockene Auflage), und beide Aufschläge zusammen so oft wiederholen, als der Fuß von neuem zu brennen und wehe zu tun anfange. Der junge Herr tat nach meinem Rate; in zwei Tagen konnte er wieder gehen. Das Geschwür brach auf. Um rascher die Materie aufzulösen und auszuleiten, umwand er die Geschwürstelle mit einem Linnensäcklein, das angefüllt war mit angeschwellten Heublumen. In acht bis zehn Tagen war der Fuß geheilt und diente als treuer Untertan mit alter, ja verjüngter Geh- und Tragkraft.

Ein Herr von Stand erzählt: „Jedes Jahr bekomme ich ein Fußleiden, welches zwei bis drei Wochen dauert; dann bin ich wieder auf ein Jahr gesund. Etwas empfindlich sind meine Füße immer. Ehe dieses Leiden kommt, brennen mich meine Füße, und mitunter spüre ich ein heftiges Stechen. Dann schwellen die Füße bis an die Knie ziemlich stark auf. Wenn das Anschwellen beginnt, läßt der Schmerz etwas nach; ich bin aber doch unfähig zu jeder Arbeit. Kann diesem Übel nicht vorgebeugt werden?“ Die Antwort heißt: „Ja, mit folgenden Anwendungen: 1) In der Woche ein- bis zweimal leinene Strümpfe, in Wasser getaucht, in welchem Haberstroh gesotten wurde, anziehen (angenehm warm); über die nassen Strümpfe ein trockenes Tuch winden und zwei Stunden lang diesen Fußwickel behalten. (Kann am Abend geschehen.) 2) In der Woche einen kurzen Wickel 1½ Stunden lang, in Wasser getaucht. Wer noch fünf bis sechs Wochen ein- bis zweimal wöchentlich die Anwendung vornimmt, beugt gewiß seinem Übel vor.“

Ein Landmann kommt und zeigt seine geschwollenen Füße, die von unten an bis an die Knie gleichmäßig hart anzufühlen und mit schwarzblauen großen Flecken bedeckt waren. Diese geschwollenen Füße schmerzten ihn sehr, so daß er oft ganze Nächte nicht schlafen konnte; zudem wurde er, seitdem die Füße so anschwollen, gemütsleidend schwermütig, so daß er nach seiner Angabe sich schon oft den Tod gewünscht hatte. Appetit schlecht, Aussehen recht krank.

Die Anwendungen waren folgende: 1) Jede Woche einen Fußdampf, in der ersten Woche aber zwei. 2) Zweimal in der Woche ein Hemd anziehen, in Haberstrohwasser getaucht, 1½ Stunden lang. 3) Zweimal wöchentlich von unter den Armen ganz hinunter sich einwickeln, 1½ Stunden lang. 4) In jeder Nacht werde der Fuß bis an die Knie eingewunden mit einem Tuch, in Wasser getaucht, in welchem zwei Löffel voll Foenum graecum abgesotten wurden. Gerade diese Einwicklung hat besonders zur Linderung der Schmerzen und zur Aufweichung gewirkt. Eingenommen wurde Absud von Foenum graecum, zwei Messerspitzen voll in einem Schoppen Wasser gesotten, — während des Tages in drei bis vier Portionen.

Fußleiden, anderes.

Eine Frau hatte Jahre hindurch Fußleiden. Von Zeit zu Zeit brach einer der Füße auf mit Entleerungen von viel Unrat, und nach mehreren Wochen heilte er wieder zu. Wie jeder gesund werden will, so wollte auch diese Frau für ihren Beruf von diesem Leiden befreit werden und wendete folgendes an: 1) Dreimal in der Woche in der Nacht vom Bett aus ganz waschen und gleich wieder ins Bett; 2) in der Woche einmal den spanischen Mantel; 3) die Füße wurden von Morgen bis Mittag oder bis Abend umwunden mit einem Tuch, das in Heublumenwasser getaucht war, aber ziemlich stark ausgewunden, und darüber ein Wollstoff gelegt. Auf die wunde, von Haut entblößte Stelle, die so groß war wie ungefähr drei Finger breit und lang, wurde gesottenes Foenum graecum, auf Flecken aufgestrichen, aufgelegt. Dasselbe zieht das Ungesunde heraus, nimmt die Hitze und den Schmerz und heilt, wenn der Krankheitsstoff ausgeleitet ist. Nach je zwei bis drei Tagen wurden über den kranken Fuß angeschwellte Heublumen, die ziemlich gut ausgetrocknet waren, warm, aber nicht heiß, direkt aufgetragen und umwickelt — zwei Stunden lang. Innerlich: täglich eine Messerspitze voll graues Pulver und täglich eine Tasse Tee, von vier bis fünf grünen Holunderblättern gesotten.

Geburten.

Ein junges Weib hatte drei tote Kinder geboren; sie wurde darob sehr betrübt und ganz entmutigt, zumal der Arzt erklärte, „sie werde nie ein Kind austragen können.“ Ich tröstete sie und machte ihr Hoffnung, falls sie sich bequemen wolle, Wasseranwendungen vorzunehmen; ihre Natur werde so erstarken, gesunden, und wenn dieses eingetreten, habe sie weiter nichts zu fürchten. Der trostlosen Frau klang dieses wie frohe Botschaft.

Mit den leichtesten Abhärtungsübungen wurde begonnen; nach und nach gewöhnte sie sich an stärkere, abhärtende Wasseranwendungen, bis sie zuletzt bei Halb- und Ganzbädern stehen blieb. Innerhalb drei Jahren gebar sie dem erfreuten Vater drei gesunde, kräftige Kinder.

Eine Frau litt an Typhus; sie hatte Kopfschmerzen zur Verzweiflung. Ihre Verwandten brachten sie aus der Stadt aufs Land, damit sie dorten ruhig sterben könne. Die arme Frau sollte zudem Mutter werden. Man fragte mich; ich riet kurze Wickel an, die alsbald angewendet wurden. Das Kopfleiden ließ nach. Um sicher zu gehen, fragten die Angehörigen auch bei dem früher die Kranke behandelnden Arzte an, ob nicht vielleicht ein Wickel gute Dienste leisten würde. Dessen Verdikt lautete, der erste Wickel würde das Kind zu früh zur Welt bringen. Unterdessen waren bei Einlangung der Nachricht fatalerweise schon sechs Wickel genommen. Die Typhuskranke wurde selbst gesund und genas glücklich auch eines gesunden Kindleins.

Gehirnentzündung.

Wo immer eine Entzündung entsteht, dorthin drängt sich auch durch alle Adern das Blut. Es eilt der Wärme zu, und in den von der Entzündung entferntesten Körperteilen nimmt das Blut am meisten ab. Tritt eine Gehirnentzündung ein, so muß zu allererst das Blut in die äußersten Teile geleitet werden, aber auch auf die entzündeten Stellen muß hitzeableitend eingewirkt werden. Die Anwendungen sind folgende: Es sollen die Füße bis an die Knie mit Tüchern, welche in Wasser und Essig getaucht sind, eingewickelt werden. Sind die Füße recht kalt, so ist das Tuch anfangs in heißes Wasser zu tauchen. Sind die Tücher an den Füßen nach ungefähr einer halben bis einer Stunde recht heiß, dann sollen sie in kaltes Wasser getaucht und wieder umgelegt werden. Wie die Füße, so sollen auch die Hände eingewickelt werden, wenigstens bis an die Ellenbogen, und es soll gerade so verfahren werden wie bei den Füßen; dann kann ein Unteraufschläger genommen werden. Nach drei Viertelstunden tauche man das Tuch wieder in kaltes Wasser. Ist die Hitze immer noch stark, kann länger so fortgefahren werden. Um die Hitze recht stark abzuleiten, kann man ein zweifaches grobes Tuch, in Wasser getaucht, auf den Unterleib legen, wodurch das Blut mehr in den Unterleib geleitet wird. Auf den Kopf wende man weiter nichts an, als daß man einen Lappen auf die Stirne bindet und diesen nach je einer halben Stunde in kaltes Wasser frisch eintaucht. Fast noch günstiger wirkt ein Tuch, das um den Hals gewunden wird, oder ein Schal; beides darf jedoch nie länger als drei Viertelstunden an Ort und Stelle bleiben, ohne daß das Eintauchen von neuem besorgt wird. Diese Anwendungen werden, im Wechsel vorgenommen, die Entzündung nicht auf einen hohen Grad kommen lassen, und die ganze Entzündung wird einen ziemlich raschen Verlauf nehmen. Nach innen bleibt immer das Beste frisches Wasser, aber ja nicht viel, höchstens ein bis zwei Löffel voll, lieber öfter. Statt Wasser kann man auch einen Absud von Foenum graecum nehmen.

Gehirnleiden, schweres.

Ein ungefähr 33 Jahre alter Bräumeister ist seit elf Jahren schwer leidend. Im Mai 1877 stürzte er eines Morgens nach dem Aufstehen vom Bett plötzlich halb bewußtlos hin und blieb zwei Stunden in diesem Zustande liegen. Dies war die Einleitung zu einem schweren, sechs Monate dauernden Typhus. Schon damals stellte sich täglich starker Schwindel mit Erbrechen und Ohnmacht ein. Der Schwindel begann mit Klopfen im Gehirn; dann warf es den Mann zu Boden, oft auf Zimmerlänge hin. Dieser Zustand währte meist fünf bis zehn Minuten und wiederholte sich täglich fünf- bis acht- bis zehnmal. Nach diesen sechs Monaten wurde er wieder arbeitsfähig, aber nur auf zwei Monate. Darnach traten die Anfälle so häufig und stark auf, daß er weitere acht Monate das Bett hüten mußte. Im Verlaufe dieser elf Jahre war er alle Jahre sechs bis sieben, sogar acht Monate bettlägerig. Das Leiden steigerte sich so, daß die Anfälle von Schwindel und Hinfallen auch in der Zwischenzeit alle zwei bis drei Tage wiederkehrten, besonders auch nach geistigen Anstrengungen, nach raschen Bewegungen, bei jeder Drehung des Kopfes. Die Anfälle kündigten sich stets durch Klopfen im Kopfe an, und wenn er sich nun rasch genug anzuklammern vermochte an einen Tisch oder im Freien an einen Baum, so schüttelte und warf es ihn hin und her, bis er zu Boden kam. Das Bewußtsein verging ihm dabei nicht, wohl aber das Sehen. Neun Jahre lang war der Anfall stets von Erbrechen begleitet, welches seit dem letzten Jahre aufhörte. Die ganze Zeit über, seit 10½ Jahren empfand der Unglückliche einen fortwährenden Druck auf der Scheitelhöhe, wie wenn ein Zentnerstein droben liege. Seit fünf Jahren besteht fast anhaltend Ohrensausen und Schwerhörigkeit auf dem rechten Ohr. Der Schlaf stellte sich neun Jahre lang fast nie vor ein bis zwei Uhr nachts ein wegen Gefühl von Schwere und Vollsein im Kopfe. Von Mai 1886 bis Oktober 1887 war der Mann mit ganz geringer Unterbrechung bettlägerig. Von vierzehn Ärzten, die ihn im Laufe dieser langen Krankheit behandelten, und von denen ihn verschiedene für unheilbar erklärten, nahm er eine Masse Medikamente ein. Die meisten sprachen die Ansicht aus, es sei durch eine frühere Kopfverletzung — es war dem Bräumeister früher ein Faß auf den Kopf gefallen — die Hirnschale gesprungen, und seitdem drücke ein Knochensplitter auf das Gehirn, und hiedurch sei das Leiden verursacht. Einige Ärzte hielten es für chronische Hirnhautverdickung.

Nach meiner Meinung bestanden außerordentlich starke Kongestionen zum Kopfe und waren folgende Anwendungen angezeigt: Oberguß, Wassergehen, Rückenguß, Schenkel- und Knieguß, Fußdampf, sowie der spanische Mantel. Der Erfolg innerhalb der fünfwöchentlichen Kur vom 28. Juli bis 2. September war ein ganz vorzüglicher. Schon am fünften Tage erklärte sich der Patient frei vom Gehirndruck. Am zweiten Tage erfolgte noch ein Anfall nach einer längeren, geistigen Anstrengung (Briefschreiben), — es war der letzte. Von Tag zu Tag schritt die Besserung zu seiner größten Freude voran; die nächsten vier Wochen fühlte er sich „wie neu geboren, so frei und so leicht im Kopf“, und auch im Sehvermögen erleichtert. Schlafen konnte er seit diesen fünf Wochen anhaltend die ganze Nacht. Der Mann ist überglücklich und lebt nun neu auf. Zu Hause hat er täglich bloß noch eine der obigen Anwendungen fortzusetzen.

Geisteskrankheit.

Furchtbar muß es sein, wenn diese Geistesnacht über einen hereinbricht, wenn der Mensch nicht mehr Mensch ist, sondern gleichsam zum unvernünftigen Tiere wird. Noch vor 50, 40, 30 Jahren gehörten Geisteskrankheiten zu den Seltenheiten. Heutzutage mehrt sich deren Zahl (darin sind alle eins) in schreckenerregender Weise. Die Irrenhäuser, so zahlreich sie sein mögen, sind überfüllt, reichen nicht mehr aus. Man baut jetzt vielerorts außerhalb der Großstädte fast ganze Irrenstadtviertel. Unheimlich ist’s, diese Totenfelder von Lebenden zu durchwandeln. Also das ist der Mensch, der so groß tun kann! Gott bewahre uns vor solcher Heimsuchung! Derlei Gedanken umflattern bei solch düsteren Gängen die ernstgestimmte Seele. Das sind die Ganz-Irren. Wie viele hundert, ja wie viele tausend Menschen aber sind halbe Geisteskranke, die entsetzlich viel leiden und selten Hilfe bekommen! In Wahrheit darf ich sagen, daß eine sehr große Anzahl solcher Unglücklichen bei mir Linderung und Heilung suchte, und mit besonderer Liebe und Sorgfalt fühle ich mich jederzeit gerade zu diesen so arg verlassenen und so trostlosen Menschen hingezogen. Sie waren zu wenig krank fürs Irrenhaus, aber unfähig zu jedem Berufsleben. Unsagbar, unbeschreiblich, unzählig und mannigfaltig sind die Plagen solcher Geistesgestörten. Wie zur Sommerszeit in der heißesten Mittagsglut die Stechmücken am ärgsten schwirren, so treiben in dem heißen Gehirn dieser Armen die tollsten Gedanken ihr heillosestes Spiel. Die einen hassen ihren bisherigen, geliebten Beruf, andere wollen nicht mehr beten. Menschenscheu und Menschenhaß hat die einen erfaßt, Haß gegen sich selbst die anderen; sie wollen sich das Leben nehmen usw. Die Köpfe und deren Inhalt sind so verschieden als die armen Individuen selbst.

Bei allen Kranken, die mich aufsuchten, habe ich in den fünfunddreißig Jahren stets Ursachen der Krankheit gefunden. Entweder war das Übel angeerbt, also von Kindheit an grundgelegt, im Keime vorhanden; oder es rührte her von Körpergebrechen, von Krankheiten,[35] wohl auch von der Lebensweise.

Ein Punkt ist wohl zu beachten, weil da so gerne Täuschungen vorkommen. Man bleibe bei der Beurteilung solcher Zustände recht nüchtern, lasse sich selbst den Geist nicht einnehmen. Nicht genug kann ich warnen vor jenem voreiligen, so überaus törichten Gebahren, welches alsbald übernatürliche, besonders teuflische Einflüsse hellsehen will. In Fällen selbst, in denen jedermann fast hätte glauben müssen, der leibhafte Satan herrsche in dem Kranken, hat der einfache kalte Strahl ihn vertrieben.

Mir kam in meiner ganzen Praxis nicht ein einziger Fall vor, in dem natürliche Mittel, recht angewendet, nicht geholfen hätten. Ich klammere mich fest an den Glauben und an das Übernatürliche wie an ein Rettungsboot und möchte — Gott bewahre! — kein Strichlein und kein Pünktlein dieser Glaubens-Überzeugung aufgeben. Nie aber möchte ich den Glaubensfeinden eine Handhabe reichen zum Spotte oder Angriffe auf den Glauben.

Die es angeht, kennen und verstehen mich. Ein Beispiel: Ein Bruder bringt seine Schwester, welche behauptet, mitten in ihrer Brust wohne der böse Geist. Sie wisse vom Teufel viel, der Teufel aber wisse von ihr alles, auch die geheimsten Gedanken; er regiere, leite und beherrsche sie. Ein Narr sei ihr Bruder, noch dümmer sei der Pfarrer, der allerdümmste aber sei der Arzt. Warum? „Weil sie immer sagen, ich solle einen anderen Kopf aufsetzen, meine Torheiten ablegen und ihnen folgen. Wenn einmal der Teufel in einem herrscht,“ fügte die Kranke bei, „dann hat der eigene Kopf das Regiment verloren.“ Es ist nicht zu sagen, wie heftig und unbändig wild die Arme gegen die drei genannten Persönlichkeiten wütete.

Hätten dieselben ruhig geschwiegen — sie wußten ja, wen sie vor sich hatten —, sie hätten die Kranke nicht in so gewaltige Aufregung versetzt, und ich hätte leichter getan.

Bei derlei Kranken kommt alles, ja alles auf die Behandlung an. Ich widersprach ihr mit keinem Worte und sagte bloß: „Ja freilich, in deinem Innern steht es nicht gut.“ Damit war die Kranke zufrieden, und ich hatte sie auf meiner Seite. Sofort faßte sie Vertrauen, wie ihre Antwort bekundete. „Wenn mir einer nicht glauben will,“ so lautete diese, „daß ich den Teufel in mir habe, so wird er ihn auch nicht austreiben können.“

Dieses Vertrauen heißt bei mir jedesmal so viel als: die Kranke ist bereits zur Hälfte geheilt, und deine Arbeit ist mehr als zur Hälfte getan. Die Kranke nahm ein, was ich ihr gab; sie wendete pünktlich das Wasser an, wie ich es bestimmte. In sechs Wochen ward sie vollkommen geheilt. Gewiß interessiert es manchen, was der Person wohl gefehlt hat. Die Kranke sah stürmisch drein. Ihre Gesichtszüge waren eingefallen, die Hände kalt, die Füße noch kälter; auf der Brust fühlte sie einen schweren Druck und im Magen Widerwillen gegen jede Speise. Alles Blut war, so schien es, der Brust zugeeilt. Die erste Aufgabe bestand darin, die Zirkulation des Blutes zu ordnen, dadurch gleichmäßige Naturwärme und ein geordnetes Arbeiten des ganzen Organismus herzustellen. Zu dem Ende mußte die Kranke täglich zweimal bis über die Waden ins kalte Wasser stehen, je zwei Minuten lang, darauf tüchtig gehen, um die Füße so bald als möglich zu erwärmen; dann ebenso die ganzen Arme täglich zweimal ins Wasser halten, je zwei Minuten lang, darauf denselben in irgend einer Weise Bewegung verschaffen, um sie ebenfalls möglichst schnell warm zu bekommen. Zweimal des Tages ließ sie sich, zu Bette liegend, Rücken, Brust und Unterleib mit Wasser und Essig kräftig waschen. Die verhältnißmäßig schwachen Anwendungen mußten durch vierzehn Tage genau fortgesetzt werden. Die heftigste Aufregung ließ nach, wenn auch der Teufel in dem wirren Kopfe immer noch spukte. Die eingefallenen Züge belebten sich. Nach vierzehn Tagen ließ ich kräftiger einwirken. Die Kranke bekam Unterwickel im Wechsel mit Halbbädern (nur eine halbe Minute lang, und jedesmal folgte die Waschung des Oberkörpers) und dem spanischen Mantel; alle drei Anwendungen waren zirka drei Wochen fortzusetzen. Nach der dritten Woche beschlossen die Heilung wöchentlich eine Ganzwaschung und ein kurzer Wickel von einer Stunde. So wurde der vermeinte Teufel ausgetrieben, und die Aufregung wich großer Ruhe und ungestörtem Frieden.

Arme Eltern brachten ihren Knaben von zehn Jahren und erzählten folgendes: „So oft man zur Kirche läutet, fängt der Bube an zu toben und in der heftigsten und gräßlichsten Weise die entsetzlichsten Flüche auszustoßen, Flüche und Schwüre, die wir in unserem Leben noch nie gehört haben. Er flucht so lange, als er die letzte Person auf dem Kirchwege sieht. Dann hört er auf. Sobald aber nach vollendetem Gottesdienste der erste Andächtige die Kirche verläßt, fängt er auch schon wieder an, zu schwören, und er schwört und flucht fort, bis er niemanden mehr erblicken kann. Wenn wir beten, so flucht er; hören wir auf, so hört auch er auf. Hochwürden, es ist schrecklich. Man mag anwenden, was man will, helfen tut gar nichts, am wenigsten das Einreden; das macht ihn nur noch heftiger. Seine Mutter packte er einmal mit beiden Armen wie mit Krallen und schüttelte sie derart, daß man nicht glauben sollte, wie ein Knabe so viel Kraft entwickeln könnte. Ärzte sind mehrere befragt worden, geholfen hat nichts. Benediziert wurde er auch; da hat er noch am ärgsten geflucht usw.“

Der Knabe hatte ein ganz sonderbares Aussehen: abgestandene Gesichtsfarbe, im höchsten Grade wildaussehende Züge; die Haare standen, wie beim Igel die Stacheln, senkrecht in die Höhe. Ich unterstand mich, seine Hand anzufühlen; er wollte mir sofort ins Gesicht springen. Zwei Priester, welche den schrecklichen Zustand gesehen hatten, sagten: „Wer an eine Besessenheit glaubt, muß sagen: hier ist sie.“

Ich faßte das Leiden von Anfang an ganz natürlich auf und täuschte mich auch dieses Mal nicht; in sechs Wochen war das arme Kind vollständig geheilt. Ich ließ den Knaben täglich auf 1 bis 1½ Stunden ein Hemd anziehen, das in Wasser (mit etwas Salz) getaucht war, ebenfalls täglich einmal mit einer Mischung von Wasser und etwas Essig ganz waschen. Beides dauerte vierzehn Tage lang. In der dritten Woche bekam er den einen Tag ein (oben beschriebenes) Hemd angezogen, den andern Tag auf eine halbe Stunde ein warmes Bad von 28° R. im Wechsel mit einem kalten (eine halbe Minute), am dritten Tage eine Ganzwaschung. Dieses waren die Übungen der dritten und vierten Woche. In der fünften reichte aus ein nasses Hemd, in der sechsten und letzten ein warmes Bad mit rascher kalter Abwaschung.

Die Umänderung und Besserung vollzog sich rasch. Der ganz kalte Knabe wurde wieder warm, der verlorene Appetit kehrte wieder, und er ließ sich die Milch- und Mehlkost, welche die armen Eltern mit Freuden ihm reichten, trefflich schmecken. Aller Spuk war wie weggeblasen.

Einer der Leser wird vielleicht fragen: „Warum denn wendet der Pfarrer bei solchen Kranken keine Güsse an, da doch in unseren Irrenanstalten die Tobsüchtigen besonders mit Douchen usw. behandelt werden?“ Nach meiner unmaßgeblichen Meinung darf ein Jäger (doch vielleicht ist’s Jägerlatein?), der einen Fuchs aus seiner Höhle locken will, unmittelbar vor das Loch hin nicht schießen. Besser wird’s sein, den listigen Reinecke mit einer Lockspeise (etwa einem Huhn oder Spanferkel) zum gefälligen Herauskommen einzuladen. Nun höre, mein lieber Leser! Wo eine Krankheit drinnen steckt, da steckt auch Krankheitsstoff. Diesen auflösen und ausleiten, das heißt den Fuchs locken und fangen. Eine Douche aber löst nicht auf, leitet aber auch nicht aus. Ist einmal aufgelöst und ausgeleitet, dann hat die leichtere Douche einen Sinn, dann laß ich sie mir auch recht wohl gefallen.

Vor neun Jahren kam ein Mädchen zu mir und erzählte, wie folgt: „Mein Bruder ist schon mehr als ein Jahr im Irrenhause. Er wurde für unheilbar erklärt. Nun bekomme ich ganz dieselben Zeichen, die mein Bruder vor dem Ausbruch der Krankheit hatte. Ich hatte bisher gedient, mußte aber meinen Dienst verlassen; denn ich kann nicht mehr arbeiten. Wenn ich keine Hilfe erhalte, komme ich in Bälde zu meinem Bruder in die Irrenanstalt.“

Auf verschiedene Fragen erhielt ich den Bescheid, daß der Appetit sehr wechsle, manchmal gut sei, manchmal ganz fehle; daß ferner, sobald das heftige Gliederreißen nachlasse, ebenso heftige Brustschmerzen folgen, daß die früher dichten und langen Haare schon mehr als zur Hälfte ausgefallen seien. Sofort war mir klar, daß hier recht verdorbene Säfte ihr Unwesen trieben, und daß das sicherste Zeichen ihres gänzlichen Ausscheidens darin bestehe, wenn die Haare auf dem halbkahlen Schädel wieder festen Fuß faßten und in alter Stärke von neuem weiter wüchsen.

Die Kranke wendete nacheinander folgende Übungen an: zuerst täglich das nasse Hemd, getaucht in Salzwasser oder in Wasser mit Essig gemischt; ebenso täglich lauwarme Halbbäder mit kräftiger kalter Waschung des Oberkörpers (höchstens eine Minute). Es war Sommerszeit. So ging sie jeden Tag viel barfuß mit großem Erfolge, besonders im Morgentau. Dieses dauerte drei Wochen hindurch. Es folgten jetzt warme Bäder im Wechsel mit kalten, sodann der Unterwickel (die Kranke bediente sich des Sackes), in Absud von Heublumen getaucht. Die ganze Kur währte bis zu vollständiger Herstellung drei Monate. Der starke und solide Haarwuchs wies auf gründliche Heilung. Die Person hat später geheiratet und ist gesund bis zum heutigen Tage.

Ein Pfarrer, in seiner Gemeinde hochgeschätzt und geliebt, kam vom Ausland ganz entmutigt zu mir. Er könne, so meinte er, seiner Pflicht gar nicht mehr nachkommen. Dieser Zustand, der sich in großer Traurigkeit, in Mißmut, in Unfähigkeit zum Studieren äußerte, hatte früher schon einmal die Nachbarsgeistlichen veranlaßt, den Armen in eine Anstalt zu bringen. Daselbst verblieb er mehrere Wochen und kehrte ruhiger, aber ungeheilt in seine Heimat zurück. Er beriet mich, was doch zu tun sei, ob er die Pfarrei verlassen oder was er anfangen solle. Der Herr sah gesund, frisch und kräftig aus, was bei solchen Kranken so leicht täuscht und so viele harte, ungerechte und lieblose Urteile veranlaßt.[36] Wer näher zusah, konnte wohl bemerken, daß das Auge trüb, die Farbe verbleicht, die Haare erstorben waren.

Die Anwendungen waren dreifacher Art: der Kopf- und Fußdampf, kalte Ober- und Untergüsse, häufiges Gehen auf nassen Steinen oder ins Wasser stehen, drei bis vier Minuten lang. Nach einigen Tagen folgten warme Bäder im Wechsel mit kalten Ober- und Untergüssen. Am sechsten Tage der Wasserkur zeigte sich ein bläulicher Ausschlag auf dem Rücken. Je mehr dieser heraustrat, um so besser fühlte sich der Kranke. Als der Krankheitsstoff gänzlich ausgeleitet war, war der Pfarrer gesund. Das ganze Heilverfahren dauerte vierzehn Tage. Mit neuem Mut kehrte der seeleneifrige Priester heim in seine Gemeinde.

Gelbsucht.

Die Gallenblase liegt an der Leber und ist eine Art Sammelbehälter für die aus den Lebergängen herausfließende Galle. In den innerhalb der Leber gelegenen Gängen oder in der Gallenblase können sich Verhärtungen der Galle bilden, Gallensteine genannt, die entweder in der Leber oder bei der Weiterwanderung in dem Gallengange die Entleerung der Galle hindern. Aber auch durch Druck, durch Stoßen und ähnliche Übelstände können Zuschwellungen des Gallenganges eintreten, und dadurch kann die Galle ins Blut geraten. Dann entsteht die Gelbsucht. Sie entsteht auch gerne nach schweren Krankheiten, wie Typhus, starkem Fieber usw. Es kann aber auch die Leber krank sein und infolgedessen das Blut krankhaft oder gar nach und nach vergiftet werden. Kommt die Gelbsucht nur von Störungen her oder auch von anderen Krankheiten, so hat dies meistens wenig Bedeutung; kommt aber die Gelbsucht von einer Krankheit der Leber her, so bringt sie gerne den Tod. Die ersten Zeichen der Gelbsucht erblickt man im Weißen des Auges, dann in der Haut selber, im Stuhlgang und Urin; der Appetit läßt gewöhnlich nach, und auch der Geschmack ändert sich meistens. Ist die Leber gut, so hat diese Krankheit im Heilen keine Schwierigkeit. Nach innen ist besonders zu empfehlen: täglich drei- bis viermal, jedesmal drei bis vier Löffel voll, Wermuttee oder dreimal eine Messerspitze voll Wermutpulver in sechs bis zehn Löffeln voll warmen Wassers einnehmen. Salbei mit Wermuttee tut treffliche Dienste.

Täglich sechs Pfefferkörner mit der Speise verschluckt ist ebenfalls ein Mittel zu guter Verdauung. Im Essen und Trinken mäßig sein ist zu empfehlen. Die Milch als Nahrungsmittel ist vorzüglich.

Die besten Anwendungen mit Wasser sind: In der Woche zwei- bis dreimal ein kurzer Wickel und eine Waschung zur Nachtzeit vom Bett aus und gleich wieder ins Bett. Die gelbe Farbe bleibt oft Wochen hindurch, hat aber durchaus keine Gefahr. Wie man aus einem Stoffe nicht schnell eine Farbe herausbringt, so geht es auch bei der Gelbsucht. Geht aber die gelbe Farbe nach und nach über in braune und schwärzliche, nimmt der Appetit stets ab, ist ein allgemeines Beißen und Brennen in der Haut und steigert sich die Abmagerung mehr, dann ist aller Grund da, zu fürchten, die Leber sei unheilbar, und es trete Leberverhärtung, Leberkrebs oder eine ähnliche Krankheit ein.

Ganz besonders wirkt auf kranke Leber und Gelbsucht, jeden Morgen und jeden Abend eine Tasse Milch trinken, mit welcher ein Löffel voll Kohlenstaub mit Zucker vermischt ist.

Gelenkrheumatismus.

Es kommt ein Herr. Sein Aussehen ist krankhaft. Verschiedenes und schweres Unbekannte hat seinen Zügen eine tiefe Wehmut eingedrückt. Mir stieg beim ersten Anblick unwillkürlich der Gedanke im Kopfe auf: Der Mann leidet viel oder hat viel gelitten. Die ungesunde Gesichtsfarbe zeigt ein unheimliches Gelb, der Kopf nur mehr wenig (kaum den zwanzigsten Teil von früher) Haare. Der Mann selbst ist noch nicht vierzig Jahre; es ist ein Bild des Ernstes, großer Ruhe, aber auch, wie gesagt, ein Leidensbild. Sein eigener Bericht lautet also: „Es stellten sich bei mir öfters Unterleibsleiden mit heftigen Kolikanfällen und Diarrhöen ein. Später bekam ich eine Nierenkrankheit, wie die Ärzte es nannten. Wenn die unsäglichen Schmerzen kamen, drehte es mich um wie eine Spindel, wie einen Kreisel. Nach Jahren verlor ich dieses Übel, dafür aber bekam ich diesen Gelenkrheumatismus. Mir ist’s, als wenn die Summe alles früher erlittenen Schmerzes in die Glieder gefahren wäre und jedes Glied eigens gepeinigt werde. Ich gebrauchte viele ärztliche Mittel. Das Ende war stets nicht die ersehnte Hilfe, sondern das alte Leiden. Mit großer Überwindung und großen Opfern konnte ich meinem Berufe bis zuletzt vorstehen; geklagt habe ich niemandem, es verstand mich ja weder der Arzt noch sonst jemand. Derjenige, welcher den Leidenden die Krone versprochen hat, weiß allein, was ich gelitten. Eines noch wäre vielleicht meinen Worten beizufügen. Ich hatte Fußschweiß; die angeratenen und angewendeten Mittel vertrieben ihn, aber mir war nicht gut. Auch Mineralbäder habe ich auf Verlangen des Arztes gebraucht; doch sie steigerten mein Übel. Peinlicher fast als aller Schmerz quälte mich im Innersten die Wahrnehmung, daß mancher meinte, die Sache sei doch nicht so arg; die Empfindsamkeit spiele bei mir eine große Rolle, man müsse sich überwinden und über derlei Dinge hinwegsetzen. Leiden tragen ohne Teilnahme heißt doppelt leiden.“

Die Erzählung hat lange gedauert, freundlicher Leser; aber sie war und ist lehrreich. Daß wir gegen Kranke doch nie hart und ungerecht werden! Ein sonst tüchtiger Mann wird ja nicht plötzlich und ohne Grund wie eine feige Memme jammern.

Wer mag die Wurzel all dieser Übel uns nennen, das Innere dieses recht kranken Körpers uns erschließen? Das Geheimnis ist nicht schwer zu erraten. Die Vordersätze hat uns der Kranke selbst in seinem Berichte gegeben; wir brauchen nur den Schluß daraus zu ziehen. Die gelbe Farbe, die häufigen Kolikanfälle, der zurückgedrängte Fußschweiß lassen auf einen giftigen Stoff schließen, der, wie die Schlange im Versteck, im Körper lauerte, zuweilen züngelte und zischte, jetzt aber, bei dem letzten Anfall auf seine Beute schießt, d. i. alle Glieder erfaßt und sie mit seinem Biß bis hinein in die Gelenke und in das Knochenmark selbst vergiftet. Auch die Haare fallen von einem sonst dichten und starken Haarboden nicht ohne Grund aus. Es muß sie ein innerer Sturm ausschütteln, wie der Herbstwind die fahlen und dürren Blätter von den Bäumen schüttelt. Oder ein giftiger Wurm, d. i. ein Giftstoff, muß deren Wurzeln töten.

Eine solide Heilung wird nur möglich sein, wenn dieser Giftstoff, der alles durchfressen hat, aufgelöst, ausgeleitet und der Körper dergestalt gekräftigt ist, daß er solche fatale Säfte nicht mehr aufkommen läßt. Mäuse vertilgt man mit Mausgift. Und das Gegengift für unser Gift, in welcher Materialienhandlung ist es zu kaufen? Mancher würde es gut bezahlen. Für künstliche Mittel ja, besonders wenn sie noch neu und unbekannt sind, zahlt man sein teures Geld; für die natürlichen und besten Mittel aber weiß man dem Geber alles Guten oft kaum ein kaltes „Deo gratias“, „Gott sei Dank!“

Im klaren Quell, im Bache, im Brunnen fließt das vielvermögende Heilmittel, das wir meinen. Es ist das Wasser. Wie soll das Wasser heilen? So höre! Wenn die Hausmutter ihre Leinwand bleichen, d. i. ihr das blendende Weiße geben will, so taucht sie selbe ins Wasser, begießt sie öfters und läßt dann die liebe Sonne darauf scheinen. Das oftmalige Gießen weicht die sogenannten Rohstoffe auf, und die Sonne zieht sie alle aus. Das Linnen ist gebleicht auf der einen Seite, dasselbe Verfahren bleicht es auf der anderen. Durch und durch müssen zu gründlicher Bleiche der Wasser- und der Sonnenstrahl dringen, dann aber trübt das blendende Weiß, den Stolz der Hausfrau, auch nicht ein trüber Fleck. Das ist klar. Machen wir die Anwendung! Der Körper unseres Kranken mit seinem gelben Hautüberzug gleicht wahrlich so einem ungebleichten Linnenstück. Ein Teil der Wasseranwendung muß die Feuchtigkeit, welche die Roh- d. i. die Giftstoffe auflöst, nach und nach bis ins Innerste eindringen machen; der andere Teil muß Wärme entwickeln, welche der Sonnenwärme gleich das Aufgelöste herauszieht. Noch eines. Auch der Lauge bedient sich zuweilen die Hausfrau, welche nachhaltiger und schneller die Dienste des Wassers tut bei ihrem Linnen. Laugen können als stärkere Auflösungsmittel auch wir bereiten. Wir kochen im Wasser verschiedene Vegetabilien, Pflanzen, und die trefflichste Lauge für die Körperbleiche ist fertig.

Doch kehren wir zurück zu unserem Falle! Der kranke Herr mußte zuerst den spanischen Mantel anlegen. Diesem folgte ein Kopfdampf mit kräftiger Abwaschung, hernach ein Fußdampf. Beide Dämpfe ersetzten die beste Lauge (man kann mir glauben) und durften erst nach ordentlichen Zwischenräumen einander ablösen. Je schonender nämlich der Körper behandelt wird, um so leichter kann die Natur es aushalten und selbst mithelfen, die Krankheitsstoffe auszuleiten. Darauf nahm der Kranke einen kurzen Wickel und, um die Natur zu stärken, einen Ober- und Unterguß, von sämtlichen Anwendungen abwechselnd täglich eine; dazu jede Nacht vom Bette aus eine Ganzwaschung. So wurde drei Wochen fortgefahren. Die vierte und fünfte Woche erhielt er je zwei Halbbäder, einen Kopf- und Fußdampf und einen spanischen Mantel; die sechste Woche endlich zwei warme Bäder im Wechsel mit kalten, ein Halbbad und einen Ober- und Unterguß. Für die weitere Zukunft empfahl ich dem Patienten wöchentlich ein paar Ganzwaschungen, einen Ober- und Unterguß, monatlich ein warmes Bad ohne Wechsel.

Das Wasser strafte auch in diesem heiklen Falle das Vertrauen nicht Lügen. Das schwere Leiden, das ohne Zweifel einen frühen Tod gebracht hätte, verschwand. Das frische Aussehen, die verlorenen Kräfte kehrten wieder; an Stelle des gebrochenen Mutes trat neue Begeisterung zum Berufsleben. Die Stimme tönte klangvoll wie früher. Oft wiederholte sie mir das herzliche „Vergelt’s Gott!“ Demjenigen aber, von dem allein alles Heil und Gelingen kommt, sang sie ein freudiges und dankbares Gloria: die Ehre sei Gott!

Ein Mann von ungefähr 40 Jahren hatte im rechten Fuß solche rheumatische Schmerzen, daß er nur mit Hilfe eines Stockes ganz kurze Strecken gehen konnte. Zeitweilig hatte er auch Schmerzen in den Armen und Schultern. Angewendet wurde schon verschiedenes, jedoch ohne Erfolg. Er nahm die Zuflucht zum Wasser, und in sechs Tagen fühlte er sich so ziemlich befreit, setzte die Anwendungen noch fort und wurde vollständig geheilt.

Die Anwendungen waren folgende:

1) Sechs Tage hindurch täglich zwei Obergüsse und zwei Schenkelgüsse, einmal in der Woche ein Wickel unter den Armen. Täglich zweimal im Wasser gehen bis über die Waden 1–3 Minuten. Jeden Tag ein Rückenguß und Grasgehen.

2) Nach diesen sechs Tagen Oberguß mit Knieguß im Wechsel mit Halbbad, letzteres eine Minute lang.

Ein Bursche von 28 Jahren erzählt: „Ich habe bereits zwei Jahre keinen einzigen Tag, an welchem ich schmerzlos bin; der Anfang war auf dem Rücken, wo ich ein heftiges Brennen und Stechen empfunden habe, bald in schrecklicher Weise, dann erträglicher, nach und nach zog sich der Schmerz mehr in den rechten Schenkel bis hinunter; ich kann oft ganze Nächte nicht zwei Stunden ordentlich schlafen; bald peinigt mich die Hitze, bald kommt ein Kältegefühl, daß es mich schüttelt. Ich gebrauchte anfangs mehrere Ärzte ganz erfolglos; es wurden auch Einspritzungen vorgenommen, worauf die Schmerzen eine kurze Zeit gemildert wurden, aber gewöhnlich bald darauf viel ärger auftraten. Weil mir die Ärzte nicht helfen konnten, habe ich Pfuscher gebraucht; ich bekam Einreibungen, geistige Einwaschungen; aber alles, was ich getan, half mir nichts. Jetzt möchte ich den Versuch mit Wasser machen.“

Die Anwendungen waren folgende:

1. jeden Morgen um 8 Uhr ein Oberguß mit 2–4 Gießern voll kaltem Wasser,

2. um 10 Uhr ein Schenkelguß,

3. nachmittags 2 Uhr ein Schenkelguß und

4. abends im Wasser gehen.

So am ersten Tage. Am zweiten Tage: des Morgens Wassergehen, um 10 Uhr Schenkelguß, nachmittags 2 Uhr Rückenguß, abends 5 Uhr Sitzbad.

Am 3. Tage: Am Morgen Halbbad, um 10 Uhr Oberguß, nachmittags 2 Uhr Schenkelguß, um 5 Uhr Wassergehen.

Am 4. Tage: Am Morgen Schenkelguß, um 10 Uhr Halbbad, nachmittags Rückenguß und abends Wassergehen.

So wurde 12 Tage lang fortgemacht, und der Kranke war gesund. Um aber den Körper zu stärken, der durch die Schmerzen viel Kraft verloren hatte, mußte der Geheilte noch längere Zeit in der Woche ein- bis zweimal ein Halbbad nehmen und ein- bis zweimal im Wasser gehen.

Gelenkrheumatismus, chronischer.

Herr Graf N. leidet seit 35 Jahren an Rheumatismus. Im Jahre 1854 gebrauchte er die Bäder in Aachen, damals mit günstigem Erfolge. Im Feldzuge 1870/71 bekam er durch das viele Lagern auf freiem Felde wieder rheumatische Schmerzen am ganzen Körper in hohem Grade; auch diesmal erwies sich eine Badekur in Aachen recht günstig. Bald jedoch traten Rückfälle ein. Patient suchte berühmte Ärzte auf, aber ohne Erfolg; er machte eine Badekur durch in Aibling, später wieder in Aachen; diesmal wurde er indes durch die dortigen heißen, langdauernden Bäder außerordentlich geschwächt und ganz elend. — Zuletzt, nachdem alles Angewandte fruchtlos gewesen war, entschloß er sich zur Wasserkur.

Am 20. Juni 1887 kam der Kranke nach unmittelbar vorausgegangenem zweimonatlichen Krankenlager hier an mit Rheumatismus am ganzen Körper, in den Fuß- und Kniegelenken, Hand- und Schultergelenken. Der rechte Arm war von den Fingern bis über den Ellenbogen dick aufgeschwollen, die Gelenke ganz unbeweglich; die Knie, ebenfalls geschwollen, konnten nicht gebraucht werden. Den kräftig gebauten, stattlichen Herrn hatte das lange schmerzhafte Leiden ziemlich stark angegriffen.

Die Behandlung bestand in folgendem:

1. Zweimal in der Woche Wicklung von unter den Armen an bis zu den Füßen ganz hinunter, 1½ Stunden lang, das Tuch in 30° R. warmes Wasser getaucht, in welchem Haferstroh, Heublumen und Fichtennadeln gesotten wurden;

2. jeden Morgen und Abend den angeschwollenen Arm in solchem Absud eine bis zwei Stunden lang einwickeln;

3. in der Woche 2 Kräutervollbäder mit dreimaligem Wechsel;

4. dreimal wöchentlich einen Schal umlegen, eine Stunde lang.

Nach 14 Tagen war bereits wesentliche Besserung bemerklich.

Fernerhin gebrauchte Patient zu Hause:

1. Einwicklung des Armes wie bisher;

2. wöchentlich ein Kräutervollbad mit Wechsel;

3. dreimal in der Woche ein kaltes Halbbad, eine halbe bis eine Minute lang;

4. drei- bis fünfmal in der Woche ein Sitzbad von zwei Minuten Dauer.

Durch Gebrauch dieser Anwendungen erfolgte eine gänzliche Abschwellung des kranken Armes und der Knie und Wiederherstellung der Beweglichkeit.

Zur weiteren Ausheilung wurden im September 1887 angewendet:

1. ein warmes Handbad, Einwicklung der Hand in angeschwellte Heublumen und gleich darauf kalte Abwaschung der Hand;

2. in der Woche drei- bis viermal ein Halbbad;

3. viermal wöchentlich ein Oberguß.

Der Erfolg dieser Kur gestaltete sich sehr günstig. Die Gelenke wurden ganz frei von Schwellung und Schmerz und vollkommen beweglich; das Gesamtbefinden und der Lebensmut des Herrn Grafen waren seitdem ausgezeichnet. Derselbe befindet sich so wohl, daß er stundenlang ohne Ermüdung zu marschieren vermag, und nachdem er — ein passionierter Weidmann — Jahre lang krankheitshalber auf die Jagd hatte verzichten müssen, konnte er im nämlichen Herbst wieder neun Tage lang eine Jagd mitmachen zum Erstaunen der anderen hohen Herren.

Um gesund zu bleiben, ist täglich eine der Abhärtungsanwendungen vorzunehmen: ein Halbbad oder Vollbad oder Wassergehen.

Gemütsleiden.

„Seit mehreren Jahren leide ich an Gemütsverstimmungen, Kopfweh, krampfhaften Gesichtsschmerzen, viel Rheumatismus, viel Schwitzen am ganzen Körper. Mehrere Ärzte wollten mir Hilfe bringen, aber umsonst.“

In vierzehn Tagen waren diese traurigen Zustände beseitigt; um den Körper für die Zukunft zu stärken und abzuhärten, genügte in der Woche ein Halbbad und eine Ganzwaschung. Die Anwendungen der ersten vierzehn Tage waren: 1) In der Woche zweimal ein Hemd anziehen, in Salzwasser getaucht, um die krankhaften Stoffe auszuleiten. 2) Zweimal in der Woche ein Halbbad, um den Unterleib zu stärken. 3) Zweimal wöchentlich eine Ganzwaschung, um den Körper zur Tätigkeit zu bringen.

„Ich komme, um mich bei Ihnen wegen einer gemütskranken Person zu befragen. Ein Weib, 38 Jahre alt, mag nichts mehr tun und kann auch nichts mehr tun. Sie lebt so traurig dahin, bekümmert sich nicht mehr um ihren Mann und ihr ganzes Hauswesen. Sie flieht, wo möglich, alle Leute und geht gar nicht mehr aus dem Hause. Sie ist schon ziemlich abgemagert und was man ihr bisher eingegeben hatte, war ohne Wirkung.“

Anwendungen: 1) Jeden Abend, wenn die Kranke im Bett warm ist, den ganzen Körper mit Wasser und etwas Essig ganz waschen. 2) Täglich zweimal ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, vierzehn Minuten lang. 3) Täglich zweimal jedesmal zwanzig Wermuttropfen in Wasser einnehmen. Nach drei Wochen war der Zustand ziemlich gut. Weitere Anwendungen: 1) In der Woche zwei kurze Wickel. 2) Zweimal wöchentlich eine Ganzwaschung. Vierzehn Tage später bloß in der Woche einmal ganz waschen und drei- bis fünfmal wöchentlich im Wasser gehen.

Geschwüre.[37]

Wie Entzündungen im Innern des Körpers entstehen können, so auch außerhalb am Körper. Sie sind insbesondere die fast unzertrennlichen Begleiter der verschiedenen Geschwüre. Wenn’s brennt, laufen die Nachbarn zusammen. Wenn ein Fleck oder auch nur ein Fleckchen am Körper brennt, so bleiben die benachbarten Stellen nicht gleichgültig. Rasch meldet es ein Blutkügelchen dem andern, und die vorwitzigen, die kommen, verbrennen sich dabei selbst die Finger und noch mehr. Entzündet sich an einem Gliedchen, z. B. an der Zehe, ein Geschwürlein, auch nur so groß wie ein Linsenkorn, so tut nicht bloß die ganze Zehe weh, sondern oft schon ein Teil des Fußes; manchmal sticht der Schmerz bis hinein in den Leib. Es kommt mir vor, wie wenn einer nachts nur ein Zündhölzchen anzündet. So ein kleines Ding wirft seinen Lichtschein weit hinaus in den Hof.

Anna hat schreckliches Weh am Daumen. Man sieht nicht viel. Der Finger ist nur ein klein wenig angelaufen und etwas roter als die anderen Mitgenossen. Nicht allein am Daumen, auch unter der Achsel schmerzt es heftig. Gib acht, in kurzer Zeit wird dein ganzer Körper nicht mehr wohl sein! „Da muß etwas dahinter stecken,“ meint der Vater. Ja freilich muß etwas dahinter und drinnen stecken. Das Mädchen bindet natürlich seinen Finger gut[38] ein und wartet drei bis sechs Tage zu, was das wohl abgeben möge. Der Finger wird dick, auch die Hand schwillt an. Es entsteht ein großes Geschwür; im Finger, im Arm und im Leib zuckt’s. Und es geht recht lange, bis aller Eiter heraus und der Finger an der kranken Hand geheilt ist.

Wie hätte das Mädchen den Finger in die Kur nehmen sollen? Sobald es merkt, daß der Finger, ohne irgend verletzt worden zu sein, schmerzt, so soll es tun, wie die Mutter tut, wenn sie auf dem Herde ein kleines Feuerchen nicht groß haben will, es ausblasend oder mit etwas Wasserspritzen auslöschend. Vielleicht mag’s so gut werden.

Wenn nicht allein der Finger, sondern auch schon die Hand wehe tut, so ist das Feuer größer, es hat mit dem Finger die Hand ergriffen. Darf nun das Mädchen die Hand unter das Brunnenrohr halten, um den Brand zu kühlen und zu löschen? Durchaus nicht! Das Übel besteht nicht allein im Brande, in der Hitze, die zu entfernen ist, sondern vielmehr in giftigen Säften, die aufzulösen und auszuleiten sind.

Dem Mädchen werden in einem kalten Armwickel Finger und Hand umwunden, und dieser Wickel werde so oft erneuert, d. h. neu eingetaucht, als er heiß zu werden beginnt. Der Finger muß zwar nach dem Volksmunde „ein böser Finger“ werden, d. h. er muß und wird aufbrechen; aber alles, was der Wickel auszieht, braucht nicht zu vereitern, und es ist doch ein großer Unterschied, ob das Geschwür die Größe einer Haselnuß oder einer Wallnuß oder noch größere Ausdehnung erreicht.

Sollte das Gefühl der Unbehaglichkeit, des Unwohlseins sich auf den ganzen Körper ausdehnen, so verordnen wir diesem eine Zeitlang täglich den spanischen Mantel. Das Allgemeinbefinden wird in Bälde wieder ein gutes sein.

Eine Art von Geschwür kennen die Landleute insbesondere unter dem Namen „Wurm am Finger“. Die Behandlung vielmehr Mißhandlung eines derart kranken Fingers gibt uns neue Beweise, wie verblendet und töricht die Menschen sind. Es ist, als ob sie für Zeiten der Verstand verlassen hätte, so gedankenlos benehmen sie sich. Mit so einem Wurm am oder im Finger (es wäre interessant, zu wissen, wie sich manche diesen Wurm vorstellen) wird aller mögliche Unsinn getrieben. Jedes Weib weiß eine neue Salbe, und wenn das Salben ausgeht, dann geht die Sympathie, wie sie’s nennen, an. Vorher noch suchen recht abergläubische Menschen einen lebendigen Maulwurf zu bekommen. Denn wenn sie diesen lebendig in der Hand oder nur zwischen dem Daumen und den anderen Fingern absterben lassen, dann ist’s mit dem Wurm aus! Und wenn dann genug gesalbt und geschmiert, geschwätzt und gelogen und sympathisiert und der Finger nach mehreren Wochen, nach unsäglichen Schmerzen reif geworden ist und aufbricht und der Eiter dicht und fest herausdringt, dann heißt’s: „Seht, der Wurm ist getötet, der Wurm geht ab.“ Weiter kann man es in der Torheit und Selbstverblendung nicht treiben.

Was ist denn so ein Wurm am Finger? Nichts anderes als ein größeres Geschwür, das nach obiger Methode zu behandeln ist. Meistens bekommen solche Leute diesen Wurm, die recht viele ungesunde Stoffe im Körper haben. Deshalb muß, wie auf Finger und Haut, so auch auf den ganzen Körper eingewirkt werden. Auf erstere geschieht die Einwirkung durch die Hand- und Armwickel. Den Finger umwinde man zwei- bis drei- bis vierfach am besten mit Absud von Zinnkraut, um das Angefressenwerden des Beinchens zu verhindern, Hand und Arme zweifach (statt einfachen Wassers ist gut Absud von Heublumen oder Kraut), und man erneuere das Eintauchen des Wickels, sobald die Hitze oder die Schmerzen sich mehren. Auf den ganzen Körper wirke man durch ein bis zwei kurze Wickel oder den spanischen Mantel, täglich je einen von einer Stunde Dauer. Nach der ersten Woche geschehen die Wickelungen nur jeden zweiten oder dritten Tag. Mit Ober- und Untergüssen sei man vorsichtig und wende sie erst später, wenn genügend aufgelöst und abgeleitet ist, zur Kräftigung an. Sobald der Finger „reif“ ist, d. i. sich bläulich färbt, und an einer Seite weich wird, dann soll man mit dem Öffnen und Ausdrücken nicht zögern und sich nicht fürchten, wenn mit dem Eiter Blut kommt. Dieses Blut müßte ja doch noch vereitern, und so ist’s gut, wenn ihm dieser Prozeß erspart und dem Finger die Sache erleichtert wird. Das Bangen vor dem zu frühen Öffnen eines Geschwüres ist bei Wasseranwendungen ziemlich überflüssig (große Reinlichkeit), bei Salbereien wohl begründet.

Die Heilung des Wurmes kann noch in folgender Weise geschehen. Bei mir war dieses oft das kürzere Verfahren. Man bade Finger und Vorderarm täglich zwei- bis dreimal in einem warmen (ja nicht heißen) Heublumenbad von einer halben Stunde Dauer. Die Finger-, Arm- und Körperwickel bleiben dieselben wie oben.

Andreas, einem Gärtner, war der Daumen der rechten Hand entsetzlich zugerichtet. Furchtbar angeschwollen zeigte der ganze Finger keine Haut mehr; er war rein wie eine abgestandene, mit Eiter überzogene Fleischmasse. Das Bein blinkte an mehreren Stellen durch. Der Arzt hatte schon erklärt, es müsse die Hand, um das Leben zu retten, abgenommen werden. Ich schaute mir die Hand an und dachte: „Gott, könnte ich dem armen Mann die Hand retten!“ Dann legte ich mir den Fall also zurecht: Das sichtbare Bein (das war die Hauptsache) sieht recht frisch aus, es ist also noch nicht angegriffen. Der schrecklich angeschwollene, ekelhafte Daumen ist wie eine Jauchengrube, in welche der Körper seine nichtsnutzigen Säfte ausschüttet. Diese scharfen Stoffe mehren die Geschwulst, zerfressen das Fleisch und vergiften alles, was sie angreifen. Somit muß ich einwirken auf den halbabgefaulten Daumen, noch kräftiger aber auf den Körper, daß er aufhöre, sein eigenes Glied zu morden. Der Überlegung folgte das Handeln.

Der Daumen und die ganze Hand bekam Wickel von Heublumen- und Zinnkrautabsud (beide Kräuter wurden zusammen abgebrüht), im Tage vier- bis fünfmal erneuert. Der kranke Leib erhielt täglich einen kurzen Wickel und wöchentlich dreimal den spanischen Mantel. An den wunden Finger ließ ich jeden Tag recht verdünntes Alaunwasser gießen, welches den Unrat wegwusch. Noch nicht vier Wochen waren vergangen, und alles, Finger und Hand, war wieder gewonnen. Um das in der Tat nicht angefressene Bein bildete sich eine neue Fleischmasse zu einem neuen Daumen, der, den Nagel ausgenommen, wie früher in den gesündesten Tagen aussah. Der Mann konnte als Gärtner seinem Beruf wie zuvor nachkommen. Er lebte nachher noch viele Jahre.

Gesichtsrose.

„Mein Mann bekommt die Gesichtsrose; das ganze Gesicht ist angeschwollen, sieht feuerrot aus; er hat ein heftiges Fieber; es verbreitet sich die Röte über das ganze Gesicht; es zeigen sich an allen Stellen viele kleine Bläschen, und der Jammer ist nicht anzuhören,“ — so klagte mir eine Gattin. „Schleunigst soll ein Schal umgelegt werden, in warmes Wasser getaucht,“ — verordnete ich; „drei Viertelstunden lang soll es dauern; dann soll das Tuch hinweggenommen, in frisches Wasser getaucht und wieder übergelegt werden; so dreimal wiederholt — macht ungefähr drei Stunden aus. Drei bis vier Stunden später soll ein vierfaches Tuch in frisches Wasser getaucht, ordentlich ausgewunden, auf den Unterleib gelegt werden, drei Stunden lang; aber nach jeder Stunde soll das Tuch weggenommen, in frisches Wasser getaucht und wieder aufgelegt werden. Drei Stunden später, nachdem die Wickel entfernt sind, läßt man den Kranken auf ein mehrfach zusammengelegtes Tuch, in kaltes Wasser getaucht, ganz gut ausgewunden, eine Stunde lang liegen. Diese drei Anwendungen können so der Reihe nach vorgenommen werden, bis die ganze Hitze gebrochen und der Krankheitsstoff ausgeleitet ist. Auf der leidenden Stelle im Gesichte wird nichts angewendet als von Zeit zu Zeit, wenn die Spannung der Haut gar zu empfindlich ist, Abwaschungen mit lauwarmem Wasser. Ist der Durst recht groß, so bleibt Wasser oder Zuckerwasser das beste Getränk, aber immer nur in recht kleinen Portionen.“

Gesichtsrose auf eine andere Art zu heilen:

Dem Kranken soll täglich zweimal ein Schal umgelegt werden, drei Stunden lang jedesmal, nach jeder Stunde wieder frisch eintauchen; in der übrigen Tageszeit, nach je drei Viertelstunden, Rücken, Brust und Unterleib, am besten den ganzen Körper mit Wasser und etwas Essig daran waschen; darf aber nicht länger als eine Minute lang dauern. Wenn das Fieber bedeutend abnimmt, so reicht es aus, nach zwei bis drei Stunden zu waschen, später nur mehr alle Tage; soll anfangs das Wasser, mit Essig vermischt, warm genommen werden, so gebraucht man später frisches Wasser. Den Schaden im Gesicht darf man immer nur mit lauwarmem Wasser von Zeit zu Zeit waschen. Auf diese zwei Arten sind schon mehrere geheilt worden, ohne daß irgend ein Nachteil zurückblieb.

Josepha, 22 Jahre alt, gesund und kräftig, bekommt nach schnell eingetretener Müdigkeit ein heftiges Fieber. Nach außen ist sie voll Hitze, im Innern voll Frost und Kälte; sie leidet großen Durst und ist ganz ohne Appetit. So oft die Hitze groß war, wurde sie anfangs mit warmem, dann mit kaltem Wasser am ganzen Körper gewaschen, und zwar drei Tage hindurch. Dann ließ der Frost nach, der ganze Kopf war angeschwollen, und die Gesichtsrose trat ungewöhnlich stark hervor; im Gesichte zeigten sich große Blasen, und der Mund besonders war stark geschwollen. Vier Tage hindurch, an jedem Tage sechs- bis zehnmal, wurden die Waschungen vorgenommen; auch legte man noch zweimal im Tage den Schal um, zweimal warm, dann kalt. Nach drei Tagen stellte sich großer Schweiß ein, der zwei Tage dauerte, und dann war Josepha geheilt; zweimal wurde im Tage während der Schwitzzeit die Waschung vorgenommen. Der Schweiß kam von selbst, und das Abwaschen beförderte denselben um vieles. Die ganze Kurzeit dauerte acht Tage; eingenommen hat sie gar nichts. Am Kopfe wurde nichts angewendet; nur an den letzten drei Tagen wurde das Gesicht täglich zweimal mit lauem Wasser gewaschen.

Gicht.

Wer zur Herbstzeit ins Allgäu kommt, sieht da und dort die Leute ihren Dünger ausbreiten. In neuerer und neuester Zeit haben sie auch eine neue Methode angenommen, die jedem wahren Landwirt die Galle kitzelt, das Blut aufrührt und in Wallung bringt. Sie verteilen dem hungrigen Boden die Nahrung nicht mehr gleichmäßig wie früher, sondern mit einem nie gesehenen Schlendrian werfen sie aufs Geratewohl der einen Scholle zwei bis drei Portionen hin, die andere lassen sie für ein neues, ganzes Jahr fasten. Die ganze Arbeit gleicht dem leidigen Spiele von Maulwürfen. Das muß ja im Frühjahr faule Moräste abgeben, auf denen die Wucherstellen die übelangebrachte Verschwendung zeigen, daneben armselige und verkümmerte Habenichtse, die infolge der stiefmütterlichen und ungerechten Behandlung auch nichts in die Scheunen tragen.

Dieses Bild paßt mir vortrefflich für die Gichtkrankheit.

Was dem Acker und der Wiese der Dünger, das ist dem Menschen die Nahrung. Ob da in all den verschiedenen Ständen und Lebenslagen Ungleichheit herrscht? Dem einen wird’s täglich und stündlich im Überflusse zugeworfen; ein anderer hat jahraus jahrein Quadragesimalzeit. „Was für eine Mahlzeit?“ fragte einmal einer. Nicht 40-, sondern 365tägiges Fasten! Wenn nun jemand täglich und stündlich seinem Felde (seinem Körper) zu viel, so viel zuführt, daß die Natur es nicht bewältigen, die Organe es nicht verarbeiten und verwerten können, was muß die Folge sein? Die Knochen z. B. brauchen zu ihrem Bau Schwefel und Kalk. Nun aber wird in kräftigen und starken Speisen vielleicht soviel Baumaterial eingeführt, daß es zu zwei, zu drei Körper-Neubauten ausreichte. Was wird, was muß geschehen? Da bilden sich Moräste (dickes Blut), dort Sümpfe (schlechte Säfte), um die Knochen herum Sand- und Schutt- und Kalk- und Steinhaufen.

Die Knöchel schwellen an, entzünden sich, und es ist eine langdauernde, entsetzliche Qual, bis diese verknorpelten und verknöcherten Gichtknoten durch den Schmerz selbst gleichsam verbrannt und anders entfernt sind. Und so arg das Leiden, so gering oft das Mitleiden mit so wohlbehäbigen Podagranern. Es ist nicht ganz christlich, aber manchmal sehr erklärlich. Die Leute sagen: „Er hat das Genießen gehabt; er habe nun auch die Schmerzen, die Folgen des übermäßigen Genusses.“ Indessen können auch arme Leute von der Gicht heimgesucht werden, ja selbst die Ärmsten.

Einmal stellte sich mir ein armer und überaus fleißiger Dienstbote vor; er bekam die Gicht im höchsten Grade. Ursache war bei ihm, daß er aus lauter Diensteifer die Pflege des Körpers vernachlässigt hatte. Ein windbrüchiger Blasbalg arbeitet den Blas, die Luft, nicht in die Orgelpfeifen, sondern zu den Löchern hinaus. Geschwächte, halbkranke Organe schaffen, arbeiten oftmals statt am Fleisch an der Geschwulst, statt am Bein am Überbein.

Weitere Ursachen können sein: allzu große Anstrengung, Vernässung, Erkältung u. a. Gicht im hohen Grade quält viele, Gicht im geringeren Grade unzählige Menschen. Sie quält die einen an den Zehen, die andern im Kopf, viele am Äußern, viele im Innern des Körpers.

Einfache, noch nicht allzusehr geschwächte Leutchen, die gerne folgen und nicht den Flohstich spüren, heile ich recht gerne und meistens sehr leicht. Bei den Podagranern der ersteren und vornehmeren Gattung gebe ich mich nie Täuschungen hin. Sie sind mir ein Kreuz und mit Wasser meistens nicht zu heilen; denn sie folgen nicht, weil sie bereits unter dem Doppeljoche der Verweichlichung und der Wasserscheu seufzen; heilbar wären sonst auch sie wie die anderen Gichtkranken.

Ein Herr von Stand litt seit vier Wochen an heftigen Fußschmerzen. Seine Bekannten nannten ihn scherzhaft ein weiteres Mitglied der Bruderschaft der Podagraner. Schwitzen kurierte ihn dieses Mal. Doch nach einem Jahre kehrte das Leiden wieder und fesselte ihn zwölf Wochen ans Bett. Es brannte tüchtig, und er schwitzte tüchtig; aber dieses Wasser allein heilte das zweite Mal nicht. Er ließ mich befragen und erklärte, er werde alles tun, was immer verlangt werde, wenn nur diese fürchterliche Krankheit nicht noch einmal wiederkehre. In wenigen Wochen war die Hauptkur vorüber. Wie wenn Wasser auf ungelöschten Kalk kommt und dieser aufschwellt und zerbröckelt, so vergingen die Gichtbeulen unter den verschiedenen Anwendungen. Später wiederholte der Patient von Zeit zu Zeit die eine oder die andere Wasserübung, und soviel ich weiß, hat das Übel seit den letzten Jahren ihn nicht weiter belästigt. Die Anwendungen selbst lerne der geneigte Leser beim folgenden Falle kennen.

Ein Priester sandte zu mir mit der Nachricht, seine Füße brennen ihn wie lebendiges Feuer, er müsse fast verzweifeln, was er doch tun könne? Ich riet, er solle in heißem Wasser angeschwellte und hernach ausgepreßte Heublumen auf ein Linnen bringen, die schmerzenden Füße mitten drein legen und den warmen Heublumenwickel gut zubinden. Nach zwei Stunden solle er die aufgelegten Heublumen von neuem in den Heublumenabsud eintauchen, auspressen und nochmals umbinden. Ob die Heublumen das zweite Mal lau oder ziemlich kalt oder ganz kalt umgebunden werden, bleibt sich ganz gleich. Der kranke Priester tat so die folgenden Tage. Nach dem ersten halben Tage schon waren die Hauptschmerzen entfernt, nach zwei bis drei Tagen war der Kranke ganz frei von Schmerzen.

Fehlen einem Kranken die Heublumen, so siede man Haberstroh und tauche die zu umwindenden Fußwickel in den Absud. Auch dieses ist bei unserem Übel von vorzüglicher Wirkung. Man beachte, wie ich bei diesem Leiden mit Vorzug erwärmend einwirke, vielmehr auflöse.

Vor einer Täuschung muß ich hier warnen. Sobald den Kranken die Füße nicht mehr schmerzen, so meint er natürlich, er sei schon völlig kuriert. Man beginge einen großen Fehler, wenn man jetzt nachgiebig wäre. Den Fußwickeln müssen wenigstens einige Anwendungen auf den ganzen Körper folgen, um wo möglich allen krankhaften Stoff daraus zu entfernen. Am besten dienen während der drei ersten Wochen wöchentlich zwei bis dreimal der spanische Mantel (je 1½–2 Stunden), im folgenden Monat einige Warmbäder mit Absud von Heublumen oder Haberstroh und dreimaligem Wechsel.

Ein Taglöhner hatte sich ein schweres Gichtleiden zugezogen. Er ging wöchentlich dreimal in den Sack, den man in heißen Haberstrohabsud eingetaucht hatte; dann wurden ihm in der Woche zwei Fichtenreis-Bäder bereitet von 33 bis 35° R. mit dreimaligem Wechsel. Jede zweite Nacht wusch er sich vom Bett aus kalt. Nach drei Wochen war er ziemlich geheilt, benützte jedoch noch für einige Zeit in der einen Woche zweimal den Sack, in der anderen das beschriebene warme Bad. Bald trat er neugekräftigt seinen Dienst an, den er bis heute gut versieht.

Ein Brunnenmacher zeigte mir die Gichtknoten an seinen Fingern und an seinen Zehen, die ihn bisweilen, wie er sagte, unausstehlich brannten, — Gicht durch Vernässung.

Jeden zweiten Tag ein eben beschriebenes warmes Bad, jeden dritten oder vierten Tag die Anwendung mit dem Sack haben den Mann in kurzer Zeit gänzlich von seinem Übel befreit. Die Hände hat er sich über die Nacht in angeschwellte Heublumen eingebunden.

Ein armer Hausvater bekam heftiges Gliederreißen. Ob es von der Gicht oder von einem anderen Übel herrührte, wußte er nicht; er fühlte nur entsetzliche Schmerzen, die ihn berufsunfähig machten.

Es war gerade die Heuernte. Ich riet ihm, er solle auf seinen Heustock gehen, der eben in Gärung sei, dort eine Art Grube in das heiße Heu machen und sich in das heiße Heugrab legen, mit heißem Heu auch sich zudecken, so daß nur mehr der Kopf herausschaue. Er tat’s und schwitzte in einer Viertelstunde schon dergestalt, daß der ganze Körper wie im Wasser schwamm. Sechsmal innerhalb zehn Tagen stieg der Bauer in so ein Heubad, und es hat ihn gründlich kuriert.

Nicht einem jeden würde ich solches raten. Aber nur derjenige, der es selbst probiert, kennt die große und auflösende Kraft solchen Heudampfes. Recht alte, tief eingewurzelte Übel können oft durch solchen unschädlichen Dampf ausgeleitet werden. Nach meiner Praxis würde derjenige diesen Heudampf am wirksamsten brauchen, der unmittelbar vom Dampfbade weg ganz rasch ein kaltes Halbbad nähme mit Waschung des Oberkörpers. Letzteres kräftigt zugleich ungemein.

Das ist nicht so dumm und überspannt, wie manchem dünken möchte. Das bewiesen neben vielen anderen einmal besonders zwei hohe Praktikanten. Zwei Herren aus hohem Stande haben sich durch ungefähr fünfzehn solcher Heudampfbäder dermaßen erholt, daß es ihnen unbegreiflich vorkam, wie durch so einfache Mittel, in so einfacher Weise eine Um-, gleichsam Neuschaffung im Organismus zustande gebracht werden könne.

Ich stehe nicht an, zu behaupten, daß schwächere Rheumatismen, Krämpfe, gewöhnlich Überreste und Überbleibsel nach schweren Krankheiten, leicht durch zwei bis vier solche Heudampfbäder vollständig zu entfernen wären.

Du siehst, mein lieber Landmann, was für Schätze du im Hause hast! Probier’s einmal! Im Sommer, im Heuet, wenn du recht müde bist, wirf ein paar Handvoll Heu oder Heublumen in heißes Wasser und laß es lau werden! So ein Fußbad von fünfzehn Minuten wird dir die Müdigkeit aus allen Gliedern ziehen.

Und wenn du einmal so ein Reißen oder Brennen verspürst, sei vernünftig! Du gönnst das Heilkraut jeden Tag deinen Vierfüßlern. Laß dessen Heilkraft auch mal deinen eigenen Körper kosten!

Ein Wirt erzählt:

„Ich habe oft so reißende Schmerzen im Kopfe, besonders wenn das Wetter anders wird, daß ich unfähig bin, meinem Berufe nachzukommen. Es kommen die Schmerzen in den Rücken, besonders auch in die Oberschenkel; wenn sie aber in die Füße kommen, kann ich nicht mehr gehen. Trinke ich ein Glas Bier, so kommt der Schmerz ganz schnell in den Kopf. Weil ich es schon Monate hindurch so stark habe, ist mir jede ordentliche Arbeit unmöglich, und das Leben wurde mir schon oft recht entleidet.“

Die Anwendungen waren folgende: 1) In der Woche zwei warme Haberstrohbäder, 30° R., von einer halben Stunde; darauf kräftig abwaschen oder ein kurzes kaltes Bad. 2) Jeden Tag einen Oberguß mit Knieguß. 3) In der Woche dreimal ganz waschen, so rasch als möglich, im Schweiß oder im Bette nachts. 4) Täglich am Morgen und am Abend eine Tasse Tee von fünf bis sechs frischen Holderblättern, fein zerschnitten, fünf Minuten lang gekocht.

In vier Wochen war dieser Wirt vollständig gesund, so daß seine Bekannten sein Aussehen als geradezu verjüngt erklärten.

Damit weiterhin diese Krankheit sich nicht wieder einniste, kann er alle Monate ein solches Bad nehmen und jede Woche ein- bis zweimal sich ganz waschen im Schweiß oder in der Nacht vom Bett aus.

Ein Gewerbsmann kommt und erzählt: „Bei mir sind beide Füße stark angeschwollen, ganz steif, und ich bin nie ohne Schmerzen, kann oft nicht eine Stunde in der Nacht schlafen; besonders in den Gliedern ist der Schmerz am heftigsten; meine Arme sind auch ganz steif und tun mir recht wehe; Appetit hätte ich; aber wenn ich esse, treibt es mich auf, so daß ich kaum mehr zu atmen vermag; ich kann fast gar nicht mehr gehen und bin so voll Schwindel, besonders beim Aufstehen, daß ich kaum mehr weiß, wo ich bin. Ärzte habe ich viele gehabt, habe recht viel eingenommen, aber soweit ich urteilen kann, hat sich meine Lage bei allem, was ich versucht habe, nur verschlimmert; ich habe mir schon oft den Tod gewünscht.“ Der Betreffende war ziemlich stark und sah mehr einem wohlgenährten Bräumeister gleich als einem Gewerbsmann, obwohl er nur einfache Kost hatte und nicht besonders viel Bier trank. Er war ungefähr fünfzig Jahre alt. Nach Aussage der Ärzte sollte Herzverfettung die erste Ursache zu diesem Elende sein.

In fünf Wochen war dieser Kranke von seinen vielen Übeln befreit, und er freute sich, seine Gesundheit wieder vollständig erlangt zu haben. Was hat ihm geholfen? 1) Die Füße wurden zuerst jeden Tag, dann jeden zweiten und später jeden dritten Tag mit Heublumen eingebunden, nämlich die Heublumen kamen auf die bloße Haut, ein Tuch wurde darüber gewunden, und zwar warm, zwei bis drei Stunden lang. 2) Jeden zweiten und später jeden vierten Tag mußte er ein Hemd anziehen, in Heublumen-Absud getaucht. Als die Geschwulst an den Füßen großenteils verschwunden war, bekam der Kranke jeden Tag einen Oberguß und Knieguß und auch Halbbäder. Dies wurde fünf Wochen fortgesetzt.

Grieß- und Steinleiden.

Gar oft kommt es vor, daß Grieß und Stein sich bilden in der Blase und in den Nieren. Wer je einen solchen Leidenden gesehen oder solche Leiden selbst erduldet hat, kennt diese fürchterlichen Schmerzen. Die Heilung mit Wasser ist sicher und schmerzlos, somit die leichteste und beste.

Obenan stehen hier die Haberstrohbäder. Es wird Haberstroh (wer dieses nicht zur Hand hat, nehme Zinnkraut oder saures Pferdeheu) gesotten, gegen eine halbe Stunde lang, und der Absud zu einem warmen Bad bereitet mit ungefähr 30° R. In dem Bade bleibt der Kranke eine Stunde und wäscht sich, damit das warme Bad ihn nicht zu welk mache, unmittelbar nach dem Aussteigen aus der Wanne mit frischem Wasser kräftig ab. Solche Bäder können in der Woche drei genommen werden. Nebenbei dienen vortrefflich in der Woche zwei bis drei kurze Wickel oder statt derselben nasse Auflagen über die schmerzlichen Teile (ein Linnentuch vier- bis sechsfach zusammengelegt, darüber die gewöhnliche, luftabschließende Umhüllung). Beide Anwendungen sind selbstverständlich stets nur im Bette vorzunehmen. Sie lösen die Grießsteine in Blase und Nieren auf und leiten dieselben aus. Doch soll gerade bei diesen Leiden der Tee nicht vergessen werden. Obenan steht der Hafertee.[39] Hafer wird eine halbe Stunde lang gesotten, und von dem Absud werden täglich zwei Tassen getrunken. Stärker noch als Hafertee wirkt Tee von Haberstroh, der auf dieselbe Weise bereitet wird. Zinnkrauttee ist kaum von einem anderen übertroffen. Noch nenne ich die Hagebutten, die gesotten gleichfalls einen recht heilsam wirkenden Tee abgeben; nur muß er längere Zeit hindurch genommen werden. Die Erfahrung lehrte mich, daß er besonders vor weiterer Ausbildung solcher Steine schütze. Die oben genannten Anwendungen sollen zwei bis drei Wochen zur Hälfte vorgenommen werden. Das Leiden wird sich unter dem Segen des Arztes aller Ärzte sicher verlieren.

Ein Herr, der nach meiner Weisung verfuhr, erzählte mir, es seien bei ihm innerhalb einiger Wochen viele hundert Steinchen abgetrieben worden.

Ein anderer Herr litt dermaßen an Grieß und Steinen, daß die Salzschärfe von innen selbst in die Füße drang, an denen sich eine Unzahl kleiner Geschwüre bildete. Mitunter quälte den ganzen Körper ein höchst unangenehmes Kitzeln und Beißen und Brennen. Dreißig Bäder innerhalb eines Jahres, der spanische Mantel, wöchentlich ein paarmal angezogen, Tee von obigen Sorten entfernten das Leiden und seine peinlichen Folgen vollständig.

Zum Schlusse noch ein Wort an die jüngere Generation, die so gerne das Alte verwirft, weil es eben alt ist und auf Vorurteilen oder Ungewißheit oder Bigotterie beruht, wie sie meint, und die stets und mit Hast nach Neuem strebt und greift.

Für alle Leiden, die zahlreicher und schmerzhafter auftreten, — und dazu gehört das eben besprochene; denn die Zahl der Leidenden ist Legion, und die Schmerzen sind oft zum Rasendwerden, — hat der Schöpfer liebevoll und weise vorgesorgt. Auf der ganze Erde läßt er die verschiedensten Pflanzen und Pflänzchen wachsen, welche die Schmerzen lindern, das Übel bessern und heilen. Die Menschen zwar haben — und das hat der Fortschritt gebracht (ob das Fortschritt ist?!) — diese Heilpflanzen vielfach, ja meistens aus den sogenannten Pharmakopöen, d. i. den Büchern, welche sämtliche Heilmittel enthalten, als „unwissenschaftlich“ und als „veraltet“ ausgestrichen; der allweise Schöpfer aber führt alle, jedes mit Namen, jährlich im großen Buche der Natur wieder auf. Keines noch hat er gestrichen, keinen Strauch und kein Blatt am Strauch; des Menschen wegen sind sie da, zu seiner Freude, zu seiner Wohlfahrt. Wer hat recht? Merkwürdig! Jedes Tier, besonders jedes wilde Tier, entspricht, wenn auch naturnotwendig, den weisen Absichten seines Herrn und Schöpfers. Vom Instinkt, vom inneren Naturdrang getrieben weiß es bei jedem Schmerz, bei jeder Wunde das heilende Kraut aufzufinden. Unsere Altvordern und mancher, der bald in die Grube steigt, dessen Ansichten mit ihm selbst längst aus der Mode gekommen, taten ebenso.

Ich lobe den Fortschritt in vielen Wissenschaften und freue mich desselben. Aber nicht alles ist auch in Wahrheit Fortschritt, was diese modern klingende Aufschrift trägt.

Mein Büchlein ist in erster Linie für Arme und für Kranke auf dem Lande geschrieben, und ihnen sage ich: „Danket eurem Schöpfer auch für diese guten, ja oft besten Gaben und beneidet die anderen, die Reichen, nicht!“

„Bleibt ruhig bei euren unschuldigen Pflanzenmitteln! Ob dieselben innerlich oder äußerlich angewendet werden, ihr habt (selbst wenn sie in einem Falle nicht richtig gewählt werden) die Versicherung, daß sie euch nichts schaden können. Lasset den Reichen ihre Mineral- und Giftstoffe, mögen sie was immer für Namen führen und in der weiten Welt wo immer zu finden sein!“

Das würde mich schmerzen, wenn auch ihr Gottes Gabe, die Heilpflänzchen, die der Herr vor eurem Hause, auf dem Acker, auf der Wiese wachsen läßt, mit Füßen treten würdet. Da könnte und möchte auch ich, der ich es sonst so gut mit euch meine, euch nicht mehr helfen!“

Hämorrhoiden.

Die Hämorrhoiden (Goldadern nennen sie die gewöhnlichen Leute) können teils mit zum Erbteil der Eltern gehören, teils in Folge der Lebensweise entstehen. Stubensitzer, Aktenmenschen, Studierte, Feinschmecker usw. werden viel von dieser Blindschleiche geplagt. Der Landmann, der jahraus jahrein Kartoffeln und einfache Mehlkost ißt und das Fleisch nur an den Sonn- und höheren Festtagen sieht, bei dem an Stelle des Bieres und starker Weine die Milch und der Apostelwein (Wasser) tritt, der täglich draußen und daheim schwere Arbeit tut, kennt diese Blutsauger oft kaum dem Namen nach.

Diese Hämorrhoiden sind ein lästiges, ein überaus lästiges, wenn auch im Beginne und oft Jahre, ja das ganze Leben hindurch ungefährliches Übel. Schon das Jucken und Brennen ist recht unangenehm, manchmal sehr peinlich, peinlicher noch die drückende Einwirkung auf das Gemüt; sie machen mißmutig, launenhaft, gereizt. Es gibt Fälle, in denen sie das Leben schrecklich verbittern und die Gereiztheit bis zum Wahnsinn steigern.

Daraus wird schon klar, daß Gleichgültigkeit und Mißachtung dieses Leidens schlecht am Platze ist. Man soll sorgen, daß sich das Übel nicht zu stark vermehrt, daß es mit der Zeit nicht einen bösartigen Charakter annimmt.

Doch was sind denn eigentlich Hämorrhoiden, wie entstehen sie? Sicherlich hat jeder Leser schon einen Truthahn gesehen, auch die häutigen Säcke, die ihm vorn am Halse hängen, bisweilen wie leere Taschen ohne jeden Inhalt. Wenn aber so ein Welscher zornig wird, dann füllen sich diese Säcke mit Blut, und die Taschen werden wie rote Kugeln. Solche Kugeln, blut- oder schleimgefüllte Taschen sind die Hämorrhoiden, mögen sie im oder am Körper auftreten, wo sie wollen, blinde oder sehende (fließende, blutende) Hämorrhoiden sein.

Die Adern sind elastische, dehnbare Röhren. Je mehr das Blut ungeregelt an eine Stelle dringt, desto mehr dehnen sich die Adern aus, am meisten da, wo das Blut sich sammelt, staut, gleichsam kleine Blutteiche bildet. Es entstehen kleine Knoten wie Warzen an der Hand oder im Gesicht, und diese Knoten sind mit Blut gefüllt. Treten dieselben innerhalb des Körpers im Mastdarm usw. auf, so heißen sie die blinden Hämorrhoiden; dagegen nennt man sie die sehenden, wenn die Knoten außerhalb am After erscheinen.[40]

Von Zeit zu Zeit brechen solche Knoten auf, und ihr Inhalt ist brauner Schleim, häufig jedoch reines Blut. Beim Aufbrechen der Knoten wird dem Leidenden leichter und wohler; gefüllt und in großer Zahl bereiten sie ihm viel Leid und manche Schwierigkeiten. Nicht bloß am After und im Mastdarm bilden sich diese Aderauswüchse. Bei großer Entartung kommen sie selbst im Innern des Körpers an den Blutgefäßen vor. Wie die Plünderer sich den regulären Truppen anschließen, so verfolgen diese Blutsauger die Adern, besonders die Hauptadern.

Je zahlreicher die Knoten auftreten, und je öfter sie aufbrechen, um so schadhafter müssen die von ihnen besetzten Teile werden. Daher kommt es nicht selten vor, daß an den betreffenden Stellen bösartige, unheilbare Geschwüre entstehen, wie Mastdarm-Krebs, -Fisteln, -Geschwüre usw.

Überaus peinliche Mehrung des Leidens können die sogenannten Madenwürmer bringen, kleine Würmchen im Innern des Mastdarmes. Wie die Zacken in die Haut, so bohren sich diese in den Mastdarm ein. Bei großer Anzahl zerfressen sie den Mastdarm, und die Folgen davon sind leicht bösartige Geschwüre.

Die Behandlung der Hämorrhoiden mit Wasser ist leicht und erzielt in den meisten Fällen sicheren Erfolg.[41] Die Zahl derer, denen so Hilfe ward, kann ich als sehr groß bezeichnen und beifügen, daß alle Fälle glücklich verliefen.

Greifen wir zuerst die Madenwürmer an, diese Afterblutegelchen, wenn solche vorhanden sind! Sie verraten sich meist durch ein Zwicken, Beißen, Nagen, Krabbeln in der Aftergegend (obgleich ein solches auch jedesmal die Neufüllung der Knoten begleitet). Man nehme ein, zwei oder drei kalte Klistiere schnell nacheinander und lasse dieselben gleich wieder abgehen. Kommt das kalte Wasser in den Mastdarm, so hängen sich die Madenwürmer vom After gleichsam aus, wie der Blutegel von der Blutstelle, wenn ich selbe mit Salz bestreue. Geht das Klistier gleich wieder ab, so schwemmt es die losgelösten Peiniger mit hinaus. Wiederholt man dieses zwei- bis dreimal, so gehen (das ganze Verfahren kann wöchentlich zwei- bis dreimal stattfinden) recht viele, zuweilen alle ab.

Haben wir es mit Hämorrhoidalknoten allein zu tun, so merke man sich folgendes: von Stellen, wo zu viel Blut hinströmt, muß dasselbe abgeleitet werden; Gefäße, die zu sehr ausgedehnt wurden und eben deshalb zu weit auseinandergehen, sind zu verengen, Unreinigkeiten und verlegene Ware auszuscheiden.

Für alle diese Zustände dient folgende Anwendung gut: Man bereite sich im Bette einen Unteraufschläger, d. i. in unserem Falle ein recht dickes, vielfach zusammengelegtes, ins kälteste Wasser getauchtes Linnen, so lang, daß es den ganzen Rücken bedeckt und am untern Ende bis über den After hinausreicht, so breit, daß es den Rücken deckt. Darauf lege man sich drei Viertelstunden lang und wiederhole die Anwendung wöchentlich drei- bis viermal. Sollte das Tuch vor den verflossenen drei Viertelstunden warm sein, so werde es entfernt und besser nochmals eingetaucht.

Als fernere Anwendung tut es sehr gute Dienste, wenn solche Leidende in der Woche drei- bis viermal ein Sitzbad nehmen, kalt und kurz. Man kann dasselbe an einem halben Tage oder auch nachts vom Bette aus zwei- bis dreimal wiederholen, nie länger als ein bis zwei Minuten. Auch diese Anwendung wirkt wie die obige zugleich auf die vorhandenen Hämorrhoiden und deren Entstehungsursachen im Unterleibe.

Wer bei vorhandenen Hämorrhoiden in jedem Vierteljahr innerhalb ein bis zwei Wochen eine der beschriebenen Kuren durchmacht, darf sicher sein, daß das Übel ohne alle erheblichen Folgen bleibt und, wenn es nicht ganz verschwinden sollte, gewiß nie lästig wird. Wem solches zu anstrengend erscheint und zu schwer, dem weiß ich in Gottes Namen keinen Rat.

Bezüglich der Nahrung mache ich nur auf einen Punkt aufmerksam, der nach meinem Dafürhalten nicht genug gewürdigt wird. Viele der Hämorrhoidarier haben angefangen, statt des modernen Hausbrotes Kleienbrot zu essen, und sie behaupten, seit dieser Zeit verspüren sie von dem Leiden durchaus keine erhebliche Belästigung mehr, wenn dasselbe auch nicht vollständig gehoben sei. Dieses Kleienbrot möchte ich sehr empfehlen, es sollte eine Zukunft haben. Nicht bloß bei einzelnen, allgemeine Verbreitung sollte es finden (auch aus anderen Gründen) als gesundes, kräftiges Nahrungsmittel. Aber wohl gemerkt, nur das echte Kleienbrot, nicht das verfälschte oder nachgeäffte! Die strafbare Verfälschungssucht hat sich leider auch schon dieses Artikels bemächtigt. In einer Großstadt des Auslandes fand ich einst Kleienbrot (dasselbe ist bekanntlich sehr schwer) so leicht wie anderes Brot. Ich durchschnitt den Wecken. Inwendig war es Brot wie anderes Brot; nur über die Rinde her hatte der kluge Bäcker die Kleie gestreut, wie man sonst Kümmel oder Anis streut. Ich fügte meiner Apotheke zum Schlusse das Rezept für [Kleienbrotbereitung] bei;S. 3$1 oben S. 159.

Halsbräune.

Ein Vater kommt und klagt, seine Tochter, vier Jahre alt, habe die Halsbräune. „Das Kind hat es,“ sagt er, „gerade wie die drei anderen Kinder, welche alle gestorben sind. Sie starben sehr schnell; auch dieses Kind wird schnell sterben. Schon kann es fast nicht mehr atmen und nicht mehr husten. Kopf und Leib sind ganz aufgetrieben. Was soll ich tun? Vier Stunden brauche ich, um den Arzt zu holen, und bis dahin ist mein Kind tot.“ Die Antwort lautete: „Hausvater, gehe gleich heim, mache etwas Wasser, das mit Essig gemischt ist, heiß, tauche ein Handtuch ein, winde dieses aus und wickle damit den ganzen Hals des Kindes gut ein! Darüber bringe noch ein trockenes Tuch und lasse den also übergelegten Wickel drei Viertelstunden lang liegen! Dann tauche das Tuch von neuem in Wasser und Essig! So fahre sechs Stunden lang fort, aber alle drei Viertelstunden den Umschlag von neuem naß machend! Nach Verlauf der sechs Stunden mache den Hals frei, ihn leicht bedeckend! Sodann appliziere dem Kinde mit demselben Handtuch, das du zu diesem Behufe wieder in Wasser und Essig eintauchst, einen kurzen Wickel! Darüber lege eine trockene Hülle und decke das kranke Kind gut zu, sorgfältig, aber nie zu stark! So soll die Kleine eine Stunde lang ruhen bleiben. Nach einer Stunde entferne die Hülle und lasse das Kind, nicht mehr als gewöhnlich bedeckt, im Bette liegen! Sollte nach sechs bis acht Stunden noch schweres Atmen und Husten vorhanden sein, so kannst du den Umschlag um den Hals nochmals, wie oben gesagt, erneuern und denselben ein bis zwei Stunden lang umlegen. Wenn er nach Verlauf einer Stunde recht heiß ist und dem Kinde recht bange werden sollte, so tauche das Tuch von neuem ein! Du wirst die Wirkung erfahren.“

Der Vater tat, wie ihm befohlen, und nach 30 Stunden war das verloren geglaubte Kind wieder gesund, frisch und munter.

Heilung wäre auch dann erfolgt, wenn man das Tuch in recht kaltes Wasser (mit halb Essig) eingetaucht und das Eintauchen alle drei Viertelstunden erneuert hätte. Bei Nichtabnahme der Hitze hätten noch die Füße bis über die Waden mit eingewickelt werden können.

Halsleiden.

Andreas fängt zu erzählen an, wie folgt: „Ich kann fast nicht mehr reden, manchmal will’s gar nicht mehr gehen. Ich hatte so einen arg bösen Finger. Damals habe ich’s das erstemal bekommen, daß ich nicht mehr reden konnte; jetzt wird mein Finger wieder bös. Sonst habe ich den besten Appetit, und es fehlt mir gar nichts. Der Arzt hat gesagt, das Halszäpfchen sei zu lang und müsse abgeschnitten werden. Das will ich aber nicht tun lassen.“

Das Aussehen des Mannes zeigt einen etwas gefüllten, aufgedunsenen Kopf; die linke Seite desselben, vom Ohre abwärts, zeigt eine kleine Anschwellung. Man sieht recht gut, daß das Normalgesicht etwas gestört ist, und Kopf und Hals sind mehr noch als im Äußeren im Inneren angelaufen, aufgedunsen, daher im allgemeinen Verengung in diesen Organen, daher die Halsbeschwerden. Unstreitig ist der kranke Finger das erstemal nicht gehörig geheilt, der Giftstoff nicht ganz entfernt worden. Wer den Krankheitsstoff jetzt völlig ausleitet, den Körper säubert, der hat auch dem Halse geholfen. Zu dem Zwecke wirke man ableitend zuerst auf den ganzen Körper ein, sodann im besonderen auf die Kopfteile. Ersteres geschieht durch die Anwendung des Sackes und die Umlegung des Schals. Der Sack steht dem Bauersmann am ehesten zu Gebote. Er schlüpfe in denselben, nachdem er ihn zuvor in Haberstrohabsud eingetaucht hat. Dieses tue er drei Tage nacheinander, je 1½ Stunden. Vom vierten Tage an beziehe er die nicht mehr ungewohnte Wohnung jeden dritten Tag. Den Schal trage er täglich eine Stunde lang. Nach vierzehn Tagen kann er Ganzwaschungen vornehmen zweimal in der Woche, und einmal in der Woche soll er den spanischen Mantel tragen. Wenn das Halszäpfchen noch Beschwerden macht, kann er ein paar Kopfdämpfe vornehmen, natürlich an verschiedenen Tagen. Dem Übel wurde gründlich gesteuert.

Ein Priester erzählt: „Im Laufe des Sommers 1887 verspürte ich zeitweilig ein leichtes Schmerzgefühl im Hals, das vorübergehend und mit leichtem Hustenreiz verbunden war. Bei längerem Reden in der Katechese, auf der Kanzel und im Beichtstuhl wurde die Stimme nach und nach kraft- und klanglos und drohte zu versagen. Das Übel steigerte sich in den Monaten September und Oktober; es entstand ein heftiger Rachenkatarrh, und der Arzt fand auch die obere rechte Lungenspitze affiziert. Ein drei monatlicher Aufenthalt in Meran, Pinseln und Gurgeln und Bergsteigen, nichts vermochte das Leiden zu entfernen. Um Neujahr herum war ein Arzt sogar in Versuchung, eine kleine Operation vorzunehmen, doch unterblieb sie. Endlich entschloß ich mich am 25. Januar, da mein Urlaub dem Ende zuneigte, in sehr gedrückter Stimmung Meran zu verlassen und Wörishofen aufzusuchen. Die Wasseranwendungen, täglich zweimaliger Oberguß und Wassergehen, brachten mir alsbald Erleichterung im Hals; der Schmerz nahm ab, die Stimme wurde kräftiger und bekam wieder Klang, und an Lichtmeß vermochte ich schon in D. eine kurze Homilie und ein Amt zu halten. Aber die Stimme war noch heiser, und ich hatte nachher auch eine ganz leichte Schmerzempfindung im Hals, die aber bald wieder aufhörte. Von acht Tagen zu acht Tagen verspürte ich Besserung. Nach drei Wochen war meine Stimme so kräftig und rein wie früher; ich konnte wieder in die Seelsorge eintreten und meinen Pflichten voll und ganz nachkommen.“

Harnbeschwerden.

Eiligst wurde ich einst zu einem 70jährigen Zimmermann gerufen, um ihn möglichst schnell für die Ewigkeit vorzubereiten. Er habe, hieß es, entsetzliche Schmerzen, er könne nicht mehr Wasser machen. Bald stand ich im Hause des Kranken. Allein als Seelsorger konnte ich nichts machen; denn der Mann lief in seinem Zimmer umher und schrie vor Schmerzen; keinen Augenblick konnte er ruhig bleiben. Mit ihm jammerte und weinte seine Frau, die ratlos dasaß. Ich gab ihr an, eiligst strudelndes Wasser zu machen und zugleich einen Leibstuhl herzurichten. In den Topf solle sie eine Handvoll Zinnkraut bringen. Ich bemerke, daß der Arzt zwei Stunden weit entfernt wohnte, und gewiß hätte derselbe den Mann nicht mehr unter den Lebenden getroffen. Das Wasser sprudelte, die Frau goß es in den Topf über das Zinnkraut. Der Kranke ging auf den Stuhl und ließ den heißen Zinnkrautdampf die schmerzenden Stellen beräuchern. So solle er, befahl ich, 20–30 Minuten sitzen bleiben und darauf ins Bett gehen. In einer Stunde, fügte ich bei, werde ich wieder kommen und ihn zum Sterben vorbereiten. Nach einer Stunde kam ich, fand den Mann aber ganz ruhig im Bette in großem Schweiße. Freudigst erzählte er mir, es seien schon zwei Liter Wasser abgegangen, und er fühle nicht mehr die geringsten Schmerzen. Die Vorbereitung zum Sterben konnte unterbleiben. Tags darauf nahm der Mann nochmals so einen Dampf zwanzig Minuten lang; am dritten Tag hielt er Rasttag, und am vierten ging er wieder an sein gewohntes Handwerk.

Der Mann hatte sich erkältet und so das Übel sich zugezogen. Unglaublich ist es, was so ein einfaches Kräutlein, schnell und richtig angewendet, in den bittersten Leidensstunden an Hilfe bringt.

Ein Bauer bekam ein ähnliches Leiden. Beim größten Drang und unter namenlosen Schmerzen wurde ihm vom Arzte mit dem Katheter Wasser abgezogen. Der Katheter brach, und zu dem alten Leiden kam ein neues, fast noch furchtbareres. Es war ein Martyrium, bis endlich das abgebrochene Stück aus dem Leibe war herausgebracht worden. Eine schreckliche Entzündung bildete sich, so daß an einen Katheter nicht mehr zu denken war. Der Arzt suchte durch ein Instrument in die Blase einzudringen. Doch der zweimalige Stich mißlang, und der Arzt ordnete an, der Kranke solle schleunigst auf den Tod vorbereitet werden, Rettung sei keine mehr möglich. Der betreffende Priester kam bald. Zufällig hatte dieser von dem Mittel gehört, mit dem ich den ersten Fall geheilt. Rasch wurde es auch hier angewendet, und die Wirkung blieb nicht aus. Die Blase entleerte sich, alle Entzündung hob sich, und der Kranke wurde vollständig gesund. Täglich nahm er zwei solcher Dämpfe.

Noch kann empfohlen werden, neben der äußerlichen Anwendung aus Zinnkraut einen Tee zu machen und diesen Tee (täglich eine Tasse auf zwei bis drei Portionen verteilt) zu trinken.

Ein armer Taglöhner hatte mehrere Wochen hindurch große Beschwerden der angegebenen Art. Das Übel steigerte sich von Tag zu Tag. Er wendete Zinnkraut-Dämpfe an; doch sie wollten dieses Mal so gute Wirkung nicht hervorbringen. Die Dämpfe allein waren zu schwach, ihre Wirkung mußte durch eine weitere Anwendung verstärkt werden. So wurde Zinnkraut ausgesotten, ein vierfach zusammengelegtes Linnen in den heißen Absud getaucht, dieses etwas ausgewunden und so auf die leidende Stelle gelegt. Täglich ein Zinnkrautdampf und täglich eine solche Auflage während zwei Stunden, das genügte. In wenigen Tagen war das Übel geheilt. Erkältung, wie beim ersten Fall, war auch hier die Ursache des Leidens, wenn auch nicht die einzige Ursache; Nebenumstände traten hinzu. Der freigewordene Urin ließ erkennen, daß viel „Krankes“ im Innern gelöst wurde.

Bei einem ähnlichen Falle habe ich statt des Zinnkrautes warmes Wasser, mit Essig gemischt, angewendet. Die also genetzten und übergelegten Tücher taten dieselbe gute Wirkung.

Eine Hausmutter lag schon neunzehn Wochen zu Bette und gebrauchte immer ärztliche Hilfe. Die Ärzte erklärten das Übel als Blasenkrebs. Die Schmerzen waren oft so groß, daß die Nachbarn die arme Frau schreien hörten. An ein Aufkommen wurde längst nicht mehr gedacht. Ich riet dem armen Weibe, es solle Zinnkraut sieden, ein Tuch in den Absud tauchen, in das etwas ausgewundene Tuch das ausgekochte Zinnkraut selbst legen, einbinden und so vorne auf die schmerzhafte Stelle legen oder binden. Nach der ersten Anwendung fühlte die Kranke Linderung. Sie tat so fünf Tage lang, drei- bis viermal täglich, jedesmal gut gemessene zwei Stunden. Dreimal täglich nahm die Frau auch innerlich Zinnkrauttee. Am fünften Tage ging ein Salzstein ab unter unsäglichen Schmerzen. An dem ausgeschiedenen Steine konnte man recht deutlich sehen, daß sich Teile davon abgelöst hatten. Das Übel war gründlich kuriert, der fatale Krebs mitsamt den Scheren richtig gefangen.

Ein 64 Jahre zählender Mann, sonst kräftig und gesund, konnte nicht mehr das Wasser lassen. Er ließ den Arzt rufen. Dieser gebrauchte den Katheter und erklärte, daß es für dieses Übel keine Medizin mehr gebe. In der Tat mußte er alle 24 Stunden zu der unliebsamen Operation geholt werden. Nach vier Tagen stellte sich im ganzen Körper des Mannes große Fieberhitze ein, und, was ganz fatal war, er sollte nichts trinken. Zwei Übel quälten so den armen Körper. Der Arzt hatte wenig, fast keine Hoffnung mehr. Ich wurde befragt und gab den Rat, der Kranke solle mit dem Rücken auf ein mehrfach zusammengelegtes, in warmes Wasser getauchtes Linnen sich legen, drei Viertelstunden lang, dasselbe Tuch sodann neu eingetaucht dem Unterleibe applizieren (Unter- und Oberaufschläger) in der Dauer einer Stunde. Schon nach der ersten Anwendung gingen 1½ Liter Wasser ab. Dieselbe wurde im Anfange täglich zweimal, nach einiger Zeit nur einmal erneuert. Nach innen nahm der Patient täglich in drei Portionen oder Absätzen eine Tasse Tee von Zinnkraut, Wacholderbeeren oder Attichwurzeln (fünf Minuten in Wasser gesotten). Rosmarin, in Wein angesetzt, selbst Wacholderbeeren allein, in Wasser gesotten und als Tee getrunken, hätten gleichfalls gute Dienste getan. Das erste Übel mit seinen Schmerzen ließ nach, auch die Hitze verschwand gänzlich. Der Mann fühlt sich seit dieser Kur gesünder als früher.

Ein Bauer, ungefähr 42 Jahre alt, erzählt:

„Ich bin seit vier Jahren leidend, und mein Leiden steigert sich von Monat zu Monat; ich habe Beschwerden beim Wassermachen. Über eine halbe Stunde auszuhalten ist mir unmöglich, und wenn es länger andauert, so steigert sich das Leiden derart, daß ich heftige Krämpfe bekomme, und erst wenn diese Krämpfe ausgetobt, geht nur wenig Wasser ab. Ich habe schon viele Ärzte gehabt, geholfen hat gar nichts; habe 80 Flaschen Mineralwasser getrunken auf Empfehlung eines Münchener Arztes; ein klein wenig half es, aber das Übel ist nicht im geringsten gehoben. Ich muß jede halbe Stunde die Nacht hindurch aufstehen, und dann geht ein wenig Wasser ab, und geschieht dies nicht, so mache ich das Leiden immer noch bitterer. Ich bin sonst ganz gesund, habe, wie jedermann sagt, ein gutes Aussehen, trinke selten Bier; es wird darauf nur noch schlimmer, und ich war nie besonders daran gewöhnt. Was ist zu tun?“

Anwendung: 1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem Haberstroh, 30–32°; zehn Minuten ins warme, dann eine halbe Minute ins kalte, dann wieder zehn Minuten ins warme Bad, so dreimal. 2) Die übrigen Tage, an jedem Tag ein kurzer Wickel von unter den Armen bis an die Knie, ebenfalls in Haberstrohwasser getaucht, wenn’s geht, eine Stunde lang; so 12–14 Tage fortmachen. 3) Täglich drei kleine Tassen Tee trinken von Zinnkraut und Wacholderbeeren, zehn Minuten lang gesotten.

Ein Knecht bekam große Beschwerden im Urinieren. Es ging nur wenig und langsam Harn ab und unter heftigen Schmerzen.

Der Arzt erklärte, nicht anders helfen zu können als durch Entleerung mit Katheter einige Zeit hindurch jeden zweiten Tag. Das Übel nahm indes immer mehr zu, die Schmerzen steigerten sich.

Der Knecht nahm nun täglich zweimal je 25–30 Tropfen von Wacholder- und Hagebutten-Geist in einem Weinglas voll Wasser. Schon in einem halben Tage merkte er Besserung, nach zehn Tagen war das Übel ziemlich gehoben. Zur Abwechslung nahm er noch weiter den einen Tag Wermuttropfen statt der obigen und wurde so in kurzer Zeit befreit.

Recht empfehlenswert ist für solche Zustände, für Blasenleiden, überhaupt für Grieß, einen Absud zu trinken von Blättern des schwarzen Johannisbeerstrauches. — Solcher Tee hat selbst in ganz schwierigen Fällen schon vorzügliche Dienste getan.

Heiserkeit.

Ein Mädchen mit elf Jahren hatte die Stimme seit mehreren Monaten so verloren, daß sie nur mit größter Mühe auf krächzende Weise sich verständlich machen konnte. Die Farbe war ganz weiß, die Augen bläulich, und dabei bemerkte man hochgradige Abmagerung und Entkräftigung. Die Naturwärme war wie verschwunden, auch kein Appetit war mehr da außer zu etwas Bier und Wein.

Innerhalb zwei Monaten war das Mädchen gänzlich geheilt und gekräftigt, und zwar durch folgende Anwendungen: 1) Täglich zwei- bis viermal barfuß im Gras gehen. 2) In der Woche drei- bis viermal einen Schal umlegen. 3) In jeder Woche viermal ein Sitzbad. 4) Bei warmer Temperatur während der letzten drei Wochen im Sonnenwasser baden, dreimal wöchentlich.

Die Kost bestand in einfacher Hausmannskost, besonders in Milch, halbtageweise einen Eßlöffel voll jede Stunde.

Nach eingetroffener Nachricht ist das Mädchen jetzt ganz wohl und gesund.

Ein geistlicher Herr litt an Heiserkeit, und zwar stets vom Oktober bis Mai. Er versuchte alles, zog mehrere Ärzte zu Rate, aber umsonst. Das Leiden blieb das alte vierzehn Jahre hindurch. Endlich suchte er bei mir Hilfe, und in auffallend kurzer Zeit bekam er sie.

Der Herr mußte täglich bis an die Knie ins Wasser stehen und zugleich beide Hände in dasselbe halten. Außerdem mußte er Ganzwaschungen vornehmen, meistens beim Aufstehen oder während der Nacht beim Aufwachen.

Schon nach zwölf Tagen war das jahrelange Leiden gänzlich verschwunden, und seit 16 Jahren hat es sich nie wieder eingestellt.

Ein Beweis, wie gründlich das Wasser heilt.

Herzleiden.

Unzählig viele in unseren aufgeregten Zeiten lebende Menschen werden als nerven-, magen- und herzleidend bezeichnet. Das Herz, der Magen und die Nerven, das sind die Sündenböcke, die für gar vieles herhalten müssen. Wenn einer 20, 30 Jahre gesund war, wenn er bis dahin, ich möchte sagen, gar nie fühlte, wo sein Herz liegt, und er fängt zu kränkeln an, da soll’s auf einmal ein Herzleiden sein, vielleicht gar noch ein organischer, unheilbarer Herzfehler. Wohlfeile Ausreden! Meine ganze, bisherige Erfahrung — es sind mir unzählige solche Fälle vorgekommen — strafte die meisten dieser Herzfehler, ob sie nun an den Adern, an den Klappen oder anderswo liegen sollten, Lügen. Unter hundert Fällen, in denen die Betreffenden selbst sich entweder für herzleidend hielten oder dafür gehalten wurden, fanden sich ganz auffallend wenige mit wirklichen, ausgebildeten Herzleiden behaftete Patienten vor. Das Herz gehörte mit zu den gesündesten Organen; aber das ist wahr, es geschahen Einflüsse, Einwirkungen auf das Herz, die es für den Augenblick leidend machten. Die gesündeste Katze wird schreien, wenn man sie in den Schwanz kneift. Die beste Uhr wird nicht mehr gehen, wenn ich die Uhrgewichte aushänge. Torheit wäre es, zu sagen, die Uhr sei schlecht. Die wundervollste Flöte hat ausgeblasen, wenn ich die Klappen zubinde oder verrosten lasse. Das gesündeste Herz kann in seiner Tätigkeit gehemmt, gestört werden, wenn irgend ein Feind, der im Körper sitzt, ihm sozusagen den Hals zuschnürt. Man suche diesen Feind, man hebe gewisse Übelstände, und keine Spur eines Herzleidens wird mehr vorhanden sein. Mich bringt es immer auf, wenn es nur heißt: Herzleiden, Herzleiden! Man ängstigt ohne Grund die Leute und fügt Aufregung zu der leider schon in übergenügendem Maße vorhandenen Aufregung.

Ein Mann, in den besten Jahren stehend, klagte mir, er habe nach Aussage der Ärzte ein Herzleiden; das Herz dehne sich zu sehr aus. Ich erkundigte mich genau, ob er je krank gewesen sei. Er verneinte dieses, fügte aber nach einigem Besinnen bei, das müsse er sagen, er habe an einem Fuß (Bein) unter der Kniebeuge einen Ausschlag. Das war mir genug. Die kräftige Mannesnatur selbst hatte sich in der wunden Stelle sozusagen den Kanal gegraben, durch welchen sie die ungesunden Säfte aus dem Körper ausschied. Meine Aufgabe bestand einzig darin, der sich selbst heilenden Natur Kanal-Reinigungsdienste zu tun, d. h. mitzuhelfen, daß ja aller kranke Stoff recht rasch und gründlich hinausgeworfen werde. Auf das Herz geschah nicht die geringste Einwirkung. Der Kranke bemerkte noch: so oft der Ausschlag stärker auftrete, sei’s ihm um die Herzgegend herum ganz wohl; wenn der Ausschlag aber ganz oder größtenteils verschwinde, dann stelle sich jedesmal ein fürchterliches Herzklopfen ein. Das war alles Wasser auf meine Mühle. Der Mann erhielt in der Woche zwei kurze Wickel, einen Unterwickel, einen spanischen Mantel und einen Fußdampf. Wurde durch den spanischen Mantel auf den ganzen Körper auflösend und ableitend eingewirkt, so durch den kurzen Wickel hauptsächlich auf den Unterleib. Der Unterwickel vollendete die Arbeit des kurzen Wickels, und der Fußdampf zog den etwa noch vorhandenen Krankheitsstoff mit nachhaltiger Wirkung nach unten. In ungefähr drei Wochen schied der Körper überaus viel, ich hoffe, alles Ungesunde aus. Das Herzleiden war spurlos verschwunden. Wenn demnach in früherer Zeit und auch nach Heilung des kranken Körpers kein Herzleiden da war, kann und darf ich da nicht mit Fug und Recht behaupten, daß überhaupt niemals und zu keiner Zeit ein solches vorhanden gewesen ist?

Nachts 10 Uhr wurde ich zu einer Hausmutter gerufen, die nicht mehr reden konnte des schweren, harten Atems wegen. Der Herzschlag war so stark, daß man seine Bewegung auf der Bettdecke ganz gut bemerkte und sein Hämmern selbst in einiger Entfernung deutlich hörte. Im Gaumen der Kranken schmeckte es ganz süß; sie selbst fürchtete am Blutsturze zu sterben, woran auch ihre Mutter in demselben Jahre bereits gestorben war. Der behandelnde Arzt erklärte, es seien mehrere Leiden vorhanden, in erster Linie aber ein Herzleiden. Die Hände und die Füße waren ganz kalt, und fortwährend quälte ein Drang zum Husten.

Hände kalt, Füße kalt, ungewöhnlich starker Herzschlag! Was besagt dieses? Es muß wohl alles Blut von der Ferne (den Extremitäten) seiner ursprünglichen Heimat, dem Herzen, zugelaufen sein. Und es sucht wieder einen Ausweg. Daher das Klopfen und Hämmern, als wollte es gleichsam die Riegel (die Klappen) und die Herztore sprengen. Du hast ja schon gesehen, was für einen Spektakel es gibt, was für ein Brausen und Tosen, wenn bei starkem Regen das Wasser an einen Ort zusammenströmt und keinen Ausweg mehr findet. Mit Gewalt will es sich Bahn brechen.

Der fürchterliche Herzschlag der Frau wurde in fünf Minuten dadurch bedeutend vermindert, daß ein doppelt zusammengelegtes nasses Handtuch auf den Unterleib gelegt wurde, wohin das Blut, welches sich, gut behandelt, wie ein Kind an der Hand führen läßt, bald eine Ableitung fand. Nach zehn Minuten war der Herzschlag ruhig; dem Herzen, worin der Hauptfehler steckte, fehlte schon nichts mehr. Die Kranke nahm als weitere Anwendungen am ersten Tage im Bette zwei Ganzwaschungen vor; am zweiten Tage bekam sie den spanischen Mantel, am dritten einen Kopfdampf, am vierten einen Fußdampf. In dieser Reihenfolge setzte sie die Übungen eine Zeitlang fort. Der Unterleib, der am längsten nicht Vernunft annehmen wollte, war der Hauptübeltäter und bei dem heftigen Überfalle in der Nacht jedenfalls der Rädelsführer und Anstifter gewesen. Das Wasser indessen kühlte zuletzt auch ihm das Mütchen, und alles war wieder gut, sehr gut auch das Herz, dem, so viel ich weiß, auch später nie mehr etwas gefehlt hat.

Ein Herr von Stand war längere Jahre schon leidend und konnte nur mit großer Mühe seinem Berufe nachkommen. Eine ungewöhnliche Ängstlichkeit vermehrte seine Peinen. Das kleinste Vorkommnis brachte ihm Herzklopfen, Erregtheit, Furcht. Seine Umgebung mußte sehr vorsichtig sein im Berichterstatten: Freude und Leid bewirkten stets Störungen im Herzschlag. Zur Sommers- wie Winterszeit mußte geheizt werden, und es erheischte ein fortwährendes Aufpassen, daß die Zimmer ja stets ihren bestimmten Wärmegrad hatten. Die berühmtesten Ärzte wurden zu Rate gezogen; sie kamen bei den Beratungen darüber überein, der Patient habe, abgesehen von angegriffener Lunge, Leber und Hämorrhoiden, einen organischen Herzfehler, der wohl mit einem Herzschlage enden werde. Der Herr starb wirklich. Des merkwürdigen Leidens wegen wurde der Leichnam seziert. Und was stellte sich heraus? Daß Lunge, Leber und Herz mit zu den gesündesten Organen gehörten, daß sich nur um das Herz eine Masse von Speck angesetzt, desgleichen auf der Brust eine Schichte Speck gebildet hatte. Der Herr starb also eigentlich an Blutmangel. Das Blut ging aus, da es durch Muskel- und Speckbildung gänzlich absorbiert, aufgezehrt wurde. Ein Arzt selbst, der dabei war, hat mir dieses erzählt, und hat hinzugefügt: „Bei diesem Falle ist die Wissenschaft wieder einmal gründlich betrogen worden.“

Ein Mädchen klagt: „So oft ich schnell gehe oder über etwas erschrecke oder etwas fürchte, desgleichen so oft ein Unglück erzählt wird, fühle ich stets einen argen Druck in der Herzgegend, und das Herz klopft so heftig, daß ich Furcht bekomme, ich müsse plötzlich sterben. Dabei werden Hände und Füße kalt, und in das Herz kommt eine große Hitze. Ich habe eben, wie mir auch von zwei Ärzten gesagt worden ist, ein Herzleiden.“ Ein Herzleiden natürlich, was könnte es denn anders sein?

Wie klar, wie sonnenklar liegt hier die Sache! Wenn ein Kind unter der Haustüre sitzt, und es kommt ein großer Hund, da schreit es, springt auf und flieht erschreckt in das Haus hinein und ruft: „Mutter, Mutter!“ Und wenn das arme Herz durch besondere Ereignisse erschreckt wird, dann schreit und springt es gleichsam auf in heftigem Pochen, und das Blut flieht von den Haustüren, den Ausgängen des Körpers, den Extremitäten, ins Haus, ins Herz hinein, und dieses klopft dann noch mehr und schreit, daß man es streckenweit hört. Was ist da Auffallendes, wo ist da ein Herzleiden? Das Mädchen soll zu allererst alle unnützen und schädlichen Einmummungen und Einhüllungen usw. ablegen, dann mit leichteren Abhärtungsmitteln beginnen. Das zarte Wesen wird dann nicht mehr vor jedem Bellen eines Hundes, vor jedem Pfiff der Lokomotive scheu werden. Täglich dreimal je eine Minute ins kalte Wasser stehen bis über die Waden, ebenso oft die ganzen Arme ins kalte Wasser halten — das sind vortreffliche Stärkungsmittel. Sollte es zu kalt dünken, so kann das naive Ding ja etwas auf das kalte Wasser blasen, es wärmend anhauchen. Probatum est! Diese Übungen währen eine Woche. Dann kann sich die Kranke dreimal in der Woche nachts vom Bette aus schnell mit kaltem Wasser ganz abwaschen und einmal wöchentlich bis unter die Arme ins frische Wasser gehen, nur eine halbe Minute lang, dabei den Oberkörper kräftig abwaschen. Diese Übungen füllen die zweite Woche. In der dritten und vierten Woche endlich soll die Kranke täglich zwei Ober- und Untergüsse sich geben lassen und darauf durch Bewegung oder Arbeit sich zu erwärmen trachten. In sechs Wochen war das Mädchen gesund, und alle Herzübelskrupel waren weggewaschen.

Ein Fräulein kommt und bittet um Hilfe. Es erzählt also: „Ich habe den Kurs als Musiklehrerin mit der ersten Note bestanden, und sechs Jahre lang habe ich Musik gelehrt in einem Ordensinstitute. Jetzt habe ich so viel Kopfleiden, daß ich kaum mehr ein Instrument hören kann, weder Orgel noch Klavier noch Violine. Selbst die Glöcklein am Altare geben mir heftige Stiche im Kopfe. Die Ärzte nennen meinen Zustand ein Nerven- und Herzleiden. Gesund wäre ich ins Kloster aufgenommen worden; so aber bin ich berufs-, selbst brotlos und leide unsägliche körperliche und geistige Schmerzen.“ Der Erzählerin entgegnete ich: „Ihnen kann ich nicht helfen. Sie müssen sich anderswo Hilfe suchen.“ Auf die Frage, warum ich denn gerade ihr eine so harte Antwort gebe, sagte ich rundweg: „Sie werden als Stadtfräulein mit höheren Studien, mit solchen Sprach- und Musikkenntnissen doch nicht tun, was ich haben will; im übrigen ist Ihr wenn auch tief beklagenswerter Zustand heilbar.“ Rasch entschlossen erklärte sie: „Um gesund zu werden, werde ich tun, was immer Sie verlangen.“ Und sie hat Wort gehalten. Ich schickte sie zehn Tage lang mit den weiblichen Dienstboten — es war März — auf die Wiesen hinaus, dort solle sie barfuß gehen. Täglich bekam sie zu allmählicher Überleitung ins Kalte ein warmes Fußbad und einen Oberguß. Statt des warmen Fußbades kniete sie nach sechs Tagen täglich ins Wasser, so daß das Wasser bis an die Magengegend reichte. Feldarbeit machte sie der Bewegung wegen mit, so weit Übung und Kraft es erlaubten. Nach zehn Tagen kehrte das Fräulein zu einem Wohltäter zurück, welcher ihm die Studien ermöglicht und auch die Wasserkur angeraten hatte. Sie setzte all die Übungen, aber auch mit Lust und Freude die liebgewonnenen Haus- und Feldarbeiten fort. Statt des Geigenbogens und der Klavier- und Orgelhefte nahm sie fleißig Spaten, Rechen und Gabel in die Hand. Je mehr der Körper aufhörte, schwach und siech zu sein, um so mehr, in demselben Grade schwanden auch das Nerven- und Herzleiden und alle sie begleitenden Beschwerden. Nach vier Monaten haben auch die letzteren aufgehört, und die Frische und die Gesundheit der Kindheit waren wiedergekehrt.

Ein Studierender der Theologie kam und fragte mich, was er anfangen solle; es gehe bei ihm nicht mehr so recht aufeinander, und die Ärzte sagten, er habe neben anderem ein Herzleiden. So gerne wäre er Priester geworden, aber bei solchem Kopfweh, bei solchem Herzklopfen und der damit verbundenen Beengung und Bangigkeit höre einfach alles auf. Alles, was er sehe und höre, komme ihm nur als Schein vor.

Ich riet dem Patienten, er solle seinen Körper vernünftig abhärten. Das tue ihm nichts, denn er sei gut gebaut. Später solle er das Fach wählen, welches ihm gefalle. Nach wenigen Wochen setzte er seine Studien fort und wurde nach zwei Jahren Priester, und wenige seiner Kursgenossen werden ihn an Gesundheit und Kraft übertreffen. Jeden Morgen ging der junge Herr über eine halbe Stunde barfuß im Morgentau, täglich stieg er ins Wasser bis an die Magengegend mit Waschung des Oberkörpers. Leichte Arbeiten ersetzten ihm die Bewegung, wenn ihm der Regen seinen Lieblingswunsch, die Wälder aufzusuchen, benahm. Zur Stärkung gebrauchte er später reichliche Obergüsse, täglich einen, oft zwei, im Wechsel mit Halbbädern. Kopf- und Herzleiden verschwanden mit der Zunahme der allgemeinen Körperkraft.

Hexenschuß.

Agatha kommt und erzählt: „Mein Mann hat heute nacht, ich weiß nicht wie, schreckliche Schmerzen auf dem Rücken zwischen den Schulterblättern bekommen. Der Schmerz reicht bis an die rechte Schulter. Er schreit oft vor Schmerzen, wenn er sich bewegen will. Es ist ihm gar nicht möglich, aufzusitzen. Diesen Hexenschuß hat er schon öfters bekommen, aber noch nie so stark. Was soll er wohl tun?“ Antwort: Wenn der ganze Rücken alle Stunden mit warmem Wasser und Essig gewaschen und ordentlich zugedeckt wird, so wird der Schmerz bald verschwinden. Es könnten auch warme Überschläge gemacht und nach jeder Stunde gewechselt werden. In drei bis vier Stunden ist gewöhnlich das Übel der Hauptsache nach gehoben. Man kann noch zweimal mit warmem Wasser und Essig den Rücken waschen.

Der Hexenschuß ist häufiger auf dem sogenannten Kreuze und verursacht große Schmerzen. Auch hier hilft wieder am ehesten: auf ein warmes Tuch sich zu legen, das in heißes, mit Essig vermischtes Wasser getaucht ist. Es reicht auch hier gewöhnlich aus, die Unterlage zwei- bis dreimal, nach je einer Stunde frisch einzutauchen.

Hüftnerven-Entzündung (Ischias).

Ein Beamter litt über ein Vierteljahr an heftigen Schmerzen im linken Schenkel bis hinunter zu den Knöcheln. Er hatte alles Mögliche angewendet; zuletzt wurde ihm empfohlen: Warmhalten und Ruhe, — das seien die einzigen Mittel zur Heilung. So suchte der Herr seine leidenden Stellen möglichst zu erwärmen durch warme Tücher, warme Platten, und zuletzt nahm er noch ganz warme Bäder, so warm er sie ertragen konnte.

Die Schmerzen jedoch steigerten sich, die Kräfte nahmen zusehends ab, das Körpergewicht verringerte sich um mehr als einen halben Zentner, und er konnte selten eine Stunde schlafen.

Endlich faßte er Mut, das Mittel zu gebrauchen, das er am meisten gefürchtet hatte: das kalte Wasser.

Täglich bekam er zwei oder drei Anwendungen: 1) einen Rückenguß am Vormittag, 2) nachmittags Oberguß; am zweiten Tag: am Morgen Oberguß, nachmittags Rückenguß; jeden zweiten oder dritten Tag ein Halbbad; mitunter auch Barfußgehen, also Abhärtung.

Gleich nach dem ersten Guß konnte der Patient nachts vier Stunden schlafen; so gewann er Schlaf, besseres Aussehen, mehr Appetit. In vier Wochen hatte seine Krankheit kaum noch Bedeutung, und in sechs Wochen war er vollständig geheilt.

Ein Professor aus Ungarn leidet seit sieben Jahren an Hüftnervenschmerzen und besuchte deshalb verschiedene Bäder: Ofen, Teplitz, Heviz u. a., jedoch ohne Erfolg, gebrauchte auch Dampfbäder. Seit zwei Jahren leidet er an Schlaflosigkeit. Appetit ist gut, Stuhl stets angehalten, Blähungsbeschwerden, Kopf eingenommen, am meisten in der Frühe. Besonders klagt der Patient über außerordentliche Empfindlichkeit gegen Temperaturveränderung und anhaltendes Kältegefühl am ganzen Körper, obwohl er seit drei Jahren immerwährend Jägersche Wollkleidung trug. Ferner bestanden talgartige Ausscheidungen auf der Haut und unangenehme Feuchtigkeit der Hände.

Er bekam hier folgende Anwendungen: Jede Nacht Ganzwaschung; vormittags Oberguß; nachmittags Rückenguß; alle zwei Tage ein Halbbad; Kniegüsse; auch Sitzbäder gegen die Verstopfung.

Der Erfolg war ein vortrefflicher innerhalb 24 Tagen. Nach dem vierten Tage schon trat ruhiger, die ganze Nacht anhaltender Schlaf ein und blieb seitdem gut. Das langwierige Ischiasleiden ist ganz gewichen. Die Haut ist auch wieder normal. Der Herr ist überglücklich.

Über seine jetzige Bekleidung rühmt er: „Ich trage so leichte Kleidung, auch an kühlen, regnerischen Tagen, als jemand im Hochsommer haben kann: leinenes Hemd, leichte Socken, und fühle mich dabei so warm und bin gar nicht mehr empfindlich gegen Witterungseinflüsse; es kommt mir alles wie ein Wunder vor.“

Hypochondrie.

Mit den Hypochondern wie mit den Skrupulanten habe ich stets inniges Mitleid. „Es ist eben ein Hypochonder, ein Skrupulant!“ Tausendmal kann man dieses hören. Eine wohlfeile und fade Rede! Und dann lacht man noch dazu und tut dem Armen in liebloser Weise oft recht wehe. Gerade diese Kranken verdienen unser größtes Mitleid und unsere regste Teilnahme. Ich frage mich immer: „War dieser Hypochonder (dasselbe tue ich bei Skrupulanten) einmal ein normaler Mann? Gab es eine Zeit, wo er vernünftig dachte und wacker arbeitete?“ Wenn ich nun bejahende Antwort erhalte, dann wäre es doch von meiner Seite unvernünftig, zu glauben, diesem Menschen fehle nichts, er treibe solche Torheiten, solches Selbst- und anderer Martyrium aus reinem Vergnügen. Ich muß mir vielmehr sagen: Mit diesem guten Mann muß im Innern, im Körper oder im Geist eine Veränderung vorgegangen sein, d. h. er muß recht krank sein, daher solche Erscheinungen. Und ich fahre also fort: Suche man das, was sich geändert hat, zu heilen, den früheren gesunden Verstand wieder herzustellen; das Hypochonderwesen hört dann von selbst auf. Gerade die tüchtigsten Leute, die sich durch Studium viel abmühen, verfallen oft in diese Art Gemütskrankheit. Es wird ihnen wie eingeblasen. Im bestgebauten Hause kann plötzlich was ausbrechen.

Nach meiner Ansicht ist bei der Hypochondrie, wie bei jeder Geistes- und Gemütskrankheit, die Wurzel des Übels stets im Körper, im kranken Körper zu suchen. Nur bei solcher Auffassung wird man sicher und mit Erfolg heilen. Man suche bei solchen Kranken das Schlaffe zu wecken, das Geschwächte zu stärken, das Untätige wieder in bessere Bewegung zu bringen; mit einem Worte: man bringe den Blutlauf in das richtige Geleise, und der Hypochonder wird geheilt sein.

Ich kannte einen Mann von herrlichen Geistesgaben. Viele, viele Jahre lebte er ganz glücklich in seinem Berufe und tat mit Leichtigkeit und Begeisterung Arbeit für Zwei. Auf einmal ward er Hypochonder und kam so weit, daß er um seine Berufsarbeiten sich nicht im mindesten kümmerte, alles scheute und fürchtete, jede Gesellschaft floh.

Statt der Hilfe, der Teilnahme, der er mehr als jeder andere bedurfte, hörte er täglich und stündlich das verachtende Urteil: „Sie sind eben Hypochonder, Ihnen kann man nicht helfen!“ Sollte das nicht einen Mann niederdrücken müssen?

Merkwürdig! Der Herr hatte (ich erfuhr es von ihm selbst) schon zwei Wasserheilanstalten besucht, sie verschlimmerten den Zustand. Die Anwendungen waren zu drastisch, zu stark, zu gewaltsam; sie halfen bei diesem halbzerstörten Bau mit, noch mehr einzureißen, nicht aufzubauen.

Gerade in diesem Falle hatte ich Gelegenheit, wieder aufs deutlichste zu sehen, wie das Wasser, aufs gelindeste angewendet, die besten und solidesten Erfolge sichert. Daß so ein Übel nicht in wenigen Tagen gehoben werden kann, ist klar.

Wer die gewöhnlichen Regeln für Gesundheits- und Körperpflege (vernünftige Nahrung, Kleidung, Lüftung, Erholung, Reinlichkeit) befolgt, wird diese fatale Laus nie in den Pelz bekommen. Bei etwaigen Meldungen, gleich im Beginne, kann ihr leicht der Abschied gegeben werden.

Die geeignetsten Wasseranwendungen bestehen in Ganz- und Teilwaschungen, in Bädern (Halbbädern), besonders dem Sitzbade, in kurzen Wickeln, zuletzt in kalten Ganzbädern.

Noch zwei Punkte, die mich drücken, mögen hier mit einem Worte stehen. Es ist ein Unglück unserer Zeit, daß man so viel auf geistige Getränke hält, daß selbst junge Leute sich an starke Weine so leicht gewöhnen. Alle diese scharfen Sachen gießen Öl ins Feuer; Blut und Säfte unserer jetzigen geschwächten Generation können derlei Zeug nicht brauchen. Bleibe man doch nüchtern und einfach, und manches Leiden, das eigentlich erst in der „Neuzeit“ und mit dem „Fortschritt“ auf die Krankheitsbühne trat, wird allmählich wieder hinter den Kulissen verschwinden.

Als einen weiteren Übelstand möchte ich es sodann bezeichnen, daß so viele Menschen sich fast ausschließlich von Fleisch nähren wollen, daß die trefflichen Milch- und Mehlspeisen, welche die besten Säfte, das beste Blut ohne alle Schärfen liefern, so sehr verachtet und gemieden werden. Das kann keine gute Folgen haben, ist auch Unnatur. Den Raubtieren allein hat der Schöpfer Magen und Gebiß nur fürs Fleisch zugerichtet. Dem Menschen, wegen dessen alles erschaffen ist, hat er sein Nahrungsgebiet nicht so enge begrenzt. Toren sind — zu ihrem eigenen Verderben —, die solches tun.

Vom Impfen und den schlimmen Folgen desselben.

Ein Bauer aus Altbayern erzählt: „Ich habe ein Kind zu Hause, das am ganzen Körper geschwollen ist. Die Füße sind ganz dick, der Leib ist doppelt so dick, als er sein sollte, der Kopf wie der Oberkörper, alles ist angeschwollen. Das Kind ist schon seit drei Vierteljahren nicht mehr gesund, das Elend steigert sich von Woche zu Woche. Es bekommt bald da, bald dort kleine Geschwüre, die schnell aufbrechen, jedoch alsbald wieder zuheilen, und ihnen folgen wieder an anderer Stelle solche Geschwüre. Ich war in München bei drei Ärzten, habe noch andere Ärzte gefragt und gesucht, wo ich glaubte, Hilfe zu finden, aber immer vergebens.“

Dem Bauern riet ich: „Sieden Sie Heublumen, eine halbe Stunde lang, tauchen in diesen Absud ein leinenes Hemd ein, winden es aus, legen es dem Kinde an und wickeln dies in eine wollene Decke, lassen es 1½ Stunden im Wickel und machen es so täglich zweimal. An jedem dritten Tage lassen Sie das Kind solch ein Heublumenbad nehmen, wobei möglichst viele Heublumen im Wasser bleiben. Das Wasser sei so warm, daß das Kind gerne hineingeht und gerne 25–30 Minuten darin verbleibt.“

Nach vierzehn Tagen war das Kind schon ziemlich normal, heiter, bekam Appetit, und die weiteren Anwendungen waren folgende: Jeden dritten Tag war das Kind wieder einzuwickeln, eine Stunde lang, am vierten Tag in ein warmes Bad zu bringen, aber vom warmen Wasser aus recht tüchtig abzuwaschen.

So wurde zehn bis vierzehn Tage fortgemacht, dann war das Kind ganz gesund.

Ein Herr erzählt: „Ich war in meinem Leben stets gesund. Vor zehn Jahren, als die Blattern in meiner Umgebung herrschten, ließ ich mich, wie viele andere, impfen. Ich bekam keine Blattern; aber es blieb die Impfstelle am rechten Arm immer etwas gerötet. Dazu kam ein kleiner Ausschlag um den Impfschnitt. Ich merkte acht Jahre hindurch bloß, daß die entzündete Stelle sich erweitere, und jetzt, nach zehn Jahren, habe ich die nassen Flechten so lästig, daß ich ganze Nächte keine Ruhe finde. Diese Flechten sind bald stärker am einen Arm, bald am andern, und so ist auch der Wechsel an den Füßen. Angewendet habe ich viel, die giftigsten Salben auf der Hautfläche; eingenommen habe ich auch viel, alles ohne Erfolg.“

Anwendungen: Sicher sind hier das Blut und die Säfte verdorben, und die Flechtenstellen dienen bloß zum Ausfluß der verdorbenen Säfte. Somit ist notwendig, daß auf den ganzen Körper eingewirkt werde, alles Krankhafte in Blut und Säften aufzulösen und auszuleiten.

1. In der Woche dreimal in der Nacht den ganzen Körper vom Bette aus waschen und, ohne abzutrocknen, gleich wieder ins Bett gehen.

2. Die Flechtenstellen mit einem Absud von Foenum graecum täglich zwei- bis dreimal gut auswaschen. Statt gesottenem Foenum graecum wird gut wirken Aloë, in heißem Wasser aufgelöst, zu einem Liter Wasser ein Kaffeelöffel Aloë.

3. Zweimal in der Woche den spanischen Mantel. So vierzehn Tage lang bis drei Wochen fortgemacht.

Weitere Anwendungen: in einer Woche oder innerhalb vierzehn Tagen ein warmes Bad mit kaltem gewechselt. (Siehe [im ersten Teil].) Gut wäre während dieser Kur etwas Wermuttee, täglich zweimal je drei bis vier Löffel voll.

Katarrh.

Die zahlreichsten Katarrhe entstehen dadurch, daß man vom Aufenthalte in der Kälte und im Freien, vielleicht gar schwitzend, schnell in einen ziemlich geheizten und warmen Raum kommt. Auch kalte Zugluft, der man einige Zeit ausgesetzt war, kann schnell einen Katarrh reifen. Gewöhnlich fühlt man fast sofort eine Verengung auf der Brust, im Halse, in der Nase. Es ist, als stecke einem ein kleiner Knödel im Halse. Übersieht man diesen im Anfange des Katarrhs, so setzt er sich fest und breitet sich aus. Empfänglicher ist, wer zu warme Kleider trägt, wessen Körper und einzelne Organe infolge dessen sehr verweichlicht sind. Gar nicht schwer wäre es (ich sage es kühn), von jedem Katarrh frei zu bleiben, wenn man seinen Körper nicht „barbarisch“, sondern nur vernünftig abhärtete, wie dieses schon an so manchen Stellen betont wurde.

Wie muß man es anfangen, um verschont zu bleiben? Ein Beispiel soll uns darüber unterrichten. Ich bin eine Stunde weit stets in ziemlich starkem Tempo gegangen. Es ist draußen „hübsch frisch“, wie der Bauer die Hände reibend sagt; es hat gegen 12 Grad Kälte. Ich komme ohne Vermittlung in ein Zimmer von 14 Grad Wärme. Dieser plötzliche Temperaturwechsel von 26 Grad kann ja nicht ungerächt sich vollziehen, er muß Gefahr bringen. Am besten hätte ich getan, ich wäre die letzten 5–20 Minuten obiger Stunde um ein Weniges langsamer gegangen und dann noch einige Minuten in dem kühlen Hausflur geblieben, stets in einiger Bewegung. So hätte die durch das rasche Gehen erhöhte Wärme etwas abnehmen und der Schweiß sich verlieren können. Der Wechsel der Luft wäre so vermittelt und, wenn ich auch im Innern des Zimmers noch einige Zeit auf- und abgegangen wäre, völlig gefahrlos gewesen.

Spürst du die Folgen deiner Unvorsichtigkeit, den kleinen Knödel im Halse, wohlan, gehe nochmals ins Freie und mache dir eine leichte Bewegung in der frischen Luft! Diese wird in einer halben Stunde alles Überflüssige im Halse auflösen und entfernen.

Die Heiserkeit ist nichts anderes als die Ausdehnung des Katarrhs in den Sprechorganen. Das silberne Glöcklein gibt, wenn unterbunden, keinen Klang, die herrlichste Stimme bei durch Geschwulst belasteten Sprechorganen keinen Ton. Man hebe den Katarrh, und seine Gefährtin, die Heiserkeit, wird ihm ohne Säumen folgen![42]

Folgende Bemerkung noch dürfte manchem einen Dienst erweisen. Es gibt Leute, die Anlage haben, viel zu hüsteln. Jede Kleinigkeit, z. B. ein Kitzel der frischen Luft, ruft dieses Bellen hervor; es tut nicht wohl und tut nicht weh. Solche Menschen husten Jahre lang ohne den geringsten Schmerz. Gewöhnlich ist ein derartiger Zustand von den Eltern geerbt und dann schwer zu entfernen. Er hat indessen gar keine Bedeutung, rühre nun das Hüsteln aus dem Halse, rühre es von tiefer gelegenen Organen her. Solche Leute mag das Sprichwort trösten: Wer lang hustet, lebt lang. Andere Erbteile dagegen sind nicht so unschuldig, oft recht ernst und bedenklich und aller Beachtung wert. Dahin gehören z. B. die in irgend einer Familie oder Verwandtschaft herrschende Abzehrung, Schwindsucht usw.

Da gilt der Grundsatz: Principiis obsta! Gleich den ersten Anfängen entschieden und wirksam entgegentreten mit aller Umsicht und Vorsicht! Sonst kostet es Opfer früher oder später, leider oft recht früh. Ein kleiner vernachlässigter Katarrh kann, wo es sich in einer Familie um Schwindsucht handelt, der Borkenkäfer werden, der die stärkste Tanne, den kräftigsten Körper ruiniert und stürzt, ins Grab bringt. Vorsicht also! Durch kluges Verfahren können selbst ererbte Leiden ohne weitere schwere Folgen recht in die Länge gezogen werden.

Knieschwulst.

Ein Mädchen, 30 Jahre alt, bekam eine starke Geschwulst von oberhalb der Knöcheln bis über das Knie hinauf. Die Geschwulst war zeitweilig sehr schmerzlich, ganz fest und heiß. Die Kranke gebrauchte ein halbes Jahr ärztliche Mittel, unter anderem einen Gypsverband zwölf Wochen lang und einen zweiten acht Wochen lang. Der Zustand verschlimmerte sich so, daß der Fuß den Boden gar nicht mehr berühren durfte; besonders schmerzte das Kniegelenk. Weil alles nichts geholfen, wurden versuchsweise angeschwellte Heublumen aufgebunden, und zwar von oberhalb der Knöchel bis zur Mitte der Oberschenkel. Die Schmerzen ließen bald nach, und die Schwellung nahm ab; als die Geschwulst zur Hälfte verschwunden war, wurden auch Gießungen auf den leidenden Fuß vorgenommen (jeden zweiten Tag). Nach ungefähr acht Wochen war der ganze Fuß zum Gehen brauchbar, und nach einiger Zeit konnte das Mädchen wieder an seine sehr strenge Arbeit gehen.

Knochengeschwüre.

Oft treten rings um die Knochen harte Geschwülste auf, besonders gerne unten am Kinnbacken, an den Knöcheln, am Knie, auch an anderen Knochenstellen. Man könnte fast meinen, der Knochen sei selbst gewachsen. Daß die Sache nicht ohne Bedeutung sei, zeigt der meistens fiebernde Körper an und die Langwierigkeit der Heilung (oft 14 Tage bis drei Wochen). In der Tat erheischen solche Geschwülste stets große Vorsicht in der Behandlung und schnelles Eingreifen. Bei Vernachlässigung tritt gerne Knochenfraß ein, und dann ist die Hilfe nicht mehr leicht, oftmals unmöglich.

Die kräftigsten und schnellsten Heilmittel bestehen in einem zwei-, drei- bis vierfachen Wechsel mit Umschlägen an der geschwollenen Stelle. Am erprobtesten gelten mir Umschläge mit Absud von Heublumen, von Haberstroh, ferner Umschläge mit abgekochtem foenum graecum und mit Topfenkäs.

Bei einer Fußknöchelgeschwulst wird ein Unter- oder ein kurzer Wickel gute Dienste tun und die Heilung beschleunigen, bei einer Kinngeschwulst ein Schal oder Halswickel, auch der kurze Wickel, bei einer Kniegeschwulst ein Wickel des ganzen Fußes. Es genügt täglich eine der genannten Anwendungen.

Kolik.

Kolik mit Abweichen oder mit Erbrechen tritt oft plötzlich auf. Man kennt keinen Grund und keine Veranlassung. Es kann eine Erkältung, eine Erhitzung vorangegangen sein, oder irgend eine Speise, ein Trank hat der Natur den Spuk gespielt. Man bringe einen derartigen Kranken ungesäumt ins Bett, lege ihm ein warmes Tuch (vielleicht auch eine Bettflasche)[43] auf den Leib und decke ihn gut zu (ja nicht zu peinigend), so daß keine Luft zudringen kann. Als Linderungsmittel reiche man ihm einen Schoppen Milch, in der Fenchel oder Kümmel gesotten wurde. Das einfache Hausmittel wird genügen.

Was die Speise und das Getränk betrifft, solange der Zustand dauert, so wähle man recht einfache, wenig gesalzene, wenig gewürzte, leicht verdauliche Speisen. Wem als Getränk Wasser oder Milch ausreicht, den lobe ich mir. Wasser mit etwas Wein kann ich auch nur empfehlen.

Kopfflechten.

Eine Bauerstochter erzählte: „Ich habe schon ungefähr zwei Jahre stets Kopfausschlag, auch im ganzen Gesichte, bald stärker, bald schwächer; unter den Haaren bilden sich viele größere und kleinere Geschwüre, aus denen hitzige Flüssigkeit kommt. Ich habe häufig ein starkes Beißen am Körper, im Innern merke ich beständige Hitze; ich habe schon viel eingenommen, besonders Abführmittel, geheilt wurde ich nicht.

Die Wasserkur hat mich in sechs Wochen ganz hergestellt. Ich mußte folgende Anwendungen 3 Wochen hindurch gebrauchen: 1) In der Woche dreimal in der Nacht vom Bett aus ganz waschen und gleich wieder ins Bett; 2) in jeder Woche zweimal ein nasses Hemd anziehen, in Salzwasser getaucht; 3) in der Woche einen Kopfdampf nehmen. Zur vollständigen Ausheilung und Kräftigung weitere drei Wochen: einmal in der Woche ein nasses Hemd anziehen und ein- oder zweimal in der Woche ganz waschen. Zum Einnehmen täglich zweimal jedesmal 20 Tropfen Ginster-Extrakt in einem Glas Wasser.“

Kopfleiden (eigener Art).

Ein Herr von hohem Stande hatte ein Kopfleiden ganz eigener Art. Es begann regelmäßig morgens 7 Uhr, dauerte bis abends zum Sonnenuntergang und war derart schmerzlich, daß der Herr nicht einmal leichte Sachen lesen, viel weniger die Schreibereien seines Berufes besorgen konnte. Zur Nachtzeit fühlte er keine Spur von diesem Schmerz; dieser war wie weggeblasen, vorausgesetzt, daß er nicht geistig sich angestrengt hatte. Die Schmerzstelle befand sich an der Stirne links und hatte den Umfang ungefähr eines silbernen Fünfmarkstückes. Die Schmerzen griffen nicht den Kopf allein, sondern auch den ganzen Körper dergestalt an, daß der Herr zusehends abnahm; mit dem frischen Aussehen wich auch die Kraft. Die berühmtesten Ärzte wurden um Rat gefragt, auch eine Wasserheilanstalt war schon besucht worden, aber ohne sichtlichen Erfolg. Da sandten die Ärzte den Patienten zum letzten Versuch nach Meran, und von da kehrte derselbe, wie es schien, glücklich geheilt in die heimatliche Großstadt zurück. Seine Angehörigen begrüßten ihn mit Jubel und freuten sich innig seiner Genesung. Doch am andern Morgen Punkt 7 Uhr kehrte der alte unheimliche Gast wieder und faßte Posto an der früheren Leidensstelle. Ein Ach und Weh war im ganzen Hause, und guter Rat war teuer. Bekannte erinnerten den Herrn noch einmal ans Wasser, und zuletzt entschloß man sich zu einem Versuche. Der hohe Herr sah recht krank aus und war ziemlich abgemagert. Nachdem er sein Leiden geschildert, bemerkte er noch, er sei selten ohne Katarrh und besitze auffallend wenig Naturwärme. Man wolle all dieses einem viele Jahre früher erlittenen Unfalle zuschreiben. Sei dem, wie ihm wolle, so schloß er ab, ich kenne jetzt seinen Zustand und solle ihn heilen.

Das üble Aussehen, die schwache Naturwärme, die daraus folgende Empfindsamkeit gegen den Wechsel der Atmosphäre, das Abmagern, alle diese Symptome traten als ebenso viele vollgültige Zeugen auf, welche nicht den schmerzenden Fleck am Kopfe, sondern die ganze kranke Natur, den ganzen entkräfteten Körper anklagten. Darnach richtete ich mein Verfahren ein. Auf den Gesamtorganismus wurde eingewirkt und das lokale Kopfleiden nicht einer Anwendung gewürdigt. Die einfachen Abhärtungsmittel mit einigen Waschungen, wie sie im ersten Teil aufgezählt werden, bewirkten die Heilung, d. i. die gleichmäßige Transpiration der Haut, die richtige Zirkulation des Blutes, gute Verdauung und damit die Hebung der Naturwärme, besseres Aussehen, völlige Gesundung. Immer die alte Geschichte, und doch kann man sie nie genug von neuem erzählen!

Wie richtig mein Urteil bezüglich des Kopfleidens war, bewies der Erfolg. In zirka sechs Wochen erfreute sich der ganze Körper des besten Wohlseins. Auch das gefürchtete Stirnleiden brachte die 7 Uhr-Stunde nie wieder. Dessen Heilung hat das Wasser (wie gesagt, ohne jede Anwendung auf diese Stelle) bei Heilung des Gesamtkörpers umsonst obendrein gegeben.

Kopfleiden.

„Seit 6–7 Jahren,“ so berichtet ein Herr, „leide ich mehrere Wochen an einem Kopfweh, das mir die Erfüllung meines Berufes recht hart und oft unmöglich macht. Es verschwand mir oft aller Mut und alle Lebensfreude. Ich habe einen Druck in dem Kopf und das Gefühl, als ob etwas in einer Flüssigkeit umherschwämme. Jeder feste Fußtritt bewirkt neue Schmerzen im Kopf. Wenn ich durch Gehen oder Arbeiten warm werde, ist’s mir ungefähr, wie es einem recht Betrunkenen sein mag. Achtmal hatte ich schon Nierensteinkolik. Zwölf Ärzte, die ich wegen meiner Rückenschmerzen zu verschiedenen Zeiten konsultierte, haben das Übel nicht erkannt. Nur ein einziger hat mir etwas Hilfe bringen können. Nierenschmerzen bekomme ich, wenn ich etwas Saures esse, oder wenn sich zu viel Gase anhäufen; wenn ich länger gehe und warm werde, wenn ich länger sitze oder stehe, spüre ich das Übel gleich. Bald fühle ich eine Feuerhitze im ganzen Körper, und bald darauf bin ich durch und durch voll Frost. Der Sommer ist mir immer härter als der Winter. Früher habe ich viel an Schlafsucht gelitten. Gesund war ich, sehr kräftig, stark und gut gebaut. Ich glaube, daß man kaum noch elender sein kann, als ich zwanzig Jahre hindurch gewesen bin. Ich war auch schon einmal in Königstein in der Heilanstalt, bekam wohl Erleichterung, aber nicht Heilung.“

Die Anwendungen waren: 1) Täglich zweimal Oberguß, 2) Täglich im Wasser gehen und Knieguß. In der Woche drei- bis fünfmal Rückenguß, öfter Sitzbad, besonders fleißig die Abhärtungsmittel: im Gras und auf Steinen gehen, Tee trinken von Wacholderbeeren, Hagebutten, Zinnkraut, aber nur zeitweilig, täglich zwei Tassen.

Innerhalb vier Wochen war er gesund, und jetzt nach einem halben Jahre kann man sagen, er besitze die volle Gesundheit und auch die vollste Kraft, geistig und körperlich.

Ein Mann erzählt: „Ich bin 35 Jahre alt, habe beständig Kopfweh und manchmal eine solche Schwäche, daß ich es fast gar nicht aushalten kann. Auf der Brust habe ich meistens Schmerzen, gerade so auf dem Rücken. Am schmerzlichsten ist mir das Genick, wo ein beständiges krampfhaftes Zusammenziehen ist. Ganz auffallend ist, daß mir die Haare massenhaft vom Kopfe fallen; wenn es noch ein halbes Jahr so fortgeht, dann habe ich kein Haar mehr auf dem Kopfe. Füße und Hände sind meistens ganz kalt. Appetit habe ich gar keinen.“

Anwendungen: 1) Dreimal in der Woche ein nasses Hemd anziehen, in Salzwasser getaucht. 2) Dreimal in der Woche während der Nacht den ganzen Körper waschen. 3) Täglich eine Messerspitze voll weißes Pulver einnehmen.

Nach zwei Monaten zeigte sich dieser Mann und erklärte, daß er jetzt vollständig gesund sei; er verspüre nur da noch Nachwehen, wo er die ärgsten Leiden gehabt habe. Sein Körpergewicht hatte um 10 Pfund zugenommen.

Zwei Herren, Musiker von Beruf, erzählen folgendes: „Wir haben beide ein Leiden: Kopfweh beständig, manchmal fast unausstehlich, Schlaf ganz wenig und unruhig. Kongestionen und Schwindel belästigen uns fast zum Verzweifeln. Füße und Hände sind ganz kalt. Wir sind fast unfähig zu unserm Berufe.“ Beide waren über fünfzig Jahre alt.

Zwölf Tage hindurch gebrauchten diese beiden Leidensgefährten folgendes: Durch 6 Tage täglich zweimal Oberguß und zweimal Knieguß; die folgenden 6 Tage abwechselnd den einen Tag ein Halbbad, den andern Tag einen Rückenguß; außerdem einmal wöchentlich je einen Kopfdampf. Nach diesen 12 Tagen waren beide hergestellt und übernahmen wieder ihren Beruf.

Um die Gesundheit zu bewahren und an Kräften zu gewinnen, war weiter nichts mehr notwendig als täglich eine Anwendung zur Abhärtung und zweimal wöchentlich ein Halbbad. Zufolge neuerdings gegebenen Nachrichten hielt die Besserung vollkommen an.

Ein Herr aus Ungarn kommt mit folgenden Angaben: „Mehr als ein Jahr bin ich in meinem Berufe unfähig wegen heftiger Kopfschmerzen und starken Schwindels. Am ganzen Körper habe ich intensives Beißen und Brennen, das mir oft den Schlaf raubt. Infolge des Leidens bin ich teilweise schmermütig und recht ängstlich.“

Nach wenigen Wochen trat vollkommene Genesung ein unter Gebrauch folgender Wasserkur: 1) Oberguß, gleich darauf Wassergehen; 2) Halbbad täglich; in der zweiten und dritten Woche dreimal ein Halbbad, täglich Oberguß und Knieguß; 3) späterhin Vollbäder und Oberguß mit Wassergehen.

Kopfleiden, nervöses.

Zwei Studenten mußten die Anstalt verlassen, ehe das Schuljahr zu Ende war. Sie hatten beide so viel Kopfleiden und Blutandrang in den Kopf, daß sie nicht mehr studieren, selbst nur mehr einige Minuten lesen konnten. Beide haben durch alle angewendeten Mittel keine Hilfe gefunden. Ich gab diesen armen Studierenden den einfachen Rat, sie sollen die meiste Zeit des Tages mit Barfußgehen, besonders im Tau zubringen; sie sollen wo möglich im Wald oder in irgend einem Bächlein jede Stunde einige Minuten hineinstehen, dazu noch täglich zwei, bei warmer Witterung sich drei Obergüsse geben lassen.

Die beiden Jungen befolgten diesen Rat, taten noch mehr, als verlangt wurde. Das sichtliche Besserwerden machte ihnen Mut, und sie gingen am Schluß der Vakanz gesund und freudig wieder in ihre Lehranstalt.

Wenn doch in den Anstalten, wo so viel geturnt wird, auch ähnliche Turnübungen vorgenommen würden, bei denen die Natur nicht erhitzt und aufgeregt, sondern beruhiget wird! Es ist unglaublich, welche Wirkung das Barfußgehen auf nasser Wiese oder im Tau ausübt.

Ein Mann von 45 Jahren kommt klagend zu mir und beginnt: „Die Ärzte erklären mein Leiden für nervöses Kopfleiden. Ohne Kopfbinde bin ich gar nie; ich habe manchmal einen unausstehlichen Druck am Hinterkopfe, bald rechts, bald links. Kommt das Leiden auf den Rücken, dann bekomme ich starkes Herzklopfen, oft mehrere Stunden lang. Der Appetit vergeht oft ganz; ich habe einen solchen Schwindel, daß ich nicht mehr allein gehen kann; deshalb mußte meine Frau mitreisen. Über alle diese Leiden aber geht mein Gemütsleiden. Ich habe eine solche trostlose Schwermut, daß ich mir schon oft den Tod gewünscht habe.“ Der Herr war ziemlich beleibt, die Gesichtsfarbe gelblich und abgestanden, der Leib stark gefüllt.

In 13 Tagen war der ganze Zustand wieder in Ordnung. Das Körpergewicht hatte viel abgenommen; Kopfweh und Schwindel waren verschwunden; statt dessen aber waren heitere Stimmung, guter Schlaf und Appetit zurückgekehrt.

Die Anwendungen waren folgende:

1. den einen Tag ein Oberguß und Knieguß vormittags, Rückenguß und Wassergehen nachmittags;

2. den andern Tag vormittags Rückenguß, später Wassertreten, nachmittags wieder Rückenguß und später Knieguß;

3. am dritten Tage vormittags ein Oberguß und Knieguß, nachmittags Ganzguß, später Halbbad.

Der Patient, weil kräftig und stark, erhielt täglich vier Anwendungen.

Krämpfe.

Ich wurde zu einer Kranken gerufen; diese zitterte am ganzen Körper, und es warf sie im Bette bald in die Höhe, bald rechts, bald links; die Kranke selber konnte nicht reden; ihre Mutter erzählte:

„Meine Tochter hat stets schreckliche Kopfschmerzen, ein arges Drücken auf der Brust und in der Magengegend; Hände und Füße sind stets eiskalt und naß von einem schmierigen Schweiß; meine Tochter ist drei Vierteljahre verheiratet; zehn Wochen lang war sie ganz gesund; dann haben diese Zustände im kleinen begonnen und sich bis auf diese Höhe gesteigert; essen kann sie nichts oder höchstens einige Löffel voll leere Fleischsuppe oder Kaffee. Alles, was sie von Ärzten eingenommen, und auch Einspritzungen, und was man zu einem gezwungenen Schlaf angewendet, hat den Zustand nur noch mehr verschlimmert.“

Dieser Kranken gab ich folgenden Rat:

Täglich zweimal die Füße ins kalte Wasser bis über die Waden und nebenzu die Füße abwaschen mit Schwamm oder Handtuch; gleich darauf die Hände ins kalte Wasser bis an die Achseln eine Minute lang, und nebenzu auch die Hände waschen; Hände und Füße sollen dann unter die warme Bettdecke kommen; jeden Morgen und jeden Nachmittag soll die Kranke ungefähr zwölf Kamillen-Tropfen (siehe [Apotheke]) in 6–8 Löffel voll warmen Wassers einnehmen. Als Nahrung soll sie von Zeit zu Zeit 3–4 Löffel voll Milch essen oder Malzkaffee trinken; besonders empfiehlt es sich, mit Milch und Malzkaffee zu wechseln.

Nach 12 Tagen war die Person so weit voran, daß sich der Appetit zur gewöhnlichen Hausmannskost einstellte; die Krämpfe waren verschwunden, und der drückende Schmerz auf Brust und Magengegend hatte aufgehört; das Kopfweh war weg, Hände und Füße warm.

Die weiteren Anwendungen waren: jeden zweiten Tag die Füße ins kalte Wasser wie oben; zweimal in der Woche ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 14 Minuten lang, und einmal in der Woche vom Bett aus ganz waschen und gleich wieder ins Bett. Statt Kamillentropfen hat sie Wermut- und Salbeitropfen genommen, jedesmal 10–12 Tropfen im warmen Wasser; die Kranke war so weit hergestellt, daß sie wieder in die Kirche gehen und ihre Hausarbeit verrichten konnte, und braucht sich, um vollständig gesund und kräftig zu werden, nur zweimal in der Woche kalt zu waschen; Halbbäder würden noch kräftigere Dienste tun.

Krätze.

Das verabscheute Übel der Krätze kann am und noch mehr im Körper viel Unheil anrichten. Am meisten zu beklagen ist, daß man, um (es sei das triviale Wort gestattet) diese Laus aus dem Pelz zu treiben, vielfach seine Zuflucht zu Mitteln nimmt, welche, statt zu heilen, grenzenlos schaden und den mißhandelten Körper ins größte Elend bringen können. Wer kennt alle die fettigen Salben mit Schwefel-, Branntwein- und, wer weiß, mit welch anderen Beimischungen? Eines tun diese ekelhaften Schmierarzneien: Sie verschließen gründlich die Poren der Haut, verbarrikadieren der zum Wohlbefinden des Körpers absolut notwendigen Transpiration durch fettige Krusten gründlich ihre Luft- und Wasserkanäle, treiben Schweiß und Ausdünstung in den Körper zurück, vergiften so Blut und Säfte und bereiten schwere Krankheiten vor, manchem die Todeskrankheit. Das ist nicht übertrieben, aber sehr betrübend, wenn man weiß, wie leicht und schnell und ungefährlich die Krätze zu heilen ist.

Bei mir suchte einmal ein 28jähriger, gutgewachsener Mensch Hilfe, dessen Aussehen mich sofort an ein durch und durch wurmstichiges Brett erinnerte. Nirgends fand er Rat; man wußte eigentlich nicht, was ihm fehle. Ich fragte ihn: „Haben Sie in der Jugend vielleicht einmal die Krätze gehabt?“ Er bejahte meine vorwitzige Frage, indes mit dem Aber: „Sie ist in drei Tagen geheilt worden.“ — So will ich nicht heilen. Gott bewahre!

Gerade bei derlei ekelhaften Krankheiten, die deutlicher als alles andere auf Giftiges schließen lassen, muß bei der Heilung obenanstehend der Grundsatz gelten: Was drinnen ist im Körper und nicht hinein gehört, das muß hinausgetrieben werden. Das Gegenteil praktizieren wollen hieße etwa ebensoviel als Ungeziefer in die Kleider und Haare, Erdkrebse in die Mistbeete, Mäuse in den Acker einpflanzen. Nach dem Grundsatze richten sich die Anwendungen, die das Ungesunde, Giftige hervorlocken, ausziehen, entfernen, nebenbei den ganzen Organismus zu kräftiger Mithilfe stärken müssen.

Erst nahm unser Kranker drei Tage nacheinander je ein warmes Bad (33° R.) mit Absud aus Fichtenreisern[44] mit dreimaligem Wechsel. Eine Seife tat ihm vortreffliche Dienste, die Poren allseitig zu öffnen und den Schmutz zu entfernen. Man muß einmal die Dinge mit ihrem Namen nennen, — ich kann nicht dafür, — wenn es auch manche Nerven etwas unangenehm affiziert. Nach den Bädern folgten als stärkende Anwendungen noch in der ersten Woche nächtliche Ganzwaschungen vom Bette aus und ein viertes warmes Bad mit kalter Abwaschung; in der zweiten Woche ein warmes Bad mit kalter Waschung und ein kaltes Halbbad mit Waschung des Oberkörpers; in der dritten Woche ein kaltes Ganzbad; in der Folge je innerhalb eines oder zweier Monate ein paar warme Bäder. Sollte die Heilung sich in die Länge ziehen, so kann mit den zwei letztgenannten Anwendungen fortgefahren werden. Selbst ein warmes Bad wöchentlich könnte nur gute Wirkungen haben.

In 6 Wochen war unser recht armseliger Patient geheilt und konnte sich endlich einen Beruf wählen. Bis heute dauert seine kräftige Gesundheit an; von dem früheren lästigen Übel hat er nie mehr das geringste verspürt.

Also behandelt man die nach innen gedrungene Krätze.

Wird jemand äußerlich von der Krätze befallen, so nehme auch er ein warmes Bad von 33–34° R. und reibe sich mit scharfer Seife, am wirksamsten mit „grüner Seife“, die er in jeder Apotheke bestellen kann, kräftig ein. Nach ¼stündigem Bade wasche er sich mit reinem Wasser (kalt oder warm) und mit anderer, gewöhnlicher Hautseife ab. Trefflich würde es wirken, wenn der Kranke sofort in ein zweites derartiges Bad, jedoch mit erneuertem warmen Wasser steigen könnte (am Schlusse ebenfalls kalte oder warme Abwaschung).

Da die Krätze in sehr vielen Fällen durch Kleidungsstücke, Bettwäsche usw. ansteckt und vererbt wird, so ist es eine Hauptsache, nach den Bädern sowohl die Leibwäsche und Kleidung als auch die Bettwäsche gründlich zu wechseln. Alle Anwendungen würden sonst nichts nützen.

In 3–4 Tagen kann auf diese Art die Krätze geheilt werden.

Krebs.

Eine gar häufige Krankheit unserer Zeit sind die verschiedenartigsten Krebse. Es ist wohl kaum ein Teil des Körpers, der nicht vom Krebs oder krebsartigen Schäden zerstört werden könnte. Hat dieses Übel einmal weiter um sich gegriffen, so wage ich mit Wasser nichts mehr anzufangen; Blut und Säfte sind schon zu verdorben.

Die Krebskrankheit ist erblich, zumal wenn bei einem Individuum Blut und Säfte bereits zu einer derartigen Zersetzung hinneigen.

Mir sind Eheleute bekannt, die eine an Zungenkrebs leidende Base besuchten. Ohne Ahnung von einem so schrecklichen Übel entsetzten sich beide, als sie die schauderhaften Verwüstungen wahrnahmen. Bei der Frau schwoll die halbe Zunge innerhalb drei Tagen krankhaft an; dem Manne wurde die Unterlippe entzündet und wund. „Wir haben die Krankheit geerbt,“ — so klagend kamen sie zu mir. Ich suchte die bis zum Tode Erschrockenen zu ermutigen und ihnen nach Können ihr steifes Behaupten auszureden. Zugleich riet ich ihnen, sie sollten den einen Tag mit Alaunwasser den ganzen Mund, besonders die angegriffenen Stellen ungefähr viermal gut auswaschen, den zweiten Tag mit Aloëwasser die Waschung wiederholen, zudem jeden zweiten Tag einen Kopfdampf nehmen und im Wechsel mit dem Kopfdampfe einen Wickel um den Hals anlegen.

Die zwei Personen wurden von dem Übel ganz befreit. Ich selbst hätte nie geglaubt, daß bloßer Schrecken die Wirkung habe, eine so entsetzliche Krankheit zu vererben. Später erfuhr ich, daß sich ein Arzt wirklich dahin ausgesprochen habe, die Leute hätten das Übel geerbt.

Von beginnenden Krebsübeln, auch von fortgeschrittenen kleineren Krebsschäden sind mir mehrere Fälle vorgekommen. Sie konnten leicht geheilt werden. Alle Anwendungen zielten lediglich hin auf Reinigung des Blutes und der Säfte.

Leibschaden.

Ein Herr, ungefähr 40 Jahre alt, klagte über Schwindel, Kongestionen und heftige Kopfschmerzen; er hätte einen guten Appetit, aber wenn er nach Appetit esse, müsse er es büßen. Wie sein Aussehen blühend rot, so ganz widernatürlich stark war sein Leib, obwohl Arme und Füße unverhältnißmäßig dünn waren.

Er trug ein Bruchband auf Anraten der Ärzte, weil zwei Leibschäden im Entstehen waren. Das Hauptübel bestand in Auftreibung des Unterleibes durch Gase.

Als durch die Anwendungen des Wassers die Gase beseitigt und die Organe gekräftigt waren, verschwanden die hervorragenden Erscheinungen von Leibschäden; es wichen die Kongestionen samt dem Kopfschmerz, und so war der Kranke nach 4 Wochen vollständig hergestellt.

Die Behandlung bestand in folgendem: 1. Tag: Oberguß mit Knieguß vormittags, dann Oberguß mit Wassergehen nachmittags. 2. Tag: Oberguß mit Wassergehen bis an die Knie vormittags, nachmittags Oberguß mit Wassergehen. 3. Tag: Oberguß mit Wasserknien; nachmittags: Rückenguß. 4. Tag: Oberguß und Wasserknien; nachmittags: Rückenguß. 5. Tag: Halbbad, später Oberguß; nachmittags: Oberguß und zwei Stunden später Sitzbad. 6. Tag: Oberguß und zwei Stunden später Halbbad; nachmittags: Bad bis unter die Arme. 7. Tag: Wassergehen bis über die Knöchel und zwei Stunden später Rückenguß.

In dieser Weise wurde fortgefahren, bis in vier Wochen die vollständige Gesundheit wieder erlangt war; besonders merkwürdig ist, daß sowohl sein aufgedunsenes Gesicht, sein ungewöhnlich ausgedehnter Leib, als auch die Leibschäden gänzlich verschwunden waren.

Lungen-Entzündung.

siehe oben [Seite 210].

Lungenleiden.

Eine Hausfrau erzählt folgendes: „Die Ärzte sagen, ich habe Lungen- und Rachenkatarrh, meine Lunge sei stark angegriffen, und zwei Ärzte erklärten, es sei mir nicht zu helfen. Ich möchte nur noch den Versuch machen mit Wasser; wenn auch dies nicht hilft, so füge ich mich in Gottes Willen.“ Durch 20 Tage hat das Weib täglich zwei Obergüsse erhalten und gleich darnach Knieguß und zweimal in der Woche einen kurzen Wickel; ferner täglich zwei Tassen Tee, in kleinen Portionen, von gesottenem Fenchelsamen, Brennesseln und Spitzwegerich. Nach dieser Zeit war der Husten verschwunden, alle Verschleimung gehoben, das Aussehen frisch, und die Kräfte waren wiedergekehrt.

Magengeschwüre.

Vieles Erbrechen, Brennen im Magen usw. sind noch keine entscheidenden Zeichen für Magengeschwüre. Daß indes solche manchmal vorkommen, ist leider nur zu wahr.

Solche Leidende sollen ja nichts Ätzendes einnehmen, wenig salzen, wenig pfeffern, wenig würzen. Recht einfache Kost und noch einfachere Getränke, besonders Milchkur, haben sich schon als die allerbesten Heilmittel erwiesen für die beginnenden kleinen Geschwürchen.

Im übrigen gibt uns das Heilverfahren bei kleinen äußerlichen Geschwüren einen Fingerzeig für die Heilung von Geschwüren im Innern. Am Finger kann ich ein Geschwür recht leicht heilen, wenn ich einen kleinen Lappen fleißig ins Wasser tauche und naß umwinde; er reinigt und heilt. Warum sollten innere Geschwüre nicht auch heilen, wenn man längere Zeit jede halbe Stunde einen Löffel Wasser einnimmt, oder wenn man aus erprobten Heilkräutern einen Tee sich machen läßt und, statt die gewohnte Tasse auf einmal zu trinken, jede halbe Stunde oder jede Stunde ebenfalls sich mit einem Löffel voll begnügt? Mache man einmal den Versuch mit Wermuttee oder mit Salbeitee oder mit Tee von beiden Kräutern zugleich (halb und halb)!

Oder man nehme eine kleine Messerspitze Aloëpulver, löse es in einem Viertelliter Wasser auf und genieße die Arznei wiederum arzneiweise, d. h. alle Stunden einen Eßlöffel voll; wohlgemerkt, letztere Medizin nur immer einen halben Tag lang und mit Ausständen von je 2–3 Tagen.

Ein treffliches Hausmittel, das selbst dem Ärmsten nicht abgeht, ist das Krautwasser (in jeder ganz oder teilweise gefüllten Krautstande genügend zu bekommen). Das Sauerkrautwasser heilt die ältesten Schäden. Man vermische zu dem Zwecke einen Eßlöffel Krautwasser mit 6–8 Löffeln gewöhnlichen Trinkwassers und nehme jede Stunde einen Eßlöffel voll. In der Regel hat nach meiner Erfahrung diese Trinkkur gewirkt, und sollte einmal die vorteilhafte Wirkung ausbleiben, Schaden bringt das Hausmittelchen nie. Immer ist solche Medizin ratsamer und sicherer als diese und jene Giftpräparate.

Tee von Spitzwegerich wäre auch nicht zu verschmähen.

Als äußere Anwendungen empfehle ich solchen Kranken jeden zweiten Tag eine 2–4fältige Linnenauflage auf den Unterleib, je 1½–2 Stunden zu tragen. Vorteilhafer als ein Eintauchen in einfaches Wasser hat sich ein Benetzen mit Absud von Heublumen, Zinnkraut, Fichtenreisern bewährt.

Sitzen einmal große, bösartige Geschwüre im Magen, gleich gefräßigen Raub- und Nagetieren, so ist an eine Heilung nicht mehr zu denken. Das Zerstörungswerk schreitet weiter und endet stets mit dem Zusammensturze des Ganzen, mit dem Tode.

Magen- und Darmkatarrh.

Eine Frau, 40 Jahre alt, klagte über folgende Leiden: „Auf der linken Seite unterhalb der Rippen habe ich immer Schmerzen, bald schwächer, bald stärker; ich kann oft die Schmerzen nicht mehr aushalten. Gerade so leide ich an Wasserbeschwerden; manchmal geht bereits nichts ab, und geht es auch oft besser, so habe ich doch immer Schmerzen. Recht oft wird der Schmerz so stark, daß ich mir den Tod schon gewünscht habe. Dann bin ich auch so aufgetrieben, daß ich mir nicht zu helfen weiß; mein Hals wird oft so dick und aufgedunsen, daß ich kaum zu reden vermag. Ich habe schon viel gebraucht von Ärzten und Nichtärzten; manchmal bekam ich etwas Linderung, aber bald war wieder die alte Geschichte da.“

In vier Wochen wurde diese Frau von ihren Leiden befreit durch folgende Anwendungen:

1. jede Woche viermal angeschwellte Heublumen warm auf den Unterleib und Magen in einem Tuche aufbinden, 1½ Stunden lang;

2. dreimal in der Woche in der Nacht vom Bette aus sich ganz waschen, mit Wasser und etwas Salz daran, eine Minute lang, und gleich wieder, ohne abzutrocknen, ins Bett;

3. jeden Tag eine Tasse Tee von 20 zerstoßenen Wacholderbeeren und etwas Zinnkraut, 10 Minuten lang gesotten, während des Tages in 3 Portionen trinken; so 12 Tage lang.

Nach diesen 12 Tagen folgende Anwendungen:

1. einmal in der Woche die Heublumen aufbinden;

2. dreimal in der Woche in der Nacht sich ganz waschen und

3. zweimal in der Woche ein Halbbad, eine halbe Minute lang;

4. den Tee forttrinken. So drei Wochen lang.

Um den Körper in Gesundheit zu erhalten, reicht aus, in der Woche drei Halbbäder zu nehmen.

Magenkrampf.

Herr N. hat sich öfters erkältet und dadurch Leibschmerzen bekommen; er mußte infolge Anhäufung von Gasen sich oftmals erbrechen. War viel Luft abgegangen, und hatte er sich stark erbrechen können, fühlte er sich wieder wohl und hatte besten Appetit. Das Übel steigerte sich aber mit der Länge der Zeit und begann ziemlich schnell nach jeder Mahlzeit derart heftig, daß er vor Schmerz zuweilen aufschreien mußte. Dabei waren Hände und Füße eiskalt und der ganze Körper in leichtem Frost.

Der Magen ist in solchen Fällen gewöhnlich ganz schuldlos, und der heftige Druck der Luft auf denselben verursacht Brechreiz und Erbrechen. Letzteres selbst lindert das Übel nur auf kurze Zeit. Völlig beseitigt wird es nur dann, wenn im ganzen Körper gleiche Wärme und gleiche Transpiration wie auch Zirkulation des Blutes hergestellt ist. Dies wurde dadurch erreicht, daß der Kranke am ersten Tag dreimal mit ganz warmem Wasser und Essig im Bett gewaschen und, ohne abgetrocknet zu werden, gut zugedeckt wurde. Am zweiten Tage geschah dies nur zweimal und von da ab täglich nur einmal. Dies Verfahren genügt, so oft man durch Erkältung sich Fieber, verbunden mit Aufstoßen der Luft und Erbrechen, zugezogen hat.

Magenleiden.

Armer Magen, was sollst du nicht alles verschuldet haben! Neben dem Herzen und den Nerven bist du wohl der Hauptsündenbock! Frage hundert Menschen, ob sie nicht magenleidend seien! Ganz wenige antworten mit einem entschiedenen Nein. Und doch ist in den allermeisten Fällen der Magen so unschuldig wie ein neugeborenes Kind und so gesund wie ein spielender, heiterer Knabe. Beispiele mögen meine Behauptung erhärten.

Amalie hat ein ganzes Jahr hindurch das meiste, was sie genossen, erbrechen müssen. Nichts konnte sie bei sich behalten als täglich 3–4 Löffel lauwarmer Milch. Sie befragte mehrere berühmte Ärzte. Der Apotheker erklärte zuletzt, er habe in seiner ganzen Apotheke kein Mittel mehr, welches nicht schon versucht und angewendet worden sei.

Man brachte die Kranke, ohne anzufragen, auf einem Wagen vor meine Wohnung. Fortschicken konnte ich die armen Leute doch nicht. Die Arme war sehr abgemagert, die Züge eingefallen, die Stimme gebrochen, — ein Jammerbild. Husten indessen (das war mir das wichtigste) war nicht vorhanden, nur ein fatales Magenleiden; ich sollte ihr doch, meinten die Leute, etwas geben für den Magen. Sofort erklärte ich, sie sollen ruhig sein und nicht so über den Magen herfallen und schimpfen, da fehle es ganz anderswo; zu den gesündesten Teilen an und in dieser Person gehöre der Magen. Die einen ärgerten sich, die anderen lachten; die Kranke selbst stutzte zweifelnd, ob ich auch recht bei Sinnen sei. Soweit hergefahren, mochte sie denken, unter solchen Schmerzen, und jetzt diese mitleidslose und harte Aussage eines Geistlichen! Mir war das alles eins.

Was brachte mich zu solchem Urteile?

Die Person hustete nicht, aber es stieß ihr die Luft (die Gase) beim Munde heraus. Der Magen und der Unterleib waren mit Gasen bis aufs äußerste, bis zum Übermaß gefüllt. In solcher Umgebung kann es niemand mehr aushalten, selbst nicht der sonst so geduldige Magen; er muß seine geregelte Tätigkeit ganz oder zum größten Teile einstellen. Das Übel vergrößerte sich dadurch, daß die Haut ganz trocken und jede Transpiration gehemmt war.

Die Aufeinanderfolge der Anwendungen war diese: Lauwarme Unterwickel, Waschung des Oberkörpers, kurzer Wickel, Ganzwaschung, Knieguß (eine halbe Minute), abermaliger Unterwickel, Oberguß, ins Wasser knien (eine halbe Minute) bis an die Magengegend, Ganzwaschung, Ober- und Unteraufschläger. Jeden halben Tag sollte die Kranke eine dieser Anwendungen der Reihe nach gebrauchen, dazu täglich ein paarmal auf nassen Steinen gehen.

Durch laue Unterwickel suchte ich die Haut erst wieder wärmer, feuchter und weicher zu machen, dann durch Ganzwaschungen und all die anderen Übungen insbesondere auf den Unterleib einzuwirken. Es gelang; die Luft, die Gase suchten die richtigen Auswege, und die Transpiration, die normale Tätigkeit der Haut kam in Gang. Mit dem Schwinden der Gase rückte in den luft- und gasleeren Raum der Appetit ein; Blut und Säfte mehrten sich, und in der kurzen Zeit von 5 Wochen war die Kranke gesund.

Rosa leidet seit langen Jahren am Magen, seit einigen Monaten an besonders heftigen Magenkrämpfen. Sehr oft muß sie das Bett hüten, und wenn das Aufsein auch leidlich ist, kann sie nur mit großer Not und Anstrengung ihrem Berufe teilweise vorstehen. Mehrere Ärzte haben erklärt, es fehle ihr weiter nichts, sie besitze nur einen recht schlechten Magen. Die arme Geplagte brauchte viel in tropfbar-flüssiger und fester Form, in Pulver- und Pillen- und anderer Gestalt, zum Teile scharfe Sachen.

Das Aussehen läßt auf arge Leiden schließen: die Gesichtszüge sind eingefallen, die Farbe ist blaß, der Körper nur mehr Haut und Knochen. Ihr Unterleib — so ergänzte sie das Krankheitsbild — sei stark aufgetrieben, und sogar das anliegende Kleid verursache ihr Schmerzen. Oft habe sie sich erbrochen, und Füße und Hände seien stets ganz kalt.

Mein Gutachten lautete wie im vorhergehenden Falle. Rosa hatte sich den Unterleib gründlich dadurch verdorben, daß sie oft plötzlich von der Hitze in die Kälte, vom heißen Herde weg in den Eiskeller kam und nicht wußte, wie sie sich gegen die schon bald fühlbaren schädlichen Einflüsse schützen könne. Dazu hatte sie niemanden, dem sie sich anvertrauen wollte, und sie trug die vermeintlichen kleinen Übel, solange sie diese ertragen konnte, bis endlich der Druck vom Unterleib aus so heftig wurde, daß dem Magen, eingeengt und eingezwängt, wie er war, alles, was er an Speisen aufnahm, förmlich wieder ausgepreßt wurde.

Zu den allgemeinen Anwendungen, die Tätigkeit in den ganzen Körper zu bringen hatten, mußten besondere für den Unterleib (nicht den Magen) hinzukommen, das Angesammelte, besonders auch die Gase, zu lösen und auszuleiten. Als Anwendungen folgten (jeden Tag eine derselben):

der spanische Mantel (allgemeine Anwendung);

Überlagen mit angeschwellten Heublumen auf den Unterleib, jeden Tag 2 Stunden lang;

der kurze Wickel (auflösend und ableitend);

Ober- und Unteraufschläger;

wiederum der spanische Mantel.

Als Nebenanwendungen dienten das Gehen auf nassen Steinen oder im nassen Grase, mitunter der Knieguß. Nach 4 Wochen reichten aus ein Wechsel zwischen dem spanischen Mantel und dem kurzen Wickel, jeden zweiten Tag eine dieser Anwendungen. Daneben mußte die Kranke, wie oben bemerkt,

häufig barfuß gehen. Rosa wurde ganz gesund und ist es heute noch. „So gesund bin ich,“ äußerte sie sich bei einer jüngsten zufälligen Begegnung, „wie noch nie in meinem Leben.“

Friedrich erbrach anfangs viel Magensäure, später alles Gegessene und Getrunkene. Alle Mittel halfen nichts, und der Arzt definierte das Übel als Magenverhärtung mit Magenschluß.

Das Aussehen des Patienten war gar nicht schlecht, die Züge wohl etwas alt und die Gesichtsfarbe gelb. Luft stoße es ihm viel aus dem Magen, meinte er; der Unterleib sei vor Blähungen oft wie eine Trommel, und dann zeige sich auch regelmäßig heftiges Weh im Kopfe. Wiederum haben wir Untätigkeit im unteren Revier, Schlaffheit der Gedärme. Daher der ungeregelte Stuhlgang, die Häufung der Gase und daher der Druck auf Magen und Kopf. Der Kranke mußte 10 Tage hindurch täglich ein Tuch, getaucht in Wasser und Essig, 2 Stunden lang auf den Unterleib binden, täglich ein warmes Fußbad nehmen mit Asche und Salz und den Rücken sich in jeder Nacht zweimal kalt abwaschen lassen. Nach 6 Tagen schon verbesserte sich der ganze Zustand. Nach 10 Tagen wandte der Patient wöchentlich zweimal den kurzen Wickel, einmal den spanischen Mantel an und nahm jeden zweiten Tag ein Fußbad mit Asche und Salz. Die dritte Verordnung bestimmte für die letzten 2 Wochen wöchentlich je 3 Ober- und Untergüsse und 2 Halbbäder (bis an die Magengegend). In 6 Wochen war der Kranke vollständig hergestellt.

Unzählige solcher Fälle könnte ich noch anführen; das Gesagte mag indes genügen.

Das muß und will auch ich gerne konstatieren und zugeben: Wenn solche Übelstände nicht beseitigt, wenn der fortwährende Druck und die stete Pressung mit der Hand in Hand gehenden Entzündung des Magens nicht gehoben werden, dann freilich müssen nach und nach die berüchtigten und gefährlichen Magengeschwüre entstehen, die meistens in die entsetzliche Krebskrankheit (Magenkrebs) ausarten.

Selbst da noch können Täuschungen und Irrungen vorkommen. Ein Beispiel will ich nur andeuten. Ein Familienmitglied habe, so meldete man mir einstens, nach dem Ausspruche verschiedener Fachleute den ausgebildeten Magenkrebs, und man lasse bei mir nur anfragen, welche Vorsichtsmaßregeln in diesem Hause zu treffen seien, daß die schreckliche Krankheit nicht ansteckend wirke. Ich gab Regeln an, darunter auch für den

Kranken selbst solche, welche ihn in 4 Wochen vollkommen heilten und dem Krebs zum Rückzuge bliesen. Die Mittel bestanden in einfachen Teen von Schafgarbe, Wermut und Salbei und in kurzen Wickeln im Wechsel mit Fußbädern.

Kongestionen nach dem Essen, sowie Aufstoßen der Speisen, besonders 2 Stunden nach dem Essen und weiterhin den ganzen Nachmittag, wiederholten sich ungefähr alle 4–5 Minuten; außerdem träger Stuhlgang, völlige Schlaffheit der Gedärme, starker Fußschweiß (starker, ekelhafter Geruch). Dieser Zustand dauerte 5 bis 6 Jahre. Verschiedene Mittel wurden angewendet, aber ohne Erfolg. Das Aussehen ist recht krankhaft, wie Porzellanfarbe; die Ränder um die Augen sind ganz grau und blau, recht wenig Blut, wenig Naturwärme, schlechte Verdauung, deshalb Blut und Natur nur krankhaft genährt.

Die Anwendungen müssen folgende sein: 1) die faulen Stoffe auflösen, 2) die Naturwärme vermehren, 3) durch Kräftigung der Organe eine bessere Verdauung bewirken, daß Blut und Säfte besser werden und die ganze Maschine in guten Gang bringen. Denn dieser Organismus ist doch einer Maschine gleich, die fleißig geschmiert wurde, aber kein gutes Material hatte, und deshalb muß die Maschine überall gereinigt werden.

Anwendungen: 1) Warmes Fußbad zur Ausleitung der faulen Stoffe in den Füßen, ungefähr drei- bis viermal, bis der Fußschweiß aufhört. 2) Ganzwaschungen, die eine allgemeine Transpiration bewirken und zugleich die Naturwärme erhöhen. 3) Ober- und Unterguß.

Mit diesen Anwendungen soll man ungefähr 8–10 Tage fortfahren, an jedem Tag zwei Anwendungen. Als zweite Kur kommt die Ganzwaschung, Ober- und Unteraufschläger, ins Wasser knien, Rückenguß, wieder 10 Tage lang. Als dritte Kur folgen Halbbäder und Ganzwaschungen. In 3–4 Wochen kann so ein Organismus wieder hergestellt werden. Zur Erhaltung und weiteren Befestigung aber ist notwendig, in der Woche noch ein paar Anwendungen beizubehalten, wozu eine Ganzwaschung oder auch ein Ober- und Unterguß ausreicht.

Ein Weib, 64 Jahre alt, hat heftiges Brennen im Magen, Aufstoßen und Erbrechen; oft kommt dazu kaltes Fieber und manchmal auch starker Schweiß. Wochen hindurch nimmt das Übel immer zu trotz aller angewandten Mittel. Die beste Wirkung wird hervorbringen: Täglich zweimal jedesmal 20 Wermuttropfen in einer kleinen Tasse ganz warmen Wassers; dazu täglich einmal ein

warmer Unteraufschläger eine Stunde lang; ferner jeden zweiten Tag ein doppeltes Tuch, in warmes Wasser getaucht, auf den Unterleib gebunden, eine Stunde lang. Jeden zweiten Tag ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 14 Minuten lang.

Eine Person, 40 Jahre alt, klagte über häufige Magenschmerzen, Schmerzen im Unterleib, Appetitlosigkeit, saures Aufstoßen und Entkräftung. Besonders waren Hände und Füße meistens kalt. — Die Anwendungen waren folgende: 1) Jeden Morgen und jeden Abend Brust und Unterleib mit halb Wasser und halb Essig kräftig einreiben. 2) Täglich 6–8 Wacholderbeeren essen. 3) In der Woche dreimal vom Bett aus ganz waschen und, ohne abzutrocknen, wieder ins Bett gehen. In 14 Tagen war die Kranke geheilt, und um gesund zu bleiben, wird selbe gut tun, wenn sie längere Zeit hindurch wöchentlich einmal sich ganz wäscht.

„Längere Zeit hindurch habe ich ein hartes Magenleiden. Es treibt mich gewaltig auf, und unter großen Schmerzen muß ich oft alles erbrechen. Meine Füße tun mir meistens weh und zeigen dabei krampfhafte Zuckungen. Meine Lippen sind beständig weiß; ich magere am ganzen Körper ab. Ich habe mehrere Ärzte gehabt; die haben mir aber nichts als zum Laxieren gegeben, und dieses hat mich wohl recht angegriffen und geschwächt.“

Anwendungen: 1) In der Woche dreimal angeschwellte Heublumen auf den Unterleib binden, eine Stunde lang. 2) Jede zweite Nacht vom Bett heraus ganz waschen und, ohne abzutrocknen, wieder ins Bett gehen. 3) Jeden Morgen 25 Wermuttropfen in Wasser einnehmen, jeden Nachmittag 25 Tropfen von Hagebutten.

Eine Hausfrau klagt: „Ich bin gar nie frei von Schmerzen im Unterleib; derselbe ist oft aufgetrieben, und wenn es recht arg ist, habe ich einen Druck auf den Magen, daß mir viele Säure aufstößt, oft auch die Kost erbrochen wird. Mein Kopf ist recht eingenommen, und nicht selten habe ich großen Schwindel. Es gibt Zeiten, wo ich alle halbe Stunde Harn lassen muß, dann wieder Tage, wo höchstens einmal Wasser abgeht. Drei Ärzte erklärten, ich habe Magenkatarrh.“

Diese Kranke wurde geheilt innerhalb 4 Wochen auf folgende Weise: Die erste Woche bekam sie bloß täglich 2 Obergüsse und 2 Kniegüsse und täglich eine Tasse Tee von Wacholderbeeren und Zinnkraut; in der zweiten Woche täglich einen Oberguß und Knieguß, zweimal einen Wickel von unter den Armen an; in der dritten Woche einmal den spanischen Mantel, dreimal ein Sitzbad und einmal ein Halbbad; in der vierten

Woche Halbbäder, dreimal den spanischen Mantel, einmal Wassergehen täglich.

Magen-Säure.

Kreszentia erzählt: „Ich bin 45 Jahre alt, habe fast täglich starkes Magenleiden; es hört von Zeit zu Zeit auf, aber immer nur auf kurze Zeit; recht oft stößt es mir Säure und Bitterkeit oben heraus, und ich weiß mich oft gar nicht zu erwärmen; je mehr Säure und Bitterkeit, um so größer die Kälte.“

Das Aussehen dieser Person war recht leidend, sie selber recht mager; die Gesichtszüge waren eingefallen; die Kälte scheint die Wärme gänzlich verdrängt zu haben. Hier ist sicher durch schlechte Verdauung eine große Blutarmut eingetreten.

Ich verordnete ihr: „Schütten Sie siedendes Wasser an Heublumen, bringen Sie diese so warm wie möglich in ein Tuch oder noch besser in ein Säcklein und legen Sie dieses ganz warm, wie Sie es gut ertragen können, auf die Magengegend und den Unterleib! Bringen Sie über das Ganze ein Tuch über den Körper, daß das Säcklein auf den Leib aufgebunden ist, und lassen Sie es dann eineinhalb Stunden lang liegen; so 3 Tage lang! Nehmen Sie drei Tage nacheinander jeden Abend ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 14 Minuten lang, dann jeden 3. oder 4. Tag, und waschen Sie sich in der Woche drei- bis viermal in der Nacht vom Bett aus ganz und gehen Sie dann gleich wieder ins Bett! Nehmen Sie dann täglich zweimal 4–6 Löffel voll Wermuttee, und machen Sie so 14 Tage fort; dann wird ausreichen in der Woche einmal ein Fußbad und einmal eine Waschung in der Nacht oder auch ein Halbbad.“

Migräne.

Die Migräne, das halbseitige Kopfweh, ist vorherrschend eine Frauenkrankheit, die aber auch geistesstarke Männer recht oft befallen kann, besonders solche, die viel und anstrengend geistig beschäftigt sind. Man kann manchmal den Trost eines Arztes hören: „Seien Sie ruhig, einen Dummkopf befällt keine Migräne!“ Leicht kann dieses Leiden von gestörtem Blutlaufe herkommen, noch häufiger aber von störenden Einflüssen aus dem Magen und Unterleib. (Gänzlicher Mangel an Appetit und Widerwille gegen alle Kost.) Wenn der Unterleib im ganzen etwas geschwächt ist, wenn sich häufig Gase sammeln und die Stuhlentleerungen nicht regelmäßig sind, so üben gar zu leicht und oft diese Beschwerden eine Rückwirkung auf den Kopf und verursachen an einzelnen Stellen diese Schmerzen. Oder es kann das Blut bei einem unregelmäßigen

Lauf auf eine Stelle besonders hindrängen. Oft meldet sich das unheimliche Leiden, indem sich’s wie Nebelflor auf die Augen legt. Bei manchem spukt es in den Augenecken, bei anderen wird das Augenlicht selbst ganz gestört, und es ist ihnen, als ob verschiedene Figuren vor den Augen tanzten.

Migräne kommt gerne nach Krankheiten, wenn die Natur sich noch nicht vollständig erholt hat und die Tätigkeit der Organe keine ganz normale ist. Migräne kann auch ein Erbteil sein. Leute, die oft an Migräne leiden, erzählen dann, wie schon die Mutter oder der Vater daran gelitten.

Besagtes Kopfleiden ist unschwer zu heilen. Rührt die Migräne von Gasen her, — und diese sind nach meiner Ansicht die Hauptursache, — so kann es ausreichen, wenn man 2–3 Tage nacheinander täglich zwei- bis viermal den Unterleib mit recht kaltem Wasser kräftig wäscht. Nicht nur die Gase werden durch diese einfache Anwendung oft vollständig ausgeleitet, sondern diese wirkt sogar auf den Stuhlgang und bringt nicht selten allein alles in Ordnung. Kräftiger noch ist die Wirkung, wenn ins Wasser, das man zur Waschung benützt, etwas Essig oder Salz gemischt wird.

Sollte diese Anwendung nicht ausreichen, dann können innerhalb einer Woche 2–3 Halbbäder genommen werden. Diese sollten genügen. Nebenzu mag der Patient Tee verwenden, der die Gase aufzehrt oder löst. Kümmel oder Fenchel, als Tee bereitet und getrunken, wirkt vortrefflich. Auch kleine Hausmittel sind nicht zu verachten. Jeden Morgen und Nachmittag 5 Tropfen Spicköl auf Zucker tut denselben Dienst. 6–8 Wacholderbeeren, im Tage nacheinander zu verschiedenen Zeiten gekaut, haben schon manchem geholfen.

Brausepulver halten viele für ein Radikalmittel gegen dieses Leiden. Dieselben leiten vielfach Gase aus, das gebe ich zu; aber man übertreibe nicht. Radikalmittel sind sie nicht. Derlei Leute erinnern mich mit ihren Anpreisungen immer an jenes amüsante Geschichtchen, worin einer mit einer Rakete einen Hasen totschießt. Als das Nonplusultra für Migräne gilt heutzutage der Migränestift, ein feines und fein gearbeitetes Holz, in dem die Wundereichel steckt, die stark nach Kampfer riecht. Kein Gebildeter und keine feine Dame gehen mehr aus ohne dieses kleine Vademekum. Die Wurzel des Übels (der Migräne) sitzt, wie wir gesehen, zumeist und hauptsächlich im Unterleib. Mit dem Stifte braucht man aber nur eine gewisse Anzahl Striche auf die Stirne

(glaube ich) zu machen, und gut ist’s. Helfe, was helfen mag! Ich will mir darüber kein weiteres Urteil erlauben; aber ich müßte lächeln, wenn ein Patient, dem Klistier verordnet ist, statt dieses zu nehmen, sich in das Ohr spritzen ließe.

Nasenbluten

siehe oben [Seite 189].

Nervenerschöpfung.

Ein Pfarrer gab an, er habe zeitweilig fast unausstehliches Kopfweh, und wenn dieses sich bessere, solche Halsbeschwerden, daß er vor Müdigkeit und Schmerzen kaum reden könne. Auch im Rücken bestehe oft schmerzhaftes Zusammenziehen und Mattigkeit. Nach dem mitgebrachten Zeugnisse seines Arztes leide er an „ausgebildeter Nervenerschöpfung, und es sei nahe daran, daß Gehirn und Rückenmark angegriffen würden“. — Außerdem waren hochgradige Reizbarkeit und Angstgefühle vorhanden.

Anwendungen: Täglich ein schwacher Oberguß in der Frühe und nachmittags; täglich einmal im nassen Grase und auf nassen Steinen 4 Minuten lang gehen; so 5 Tage lang. Darnach täglich ein stärkerer Oberguß, ein Knieguß und zweimal im Wasser gehen; so 5 Tage lang. Dazwischen Sitzbäder.

Die weiteren Anwendungen waren: Täglich ein Rückenguß, ein Halbbad, ein Oberguß und Wassergehen. Diese Anwendungen beseitigten alle Leiden, und gesund und heiter ging der Geheilte wieder an sein Berufsleben.

Nervenleiden.

Ein Geistlicher berichtet also:

„Infolge gewaltiger Aufregung, Angst und Schrecken bekam ich Ende Juli 1884 ein Leiden, welches sich anfangs durch häufiges, sehr beängstigendes Herzklopfen und beständige Atmungsbeschwerden mit allgemeiner Schwäche äußerte. Das Herzklopfen hörte nach einigen Monaten wieder auf. Aber nun erschienen andere Übel: mitunter sehr heftige beängstigende Anfälle von Asthma, häufiges Drücken mit Schmerzen und Spannen bis in den Unterleib hinab. Hauptsächlich spürte ich den Druck in der ganzen Rippengegend, zuweilen auch im Rückenmark. Oftmals fühlte ich sehr große Mattigkeit und Abgeschlagenheit in allen Gliedern mit Schmerzen in den Gelenken. Nebenher quälten Verstopfungen mit Blähungen stets den Unterleib. Die Stimme war ganz geschwächt, so daß mir oft schon das einfache Sprechen Schmerzen, Beklemmungen und Asthma verursachte; ein anhaltender, starker Gebrauch der Stimme war ganz unmöglich geworden. Während der ganzen Zeit habe ich auch Beschwerden im Kopfe, nämlich Schwindel, starke Eingenommenheit, zu Zeiten heftige Kopfschmerzen, so daß ich manchmal kaum zu denken imstande und zu jeder geistigen Anstrengung unfähig bin. Jede Kleinigkeit regt mich ungemein auf und steigert nicht selten die Beschwerden in Brust und Kopf aufs äußerste. Dazu hat eine unsägliche Melancholie meinen Geist eingenommen, manchmal ist’s fast zum Verzweifeln. Die Ärzte erklärten mein Leiden für ein Nervenleiden. Zwei derselben, ein Allopath und ein Homöopath, beide berühmte Männer, verschrieben mir Mittel (Duschebäder, Diät, Bromkali, Zincum oxydat., Natr. phosph. u. a.), die aber sämtlich ganz erfolglos blieben, ja das Übel zuweilen noch ärger machten. Am ehesten schien noch zu wirken, was ein dritter Arzt anriet: kalte Vollbäder und fleißige Bewegung in der Luft. Das dauerte so ein halbes Jahr, bis ich endlich ganz zum Wasser meine Zuflucht nahm.“

Soweit der Kranke. Schauen wir ihn selbst näher an! Sein Aussehen ist ungewöhnlich gerötet, die Augenränder sind etwas gelb, Ohren und Lippen hochrot, mit blau untermischt. Die Haare sind dem jungen Herrn, der kaum mehr als 30 Jahre zählt, bis auf einen kleinen Rest gänzlich ausgefallen. Worauf lassen diese Anzeichen schließen? Gewiß auf allzu heftigen Drang des Blutes gegen Kopf und Brust. Der Schmerz auf der Stirne zeigt die Heftigkeit des Blutandranges zum Kopfe an, und das zu viele Blut im Kopfe bewirkt eine Ausdehnung der Adern. Kann da geheilt werden und wie? Die zwei hauptsächlichsten Leidensstellen, Kopf und Brust, sind vor allem ins Auge zu fassen. Beide werden gleichsam erdrückt unter der Überfülle des Blutes. Dieses muß allererst gegen die Extremitäten abgeleitet werden. Dann kann ich an die Auflösung alles Abnormalen (Anstauungen, Erweiterungen der Adern, Ausbuchtungen nach innen usw.) an Kopf und Brust gehen und zuletzt allgemein auf den ganzen Körper einwirken.

Als Anwendungen werden sich der Reihe nach am besten eignen: Fußdampf, Kopfdampf, kurzer Wickel, spanischer Mantel, auf nassen Steinen gehen, Ober- und Untergüsse, spanischer Mantel, Barfußgehen, zur Winterszeit am besten im frischgefallenen Schnee.

Innerhalb 3 Wochen hatte sich der Zustand bedeutend gebessert. Bis zur vollen Erholung indessen dürften bei so fortgeschrittenem und tiefgewurzeltem Leiden noch Monate vergehen.

Aus der mehr oder minder guten Wirkung jeder einzelnen Anwendung lernt der Patient selbst am sichersten urteilen, welche derselben von den besten Folgen begleitet ist und deshalb öfters wiederholt werden soll. Nur lasse man sich ja nie und nimmer verleiten, den Willen stets nur auf diese besondere Anwendung hinzurichten. Mit den besonderen Anwendungen sind jederzeit, um den Einklang und den gesunden, reellen Fortschritt in der Heilung nicht zu stören, die gemeinsamen, d. i. die auf den ganzen Organismus wirkenden, pünktlich zu verbinden.

Ein Priester aus Böhmen berichtet:

„Vor 8 Monaten trat bei mir infolge von Überanstrengung heftiges Herzklopfen ein sowie auch Schlaflosigkeit, späterhin starkes Aufstoßen, Auftreibung des Unterleibes, auch Atmungsbeschwerden. Es bestanden zuweilen perverse Empfindungen, Schmerzen in Händen und Füßen, Unruhe, später auch Zittern in denselben, dabei hochgradige Abspannung und Müdigkeit. Appetit fehlte zuletzt auch, ebenso Stuhl.“

Bei seiner Ankunft schien Patient sehr erschöpft und zeigte eine blaßgelbe Gesichtsfarbe. Nach siebenwöchentlicher Kur war er wieder frisch, gesund und munter. Auch der Schlaf hatte sich langsam wieder eingestellt.

Die Wasseranwendungen bestanden in folgendem: In den ersten drei Wochen: 1) nachts vom Bett aus ein Halbbad; 2) vormittags Oberguß und Wassergehen; 3) nachmittags Rückenguß und Halbbad; 4) täglich fleißig Grasgehen. Späterhin: Oberguß mit Knieguß, auch Halbbäder, zweimal Fußdampf. Zum Einnehmen täglich 8–10 Wacholderbeeren, auch Tee von Wermut und Salbei.

Nervenüberreizung.

Zwei Studierende kamen in die Osterferien und erzählten: „Wir haben Kopfleiden, Blutandrang nach dem Kopf, schlechten Schlaf und große Müdigkeit, mangelhaften Appetit, und wir sind somit unfähig, weiter fortzumachen. Könnten wir nicht die Vakanz benützen zur Wiederherstellung unserer Gesundheit durch die Wasserkur?“

Ich gab den Rat, sie sollten, weil es Frühling, der Boden feucht und es noch ziemlich kalt war, diese Vakanztage wo möglich im Freien, im Walde, auf den Wiesen barfußgehend zubringen und rasche Bewegungen machen, wenn sie sich kalt fühlten; auch von Zeit zu Zeit in einen mit Wasser gefüllten Graben 2–3 Minuten stehen und darin hin- und hergehen.

Ebenso mußten sie täglich zwei- bis dreimal ihre Arme ganz ins Wasser halten. Diese Anwendungen behagten den jungen Leuten sehr; es kam ihnen Mut und Freude; sie gingen wieder neugestärkt an ihre Studien, konnten ihre Aufgabe gut lösen und freuten sich auf die Herbstferien, um ihren Körper aufs neue abzuhärten und zu kräftigen.

Bemerkt jedoch sei hier, daß beim Gehen auf naßkalter Wiese und beim Stehen im Wasser jedesmal nach Bekleidung der Füße so viel Bewegung gemacht werden muß, daß die Naturwärme bald wieder eintritt; diese wird bei jungen Leuten unschwer durch rasches Gehen bewirkt.

Ein ähnliches Beispiel traf bei einem Alumnus zu, welcher mit folgenden Klagen hieher kam: „Ich habe einen solchen Druck im Kopf, daß ich oft kaum mehr weiß, wo ich weile, und was ich tue; ferner habe ich oft erheblichen Schwindel, bin unfähig zu geistiger Tätigkeit; ich mußte die Anstalt 3 Monate vor Erreichung meines Zieles verlassen.“

Es war warme Augustzeit, und dieser Kandidat brachte während 10 Tagen die meiste Zeit in Gärten und Wäldern zu, barfußgehend vom Morgen früh bis Abend spät. Zudem bekam er täglich 2–4 Obergüsse. Innerhalb 12 Tagen waren seine Krankheitserscheinungen gehoben; er fühlte sich heiter und gekräftigt und brauchte bloß noch zur weiteren Kräftigung seine Herbstferien ebenso durchzumachen.

Nervenzerrüttung.

Ein Herr von Stand hatte durch ungewöhnlich viele Berufspflichten Geist und Körper so zugerichtet, daß nicht zu beurteilen war, ob Geist oder Körper mehr zerrüttet sei.

Man hatte Grund, zu fürchten, die Geisteszerrüttung könnte mit den traurigsten Folgen ein erbarmungswürdiges Ende nehmen. Monate hindurch hatte er weder Schlaf noch Ruhe, die peinlichsten Leiden und Schmerzen am ganzen Körper; alle ärztlichen Mittel waren wirkungslos. Das Wasser sollte hier noch Rettung bringen, und wirklich war der Unglückliche nach dreizehn Wochen in der Lage, in seinem Berufe frisch und gesund wieder aufs neue zu beginnen.

Ein solcher Zustand kann nur durch die einfachsten Anwendungen behandelt werden. Erster Tag: Den oberen Körper vormittags mit Wasser und Essig ganz waschen. Auf diese Waschung folgt ein Knieguß (eine Minute lang). Die zweite Anwendung am Nachmittage wie die erste. Zweiter Tag: Eine Gießung auf den Oberkörper mit einem halben Gießer voll Wasser; gleich darauf auf nassen Steinen Bewegung machen und nebenzu einen Gießer voll Wasser auf die Knie, nachmittags dasselbe. Dritter Tag: Oberguß (1 Gießer voll) und Knieguß, nachmittags: Oberguß (1 Gießer voll), daraufhin ins Wasser stehen (3 Minuten lang). Diese Anwendung war so schmerzlich, daß dem Patienten Tränen in die Augen kamen. So wird ungefähr eine Woche hindurch fortgefahren. Die zweite Woche waren Obergüsse jeden Tag mit verstärktem Knieguß im Wechsel mit Wasserstehen, soweit es die empfindlichen Füße zuließen, verordnet; diese Obergüsse steigerten sich während der Woche von 1–3 Gießer. Auch das ins Wasserstehen wurde verstärkt bis an die Knie, aber immer nur 2, höchstens 3 Minuten. In der dritten Woche wurden Obergüsse mit Knieguß und Wasserstehen weiter gesteigert und jeden zweiten Tag ein Sitzbad genommen, gewöhnlich nachmittags. In der vierten Woche: Oberguß mit Wasserstehen, je vormittags, nachmittags ein Halbbad. In der fünften Woche am Morgen ein Rückenguß mit Wasserstehen oder mit Knieguß, nachmittags Oberguß. So wurde fortgefahren, jeden halben Tag eine Anwendung: a) Oberguß mit Knieguß, b) ein Halbbad, c) Rückenguß bis zur vollständigen Heilung.

Innerlich wurde gegeben: a) weißes Pulver, täglich eine Messerspitze voll, im Wechsel mit b) Wacholderbeeren, täglich 6–8 Beeren, und c) Tee von Wermut und Salbei.

Nervöses Leiden.

Ein Kandidat im Alter von 34 Jahren berichtet: „Vor 11 Jahren fing durch übertriebene Beschaulichkeit, körperliche Strenge und jahrelange furchtbare Skrupeln der Kopf an, an Kongestionen, heftigem Schmerz und Schwerfälligkeit zu leiden. Da ich fortfuhr, für einen, ja oft für zwei Gesunde geistig und körperlich zu arbeiten, wurden die Nerven total irritiert und schließlich der Kopf vor zwei Jahren ganz unfähig zu geistiger Anstrengung, selbst nur einen Rosenkranz z. B. auf einen Zug zu beten. In Wörishofen blieb es acht Tage beim alten trotz Schenkel-, Ober- und Rückenguß und Barfußlaufen; dann bekam ich Malefiz-Öl und mußte dabei die Wasseranwendungen noch 3 Tage fortmachen, aber das Übel wurde nur schlimmer; dann durfte ich für 3–4 Tage keine Wasseranwendungen vornehmen; das Malefiz-Öl wirkte; der Kopf wurde plötzlich frei, klar und stark, und dabei blieb es bis heute.“

Diesem Berichte muß ich hinzufügen, daß der betreffende Herr schon geraume Zeit, ehe er zu mir kam, nach meinem Buche selbst sich zu helfen gesucht hatte und durch eine glückliche oder vielmehr vernünftige Auswahl des für ihn Passenden sowie auch durch sehr pünktliche und genaue Befolgung des Vorgeschriebenen der bei mir gemachten Kur schon bedeutend vorgearbeitet hatte. Als er ankam, war er in einem noch elenden und trostlosen Zustande und um so beklagenswerter, als wegen seines äußern, scheinbar guten Aussehens nur ein gründlicher Kenner von seinem Leiden wissen konnte. Gott sei es gedankt, daß er jetzt wieder mit freudigem Mute seinen höheren Studien obliegen kann.

Nierenleiden.

Ein Bauer erzählt: „So stark und korpulent ich aussehe, geradeso elend bin ich. Ich kann nicht mehr arbeiten, bin beständig aufgedunsen; die Atemnot wird oft so groß, daß ich glaube, ich müsse ersticken. Ich wälze mich in der Nacht im Bett umher, ohne schlafen zu können. Mein Urin ist meistens recht dick und mit Blut vermischt. Ich habe oft ein sehr heftiges Brennen in der Blase; Ärzte habe ich mehrere gehabt. Einer sagte, ich sei leberleidend und habe Gallensteine. Ein anderer hat behauptet, es fehle mir in den Nieren, und es werde Nierenvereiterung eintreten. Ein dritter glaubte, mein Magen verdaue nicht, und deshalb sei ich immer verschleimt, weil im Munde immer sehr viel zäher Schleim vorhanden ist.“ Dem fast Trostlosen wurden Anwendungen geraten: 1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem Haberstroh mit dreimaligem Wechsel, 30–32 Grad. (10 Minuten im warmen, 1 Minute im kalten Wasser.) 2) In der Woche zwei kurze Wickel, ebenfalls von Haberstrohwasser, eineinhalb Stunden lang. 3) Täglich 2 Tassen Tee von Zinnkraut und Wacholderbeeren trinken, 10 Minuten lang gesotten. In 6 Wochen war der Mann vollständig gesund. Sein Körper ist normal, der große Bauch ist verschwunden, das braungelbe Aussehen ist entfernt, und wie die Farbe frisch und gesund ist, so ist auch seine Kraft wiedergekehrt.

Ein armer Arbeiter schreibt: „Ich erkrankte an einem Nierenleiden ungefähr im November 1887, arbeitete aber dabei bis Mitte Januar 1888. Meine Kraft war indessen so herabgesunken, daß ich nunmehr 11 Wochen das Bett hüten mußte. Der Arzt, welcher mich behandelte, erklärte mir, das Leiden komme nur von Erkältungen und zurückgeschlagenem Schweiße her und sei eine langwierige Sache. Im Urin war stets ein großer, rötlich-brauner Satz. Man ließ nun den Urin in der Apotheke chemisch untersuchen, und es stellte sich heraus, daß dieser Satz in Blut bestehe. Durch diesen immerwährenden Blutverlust kam ich so herunter, daß der Arzt eine Wassersucht befürchtete. Er untersuchte deshalb Tag für Tag die Füße und das Herz; es zeigte sich aber nirgends etwas von Wassersucht. Als ich mich nach einiger Zeit besser fühlte, ging ich wieder an die Arbeit, mußte aber, als das Leiden nach 20 Wochen wieder eintrat, die Arbeit abermals einstellen. Da ich nun schon so viel mediziniert und allerlei eingenommen hatte ohne anhaltenden Erfolg, so entschloß ich mich auf Anraten einiger Bekannten, nach Wörishofen zu gehen. Ich wandte nun die Kaltwasserkur an, die mir vortrefflich behagte.“

Durch folgende Anwendungen wurde dem Manne geholfen:

1. den einen Tag Oberguß und Knieguß vormittags, Halbbad eine halbe Minute lang nachmittags;

2. den andern Tag des nachts Ganzwaschung vom Bett aus in der Frühe, dann Wassergehen, nachmittags Oberguß und Knieguß;

3. Oberguß, später Schenkelguß vormittags, Rückenguß und Wassertreten nachmittags; so abwechselnd drei Wochen lang; ferner

4. täglich eine Tasse Tee von 10 zerstoßenen Wacholderbeeren und etwas Zinnkraut, morgens und abends in je zwei Portionen trinken.

Ohrenkrankheit.

Wer möchte die vielen Ursachen aufzählen, durch die ein Körper krank werden kann, und wie Krankheiten auf einzelne Organe so einwirken können, daß sie krank bleiben, wenn auch die ursprüngliche Krankheit entfernt ist? Und je edler ein Organ ist, um so nachteiliger wirkt auch eine Krankheit, und um so härter ist sie zu heilen. Einer der edelsten Teile am menschlichen Körper ist das Ohr, und sehr häufig kann das Gehör verloren gehen durch eine Krankheit oder auch durch eine unglückliche Lebensweise.

So kommt eine Mutter und erzählt: „Meine Tochter hat das Scharlachfieber gehabt, von dem sie wohl ganz geheilt wurde. Seit dieser Zeit ist sie nie mehr ganz wohl. Bald klagt sie über dieses, bald über ein anderes Leiden; aber das härteste ist, daß sie das Gehör fast ganz verloren hat. Alles, was angewendet worden ist, hat nichts geholfen.“

Dieses Mädchen ist mithin nicht ausgeheilt, und müßte es an anderen Teilen hören, so würde man auch dort noch Reste der Krankheit bemerken. Wird das Mädchen von allen nachteiligen Folgen des Scharlachfiebers geheilt, dann wird auch das Gehör wieder eintreten. Es muß somit, wie aufs Gehör, so auch auf den ganzen Körper eingewirkt werden.

Folgende Anwendungen werden die beste Wirkung hervorbringen: 1) Ein nasses Hemd anziehen, eineinhalb Stunden lang. 2) Einen Schal umlegen, eineinhalb Stunden lang, und denselben nach drei Viertelstunden nochmal frisch eintauchen. Während dieser eineinhalb Stunden um jeden Fuß vom Knöchel an bis über die Waden ein Handtuch umwinden, in warmes Wasser getaucht, also Fußwickel, eineinhalb Stunden lang. 3) Vom Bett aus ganz waschen und, ohne abzutrocknen, gleich wieder ins Bett, besonders den Hinterkopf und die Ohren gut waschen. 4) Über die Ohren und deren Umgebung einen Lappen binden, in warmes Wasser getaucht, zwei Stunden lang; nach jeder halben Stunde wieder frisch eintauchen. 5) Einen Kopfwickel nehmen (siehe [Wickel]).

Diese fünf Anwendungen sollen durch längere Zeit vorgenommen werden, jeden Tag wenigstens eine Anwendung. Recht gut wird noch wirken in der Woche ein warmes Haberstrohbad, 25 Minuten lang, 28–30° R., gleich darauf mit kaltem Wasser schnell abwaschen, daß die Natur durchs warme Wasser nicht zu empfindlich wird. Diese Anwendungen werden die Natur in den besten Zustand bringen; dann kann noch länger fortgefahren werden mit warmen Umschlägen über die Ohren.

Ohrensausen.

Eine Person hat sehr oft heftiges Ohrensausen, schwache Nerven, oft Zittern an den Händen und Füßen, blasse Gesichtsfarbe, eingefallene Augen. Diese Person hat mehrere Ärzte gehabt. Der eine sagte, das Ohrensausen rühre von den Nerven her, der andere, es komme von einem zurückgegangenen Schnupfen her, ein dritter, das Trommelfell sei etwas eingegangen usw.

Anwendungen: 1) Täglich im Wasser gehen, 2–4 Minuten, darauf Bewegung im warmen Zimmer oder, wenn nicht zu kalt, im Freien. 2) Jede zweite Nacht vom Bett aus ganz waschen mit Wasser und Essig. 3) Zweimal in der Woche einen Schal umlegen, eine Stunde lang. So 14 Tage bis 3 Wochen fortmachen. Wenn noch weiter etwas notwendig ist, jeden zweiten Tag im Wasser gehen und in der Woche einmal waschen.

Rheumatische Zustände.

Wer möchte es versuchen, all die verschiedenen rheumatischen Zustände aufzuzählen, über die man klagen hört! Den einen quält der Schmerz im Kopfe, den anderen in den Zehen, diesen im Arme, jenen in den Beinen, sie auf dem Rücken, ihn auf der Brust usw. Der Rheumatismus ist wahrlich der ewige Jude unter den Krankheiten.

Der arbeitsame Bauer, der Holzhacker, alle diejenigen, die recht angestrengt arbeiten, wissen weniger, an manchen Orten nichts von dieser Krankheit, nach meinem Dafürhalten deshalb, weil diese Leute oft in der einen Stunde Rheumatismus bekommen, in der andern ihn bereits wieder vertrieben haben. Es zeigen sich vielleicht die Anfänge am Morgen, nachmittags dagegen arbeiten sie dieselben wieder hinaus.

Letztere Beobachtung gibt uns klare Winke, wie Rheumatismus geheilt werden kann und soll.

Ein Tierarzt jammerte mir einst vor, er sei unfähig, seinem Berufe weiter vorzustehen; ein abscheulicher Rheumatismus habe sich wie eine Katze in sein rechtes Schulterblatt eingekrallt. Schwitzend sei er unklugerweise in die Kälte gekommen, und er wisse recht gut, er werde, wie jedesmal, die lästige Katze 6 Wochen lang zu tragen haben.

„Wenn Sie wollen, Herr Tierarzt,“ entgegnete ich ihm, „so sind Sie in 24 Stunden frei; ich werde meinen Hund auf Ihre Katze hetzen.“ Er lachte, und es gab eine kleine Wette. Mit Manneswort und Handschlag versprach er indessen, genau zu tun, wie der gestrenge Herr befehle. Er ging heim und ließ sich von seiner Frau den Rücken zuerst kräftig trocken reiben, dann einen kalten Oberguß applizieren. Nach ungefähr 8 Stunden nahm er einen Kopfdampf mit darauffolgendem Guß. Die 24. Stunde hatte noch lange nicht geschlagen, die Katze war längst über alle Berge, und die Wette war gewonnen. — Von trockenem Reiben wurde diesmal gesprochen, was doch sonst nie vorkommt!

Ja, und der Grund ist folgender:

Entsteht der Rheumatismus infolge raschen Wechsels von der Kälte in die Wärme und umgekehrt, so sind die Schmerzen, die zuweilen nur auf der Oberfläche der Haut, zuweilen aber auch tief im Innern, ja, wie man meinen könnte, im Marke der Knochen wurzeln, meist zurückzuführen auf Störungen in der Zirkulation des Blutes, sei es nun ein langsameres oder rascheres Tempo des Blutlaufes, seien es Blutstauungen oder kleine Entzündungen etc. an der betreffenden Stelle. Die dadurch entstandenen Reibungen, Pressungen usw. verursachen den Schmerz und müssen durch Auflösung, Ausleitung und Stärkung der leidenden Teile entfernt werden. Wenn der Taktstock allein die Sänger nicht mehr im richtigen Tempo halten will, dann fuchtelt der Gesangmeister noch mit der freien Hand, mit dem Kopfe den Ungelehrigen zu. Wenn die Gans oder Ente sich in die junge Hühnerfamilie mischt und das „Gehscht weg, du...“ der Futterbringerin nichts helfen will, dann wirft sie einen Stein nach der dummen Gans oder Ente. Wenn der Rheumatismus tief sitzt, schon länger währt, besonders schmerzt und weit ausgedehnt ist, so rufe ich zum Wasser noch die Reibung zu Hilfe. Sie entwickelt rascher Wärme und bewirkt eine schnellere Verteilung des Blutes usw. Wäre die kranke Stelle etwas kühl, und würde ohne weiteres, ohne vorherige Erwärmung ein Guß darauf kommen, so wiche der Rheumatismus wohl etwas weiter im, aber nicht aus dem Körper.

Ein Bauer bekam so heftige rheumatische Zustände in beiden Füßen, daß er nicht mehr gehen konnte; am meisten schmerzten ihn die Schenkel. Der Mann wußte nicht, wie er zu dem Übel gekommen war.

Der Bauer wickelte sich täglich zweimal von unter den Armen an ganz in ein Tuch ein (Unterwickel), das in heißen Heublumenabsud eingetaucht war, und legte sich jedesmal zwei Stunden ins Bett mit guter Zudecke. Zehn solcher Anwendungen wickelten den Rheumatismus vollkommen aus und ab.

Ein anderer Bauer konnte vor lauter Schmerzen in den Hüften gar nicht eingewickelt werden. Er wurde in ein Haberstrohbad mit 33–35° R. und mit dreimaligem Wechsel gesetzt, täglich zweimal, je 25 Minuten lang. In 3 Tagen war er geheilt.

Fälle von Kopfrheumatismus könnte ich eine Unzahl nennen. Sie wurden am leichtesten dadurch entfernt, daß man möglichst wenig am Kopfe selbst, dagegen warme Bäder und Dämpfe an den Füßen anwandte. Kommt man dem Kopfe mit Kälte, so wird’s ärger; kommt man mit Wärme, so strömt noch mehr Blut zu. Die Reihenfolge der besten Anwendungen wäre etwa folgende:

das warme Fußbad (mit Asche und Salz),

die Überlegung eines Schals,

der Fußdampf,

der Kopfdampf mit kaltem Abguß und wieder

der Schal.

Diese Anwendungen, täglich eine derselben, heilen den stärksten Kopfrheumatismus, der gewöhnlich durch Zugluft, Verkühlung und sehr oft durch zu raschen Wechsel von Hitze und Kälte entsteht.

Kein Rheumatismus darf vernachlässigt werden, ein jeder könnte der Anfang zu vielen und schweren Krankheiten sein: zu Krankheiten der Lungen, der Augen, Ohren etc., zu Entzündungen, Blutvergiftung, zu Geschwüren usw.

Ein Student, der ziemlich viel getrunken hatte und in diesem Zustande in die kalte Luft gekommen war, bekam plötzlich Rheumatismus auf der Brust. Er meinte, seiner Jugend und seiner Tapferkeit könne so etwas nicht schaden; die „leidige Geschichte“ werde sich von selbst wieder verlieren. Aber es wurde für die Eltern und deren Angehörige eine leidvolle Geschichte. Es entstand trockener Husten, der schnell einen bösartigen Charakter annahm. Nach zwei Monaten war das blühende und hoffnungsvolle Leben ausgelöscht. Hätte der junge Mann nur täglich vier- bis fünfmal Brust und Unterleib mit kaltem Wasser kräftig abgewaschen, in 1–2 Tagen wäre die Brust frei und der Arme außer aller Gefahr gewesen.

Anna Maria, die viel und streng arbeiten mußte, erhielt rings um das Knie herum eine Geschwulst. Sie beachtete dieselbe mehrere Wochen gar nicht und machte später, als sie heftig schmerzte, in ihrem Unverstande dichte kalte Umschläge. Das Knie wurde nicht besser, sondern schlimmer, und sie befragte einen Arzt. Dieser gab eine Salbe zum Einreiben, die indessen ohne Wirkung blieb. Zu allem Unglück bog sich der Fuß unter dem Knie am Schienbein abwärts. Um die Steifheit zu verhindern, verordnete der Arzt, während 14 Tagen jeden Tag den Fuß mit Schweinefett kräftig einzureiben, später mit Karbolsäure zu waschen. Das Knie wurde immer schlimmer. Zuletzt wandte er einen Gipsverband an und verhieß der Kranken, nach dessen Wegnahme könne sie sicherlich gehen. Nach neun Wochen wurde der Gipsverband weggenommen; aber die arme Magd konnte auf dem Fuße weder stehen noch gehen. Dieser elende Zustand währte fort bis vor wenigen Wochen.

Derlei Verhärtungen an und um die Knochen können nur aufgelöst werden durch längere Zeit fortgesetzte Überschläge mit geschwellten Heublumen, die stets ganz warm aufgelegt werden. Ist die Auflösung geschehen, so wird das Blut auch wieder nach diesen Teilen dringen, dieselben nähren, und die Kraft wird wiederkehren.

Nach achttägiger Anwendung besagten Umschlages konnte die Kranke bereits auf dem Fuße stehen. In 8 bis 10 Wochen konnte sie auch wieder gehen.

Ein Herr von Stand kommt und erzählt: „Ich bin vom Kopf bis zum Fuß voll von Rheumatismen und Krämpfen, habe beständig Katarrh, bald schwächer, bald stärker, ich mag im Zimmer oder im Freien sein; ich weiß mir nicht zu helfen. Ich bin meistens fast ohne Schlaf, ohne Appetit, und wenn ich nicht besser werde, muß ich in Kürze mein ganzes Berufsleben einstellen. Ich trage schon lange ein Jägerhemd und ein Jäger-Unterbeinkleid. Über dieses Jägerhemd trage ich ein zweites Hemd von Wollbarchent, dem stärksten Stoff, den ich bekommen konnte. So trage ich auch noch eine zweite Jäger-Unterhose vom stärksten Wollstoff, dann ein Gilet von Tuch mit dickwollenem Unterfutter, auch eine Buckskinhose, endlich einen Rock und einen Überwurf. Mein ganzer Körper ist vorherrschend kalt und wie mit Teer von übelriechendem Schweiß bedeckt. Es kann kaum noch ein unglücklicheres Geschöpf geben, als ich bin.“ Nun zur Wasserkur!

Zuerst wurde ein Oberguß genommen und die schmierige Haut abgewaschen, ebenso ein Knieguß mit Waschungen. So wurde drei Tage täglich zweimal diese Anwendung vorgenommen. Am dritten Tage wurde das Jägerhemd und die Jägerhose entfernt und gleich darauf ein Halbbad und eine Stunde später ein Oberguß genommen. Am fünften Tage wurde die Doppelunterhose ausgetauscht mit einer leinenen. Am siebenten Tag wurde das Hemd mit einem leinenen ausgewechselt, und so wurde auch das mit Ärmeln versehene Gilet entfernt; dann wurden täglich zweimal Oberguß und Unterguß im Wechsel mit Halbbädern genommen. Nach 14 Tagen war der ganze Organismus von jedem Rheumatismus und Krampf frei; die Haut transpirierte wie bei einem Gesunden, Schlaf und Appetit stellten sich vortrefflich ein, und der gute Herr freute sich, wieder neu hergestellt, am Schluß der Ferien seine Berufstätigkeit wieder aufnehmen zu können. Über das Ganze äußerte er sich mit folgenden Worten: „Hätte ich mein kleines Übel, meinem eigenen Urteil folgend, so verschlimmert, könnte ich mir nur gram sein. Doch ich tat nichts ohne Anleitung der berühmtesten Ärzte.“

„Mein ganzer Oberkörper,“ berichtet jemand, „ist voll Rheumatismus; an der rechten Seite im Oberkörper bin ich gar nie ohne große Schmerzen, und läßt der Schmerz etwas nach, dann kommt er auf eine oder auf beide Schultern. Ich werde dann so steif, daß ich die Schultern nicht mehr zu rühren vermag; kommt aber der ganze Schmerz auf den Magen, dann ist es, wie wenn sich alles umdrehe; ich kann dann auch gar nichts essen. Am allerärgsten aber ist der Schmerz am Hinterteil des Kopfes, besonders auf der linken Seite. Die Füße werden mir gar nicht mehr warm. So ist mein Leben recht elend, und ich kann meinem Berufe gar nicht nachkommen. Für das, was ich verbraucht habe an ärztlichen Mitteln und sonstigen Medikamenten, habe ich eine große Summe aufgewendet; geholfen hat mir gar nichts. Seit mehr als einem Jahr trage ich auf Befehl eines Arztes Wollhemden, bin aber dadurch noch viel empfindlicher geworden.“

Die Anwendungen waren: 1) In der Woche dreimal ein grobes Hemd anziehen, 1½ Stunden lang, in Wasser getaucht, in welchem Heublumen gesotten wurden. 2) Zweimal in der Woche ein Wickel von unter den Armen an bis ganz hinunter, das Tuch ebenfalls in warmes Heublumenwasser getaucht. 3) In der Woche zweimal in der Nacht vom Bett aus ganz waschen mit kaltem Wasser und, ohne abzutrocknen, gleich wieder ins Bett. So 14 Tage lang, dann als weitere Anwendungen: 1) Täglich ein Oberguß und Knieguß. 2) Täglich Wassergehen, 2–4 Minuten lang, dann Bewegung. 3) Zweimal in der Woche ganz waschen.

Nach 4 Wochen war der Patient von seinem Leiden frei und nimmt jetzt noch in der Woche zwei Halbbäder.

Ein Vorstand einer öffentlichen Lehranstalt erzählt:

„Ich leide fast Unsägliches an meinen Armen, Schultern und Füßen; bald bin ich wie in Rheumatismus gewickelt, bald sind wieder einzelne Stellen um so empfindlicher, wenn der Schmerz von anderen gewichen ist. Atemnot besteht fast fortwährend, oft so stark, daß ich fürchte zu ersticken; zudem leide ich auch an Kongestionen und habe so selten eine frohe Stunde.

Ich wurde magnetisiert, elektrisiert und gebrauchte vieles andere — ohne Erfolg. — Die Wasserkur hat mir in 10 Tagen allen Schmerz genommen, und von meinem Leiden fühle ich nur noch unbedeutende Spuren. Ich habe die Überzeugung, eine Fortsetzung von leichteren Anwendungen wird mir auch den letzten Rest nehmen.“

So der Kranke.

Die Anwendungen waren: Täglich ein Oberguß und zwei Schenkelgüsse, am zweiten Tag der spanische Mantel; vom vierten Tag an ein Halbbad täglich statt Oberguß und einmal wöchentlich Kopfdampf.

Ein Mann, 46 Jahre alt, erzählt: „Irgendwo habe ich immer Schmerzen, entweder auf der rechten Seite oder oben auf der Schulter; es bleibt der Schmerz nie lange an einer Stelle; kommt aber das Leiden in den Kopf, dann bin ich voll Schwindel; aus dem rechten Auge läuft viel Wasser heraus; fährt mir aber der Schmerz in den Fuß hinunter, dann wird dieser ganz steif; kommt er mir auf die Brust, dann weiß ich kaum mehr zu atmen. So leide ich schon Jahre hindurch und habe, wenn auch nur auf kurze Zeit Erleichterung, doch nie Hilfe gefunden.“

Dieser Kranke wurde in fünf Wochen geheilt durch folgende Anwendungen:

1. In der Woche dreimal einen kurzen Wickel, 1½ Stunden lang;

2. viermal in der Woche ganz waschen vom Bett aus;

3. zweimal den Oberguß; so 14 Tage lang. Dann:

1. einmal den kurzen Wickel,

2. zweimal die Ganzwaschung,

3. jeden Tag Oberguß und Knieguß.

So geheilt nahm der Patient als zeitweilige Fortsetzung der Kur, sowie zur Erhaltung seiner Gesundheit jede Woche ein Halbbad und zweimal Oberguß und Knieguß.

Rotlauf (Gesichtsrose)

ist ein giftiger Krankheitsstoff, der sich zwischen Haut und Fleisch sammelt und lagert und an irgend einer Stelle einen Ausgang sucht. Er kann entstehen an einem Fuße, an einem Arme, am Kopfe oder an jeder anderen Stelle des Körpers. Wo er sich zeigt, tritt große Spannung ein, als ob die Haut zu eng sei, als ob sie auseinanderspringen möchte. Manchmal tritt er lange nicht auf die Oberfläche, und der davon Befallene leidet oft große Schmerzen. Beim Ausbruche zeigen sich zuerst einzelne Bläschen mit bräunlicher Flüssigkeit, nach und nach eine Unzahl derselben, kleinere und größere, die so giftig sind, daß sie ganze Teile der Haut auffressen. Der Rotlauf kann gefährlich werden und leicht den Tod bringen, wenn er nicht imstande ist, nach außen sich zu entfalten, wenn er im Inneren eine Blutvergiftung bewirkt, die sich rasch verbreitet, da nach der entzündeten Stelle viel Blut hinströmt. Gar oft kommt noch der Fall vor, daß der Rotlauf, wenn er sich nach außen entwickelt, von der ursprünglichen Stelle weicht und im Inneren an eine Stelle tritt. Derlei Fälle haben meistens einen tödlichen Ausgang.

Ich kannte einen Knecht; der bekam den Rotlauf am Arme. Er wollte dem Übel kein Gewicht beilegen; „das sei eine Weiberkrankheit“, meinte er. Der Rotlauf verschwand, faßte aber nach kurzer Zeit Posto im Gehirn, und in Bälde war der Kranke unterlegen.

Desgleichen ist mir ein Priester bekannt; diesem setzte sich der Rotlauf an einen Fuß. Wie er den leidenden Fuß gepflegt hat, weiß ich nicht. Der Rotlauf verschwand, und der Patient glaubte sich von dem Unhold befreit. Doch bald zeigte sich der unliebe Gast von neuem, jetzt am Oberarm. Wiederum verschwand er, aber nur, um sich zuletzt im Kopfe festzusetzen. Nach 4 Tagen war der Priester eine Leiche.

Jeder, der diese Krankheit aufmerksam beobachtet hat, wird von einer Reihe von Todesfällen erzählen können, die eintreten durch Vernachlässigung des Rotlaufs.

Bei der Heilung ist vor allem darauf zu achten und muß dem vorgebeugt werden, daß der Rotlauf nicht auf Wanderung gehe. An der Stelle, wo er zutage tritt, muß er so bald wie möglich geschwächt und der Giftstoff ausgeleitet werden. Auch die Zuströmung des Blutes soll man nach Möglichkeit verhindern, d. h. mindern.

Wer Rotlauf am Fuße hat, soll am besten einen kurzen Wickel nehmen. Dieser schneidet der Rotlaufstelle die Zufuhr ab. Nach dem kurzen Wickel kann er den Fuß oberhalb der Rotlaufstelle gegen den Körper zu umwinden (Fußwickel). Man kann aber auch den Rotlauf direkt angreifen. Dieses geschieht, indem man ein recht weiches, ausgenütztes linnenes Tuch in warmes Wasser taucht, damit die brandige Stelle überlegt und mit einem trockenen Tuche oder mit Wolle jenes nasse einhüllt. Dieses verteilt und leitet aus.

Bekommt jemand den Rotlauf am Arm, so kann er wieder zuerst durch einen kurzen Wickel die Strömung des Blutes von oben her ableiten. Dann soll er einen Schal umlegen und diesen öfters erneuern je nach der Stärke der Hitze. Auch gegen das direkte Einwirken auf die kranke Stelle läßt sich (wie oben beim Fußrotlauf) nichts einwenden.

Sollte der Rotlauf am Kopfe entstehen, so wird ein Oberaufschläger kräftig nach unten ableiten und ein Halswickel rasch den Rotlaufstoff vermindern. Sind diese Anwendungen ein paarmal vorausgegangen, so kann man direkt auf die Rotlaufstelle selbst einwirken, anfangs mit warmem und, wenn ein großer Teil des Krankheitsstoffes abgeleitet ist (was das Nachlassen der Röte und der Geschwulst angibt), auch mit kaltem Wasser. Die Anwendungen geschehen stets in Form von Linnen-Auflagen oder Wickeln, im letzteren Falle in Form des Kopfwickels.

Ein Geistlicher aus M. berichtet: „Vielleicht infolge einer Erkältung trat ein heftiger Rotlauf (Gesichtsrose) bei mir ein. Die Hitze des Körpers war groß, der Schweiß heftig, das Gesicht bedeutend geschwollen. Es wurde mir in diesem Zustande täglich vier- bis fünfmal die Brust, der Unterleib, der Rücken und die Arme, zuweilen auch die Beine, aber nicht das Gesicht mit kaltem Wasser abgewaschen und zwar in vollem Schweiß. Später waren die Waschungen weniger. Dies hatte den besten Erfolg zur Heilung der Krankheit und war zugleich sehr wohltuend. Nach 4 Tagen war das Fieber vorüber, und am neunten Tage konnte ich das Zimmer wieder verlassen. Da noch eine kurze Zeit hindurch nachts Schweiß sich einstellte, stand ich auf, wusch denselben mit kaltem Wasser am ganzen Körper ab, zog ein frisches Hemd an und legte mich wieder zu Bett. Ich habe bereits früher dieselbe Krankheit gehabt. Bei dem damaligen Heilverfahren dauerte es vier Wochen, bis ich wieder hergestellt war, jetzt durch Anwendung des Wassers nur neun Tage.“

Rückgrat.

Ein hochgestellter Offizier hatte sich beim Fahren einen Wirbel des Rückgrates eingedrückt und, wie die Ärzte behaupteten, das Rückenmark so verletzt, daß er meistens die gräßlichsten Schmerzen zu dulden hatte und sein Zustand nur zeitweise erträglich war. Das Leiden wirkte noch mehr auf das Gemüt, als es Schmerzen verursachte. Kein Arzt konnte ihm Hilfe bringen, obwohl er die ersten und berühmtesten Ärzte der Großstadt aufsuchte. Auf die Erklärung des berühmtesten Arztes der Gegend, daß da keine Heilung mehr eintreten könne, und daß mit der Zeit die Schwindsucht sich einstellen werde, suchte der Herr seine Hilfe beim Wasser. — In 6 Wochen war er hergestellt und erfreut sich heute noch guter Gesundheit, obgleich die Heilung bereits vor mehr als 25 Jahren stattgefunden hat. Auch das Gemütsleiden verschwand mit dem körperlichen Leiden vollständig.

Welche Anwendungen in unserem Falle vorgeschrieben waren, weiß ich genau nicht mehr zu sagen. Aber wenn du, lieber Leser, an genanntem Übel leiden solltest, so würde ich dir folgendes raten: Laß dir dreimal in der Woche den spanischen Mantel umlegen; nimm dreimal in der Woche ein Halbbad mit Waschung des Oberkörpers und zweimal einen Ober- und Unterguß! Dieses setze mehrere Wochen pünktlich fort! Der ganze Organismus muß sich kräftigen und erstarken, und die von der verletzten und kranken Stelle ausgegangenen Gebrechen werden eines nach dem andern schwinden. Auch der eingetriebene Wirbel wird Ruhe geben und verknöchern, wie wenn nach einem Beinbruch der wunde Teil vernarbt. Abermals wiederhole ich: Wenn ein Teil am Körper schwer leidend ist, so kränkelt der ganze Körper. Der ganze Organismus nimmt gleichsam teil an dem Schmerze des Gliedes oder Gliedchens. Wirf einen Stein ins Wasser, und die ganze Oberfläche des Baches oder Teiches wird bewegt und zeigt Wellenkreise. Der Stein ist der eingedrückte Wirbel. Die Schmerzenskreise durchziehen den ganzen Körper.

Dieses sind treffliche Winke für das Heilverfahren. Sonach muß man beim Heilen immer auf den ganzen Körper einwirken, damit er stark werde, und damit die gesunden Teile des Körpers die kranken und geschwächten unterstützen, gleichsam hegen und pflegen; die Organe stehen ja untereinander in innigstem Zusammenhange. Sie sind die nächsten Glieder einer Familie, die sich nur wohl befinden in einträchtigem, friedlichem Zusammenwirken.

Ruhr.

Die Ruhr ist eine Schwester der Cholera. Beide sehen einander überaus ähnlich. Diese Krankheit beginnt in der Regel mit gräßlichen Krämpfen im Unterleib und mit starkem Abweichen. Neben anderem geht viel Blut ab.

Am schnellsten heilt man die Ruhr, indem man ein doppelt gefaltetes Tuch in recht warmes Wasser mit Essig eintaucht und auf den Unterleib bindet. Ganz auffallend wirkt nach innen ein Gläschen Heidelbeergeist, den man sich selbst leicht machen kann, und der in keiner noch so kleinen Hausapotheke fehlen sollte. Zweimal im Tage kann man zwei Eßlöffel dieses Geistes in heißes Wasser gießen; der Labetrunk wird vortrefflich munden. Sollte der Zustand am zweiten Tage nicht wesentlich besser sein, so erneuert man die Auflage auf den Unterleib und nimmt nochmals eine Portion Heidelbeergeist.

Joseph krümmte sich im Bett wie ein Wurm. Manchmal drehten ihn die Krämpfe herum wie eine Kugel. Er schrie vor Schmerz. Im Stuhl war mehr als ein halbes Liter Blut. Zwei Löffel des oben erwähnten Heidelbeergeistes, am Morgen und am Nachmittag genommen, haben in kurzem alles wieder gut gemacht.

Anna, eine Frau von über 50 Jahren, jammerte in entsetzlichen Krämpfen. Abweichen mit viel Blut ließ sie befürchten, es sei die ausgebildete Cholera. Das Essigtuch am Leibe, der Heidelbeergeist nach innen haben die Kranke in einem Tage wieder hergestellt. Sollten keine Heidelbeeren zu finden sein, so tut Milch, mit Fenchel abgekocht, gleichfalls recht gute Dienste.

Säuferwahnsinn.

Ein Mann, 36 Jahre alt, hatte viel Bier getrunken, wenig gegessen und sich so ziemlich vom Bier genährt. Hatte er Bier im Leib, so fühlte er sich kräftig; war aber der Bierdampf verraucht, so jammerte er über Entkräftung.

Bei dem armen Manne war bereits der Säuferwahnsinn so stark entwickelt, daß selbst junge Leute merkten, er sei nicht mehr recht. Dabei klagte er besonders viel über rheumatische Schmerzen, Krämpfe und zeitweilige Kopfschmerzen. Ist die Trunksucht auch äußerst schwer heilbar, so hatte dieser Patient doch guten Willen und wollte auch mit allen Opfern von seinem Elende frei werden.

Innerhalb drei Wochen haben nachfolgende Anwendungen den Mann vollständig hergestellt. Jeden Tag bekam er zwei bis drei Anwendungen, und zwar der Reihe nach, wie sie hier folgen: 1. Tag: a) Oberguß und Knieguß, b) Wasserstehen, Wassergehen und die Arme ins Wasser, c) Rückenguß. 2. Tag, a) Halbbad, b) Oberguß mit Knieguß. 3. Tag: a) Sitzbad, b) Oberguß. 4. Tag: a) Halbbad, b) Vollbad. So wurde fortgefahren bis zur Heilung; alle krankhaften Zustände hörten auf, das Aussehen hat sich vollständig gebessert, guter Appetit sich eingestellt, und die Lust zum leidenschaftlichen Trinken hatte ganz nachgelassen. Besonders muß betont werden, daß während der Kur an den verschiedensten Stellen des Körpers Ausschläge mit Ausscheidung der giftigen Stoffe auftraten.

Scharlachfieber.

Der Scharlach tritt meistens ein- oder auch zweimal im Jahre auf und verlangt nicht selten zahlreiche Opfer. Gewöhnlich trifft er die Kinder, verschont aber auch die Erwachsenen nicht. Die Zeichen vor dem Eintreten sind Kopfweh, Drücken auf Magen und Brust, Müdigkeit, Wechsel von Hitze und Frost. So viele Kinder diese Krankheit wegrafft, so leicht ist mit Wasser zu helfen. Kinder sind meist schon in zwei Tagen vor Gefahr gesichert; bei Erwachsenen geht es etwas langsamer. Scharlach kann auf zweierlei Weise recht leicht geheilt werden. Sind bei einem Kinde, gleichviel ob es noch auf den Armen getragen wird oder schon in die Schule geht, alle Zeichen dieser Krankheit vorhanden, so tauche man ein Hemd in heißes Wasser, in das man etwas Salz geworfen, winde es aus, so daß es nicht mehr träufelt, und ziehe es dem Kinde, das im Bette liegt, an. Dann wickle man es gut in eine Decke ein, so daß jeder Luftzutritt verhindert ist, und lasse es so eingehüllt eine Stunde liegen. Dann ziehe man das Hemd aus, und der ganze Körper des Kindes wird übersät sein mit dem Scharlachausschlage. Sollte die Hitze übergroß werden, so wasche man das Kind ganz, aber schnell ab und lege es wieder ins Bett. In schwierigen Fällen, in denen die Hitze sich steigert und es dem Kranken bange wird, kann in einem Tage das Hemd zwei- bis dreimal, seltener auch viermal angelegt werden müssen. Es kommt lediglich auf die Hitze und Stärke des Fiebers an. Nimmt die Hitze und das Fieber ab, so kann der Zwischenraum zwischen den Neueintauchungen des Hemdes verlängert werden. Man merke sich nur, daß bei diesen späteren Anwendungen stets kaltes Wasser (mit Essig) gebraucht wird. Zudem sei man recht sorgsam bei der Umhüllung und dem Zudecken, — gut, aber nie übermäßig. Nach Entfernung des nassen Hemdes bekleide man das kranke Kind mit einem sauberen Hemdchen. Bei solcher Behandlung wird in vier, höchstens in sechs Tagen der Scharlach völlig geheilt sein.

Eine Bemerkung sei hier beigefügt. Selten ist Appetit vorhanden. Dränge man dem Kinde ja keine Nahrung auf! (Wie der Ausschlag nach außen dringt, so ist er auch im Innern.) Der Durst ist gewöhnlich stark. Das Wasser bleibt das beste Linderungsmittel. Etwas Zucker, auch ein wenig Wein (roter oder weißer) kann gut beigemischt werden. Landkinder trinken am liebsten Milch. Als Grundsatz gilt: wenig trinken, aber öfter. Ich glaube nicht, daß ein Kind, das so behandelt wird, stirbt.

Ludwig, ein Knabe von 10 Jahren, kann vor Hitze kaum mehr reden. Das Gesicht ist gerötet, und er klagt, alles tue ihm weh. Ludwig wird, weil die Hitze stark und die Bangigkeit groß ist, jede Stunde gewaschen, und dieses zwei Tage lang. Am dritten Tage fängt der Knabe schon an zu essen. Das Waschen geschieht nur noch zweimal während des Tages. Am fünften Tage fühlt sich Ludwig wohl; am sechsten geht er im Zimmer umher, und bald spielt er wieder im Freien mit anderen Kindern.

Maria, 20 Jahre alt, kann nicht mehr gehen, hat heftigen Kopfschmerz, fühlt sich wie zerschlagen in allen Gliedern; dazu hustet sie immer ganz trocken, und es drückt sie schrecklich auf der Brust. Sie weiß vor Bangen nicht, was tun, kann keinen Augenblick aus dem Bette sein. Ekel quält sie vor jedem Essen, aber sie kann nicht genug trinken. Maria wird in einem hohen Grade das Scharlachfieber bekommen. Was tun? Alle Stunden soll ihr der Rücken kräftig mit kaltem Wasser, in das etwas Salz gemischt wurde, gewaschen werden, ebenso die Brust und der Unterleib. Ist sie auf diese Weise gewaschen, was aber so schnell als möglich geschehen soll, dann decke man sie ordentlich zu, aber ja nicht zu stark.

Zwei Tage hindurch wurde die Kranke derart gewaschen. Gegessen hat sie gar nicht, um so fleißiger getrunken. Der Hals brennt fort und fort schrecklich. Fleckenweise steht der Scharlach ab (verschwindet, Häute und Krusten bildend). Der Durst läßt etwas nach. Noch 2–4 Tage lang soll die Kranke täglich zwei- und, wenn die Hitze noch nicht nachgelassen hat, dreimal gewaschen werden.

Nach weiteren 3 Tagen war Maria vom Scharlach befreit.

Johann, ein Knabe von 13 Jahren, hat seit einigen Tagen kein Leben und keine Liebe mehr zur Arbeit, die sonstige Fröhlichkeit ist geschwunden. Da fängt auf einmal der ganze Leib an zu schwellen; Kopf und Füße werden dick, den Unterleib bläht es in ganz unheimlicher Weise auf. Das Kind bekommt die Wassersucht. Woher das? Johann ist vor kaum sechs Wochen vom Scharlach aufgestanden, und dieser war nicht zur rechten Entwicklung gekommen.

Der Kranke hat sechsmal innerhalb 8 Tagen ein Hemd, das in warmes Salzwasser eingetaucht wurde, angezogen und sich jedesmal gut in eine wollene Decke einwickeln lassen. Nach 10 Tagen war er wieder munter, frisch und gesund. Bei dieser Gelegenheit sei gesagt: Wenn der Scharlach nicht ganz ausheilt und kranker Stoff im Körper zurückbleibt, so tritt gern die Wassersucht ein. Auf die angegebene Weise ist sie aber auch jedesmal zu heilen.

Kreszentia, eine Frau von 65 Jahren, liegt bereits zwei Tage zu Bett. Sie klagt über gewaltiges Stechen auf dem Rücken, über Brennen und Stechen auf der Brust. Weil sie so schrecklich gefroren habe, sagt sie, habe sie sich ins Bett gelegt und fühle sich jetzt ganz heiß. Essen kann sie nichts. Durst leidet sie viel. „Waschet,“ so lautete mein Rezept an den Fragesteller, „der Kranken einen Tag lang alle Stunden den Rücken mit kaltem Wasser; Brust und Unterleib kann sie selbst jede Stunde waschen. Am zweiten Tag braucht sie dieses nur noch viermal zu tun, am dritten Tag werden zwei Waschungen genügen.“ Die Kranke befolgte meine Weisung. Am vierten Tage war die Frau bedeutend besser und, nachdem sie innerhalb dreier weiterer Tage noch ein paarmal die Prozedur wiederholt hatte, gesund wie früher. Getrunken hat sie Wasser und geronnene Milch, gegessen sehr wenig.

Ein Mädchen, ungefähr 24 Jahre alt, bisher recht gesund, frisch und ziemlich stark, bekommt einen Ausschlag, den Scharlach. Der Ausschlag steigerte sich innerhalb 8 Tagen in einer Weise, wie nur wenige Fälle werden aufgewiesen werden können. Die Kranke verlangte als Heilmittel sofort das Wasser, auf das sie alles Vertrauen setzte, hauptsächlich weil ihre Schwester durch Wasser von einer bedenklichen Krankheit geheilt worden war. Der Hilfesuchenden wurde geraten, Rücken, Brust, Unterleib, sodann Arme und Beine (Füße) allstündlich entweder selbst sich zu waschen oder waschen zu lassen. Der Zwischenraum von einer Stunde war ihr zu groß. Die Hitze steigerte sich dermaßen, daß mehr als fünf Tage lang nie über eine halbe Stunde das Waschen ausgesetzt werden durfte. Gegessen hat das Mädchen fast gar nichts, getrunken nur wenig in kleinen Portionen. Erst nach 10 Tagen, bei dem gewissenhaftesten Gebrauche des Wassers brach die Hitze; der Ausschlag ließ fleckenweise ganz nach, bis er am 14ten Tage gänzlich entfernt und das Mädchen vollständig gesund war.

Ich frage: Wie wäre es dem armen Wesen ergangen, wenn bei solcher Glühhitze, bei einer derartigen förmlichen Feuersbrunst im Körper nichts angewendet worden wäre als löffelweise kleine Gaben nach innen zur Kühlung? Jeder gebe sich die Antwort selbst und erwäge noch, daß bei solchem Fieber der innere Organismus ganz und gar untätig ist! Von dieser Heilung eines der höchsten Grade von Scharlach kann man schließen auf geringere Grade desselben. Das Wasser, richtig angewendet, hilft sicher und leicht.

Schlaflosigkeit.

Ein Pfarrer litt seit 9 Wochen an Schlaflosigkeit. Seine Kräfte nahmen täglich ab, und der Geist wurde zur Denkarbeit mehr und mehr unfähig. Gedrücktheit, Müdigkeit, Mutlosigkeit traten an Stelle des früheren Fleißes und der gewohnten Berufsfreudigkeit.

Große Anstrengung und widrige Verdrießlichkeiten hatten den guten Herrn in heftige Aufregung, das Gemüt in große Bitterkeit versetzt. So etwas rächt sich immer. Der Arme befand sich beständig wie in einem hitzigen Fieber. Das gehetzte Blut wollte wie ein verfolgtes Reh in wilder Flucht davonrennen. Man brachte dasselbe zur vollen Ruhe durch den Kopfdampf, den spanischen Mantel, den Oberguß mit dem Knieguß, den Fußdampf, den kurzen Wickel, den Ober- und Unteraufschläger, welche Übungen man 12 Tage hindurch in täglich zwei, öfters drei Anwendungen wirken ließ. Schon am dritten Tage schlief der Herr drei Stunden. Heute noch lebt er unter uns als einer der Gesündesten.

Die Schlaflosigkeit, diese aufsässige Verfolgerin vieler, kann in mancherlei Ursachen ihren Grund haben: in Störungen des Blutumlaufes, in unterdrückter oder mangelhafter Transpiration, in Gasen, welche Magen und Unterleib quälen, usw.

Sie belästigt mit Vorzug solche Menschen, welche oft den lieben langen Tag mit angestrengter Kopfarbeit zubringen und hierin des Guten zu viel tun.

Die zuerst angeführten Ursachen sind an anderer Stelle zur Genüge behandelt worden.

Ob wohl auch für die letzteren, die Kopfarbeiter, ein Kräutchen wächst oder ein Wässerchen fließt, das als Schlaftrunk dienen kann?

Ich kenne einen vornehmen Herrn, dessen Körper wenig, dessen Geist sehr viel Arbeit tut. Am liebsten hätte er gar keinen Magen und keinen Leib und keine Füße. Solchen Herren ist oft der Kopf nicht gut, nicht leicht zurechtzusetzen. In unserem Falle ging es. Der Mann gönnte dem armen Genossen der Seele, dem verkümmerten Leibe, wenigstens einige Brosamen. Er machte es sich zur Gewohnheit, wöchentlich ein- bis zweimal den spanischen Mantel anzuziehen. Die Schlaflosigkeit ließ bald nach, auch all die kleinen Übel, gleichsam die Störenfriede, die sie verursacht hatten.

Ein anderer Herr ließ jeden Abend in sein Schlafzimmer ein Gefäß mit frischem Wasser bringen. Dieses stellte er auf einen Stuhl neben das Bett. Kam in einer halben Stunde oder in einer Stunde der ersehnte Freund noch nicht, dann wusch er sich den ganzen Körper und stieg, ohne je sich abzutrocknen, wieder ins Bett. Er nickte ein. Die nächste Stunde fand ihn vielleicht wieder wach. Sofort griff er neuerdings zum Wasser und dieses ein drittes Mal, wenn er zu frühe aufwachte. Ich habe den Herrn später über Schlaflosigkeit nie mehr klagen hören.

Kinder können oft nur mit großer Mühe in Schlaf gebracht werden und erwachen bald wieder. Man hat ihnen zu viel Nahrung gegeben; der kleine Körper seufzt unter der Last, und die Blähungen lassen mit dem Leibe auch das Köpflein nicht zur Ruhe kommen. Man nehme ein kleines Handtuch und lege es naß in Form eines kurzen Wickels um. Das Kleine wird bald schlummern.

Landleute hört man oft sagen: ein warmes Fußbad schließt die Augen, wenn Anstrengung und Müdigkeit nicht einschlafen lassen. Bei geistiger Ermüdung wird jenes kaum ausreichen.

Wer von letzterer betroffen ist, ebenso allen jenen, welche wegen Hämorrhoiden, eingebannten Gasen und anderen Unterleibsbeschwerden nicht zum Schlafe kommen, rate ich kalte Sitzbäder, 1–2 in einer Nacht, von je 1–2 Minuten Dauer.

Eine letzte Ursache der Schlaflosigkeit kann sein die ungleiche Erwärmung des Körpers, rühre dieselbe von was immer her. Im Kopf und auf der Brust hat man zu viel Blut, deshalb Hitze, in den Extremitäten zu wenig, deshalb Blutarmut und kalte Hände und Füße. Wie diesem Übelstande abzuhelfen sei, wurde schon an verschiedenen Stellen gesagt.

Niemandem rate ich, zu künstlichen, betäubenden Schlafmitteln zu greifen. Sie gelten mir, um es mit einem Worte zu sagen, als unnatürlich, und was unnatürlich ist, kann der Natur niemals förderlich sein.

Schlaganfälle.

Paulus hat der Schlag gerührt. Die rechte Seite ist zur Hälfte gelähmt, der Mund schrecklich verzogen, das rechte Auge eingefallen, der Augendeckel gelähmt, mit der gebrochenen Sprache auch aller Mut gebrochen. Der rasch gerufene Arzt erklärte, es lasse sich vorläufig nichts machen, man müsse abwarten, ob nicht ein zweiter Schlag folge; indessen könne der Kranke täglich etwas Bitterwasser trinken. Mit dieser Antwort gab sich der Patient nicht zufrieden; sofort machte er Versuche mit dem Wasser, und in 12 Tagen war er wieder hergestellt. Dieses geschah vor 13 Jahren, und der rüstige, wenn auch ältere Herr hielt noch manches Jahr seine Vorlesungen.

Wie kam die Heilung zustande? Wird das in Eintracht zusammenwirkende Räderwerk einer Uhr durch was immer, durch Fall, Schlag oder Stoß verschoben und in seiner Ordnung gestört, so tritt ein Stillstand ein. Alle Rädchen bis zum kleinsten mögen unverletzt sein; aber es ist vielleicht etwas dazwischen gekommen, oder sie spannen und drücken sich gegenseitig, und so kann es nun einmal nicht weitergehen. Man muß sie neu zurechtrichten oder den Störenfried herausnehmen, dann werden alle Teile in gewohnter Untertänigkeit dem Ganzen dienen. Geradeso kann es gehen mit dem lebendigen Uhrwerk des menschlichen Körpers. Ein innerer Störenfried, vielleicht eine jener Anstauungen, wie sie im Alter, in welchem die Räder, d. i. die Organe, ohnedies fast von selbst aus den Fugen gehen wollen, so leicht vorkommen, hat den Mund, das Auge, die Zunge usw., diese feinen Rädchen, zwar nicht verletzt, aber aus ihrem ordentlichen und angewiesenen Platze weggetrieben. Entferne den Friedensstörer, und alles wird wieder in Ordnung und Frieden kommen. Ich will mithelfen.

Ein Kopfdampf mit folgendem Guß wird in den oberen Partien des Körpers auflösend wirken, ein Fußdampf in den unteren Partien. Der Kranke nehme alsdann ein warmes Bad im Wechsel mit kaltem Bade oder kalter Abwaschung. Auch diese Anwendung wird lösend wirken und den Blutandrang zum Gehirn vermindern. Sind so die Anstauungen gehoben und der Blutlauf geordnet, dann öle man die ganze Maschine durch eine kräftige, nahrhafte Kost — ja nie zu viel auf einmal —, vermeide aber sorgfältig alles Reizende, wie starke Weine, Spirituosen, Gewürze usw. Auch alle geistigen Reizmittel (Anstrengungen, Aufregungen) sollen weislich vermieden werden.

Ein Pfarrer wurde vom Schlage getroffen. Eine Hand, ein Fuß, die eine Seite waren total gelähmt, die Sprache und alle Besinnung geschwunden. Mehrere Tage hindurch wurden ärztliche Mittel angewendet ohne Erfolg. Der Arzt erklärte zuletzt, die eine Seite sei lahm und bleibe lahm, die andere Seite werde durch einen zweiten Schlag auch gelähmt werden und damit das Leben zu Ende sein. Ein Versuch mit Wasser, dachte ich, kann also auf keinen Fall etwas schaden. Gedacht, getan! Der kalte Fuß und der kalte Arm wurden kräftig mit kaltem Wasser gewaschen; zwei warme Fußbäder mit kräftigen Waschungen der Füße und vier Waschungen des Oberkörpers waren die Anwendungen des zweiten Tages. Am dritten Tage schon konnte man bemerken, daß in beiden gelähmten Gliedern noch Gefühl und Leben sei. Das gab Mut. Dem unbehilflichen Körper legten wir am vierten Tage mit Mühe einen Unterwickel um auf eine Stunde und stellten die halbtoten Füße zweimal in ein warmes Fußbad mit Asche und Salz. So ging es 14 Tage fort. Nach 14 Tagen unterstützte uns der Kranke durch die wieder brauchbare gesunde Hand und den gesunden Fuß, und mit Freude zeigte er, wie er auch die gelähmte Hand schon etwas in die Höhe zu heben imstande war. Es folgten nun Ganzwaschungen im Wechsel mit Kopf- und Fußdampf, wöchentlich je einer der Dämpfe, und täglich eine Waschung des Ober- und Unterkörpers. So drei Wochen. Neue Kraft erfüllte den niedergeschmetterten Lebensbaum, der Appetit wuchs. Warmbäder im Wechsel mit kalten, in der Woche eins, wöchentlich ein Kopfdampf, ein Fußdampf und drei Halbbäder mit Waschung des Oberkörpers (eine Minute lang) füllten die folgenden drei Wochen aus. Den Schluß des Heilverfahrens bildeten Ober- und Untergüsse im Wechsel mit dem spanischen Mantel. Freilich war’s eine langwierige, schwere und recht anstrengende Arbeit; aber der Herr erholte sich insoweit, daß er täglich die heilige Messe lesen, die Kranken besuchen, Ämter halten, alle Schreibereien besorgen konnte. Das Einzige, was ihm nie wieder gegeben wurde, war das Predigen. Die Zunge hatte zu stark gelitten und konnte manche Worte nur mehr recht schwer aussprechen.

Ein Mann, 45 Jahre alt, wurde plötzlich vom Schlage getroffen. Die rechte Hand und der rechte Fuß waren ganz lahm und ohne alles Gefühl; der Appetit fehlte gänzlich. Dem Kranken wurden täglich der Oberkörper und die Füße mit halb Wasser und halb Essig ganz warm gewaschen. Dreimal täglich nahm der Kranke 30 Tropfen von Wermut, Salbei und Bitterklee. Nach 14 Tagen hatten Hand und Fuß wieder die gehörige Wärme und das rechte Gefühl; auch war der Mann wieder imstande, im Zimmer zu gehen. Der Appetit nahm zu, die gelähmte Seite bekam wieder nach und nach Kräfte, und nach einigen Tagen war der Körper wieder in Ordnung. Bemerkt sei hier, daß dieser Kranke viel Schnaps getrunken hatte und daher sein Übel gekommen war. Zur vollständigen Heilung und Kräftigung gehören noch 8–10 Bäder von gesottenem Haberstroh oder auch von gesottenen Fichtenreisern. Die Wärme betrage 30° R. 10–15 Minuten lang; darauf folge eine kräftige kalte Abwaschung oder kaltes Halbbad mit Waschung des Oberkörpers.

Eine allgemeine Bemerkung könnte vielleicht manchem einmal dienen. Wird jemand vom Schlage gerührt, ist teilweise Lähmung eingetreten, so nehme man ungesäumt und zuerst kräftige kalte Waschungen vor auf Rücken, Brust und Unterleib, täglich zwei-, drei- bis viermal. In das Wasser kann etwas Salz oder Essig gemischt werden. — Ebenso wasche man die Füße und Arme, damit das Blut allseitig und gleichmäßig sich verteile, die Körperwärme eine allgemeine werde. Sämtliche Waschungen (ich kann dieses nicht streng genug einschärfen) geschehen so schnell wie möglich; keine dauere über eine Minute.

Ist die Lähmung nur eine kleine, und vermag der Kranke zu sitzen, so ist ein Kopfdampf von 20 Minuten mit nachfolgender kräftiger Abwaschung des Oberkörpers die erste, trefflichste Anwendung. Nach ungefähr 4–6 Stunden geschehe die zweite: Fußdampf, gleichfalls von 20 Minuten mit folgender Abwaschung oder Unterguß. Diesen können sodann die oben angegebenen Waschungen folgen.

Man hüte sich besonders anfangs vor ganzen Wickeln; die Naturwärme ist zu schwach und kann nicht ersetzt werden. Mir ist ein Fall bekannt, in welchem ein Arzt den Kranken durch Einwickelungen retten und heilen wollte. Der erste Wickel tat gut. Beim zweiten Wickel blieb der Kranke kalt, und der ganze Körper wurde blau. Nur durch Wärmezufuhr konnte er wiederum zurechtgebracht werden.

Ein Mann wird vom Schlage getroffen. Eine Seite ist ganz gelähmt, ebenso die Zunge. Derselbe ist im bewußtlosen Zustande. So blieb er 10 Tage — behandelt von einem Arzt; der erklärte, es lasse sich nichts mehr machen, ein zweiter Schlaganfall werde nicht mehr lange ausbleiben. — Auf dringendes Bitten machte ich den Versuch und ließ allererst einen Kopfdampf anwenden. Der Kranke lag im Bett; auf einem Schemel wurde ein mit strudelndem Wasser (ein paar Hände voll Heublumen daran) halb gefülltes Gefäß aufgestellt, der Oberkörper an den Rand des Bettes gebracht und mit einer Decke zugedeckt, so daß der Dampf unter der Decke auf den Oberkörper und Kopf drang. Der Kranke kam in 10 Minuten in Schweiß und schwitzte so ungefähr 15–20 Minuten am ganzen oberen Körper, daß das Wasser tropfenweise hinunterlief. Gleich darauf wurde der Oberkörper und Kopf mit frischem Wasser und Essig daran kräftig gewaschen und der Patient zum Ruhen ins Bett hineingebracht. Am selben Tage wurde die Waschung ohne Dampf nochmals vorgenommen. Am zweiten Tage wurde ein Fußdampf angewendet (25 Minuten lang) im bewußtlosen Zustande. Der ganze Körper kam in den größten Schweiß und wurde daraufhin wieder gewaschen. Am dritten Tag folgte Kopfdampf, am vierten Fußdampf; am fünften Tage kam wieder Bewußtsein und Leben in die Seite, der gelähmte Arm und Fuß konnte wieder bewegt werden. An den nächsten drei Tagen wurde er täglich zweimal mit Wasser und Essig gewaschen am ganzen Körper. Jetzt kehrte auch die Sprache teilweise zurück; bis zur vollkommenen Wiedererlangung derselben gingen drei Wochen vorbei. Von da an wurden dreierlei Anwendungen vorgenommen: a) Ganzwaschungen, b) Ober- und c) Unteraufschläger abwechselnd vormittags und nachmittags. In wenigen Tagen hatte sich der Kranke so erholt, daß jeden Morgen ein Knieguß und nachmittags ein Oberguß vorgenommen werden konnte. Neben diesen Anwendungen wurde gewechselt mit einer Ganzwaschung. Als der Kranke zum Gehen gekommen, wurden Halbbäder und Oberguß mit Knieguß — im Wechsel jeden halben Tag — genommen.

Die Heilung war so glücklich, daß der Herr jetzt volle 17 Jahre seit dem erlittenen Schlaganfalle noch rüstig seinen Beruf versieht.

Anmerkung. „Bei jedem Schlaganfalle soll sobald als möglich ein mit der Wasserkur schon gut vertrauter Mann (am besten Arzt) gerufen werden. Nur ein Erfahrener kann für den Fall das Rechte treffen. Bis zum Eintreffen solcher Hilfe kann und soll ohne Ausnahme, ohne Bedenken die Waschung des Rückens, der Brust, des Unterleibes, der Füße und der Hände der Reihe nach kalt und kurz vorgenommen werden. Diese Teilwaschungen sollen in 2–3 Stunden wiederholt werden.“

Schleimfieber.

Dürfte ich den Katarrh mit einem kleinen Kinde vergleichen, so wäre das Schleimfieber das ausgewachsene Kind. Schleimfieber entsteht regelmäßig aus Katarrhen, und aus beiden kann alles werden, wie an anderer Stelle gesagt ist. Die Heilung, also auch die Anwendungen sind bei beiden Übeln dieselben. Wer Katarrh schnell und leicht kurieren will, der lege sich ins Bett, wasche sich selbst alle Stunden Brust und Unterleib, den Rücken lasse er sich von einem andern kräftig abwaschen. Drei bis vier solcher Waschungen in einer Nacht heilen einen erst begonnenen Katarrh. Macht der Katarrh Fortschritte, d. h. entzünden sich Teile im Halse, im Kopfe, in der Brust, so haben wir das ausgebildete Schleimfieber, welches demnach nichts anderes ist als ein den ganzen Körper quälender Katarrh. Dabei bleiben jene Stellen, an denen der Katarrh begonnen, sei es die Rachenhöhle, sei es die Brust, bis zu eingetretener völliger Heilung stets die empfindlichsten.

Schweiß.

„Ja, das ist ein Kreuz, dieser Fußschweiß, der sich nun schon so lange an meine Sohlen heftet und mich überallhin auf der Ferse verfolgt!“ So klagen manche, ja sehr viele. „Was ist doch das?“ fragen sie, „häufig ganz kalte Füße, dann wieder ein Brennen und Stechen, und — dieser Geruch!“

Wahr ist’s; aber noch größeres Kreuz, die traurigsten Folgen bringt nicht selten, sogar meistens vertriebener Fußschweiß. Mir ist ein Herr bekannt, dem geraten wurde, er solle täglich ein paarmal die Füße mit kaltem Wasser waschen; der Schweiß werde schon nachlassen. Freilich der Fußschweiß ließ nach, er hörte zuletzt ganz auf. Die Folgen? Die letzten Dinge wurden ärger als die ersten; eine lästige und gefährliche Krankheit rächte den vertriebenen Fußschweiß. Jeden Vernünftigen frage ich: Ist’s denn auch anders möglich? Wer den Fuchs aus seinem Erdverstecke treiben will, darf die Höhle, das Fuchsloch doch nicht zustopfen. Einen solchen Jäger würden die Spatzen auspfeifen, und die Hasen würden ihm zum Spott Männchen machen.

Der Fußschweiß besteht in nichts anderem als in faulen Säften, welche auch die Gefäße, die sie anfüllen und verpesten, halbfaul machen. Dieses die Ursache des schrecklichen Geruches, der Menschen, selbst Tiere aus dem Hause treibt, den Fußschwitzern zur großen Plage gereicht und sie zu gemiedenen Menschen macht.

Was ist da zu tun? Ein Kleid, das in Teer gefallen ist und weithin üblen Geruch verbreitet, wird niemand zu reinigen suchen, indem er von Zeit zu Zeit es mit einem Schwamme abwischt. Die Wäscherin wird eine gute Lauge machen, das schmutzige Stück einbeizen und so den harzigen Teer ausziehen. Ein guter Wäscher des Fußschweißes wird sein, wer alle faulen und faulenden Säfte, so tief dieselben dringen mögen, auflöst und aus- und abwäscht resp. ausleitet. Nebenbei muß er die Haut und die Gefäße, soweit sie durch Fäulnis gelitten haben, heilen und kräftigen.

Am besten und sichersten werden beide Füße ganz eingewickelt in Tücher, die in Heublumenabsud oder in Absud von Fichtenreisern getaucht sind. Diese Umschläge saugen die faulen Stoffe auf, und die beiden Kräuter haben zugleich kräftigende und heilende Wirkung. Man nehme 5–6 solcher Wickel innerhalb zehn Tagen; hernach vierzehn Tage lang täglich ein warmes Fußbad (das bis an die Waden hinausreicht) von je zehn Minuten mit dreimaligem Wechsel und jedesmaliger kalter Abwaschung (höchstens eine Minute dauernd). Schließlich wird ausreichen in der Woche ein obenbeschriebener Fußwickel oder ein solches Fußbad. Nach gestillten Fußschweißen ist’s vortrefflich, zuweilen eine Viertelstunde im nassen Grase barfuß zu gehen. Wer das nicht kann, gehe vor dem Schlafengehen einige Minuten in seinem Zimmer barfuß auf und ab. Man sollte nicht glauben, wie vorteilhaft, wie erfrischend, kräftigend und abhärtend die frische Luft auf so entblößte, dem Wollstrumpfzwange entrissene und einige Minuten der goldenen Freiheit sich freuende Füße wirkt. Probatum est! d. i. Übung macht den Meister!

Körperschweiß, ungesunder.

Nicht bloß Fußschweiße gibt es, es gibt auch ungesunde Körperschweiße. Ein Herr von Stand schwitzte jede Nacht so, daß am Morgen die ganze Matratze durchnäßt war und das Kopfkissen und das Oberbett trieften, ein nächtliches schweres Kreuz, das ihn immer mit Angst vor dem Schlafengehen erfüllte.

Zu dieser Last gesellte sich noch eine zweite, nicht geringe Unannehmlichkeit. Bei der größten Sorgfalt und der sorgfältigsten Einhüllung und Vermummung nämlich konnte der Herr im Winter des ewigen Katarrhs nie los werden. Dazu das stete Schwitzen; man roch die Kleider selbst schon von weitem. Ein lästiges Übel in der Tat! Und nun das Mittel aus der Apotheke?

An schnelle Heilung darf bei diesem Leiden nie gedacht werden, nur an allmählige Kräftigung, Stärkung des durch so vieles Schwitzen entkräfteten Körpers und an fortgesetzte Ausleitung der krankhaften Säfte. Ungeduldig darf so ein Patient nicht werden. Der unsrige hat bewiesen, was bei Ausdauer und Pünktlichkeit die Anwendung von Wasser vermag. Als Lohn seiner Treue erhielt er die volle Gesundheit wieder. Doch das genügt mir nicht, sagt ein barscher Leser. Wenn ich so ein Leiden bekomme, was müßte ich tun? Ziehe dreimal in der Woche, so gebe ich ihm zur Antwort, den spanischen Mantel an. Hindert dich während des Tages dein Beruf, so lege ihn beim Schlafengehen als Nachthemd um auf 1½–2 Stunden. Wasche dich zwei- bis dreimal wöchentlich, oder wenn du, wie unser Patient, schlaflose Nächte hast, zwei- bis dreimal in der Nacht vom Bette aus! Solltest du gerade im Schweiß sein, so wasche dich doppelt kräftig, aber schnell, gehe gleich wieder, ohne dich abzutrocknen, zu Bett und decke dich gut zu; habe indessen, wenn möglich, das Bett nicht in einem ganz kalten Zimmer! Merke dir gut: mit dem spanischen Mantel mußt du die Anwendungen beginnen. Und wenn du seine wohltätigen Wirkungen erfahren hast, wirst du — es ist dein eigenster Vorteil — schon aus Dankbarkeit es nicht verabsäumen, ihn wöchentlich wenigstens einmal auf 1½–2 Stunden zu tragen. Auch eine einmalige Ganzwaschung in der Woche als weitere Zugabe sollte dir den Wasserappetit nicht verderben. Eine große Zahl von Leuten könnte ich nennen, die nach Ablegung des Vorurteils, „man könne sich durch solche Anwendungen nur schaden,“ aus wasserscheuen Individuen ebenso große Wasserfreunde geworden sind. Wie stemmt sich das Schoßhündchen, und wie winselt und keucht es, wenn ich’s ins Wasser werfen will! Wie viel solcher Helden habe ich gesehen! Doch die früher nur „hundelten“ (eine verpönte Art des Schwimmens), sind allmählich prächtige und gewandte Schwimmer geworden.

Viel- und Leichtschwitzen.

Es gibt Naturen, die sehr leicht und viel in Schweiß kommen, die bei jeder, selbst der geringsten Anstrengung wie im Schweiß gebadet und deshalb, abgesehen von der Mattigkeit und Müdigkeit, den Katarrhen, Erkältungen, Entzündungen usw. recht ausgesetzt sind.

Ein Beamter, der mich eines schönen Tages aufsuchte, klagte mir, er sei eben nicht gesund, er leide viel an schwerem Atem, und die Ärzte halten ihn für leber- und nierenleidend. Das größte Unglück aber bestehe darin, daß er keine Medizin ertragen könne; jeden Löffel voll müsse er stets wieder herausbrechen. „Das größte Glück, wollen Sie sagen,“ unterbrach ich den Herrn, dessen Leiden sich durch einen scharfen, peinlichen Schweißgeruch schon verraten hatte. Und ich begann als Wahrsager zum Staunen des Beamten: „Sie schwitzen viel beim Gehen, auch morgens beim Aufstehen.“ „Ja, so ist’s! Woher wissen Sie das?“ Statt der Antwort gab ich den Rat, er möge sich eine Badewanne mit kaltem Wasser anfüllen lassen. Wenn er, in Schweiß gebadet, heimkomme, dann solle er sich rasch ausziehen, bis an die Magengegend sich in diese Wanne setzen und den Oberkörper schnell und kräftig abwaschen; das Ganze dürfe höchstens eine Minute dauern. Schnell, ohne abzutrocknen, solle er seine Kleider wieder anziehen und auf seinem Zimmer zirka eine Viertelstunde sich Bewegung machen. „Was,“ rief der Herr Beamte aus, „Ew. Hochwürden treiben bittern Spott mit mir! Gott bewahre! Da würde mich ja augenblicklich der Schlag treffen! Wie oft bin ich vor der geringsten Vernässung und Verkältung gewarnt worden, und Sie heißen mich in eine Badewanne steigen, in kaltes Wasser!“ Ich blieb ruhig, aber ich mußte alle Beredsamkeit aufbieten, dem Herrn das Unschädliche dieses Verfahrens begreiflich zu machen. Unter anderem fragte ich ihn. „Wenn Sie so im Schweiße nach Hause kommen, schwitzend, daß Ihnen das salzige Wasser über Gesicht und Stirne rinnt und die Finger aneinander kleben, haben Sie Furcht und nehmen Sie den geringsten Anstand, sofort die Hände und das Gesicht zu waschen?“ „Nein, das tue ich jedesmal.“ „Haben Sie je den geringsten Nachteil verspürt?“ Der Herr besann sich — er fürchtete meine Folgerung —, sagte alsdann aber ein kräftiges: „Nein.“ „Nun gut,“ erwiderte ich, „lassen Sie diese Wohltat auch einmal dem ganzen schwitzenden Körper zukommen; versprechen Sie mir, es auch nur einmal zu tun.“ Nach kurzem Schweigen gab er das Versprechen. Nach 14 Tagen begegnete ich ihm wieder. „Nun, leben Sie noch? Wie ist’s gegangen?“ „Wie dankbar bin ich Ihnen, Herr Pfarrer!“ sprach er. „Alle Furcht ist mir nun benommen. Kann ich’s denn nun öfter so machen? Es tut gar so gut!“ Ja, es tat gar so gut: alle Armseligkeiten und körperlichen Übelstände wurden allmählich beseitigt. Der Herr lebt noch; er wird zu 80 Jahren nicht mehr weit haben. Wären alle, denen ich schon freundschaftlich geraten, so folgsam gewesen (leider ist oft Spott und Hohnlachen der Lohn), sie hätten sich selbst viele bittere Stunden und das zu frühe, schmerzensvolle Ende ihres Lebens erspart, sie lebten vielleicht heute noch. Die Konservierung eines Gebäudes ist nicht schwer, wenn man jedes Jahr das Ganze durchmustert und jeden Fehler an Dach- und Mauerwerk gleich ausbessert. Die täglichen Launen, verkehrten Stimmungen und Unaufgelegtheiten sind Schäden am Mauerwerk unseres oft recht armseligen Seins, und wie viele hundert solcher Launen und Unaufgelegtheiten schleppt der beladene Mensch mit sich jede Woche, wie viele tausend jeden Monat und jedes Jahr!

Vielfach, ja meistens haben all’ diese Dornen und Brennesseln, oder wie sie heißen, ihre Wurzel in kleinen Indispositionen, Störungen des Körpers. Es sind Dachmoose oder Mauerfresser an der gebrechlichen Hütte deiner Seele, nicht gefährlich, aber lästig; sie rauben vielfach die Heiterkeit, die Fröhlichkeit, die innere Zufriedenheit. Manche können dem Körper und Geiste mit der Zeit auch schädlich werden, sie können einem das Leben verleiden. Die einzige Anwendung, wie sie der Beamte machte, reicht oft aus, dem Menschen einen neuen Humor, eine andere Stimmung zu geben. Mancher verhöhnt vielleicht diese Bemerkung. Das ist mir gleich. Der Hohn benimmt ihr nicht die Wahrheit.

Noch eine Bemerkung schulde ich an dieser Stelle. Wohl kaum etwas wird im Leben, selbst von einsichtsvollen Menschen, so sehr gefürchtet, als wenn sie im Schweiß das kalte Wasser anwenden sollen. Diese Meinung mag von der Wahrnehmung herrühren, daß solche, die im Schweiß gebadet plötzlich an die Kälte kommen oder sich der frischen Luft, besonders der Zugluft aussetzen oder sich gar vernetzen, sich schon oft gründlich verdorben haben. Das gebe ich alles gerne zu. Es kommt eben hier wie sonst im Leben nicht allein und nicht in erster Linie auf das „Was“, sondern auf das „Wie“ an, wie die Leute die Anwendung mit Wasser vornehmen. Meine nach so langer Erfahrung und Übung gewonnenen Grundsätze sind:

a) Wer naß ist durch Schweiß, Regen usw., darf sich nicht der Kälte oder Zugluft aussetzen; das würde sich rächen.

b) Wen friert, der soll ja nichts mit Wasser anfangen.

c) Wer vom Regen usw. durchnäßt worden, soll sich so rasch als möglich trocken umkleiden.

d) Wer aber schwitzt, sei es krankhaft oder durch Gehen oder durch Arbeit, darf ganz kurz (wie bei der Beschreibung der Anwendung genau besagt ist), ein kaltes Bad nehmen oder eine kalte Ganzwaschung vornehmen; er muß aber (ohne abzutrocknen) schnell trockene Kleidung anziehen und sich Bewegung machen, bis auch der Körper trocken ist. Dieses sollte doch einmal selbst die heißblütigsten Sanguiniker beruhigen und befriedigen!

Schwermut.

Ein Herr zog sich durch Überanstrengung und Geschäftssorgen folgendes Leiden zu: Ohrensausen, anhaltendes Eingenommensein des Kopfes, Abnahme des Denkvermögens sowie auch des Gedächtnisses, so daß er für seine Berufstätigkeit ganz unfähig war. Dabei befand er sich in unbeschreiblich trüber Gemütsstimmung, und häufig traten Angstzustände auf. Schlaf meistens schlecht. Die Körperkräfte des sonst robusten Mannes schwanden, das Körpergewicht verminderte sich erheblich. Der äußerst schwermütige Kranke unterzog sich in Wörishofen folgender Behandlung: Oberguß, Rückenguß, Wassergehen, in der Woche zwei Wickel, einen spanischen Mantel und zum innerlichen Gebrauche Wermuttropfen, teils allein, teils mit Arnika und auch mit Tausendguldenkraut gemischt. Von diesen Tropfen rühmt er eine ganz besondere Wirkung. Nach achtwöchentlicher Kur fühlte er sich vollkommen gesund und arbeitsfähig; seine Gemütsstimmung war wieder gehoben und heiter und ist es auch geblieben. Das Körpergewicht hatte jetzt 22 Pfund zugenommen.

Schwindel.

Ein Priester in den besten Mannesjahren fühlte eine fortschreitende Abnahme der Kräfte, besonders in den Beinen. Nur mit der größten Anstrengung konnte er eine Viertelstunde weit gehen und hatte das Gefühl, seine Beine brechen zusammen. Außer diesem Leiden hatte er sehr viel Schwindel, so daß er in einem offenen Raum gar nicht auf längere Zeit stehen konnte, ohne sich an einem festen Gegenstande anzuhalten. Wollte er sich am Altare umwenden, so mußte er sich stets festhalten. War der Schwindel etwas leichter, so fühlte er gewaltigen Druck in der Brust und eine Bangigkeit, als treffe ihn ein Schlaganfall.

Patient gebrauchte viel Mineralwasser und Medikamente; alles ohne Erfolg. Sein Aussehen war nach dem allgemeinen Urteile sehr gut, Appetit in Ordnung, aber Schlaf mangelhaft.

Erfolg: Bereits drei Wochen lang von seinem Berufe entfernt ging er täglich viel barfuß (im Gras, auf nassen Steinen und im Wasser bis unter die Knie), bekam anfangs täglich zwei Obergüsse und einen Knieguß, später Halbbäder und Bäder im Schweiß. Am Schlusse seiner Kur machte er den Versuch, in einem Tage 4 Stunden weit zu gehen, was gut gelang ohne Ermüdung. Er fühlte sich nun ganz gesund und war freudig gestimmt für seine Berufstätigkeit.

Schwindel bei einem Greis.

Ein Herr, 74 Jahre alt, erzählt:

„Ich habe häufig starken Schwindel und mitunter einen gewaltigen Druck auf dem Kopf; zeitweilig sind meine Füße ganz kalt, und wenn’s im Kopf gut ist, so habe ich regelmäßig große Beschwerden im Unterleib. Stuhlgang ohne Hilfsmittel habe ich gar nie. Das Buch „Meine Wasserkur“ hat mich veranlaßt zur Fragestellung, ob man in meinem hohen Alter auch noch Wasser anwenden könne mit Erfolg; wenn nicht, dann übergebe ich mich ruhig meinem Schicksale in diesem Alter. Wenn es noch anwendbar ist, gehe ich ins kalte Wasser wie der Jüngste.“

In drei Wochen war der alte Herr so gut, daß er bereute, seine Berufstätigkeit schon einem anderen übergeben zu haben.

Die Anwendungen bestanden in folgendem: Erster Tag: am Morgen den oberen Körper mit Wasser und Essig waschen, nachher einen Knieguß nehmen; am Abend ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 14 Minuten lang. Zweiter Tag: am Morgen wieder Oberguß mit einem Gießer, gleich darauf auf nassen Steinen gehen (5 Minuten lang); nachmittags: ein kaltes Sitzbad, eine Minute lang. Dritter Tag: am Morgen im Wasser gehen, zwei Minuten lang; gleich darauf die ganzen Arme ins Wasser halten; nachmittags: ein Oberguß, gegen Abend ein Sitzbad. Vierter Tag: in der Frühe im Wasser gehen bis an die Knie (drei Minuten lang); gleich darauf die Arme ins Wasser (zwei Minuten lang); am Nachmittag: ein Rückenguß. Fünfter Tag: am Morgen einen Rückenguß, am Nachmittag ein Halbbad (eine Minute lang). So wurden die letzteren stärkeren Anwendungen fortgesetzt. Der Schwindel verlor sich ganz, der Stuhlgang kam in Ordnung, die schlechten Gase waren beseitigt, die allgemeine Naturwärme war wieder hergestellt, und so war die Maschine wieder in Ordnung. Der Greis bekam geradezu jugendliche Frische und den besten Humor.

Es mag vielleicht auffallen, warum man bei diesem hochbetagten Mann nur eine einzige warme Anwendung vorgenommen hat und nicht länger mit warmen Anwendungen verfahren ist.

Der Grund ist einfach dieser, weil noch ziemlich viel Kraft und Naturwärme vorhanden war; sonst hätte er durch Waschungen vom Bett aus und wieder ins Bett entweder mit warmem Salzwasser oder mit Essig und Wasser zu einer größeren Naturwärme gebracht werden müssen. Wird die Naturwärme bei alten Leuten durch warme Waschungen erhöht, und man nimmt dann versuchsweise eine kalte Waschung vor, so verschmähen sie recht bald das warme Wasser und ziehen das kalte vor, weil sie dadurch bessere Wirkung und vermehrte Naturwärme verspüren.

Ein 78jähriger Priester hatte solchen Schwindel, daß er gar nicht mehr in die Höhe schauen und nicht sicher auf dem Wege gehen konnte; er war ziemlich beleibt. Das ganze Aussehen machte den Eindruck, daß der arme Greis keine Naturwärme mehr habe. Trotz all dieser Gebrechen, die zu der Annahme verleiten konnten, es sei doch mit dem Wasser nichts mehr anzufangen, verjüngte sich sein Aussehen ganz auffallend. Der Schwindel verschwand, sowie alle Furcht beim Gehen, kurz, der Hochbetagte wurde einer Lampe gleich, welche Aufguß zum Weiterbrennen bekommt.

Wenn ein Hochbetagter es liest, wird er fragen: Was geschah mit ihm? Die Antwort lautet:

Am ersten Tage von unter den Armen ganz einwickeln, das Tuch in heißes Wasser eingetaucht, in welchem Heublumen gesotten wurden, 1½ Stunden lang; am nachmittag: eine Waschung mit Wasser und Essig, ganz warm. Am zweiten Tag: in der Frühe einen Fußdampf, 20 Minuten lang; gleich darauf mit frischem Wasser ganz kurz abgießen; am nachmittag: wieder eine Ganzwaschung wie am ersten Tage. Am dritten Tag: einen Kopfdampf (20 Minuten lang), gleich darauf einen Oberguß. Am vierten Tag: in der Frühe einen kalten Oberguß, darauf einen Knieguß; nachmittags: ein nasses Hemd anziehen, 1½ Stunden lang. Am fünften Tag: am morgen ein warmes Fußbad mit Asche und Salz; nachmittags: einen Oberguß und Knieguß. Von dieser Zeit an nur mehr kalt, und zwar im Wechsel: Oberguß und Knieguß vormittags; zwei Stunden später: im Wasser gehen und die Arme ins Wasser halten; nachmittags: bloß Oberguß. So ungefähr 6 Tage fortfahren, und es reicht aus, in der Woche ein oder zweimal in der Nacht vom Bett ganz waschen und wieder ins Bett. Zu Haus ist nichts mehr notwendig, als in der Woche zweimal im Wasser gehen und die Arme ins Wasser halten. In der Woche ein Sitzbad nehmen, dies kann auch warm genommen werden. — Innerlich einen Tee von Fenchel, Schafgarbe und Salbei.

Schwindsucht.

Wie eine Schlange im Grase oder Gerölle versteckt auf ihre Beute lauert, so steckt und herrscht oft schon lange die Schwindsucht im Körper, ehe sie sich zeigt. Ihr Anfang ist eine Fäulnis, die an irgend einer Stelle entsteht, nach und nach durch Vereiterung um sich greift und Organe des Körpers zerstört. Es kann dieses geschehen in der Brust: in der Lunge, im Rippenfell; im Unterleib: im Darm und in den Nieren; im Hals: in der Luftröhre, im Kehlkopf usw., an den edelsten und wichtigsten Organen. An jeder Stelle, an der solche Fäulnis sich zeigt, treten alsbald auch Störungen ein im Blutumlauf, im Blute und in den Säften. Dem Menschen, den es trifft, ergeht es wie dem Baume, dessen Blätter anfangen, zur Unzeit gelb zu werden und abzustehen. Seine Lebensadern haben aufgehört, den Lebenssaft zu geben. Der Baum wird nicht mehr recht genährt, daher das Welken und Absterben. Und da hilft keine Sonne und keine frische Luft. Dasselbe können wir vom Schwindsüchtigen sagen. Das Blut, dieser Lebenssaft, nimmt ab, der Kranke „fällt ab“, wie der Volksmund sagt, und erlischt am Ende wie ein Licht, lebensunfähig.

Hat die Schwindsucht einmal tief sich eingefressen und bereits ein Organ des Körpers zerstört, dann ist der Mensch verloren. Hat sie sich aber an dem einen oder anderen Teil des Organismus angesetzt, so kann gerade mit Wasser eine Heilung ganz leicht eintreten. Das Traurigste bei solchen Kranken ist, daß die ersten Zeichen scheinbar so unbedeutend sind. Der Kranke hat nur ein Hüsteln, das ihm auch gar nicht besonders wehe tut. Nicht einmal ausspucken muß er oder doch höchst wenig. Kommt von Zeit zu Zeit der Husten stärker, so tröstet sich der Kranke: „Es ist nichts weiter als ein gelinder Katarrh, hab’s schon oft gehabt, wird bald wieder nachlassen.“ Selbst wenn der Körper welker wird, der Schwindsüchtige eine Abnahme der Kräfte spürt, immer hat er seine Entschuldigung. „Der Katarrh dauert diesesmal etwas länger; aber ich kann ja meinem Beruf doch noch vorstehen.“ Gewöhnlich haben derlei Kranke bei diesem Stadium der Krankheit schon mehr gelitten, als sie selbst glauben: die Blutbildung hat abgenommen, die Säfte haben sich vermindert, die kranken Stellen dehnen sich immer weiter und weiter aus. Sucht dann der Kranke nach Hilfe, so ist er sicher schon zu spät daran, und was er tut und anwendet, das tut er meistens nur zur Abkürzung seines Lebens. Ich bemerke all dieses zur Warnung, solche Zustände, die unter dem Namen „Katarrh“ die ganze Welt erfüllen, nicht zu vernachlässigen. In Fällen, in denen die Schwindsucht vorangeschritten ist, einen höheren Grad erreicht hat, versuche ich (erkläre dieses auch von vornherein jedem Patienten) mit Wasser nichts mehr anzufangen;[45] denn die Natur vermag den Kampf mit dem frischen Wasser nicht mehr aufzunehmen. Das wäre ebenso töricht, wie wenn ein Schwächling es versuchen wollte, einen robusten, kräftigen Mann zu meistern. Die fortgeschrittene Schwindsucht erkennt man daran, daß der Kranke ziemlich häufig hustet, mit dem Husten sehr viel Auswurf abgeht; ferner, daß derselbe schwer atmet, der Appetit nachgelassen hat usf. Solange der Auswurf noch oben auf dem Wasser schwimmt (man stelle die Probe an), braucht man nicht alle Hoffnung aufzugeben. Sinkt er zu Boden, dann ist’s meistens bei Matthäus am Letzten, zu Ende mit aller Hoffnung und Hilfe. Der Kranke soll sich in Gottes Willen ergeben und sich ruhig auf das letzte Stündlein vorbereiten.

Dagegen behaupte ich — und ich könnte dafür eine Reihe von Beispielen anführen —, daß beim Beginne der Schwindsucht das Wasser als das erste und sicherste Heilmittel sich bewährt. Es erfrischt und belebt den welk werdenden Körper, wirkend wie Öl, das man in das Räderwerk der Maschine gießt; es bringt einen lebendigen Blutumlauf hervor und weckt so in dem schlaff gewordenen untätigen Organismus neues Leben. Dann rüttelt es, wie ein Sieb die Mohnkörnchen, die faulenden Säfte auf und scheidet sie aus. Man beachte indessen wohl: es dürfen gar nie stark auflösende und stark ausleitende Anwendungen vorgenommen werden. Man muß vorherrschend auf Stärkung des Organismus abzielen, auf daß die wieder kräftig gewordene Natur selbst die faulen Stoffe ausscheide. Vor allem erheischt die Vorsicht, daß die Naturwärme nicht geschwächt, erschöpft, vollends ausgesogen werde. Das hieße der Krankheit in die Hände arbeiten. Nur ganz kurz dauernde Anwendungen sind hier am Platze; sie sollen, wie gesagt, anregen, stärken, beleben. Ich möchte es nicht wagen, mehrere totale Anwendungen, die auf den ganzen Körper sich erstrecken, vorzunehmen, falls die Zeichen ein Fortschreiten der Schwindsucht andeuten.

Hat das Leiden im oberen Teile des Körpers seinen Sitz, so ist der Oberguß eine vorzügliche Anwendung, verbunden mit dem Knieguß, letzterer höchstens eine halbe Minute lang. Bei günstiger Jahreszeit wird kaum eine Anwendung und Übung übertroffen von dem Barfußgehen im nassen Grase. Das kräftigt den Körper am meisten, und nie darf man Furcht hegen, sich in irgendeiner Weise zu schaden. Auch das Gehen auf nassen Steinen ist gut; es leitet das Blut nach unten und fördert den rascheren Blutumlauf und so die Blutbildung überhaupt. Noch sei hier ein Wort gesprochen über die Kost solcher Kranken, die mehr als andere und zum Widerwillen stets den Refrain hören müssen: „Nur gut essen und trinken.“ Die einfachste Kost ist die beste; nichts Hitziges, Gewürzhaltiges, keine Säuren; jene Kost, welche das Kind am leichtesten ertragen kann und bei der es im Wachstum am besten gedeiht. Eine merkwürdige Erfahrung möchte ich nicht für mich behalten. Das sicherste und oftmals für das Vorhandensein der Schwindsucht den Ausschlag gebende Zeichen war mir, wenn der Kranke recht gern Gesalzenes aß, Salz auf Brot streute, Fleisch in Salz tauchte, mit Vorliebe nach Saurem, nach Gewürz haschte. Ein sehr gutes Nahrungsmittel ist die Milch, die vor allem empfohlen werden soll, aber ja nicht Milch allein: sie würde dem Kranken bald widerstehen. Auch die Kraftsuppen sind sehr zu empfehlen, wieder im Wechsel, selbst wenn die eine oder andere dem Kranken besonders zusagt. Nicht zuletzt verdienen genannt zu werden recht einfache bürgerliche Mehlspeisen ohne alle komplizierte, gekünstelte Zubereitung. Das natürlichste und am wenigsten Widerwillen erzeugende Getränk bleibt stets das Wasser, vielleicht untermischt mit etwas Wein. Auch Milch, gestockte Milch, dient gut. Für Bier und Wein trete ich nicht ein. Noch eine Bemerkung möge hier Platz finden. In den höheren und höchsten Stadien dieser Krankheit treten heftige Fieber ein mit stärkerem Schweiße und darauffolgendem Frost. Es läßt sich mit Erfolg nichts dagegen tun. Dem Kranken indessen geschieht Erleichterung, wenn man nach dem Schweiße ihm Rücken, Brust und Unterleib mit frischem Wasser kräftig abwäscht.

Eine tüchtige Lehrerin wurde längere Zeit von einem berühmten Arzte behandelt ohne Erfolg. Da sie zuletzt in ihrem Berufe nicht mehr arbeiten konnte, erhielt sie vorläufig auf drei Vierteljahre Pension. Nach Verlauf dieser Frist war der Zustand nicht viel besser geworden; der Arzt erklärte sie in seinem Zeugnisse für „unheilbar“, also auch künftig als untauglich für ihren Beruf. Freunde rieten ihr das Wasser an, und sie logierte sich in einem Nachbarorte meiner Pfarrgemeinde ein. Der Patientin war es anfangs kaum möglich, eine halbe Stunde weit zu gehen, so entkräftet und geschwächt fühlte sie sich. Sie gebrauchte nach Vorschrift Wasseranwendungen, und in 4–5 Wochen war sie vollständig hergestellt. Sie hat dann um Reaktivierung angehalten, und es kostete sie nicht geringe Mühe, wieder auf ihre Stelle zu kommen. Man wollte an die Heilung nicht recht glauben. In Person stellte sie sich dem Minister vor, der über ihre kräftige Gesundheit staunte, noch mehr aber über das im Zeugnis des Arztes stehende fatale Wort: „unheilbar.“ Schon ist sie 11 Jahre wieder auf ihrem Posten, erfreut sich der besten Gesundheit und kann ihrem Berufe ungestört nachkommen. Welches Leiden die Ärzte an dieser Kranken gefunden, ob Abzehrung, ob Schwindsucht, ich hatte es nie erfahren. Alle Anzeichen indessen sprachen dafür, daß sie schwindsüchtig werde. Der Bruder des Fräuleins war an diesem Übel gestorben, und ganz ähnliche Leiden seien, erklärte sie, dessen Tode vorausgegangen. Es war hohe, aber noch die rechte Zeit, der Krankheit zu steuern, und das Wasser hat ihr gesteuert. Als Heilmittel wurden angeordnet: viel Aufenthalt in frischer Luft, häufiges Barfußgehen im Morgentau, Bäder, von den kleinsten und schwächsten bis zu den letzten und stärksten, alle stets kalt. Dazu kam Kräutertee und eine einfache, kräftige Landkost.

Ein Herr von Stand erzählt: „Ich war nie fest und erfreute mich zu keiner Zeit einer solchen Gesundheit, wie sie manchem das ganze Leben hindurch geschenkt ist. Gleichwohl konnte ich meine Studien glücklich beenden, auch meinem Berufe bislang gut vorstehen. Seit ein paar Jahren ist dieses anders geworden. Wo ich hinkomme, werde ich von jedermann bedenklich angeschaut, und oft schon drang zu meinem Ohr das leise Flüstern der Freunde: Der lebt auch nicht mehr lang. Der Gedanke an den Tod ist mir selbst kein fremder Gast mehr, ich müßte ja blind sein für all die Anzeichen. Wie die frische Gesichtsfarbe, so sind die Kräfte geschwunden. Der Appetit, dieser beste Uhrenzeiger, deutet zur Genüge an, daß im Körper die Feder, die Lebenskraft ausgegangen, am Springen ist. Schon peinigt der recht schwere Atem, mehr noch ein Husten, der selbst andere schreckt, sichere Boten in die ewige Heimat. Die Ärzte erklären, ich sei schwindsüchtig. Sie haben mich seit einiger Zeit aufgegeben, raten mir aber noch, nach Meran zu reisen in ein milderes Klima. (Armer Schelm, dachte und fühlte ich, nicht einmal zu Hause, in der Fremde sollst du sterben!) Auf der Reise nach Meran hörte ich von den Wirkungen des Wassers, und ich erkundigte mich, ob dasselbe auch für meine gebrechliche Natur etwa noch Heilkraft hätte. ‚Sie können es versuchen,‘ lautete die Antwort. Der Anfang war nicht leicht. Ich trug sehr warme Kleidung, und doch fror mich noch immer. Nun hieß es auf einmal: Das wollene Hemd, das Sie auf dem bloßen Leib tragen, der wollene Halsbund, doppelt geschlungen, müssen nach und nach wegfallen. Es beschlichen mich ganz eigenartige Gedanken. Wie wird’s mir gehen mit einer Kleidung, die mehr kühlend als wärmend ist? Dazu machte mich das kalte Wasser erschauern. Und es war schon so nahe. Vorsichtig und überaus maßvoll begannen die Übungen, ganz anders, als man es sich denkt und davon sprechen hört. Und merkwürdig! Nach zwei Tagen schon konnte ich ein Wollkleid ablegen, ohne nachteilige Folgen zu verspüren; nach 5 Tagen opferte ich mein zweites. Nach 6–7 Tagen war der wollene Halsbund auch schon gefallen. Durch die Wasseranwendungen bekam ich eine sehr angenehme Naturwärme, die sich von Tag zu Tag steigerte. Mit der zunehmenden Naturwärme nahm das schwere Atmen ab, der Husten ließ nach. Wie die Besserung, so nahm zu die freudige Stimmung der Seele. Hörte ich früher sagen: ‚Wie lange wird der noch leben?‘ so jetzt: ‚Aber der gedeiht!‘ Sechs Wochen dauerte die Behandlung. Wider Erwarten und zum Staunen aller, die mich früher gesehen hatten, trat ich nicht den Weg zur ewigen Ruhe, sondern mit neuem Leben den alten Berufsweg wieder an. Ich dankte Gott, meinem Schöpfer, für meine Heilung und auch dafür, daß er uns im Wasser ein so kräftiges und naheliegendes Heilmittel gegeben. Allen Menschen möchte ich zurufen: Lernet das Wasser und seine Wirkungen kennen und schätzen, ihr werdet vielem Ungemach auf eurer Wanderung durchs Leben entgehen und viel glücklicher und zufriedener euere Berufsaufgabe lösen. Und nach dieser Aussaat im Berufe richtet sich ja die Ernte drüben im Jenseits.“

„Du bist begierig, lieber Leser, zu hören, wie das Wasser bei mir angewendet wurde? Wie ein Hirtenknabe oft unter den Regen kommt, manchen Tag Guß auf Guß aushalten muß und dadurch abgehärtet wird, so bekam mein Oberkörper täglich zwei Güsse (Obergüsse). Anfangs spielte der Wasserstrahl nur eine halbe Minute, nach einiger Zeit eine Minute lang. Täglich mußte ich sodann im nassen Grase gehen oder auf nassen Steinen. Nach allgemeinem Vorurteile meinte auch ich mir dadurch alle möglichen Beschwerden zuzuziehen. Recht bald indessen fühlte ich das größte Behagen, und ich wäre am liebsten Barfüßler geworden. Es nahte der Spätherbst, es fiel Schnee. Ich ging eine Minute lang im frischgefallenen Schnee. Das hört sich schauerlich an. Auch mich durchfuhr ein schauerliches Rieseln, da ich langsam Schuhe und Strümpfe ablegte. „Mutig voran!“ rief ich mir selbst zu. Und einmal gewagt war ganz (nicht halb) gewonnen. Ich überzeugte mich von der wohltätigsten Wirkung, welche ich nie erwartete. Ich durfte auf mein Begehren dieses öfter wiederholen und kann jedem Wasserscheuen hoch und teuer versichern, daß ich in meinem Leben nie solche Naturwärme empfunden habe wie nach diesen Schneepartieen. Es brennen die Füße zwei, höchstens drei Minuten von der Schneekälte; dann aber entwickelt sich eine Wärme, die den Schnee nicht mehr achten läßt. In wenigen Tagen brachte ich es dahin, daß ich nicht mehr eine, sondern 10 Minuten bis eine Viertelstunde den Schneelauf fortsetzte. Gerade das Schneegehen brachte eine außerordentliche Zunahme der Kräfte und Verminderung des harten Atems. Von Katarrh zeigte sich keine Spur. Hätte man mir so etwas früher erzählt, ich hätte es für Torheit, ja Wahnsinn, für den Ruin der Gesundheit gehalten. Während 14 Tagen verfuhr ich also. Dann hörte das Barfußgehen auf, und es blieben nur die Ober- und Untergüsse in stärkerer Form ein- bis zweimal täglich. Nach ungefähr drei Wochen war der Organismus in Ordnung. Bis zu völliger Erstarkung vergingen wieder drei Wochen. Statt nach Meran zu gehen und dort zu sterben, kehrte ich zurück in die liebe Heimat, um dort von neuem tüchtig in meinem Berufe zu arbeiten.“

Es kommt ein Mann und erzählt: „Mir fehlt es im Hals und in der Brust. Anfangs hatte ich einen recht starken Katarrh; dann habe ich meine Stimme fast ganz verloren, hatte Wochen hindurch ein heftiges Brennen im Hals und in der Brust, zudem häufig Fieber. Habe mehrere Ärzte gehabt, mußte vielerlei und viel inhalieren. Kleine Linderung habe ich bekommen, aber keine Hilfe. Jetzt bin ich ganz abgemagert und kann schon lange nichts mehr tun; doch Gehen paßt mir noch am besten. Meine Füße sind immer kalt, Appetit besser als früher.“

Anwendungen: 1) Täglich zweimal einen Knieguß oder im Wasser gehen. 2) Täglich am Morgen und Nachmittag einen Oberguß. 3) Täglich zwei kleine Tassen Tee trinken von Foenum graecum. 4) Jeden zweiten Tag ein kaltes Sitzbad, eine Minute lang. So drei Wochen fortmachen.

Star

siehe oben S. 172 unter „[Augen-Star]“.

Steinleiden.

Ein Herr K. in D. schreibt: „Ich war bereits sechs Monate sehr krank und wurde behandelt an Stein- und Nierenleiden, auch war ich stark mit Hämorrhoiden geplagt. Drei Ärzte gebrauchte ich; allein keiner konnte mir helfen. Da ich absolut keinen Dienst mehr machen konnte, stellte ich mir einen Stellvertreter ein auf ein halbes Jahr. Nun erfuhr ich indirekt, daß der Arzt sich geäußert habe, daß mein Leiden nicht zu kurieren sei. Ein anderer Arzt gab mir den Rat, ich solle mich in Heidelberg operieren lassen an Stein; allein ich dachte, lieber zu Hause sterben als in einer fremden Stadt. Ich tat also nichts; mein Leiden wurde immer ärger, und ich sage Ew. Hochwürden, daß ich statt Wasser mindestens vier Schoppen Blut uriniert habe. Ich sah ganz getrost meinem Ende entgegen und fügte mich in das schwere Schicksal. Zu Ehren der Mutter Gottes ließ ich hl. Messen lesen und dachte oft, wenn in der Nacht arge Schmerzen mich nicht schlafen ließen: Ach, wann werde ich wohl von meinem Leiden erlöst werden? Endlich hat mich der liebe Gott erhört, nachdem ich für 113 Mark 30 Pfg. Medizin und Mineralwasser schon getrunken usw. Ich hörte an meinem Krankenbette von Ihrem Buche, ließ mir dasselbe kommen, begann sofort mit der Kur — in acht Tagen spürte ich keine Schmerzen mehr, mein Urin wurde so klar wie ein Brunnenwasser (vorher war er so trüb wie ein verdorbenes Bier), und heute, nach 4 Wochen, bin ich trotz meines Alters von 60 Jahren so gesund und munter wie ein 18jähriger Bursche; ja, wenn es keine Schande wäre, so würde ich auf Fastnacht tanzen. Trotzdem der Arzt nicht mehr an meine Genesung glaubte, bin ich jetzt vollständig gesund. Wäre mir Ihr Buch nicht in die Hände gefallen, ich wäre wohl schon im Grabe.“

Stimme, Verlust derselben.

So wichtig ist für uns Menschen die Stimme, daß wir schon etwas ausführlicher von ihr reden dürfen.

Es kommt im Leben häufig vor, daß die Stimme teilweise oder ganz verloren geht. Man weiß oft keine Ursache. Manche können noch heiser sprechen, manche aber müssen die Zuflucht zur Feder oder zum Griffel nehmen.

So kam vor 17 Jahren ein Priester zu mir, der lange Zeit Papier und Blei mit sich tragen mußte, um zu notieren, was er anderen mitteilen wollte. Er war ganz und gar unfähig, seinem Berufe als Priester nachzukommen. Überall, wohin man ihm geraten, hatte er Hilfe gesucht. Er bekam Gurgelwasser, er wurde magnetisiert, elektrisiert, man setzte Schröpfköpfe an, vierzehnmal brannte man mit Höllenstein den Hals aus, so daß ein Arzt erklärte, er werde die Sprache nie wieder bekommen; solches Unheil, Narben usf. hatte der Höllenstein angerichtet. Als nichts mehr helfen und kein Arzt Heilung bringen konnte, da wurde das kalte Wasser das Heilmittel, dem der Priester nächst Gott seine Hilfe verdankte. Dieser Priester schien ganz gesund zu sein. Die Gesichtsfarbe indessen war nicht frisch, vielmehr trübe und krankhaft. Schmerzen fühlte er im ganzen Körper keine besonderen; er meinte, ihm fehle nichts außer der Stimme. Wie kann ein Sprachorgan zum Sprechen unbrauchbar sein, wenn es weder verletzt ist, noch irgendwelcher Schmerz empfunden wird? Wenn ich einem ein Tuch über den Mund binde, so ist kein Sprachorgan verletzt, und doch kann der Betreffende nicht mehr reden. Torheit wäre es, suchte ich das Übel im Halse. Ich muß das Tuch wegnehmen, und die Rede hat wieder ihren Fluß. Die Sprachorgane können ganz gesund sein, aber verschiedene Einwirkungen, gleichsam Über- und Unterbindungen derselben, hindern zu sprechen. Was sind das für Einwirkungen?

Wenn ein Bächlein durch ein Tälchen läuft, und werfen die losen Hirtenbuben Steine in sein Bett und verstopfen den Lauf mit Schlamm und Erde, so ist das Wasser gehindert, seinen geregelten Lauf fortzusetzen; es muß nach rechts und links aus dem Bette weichen, Auswege suchen, Vertiefungen, in denen es weiter fließt oder sich aufhält. Gerade so geht es oft im menschlichen Organismus. Könnte man hineinschauen in dieses vieladrige Stromgebiet, so würde man sehen, daß dem Blutlaufe oft gerade solche Hindernisse gelegt werden. Die Folgen sind Blutstauungen, Schleimhautschwellungen. Wer hat noch nie ein sogenanntes Überbein an einer Hand, am Fuße gesehen? Denke dir nun eine solche Anschwellung, oder was immer sie sei, nach innen gebildet, wie sie drückt. Muß das gedrückte Organ nicht in seiner Tätigkeit beeinträchtigt, gestört werden? Hänge der klangvollsten Glocke einen Quersack an, aller Ton ist dahin. Und da hilft kein Brennen und kein Hämmern. — Doch zurück zu unserem stummen Herrn! Der erste Oberguß ließ mich die gewaltigsten Anstauungen, fast schon Geschwulstbildungen, erkennen. Das waren die Missetäter, die mit ebenso vielen Fesseln die Sprachorgane, die Stimmbänder, gefangenhielten und an ihrer Tätigkeit hinderten. Wurden jene entfernt, so waren diese gelöst. Die Entfernung der Anstauungen geschah durch auflösende und ableitende Wasseranwendungen. Als auflösende Anwendung steht in erster Linie der Kopfdampf. Dieser erzeugt Schweiß über den ganzen Oberkörper hin. Ein kalter Abguß unmittelbar darauf wird das Aufgelöste wegschwemmen und die Natur kräftigen. Da der Patient ziemlich beleibt ist und bei solchen Personen gewöhnlich Blutandrang nach oben stattfindet, so leite man das Blut mehr nach unten durch einen Fußdampf mit folgendem kalten Abguß. Diese zwei Anwendungen (die in unserem Falle zusammengehören) können in jeder Woche einmal, wenn die Korpulenz ziemlich stark ist, auch zweimal genommen werden.

Eine zweite Anwendung, die in ähnlicher Weise im ganzen Körper auflösend wirkt, ist der spanische Mantel. Dazu kommen kalte Bäder (1–2 in der Woche, höchstens eine Minute lang), Halbbäder (bis an die Magengegend) mit kräftigen Waschungen des Oberkörpers; ein Ober- und Unterguß statt des Bades tun ähnliche Dienste. Diese Anwendungen, pünktlich vollzogen und verbunden mit einer geregelten Lebensweise — nicht viel zu sitzen, Bewegung im Freien, kleine Handarbeiten — machten alles gut. Die ganze Maschine kam wieder in den richtigen Gang, und das Rädchen der Stimme lief ohne Pinseln und Brennen und Elektrisieren von selbst mit in der alten trefflichen Weise. Niemand hatte geglaubt, daß dieser Priester je seine Stimme wieder erhalte. In sechs Wochen war er vollkommen hergestellt, und heute noch, nach 17 Jahren, hat seine Stimme einen Wohlklang und eine Kraft, die jeden erfreut, der sie zu hören bekommt.

Ein Priester im Queistale hatte seine Stimme dermaßen eingebüßt, daß er zur Pastoration seiner Gemeinde fünf Jahre hindurch einen Hilfspriester halten mußte. Innerhalb dieser fünf Jahre suchte er die berühmtesten Ärzte auf. Er inhalierte viel, die Mandeln wurden ihm ausgeschnitten, alles vergebens. Man suchte das Leiden natürlich nur stets im Halse, bis endlich der letzte Arzt, der ihm den Hals untersuchte, erklärte, er finde im Halse absolut kein Übel, wisse aber auch nicht, warum er nicht reden könne. Erst auf diese Erklärung hin nahm der Patient die Zuflucht zu der immer so gescheuten und gefürchteten Wasserkur. Er bekam die Stimme, noch bevor ein halbes Jahr vorüber war, und eine so starke Stimme, wie er sie früher nicht stärker hatte; er meinte, eine halb so starke würde auch ausgereicht haben.

Auch bei diesem Herrn fehlte in den Sprachorganen nicht das Geringste. Dagegen fand ich den Hals, wenn auch nicht in besonderer Weise, doch stärker als normal, den Oberkörper aber unverhältnismäßig stark im Vergleiche zu den ziemlich abgemagerten Händen und Füßen. Früher hatte der Herr, wie er erzählte, öfters die Kolik, die regelmäßig nicht lange dauerte. Die Natur suchte auf diese Weise sich immer selbst zu helfen; doch konnte sie die krankhaften Stoffe nie gänzlich auswerfen. Die Koliken hörten später auf, und der Kranke fühlte bloß von Zeit zu Zeit Beengungen auf der Brust, die aber nicht besonders lästig waren. Es erging da, wie es in manchem Haushalte zu gehen pflegt. Wenn vom untern Stock des Hauses einer in den obern Stock zu einer andern Familie einzieht, dann gibt es Einschränkungen; die beiden Hausherren finden sich nicht mehr zurecht. Da hilft kein Inhalieren, auch kein Ausschneiden der Mandeln, nicht einmal das Abschneiden des Zäpfchens, — da hilft allein das Ausziehen. Hat man den gesamten Organismus in Ordnung gebracht, dann wird die Stimme auch wieder kommen.

Dieser Kranke mußte in der Woche einmal oben und unten kräftig schwitzen (Kopf- und Fußdampf) und gerade so kräftig gießen (Ober- und Unterguß). Damit sodann die aufgedunsenen Körperteile durch die Kälte zusammengezogen würden, stieg er jede Woche viermal ins kalte Wasser bis unter die Arme, so kurz als möglich, nie mehr als eine Minute; dabei wusch er den Oberkörper kräftig ab. Dazu kam zuletzt ein spanischer Mantel. Nach vier Wochen genügte die Hälfte der Anwendungen, d. i. in der Woche ein Ober- und Unterguß und ein Halbbad mit Waschung des Oberkörpers. Später durfte er nicht plötzlich aussetzen; er mußte längere Zeit hindurch die eine oder andere Anwendung noch vornehmen, und zwar der Reihe nach, wie er sie bei der Heilung selbst vorgenommen hatte. Dazu bedarf es meist keiner besonderen Anregung.

Mit dem Gefühle der Kraftsteigerung wächst das Verlangen nach der Wasseranwendung und das Vertrauen zu derselben. Man staunt nur mehr über die wasserscheuen, empfindsamen Mitmenschen, die wohl Gesicht und Hände waschen, aber einen Höllenlärm anschlagen, wenn aufs Wasser die Rede kommt. Habeant sibi! Sie mögen es selbst büßen.

Bei unserm Herrn kam die Stimme wieder, wie sie besser nie gewesen. Das alte Übel kehrte nie wieder. Seit der Heilung sind heute mehr als 16 Jahre verstrichen.

Ein Studienrektor in den schönsten Jahren konnte drei Vierteljahre seinem Berufe als Lehrer nicht mehr vorstehen; es fehlte ihm die Stimme. Er suchte bei den nächsten Ärzten Hilfe; dann wandte er sich an namhafte Spezialärzte. Nach wochenlangem Inhalieren, Elektrisieren usw. wurde ihm erklärt, die Stimmbänder hätten ihre Elastizität gänzlich verloren. Und weil alle Einwirkung umsonst gewesen, so könne man vorläufig nichts tun als abwarten, wie sich die Sache weiter gestalte; er solle wenigstens ein Jahr frei von aller Tätigkeit sein und sein Sprachorgan ruhen lassen. Dieses war dem Herrn zu arg, und er nahm die Zuflucht zur Wasserkur. In sechs Tagen hatte er seine Stimme wieder, in sechs Wochen war sie so klangvoll und stark wie in den besten früheren Zeiten. Dieses geschah vor 4½ Jahren, und der Herr darf keine Sorge haben; seine Stimme wird ihm bleiben. — Die Antwort auf die Frage: „Was hat da gefehlt?“ will ich nicht schuldig bleiben. Das Aussehen des Patienten war wohl etwas welk, aber im ganzen nicht krankhaft. Eines hätte etwas auffallend sein können, daß nämlich der sonst gut gewachsene Herr den Kopf etwas vorwärts geneigt hielt. Er hatte den besten Appetit, besaß die volle Naturkraft; einzig und allein die Stimmbänder sollten von der Mutter Natur so stiefmütterlich behandelt worden sein, daß sie jetzt so elendiglich verkümmerten und alle Elastizität verloren? Das ist nicht denkbar. Meine Behauptung, es fehle den Sprachorganen gar nichts, verletzte den Herrn nicht wenig, und meine Praxis, nach welcher ich kein einziges Mal in seinen Hals schaute, in dem allein doch er sein Hauptgebrechen vermutete, brachte ihn fast außer Fassung und wollte ihm alles Vertrauen rauben. Ich dagegen wollte dem Herrn beweisen, daß dem Halse gar nichts fehle, daß deshalb auch kein Mittel für den Hals anzuwenden sei, wie auch faktisch keines angewendet wurde. Wo lag die Wurzel des Übels? Auf der oberen Seite der Schulterblätter, quer über dem oberen Rücken, zu beiden Seiten des siebenten Halswirbels hatte der Herr ganz kleine Erhöhungen wie kleine Pölsterlein. Wer aber nicht gesucht hätte, hätte sie auch nicht gefunden. Sie drangen etwas einwärts und drückten so auf die Sprachorgane. Der noch junge Mann wurde kräftig begossen; er bekam den Schal, Halbbäder und den spanischen Mantel. Zuletzt reichten Halbbäder mit Waschungen des Oberkörpers aus. Die Scheu vor Wasser verwandelte sich später in ein fast zur zweiten Natur gewordenes Bedürfnis nach Wasser. Keine Woche verging mehr ohne einige Anwendungen, die frisch und wohl erhielten. Wie oft kann ich die Bekräftigung hören: Jetzt weiß ich selber, daß die Anwendungen mir gut tun; ich werde sie im Leben nie mehr aufgeben.

Gräfin N., 15 Jahre alt, erzählt: „Ich hatte vor zwei Jahren Diphtheritis, wie der Arzt sagte, im höchsten Grade. Auf diese Krankheit bekam ich Kopfleiden zum Verzweifeln. Nach einigen Wochen verlor ich nach einem heißen Bade die Stimme, so daß ich keinen Laut mehr geben konnte und jede Mitteilung durch Aufschreiben machen mußte. Meine Eltern suchten mir die ersten Ärzte. Ich mußte Monate hindurch inhalieren, verschiedene mineralische Stoffe einnehmen; ich wurde elektrisiert, mehrere Wochen hindurch alle Tage; mir wurden Blutegel an den Hals gesetzt, daß ich öfters in Ohnmacht fiel. Am Halse herum wurde schrecklich operiert. Mit Grausen denke ich an die Einzelheiten. Was ich alles eingenommen, will ich nicht schildern. So ging es fort über zwei Jahre, und schließlich erklärten einige Ärzte, ich werde an Schwindsucht sterben. Darin kamen alle überein, die Stimme könne und werde ich nie und nimmer erhalten. Wie ich fühle und was ich leide? Ich habe das ganze Jahr nicht eine Stunde warme Füße, eiskalt sind meine Hände, eiskalt mein Kopf. Ich weiß seit Monaten kein Mittel, weder im warmen Zimmer, noch mit wärmenden Kleidern, mich zu erwärmen. Ich mag nicht essen und kann nicht essen. Was ich genieße, peinigt mich; ich möchte oft verzweifeln. Ich bin erst 15 Jahre alt, kenne aber kein so unglückliches Geschöpf wie mich.“

Daß dieses arme Kind das kalte Wasser scheute, läßt sich denken. Auch die Eltern mochten nicht für das Wasser eintreten, wohl um das frostige Kind nicht auch noch damit zu quälen. Nur eine Seele nahm sich des bemitleidenswerten Geschöpfes an, und sie suchte Hilfe beim Wasser. Ich konnte ihr solche in Aussicht stellen — wenn auch nicht in nächster Zeit, bei maßvollem Gebrauche und pünktlicher Anwendung, und zugleich mit Sicherheit erklären, daß den Sprachorganen nicht das Mindeste fehle. Hier gelte es vor allem, den übermäßig geschwächten Körper, der nur mehr eine Ruine sei, neu zu beleben und zu kräftigen. Sobald die Normalkraft zurückkehrt, werde die Sprache nicht lange mehr auf sich warten lassen.

Das Mädchen ist im höchsten Grade blutarm; dieses beweist die Kälte am ganzen Körper; nur auf der Brust allein fühlte es noch eine gewisse Wärme. Es muß eingewickelt werden, daß Blutbildung und richtige Zirkulation eintritt. Die Kranke soll bei einfacher Kost täglich zwei- bis dreimal die Hände bis an die Ellenbogen, die Füße bis über die Knöchel ins Wasser halten oder, noch besser, im nassen Grase oder auf nassen Steinen barfuß gehen. So widersinnig es manchem scheinen mag, es sind dieses vortreffliche Mittel, wieder Wärme in die kalte, halbabgestorbene Natur, besonders in die blutarmen Extremitäten, die Hände und die Füße zu bringen. Geradeso muß am Körper Wärme erzeugt und neue Tätigkeit angebahnt werden. Es soll deshalb die Kranke täglich ein- bis zweimal Rücken, Brust und Unterleib kräftig mit kaltem Wasser waschen. Die ersten Versuche kosteten Überwindung; mit dem Erwachen der Wärme kam neuer Mut; es war gleichsam ein Frühlingswehen, das dem armseligen Körper nochmals ein Wiedererstehen ankündigte. Die Kranke tat einen Schritt weiter, sie rückte mit den Füßen tiefer ins Wasser und hielt die Arme längere Zeit in das nasse Element. Aus einer halben Minute wurde eine ganze. Diese Übungen währten zirka 9–10 Tage. Ihnen folgten gelinde Knie- und Obergüsse, je einer jeden zweiten oder vierten Tag, der eine vormittags, der andere nachmittags. Mit diesen Anwendungen wurde zirka 14 Tage fortgefahren. Dann kamen täglich ein Halbbad (bis an die Magengegend) eine Minute lang und ein Oberguß. Die Verteilung, welche Anwendung vormittags, welche nachmittags genommen wurde, blieb sich gleich. Bezüglich der Kost mußten leichtverdauliche, für Blut- und Säftebildung günstige Nährstoffe gewählt werden: einfache, unverfälschte, durch scharfe Gewürze usf. nicht verdorbene Hausmannskost. Das beste Getränk bildet Milch, wenig Bier; Hitziges sollte gar nicht genommen werden. Kraft und Stimme kamen bei unserer Patientin wieder. Um die Gesundheit und die Kräfte zu befestigen, sollen obige Übungen noch längere Zeit fortgesetzt werden. Sie können indessen nach und nach wegfallen, je nachdem die Kräfte langsamer oder schneller wiederkehren.

Ein Mädchen von 16 Jahren verlor ohne jede Veranlassung seine Stimme und konnte bei seiner Heiserkeit nur mit der größten Anstrengung sich verständlich machen. Es befragte Ärzte; diese verordneten Mittel, aber selbe wirkten nicht. Das Mädchen sah bei gutem Appetite blühend aus, der Kopf war voll und rund, der ganze kurze Hals ziemlich, fast zu stark gefüllt. Man merkte, daß das Atmen etwas schwer ging. Die Füße waren immer kalt. In sechs Wochen war das Mädchen vollständig geheilt. Durch welche Anwendungen? Die blühende Farbe, der volle und heiße Kopf, sowie die kalten Füße zeigten klar an, daß der Blutandrang allzu stark nach oben zielte. Daher die stärkere Ausbildung der oberen Körperteile, vielleicht auch Anstauungen von Blut. Bei der Heilung mußte allererst gesorgt werden, daß eine gleichmäßige Naturwärme im ganzen Körper eintrete, nicht am Kopfe Hitze herrsche und an den Füßen Kälte. Das Mädchen nahm täglich zwei- bis dreimal ein kaltes Fußbad, höchstens eine Minute lang, mit darauffolgender Bewegung im Freien. Dazu ging es recht fleißig barfuß in dem durch Tau oder Regen genäßten Grase oder auf nassen Steinen. Leiteten diese Anwendungen das Blut und damit die Wärme nach den unteren Extremitäten, so mußte durch neue Wassermittel alles Angestaute und Aufgedunsene am Kopf, Hals und Oberkörper aufgelöst und abgeleitet werden. Dazu taugt am besten und während der ersten Woche täglich ein spanischer Mantel, der in der zweiten und dritten Woche nur jeden zweiten oder dritten Tag, noch später jede Woche nur einmal appliziert wurde. Nach ca. vierzehn Tagen wurde zur Stärkung und Kräftigung wöchentlich ein Halbbad genommen, höchstens eine Minute lang dauernd, mit Waschung des Oberkörpers. Statt des Halbbades und der Waschung ließe sich mit gleichem Erfolge ein Ober- und Unterguß anwenden. Bildung der Wärme war somit der erste, Auflösung und Ausleitung aller überflüssigen Stoffe der zweite, Kräftigung der Natur der dritte Teil des Heilverfahrens. Der Körper nahm zu an Kraft, die Stimme wurde reiner und klangvoller, als sie früher gewesen, für den Gesang, worin das Mädchen sich in besonderer Weise übte, geradezu ausgezeichnet.

Typhus und seine Folgen.

Wie bei der Blatternkrankheit die Blattern, die Geschwüre nach außen dringen, so bilden sich beim Typhus Geschwüre nach innen. Je nach dem Sitze dieser Krankheit spricht man von Kopftyphus und von Unterleibstyphus. In manchen Erkrankungsfällen setzen sich zwar Geschwüre an; sie kommen aber nicht zur Entwicklung, wie es ja auch z. B. Blutgeschwüre gibt, welche eine zeitweilige Entzündung zeigen, dann aber wieder gänzlich verschwinden. Diese Art Typhus hat einen eigenen Namen, auf den bei Landleuten aber nicht viel ankommt. Ich lasse ihn deshalb weg.

Was die Heilung betrifft, so hat man vor allem ein Dreifaches zu merken:

fürs erste, daß man die Fieberhitze nicht zu weit kommen lasse, es könnte sonst alle Kraft und aller Saft des Körpers elendiglich verbrannt werden;

fürs zweite, daß die Geschwüre, wenn schon solche vorhanden sind, ich sage am besten aufgelöst werden, oder daß, wenn sich noch keine Geschwüre gebildet haben, der Bildung derselben vorgebeugt werde, mit anderen Worten, daß der die Geschwüre füllende Giftstoff ausgeleitet werde;

fürs dritte, daß dieser Giftstoff möglichst schnell seinen Abschied aus dem Körper erhalte.

Kein Mittel wird sich zu dem dreifachen Zwecke tauglicher erweisen und sicherer als das Wasser: es kühlt, es löst auf, es wäscht aus.

Johann ging zur Beerdigung seines Bruders, der am Typhus gestorben war. Unvorsichtigerweise zog er ein Kleidungsstück des Verstorbenen an, und nach wenigen Tagen erfaßte auch ihn der Typhus im höchsten Grade. Groß war die Hitze, noch größer die Bangigkeit. Neben die Bettlade hatte sich Johann rasch eine Wasserkufe stellen lassen. Sobald die Hitze und die Bangigkeit recht fühlbar wurden, ging der Kranke ins Wasser auf höchstens eine Minute. Er setzte sich in die Kufe, so daß das Wasser bis in die Magengegend reichte, wusch schnell mit einem groben Handtuche den Oberkörper, zog rasch, ohne abzutrocknen, ein frisches Hemd an und legte sich wieder ins warme Bett. Drei Tage tat er also, jeden Tag drei- bis fünf- oder sechsmal. Eine Uhr hatte er zu diesem Zwecke nicht nötig. Die Fieberhitze war ihm die Badeuhr: den ersten Tag zeigte sie auf sechs, den zweiten auf drei, zuletzt auf ein einmaliges Eintauchen. In fünf Tagen war alle Gefahr vorüber. Doch jetzt ergriff der Typhus die Frau des Genesenden. Sie wandte dieselbe Kufe, welche der Mann gebraucht hatte, als Badewanne an. In wenigen Tagen war auch bei ihr das Übel geheilt.

Das Getränk beider Kranken bildete das Wasser, auch gestandene (geronnene Milch). Gegessen wurde gar nichts, bis geweckter Appetit eintrat. Dann spazierte bei den armen Leutchen auf: Brotsuppe, Milchsuppe, Brennsuppe, auch ein Kartöffelchen, selbst zwei schadeten nicht im geringsten. Nach wenigen Tagen erfolgte die Rückkehr zur gewöhnlichen Kost.

Max, ein halber Riese, besuchte den am Typhus erkrankten Schwager Johann; er glaubte, so eine Krankheit könne ihm nichts anhaben. Nach acht Tagen indessen bricht die Riesenkraft, und der Heldenmut macht sich Luft in Jammertönen. „Ich kann nicht mehr gehen, nicht mehr stehen; mich drückt’s, und nach allen Seiten tut’s mir weh.“ Er hat den Typhus gefangen.

Eine Badewanne besaß Max nicht, wohl aber ein größeres Holzgefäß. Da kniete er hinein und wusch sich mit einem rauhen Handtuche und dem kältesten Wasser (in zirka einer Minute) den ganzen Körper, so oft die Hitze einen hohen Grad erreichte.

Acht Tage setzte er diese Kur fort. Nach sechs Tagen verlangte er schon nach der Suppe; nach zehn Tagen stand er auf und hatte in kurzer Zeit die verlorenen Kräfte wieder erlangt. Der Genesene ward später andern gleichfalls an Typhus Erkrankten ein kundiger Lehrmeister.

Zu einer Zeit, in welcher innerhalb fünf Wochen ungefähr 20 Personen durch die oben beschriebenen Anwendungen geheilt und gerettet wurden, erbte auch ein zweijähriges Kind den Typhus. Niemand hatte geglaubt, daß das zarte Geschöpflein dem Tode entrinnen würde. So oft es recht jammerte und weinte, tauchte es die Mutter bald in etwas (durch warmes Wasser) gemildertes Wasser mit folgender Abwaschung, oder sie wickelte das Kleine in Linnen ein, welches in lauwarmes Wasser getaucht war. Nach zwölf Tagen war das kleine Wesen wieder frisch.

Solchen Kranken, die leicht ein erstes Erschrecken ganz von dem kalten Wasser abwendig machen könnte, gestatte ich sehr gerne gemildertes, etwas gewärmtes Wasser zu den Anwendungen, lediglich aus dem soeben angegebenen Grunde. Immer bleibt im allgemeinen das frischeste Wasser das zur Anwendung beste, sei es Brunnen-, Bach- oder Quellwasser.

Ein Mädchen wird aus dem Institute heimgeschickt. Es klagt über heftiges Kopfweh, raschen Wechsel von Hitze und Kälte und ziemlich starkes Abweichen. Zum Arbeiten, Gehen ist das Kind unfähig.

Am ersten Tage wusch man der Kranken dreimal Rücken, Brust und Unterleib und band einmal zwei Stunden lang ein nasses Handtuch auf den Unterleib. Den zweiten Tag nahm sie Halbbäder mit Waschung des Oberkörpers, so oft die Hitze dieses verlangte. Am dritten Tage genügten bereits zwei, am vierten ein solches Halbbad. Das Kind war außer Gefahr und schnell wieder frisch.

Mehr denn ein Dutzend Fälle könnte ich aufführen, in denen Kranke, die nach allopathischen und anderen Methoden behandelt wurden, schließlich so armselig, so blut- und säftearm, so ausgezehrt wurden, daß sie sich gar nicht mehr recht erholten. Die fatalen Betäubungsmittel, das teure Chinin usw. hatten den Magen insbesondere in den miserabelsten Zustand gebracht.

Solchen überaus geschwächten Typhus-Rekonvaleszenten rate ich gewöhnlich, sie sollen drei- bis viermal im Tage eine kleine Tasse Wermuttee trinken, bald werden sich reichliche und gute Magensäfte bilden; dann mögen sie sich täglich drei- bis viermal Rücken, Brust und Unterleib kräftig mit Wasser und Essig waschen lassen.

Freilich gehört eine große Entschlossenheit dazu, besonders wenn der Herr Patient den sogenannten gebildeten Kreisen angehört, das allgemein gefürchtete Wasser anzuwenden. Zarten Seelen, welchen diese mit gewisser Vorliebe sogenannte „Roßkur“ leise Ohnmachtsanfälle bereiten könnte, gebe ich den Rat, sie mögen einen Schwamm nehmen, ihn in kaltes Wasser eintauchen und sich damit Brust und Unterleib waschen, wie sie jeden Morgen sich Gesicht und Hände waschen. Tun sie dieses nur einen Tag lang, sie werden recht bald die wohltuenden Wirkungen verspüren und mit Mut und Vertrauen auch ihren Rücken und die anderen Körperteile dem Wasser anbieten.

Wem auch solches zu hart, zu arg und zu mühsam ist, der tue, wie er wolle. Die Folgen hat der Patient selbst allein zu tragen.

Große Angst befällt die Vorsteher einer Anstalt, wenn in einem Hause oder gar in einem Institute so eine ansteckende Krankheit aufkommt. Ohne Übertreibung behaupte ich: Wenn in einem Schlafsaale 10 Kinder liegen, und es bekommt eines den Typhus, sicher wird bei dieser Behandlungsweise mit Wasser kein zweites Kind angesteckt werden. Die Ansteckung geschieht ja meistens durch die ungesunde Ausdünstung des Körpers. Nach unserer Methode aber saugen die nassen Tücher diese ein und ersticken so die Ansteckungsstoffe im Keime. Bei stets erneuter reiner Luft ist der Atem nicht besonders zu fürchten. Daß die Exkremente solcher Kranken stets so schnell als möglich entfernt und, wenn immer tunlich, an separaten Orten ausgeschüttet werden müssen, versteht sich von selbst.


Ein Franzose von Stand schreibt wörtlich: „Während mehrerer Jahre litt ich an Rheumatismus und hatte einen sehr starken Nasen- und Rachenkatarrh, der mir die eustachische Röhre angriff und dadurch das Gehör beschädigte.

In den Jahren 1877 und 1878 nahm ich während zweier Monate Douchen von Schwefelwasser in Aix-les-Bains in Frankreich, aber ohne den geringsten Erfolg.

Im Jahre 1879 riet man mir, den Lebenswecker von Baunscheidt zu probieren; ich folgte diesem Rat und unterzog mich 5–6 Wochen lang einem wahren Martyrium; denn jede Woche setzte man mir diesen Lebenswecker auf den ganzen Rücken, ins Genick und hinter die Ohren. Dieses brachte die schöne Wirkung hervor, daß mein nervöser Zustand und mein Katarrh wenigstens um die Hälfte zunahm!!

Im Juli 1879 ging ich zum besten Ohrenarzt in Straßburg, auch dieser fand kein Mittel, meinen Nasen- und Rachenkatarrh zu beseitigen. Da mein Gehör krank war und der Katarrh sich immer mehr fühlbar machte in der eustachischen Röhre, so suchte ich überall nach einem Arzt, der mir helfen sollte. Durch eine besondere Gelegenheit kam ich nach Aachen, wo Dr. Schw. (Kehlkopfarzt) mir angeraten wurde. Dieser versuchte, binnen 3–4 Wochen mich zu heilen durch Ätzen mit Höllenstein. In der dritten Woche bekam ich den Typhus, wie ich meine, infolge der allzu großen Nervenreizung, welche das Ätzen des Höllensteins mir verursachte. Es war der schlimme Fleckentyphus, der mich so heftig angriff, daß ich 41,2 Grad Fieber bekam. Als Blutungen eintraten, verzweifelte man an meiner Rettung. Von den vielen Einspritzungen verschiedener Giftmittel will ich hier gar nicht reden.

Nach sechs Wochen kam ich wieder zum Leben zurück, aber eine vollständige Genesung trat nicht ein. Seit dem Typhus (Spätjahr 1879) war ich in einem fortwährend leidenden Zustande; Magen und Unterleib waren sehr angegriffen. Die leichtesten Speisen taten mir wehe, und Stuhlgang hatte ich nie ohne Klistier. Ich war so reizbar, daß ich mir bei der geringsten Aufregung nicht zu helfen wußte. Nie konnte ich vor 12 Uhr nachts zur Ruhe kommen. Infolge des Typhus hat auch mein Katarrh und die Ohrenkrankheit sehr zugenommen. Fast war ich taub geworden.

Im Jahre 1880 ging ich nach Paris zu dem berühmten Ohrenarzt Dr. D. — ohne Erfolg. Von Paris ging ich nach Lyon zum Ohrenarzt Dr. I., alles ohne den geringsten Erfolg.

Alles Inhalieren, alles Ätzen, das ich wieder während 5–6 Wochen anwandte, half nichts. Im Jahre 1881 brachte ich fünf Monate im Spital zu Straßburg zu. Der Arzt wollte vor allem den Magen und Unterleib heilen. Aber man wußte mir schließlich nichts weiter zu verordnen als eine Milchkur, mit der ich viele Jahre lang erbärmlich durchkommen mußte.“

Soweit der Kranke, der, als er bei mir ankam, nur noch einer wandelnden Leiche glich. Mag wohl das Wasser in solchen verzweifelten und veralteten Fällen noch Hilfe, wenigstens Linderung bringen?

Wir antworten mit einem kühnen „Ja“. Die ersten Anwendungen müssen selbstverständlich auflösender Natur sein und besonders auf Kopf und Füße wirken. Nebenbei muß auf Auflösung im Innern eingewirkt werden. Auch stärkende Anwendungen können dazwischen hineinfallen. Die Anwendungen waren der Reihe nach ungefähr folgende: Kopfdampf, 24 Minuten lang, mit darauf folgendem Ober- und Unterguß, Fußdampf, Ober- und Unterguß, kurzer Wickel, Kopfdampf, Ober- und Unteraufschläger, kurzer Wickel, warmes Bad mit einem Wechsel ins kalte Bad, Kopfdampf, Ober- und Unteraufschläger. Auf jeden Tag fiel eine oder (je nach Befinden des Patienten) zwei Übungen. So wurde 3–4 Wochen lang fortgefahren. Darauf folgten einige Zeit hindurch wöchentlich noch zwei Ganzwaschungen, am besten nachts vom Bette aus, außerdem jede Woche ein Halbbad, ein bis zwei Minuten lang. Nach innen beschleunigten die Heilung zwei bis drei verschiedene Tees, die abwechselnd genommen wurden.

Die Tees bestanden aus Mischungen von Schafgarbe, Salbei, Johanniskraut, drei bis viermal in der Woche eine Tasse; von Wacholderbeeren, Spitzwegerich (ebenso genommen).

Zwei Bemerkungen erachte ich an dieser Stelle noch für angebracht. Bei unserem Falle war besonders auf reichliche Transpiration zu sehen, da viele der im Krankenbilde erwähnten Störungen, wie die verzerrten Gesichtszüge und die aufgedunsene, schwammige Masse, klar auf Anstauungen und Verhärtungen schließen ließen, die zum Teil nach außen sichtbar zu Tage traten, zum Teil versteckt im Innern lagerten.

Bei den Anwendungen findet sich der Fußdampf nur einmal, der Kopfdampf öfters. Warum das? Der Kopf war aufgedunsen, die Füße der Hünengestalt spündeldürr. Auf den Kopf durfte der Dampf, ohne Schaden fürchten zu müssen, wiederholt wirken — er fand sein Arbeitsfeld. An den Füßen war nichts zu tun, sie waren schon mager genug, und die verlorene Wärme an denselben mußte durch andere Mittel wieder hergestellt werden. In derlei Fällen läßt sich mit den Dämpfen, die stets Vorsicht erheischen, nicht spassen. Bis zur Schwindsucht haben derlei geschwächte Naturen ohnedies nur einen Schritt.

Der Herr schied mit großem Danke und in sichtlicher Besserung.

Unterleibsentzündung

siehe oben [Seite 210].

Unterleibsverschleimung.

Es kommt ein Herr und erzählt: „Ich habe beständig große Schmerzen in der Nierengegend; es wird mir oft fast unerträglich. Die Ärzte, deren ich mehrere hatte, erklären es als Nierenleiden und Anschoppungen im Unterleibe; ich fühlte auch stets mehr oder weniger starken Drang nach oben, hatte viel Reiz zum Erbrechen, heftiges Kopfleiden, viel Schwindel, weiß mich oft kaum recht zu halten, viel Säure im Magen; es geht sehr wenig Urin ab; ohne Fußschmerz bin ich gar nie, und stehen kann ich nur ganz kurze Zeit. Ich habe viel Schweiß und große Müdigkeit; meine Gesichtsfarbe ist stets abgestanden. Ich bin etwa vierzig Jahre alt.“

Der gute Herr hatte wirklich allen Mut verloren, und weil alle Medikamente ihm nichts nützten, suchte er Hilfe durchs Wasser.

Die Anwendungen waren folgende: 1) Täglich zwei Obergüsse und zwei Kniegüsse; späterhin 2) täglich ein Rückenguß und zwei-, auch dreimal täglich im Wasser gehen, öfter ein bis zwei Stunden lang auch im nassen Gras. Es war warme Sommerszeit; deshalb konnten die Anwendungen verdoppelt werden. Es ging außerordentlich viel Urin ab; der Brechreiz ließ schon am zweiten Tage nach; die Farbe änderte sich, und wie neue Frische, so trat auch neuer Mut und neues Leben ein. In 14 Tagen war er vollständig hergestellt. Wäre die Sommerszeit nicht gewesen, hätte die Kur vielleicht 14 Tage länger gedauert.

Veitstanz.

Ein Vater erzählt: „Ich habe eine Tochter, die jetzt 10 Jahre alt ist, und die von klein auf nie ganz gesund war. Das Zahnen war für das Mädchen so hart, daß man glaubte, sie müsse sterben. Zudem wurde ein Fuß dünner als der andere. Jetzt hat dieses Mädchen den Veitstanz; es kann nicht essen und nicht schlafen, und es ist schauerlich anzusehen, wenn die Krämpfe kommen. Ich habe bei vielen Ärzten Hilfe gesucht, aber der Zustand wurde immer schlimmer.“

„Guter Mann, siedet Grummet eine halbe Stunde lang mit Wasser, nehmt ziemlich viel, so daß das Wasser recht dick wird, tut etwas Salz daran, taucht ein grobes Hemd in das Wasser, windet es aus und zieht es so dem Kinde an; wickelt dann das Kind in eine Wolldecke gut ein und laßt es eineinhalb Stunden darin liegen; wenn es schläft, bis es aufwacht, auch wenn die zwei Stunden vorüber sind. Macht es acht Tage hindurch täglich zweimal so, dann bringt Nachricht!“

Nach acht Tagen kam der Mann und erzählte: „Das Mädchen hat einen fürchterlichen Ausschlag am ganzen Körper, besonders auf dem Rücken und auf der Brust, aber es wird ganz heiter, es tut ihm nichts mehr weh, die Krämpfe sind beseitigt, und das Mädchen kann gut schlafen, bekommt schon Appetit. Was soll ich jetzt noch weiter tun?“

Antwort: Gebt dem Kinde alle drei Tage das Hemd nochmal an wie bisher; und noch vierzehn Tage so fortgemacht, wird das Kind gesund sein. Gebt ihm auch noch diese Tropfen, jeden Tag ungefähr zwanzig Tropfen in Wasser, wie bisher. (Die Tropfen sind aus Wermut, wie in der „Apotheke“ oben [S. 115] angegeben ist.)

Verbrennungen.

Ein Bauernhaus brannte nieder. Der Bauer fiel bei der Rettungsarbeit ins Feuer und verbrannte sich Gesicht und Hände derart, daß er jedermann unkenntlich wurde. Der Arzt überlegte die Brandstellen, auch den total verwüsteten Haarboden mit mehreren Pflastern. Von den Fingern und dem halben Arm hingen Haut und Fleisch in Fetzen herunter. In halber Verzweiflung und in rasenden Schmerzen flehte der Unglückliche um den Tod, daß er doch erlöst würde. Der Arzt erklärte eine Heilung für ein Ding der Unmöglichkeit.

Der Zustand wollte, daß der zuständige Pfarrer gerade verreist war. Für ihn übte ich während dreier Tage die Pastoration in der Gemeinde aus, und dieses führte mich zu dem verunglückten Manne. Ich konnte den Jammer nicht ertragen, sann hin und her, das überaus traurige Schicksal zu erleichtern und dem jungen Verunglückten wenigstens insoweit zu helfen, daß er ruhiger sterben könne. Ich ließ all die kleinen, steif angepappten Pflästerchen entfernen, rührte rasch mit einer Feder aus rohem Eiweiß, Leinöl und saurem Rahm einen Brei an und trug, um den Zutritt der äußeren Luft abzuschließen, diese Salbe möglichst dicht auf die leidenden Stellen auf. Darüber legte ich abgenutzte, leinene, deshalb recht weiche, nasse Lappen und als Zudecke obendrauf, ebenfalls gut aufliegend und anschließend, ein trockenes Tuch. Nach je zwei Stunden wurde das trockene Tuch sachte weggehoben, mit einem Schwamme das nasse Tuch von neuem schonend, aber kräftig angefeuchtet, um das Trocknen und überaus wehtuende Ankleben zu verhindern. Morgens und abends mußte stets auch der feuchte Lappen entfernt und so schnell wie möglich zum alten Brei neuer aufgetragen werden. Kaum glaublich ist es, in welch kurzer Zeit der Verunglückte wieder hergestellt wurde. Die erste Anwendung schon bot mir viel Trost und ließ den Hoffungsstern von ferne leuchten; doch behielt ich’s für mich. Nach einer Viertelstunde nämlich legten sich schon in etwas die fürchterlichen Schmerzen, und die drohenden Krämpfe, welche jenes bekannte unheimliche Zucken am ganzen Körper als bevorstehend ankündigte, wurden abgewendet.

Nach innen ließ ich täglich zweimal einen Löffel kühlendes Baumöl geben. Salatöl hätte dieselben Dienste getan. Unter der luftdicht abschließenden Decke bildete sich merkwürdig schnell eine frische Haut. Die streng gehandhabte Reinlichkeit — nach den ersten Leidenstagen schon wurde täglich ein paarmal mit lauem Wasser aller Eiter sorgfältig entfernt — half mitarbeiten. In 14 Tagen war der Bauer fast hergestellt. Der Arzt selbst erklärte, er halte die Heilung fast für ein Wunder. Nie hätte er an die Möglichkeit geglaubt, derlei gewaltige Brandschäden zu heilen.

Einem Dienstboten wurde von einer Kamphinflamme die eine Hälfte des Oberkörpers, wie mit dem Zirkel abgemessen, so entsetzlich verbrannt, daß ein Arm, die halbe Brust und eine Seite des Kopfes nur mehr schwarze, mit gelben und roten untermischte Brandflecken zeigten und die Haut überall weggestreift werden konnte. Der Anblick war schrecklich, und der Unglückliche litt verzweiflungsvolle Schmerzen. Genau das Verfahren wie oben rettete ihn und schenkte ihn in 4 Wochen seinem Berufe und Hausherrn wieder.

Abschluß der äußeren Luft, Feuchterhalten der aufgelegten Tücher, neues Auflegen der kühlenden Masse, große Reinlichkeit sind die Haupterfordernisse und Hauptbedingnisse zu sicherer und schneller Heilung von Brandwunden.

Als Hausmittelchen bei kleineren Brandwunden (für Köche und Köchinnen ist dieses besonders wichtig) gelten in erster Linie Sauerkraut und Krautwasser. Ersteres wird frisch von der Krautstande weg auf die verbrannte Stelle gelegt und überbunden. In letzteres tauche man drei- bis viermal im Tage den überlegten Lappen und binde denselben gut zu. Sollte reines Krautwasser zu scharf sein (zu stark beißen, brennen), so verdünne man es mit gewöhnlichem Wasser. Manche geben Kartoffeln, die gerieben aufgebunden werden, manche dem Lein- oder anderem Öl, das einmal aufgetragen und mit Wollwatte luftdicht abgeschlossen wird, den Vorzug. Alle diese Mittelchen sind gut.

Eine beim Kochen beschäftigte Person hatte das Unglück, mit siedendem Wasser und durch das von unten auflodernde Feuer die Hand und den Arm bis zum Ellenbogen sich zu verbrennen. Ärztliche Hilfe war alsbald zur Stelle, aber trotz der sorgfältigsten Behandlung konnte nach vielen Wochen die Wunde nicht geheilt werden. Nun griff die Person zu den von mir angegebenen Mitteln, welche schon fast nach einem Tage die Schmerzen stillten und die Heilung einleiteten und allmählich herbeiführten.

Die Anwendungen waren: 1) Die ganze Brandwunde wurde mit Eierklar (Eiweiß) und Öl so dick wie möglich aufgetragen und mit einem feuchten Lappen überbunden; die ersten Tage zweimal frisch wiederholt. 2) Alle Verbrandung, Säfte und Unrat wurden durch angeschwellte Heublumen ausgeleitet und aufgelaugt. Es bildeten sich bei der Heilung mehrere Geschwüre; um diese auszuleiten, wurde gekochtes foenum graecum angewendet. Mit diesen Mitteln im Wechsel wurde die Hand, die man für verloren hielt, wieder in den rechten Zustand gebracht.

Vergiftung des Blutes.

Joseph schlachtete eine Kuh und schnitt sich mit dem blutigen Messer eine tiefe Wunde in den Daumen. Er achtete nicht darauf, bis sich heftige Schmerzen einstellten und die Hand so anschwoll, daß er die Finger nur mehr mit großer Mühe bewegen konnte. Die Hitze stieg, und bald zeigten sich gelbliche und bläuliche Flecken an Finger und Hand. Ein Arzt gab ihm Mittel zum Waschen und Überschlagen. Allein die Schmerzen, die schon bis zum Ellenbogen reichten, wurden immer unausstehlicher, und der Arme fühlte recht gut, daß eine krampfartige Entzündung im Innern immer weiterfresse wie Feuer.

Man rief mich. Ich riet Hand- und Armdämpfe viermal des Tages, je eine halbe Stunde lang zu nehmen. Außer dieser Zeit wand er die Hand bis über die Ellenbogen in angeschwellte Heublumen.[46]

Alle eineinhalb bis zwei Stunden, d. i. jedesmal, so oft der Schmerz sich in besonders fühlbarer Weise steigerte, wurden die Heublumen erneuert, d. i. neu angeschwellt und neu aufgelegt. Dieses Verfahren brachte nicht allein Linderung, sondern gänzliche Heilung. Das Umsichgreifen des unheilverkündenden Brandes hörte am Abende des ersten Tages auf. Die ganze Entzündung war nach vier Tagen beseitigt.

Ein Herr schnitt sich ein Hühnerauge aus, das entzündet war, und ahnte nicht das Geringste. In wenigen Tagen war die Entzündung derart, daß offenbare Zeichen und Schmerzen einer Blutvergiftung vorhanden waren. Viele, die Ähnliches mitangesehen, hielten den Armen für verloren.

Der Patient nahm täglich zwei Fußbäder von abgebrühten Heublumen (dieselben sollen im Fußbade mitgegeben werden), und täglich wurden die Füße ein paarmal, je auf zwei Stunden, mit Tüchern, in Absud von Zinnkraut getaucht (jede Stunde neu einzutauchen), umwunden. Da am Körper schon Spuren der Vergiftung offenbar wurden (schlechtes Aussehen, Appetitlosigkeit), kamen zu obigen Partialanwendungen täglich eine Waschung des Oberkörpers und ein Unterwickel von eineinhalb Stunden. In wenigen Tagen war der Herr außer Gefahr, in 10 Tagen gesund. Er trank täglich zwei Tassen Wermut- und Salbeitee (beide Kräuter gemischt).

Auch derlei kleine Fußgebrechen erheischen große Vorsicht. Als Vorbeugemittel kenne ich keine besseren als öfteres Barfußgehen (wenn es im äußersten Falle auch nur im Zimmer geschähe, z. B. 15–30 Minuten vor Schlafengehen) und häufigere kalte, für schwächere Leute lauwarme Fußbäder. Die Reinlichkeitspflege der Füße ist ein wichtiges Kapitel in der Gesamt-Gesundheitspflege des Körpers.

Ein korpulenter Pfarrer wollte seinen dicken Hals durch Jodsalbe, die ihm der Arzt verordnet hatte, wieder in die normale Verfassung bringen. Um schneller zum Ziele zu kommen und dem Kropfe sobald als möglich zu entrinnen, griff er viel zu tief in den Jodsalbentopf. In kurzer Zeit magerte der kräftige Herr so ab, daß er kaum mehr die Hälfte Körpergewicht hatte. Der Arzt erklärte ihn für aufgegeben, weil das Jod das Blut vergiftet habe.

In solchen Fällen war der „Wasserpfarrer“ dann immer gut genug; ich sage dieses ohne alle und jede Anzüglichkeit und ohne jede Bitterkeit. Es soll ein Scherz sein! Der Kranke bekam warme Bäder mit Absud von Fichtenreisern von 28–30° R. mit folgender kalter, aber rascher Abwaschung, Ober- und Unteraufschläger, den Ober- und Unterguß, den Unterwickel in Absud von Fichtenreisern getaucht, jeden Tag zwei Anwendungen in der bezeichneten Reihenfolge. Daneben mußte er barfuß gehen im betauten Grase. Nach innen wirkte gut täglich eine Messerspitze Kreidemehl oder gelöschten Kalkes, in einem Schoppen Wasser gut ausgelöst, auf zwei bis viermal zu trinken; gleichfalls täglich ein bis zwei Löffel Provencer-Öl, daneben einfache, kräftige Hausmannskost. — Das Wasser hat auch in diesem Falle seine Dienste gut getan.

Verstopfung.

Gibt es viele Leute, die häufig an Diarrhöeen leiden, so gibt es noch eine weit größere Anzahl von solchen, die mit hartem Stuhlgang geplagt sind, daher zu Mitteln ihre Zuflucht nehmen müssen, welche freilich auf den Stuhlgang wirken, deren Ende aber meist Verderben ist. Kühn kann man sagen: Je länger jemand solche Mittel gebraucht, umsomehr leidet die ganze Natur. Wer möchte die Unzahl von Mitteln nennen, die zum Laxieren und zur Beförderung des Stuhlganges verwendet werden? Ich kannte einen Bader, der weit und breit den Ruf hatte, die Leute gut auszureinigen. Was tat er? Er nahm sehr häufig Gansdr..., sott ihn ab, und mit diesem Absud bediente er die geehrten Kunden. Noch anderes könnte ich auf Verlangen berichten. Mundus vult decipi! Die Welt will einmal betrogen werden! Doch das galt hauptsächlich den „dummen Bauern“. Die vornehme Welt wird schon anders behandelt. Unzählige Fläschchen mit verschiedenem Mineralwasser werden da täglich durch den Körper gejagt, und in der Tat, sie bewirken die reichlichsten Stuhlgänge. Mir brachte einst ein Kranker ein gewaltiges Quantum Quecksilber, das er eben aus dem Leibstuhle genommen. Es wurde ihm eingegeben, um Stuhlgang zu bewirken. Wie viele Morrisonspillen wurden seinerzeit verschluckt, und wie viele Menschen haben viel zu früh ihr Grab gefunden! Kaum wird an irgend einer Krankheit so mannigfaltig und so unglücklich operiert und probiert, als wenn es sich um harten Stuhlgang handelt. Und meistens ist die Folge, daß, je mehr und je länger man anwendet (und zuletzt erfolgt kein Stuhlgang mehr ohne Abführmittel), die Not stets um so größer wird. So klagte mir auch einmal ein von der Medizin gänzlich verlassener Mann, daß nicht ein Tag vorübergehen dürfe, wo er nicht ein Klistier oder sonst drastische Mittel nehmen müsse, um den notdürftigsten Stuhlgang zu haben. So weit haben ihn diese leidigen Hilfsmittel (?) gebracht, und der Mann zählte noch lange nicht 40 Jahre.

Es ist ein großer Fortschritt der Medizin unserer Zeit, daß sie all die gewaltsamen Mittel verpöne, und viele Ärzte — man muß es zu ihrem Ruhme sagen — haben Hunderte von sogenannten Geheimmitteln chemisch zerlegt und allen Vernünftigen den Betrug aufgedeckt. Dennoch schleicht das Gespenst der Geheimmittelei noch in tausend Familien ein und richtet Schaden an.[47]

Wem es an Stuhlgang fehlt, dem fehlt es meistens im ganzen Organismus, nicht bloß im Magen oder in einem anderen besonderen Körperteil, und ich lebe der festen Überzeugung, die eine große Anzahl von Fällen mir stets bestätigte, daß wieder das Wasser das allersicherste und das unschädlichste Heilmittel ist, das auf Gottes Erde gefunden werden kann. Es hilft, indem man es nach innen anwendet und von außen wirken läßt.

Eine der ersten Fragen, die der Arzt an den Kranken stellt, lautet: Wie ist’s mit dem Stuhlgang bestellt? Ist der Stuhlgang geregelt, so hat man das erste Zeichen der Gesundheit; ist der Stuhlgang ungeregelt, so ist’s ein Zeichen einer beginnenden Krankheit, und wird einem ungeregelten Stuhlgang nicht abgeholfen, so geht man früher oder später einer schweren Krankheit entgegen, vielleicht dem frühen Tode.

Wenn es im Sommer lange nicht mehr regnet, wird die Erde trocken und spröde. Wenn im Körper die notwendige Feuchtigkeit, Flüssigkeit nicht ordnungsgemäß verarbeitet ist und sich irgendwo Hitzen bilden, so tritt auch im Körper gleichsam Trockenheit ein und deren unausbleibliche Folgen.

Vor vielen Jahren schon nahm man zur Heilung dieses Übels seine Zuflucht zur Wasserkur, zum Wassertrinken. Ich selbst habe Leute gekannt, die täglich 3, ja 4–6 Maß Wasser tranken. War das gut? Es war des Guten zu viel, und der größere Teil der sich brüstenden „Wasserhelden“ hat sich mehr geschadet als genützt. Der Körper hielt diese unvernünftige Wasserkur nicht lange aus. Mein Grundsatz ist: Wer am gelindesten mit Wasser einwirkt, kuriert am sichersten und besten.

Wer an hartem Stuhlgang leidet, nehme morgens vom Frühstück an bis Mittag jede halbe Stunde einen Löffel Wasser. Er wird bessere Wirkungen erzielen mit diesem kleinen Quantum, als wenn er einen halben Schoppen oder noch mehr auf einmal trinkt. Am Nachmittag kann der Patient ebenfalls jede halbe Stunde oder jede Stunde einen Löffel voll Wasser nehmen. Das stetige, wenn auch sparsame Aufgießen wirkt kühlend und mehrt die Säfte. Nebenher kann der Leidende Wasser trinken, wenn’s ihn dürstet.

Statt des Wassers dienen auch eine größere Anzahl von Teen, die aus leicht zu findenden Pflanzen gewonnen werden. Wer kennt nicht die Dornschlehblüte? Ihr Tee wirkt trefflich. Tee von Hollunderblüten wirkt kühlend, lösend und benimmt die innere Hitze; wenn 3–4 Körnchen Aloë daran gemischt, ist er ein reinigendes, kühlendes, auflösendes und ableitendes Arzneimittel; 6–8 Hollunderblätter, grün zur Frühlings- und Sommerszeit gepflückt und als Tee gesotten, sind ebenfalls kühlend. Man trinke morgens eine halbe Tasse und abends eine Tasse. Keine Hausapotheke sollte diese schuldlosen Arzneipflänzchen verwerfen, zumal sie der liebe Herrgott, der oberste Doktor und Apotheker, uns allen umsonst wachsen läßt.

Zur Anwendung des Wassers nach innen kommen nun die äußeren Anwendungen. Der Patient wasche beim Aufstehen oder Schlafengehen kräftig den Unterleib mit einer Hand voll Wasser. Das Mittel ist höchst einfach und wirkt doch recht gut, bei manchen (schwächeren Naturen) genügend.

Wenn diese Anwendung zu leicht ist, dem gieße man von Zeit zu Zeit frisches, kaltes Wasser auf die Kniee, ein bis drei Minuten lang (Knieguß), eine vorzügliche Anwendung, um Stuhlgang zu erzeugen.

Ist dieses nicht ausreichend und große Hitze im Innern vorhanden, so lege sich der Patient in der Woche ein paarmal auf einen Unteraufschläger, auch der Oberaufschläger tut gute Wirkung. Desgleichen wirkt kräftig ein kaltes Sitzbad, in der Woche zwei- bis dreimal zu nehmen. Ein kaltes Vollbad, wenn es ganz kurz genommen wird, ist auch nicht zu verschmähen.

All die genannten Anwendungen werden den trägen, schlaffen Organismus wecken, beleben, in neue Tätigkeit bringen, stärken. Die Rädchen sind neu geölt, die ganze Maschine läuft wieder gut, und der ergiebige Stuhlgang wird sicherlich nicht ausbleiben.

Nichts geht über die unschädlichen und sicheren Wassermittel, und was ist leichter, als Wasser zu trinken, sich mit Wasser zu waschen?

An dieser Stelle sei noch ein Wort über die Brechmittel gesagt. Widernatürlich schon kommt mir das drastische Abführen mit Mineralien und Giften vor, seien es nun Pulver oder Pillen oder anderes. Noch weit widernatürlicher aber ist alles, was zum Erbrechen reizen soll, oftmals leider wiederum Gifte. Erbärmlich ist’s, einen so mißhandelten und gemarterten Menschen leiden zu sehen. Mir will dabei jedesmal das Blut, vielmehr die Galle in den Kopf schießen. Man wird bemerkt haben, daß ich die so bekannten und allgemein benutzten Abführmittel, wie Rhabarber, Sennesblätter, Bittersalz, Glaubersalz usw., oben nicht aufgeführt habe. Und der Grund? Diese an sich unschädlichen Mittel sind mir dennoch viel zu stark; es kann ja noch auf gelindere Art geholfen werden.

Auf eine Mücke oder einen Floh macht niemand Jagd mit der Flinte. Um so mehr verwerfe ich ganz entschieden die unausstehlichen Brechmittel, heißen sie nun Brechwasser oder Brechweinstein, führen sie was immer für Titel. Will einmal alles oben hinaus — es gibt ja solche Fälle — so mache es am Ende wie jener Bauer, der, als er großen Brechreiz spürte, in kurzem Verfahren den Finger in den Hals steckte und so dem Reize gründlich abhalf. Stets wirke man auch beim heftigsten Brechreiz nur auf geregelten Stuhlgang. Mein stärkstes Mittel zu diesem Zwecke ist der Wühlhuber. Dieser Tee hat das Merkwürdige, daß er, wie er einerseits reichlichen Stuhlgang bewirkt, andererseits selbst Diarrhöen stillt (man probiere es mit einer halben Tasse). Er sucht die kranken, verlegenen Stoffe im Körper auf und leitet sie aus. Sind keine mehr vorhanden, sind alle ausgeschieden, so hört seine Wirksamkeit von selber auf. Daher die Doppelwirkung. Charlatanerie — mag mancher naserümpfend sagen! Ob er’s sage oder nicht, das ist mir einerlei. Die Tatsache bleibt fest bestehen. Gerade deshalb sind alle scharfen Laxiermittel so schwächend, so arg und so schädlich in ihren Folgen, weil nicht kranke Stoffe allein hinausgejagt werden, sondern alles ohne Unterschied. Die Treibjagd beginnt und endet mit der Niederlage auch der edelsten, zur Fortpflanzung der Kräfte notwendigen Säfte. Wer hat dieses nicht selbst schon empfunden? Daher die große Schwäche, die schnelle und riesige Abnahme der Kräfte nach solchen Kuren. Wie töricht, wie folgenschwer! Sapienti sat! Schaden macht klug oder sollte wenigstens klug machen.

Wassersucht.

Wenn der Regen längere Zeit anhält und die Sonne wenig scheint, wird auf manchem Grunde das Wasser nicht in die Tiefe sickern, auch von der Sonne nicht aufgesogen werden. Es entstehen so kleine Pfützen von stehendem Wasser, das später absteht, sauer und faul wird und nicht am besten einwirkt auf die Pflanzen, die in seiner Umgebung gedeihen sollen.

So ungefähr geht es in einem menschlichen Körper zu zur Zeit, da sich die Wassersucht ansetzt, die hauptsächlich in solchen Organismen sich entwickeln kann, in denen Blut und Säfte zu wässerig sind, die kein normales, lebenskräftiges Blut mehr besitzen. Vom Blute zehren alle Organe und Bestandteile des Körpers; es ist der Kraft- und Lebensquell, aus dem jedes das für seinen Zweck Brauchbare schöpft. Aus dem Moraste, aus ungesunden Pfützen, aus krankem Blute aber kann nichts Kraft und Leben Gebendes geholt werden; daher das schlaffe Fleisch, die welken Gefäße, daher die Anstauungen — lauter Vorboten der Wassersucht!

Schon im Äußern sieht man es solchen Menschen an: junge Leute erscheinen plötzlich alt (der oder die, hört man sagen, hat rasch gealtert), die Gesichtsfarbe steht ab, die Muskeln und Nerven hängen wie gesprungene Saiten welk an den Knochen, verschiedenerorts, besonders um die Augen, bilden sich bereits Wassersäcke. Man braucht sie nur anzutasten, und die Wasserkügelchen springen einem unter den Fingern weg. Der ganze Körper trägt bald eine Menge solcher Zwerchsäcke, als ob er gleichsam um gutes Blut bettelte; er bekommt aber nur Wasser.

Die Wassersucht zählt verschiedene Arten. Entstehen die Anstauungen zwischen Haut und Fleisch, so haben wir die Hautwassersucht. Wird der Unterleib an einem oder mehreren Orten gleichsam ein See, so nennt man es Bauchwassersucht. Wird die Körper-Blutpumpe, das Herz, bezw. der Herzbeutel wassersüchtig, so heißt es die Herzwassersucht usw. Auch nach vielen Krankheiten entsteht gerne die Wassersucht, und es geht dann in der Regel nicht mehr lange. Gar vielen ist sie die Bötin zu Tod und Grab geworden, oder sie war gleichsam die letzte Sturzwelle, die das Lebensschifflein, nur mehr ein Wrack, in den Grund bohrte. Nach Scharlach erscheint sie besonders häufig, wenn er nicht gut ausgeheilt wird, wenn noch Giftstoff drinnen bleibt und der geschwächte Körper nicht die Kraft hat, ihn hinauszuwerfen. Der ganze Körper fängt dann an zu schwellen.

Hat die Wassersucht schon weit um sich gegriffen, einen hohen Grad erreicht, so ist meistens nicht mehr zu helfen wegen des Blutmangels. Im Beginne (bei noch nicht fortgeschrittener Zersetzung) kann oft recht schnell geholfen werden, wenn man von innen und von außen zugleich das faule Wasser auszupumpen sucht. Beispiele sollen dies klar machen.

Einer Bäuerin, ca. 48 Jahre alt, beginnt der ganze Körper anzuschwellen, sie kann kaum mehr gehen. Die Entkräftung ist schon groß, das Atmen eine große Last. Ich riet ihr, sie solle sogleich Rosmarin in Wein ansetzen und täglich zwei Weingläser Rosmarinwein trinken, im ganzen ungefähr ein Viertelliter. Der Wein stärkte die Kranke ungemein, wie sie sagte, und trieb sehr viel Wasser ab. Äußerlich gebrauchte sie täglich während mehrerer Tage den kurzen Wickel, je eineinhalb Stunden, längere Zeit hindurch (ungefähr 4 Wochen) täglich zwei Halbbäder von je einer Minute Dauer mit Waschung des Oberkörpers. Die Bäuerin gesundete und konnte ihrem Berufe wieder ganz und ungehindert vorstehen.

Ein Knabe von 12 Jahren hatte Scharlach und wurde nach aller Meinung gesund. Nach 6 Wochen bekam er die Wassersucht. Der ganze Körper schwoll an. Ein Hemd, in Salzwasser getaucht, drei Tage nacheinander je eineinhalb Stunden vorschriftsmäßig getragen, hat den Knaben vollständig geheilt.

Bei einem Weibe von 54 Jahren setzte sich die Bauchwassersucht an. Die Füße und der Leib seien, wie mir berichtet wurde, entsetzlich geschwollen. Die Kranke soll durch ihre Tochter täglich zwei Messerspitzen Attichwurzelpulver in einem Schoppen Wasser drei Minuten lang sieden lassen und den Tee in zwei bis drei Intervallen (Zwischenräumen) trinken. Dazu bekomme sie acht Tage lang täglich einen Unterwickel von je einer Stunde. Die folgenden 10 Tage werde der Wickel jeden zweiten, die weiteren 14 Tage jeden dritten Tag gegeben. — Die Kranke genas vollkommen, und zwar schon nach drei Wochen. Das Wasser sei, erfuhr ich später, in großen Quantitäten als Urin abgegangen.

Attichwurzel hat sich mir bei der Bauchwassersucht[48] wie Rosmarin bei der Herz- und Brustwassersucht als das beste innere Mittel erwiesen.

Bei der Herzwassersucht kann als vortreffliche äußere Anwendung täglich ein Ober- und Unteraufschläger angewendet werden. Nach innen gebe man täglich zwei Gläser Rosmarinwein zu trinken.

Georg, ein junger Mann von 36 Jahren, ist innerhalb acht Tagen am ganzen Körper in auffallender Weise angeschwollen, Kopf, Hals, Hände, Füße zeigen Geschwülste und unter der Haut eine Menge Wasser. Acht Tage lang zog er zweimal im Tage den spanischen Mantel an, weitere 9 Tage einmal, die letzten 10 Tage nach je drei Tagen. „Ich bin ein ganzer Spanier geworden,“ scherzte der Mann. „Das Klima, wenn auch nicht gar besonders spanisch, hat mir gut getan. Ich bin wieder ganz hergestellt.“

Eine Notiz darf ich hier nicht vergessen, da gerade bei dieser Krankheit jeder Anfänger mit Wasser leicht sich und andere täuschen könnte. Bei der Wassersucht darf das Wasser nie warm angewendet werden, weder in Form von Dämpfen, noch in Form von warmen Bädern. Das Übel gewänne dadurch außerordentlichen Vorsprung, da das warme Wasser schlaff und welk macht und die Schlaffheit der Organe, die Untätigkeit derselben bei dieser Krankheit nachgerade das Hauptübel ist. Die kältesten Anwendungen sind hier die besten; nur sollen sie nie zu lange und nicht anders als vorgeschrieben gebraucht werden; bei schwachem Blute ist auch die Naturwärme eine schwache.

Ein Gastwirt, 50 Jahre alt, erzählt: „Mein ganzer Leib ist schon ziemlich stark geschwollen. Der Arzt behauptet, ich bekomme die Wassersucht. Ich habe schon viel eingenommen, es wird aber von Tag zu Tag schlimmer. Mein linker Fuß, besonders der Oberschenkel, ist sehr stark angeschwollen. Der rechte Fuß fängt auch schon an, dicker zu werden. Durst habe ich viel; beim Bier wird der Durst noch ärger; auch das Wasser hilft nichts. Muß ich sterben, oder gibt’s für mich noch eine Hilfe?“

Ich erwiderte: „Gebrauchen Sie folgendes: 1) Jeden Tag einen Oberguß und Knieguß; 2) in der Woche dreimal einen kurzen Wickel, das Tuch vier- bis sechsfach, eineinhalb Stunden lang; 3) in jeder Nacht einmal ganz waschen vom Bett, nicht abtrocknen, gleich wieder ins Bett; so drei Wochen lang, dann Bericht.“

Dieser lautete sehr günstig. Darauf verordnete ich folgende Anwendungen: 1) In jeder Woche drei Halbbäder, eine Minute lang; 2) in der Woche drei Rückengüsse; 3) zweimal den spanischen Mantel, eineinhalb Stunden lang; 4) täglich eine Tasse Tee trinken in drei Portionen von zerstoßenen Wacholderbeeren und etwas Zinnkraut, 10 Minuten lang gesotten, während des Tages zu trinken.

Nach sechs Wochen war der Kranke vollständig gesund. Es stellte sich außer Schlaf der beste Appetit und die volle Kraft wieder ein. Diese Erklärung sendete mir der Geheilte drei Monate nach der Kur.

Wirbelleiden.

Ein 16jähriger Knabe war mit Verkrümmung der Wirbelsäule behaftet. Er wurde von mehreren berühmten Ärzten als Rückenmarkleidender ohne Erfolg behandelt. Sie schickten den Kranken in eine Heilanstalt, wo ihm verschiedene Streckverbände angelegt wurden. Der Erfolg war, daß er, während er noch mit großer Mühe eine kurze Strecke in die Anstalt gehen konnte, dieselbe nach 17 Wochen mit zwei Krücken verlassen mußte mit dem Urteil der Ärzte, es lasse sich nichts Weiteres mehr machen. Ein edler Menschenfreund gab dem Vater des kranken Sohnes „Meine Wasserkur“, und aus dieser nahmen sie die Waschungen mit Wasser und Essig vor und brachten den Kranken so weit, daß derselbe mit Hilfe eines Stockes ziemlich gut gehen konnte. Hierauf brachte man ihn zu mir in der Erwartung, daß er hier vollends geheilt werde. In 17 Tagen war die Hauptkur vorüber. Der Kranke ging wie jeder andere in diesem Alter, wenn auch nicht mit derselben Kraft, so doch mit großer Sicherheit ohne Stock und ohne allen Schmerz. Die Behandlung bestand in folgendem: Aus recht grobem leinenen Stoff wurde ein Leibchen (Weste) gemacht, dieses, in Wasser getaucht, in welchem Haberstroh gesotten wurde, angezogen; über das nasse Leibchen kam ein trockenes und endlich darüber eine wollene Decke. Über Nacht wurde es liegen gelassen. So jeden zweiten, später jeden dritten Abend. Jeden Tag bekam der Kranke zwei Obergüsse und einen Knieguß oder Wassergehen und ein Halbbad. Die weiteren Anwendungen (nach den 17 Tagen) waren: In der Woche zwei Halbbäder, zwei Obergüsse und einmal das Leibchen noch anziehen.

Würmer.

Wie sich im menschlichen Körper viel Ungeziefer aufhalten und die menschliche Natur schwächen oder krank machen kann, so sind vor allem die Spulwürmer und noch andere Gattungen von Würmern dazu angetan, den Organismus in Unordnung zu bringen und zu schädigen. Schon bei den Kindern zeigen sie sich auffallend, und wenn eine Mutter nicht klug ist und beobachtet, so können sie den Kindern sehr nachteilig sein. Sie entwickeln sich im Darm; sicher, wenn etwas zu schwere Mehlkost und besonders Schwarzbrot die Hauptnahrung bildet. Die Würmer gehen gewöhnlich nach unten, aber auch nach oben ab. Die Kennzeichen sind: großer Appetit, Unbehaglichkeit und Schmerzen um die Nabelgegend. Ein Hauptzeichen ist auch, daß die Kinder meistens in der Nase bohren. Die Kinder sehen auch krankhaft aus, weil die Würmer der Natur die Nahrung entziehen.

Mittel dagegen sind: 1) Man zerschneidet eine Zwiebel, setzt sie in einem Quart Wasser an und läßt sie über Nacht stehen. Am Morgen werden die Zwiebelteilchen gut ausgepreßt und dieses Wasser nüchtern getrunken. Wendet man dieses Mittel drei bis vier Tage an, dann sind die Würmer sicher getötet und abgetrieben. 2) Man nimmt einen Löffel voll Honig und siedet ihn in einem Quart Wasser und trinkt es. Mit diesem Wasser saufen sich die Würmer voll an, und wenn man später eine Tasse Wermuttee trinkt, was ihnen Gift ist, dann werden sie getötet und gehen ab. 3) Am allerstärksten wirkt der Wurmsamen, der Samen einer Pflanze, die Wurmkraut (Wurmfarn, Aspidium Filix mas Sw.) heißt, wegen ihrer außerordentlichen Wirkung.

Einer Person kamen eines Tages drei dicke, lange Würmer aus dem Mund heraus. Sie war schon längere Zeit krank und nahm Medizin ein. Zwei Löffel voll Wurmsamen zwei Tage nacheinander eingenommen, jedesmal darnach zwei Stunden gefastet, bewirkten, daß innerhalb drei Tagen nicht weniger als 78 lange Würmer abgingen.

Der Wurmsamen ist nicht teuer, kann in jeder Apotheke gekauft werden.

Unter allen Würmern ist der nachteiligste der Bandwurm. Diesen abzutreiben hat man in neuerer Zeit ein ganz sicheres Mittel, das jede Apotheke mit Anweisung besorgen kann.