Achmed Aratas
der unverwundbare Fakir
wurde 1872 in Oesterreich geboren. Kaum fünf Jahre alt, verliessen seine Eltern die Heimath mit ihm und wanderten nach Persien aus, wo sie bald dem gelben Fieber erlagen. Des verwaisten Knaben aber nahm sich ein Einsiedler, Namens Abbed an, bei dem er bis zu seinem vierzehnten Jahre lebte und der ihn in sämmtliche Künste und Kunstgriffe der Fakire einweihte, in denen er so grosse Fortschritte machte, dass er einst zum Schah Nasser-Ed-Din berufen wurde, um sich vor diesem zu produciren, und der ihm dann den Hausorden, welcher an rothem Bande um den Hals getragen wird, verlieh. Endlich kehrte Aratas wieder nach seiner Heimath zurück und wurde bald eine sehr gesuchte Attraction für Variété-Theater etc.
Seine Productionen bestehen in Folgendem: Durch Einathmen von Dämpfen, deren Erzeugung sein Geheimniss ist, versetzt er sich in einen quasi hypnotischen Zustand, dann beginnt er mit Kopfschütteln und Verdrehungen und Verrenkungen des Körpers, bis er einem Schwindelanfalle nahe ist. In diesem Stadium soll sein Körper in gewissem Grade gefühllos sein, so dass er von den Schmerzen, die ihm seine Productionen verursachen, fast gar nichts empfindet.
Dann folgen die Selbstpeinigungen: Er sticht sich vier bis sechs lange spitze Dolchnadeln durch den einen Ober- und Unterarm; man sieht, wie sich die Haut dehnt, bevor die Spitzen der Nadeln hindurchdringen. Dann geht er, um etwaige Zweifel zu heben, unter das Publicum und lässt von einer beherzten Person die Nadeln wieder langsam und vorsichtig aus dem dicken Fleische herausziehen.
(Dieselbe Lieblingspassion hatte 1851 die dreizehnjährige Tochter eines Kaufmanns in Demmin in Pommern, die sich oft mit zwölf und oft mit noch mehr Stecknadeln die Innen- und Aussenseiten der Hände spickte, ohne dass auch nur ein Tropfen Blut zum Vorschein gekommen wäre. Auf die Frage: »Ob sie keine Schmerzen dabei empfinde«, antwortete sie: »Nein, nur ein heftiges Jucken, wenn die Nadeln wieder herausgezogen sind, sonst nichts«.)
Dann folgt das Durchstechen der Backen, des Halses und der Zunge, und damit die allgemeine Annahme widerlegt werde, dass er die Nadeln durch alte verwachsene Löcher steche, lässt er sich die Zunge auch von einem Arzte unter den Zuschauern durchstechen. Dann schlägt er sich mit einem hölzernen Hammer eine Nadel mit grossem Kopfe unter dem Bauchnabel regelrecht in den Leib, und dann lässt er sich von zwei ziemlich grossen Schlangen in Hals und Arme beissen. Zum Schluss hält er seinen nackten Arm etwa fünf Minuten lang in die hochauflodernde Flamme einer Fackel. — Aratas ist ein schöner Mann. Trotzdem seine Productionen hochinteressant sind, so haben sie doch etwas Abschreckendes, Zurückstossendes für viele Zuschauer.