Seip

der verknöcherte Mann

war im Staate Rochester, Nord-Amerika, geboren. Er war bis etwa zum dreissigsten Jahre ein grosser und kräftiger Neger, der für die Michigan Central Railway als Rangirer arbeitete. Im Winter 1876 wurde er Nachts von einem Frachtzuge überfahren und trug schwere Verletzungen davon. Nach mehreren Stunden wurde er aufgefunden und als todt ins Krankenhaus geschafft. Jedoch siegte seine kräftige Natur und er blieb am Leben. Acht Jahre lang konnte er das Bett nicht verlassen, und während dieses Zeitraums war er zum Skelet geworden. Infolge von Gelenk-Rheumatismus war totale Verknöcherung aller Gelenke eingetreten und er hierdurch vollständig bewegungslos geworden.

Wie mit hunderten solcher Leute in Amerika Geld »gemacht« wird, weiss wohl jeder Leser, so wurde auch Mr. Seip bald von einem pfiffigen Showman aufgefunden und für zehn Jahre engagirt. Bis dahin war Seip von seiner sehr armen Familie kümmerlich ernährt worden, nun hatte alle Noth ein Ende. Die Familie erhält bis zum heutigen Tage noch 10 Dollars (Mark 43) per Woche und Seip wird aufs beste versehen, damit er nur recht lange am Leben bleibe. Dass der Impresario für die ersten Jahre von Seip's Auftreten eine Gage bis zu 500 Dollars (Mark 2,100) per Woche erhielt und noch jetzt 75 bis 100 Dollars wöchentlich bezieht, ist wohl Grund genug alles aufzubieten, um den Armen am Leben zu erhalten. Seip ist im vollen Besitze seiner Geisteskräfte, sehr geweckt und intelligent. Seine Sprache ist jedoch sehr unverständlich, da er die Kinnlade nicht bewegen kann und seine Vorderzähne herausgebrochen werden mussten, um ihm Speise einflössen zu können. Oft wird er der versteinerte Mann genannt und nicht so ganz unzutreffend, denn er kann nur den kleinen Finger der linken Hand bewegen, während der ganze Körper wie aus Stein gemeisselt ist. Er leidet absolut gar nicht, und wenn er genügend Bier bekommt, ist er überglücklich.