Fünfzehntes Kapitel.

Nöthige Vorsichten gegen die Wiederkunft der Kakomonade, und Schluß des Werks.

Aber auch damit wär es nicht gethan, daß man die verdächtigen Wirkungen hemmte. Man müßte auch Vorkehrungen treffen, ihren Eingang zu verhindern. Man müßte Amtsstuben, Gerichtsdiener, und Wächter haben, die über Paquette, wo diese traurige Gattung Kontrebandwaaren sich verbergen läßt, zu wachen hätten; und für dieß habe ich gesorgt.

Der durch seine große Nase berufene Kaiser Heliogabal oder Elagabal, sagt man, habe einen Frauenzimmersenat errichtet.

Diese erlauchte Gesellschaft hatte über alle weiblichen Angelegenheiten zu richten. Vor ihr brachte man all die kleinen Zänkereien, die häuslichen Klätschereien, die Uiberwerfungen der Verliebten an. Sie gab auch den Ausschlag über die Moden, den Haarputz, und den Anzug von allen Arten. Diese Politik, wünschte ich, sollte man in Paris, in ganz Frankreich, ja sogar in ganz Europa nachahmen können.

Uiberall hat man da einen Haufen Wachen aufgestellt, um für die Vortheile der Pächter die Aufsicht zu tragen. Man erblicket Ketten von Aufsehern, die sich von allen Seiten die Hände reichen, am die Betrüger hindann zu halten, und ihre Schlauigkeit zu überlisten. Es besteht das innigste Band unter den Rotten, welche die Grenzen und die reichen Gesellschaften beschützen, die im Mittelpunkte die Früchte ihrer Sorgen ärnten. Könnte man diese Polizei nicht auch bei der

Einrichtung, von der hier die Rede ist, sich zum Muster nehmen?

Man bildete in den Hauptstädten Büreaux von einer Anzahl unterrichteter Mädchen, die im * * * sich Erfahrungen gesammelt hätten. Sie wären weder die drei Grazien, noch die neun Musen. So könnte man sie aus vierzig, wie die Academie Française, oder aus sechzig, wie die allgemeine Pachtung, zusammensetzen. Den Eintritt dazu hätten nur die besten Erfahrungen. Die Geübtesten in den Geschäften des Magazins, die Vertrautesten mit den Kennzeichen des Betrugs, und also die bei allem Scharfsinne der Schleichhändler Geschicktesten, sie zu entdecken.

Nach Art dieses Hauptamts bildete man sonderheitliche in den Städten der Provinz, und auf allen Strassen; welches zwischen dem Haupte und den Gliedern eine eben so nützliche

als lehrreiche Korrespondenz unterhalten würde. Diese fruchtbaren Versammlungen hielten alle Tage des Morgens und Abends ihre Sitzungen. Jeder Fremde, der an der Gränze ankommt, wäre gehalten, da seinen Ausweis zu machen.

Hier würde er ohne Schonung untersuchet. Man würde ihm nach seinem Zustande, einen Geleitsbrief ausfertigen, oder die verbotene Waare unter Siegel verzeichnen, damit man nicht eher davon Gebrauch machen könne, bis sie im Rekonwaleszentenhause, wohin sie abgegeben würde, ausgeräuchert wäre.

Von dieser Zeremonie wäre das schöne Geschlecht nicht ausgenommen. Anfangs würde sie lästig scheinen; man würde sich aber bald daran gewöhnen. Hat man sich doch gewöhnt, vor jedem Thore grobe, und manchmal treulose Hände ins Felleisen spazieren,

alles darinn umkehren, und was da verschlossen war, oft unwiederbringlich verderben zu sehn. Es würde nicht lange brauchen, um sich zu gewöhnen, linke Hände zu fühlen, die eine lange Uibung abgerichtet hätte, noch dazu ihre Berührungen angenehm zu machen.

Es ist anzumerken, daß man durch eine solche Zusammensetzung eines Amtes von aufgeklärten, und dafür bekannten Frauenzimmern den Ungemächlichkeiten vorbeugen würde, die aus jeder andern Administrazion entstünden. Kein Frauenzimmer dürfte sich schämen, der Untersuchung von Personen ihres Geschlechts zu unterliegen; und man würde keine Mannsperson finden, die sich weigern möchte, sich vor den Augen eines von seiner Erfahrung so berufenen Tribunals zu produziren. Es fände sich also ganz keine Schwierigkeit. Die Schamhaftigkeit, und Gesundheit der beyden Geschlechte wäre dadurch in

Sicherheit vor den Anstössigkeiten, die das eine kühn, oder das andere schüchtern machen könnten.

Das ist also der Entwurf meines Projektes. Ich unterziehe es den Einsichten der Politiker, die in unserm philosophischen Jahrhunderte so zahlreich geworden sind. Ich kann versichern, daß ich einzig das allgemeine Beste und das Wohl der ganzen Welt, die mein Vaterland geworden ist, zum Augenmerke hatte. Ich wünsche, daß er unter die Hände von Leuten komme, die an der gehörigen Stelle sitzen; wünsche, daß ihr persönliches Interesse sie bestimme, sich seiner anzunehmen, und dem allgemeinen Frommen Hand zu bieten.

Was Sie betrifft, mein Fräulein, wenn man ihn je annimmt, so wird man nie vergessen, daß es Ihr Namen war, unter welchem er zum erstenmal erschien. Ganz Paris wird Sie laut zur Annahme einer Stelle

auffodern, deren Ihre Bemühungen sie schon so würdig machten. Mit einer unnennbaren Freude werde ich an der Spitze des erlauchten Senats, wovon ich den Plan entwarf, Sie glänzen sehn. Sie werden die Aufseherinn von den Waffen Zylherens, und die Wegweiserinn des Amors werden. Sie werden die Jugend lehren, ohne Gefahr auf dem stürmischen Ozean der Vergnügungen zu segeln, indem Sie ihr mit der Geschicklichkeit, die ihnen die Erfahrung giebt, das Steuerruder lenken. Sie werden ihr zeigen den Klippen auszuweichen, die Ihres Gleichen, wie ein großer Mann sagt, oft durch ihre Schiffbrüche bezeichnet haben.