Der Pfau. Das Perlhuhn. Der Fasan
[156]. Warum schreit der Pfau so häßlich?
Im Zoologischen Garten sehen wir den Wildpfau, den Hauspfau, eine ganz weiße und eine gescheckte Rasse.
Der Anblick des Pfauen, namentlich wenn er sein Rad schlägt, wie es jetzt vor unsern Augen geschieht, ist entzückend. Dieses kostbare Blau, dieser herrlich schimmernde Schweif mit den großen Augen darin und das Krönlein auf dem zierlichen Kopf müssen selbst den, der aus Gewohnheit widerspricht, zu dem Geständnis veranlassen, daß wir ein schönes Tier vor uns haben. Nur sein Schrei ist geradezu widerwärtig. Schöne und eitle Frauen, die eine unangenehme Stimme besitzen, hat man deshalb mit Vorliebe als Pfauen bezeichnet.
Wir werden später beim Kanarienvogel sehen, daß eine schöne Stimme regelmäßig nur kleinen Vögeln zukommt. Große Vögel, wie Pfauen, sind keine Sänger. Ausnahmen wie der Singschwan können die Regel nur bestätigen.
Die Füße des Pfauen sind nur nach menschlichen Begriffen häßlich. Für einen Baumvogel sind sie sehr zweckmäßig und daher nicht unschön.
Der Pfau ist in Südasien heimisch. Er ist namentlich oft in Gegenden anzutreffen, wo auch der Tiger weilt.
Auch das Perlhuhn ist vielen Menschen lästig, weil es seine wenig schöne Stimme so oft erschallen läßt. Im Zoologischen Garten sehen wir außer dem gewöhnlichen silbergrauen Perlhuhn noch eine weiße Art.
Die Perlhühner stammen aus dem heißen Afrika, weshalb sie Wärme lieben. Ihre Eier legen sie gern in Gebüschen ab, was man heute bei den zahmen ebenfalls beobachten kann.
[157]. Vergißt der Fasan das Fliegen?
Fasanen sehen wir im Zoologischen Garten in den verschiedensten Arten, so namentlich den herrlichen Goldfasan, den sehr schönen Silberfasan usw.
Der Fasan kommt eigentlich mehr als Jagdvogel in Betracht. Vor dem Kriege gab es Fasanerien, wo Tausende von Fasanen großgezogen wurden.
Als besondere Dummheit wurde dem Fasan in Jägerkreisen angerechnet, daß er beim Erscheinen eines Hundes das Fliegen vergißt. Ich glaube nicht recht daran, daß es aus Dummheit geschieht. Alle diese schwerbeinigen Vögel sind vortreffliche Läufer, aber sehr schlechte Flieger. Viele, wie Trappen und Truthühner, müssen überhaupt erst einen Anlauf nehmen, um in die Luft zu kommen. Ein im Jagdrevier gut gefütterter Fasan weiß wahrscheinlich, daß seine Anstalten, um zu fliegen, so umständlich und zeitraubend sind, daß ihn der Hund sicher inzwischen gepackt hat. Dagegen hat er beim Rennen immer noch die Aussicht, in ein Dickicht zu geraten, wohin ihm der Hund nicht folgen kann.
Der Fasan stammt aus Westasien, nämlich von den Küstenländern des Kaspischen Meeres. Er soll schon im Altertum nach Griechenland gebracht worden sein. Heute ist er in manchen Gegenden, z. B. in Böhmen, verwildert.
Wie alle Hühnervögel ist der Fasan sehr fruchtbar. Die Fasanenhenne legt etwa 8 bis 15 Eier, die sie in etwa 24 Tagen ausbrütet.
[158]. Der Pfau in Redensarten und Sprichwörtern.
Die Bezeichnung einer schönen und eitlen Frau als Pfau ist schon erwähnt worden.
Pfau, schau deine Beine!
Das soll heißen, jemanden, der mit seinen Vorzügen prahlt, auf seine Schwächen aufmerksam machen.
Als Gegenstück zu dem schönen Pfau gilt die unscheinbare Krähe. Daher der Vergleich:
Wie Krähen neben dem schönen Pfau.
Die Krähen sollen daher besonders neidisch auf den Pfau sein, wie sich auch eine Krähe mit den ausgefallenen Federn eines Pfauen geschmückt haben soll. Daher der Vers:
Es meint jede Krau (Krähe)
Ihr Kind sei ein Pfau.
Vom Truthahn oder Puter wäre noch anzuführen: Als Bezeichnung für ein dummes Mädchen:
Diese Pute = dumme Gans.
Ferner als Bezeichnung eines zornigen Menschen:
- rot wie ein Puter;
- wie ein kollernder Puter.
Fasan