Hugo.
Gelegentlich der dunklen Handelsgeschäfte auf dem Bahnhof trat in das Leben des jungen Grans noch ein zweiter Freund: Ein gleichaltriger, auffallend begabter Bursche, welcher sich ebenfalls auf den Straßenhandel verlegt hatte: Hugo Wittkowski, ein graziöser, schwarzhaariger Junge, schlank, beweglich, mit lebendigen und doch etwas verträumten Augen, sinnlichem Mund und kluger Stirn. Besseres Naturmaterial als so mancher, der „niemals aß von des Schierlings betäubenden Körnern“. Dieser Wittkowski, viel gewandter und nachdenklicher als Haarmann, wurde Haarmanns großer Haß. Aus vielerlei Gründen! Zunächst aus Eifersucht, da Wittkowski den Grans dem Haarmann „entfremdete“. Sodann, weil Wittkowski mit Grans gemeinsam den Haarmann mehrfach ausnutzte, ihm Geld entlieh und nachher gar nicht oder nur tropfenweise zurückzahlte. Vor allem aber darum, weil mit Wittkowski, der keine Neigung zur gleichgeschlechtlichen Liebe zeigte, eine tolle Weiberwirtschaft in Haarmanns Behausung einzog. Als der Alte und die zwei Jungen zwei Jahre später vor Gericht standen und in Haarmann ein (vom Gericht viel zu spät durchschauter) teuflischer Plan gereift war, die beiden Jungen (den geliebtesten seiner Buhljungen, wie den verhaßtesten) mit sich in den Tod zu reißen, da zischte Haarmann den Wittkowski an: „Du bist ja immer hinter mir her gewesen! Du hast dich mir hundertmal zur Liebe angeboten! Aber ich wollte dich nicht. Du warst zu schlecht für mich.“ Und der andere erwidert ruhig höhnend: „Ich liebe nur Frauen.“ –