Der alte deutsche Pater und die große Apotheke.
Im Kloster des Erlösers lebt ein grauer Achtziger aus Mähren, Pater Vital. Mich verlangte, den Greis zu sehen. Ein schöner Mann mit blauen Augen, rosigem Wangenschimmer und gebeugtem Körper begrüßte mich mit der einnehmendsten Herzlichkeit. Mir wollte Jerusalem und seine Umgebung nicht gefallen, und ich fragte ihn um seine Meinung über das Leben in diesem Lande. „Ja, was ist es?“ antwortete er. „Man ist nun einmal da. Es muß gut sein.“ Der Sinn der Worte war leicht zu deuten.
Ich traf den Pater gerade in der Werkstätte. Er treibt im Kloster das Geschäft eines Apothekers und Arztes. Dazu ist er also noch Pater. Alle gute Dinge sind drei. Von der Werkstätte gingen wir in die Apotheke. Wenn nur das Halbe wahr ist, was an den Büchsen und Gläsern geschrieben steht, so besitzt sie einen reichen Schatz von Arzneistoffen, daß man sich in der That verwundern muß, wenn man die Lage Jerusalems in einer bildungsarmen Gegend berücksichtigt.
Die herrschende widrige Witterung machte mich ein wenig unpäßlich. Ich ermangelte nicht, dies dem Pater Vital zu eröffnen, zugleich aber die Bemerkung beifügend, daß ich ein Arzt sei. Ohne irgend zu untersuchen, trug mir der Mann Gottes einen Schnapps Rosoli aus der Apotheke mit einer Schnelligkeit und Zuversicht an, daß ich unwillkürlich auf die Vermuthung geführt wurde, es mögen hin und wieder die Klagen eines Preßhaften mit diesem leckern Safte beschwichtiget werden. Ich verbat mir dieses Mittel darum, weil es mein Uebelbefinden nothwendig verschlimmern würde. So mag denn hier die Arzneigeberei beschaffen sein. Schnappskuren wären gar zu schmackhaft[3].