Der Gruß.

Im aufgeklärteren Theile der Welt waltet die Mode, daß man beim Gruße als Zeichen der Aufmerksamkeit oder Achtung den Hut oder die Mütze rückt oder, mit einem Worte, das Haupt entblößt. Im Lande der Turbane wäre diese Mode glücklicherweise eine wahre Pein. Es gäbe den Morgenländern, wenn sie ihren Turban oder den zusammengedrehten, in vielen Gängen quer um den Kopf gewundenen Schleier auflösen und wieder umbinden oder auch nur mit den unsteifen Mützen, die er unten umfängt, ab- und aufheben müßten, ebensoviel zu schaffen, als den abendländischen Frauenzimmern, bis ihre zarte Haube über Flechte und Kamm sich gehörig fügt. Es ist übrigens erstaunlich, daß die Frauenzimmer, die doch mit keiner Mütze und mit keinem Hute sich und Andere bekomplimentiren, noch existiren und bei den Männern Gnade finden.

Wenn hier zwei Männer im Freien zusammenkommen, so legen sie sich die rechte Hand auf Mund und Stirne. Sind sie einander nahe, so sagt der Eine, wenn er ein Christ ist: „Gott mit euch“, und der Andere erwiedert: „Gott erhalte euch.“ Des Mohammetaners Gruß aber lautet: „Friede sei mit euch,“ und der Gegengruß: „Mit euch sei Friede.“ So zu grüßen, war früher den Christen verboten. Der Mohammetaner nährte den Wahn, daß die Nazarener nicht würdig wären, über die Lippen die erhabenen Worte fallen zu lassen, welche vom Propheten Mohammet verkündiget worden seien. Wiewohl dieser Gruß unter Mehemet-Ali und Ibrahim geduldet ist, so hören ihn doch die Mohammetaner aus dem Munde der Christen noch jetzt mit Murren.

Stattet ein Christ dem innigen Freunde einen Besuch ab, so umarmen sich beide, und küssen einander einmal die Schultern. Ebenso umarmen sich die Mohammetaner, versetzen aber den Kuß auf die Wangen. Ist man nicht in vorzüglichem Grade befreundet, so bietet man einander schlichtweg die Hände, wobei man eine besondere Rücksicht beobachtet. Es behält nämlich die Person höhern Ranges die Hand oberhalb, so daß der Rücken derselben aufwärts schaut. Stehen beide auf der gleichen Stufe des Ranges, so nehmen die Hände eine senkrechte Stellung neben einander an, daß also weder die eine, noch die andere Hand nach oben kommt. Wenn anders der Gruß die verschiedene Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft ausdrücken soll, so gewinnt in der That die verschiedene Richtung der Hände, zumal die Oberhand und die Unterhand, ungleich mehr Sinnigkeit, als alle Abstufungen beim Entblößen des Kopfes unter den Abendländern.

Die bisher berührten Grußweisen der Palästiner umfassen bloß das alltägliche Leben.

Auf Sitzen zur Rechten oder Linken wird nicht geachtet.

Nach Empfang dargereichter Speisen und Getränke bezeugt man in der Regel keinen Dank. Nur nach dem Kaffee hallen die Worte des Dankes: „Möget ihr euch immer erhalten.“ Trinkt der Gast Wasser aus dem Kruge (Bardaka), was allezeit ohne Absetzen geschieht, so rufen sämmtliche Anwesende: „Wohl bekomme es“, und jener erwiedert: „Ich sage Dank.“ Also bei Mohammetanern und Christen. Beim Lebenswasser (Aquavit) verhält man sich stumm.

Begegnen sich die Frauen außer den Häusern, so sind sie still und rühren sich nicht. Macht eine Frau einen Besuch, so entschleiert sie sich beim Eintritte in das Zimmer, und eröffnet das Gespräche mit den Worten: „Ich komme, euch zu sehen.“ Die Frau, welche den Besuch annimmt, lüftet auch ihrerseits den weißen Gesichtsschleier und antwortet: „Willkommen.“ Da wird denn nach dem Befinden, nach den Kindern und nach Andrem gefragt, obendrein viel eitel Zeug geplaudert, etwas Süßes, etwa Konfekt, genascht oder auch eine Pfeife geraucht. Kürzer, als drei oder vier Stunden dauern die Frauenbesuche nicht. Die Mohammetanerinnen besuchen einander seltener, als die Christinnen.