Spiel der älteren Leute.
Die Araber überlassen sich nicht sehr häufig dem Spiele. Karten trifft man allerdings bei ihnen, allein ziemlich selten. In Kaffeehäusern zu Kairo spielten Araber Schach, aber mit possenhaft plumpen Figuren.
An der kleinen Meeresbucht bei Jaffa sah ich ebenfalls beim Spiele Morgenländer, welche das Schachbret in den Sand gezeichnet hatten.
Eines Tages bemerkte ich am Hafen von Jaffa zwei im Spiele begriffene Soldaten. Schnell trat ich näher. In ein Bret waren vierzehn schalenförmige Vertiefungen gearbeitet, wovon je sieben eine Reihe bildeten. Eine ziemliche Anzahl Ziegelbröckchen legten sie in die mittlern sechs Gruben. Mir wurde der Zusammenhang des Spieles nicht völlig deutlich; doch so viel nahm ich wahr, daß aus einer Grube die Steine gehoben und davon einer allemal in eine Vertiefung um die andere gesetzt wurde. Wenn dann der letzte Stein in eine leere Grube fällt oder nicht, so bringt es dem Spielenden Verlust oder Gewinn. Das Spiel ist wohl kein anderes, als das von Niebuhr und Burckhardt beschriebene Mangal.
Der eine der spielenden Soldaten war der am Hafenthore wachehaltende Soldat. Mit der linken Hand hielt er das Feuergewehr, und mit der rechten spielte er. Da gesellte sich ein dritter Soldat hinzu. Er hatte nichts Eiligeres vor, als seinen Mantel hart am Spielbrete niederzuwerfen und, nach Ablegung der Schuhe, sich aus denselben barfuß zu stellen; denn nach solcher Vorbereitung verrichten viele Mohammetaner das Gebet. Dieser Soldat mochte im Beten stehen oder hocken, oder auf das Gesicht niederfallen, die Spielenden ließen sich nicht im mindesten stören. Der Eine lachte unterdessen manchmal mit aller Herzlichkeit, andere Male kicherte er. Es ist eine bemerkenswerthe Sache, daß, so viele Sprachen auch in der Welt den Tausch der Gedanken und Gefühle vermitteln, dennoch das Lachen, welches vom leisen Schmunzeln bis zum schallenden Gelächter so viele Gemüthszustände ausdrückt, meines Wissens — allenthalben gleich ist sowohl in Beziehung auf die Beschaffenheit, als auf das Maß der Töne. Das gilt im Wesentlichen auch vom Weinen. Die afrikanischen und asiatischen Kinder können so unharmonisch weinen, wie die unserigen. Die Erscheinung erklärt sich dadurch, daß die Lach- und Weinlaute Naturlaute sind, welchen die Kunst weder Mark abbettelte, noch andichtete. Kehren wir zu den lachenden Spielern zurück. Der Neuangekommene näherte sich, nach vollendeter Andacht (Asser), alsogleich dem Spielbrete, und ohne Umständlichkeit schob er einen der Spielenden weg. Jetzt betrachtete ich erst mit mehr Aufmerksamkeit eine große Narbe am Vorderarme des neuen Spielers, und wirklich glaubte ich dieselbe als ein Ordenszeichen kriegerischer Tapferkeit mit seinem herrischen Benehmen in Einklang bringen zu sollen.