Liliaceae
Nächst den Palmen liefern die Liliaceen die meisten harten Zimmerblattpflanzen. In erster Linie sind es Dracaenen, Cordylinen und deren Verwandte, Pflanzen [pg 57] mit mehr oder weniger großem, meist einfachem Stamme, der eine Blätterkrone trägt. Im Gegensatz zu den echten Palmen sind diese Blätter aber stets ganz einfach, mehr oder minder bandförmig, bald breiter, bald schmäler. Der Volksmund nennt diese Pflanzen aber ebenfalls sehr häufig »Palmen«. Dann liefert uns die Familie der Liliaceen die härteste Zimmerpflanze, die es überhaupt gibt, welche auch der Ungeübteste mit Erfolg kultivieren kann, die Aspidistra elatior, meist untere dem Namen Plectogyne bekannt. In neuerer Zeit sind hierzu noch eine Anzahl Verwandte unseres Spargel gekommen, welche als Kletter- und Hängepflanzen von großem Werte sind. Daß uns die Liliaceen auch sehr viel schöne Blütenpflanzen liefern, ist bekannt. Die Kultur der Liliaceen ist verschieden. Wir werden bei den einzelnen Arten auf dieselbe näher eingehen.
Chlorophytum comosum Baker, bekannter unter dem Namen Chl. Sternbergianum ist eine prächtige Hängepflanze vom Kap der guten Hoffnung. Ihre langen, scharf zugespitzten, graziös zurückgebogenen hellgrünen Blätter bilden einen großen Busch, aus dem zahlreiche Ausläufer hervortreten, welche wieder mit Blattbüscheln besetzt sind. Diese Büschel treiben zeitig Wurzeln in die Luft und können zur Vermehrung verwendet werden. Will man die Pflanzen sehr schön haben, so weist man ihnen einen hellen hohen Stand an, auf welchem sie lange Zeit ungestört stehen bleiben können. Man gibt ihnen ferner einen großen mit Lehm gefüllten Topf, in dem sich die dicken fleischigen Wurzeln mächtig entwickeln. Die Ausläufer läßt man an den Pflanzen. Im Sommer muß reichlich [pg 58] bewässert; werden; im Winter kann man ganz mit dem Gießen aufhören, wenn man die Pflanzen sehr kühl stellt; die Blätter sterben dann ab. Im geheizten Wohnzimmer muß man gießen. Fast noch schöner ist die weißgestreifte Form. Eine besondere Zierde bilden die großen Blütenstände, die man nach dem Verblühen nicht abschneidet, da sich auch an ihnen junge Pflanzen entwickeln.
Chlorophytum comosum
Yucca. Sehr dekorative Pflanzen sind die Palmlilien oder Yucca-Arten aus Nord- und Mittelamerika. Sie haben nur einen Fehler, man kann sie durchaus nicht im geheizten Zimmer halten. Gibt man ihnen dagegen im Winter einen Platz im hellen, kühlen, frostfreien Keller, Korridor etc., so sind sie äußerst dankbare Gewächse. Ihre sehr derben blaugrünen, scharfrandigen, stechend spitzen Blätter [pg 59] bilden dichte schöne Kronen. Man gibt ihnen eine schwere nahrhafte, lehmhaltige Erde, im Sommer reichlich, im Winter sehr spärlich Wasser und während der Vegetationszeit einen möglichst sonnigen Platz, möglichst am Fenster. Die bekannteste Art ist Yucca recurva Salisb.[28] aus Georgia. Sehr verbreitet ist auch Yucca aloeifolia L.[29], aus den Südstaaten von Nordamerika, von der eine prächtige bunte Varietät, Yucca aloeifolia quadricolor mit gelben und roten Streifen auf den Blättern, im Handel ist. Die Vermehrung aller Yucca-Arten gelingt leicht durch Abnehmen der Nebensprosse.
Yucca
Cordyline. Von den Arten dieser Gattung, welche zum größten Teile in den wärmeren Gegenden der alten Welt heimisch ist, befinden sich verschiedene in Kultur, meist unter dem Namen Dracaena. Von der Gattung Dracaena ist die Gattung Cordyline botanisch dadurch unterschieden, daß die drei Fächer der Frucht zahlreiche Samen enthalten, während sich in jedem der drei Fruchtfächer von Dracaena nur ein Same befindet. Da diese Pflanzen bei uns selten blühen, der Habitus der Arten beider Gattungen aber sehr ähnlich ist, so würde es schwierig sein, von fruchtlosen Exemplaren zu sagen, ob sie zu der einen oder anderen Gattung gehören. Glücklicherweise besitzen wir aber in den unterirdischen Teilen dieser Pflanzen ein leicht erkennbares Unterscheidungsmerkmal: die Arten von Cordyline haben dünne, weiße Wurzeln und machen dicke Ausläufer, die Arten von Dracaena haben dicke gelbe Wurzeln und bilden keine Ausläufer. Den Cordylinen geben wir wegen ihrer dünneren Wurzel eine humusreichere, lockerere Erde, den Dracaenen eine schwerere, lehmhaltigere Erde. Im Zimmer lassen sich die grünen Cordylinen leicht halten, wenn man sie während des Sommers reichlich begießt und nährt und während des Winters nicht zu warm hält. Die rotblätterigen Arten sind empfindlicher, sie verlangen meist feuchtere Luft, müssen deshalb häufig mit warmem Wasser mit einem Zerstäuber besprengt werden. Im Winter bringt man sie ins geheizte Wohnzimmer. Zu den ersteren Arten gehörten Cordyline australis Kth. aus Neuholland, Cordyline indivisa Kunth aus Neuseeland und Cordyline congesta Sweet aus Java.
Cordyline australis
[pg 62] Unter den rotblätterigen Arten sind Cordyline terminalis Ldl.[30] aus China, Cordyline ferrea L.[31] ebendaher und Cordyline ignea hort. besonders hervorzuheben.
Dracaena Rothiana
Dracaena. Die Unterschiede von Cordyline wurden bereits oben angegeben. Die Kultur ist nicht schwierig, nur die buntblättrigen, wie D. Goldieana h. Bull. aus dem südlichen tropischen Afrika verlangen feuchte Luft. Eine der beliebtesten Arten ist die breitblättrige Dracaena fragrans Gawl. aus Guinea, die von der Dr. Rothiana[32] von den Komoren, mit der sie viel Ähnlichkeit hat, noch an Schönheit übertroffen wird. Man hält beide [pg 63] im geheizten Wohnzimmer, wo sie viel Wasser und Nahrung, aber nicht direkte Sonne haben wollen. Eine ebenfalls breitblättrige Art, die aber etwas steif wächst, ist D. cannaefolia R. Br.[33] aus dem tropischen Amerika. Bei guter, ausmerksamer Pflege entwickelt sie sich zu Prachtexemplaren. Sehr zierlich ist Dr. marginata Lem.[34] aus Madagaskar, mit schmalen, linealen, rotgeränderten Blättern. Es scheint hiervon zwei Formen zu geben, von denen die graziösere mit zurückgeneigten Blättern leider vollständig verschwunden zu sein scheint. Jetzt sieht man nur noch die Form mit horizontal abstehenden breiteren Blättern.
Asparagus Sprengeri
Asparagus. Von den Spargelarten eignet sich Asparagus Sprengeri ganz besonders zur Kultur als Ampelpflanze im Zimmer. Gibt man ihm eine große [pg 64] flache Schale und nahrhafte schwere Erde, so entwickelt er sich in verhältnismäßig kurzer Zeit zu sehr stattlichen Exemplaren. Im Winter hält man ihn etwas kühler und trockener.
Aspidistra elatior
Aspidistra. Die japanische Aspidistra elatior Bl., auch Plectogyne variegata genannt, gehört zu den härtesten Zimmerpflanzen, die es überhaupt gibt. Sie ist sehr anspruchlos, gedeiht selbst noch an ziemlich dunklen Stellen und verträgt es auch, wenn sie einmal trocken wird. Sie wächst ebensowohl im geheizten Wohnzimmer, wie im kühlen frostfreien Treppenhause. Will man sie schön haben, so gebe man ihr recht nahrhafte Erde und reichlich Wasser und halte die Blätter frei von Staub und Ungeziefer. Dann bildet sie große Büsche sattgrüner [pg 65] Blätter. Sehr hübsch ist auch eine weißgestreifte Form, die aber im warmen Zimmer gehalten werden muß.
Curculigo recurvata