Der lächelnde Tod

Von Wilhelm Schussen

Einen Mann namens Heinrich, der ein schönes Weib namens Elise geehelicht hatte, traf eine große Heimsuchung. Als nämlich seine Frau wieder einmal unter höchsten Nöten niederkam, wußte er, daß sie das nächste Mutterglück mit ihrem Leben bezahlen müßte. Da schwuren die beiden, aus eigenem Antrieb und auf das Drängen des Arztes hin, aller Liebeslust zu entsagen. Und Heinrich nagelte im ersten heiligen, zornigen Eifer ein leibhaftiges Totengerippe ans Fußende des Ehelagers, auf daß sie, so sie etwa schwach und wankend würden, allzeit einen ganz furchtbaren Prediger in der Nähe hätten. Nach einiger Zeit brachte Heinrich dann noch ein rotes Lämpchen über dem Gerippe an. Das wirkte. Der Prediger blieb wach und schrecklich und stieg bis in ihre Träume hinab, und wenn sie nachts erwachten, wagten sie es nicht, die Augen zu öffnen. – – – – – – – – – – – – –

Im Laufe der Zeit jedoch erschien ihnen der Furchtbare immer milder und freundlicher und schließlich beinahe wie zur Familie gehörig. Ja, während einer hellen, silbernen Mondnacht kam er dem ruhenden Menschenpaar fast verschönt und verklärt und verlieblicht vor. Da erhob sich Heinrich leise und blies das rote Lämpchen aus. Und Elise lächelte ihm zu und erinnerte ihn daran, daß die Nächte nun wieder abnähmen und man endlich wieder dem Frühling entgegenginge. – – – –

Durch den nächsten weißen Winter aber wallte langsam ein großer dunkler Leichenzug mit blumenbeladener Bahre nach dem Kirchhof.