SINNESGEWALT

{488} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Kajaṉgalā[215], im Hain der Glockenbäume.

Da begab sich denn Uttaro, ein junger Brāhmane, der Schüler Pārāsariyos, zum Erhabenen hin, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich seitwärts nieder. An Uttaro den jungen Brāhmanen, den Schüler Pārāsariyos, der da zur Seite saß, wandte sich nun der Erhabene also:

»Lehrt, Uttaro, Pārāsariyo der Priester den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben?«

»Es lehrt, o Gotamo, Pārāsariyo der Priester den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben.«

»Auf welche Weise, Uttaro, lehrt wohl Pārāsariyo der Priester den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben?«

»Da sieht man, o Gotamo, mit dem Auge keine Form und hört mit dem Ohre keinen Ton: also lehrt, o Gotamo, Pārāsariyo der Priester den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben.«[216]

»Ist es also, Uttaro, dann mag ein Blinder Gewalt über die Sinne haben, und mag ein Tauber Gewalt über die Sinne haben, dem Worte des Priesters Pārāsariyo gemäß: denn ein Blinder, Uttaro, sieht mit dem Auge keine Form, und ein Tauber hört mit dem Ohre keinen Ton.«

Also beschieden blieb Uttaro, der junge Brāhmane, der Schüler Pārāsariyos, verstummt und verstört, die Schultern gebeugt, den Kopf gesenkt, sprachlos vor sich hinstarrend sitzen. Und der Erhabene sah wie Uttaro also dasaß und wandte sich an den ehrwürdigen Ānando:

»Auf andere Weise, Ānando, lehrt eben Pārāsariyo der Priester den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben, {489} und auf andere Weise wieder hat man im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt.«

»Da ist es, Erhabener, Zeit, da ist es, Willkommener, Zeit, dass der Erhabene zeige, wie man im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt hat: des Erhabenen Wort werden die Mönche bewahren.«

»Wohlan denn, Ānando, so höre und achte wohl auf meine Rede.«

»Gewiss, o Herr!« sagte da aufmerksam der ehrwürdige Ānando zum Erhabenen. Der Erhabene sprach also:

»Wie also hat man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt? Da hat, Ānando, ein Mönch mit dem Auge eine Form gesehn und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, ein scharfsehender Mann blicks die Augen aufschlagen und schließen, blicks die Augen schließen und aufschlagen kann: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen.

»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit dem Ohre einen Ton gehört und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. {490} Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, ein kräftiger Mann gar leicht einen Schnalzer schlagen kann: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Tönen.

»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit der Nase einen Duft gerochen und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, auf einem leicht geneigten Lotusblatte Wassertropfen herabgleiten, keinen Halt finden: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düften.

»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit der Zunge einen Saft geschmeckt und wird angenehm bewegt, {491} wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, ein kräftiger Mann an der Spitze der Zunge einen Speichelball ansammeln und ohne Mühe ausspeien kann: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säften.

»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit dem Leibe eine Tastung getastet und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, ein kräftiger Mann seinen eingezogenen Arm ausstrecken oder seinen ausgestreckten Arm einziehn kann: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen.

»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit dem Geiste ein Ding gedacht und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, {492} wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, wenn ein Mann auf eine tagüber am Feuer glühende eiserne Pfanne zwei oder drei Wassertropfen herabträufeln ließe — langsam, Ānando, wäre der Fall der Tropfen, aber gar eilig würden sie aufgelöst und verschwunden sein —: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch das Gedenken ins Bewusstsein tretenden Dingen. — So aber hat man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt.

»Wie aber ist man, Ānando, als Kämpfer vorgeschritten? Da hat, Ānando, ein Mönch mit dem Auge eine Form gesehn und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und vor diesem angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein kommt ihn ein Grauen an, Entsetzen an, Abscheu an. Er hat mit dem Ohre einen Ton gehört, mit der Nase einen Duft gerochen, mit der Zunge einen Saft geschmeckt, mit dem Leibe eine Tastung getastet, mit dem Geiste ein Ding gedacht und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und vor diesem angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein kommt ihn ein Grauen an, {493} Entsetzen an, Abscheu an. So aber ist man, Ānando, als Kämpfer vorgeschritten.

»Wie aber ist man, Ānando, als Heiliger sinnesgewaltig? Da hat, Ānando, ein Mönch mit dem Auge eine Form gesehn und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und wenn er sich wünscht: ›Bei Widerwärtigem will ich unwiderwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei unwiderwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Unwiderwärtigem will ich widerwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei widerwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Widerwärtigem und Unwiderwärtigem will ich unwiderwärtig gewahr bleiben‹, so bleibt er dabei unwiderwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Unwiderwärtigem und Widerwärtigem will ich widerwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei widerwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Widerwärtiges und Unwiderwärtiges, beides will ich von mir weisen und gleichmüthig bleiben, besonnen, klar bewusst‹, so bleibt er dabei gleichmüthig, besonnen, klar bewusst. Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit dem Ohre einen Ton gehört, mit der Nase einen Duft gerochen, mit der Zunge einen Saft geschmeckt, mit dem Leibe eine Tastung getastet, mit dem Geiste ein Ding gedacht und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und wenn er sich wünscht: ›Bei Widerwärtigem will ich unwiderwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei unwiderwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Unwiderwärtigem will ich widerwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei widerwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Widerwärtigem und Unwiderwärtigem will ich unwiderwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei unwiderwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Unwiderwärtigem und Widerwärtigem will ich widerwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei widerwärtig gewahr; {494} wenn er sich wünscht: ›Widerwärtiges und Unwiderwärtiges, beides will ich von mir weisen und gleichmüthig bleiben, besonnen, klar bewusst‹, so bleibt er dabei gleichmüthig, besonnen, klar bewusst. So aber ist man, Ānando, als Heiliger sinnesgewaltig.

»Und so hab’ ich, Ānando, gezeigt wie man im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt hat, gezeigt wie man als Kämpfer vorgeschritten ist, gezeigt wie man als Heiliger sinnesgewaltig ist. Was ein Meister, Ānando, den Jüngern aus Liebe und Theilnahme, von Mitleid bewogen, schuldet, das habt ihr von mir empfangen. Da laden, Ānando, Bäume ein, und dort leere Klausen. Wirket Schauung, Ānando, auf dass ihr nicht lässig werdet, später nicht Reue empfindet: das haltet als unser Gebot.«

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Ānando über das Wort des Erhabenen.


[ANMERKUNGEN]

[1] Devadaham, i. e. Deorum lacuna. Der Ort ist auch im Mahāvaṃso II, v. 16 als Devadaho, im Mahāvastu I, p. 355 f. als Devaḍaho, und Jātakam I, p. 52 als Devadahanagaram gut überliefert. Noch heute führt die Straße über die Ruinen von Kapilavatthu nach Rummin-deī, dem einstigen Luṃminī, und von da ein paar weitere Tagereisen hinauf ins Gebirge bis zur sakkischen Gränzfeste, der stolz emporragenden Burgstadt Deonyagarh, wie sie gegenwärtig heißt. Die Angabe eines chinesischen Pilgers, der Weg von Kapilavatthu nach Devadaham betrage 800 li (ca. 350 km), von WATTERS im Journal Roy. As. Soc. 1898 p. 547 mitgetheilt, wird daher der Wahrheit ziemlich nahegekommen sein. — Vergl. unser Göttweig, von vicus, wîch: der Götter Hof, hoch auf steilem Felsen, gegenüber Stein an der Donau gelegen; (schott.) Lochnagar, Interlaken, Laach etc., von lacus. Die Ruinen von Devadaham mögen dermaleinst unter dem heutigen Deonyagarh aufgefunden werden, sobald nur erst Männer wie PRINSEP oder CUNNINGHAM wieder am Werke sind. Wenn Babu MUKHERJI noch jüngst nahe bei Rummin-deī danach gesucht, Report on etc. Antiquities in the Tarai etc. (Archaeological Survey of India XXVI 1 Imp. Ser.), Kalkutta 1901, S. 58, so hat er eben den gänzlich unwissenschaftlichen, bloß willkürlichen Behauptungen von Leuten wie Major WADDELL und VINCENT A. SMITH muthlos gehorcht, ohne auch nur den Versuch eigener Quellenuntersuchung zu wagen: weil ja historisches Forschen und Verstehnlernen mehr noch als dem alten dem modernen Inder versagt ist. Die neu von ihm gelieferten, leider nur spärlichen photographischen Aufnahmen in situ der zumeist schon von dem ehemaligen Jesuiten und trotz der argen Anschuldigungen immerhin verdienstvollen A. FÜHRER entdeckten Reste und Alterthümer aus der sakkischen, künstlerisch ungemein hoch stehenden Periode sollen dagegen mit lebhaftem Danke begrüßt werden. — Auf Tafel XXVIII findet man die in der 109. Anmerkung erwähnte krystallene Phiole sowie die Urne mit der Inschrift nebst den anderen drei im selben Sarkophage (salilanidhanam Leichenschrein) verwahrt gewesenen Reliquiengefäßen photograviert. Die von mir a. a. O. vorgebrachte Hypothese einer geographischen Differenzierung von Sakko und Sakyo lässt sich durch unsere Manuskripte und Inschriften doch wohl nicht genügend stützen.

[2] »ez ist allez ein vorgewürket dinc«, sagt Meister ECKHART, ed. PFEIFFER p. 487, in Uebereinstimmung mit dieser alten, auch nach Aupapātikasūtram § 129–155 und Sarvadarśanasaṃgrahas 3. Kap. gegen Ende, von den Jainās angenommenen Upanischadenlehre, die, im Bṛhadāraṇyakam noch als Geheimniss behandelt, später Gemeinplatz wurde, wie e. g. im Kathāsaritsāgaras 40, 113 prākkarmopārjitaṃ sarvam eva śubhāśubham, fast wörtlich wie oben ib. 41 sarvaṃ tiṣṭhati pūrvakarmavaśād eva.

[3] Zu sallena savisena gāḷhapalepanena cf. Ṛgvedas X, 87, 23 viṣeṇa tigmena śociṣā. — In Griechenland die philoktetischen Pfeile; im HORAZ die venenatis gravida sagittis pharetra, Carm. I, 22. Auch parabolisch: »glühend bittre Pfeile«, wie Faust II im Anf.

[4] Puna ca param bis parisodheti ist hier, wo bereits der Mönch dargestellt, übernommene Einschaltung: lies Puna ca param bhikkhave bhikkhu vivicc’ eva kāmehi viviccādi. — Zum vorhergehenden Gleichnisse cf. die 109. Anmerkung.

[5] Diese Rede ist eine gründliche, wenn auch nicht allzu leicht verständliche Exposition ideal immanenter Betrachtung gegenüber der real transscendenten der Freien Brüder. Laetus in praesens animus quod ultra est oderit curare. Vergl. auch den 14., 56. und andere verwandte Dialoge.

Die Schmerzensaskese der Freien Brüder, Stetigsteher und anderer Büßer findet man insbesondere in der 45. und 57. Rede ausführlich geschildert: Gebräuche, die noch heute in Indien und gelegentlich, en miniature, sogar bei uns üblich sind; wie z. B. die alljährliche Springprozession zu Echternach zeigt. Και ταυτη Ινδων επανεληλυθυια, nach SUIDAS über THEOPHILOS.

Zur Lehre āyatim anavassavo »Ferner kein Zufluss« cf. die 67. Rede S. 202 u. d. Anm. 58; auch Annapūrṇopaniṣat V, v. 71 duḥkhasyāvasaras und des apokritischen MAKARIOS θαλαττα του βιου und πελαγος της θνητης ζωης, ed. BLONDEL p. 72, des MAKARIOS Aigyptios διελθειν και ὑπερβηναι και διαπερασαι την πικραν θαλασσαν της ἁμαρτιας, Homil. XLIV § 6, ed. PRITIUS p. 508.

Gute, unseren und den jinistischen Texten entsprechende Darstellungen büßend beharrender Stetigsteher, d. i. Freier Brüder, bieten die zahlreichen Kolossalstatuen in den Felsenwänden und -grotten auf dem Wege zur Gwaliorburg, einer der großartigsten natürlichen Festungen, die ich gesehn. Zumal die Gruppen am östlichen und am südlichen Abhange, ungefähr je zwanzig gewaltige, meist zehn, aber auch bis zwanzig Meter hohe Gestalten, zeichnen sich durch erhabene Schönheit aus; daher denn auch ein Missionar des 16. Jahrh. eine dieser Gruppen, freudig überrascht und nicht blöde, als Christus und seine Jünger beanspruchen wollte —

Virtutis verae custos rigidusque satelles.

[6] Dieses Gleichniss, das man fast als eine gewisse Humoreske nicht unschicklich ansehn könnte, hat SOKRATES ganz ebenso naiv, zu Ende des Gesprächs im Euthyphron, gebraucht: Εμπορικη αρα τις αν ειη τεχνη ἡ ὁσιοτης θεοις και ανθρωποις παρ’ αλληλων. Ja auch ECKHART, p. 34: Diz sint allez koufliute... wan sie wellent daz eine umbe daz ander geben unde wellent alsô koufen mit unserm herren.

[7] sā gaddulabandho, »ein Hund mit einem Kehlbande«. Vergl. Saṃyuttakanikāyo vol. III. p. 150, taṇhāgaddulam, Niddeso II. p. 11.

[8] Der Text hat richtig nibbānasappāyam.

[9] Cf. die 1. Rede des 1. Bandes. — Tao-te-king, ed. JULIEN, 1. Buches letztes Kap. i. f.

Das Erforschen der Vergangenheit und der Zukunft aufgeben ist öfters eingehend behandelt, wie Saṃyuttakanikāyo vol. V. p. 263/4, oder Theragāthā 397: yathā pure tathā pacchā | yathā pacchā tathā pure|. Vergl. die vedische Gāthā: yad asya pūrvam aparaṃ tad asya | yadvasyāparaṃ tadvasya pūrvam|: Aitareyabrāhmaṇam III, 43. Zu den Antinomien, S. 28 passim, finden sich mancherlei scholastische Beispiele im 3. Kap. des Sarvadarśanasaṃgrahas. Näher steht das schöne Wort des DEMONAX: Εξεταζοντων τινων, ει ὁ κοσμος εμψυχος, και αυθις, ει σφαιροειδης· Ὑμεις, εφη, περι δε της ἑαυτων βκοσμιας ου φροντιζετε. Aehnlich SOKRATES in der Einleitung zum Phaidros.

[10] lies abhiṇham. — Zur Sache cf. die 77. Rede.

[11] diṭṭhipaḷāso, paḷāso = parāśas, von √śaṃs (L’ORANGE).

[12] Der Stelle S. 37, »dem Sinne nach und dem Worte nach«, atthato ca vyañjanato ca, entspricht das Ende des dritten Felsenediktes, wo Asoko, an unseren Texten herangebildet, in schlichter Würde und ihm so eigenthümlich gewordener Umsicht bestimmt: Parisā pi yute āñapayisati gaṇanāyaṃ hetuto ca vyaṃjanato ca, »Die Behörden aber werden das Gebührende veranlassen unter den Leuten, der Wirklichkeit nach und dem Worte nach.« — Vergl. den alten Spruch Yathāvādī tathākārī, wie Theragāthā 1277; oder bei uns im Speculum monachorum BERNARDI CASINENSIS, II i. f.:

Voci vita non discordet:

Cum vox vitam non remordet

Dulcis est symphonia.

[13] Unter sumpfiger Ablagerung heute begraben, darüber wahrscheinlich der Weiler Sāma-devī, wie FÜHRER vermuthet, vier bis fünf Stunden südwestlich vor Niglīvā gelegen: cf. Tafel II in dessen Monograph on Buddha Sakyamuni’s Birth Place in the Nepalese Tarai, Allahabad 1897, und ib. p. 37.

[14] Das Gleichniss von der Lehre als Kuppelbau, als geistiges Obdach, ein wahres Denkmal, wohl zu hüten, wie es die 89. Rede weiter ausführt, hat uns ARRIAN vortrefflich überliefert: Λεγεται δε και ταδε, μνημηια ὁτι Ινδοι τοισι τελευτησασιν ου ποιεουσιν, αλλα τας αρετας γαρ των ανδρων ἱκανας ες μνημην τιθενται τοισν αποθανουσι, και τας ῳδας αἱ αυτοισιν επᾳδονται: Indica § 10.

[15] Der Text hat richtig patissayamānarūpā. — Vergl. Maitryupaniṣat VII, 9 die mūḍhāḥ paṇḍitaṃmanyamānāḥ, i. e. ātmānaṃ p0.

[16] Zu gihipaṭisaṃyuttam cf. tyaktaṃ sannyāsayogena gṛhadharmādikaṃ vratam, Sannyāsopaniṣat v. 89; vergl. auch die Anmerkungen 45 u. 186.

[17] Der Ausdruck dhammanetti, Richtschnur der Lehre, S. 47, ist noch im Mahāvastu gut erhalten, vol. III. p. 234 als dharmanetrī und saddharmanetrī, vol. II. p. 373: pralujyamāne jinavaraśāsanasmiṃ | dhāreti śāstu varadharmanetrī. Zu netti in anderer Komposition und allgemein cf. HARDY, Nettipakaraṇam p. VII f. und Lieder der Mönche Anm. zu v. 135.

Der sāmukkaṃsiko vinayo der beiden letzten Reden erinnert einigermaaßen an die correptio fraterna, wie sie S. ANTONIO DA PADOVA geübt wissen wollte. Ist auch natürlich bei ihm jene Klarheit nicht zu finden, so zeigt sich doch eine ähnlich eindringende, sorgfältig abwägende, liebevoll prüfende, mannhaft nüchterne Behandlung von Fall zu Fall wie bei uns, und immer eingedenk des hohen Zieles. Als ein Gegenstück z. B. der Geständnissannahme, oben S. 49, folge hier die korrelate kurze Stelle aus dem Sermo der feria tertia hebdom. tert. in Quadrag., ed DE LA HAYE 1739 fol. 87: »Debet haec correctio esse de praeterito, admonitio pro futuro, ut scilicet dicatur his verbis, Tale quid commisisti? sed super praeteritum admonitio non cadit: igitur caveas de futuro.«

Zum gesammten ursprünglichen vinayo, der radikal einfach gegründet, erst später aus dem śrautamūlam zu einem ārbudaghoṣadharmaśāstraśākhāntarajāṉgalam entwickelt wurde, cf. die wichtige 65. Rede S. 178 der Uebersetzung, ‚je schlechter der Orden, desto mehr der Regeln‘: ein Motto, das genau einem solchen des TACITUS entspricht, »corruptissima re publica plurimae leges.« Vorher nämlich hatte der große Beobachter der Menschen und Dinge dieses Verhältniss schon ganz in unserem Sinne, eben der indischen und der antiken Anschauung überall gemäß, erklärt: »Vetustissimi mortalium, nulla adhuc mala libidine, sine probro, scelere, eoque sine poena aut coercitionibus agebant, neque praemiis opus erat, cum honesta suopte ingenio peterentur; et ubi nihil contra morem cuperent, nihil per metum vetabantur.« Ab exc. Aug. III, 26, 27. — Cf. dazu die Anm. 62.

[18] Zum Reich des Nichtdaseins cf. die S̀ruti-Stellen, die im 2. Bande Anm. 169 angegeben sind. Ein »demgemäßes Gespräch« hat PLATON, als ein Gleicher Gleiches darstellend, im Parmenides vollendet ausgeführt. Die Hauptstelle darin, p. 160, Ουδεν γαρ ἡτιον γιγνωσκεται τι το λεγομενον μη ειναι, και ὁτι διαφορον των αλλων, begründet nicht nur die logische Berechtigung, sondern quasi die geistige Vorstellbarkeit einer solchen Sphäre: mit höchster poetischer Kraft schon im Ṛgvedas X, 90, 3–4 vom Seher gezeigt. Erstaunlich tief erschlossen von ECKHART in der 99. Rede; vergl. auch den vorhergehenden drittletzten Absatz i. f.: »Ein meister sprichet: der himel hât kein lieht, er ist ze hoch dar zuo.«

[19] der siam. Text hat richtig jānamāno; für anupādiseso ist saupādiseso zu setzen. — Der Schluss der ärztlichen Rathschläge findet sich ebenso fein in einem Gleichnisse des ARISTOTELES beobachtet: Ουτε γαρ ιατρος σκοπει ει δει ὑριεινειν η μη, αλλ ει περιπατειν η μη: Ethic. Eudem. lib. II. cap. XI. Zur ärztlichen Kunst, von welcher hier eine hübsche Probe gegeben, cf. auch die 75. Rede und No. 129 Anmerkung 157. — Einer der berühmtesten Aerzte ist bekanntlich unser Jīvako gewesen, zugleich ein feinsinnig gebildeter Geist, als den ihn die 55. Rede kundgiebt. Sein offizieller Rang als kaumārabhṛtyas, komārabhacco ist von kumāras Prinz abzuleiten: also der Prinzenarzt, d. i. der Hofarzt. Kaum nöthig zu betonen, dass kumāras der Titel für Prinz ist; wie denn auch Asoko das Wort nur in diesem Sinne anwendet: cf. Dhauli No. I, 23, II, 1, Säulenedikt VII, 2, 6 und BÜHLERS Anmerkung l hierzu, Epigraphia Indica II, 274. Kumāras heißt wohl auch »Kind«, aber in demselben höfischen Sinne wie unser kint Ortlieb, Gîselher daz kint, wo erwachsene Prinzen gemeint sind, Nib. 1961, 1098, oder wie altenglisch Childe (cf. Harold). Kaumārabhṛtyas etwa streng fachsimpelhaft als »Kinderarzt« ausweisen, wie noch JOLLY, Medizin p. 68, ist daher nicht anders als ob man D. CARLOS, Infant von Spanien, als »Kind von Spanien« übersetzen wollte. Barbarische Machwerke vom Schlage der BOWER-Mss. etc., die nicht nur den Begriff des kumāras verkannt haben, sind überhaupt für die Kunde der ächten wissenschaftlichen Medizin der Inder recht unfruchtbar, dienen vielmehr als Materialien zu einem Kodex der Quacksalberei, auch der Zaubermittel und Horoskopien, sowie einer indianisch germanistischen Kritiklosigkeit, die alles, altes und neues, meisterhafte Diagnosen wie scharlatanische Alfanzereien kunterbunt durcheinanderstreicht. Die Geschichte der indischen Medizin kann von keinem Philologen und von keinem Arzte, nur von einem, der beides ist und dazu noch ein halbes Gran vom Geiste BICHATS mitbringt, vielleicht einmal geschrieben werden: so nämlich wie COLEBROOKE jetzt vor hundert Jahren mit der indischen Jurisprudenz den Anfang gemacht.

[20] Vergl. die 67. Rede S. 205, die 22ste S. 260 der Uebersetzung. Dazu das patristische und dann das klassische Citat im Speculum monachorum BERNARDI CASINENSIS, III 1 B 4 e: Lubricus est antiquus serpens et, nisi capite teneatur, statim totus illabitur. Et ideo dicit poeta [OVIDIUS]:

Principiis obsta; sero medicina paratur,

Cum mala per longas convaluere moras.

[21] Lies mit dem siam. Texte alañ ca me.

[22] Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack, Getast, Gedenken.

[23] Eine Parataxis wie sie der zweite Theil der Rede giebt, taṇhā sallam, avijjā visadoso, chandarāgavyāpādena ruppati, erscheint gleichartig in der Maitryupaniṣat VI i. m., dhanuḥ śarīram, om ityetaccharaḥ, śikhā ’sya manas, tamo lakṣaṇam. Vergl. auch Anm. 173. — Das nibbānam, die Wahnerlöschung, Wunschlosigkeit, von √van, vana, vani = vāna, vāni, ist, wie ROBERT L’ORANGE erkannt hat, zwar in die Smṛti als nirvāṇam übergegangen, wurde aber bald unverständlich, wie z. B. unsere 75. Rede zeigt, und daher später durch brahmanirvāṇam, i. e. paramanirvāṇam, nach dem Muster brahmaṃ yānam = paramaṃ yānam, oder auch durch bhoganirvāṇam, wie Harakelināṭake Taf. II Z. 36, glossiert. ECKHART, p. 578, hat das Selbe, aber positiv, gesagt: »Der allen sînen willen hât unde sînen wunsch, der hât fride.« Das Gleichniss von der Gesundheit findet sich bei ihm wieder, wenn er von uns kranken Leuten, von der kranken Natur und von dieser kranken Welt redet; ausführlich und merkwürdig genau unserem Texte entsprechend schon bei MAKARIOS, dem Jünger des ANTONIOS und ersten christlichen Mönche, unter dessen Namen — bereits ECKHART, p. 366, sagt »die heiligen veter Macharius unde die andern« — uns Aufzeichnungen erhalten sind, De patientia et discretione cap. IX. Auch SOKRATES hat ganz ähnlich im Gorgias gesprochen.

[24] Cf. Bd. 2, Anm. 76. Auch im 36. Divyāvadānam als Kalmāṣadamyam erhalten. Vielleicht auf der Humus das heutige Kamasin, im Kurukṣetram der Jamna-Ebene, eine Tagesfahrt westlich von Allahabad. Schon bei PTOLEMAEUS ist der Ort schlechthin als Καρμαρα, ungenau aber deutlicher als andere, überliefert, Geogr. Lib. VII. cap. I. § 91, No. 7.

[25] Lies... upādāya, sabbaṃ rūpam. — Die vier Hauptstoffe sind Erde, Wasser, Feuer, Luft. Vergl. die 28. Rede; besonders die Uebungen der 62sten.

[26] Lies nāhaṃ kvacani kassaci kiñcanatasmiṃ, na ca mama kvacani kismiñci: kiñcanaṃ nātthi. — »Er mir niht und ich ime niht« und »unbewegelîcher werden denne niht« sagt ECKHART, p. 508 u. 510.

[27] Eine ähnlich wichtige und meisterhafte Darstellung der Gedanken dieser Rede ist im Aṉguttaranikāyo X No. 29 theilweise weiter ausgeführt. Vergl. auch Suttanipāto v. 759–761.

Die abschließende Mahnung mā pamādattha, wie noch in Nr. 8, 19 und 152, entspricht den letzten Worten Gotamos, als appamādena sampādetha im Dīghanikāyo Nr. 16 überliefert. Achthundert Jahre später vom großen ANTONIOS dem Eremiten wiederholt als μη εκκακειν εν τῃ ασκησει, nach des ATHANASIOS autoptischer Biographie, p. 56 der Ausgabe von 1611: und noch einmal als frohen Scheidegruß vor seinem Ende, den Jüngern zum Vermächtnisse, treu bewahrt von den andächtigen Freunden, χαιρον διελεγετο και παρηγγειλεν αυτοις· μη ολιγωρειν εν τοις πονοις, μη δε εκκακειν τῃ ασκησει, αλλ ὡς καθ’ ἡμεραν αποθνησκοντας ζῃν, ib. p. 116. — Die vielmehr hindustanische als palaestinensische Natur dieses ächten ANTONIOS der Augenzeugen, der allerdings dem Zerrbilde frommer Lügner, Zeloten und Legendenjäger recht unähnlich sieht, kommt in der Sterbestunde ganz unverkümmert zum Vorschein, wo er allein mit den beiden Hauptjüngern, aggasāvakā möchte man sagen, MAKARIOS und AMMATAS, wieder auf seine entlegene Bergfeste zurückgezogen die Abmachung trifft, ihn verborgen zu begraben (vergl. Lieder der Mönche v. 919), und ihnen endlich den ebenso unchristlichen als rein buddhistischen Rath ertheilt, ζησατε προσεχοντες ἑαυτοις, και μνημονευοντες ὡν ηκουσατε παρ’ εμου παραινεσεων, l. c. p. 117, d. i. attadīpā viharatha attasaraṇā anaññasaraṇā, dhammadīpā dhammasaraṇā anaññasaraṇā: also die wörtliche Paraphrase eines der letzten Rathschläge Gotamos an Ānando, wiederum Dīghanikāyo No. 16, 2. Abschnitt i. f.

[28] »Willst du beschieden sein rechter Nothdurft?« — »Ja.« — »Das ist Brunnen und Brot und ein Rock: das ist rechte leibliche Nothdurft.« ECKHART, p. 461. — Vergl. noch Mahābhāratam XIV, 46, 23 und 32.

[29] ανθρωποι κενεης οιησιος εμπλεοι ασκοι: TIMONIS PHLIASII Sillus 14.

[30] Die Pforten der Sinne verschlossen haben, sagt ECKHART, p. 624; auch hat er nach den fünf Sinnen das Denken als sechsten Sinn richtig erkannt, p. 109, 590.

[31] Cf. Lieder der Mönche Seite 306 Anm. 1. — S̀ukasaptati 52:

Prajñāvisphāritākṣāṇāṃ

vidravanti vipattayaḥ

hastodyatapradīpānām

andhakāra ivāgrataḥ.

[32] Ein ganz erstaunliches, bis in die feineren Einzelheiten deutlich erkennbares Spiegelbild dieser Rede stellt PLATONS Menon dar; sogar findet man da, auch gegen Ende des Dialogs, unseren Weg nach Rājagaham als Weg nach Larisa, und unseren Wegweiser, maggakkhāyī, als ἡγεμων επι το ορθον wieder.

Zum liebevollen Herzen, S. 78 passim, cf. zumal die 62. Rede S. 144 bis 146 und die vier Allegorien der 21. Rede. Dieselben wurden, z. Th. wörtlich, in die S̀ruti aufgenommen; so die zweite, vom weiten, tiefen, unbeschränkten, himmelsraumgleichen Gemüthe, als vyomavannirupādhikaḥ in die Varāhopaniṣat II, 53. Letzteres Bild auch bei ECKHART, p. 222: »Der himel enmac keinen fremden îndruk enpfangen, ime mac kein pînlîchiu nôt în gedrücket werden daz in entsetze: alsô muoz diu sêle gevestet unde bestêtet sîn« etc. Vergl. noch die 127. Rede, Anm. 134.

[33] Lies mit dem Texte dhammasāmaggiyā.

[34] Im Text ist hier eine Wiederholung von Frage und Antwort interpoliert.

[35] Ebenso ECKHART ‚hören und behalten‘; fünfmal auf einer Seite, 290.

[36] Ein Gleiches berichtet der Doctor seraphicus vom Professor paupertatis, Vita, cap. V. vorletzter Absatz.

[37] Και γαρ και τουτο μν μεγα της ασκησεως του Αντωνιου, ὡτι χαρισμα διακρισεως πνευματων εχων, επεγινωσκεν αυτων τα κινηματα· και προς ὁ τις αυτων ειχε την σπουδην ηαι την ὁρμην, τουτο ουκ ηγνοει]: ATHANASIOS p. 113.

[38] Vergl. MAKARIOS, Homil. XXXIII fin. & XIV § 6 i. f.: ουτε ... ὁραται τοις σαρκικοις οφθαλμοις, τοις δε πνευματικοις φαινεται, τῳ οφθαλμῳ της καρδιας, και ἡ σατανικη του σκοτους και ἡ φωτεινη της θεοτητος.

[39] Νυν δ’ εμοι μεν ὡρα ποι ιεναι: von PLATON, ebenso gern wie bei uns, am Ende gewisser Dialoge idiomatisch gebraucht, bei Menon, Theaitetos, Protagoras, Laches etc.

[40] Der Topus vom himmlischen Gehör, S. 88, ist auf Chāndogyopaniṣat V, 1, 4 gegründet: Yo ha vai sampadaṃ veda, saṃ hāsmai kāmāḥ padyante daivāśca mānuṣāśca: śrotraṃ vā va sampat. Ja, er reicht in eine weit fernere Vergangenheit hinauf, da wir schon im Sāmavidhānabrāhmaṇam (I, 8) beide Arten der Töne, die himmlischen und die irdischen, die der Götter und die der Menschen, zugleich mit den fünf übrigen der diatonischen Skala, der Reihe nach absteigend bis zu den Geistern, Thieren, Dämonen, Bäumen und Kräutern, als Substrat der ganzen Welt — wie später den praṇavas (om) oder den pythagorischen αριθμος — genannt hören.

Dem einsam nachdenkenden Hüter und Hirten, S. 91, steht der thätig erfahrene Hüter und Hirt der 33. u. 34. Rede gegenüber: ὁ ποιμην ὁ καλος des Ev. Joh. X. 12–18 (Luk. XV, 4–6), der ebenso beliebte als problematische »gute Hirt«, schon auf einem Fresko der Lucina-Krypte zu Rom aus dem Anfange des 2. Jahrh. pompejanisch anmuthig nachgebildet; während auf den etwa 300–350 Jahre älteren asokischen Skulpturen zu Sāñci, Barāhat etc. anstelle der Heerdenbehütung das strengere Motiv der Einsamkeit im Wildparke prototypisch behandelt ist.

[41] Das Axiom eso ’ham asmi ›Das bin ich‹ kann auf Bṛhadāraṇyakopaniṣat I, 4, 1 so ’ham asmi etc. Bezug haben; n’etam mama ›Das gehört mir nicht‹ ιδιον τε μηδεν ἡγεισθαι, PYTHAGORAS bei DIOG. LAERT. VIII, 23. Ebenso »Thou art not thyself«, Measure for Measure III, 1, 19. — Die topische Frage und Antwort am Schlusse dieser und ähnlicher Reden (vergl. namentlich die 146ste) ist der Strophe und Gegenstrophe im chorischen Dialog am Schlusse der Perser des AISCHYLOS vollkommen koordinat.

[42] Cf. Manus II, 147 f; opapātiko: utpādayati yasmiṃ saḥ. Vergl. bes. noch Vasiṣṭhas II, 5.

[43] Zum ādiśrautam von der Saat und Ernte cf. die Rede nebst Anm. 176. Bekanntlich in die synoptischen Evangelien aufgenommen; bei uns am schönsten von GOTTFRIED im Tristan ausgesprochen, ed. pr. v. 12239 f.:

Wir muezen snîden unde maejen

Daz selbe, daz wir dar gesaejen.

Die Bemerkung, dass Gute gleich und ungleich, Schlechte auch nicht gleich und gleich zu erkennen vermögen — ähnlich wie Korinth. I, 2, 14, 15 eine Vertiefung des antiken Axioms vom Gleichen für Gleiches, das z. B. bei uns im ersten Theile der 105. Rede, S. 56–59, ausgeführt ist — wird von den beiden Asketen gegen Ende des vierten Aktes der S̀akuntalā bestätigt, vanaukaso ’pi santo laukikajñā vayam, und na khalu dhīmatāṃ kaścid aviṣayo nāma; bei uns vom ehrwürdigen Illuministen MERSWIN, im Buche von den Neun Felsen p. 115: »dis sint menschen, die der welte unbekant sint, abber die weit ist diesen menschen gar wol bekant.«

Das Hauptergebniss, ‚Den Guten gesellt sein‘, eine Erinnerung, die in unseren Texten immer wiederkehrt, ist am Ende der 75. Rede mit lakonischer Meisterschaft entwickelt. Es ist derselbe Satz, den ARISTOPHANES in den Sphekes 1238 citiert, τους αγαθους φιγει, und den der Chor 1457/61 ausführt:

το γαρ αποστηναι χαλεπον

φυσεος, ὁν εχοι τις αει.

Καιτοι πολλοι ταυτ’ επαθον·

ξυνοντες γνωμαις ἑτερον

μετεβαλλοντο τους τροπσυς.

[44] Analog von DIOGENES deutlich erkannt, ὁς ελεγε, μητε εν πολει πλουσιᾳ μητε εν οικιᾳ αρετην οικειν δυνασθαι, STOB. Flor. XCIII, 35.

[45] gāmadhammo gemein, im Rāmāyaṇam und Bhāratam ebenso grāmyadharmas, ein recht zutreffender Ausdruck, wörtlich: dorfartig, d. i. (mhd) doerperlich; nämlich αγροικος, rusticus, villanus, villano, vilain: country matters, wie Hamlet (III, 2) dieselbe Sache ebenso bezeichnend sagt. Dagegen agrāmyatā »Ungemeinheit«, d. i. edle Sitte, hovischeit, kurtoisîe.

[46] porī wörtlich: städtisch, πολιτικος; nämlich αστειος, urbanus, also nach heutigem Sprachgebrauche höflich, poli: auch dem bäuerisch u. s. w. widergesetzt, aber nur formal, kṛtrimam, gegenüber dem realen Begriffe, svābhāvikam, der vorangehenden Erklärung.

[47] Cf. MAKARIOS, Homil. XXX § 6 i. f.: Η ὡσπερ πετεινον, επαν εν ὑψει πετασθῃ, αμεριμνον εστιν, κτλ. Ein ähnliches Gleichniss von der Seele als einer unbeschwerten Flaumfeder bei ECKHART p. 360. Vergl. noch Relations etc. de la Trappe, Paris 1702, I. p. 11: »Je suis comme une feuille, que le vent enleve de dessus la terre«; Lieder der Mönche v. 104.

[48] Vergl. ATHANASIOS über ANTONIOS, Vita p. 92: Ουδεποτε γαρ εταραττετο, γαληνιωσης αυτου της ψυχης· ουδεποτε σκυθρωπος εγινετο, χαιρουσης αυτον της διανοιας. Dann CELANO (Vita II, cap. 65 & 68) über S. FRANCESCO: Tutissimum remedium contra mille inimici astutias laetitiam spiritualem sanctus iste firmabat. — Studebat proinde sanctus in iubilo cordis semper existere, servare unctionem spiritus oleumque laetitiae. Morbum accidiae pessimum summa cura vitabat. — Pro generali commonitione in quodam capitulo scribi fecit haec verba: Caveant fratres, ne se ostendant extrinsecus nubilosos et hypocritas tristes, sed ostendant se gaudentes in Domino, hilares et iucundos, et convenienter gratiosos. — Wie sein »lieber herre sant Franciscô« hat in diesem Sinne auch Meister ECKHART (p. 467) gesagt, »daz der mensche nimmer cleglich wort gesprichet... daz er nimmer mê ervrewet wird: er ist selber diu vreude.«

[49] τον εσωτεραν ερημον Αντωνιου, p. 68.

[50] Der siam. Text hat richtig samanupassāma. — Zum Topus kataṃ karaṇīyam, »Gewirkt das Werk«, cf. Lieder der Mönche v. 541 Anm.; und die selben Worte S. FRANCESCOS in seinen letzten Tagen: »Ego quod meum est feci.« — Die Unterscheidung, bez. Unterscheidungen, S. 119 passim, entsprechen ganz prachtvoll der ειδοποιος διαφορα, bez. den διαφοραι des ARISTOTELES; auch der platonischen επιστημη διαφορτητος. Vergl. noch p. XXIII-XXV meiner Buddhistischen Anthologie; und die letzte Anmerkung zur 64. Rede. Gegensatz: »Ein ding ân’ underscheide«, wie es bei uns schon GOTTFRIED als höchsten Begriff der Einheit giebt, Tristan v. 18358. Ueber das Anhangen, bez. die fünf Stücke des Anhangens, ibid., sagte mir einmal ROBERT L’ORANGE: »Die ‚Theologia deutsch‘ enthält das häufig wiederkehrende Wort ‚Annehmen‘, ‚Sich-einer-Sache-annehmen‘, und unter diesem Wort beschreibt der Frankfurter das buddhistische upādānam.« Ebenso spricht der Hochheimer, der große ECKEHART: »Dir ist nôt vor allen dingen, daz dû dich nihtesniht annemest« p. 22; p. 634 mit dem Gleichnisse vom Hagedorn, der nur glatt geschlichtet durch das Heu dieser kranken Welt ohne anzuhaften hindurchgezogen wird; p. 561: »waz an dir und in dir ist, ez ist allez gar siech unde verdorben.« Etc. Endlich sei noch auf MERSWINS Buch von den Neun Felsen verwiesen, wo p. 105 das ledig und unangenommen stehn erörtert ist.

[51] Es ist gleich uḷārabhogakulā zu lesen; vergl. die 96. Rede, ed. Siam. p. 592. — Cf. das kulagṛham, Ṛtusaṃhāre VI, 21, zumal die kulīnatā, Harṣacarite 2p. 168. Die Liste seltener Wörter aus dem zweitgenannten Werke, die THOMAS im Journal Roy. As. Soc. 1899 p. 485–517 zusammengestellt hat, weist denn auch manche lehrreiche Pālizismen auf, wie piṇḍapātī u. a. Letzteres Wort ist mir noch Yogaśikhopaniṣadi I, v. 124 begegnet, ed. Bomb.

[52] Das bāhusaccam, bez. diṭṭhupādānam im allgemeinen, den Hang zur Vielwisserei, hat ROBERT L’ORANGE treffend erklärt als »die Gelehrtenkünstlerdichterphilosophenweiseneitelkeit, das sich zueignen jeder intellektuellen Eigenschaft, von der falschen, aber blendenden und vor der Welt glänzenden Philosophie des puthujjano bis zur Weisheit des dhammānusārī«.

[53] piṇḍapātiko, der von Haus zu Hause schweigend hintritt, einen Brocken, einen Bissen abzuwarten, einzusammeln; cf. Theragāthā 849 f. — Vergl. CELANO (Vita II, cap. 17) über S. FRANCESCO: Pater sanctus utebatur eleemosynis ostiatim quaesitis multo libentius quam oblatis; verecundiam mendicandi inimicam saluti dicebat, verecundiam in mendicando eam, quae pedem non retrahit, sanctam esse confirmans.

[54] Cf. die 65. Rede, Anfang. — Ησθιεν τε ἁπαξ της ἡμερας: ANTONII Eremitae Vita p. 13.

[55] »Sit vobis, fratres, non cibus sed caritas in exemplum«, hat S. FRANCESCO gesagt und es, wie oben, den Brüdern oft wiederholt: »De omni eo quod peccator potest, nemo sibi debet iniquo applausu blandiri. Peccator ieiunare potest, orare, plangere, carnemque propriam macerare; hoc solum non potest, Domino scilicet suo esse fidelis.« BONAVENTURA cap. 5–6; CELANO II, 74. Gleichwohl aber hat auch S. FRANCESCO als guter Mensch die strenge Observanz geübt: cum quandoque corpusculum suum somni beneficio recrearet, sedens saepius nec aliter se deponens dormiebat, pro cervicali ligno vel lapide utens. CELANO I, 19.

[56] Zum Unbestand cf. das Unzulänglich der 66. Rede, in fine; dann auch die 28., die, nebenbei gesagt, in der recht buddhistischen Einleitung zum 3. Buche der Yājñavalkyasmṛti gut monographiert ist: gantrī vasumatī nāśam udadhir daivatāni cādi. — Es ist mit dem siam. Texte agammayatā zu lesen; die Variante atammayatā ‚Unmittelbarkeit‘ (vergl. die 137. Rede gegen Ende) passt hier nicht, wäre sīlasmiṃ, wie tammayo in der 47., sīlamayo in der 78. Rede. Aehnlich Tejabindūpaniṣat v. 4: agamyagamyakartā: a0, yadanyair agamyaṃ sthalaṃ tad api prayatnena gamyaṃ karoti yaḥ saḥ. Desgl. MERSWIN, bei den Neun Felsen. — Der Spruch = Suttanipāto 588, 757 a b. Die ariyāvāsāgammayatā mag nach dem Ende der 53. Rede, p. 358, vijjāsampanne gelten: die vorangehende paṭipadā aber caraṇasampanne; beide zusammen also vijjācaraṇasampanne.

[57] Cf. das Gleichniss von den reflektierten Sonnenstrahlen, Saṃyuttakanikāyo vol. V. p. 218.

[58] Der letzte Absatz ͠= Bṛhadāraṇyakopaniṣat II, 4, letzter Absatz.

Das Gesetz der Wandelbarkeit, von dem diese Rede handelt, arbeitet eigentlich schon mit den variablen Infinitesimalen, wie sie den Indern von alters her geläufig waren (cf. kuṭṭakādi); das selbe Gesetz wird in der 137sten, bei Darstellung der sechsunddreißig Fesselpfade, seinem Inhalte nach genau gekennzeichnet. Es ist, beiläufig bemerkt, auch von EPICHARMOS richtig erkannt worden, Fragm. philos. Graec. ed. MULLACH vol. I. p. 142:

εν μεταλλαγᾳ δε παντες εντι παντα τον χρονον·

ὁ δε μεταλλασσει κατα φυτιν κωυποκ’ εν τωυτῳ μενει.

Desgleichen von SENECA in seinem durchaus indischen 36. Briefe: omnia quae videntur perire mutari.

[59] Mit antamaso mālāguṇaparikkhittā pi, bis herab zu der blumengeschmückten Tänzerin, vergl. man die Parallele antamaso tiracchānagatāya[*] pi, bis herab zur thierischen Liebe, nämlich mit einer Dirne — nicht etwa „mit einem Thier“, wie noch OLDENBERG hat, Buddha, 3. Aufl. S. 401, nach SPIEGEL, Kammavākyam p. 9, etc. Diese Berichtigung stammt von ROBERT L’ORANGE.

[*] tiracchānagatā = gemeine Person, cf.: tiracchānakatthā = gemeines Gespräch.

[60] Vergl. Yājñavalkyadharmaśāstre II, 77: na dadāti ca yaḥ sākṣyaṃ jānannapi etc.

[61] Κρατης λεγεται ὁ Θηβαιος τοις στασιαζουσιν οικοις επιφοιτων λογοις ειρηνης διακρινειν τας εριδας.

[62] Ein solches Betragen wie hier dargestellt, und wie es Asoko vom ersten bis zum letzten seiner Edikte praktisch verherrlicht, hat PLATON als Orphisches Leben beschrieben; wozu ERASMUS in den Adagia s. v. sehr schön bemerkt: »Orphicam vitam PLATO libro de legibus sexto [p. 782] dixit vitam innoxiam, et a luxu sanguinolentisque dapibus puram. — Videtur ORPHEUS hoc connatus apud Thraces, quod PYTHAGORAS tentavit apud Ionios, NUMA apud Romanos.« Unter den Thrakern sind vornehmlich die asketischen Κτισται zu verstehn, von denen POSEIDINIOS, bei STRABO p. 296, ausführlich berichtet und sie δικαιοτατους ανθρωπους nennt.[**] In diesem Zusammenhange darf hier noch an die trefflichen beiden Reden PLUTARCHS über die Sarkophagie erinnert und endlich auch der drei Merkmale gedacht werden, die MANES, der Brāhmane und Jünger des Buddas, als welchen ihn SUIDAS bezeichnet, dem Christenthum viel zu edel und unkirchlich zugrunde legen mochte.

[**] Das Lob jener rechtschaffenen Menschen ist schon in der Ilias XIII Anf. gepriesen, bei STRABO nur wiederholt.

[63] atthi yiṭṭham = yaṣṭavyam iti nirṇayas, 60. Kap. S̀āntiparvaṇi.

[64] Es ist richtig, wie vol. I. p. 390, passim, 0bajjham zu lesen. Zum Begriffe des pariniṭṭhitabhāvo cf. den pariniṣṭhitakāryas im S̀āntiparva, loc. cit. v. 20. — Das heilsame Bemühn ähnlich bei PINDAR, letzte Pythionike i. f.: ει δε τις ολβος εν ανθρωποισιν, ανευ καματου | ου φαινεται.

[65] Ausführung und Wiederholung gehört in die Sphäre des späteren Vaipulyam.

[66] Mit dem Inhalte dieser Rede ist die siebzehnte des ersten Bandes zu vergleichen; auch das Dvayatānupassanāsuttam des Suttanipāto.

Der Topus von der kurzen und von der ausgeführten Darstellung, saṉkhittena und vitthārena, wie oben und oft gebraucht, ist auch bei Asoko auf seinem letzten Felsenedikte als saṃkhitena und vistat[e]na wiederzufinden.

[67] Aehnlich bei SENECA, epist. LXXV. i. f., des Weisen tranquillitas animi et, expulsis erroribus, absoluta libertas; non homines timere, non deos; in se ipsum habere maximam potestatem: inaestimabile bonum est suum fieri. Kürzer und noch genauer von DEMOKRITOS als σοφιη αθαμβος αξιη παντων gekennzeichnet, τιμιωτατη εουσα. — Vergl. Anm. 132; Lieder der Mönche v. 187.

[68] Vergl. die 9. Rede, S. 86 der Uebersetzung.

[69] Der Text der P. T. S. ist hier, wie passim, unbrauchbar.

[70] nāmarūpam, ein dvaṃdvasamāsas, dessen letztes, nach indischem Usus wichtigere Glied voran zu übersetzen ist. — Die Erläuterungen der Kommentatoren, wie Buddhaghoso im Visuddhimaggo, haben natürlich wenig Werth; vielmehr die schönen nāmarūpam-Parallelen und -Gleichnisse der alten Upanischaden, die man nach JACOBS Upaniṣadvākyakośas aufsuchen mag: wo eben wie bei uns »Bild und Begriff« überall zutrifft. Cf. auch Anmerkung 90 und Längere Sammlung Bd. II, S. 99.

[71] Vergl. Mahābhāratam XIV, 44, 20: sarvaṃ kṛtaṃ vināśāntam, und Yogasūtram II, 15: pariṇāmatāpasaṃskāraduḥkhair, guṇavṛttivirodhācca, sarvaṃ duḥkham eva vivekinaḥ.

[72] »alle crêatûre tragent inne bitterkeit«: ECKHART p. 300.

[73] »each thing’s a thief« heißt es, positiv, im Timon IV, 3, gegen Ende.

[74] der Erderoberer, cakkavattī, schon Maitryupaniṣat I, 4 genannt und als sārvabhaumas erklärt; in späteren Zeiten dafür pṛthivīvallabhas allgemeines virudam. Cf. FLEET in der Epigraphia Indica vol. VI, p. 168, Anm. 6, zu welcher man noch Vikramorvaśīyam IV, v. 19 beifügen mag, wo sich der König zu erkennen giebt als

svayaṃ vṛtaḥ patir dvābhyām,

Urvaśyā ca bhuvā ca yaḥ.

[75] sakkattaṃ, mārattam, brahmattaṃ kareyya. — »Ich weiz wol, kein vrouwe mac zuo dem himel komen, si enwerde ê ein man. Daz sult ir alsô verstân: sie müezen menlîchiu werc wirken unde müezen menlîchiu herzen hân mit voller kraft, daz sie in selber mügen widerstân und allen gebresthaften dingen«: Schwester KATREI zu ECKHART, p. 456. Das ewig Weibliche, das Jungfrauengemüth ist denn auch bei ECKHART nur Vorstufe zur höheren Entwickelung, eine Phase des zunehmenden Menschen, p. 346.

[76] Ein gleicher Titelreichthum Dīghanikāyo I, 1, Ende; vergl. die Wiener Zeitschr. f. d. Kunde d. Morgenl. XI, 159 f.

Ein quasi signaculum des paṭiccasamuppādo (S. 164 f.) findet sich, recht auffällig, in den auch sonst so merkwürdigen, schönen Episteln JACOBI, und zwar 1, 14, 15, worauf mich DE LORENZO hingewiesen. Gerade diese Stelle aber hat der aegyptische ANTONIOS inniger Betrachtung empfohlen, bei ATHANASIOS p. 32. Besser noch freilich hat der Pythagoriker BRYSON mit indischer, oder sagen wir kantischer Konzinnität die kausale Verkettung gelehrt: Οὑτως εχει ποτ’ αλλαλα τ’ ανθρωπινα πραγματα καθαπερ και τας ἁλυτιος τοι κρικοι. τηνοι τε γαρ εξ αλλαλων αρτηνται, αλλαλοις τ’ ακολουθιοντι, και ἑνος εξ αυτων ἑλκυσθεντος ὁποιου δη ποκα το τε ὁλον και τα εξ αρχας ακολουθει· και των τω βιω δε πραγματων ὁποια αν βουλῃ ἑλεσθαι, εὑρησεις και τα λοιπα εξ αναγκας κατα το ἑξης αλλαλοις ἑπομενα. — Και τ’ αλλα δε παντα, μαστευομενος και ανερευνων, οὑτως εὑρησεις εχοντα ποτ’ αλλαλα. STOB. Flor. LXXXV. 15. — Die ṭhānāṭṭhānakusalata, Kunde des Möglichen und Unmöglichen, in dieser Rede theils ungemischt, theils mythisch versetzt überliefert, erscheint im Christenthum als Kenntniss der futuribilia scholastisch dogmatisiert.

[77] Der siam. Text hat richtig imassa kho pana bhikkhave Isigilissa pabbatassa.

[78] paccekabuddhā.

[79] Es wird Nīpo zu lesen sein; cf. Theragāthā 84. Der Name kommt schon in der Ṛksaṃhitā und dann öfters im Bhāratam und in den Purāṇen vor.

[80] Die außerhalb des Textes angefügte Liste ist tertiäre Zuthat; das Intermezzo an sich apokryphe Improvisation. Doch braucht man darum den Begriff des paccekabuddho nicht etwa schlechthin als mythisch zu betrachten, darf ihn vielmehr im ächt antiken Sinne mit SOKRATES dahin auslegen, ὁτι τον σοφον αυτον αὑτῳ μαλιστα δει σοφον ειναι, wie er es im größeren Hippias als uralte Maxime giebt. Vergl. auch Lieder der Mönche S. 241 Anm.; und als Parallele hierzu die S. ROSALIA, Breviar. Rom. 4. Sept.

[81] Die Redner der Regenzeit sind irreguläre Asketen, die nur während dieser drei Monate Genossenschaften bilden. — Vergl. die 77. Rede, S. 316 der Uebersetzung.

Mit dem dvayaṃ, sāsavañcānāsavañca, S. 174–179, vergl. das mano dvividhaṃ, śuddhañcāśuddhañca, und dhyānaṃ saguṇaṃ nirguṇaṃ, Maitriśāṇḍilyādyup. Zum ariyamaggo, dem heiligen Wege, cf. den paramahaṃsamārgas der Upanischaden; auch PINDARS verwandten Ausdruck ει δε νοῳ τις εχει θνατων αλαθειας ὁδον, v. 103 der 3. Pythionike, sowie ECKHARTS »ûf dem wege stên zur êwigen sêlikeit«, p. 128.

Der Titel der Rede ist von ungefähr dem Cātvāriṃśam brāhmaṇam, das Pāṇinis kannte, beigeordnet. — Nach Form und Gehalt verschieden, aber quasi quossum analog ist des IACOBUS SARUGENSIS dritte Homilie mit der Auflösung der Zahl Vierzig in vier Elemente u. a. m., alter Ueberlieferung folgend, beschäftigt, bei ZINGERLE S. 29–36. »Quadragenarium numerum ueteres magna obseruatione colebant«, hat AGRIPPA richtig bemerkt.

[82] Zur Offenbarung: nämlich der Ordensregel; und zwar im Herbste, am Ende der Regenzeit, zum letzen Mal vor Beginn der Wanderschaft. Vergl. die 108. Rede, S. 86, und die 65., S. 167 der Uebersetzung. — Eine gleiche Einrichtung hatte S. FRANCESCO alljährlich für Pfingsten getroffen.

Im allgemeinen zur Mondnacht cf. die 32. u. 146. Rede, Dīghanikāyo No. 2, Lieder der Mönche v. 1234. Der ganze Zauber der herbstlichen Lunarien, wie er da und sonst mit ein paar Strichen angedeutet, ist in eine Gemme Kālidāsas’ meisterhaft eingeschnitten, Ṛtusaṃhāram III, 22:

S̀aradi kumudasaṉgād vāyavo vānti śītā,

vigatajaladavṛndā digvibhāgā manojñaḥ,

vigatakaluṣam ambhaḥ śyānapaṉkā dharitrī,

vimalakiraṇacandraṃ vyoma tārāvicitram.

[83] Cf. Lieder der Mönche Seite 276 Anm. 1.

[84] Cf. BERNARDI CASINENSIS Speculum monachorum I, 1, 1, 2: »Omnium bonorum operum officina cella est et stabilis perseverantia.« — »Impossibile est hominem fideliter figere in uno animum suum, qui non prius in aliquo loco perseveranter affixerit corpus suum.« Vergl. noch PASCAL, Pensées I, 7, 1: »C’est pourquoi... j’ai souvent dit que tout le malheur des hommes vient de ne savoir pas se tenir en repos dans une chambre.«

[85] Est dies, in quo color in alium colorem mutatur, et pro colore vitae color mortuorum induitur: EPHRAEMI Carmen Nisibenum ultimum, ed. BICKELL 77, 11.

[86] Αποβλεψατε γαρ προς το τελος ἑκαστου των γενομεμων βασιλεων, ὁτι τον κοινον πασι θανατον απεθανον: IUSTINUS Martyr, Apol. 1, 18.

[87] Das selbe Gleichniss behandelt MAKARIOS im 1. Th. der 20. Homilie.

[88] Cf. das vedische Gleichniss, e. g. Bṛhadāraṇyakam II, 4, 11, Sayathā sarvāsām apāṃ samudra ekāyanam evamādi; Praśnopaniṣat VI, 5, Sayathemā nadyaḥ syandamānāḥ samudrāyaṇāḥ samudraṃ prāpyās taṃ gacchanti, bhidyete tāsāṃ nāmarūpe, samudra ityevaṃ procyate, etc.; und ebenso Tao-te-king Kap. 32 i. f., MERSWIN, Neun Felsen p. 138. — Vergl. Ilias XXI, 195–197: βαθυρρειταο μεγα σθενος Ωκεανοιο, εξ οὑ περ παντες ποταμοι και πασα θαλασσα και πασαι κρηναι και φρειατα μακρα ναουσιν.

[89] Holzscheit und Reibholz stellen das vedische und ebenso altgriechische Feuerzeug dar, wie es z. B. des SOPHOKLES Philoktet bei sich in der Höhle verwahrt, v. 36. Der erste Feuerreiber ist bekanntlich Prometheus, pramanthayas, gewesen, dessen Thätigkeit von DIOGENES, im Widerspruch zur dichterischen Darstellung aber im Einklang mit unserem obigen Gleichnisse, als eine unheilsame bezeichnet wurde, δια την εὑρεσιν και μεταδοσιν του πυρος, ὡς αρχην τουτ’ ον και αφορμην τοις ανθρωοις μαλακιας και τρυφης, bei MULLACH, Fragm. philos. Graec. vol. II. p. 327.

[90] Και ὡσπερ τι παιδιον μικρᾳ ψηφιδι τειχος βεβληκος ουδεν ηνησεν, κτλ.: MAKARIOS, De elevatione mentis cap. XVI.

[91] Diese hier dargebotenen drei Doppelgleichnisse können als meisterliche Ausführung von Bṛhadāraṇyakam I, 5, Ende gelten, so zu sagen als Auflösung des dort gegebenen Siegels: Tasmād ekam eva vrataṃ caret, prāṇyāccaivāpānyācca, nenmā pāpmā mṛtyur āpnuvad: iti yadyucaret samāpipayiṣet. — Cf. noch S. FRANCESCO, bei CELANO I, 16: Docebat eos non solum mortificare vitia et carnis incentiva reprimere, verum etiam et ipsos exteriores sensus, per quos mors intrat ad animam.

[92] So auch das sokratische Gleichniss von den vollen Fässern, im Gorgias p. 493/4.

[93] Vergl. Kaṭhādyup. III, 3: Ātmānaṃ rathinaṃ viddhi | śarīraṃ ratham eva tu | buddhin tu sārathiṃ viddhi | manaḥ pragraham eva ca|. — S. BERNARDUS, Serm. 49 i. m.: »Est ergo discretio non tam virtus quam quaedam moderatrix et auriga virtutum ordinatrixque affectuum et morum doctrix.« Das selbe ritterliche Gleichniss »discretio auriga virtutum« von S. FRANCESCO gebraucht, bei BONAVENTURA cap. 5 in med. Vor ihnen schon vom säligen MAKARIOS, ed. PRITIUS, Homil. 15 § 34 & 40 § 5 i. f., και γαρ ὁ νους ἡνιοχος εστι κτλ. Und wiederum auch bei PLATON, e. g. im Phaidros p. 247.

[94] Lies hier arati-r-atisaho.

[95] Die klassische Leichenbetrachtung, wie oben S. 199 f., mit dem Ende »Gebeine, verwest, in Staub zerfallen«, erinnert an die grandiose Szene in SENECAS Hercules Oetaeus i. f., wo Alcmena mit der Aschenurne ihres Sohnes im Arme auftritt:

Timete, Superi, fata: tam parvus cinis

Herculeus est: huc ille decrevit gigas.

O quanta, Titan, in nihil moles abit:

Anilis, heu me, recipit Alciden sinus.

Hic tumulus illi est. Ecce, vix totam Hercules

Complevit urnam; quam leve est pondus mihi,

Cui totus aether pondus incubuit leve.

Kürzer gefasst im Hamlet, Todtengräberszene, Schlussverse:

Imperious Caesar, dead and turn’d to clay,

Might stop a hole to keep the wind away:

O, that that earth which kept the world in awe

Should patch a wall t’expel the winter’s flaw!

Auch GOETHES Geistesgruß klingt hier an.

[96] Wie hier und oft devā dīghāyukā hat EMPEDOKLES θεοι δολιχαιωνες, den αθανατοισιν HOMERS und der anderen entgegen, gesagt: ist also identische Uebersetzung. — Wenn man die vornehmlich indischen Bilder und Gleichnisse, in die EMPEDOKLES seine Lehre gekleidet hat, und nun noch das obige, an sich zwar belanglose, eben darum aber so vielsagende Paralipomenon betrachtet, lässt sich die Vermuthung eines auch historischen Zusammenhanges, bez. frühen Verkehrs zwischen Hindustan und Magna Graecia — durch Ariana-Media, Syrien-Aegypten — nicht mehr verschweigen.

[97] paranimmitavasavattino devā ͠= sa brahmaṇaḥ para etā bhavati... akṣayyam aparimitam anāmayaṃ sukham aśnute: Maitryupaniṣat IV, i. 4.

[98] Lies . — Nb. die Uebereinstimmung mit dem wunderbaren Puruṣasūktam, Ṛgvedas X, 90, 1: Sahasraśīrṣā puruṣaḥ... bhūmiṃ viśvato vṛtvā atyatiṣṭhad daśāṉgulaṃ. Die wahre Bedeutung von vṛtvā hier ergiebt sich aus unserem entsprechenden pharitvā. Vergl. WESTERGAARDS Radices s. v. vṛ No. 4 ferre. — Bhagavadgītā X, 42.

[99] Es ist das ursprüngliche subho jotimā wiederherzustellen, wie die ed. Siam., e. g. vol. II. p. 333, richtig hat. — Vergl. dosinā-jyotsnā.

[100] Ebenso hat PINDAR in der vierten Nemeonike i. f. ὁ χρυτος ἑψομενος αυγας εδειξεν ἁπασας, und die erste Olympionike begonnen: ὁ δε χρυσος αιθομενον πυρ ἁτε διαπρεπει νυκτι μεγανορος εξοχα πλουτου. Ein gleiches Bild dann bei unserem GOTTFRIED, Tristan, v. 12944f.:

in dem tigele gebrant

Und geliutert als ein golt.

[101] Das Leitmotiv dieser Rede, das Thema von der Allmacht der Uebung, wird auch am Ende von Gautamas’ Dharmaśāstram intoniert, bei Manus VI, 80 phrasiert. Es ist im Abendlande vielleicht von keinem so innig erkannt und bekräftigt worden wie vom großen DIOGENES: ουδεν γε μην ελεγε το παραπαν εν τῳ βιῳ χωρις ασκητεως κατορθουσθαι, δυντην δε ταυτην παν εκνικησαι, DIOG. LAERT. VI, 71. Vor ihm hatte schon PERIANDROS gesagt: Μελετη το παν.

Dem Verständnisse der Phaenomena vom tausendfachen Brahmā durch immer höhere und höhere Kreise bis zu den letzten Noumena möglicher Wahrnehmung kann, wie DE LORENZO bemerkt hat, unsere kantische Naturgeschichte und Theorie des Himmels als würdiger Eingang dienen.

[102] Es ist, wie der siam. Text richtig hat, vigatavalikam und khāṇukaṇṭakaddhānam zu lesen. Desgl. adhimuccati etc. etc. etc. — Vergl. die 127. Rede.

[103] Die parisuddhā paramānuttarā suññatā findet sich in einigen Upanischaden, wie Tejabindūp. v. 11 als sarvaṃ tat paramaṃ śūnyam, Ātmaprabodhop. ed. Bomb. p. 397a ādiśūnyas »Der Urarme«, Maitryup. II, 4 sa vā eṣa śuddhaḥ pūtaḥ śūnyādi.

Vergl. ECKHART, p. 418: »Daz ist diu allernêhste armuot des geistes, wan ez ist nieman rehte arm, wan der niht enwil unde niht enweiz unde niht enhât, weder ûzwendic noch inwendic.« Ib. 283: Diu hoehste, diu klâreste unde diu nêhste armuot; 22: Sîns selbes und aller dinge wüeste sîn; 27: »Aller stillest stân und aller lêrest ist dâ dîn allerbestez.« Etc. — Cf. noch zur Antwort auf Ānandos Frage, S. 219, das bündige Wort des MAKARIOS bei FLOSS p. 163: »melior omnibus est paupertas«; sowie die Anm. 214.

[104] Mit dem siam. Texte tattha tahāgatena zu lesen. — Aller Vorstellungen sich begeben: πτωχευσαι απο παντων των φαινομενων, MAKARIOS, Homil. XI § 6 i. f.; paupertatem colere, quasi coelestem vitam agere in terris, ab omni caducarum rerum cura et cupiditate alienam, nach BERNARDUS. Die ajjhattaṃ suññatā = der inwendigen Armuth, der Armuth des inneren Menschen, ECKHART p. 280, 626.

[105] Zur Armuth innen und außen cf. den Gedanken PASCALS II, 17, 82: »Si j’avais le coeur aussi pauvre que l’esprit, je serais bienheureux; car je suis merveilleusement persuadé que la pauvreté est un grand moyen pour faire son salut.« Die scheinbare Antinomie vom Aufnehmen der Armuth ist in den Versen eines großen, unendlich reichen asketischen, d. i. wohl eingeübten Geistes angemessen gelöst:

La lieta povertà, fugiendo, acquista

Ogni tesor, nè pensa come o quando;

Secur nei boschi, in panni rozzi e bigi,

Fuor d’obrigi, di cure e di letigi.

Letzterem Hinweise, den ich DE LORENZO, dem genauen Kenner MICHELANGELOS, verdanke, mag noch in diesem Zusammenhange die so anschauliche Illustration Meister ECKHARTS, p. 576, beigefügt sein: »Dar umbe sprach der, der in der kuofen blôz saz, zuo dem grôzen Alexander, der alle welt under ime hete: ‚ich bin‘, sprach er, ‚vil ein groezer herre denne dû bist; wan ich hân mêr versmêhet denne dû besezzen hâst. Daz dû grôz ahtest ze besitzenne, daz ist mir ze kleine ze versmêhenne.‘« Das Helldunkel einer solchen einmüthig erfahrenen indo-ārischen Armuth, die heiter über Kaiser und Könige wegblickt, findet man denn auch im Bildnisse eines kynischen Pilgers und kosmopolitischen Palitanten auf einem jüngst entdeckten pompejanischen Fresko zu Boscoreale und zwar voce melius beglaubigt, »daz ist wortelôs«.

[106] Der siam. Text hat richtig yo kho imesu pañcasu kāmaguṇesu chandarāgo so me appahīno. Etc. — Zur Selbsterforschung cf. die 15. u. 151. Rede ͠= Aureum Pythagoreorum carmen v. 40–44.

[107] Der Text hat richtig sotum.

[108] Lies mucchā nikāmayati.

[109] Der Schluss der Rede, yo sāro so ṭhassati, ist mit v. 204 der Lieder der Mönche, sāram buddhāna sāsanam, nebst Anmerkung zu vergleichen. — Ein ähnliches Bild S̀āṭyāyanīyopaniṣadante: Ekākṣarapradātāraṃ | yo guruṃ nābhinandati | tasya śrutaṃ tathā jñānaṃ | sravatyāmaghaṭāmbuvat |; ferner Vāsiṣṭhadharmaśāstre VI, 31 f.:

Āmapātre yathā nyastaṃ

kṣīraṃ dadhi ghṛtaṃ madhu

vinaśyet pātradaurlabhyāt,

kṣatapātram rasāśca te:

evaṃ gā vā hiraṇyaṃ vā

vastram aśvaṃ mahīṃ tilān

avidvān pratigṛhṇāno

bhasmībhavati kāṣṭhavat.

DE LORENZO weist mit Recht darauf hin, dass HORAZ das selbe, so anschaulich lehrreiche Gleichniss gewählt hat, im berühmten 2. Briefe des 1. Buches. Er schreibt mir: „Il verso

Sincerum est nisi vas, quodcumque infundis acescit allude proprio a vasi di creta; prima di tutto perchè i romani e i greci non adoperavano che tali vasi, e non di metallo, e poi perchè ORAZIO stesso alla fine della medesima epistola spiega ancor meglio il paragone con i versi:

Nunc adbibe puro

Pectore verba, puer, nunc te melioribus offer.

Quo semel est imbuta recens servabit odorem

Testa diu.

I quali versi corrispondono esattamente alla chiusa del discorso 122: »Darum aber mögt ihr mit Liebe mir begegnen und nicht mit Feindschaft; das wird euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen.«“

Mit Liebe und nicht mit Feindschaft dem Meister begegnen, Gehör leihen u. s. w. hat MAKARIOS getreu nachempfunden, bei FLOSS p. 205: Ου γαρ πιστευειν μονον δει Χριστῳ, αλλα και συμρασχειν αυτῳ: und AGATHON hat auch zugleich Vertrauen schlechthin wie oben S. 236–238 sehr besonnen als Ohnmacht und Unbill erkannt, ib. p. 151: Non est peior altera passio quam fiducia: genetrix est enim omnium passionum; convenit ergo operatio monacho non sumere fiduciam, vel si solus sit in cella.

Die ewige Stille, S. 229 (asāmāyikam akuppam ~ asamayavimokho No. 29 i. f.), ist wohl zumeist von ECKHART beschrieben worden, theils in Paradoxen wie ‚Alle Beweglichkeit ist sterben‘, p. 536, oder ‚Ganze Ruhe ist Freiheit aller Bewegungen‘, 605, theils gegenüber der ‚Unstetigkeit und dem Sturme des Weltenflusses‘, 247, als ‚das Wesen in einer stillen Stillheit‘, 389; ferner als wesentliche Stillheit 668, heimliche Stillheit der Einigkeit 520, Tiefe der Stillheit 517, lautere Stillniss 120, unbewegliche Stillekeit 583, stete Stillheit 600, stille Ewigkeit 375, etc. Vergl. Anmerkung 195.

Zur Bezeichnung Sakker in dieser Rede und Sakyer in der vorhergehenden sei bemerkt, dass die Namen, obwohl an sich identische Denominativa von √śak »vermögen«, insofern leicht differenziert erscheinen, als einige nördlichere Städte und Burgen wie etwa Kapilavatthu oder Devadaham stetig den Sakkern, und wieder andere südlichere wie z. B. Nagarakam oder Metāḷumpam stetig den Sakyern zugesprochen sind. Gotamo nennt seinen Vater Sakko, in der 36. und 85. Rede: er selbst aber wird allgemein Sakyaputto, Sohn der Sakyer, geheißen, so in der 41. Rede etc. Der engere Kreis Sakkos, des stolzen S̀akras’, als der er gegolten, und seiner Sakker, S̀ākrer, mag sich immerhin dem umfassenderen der Sakyer, S̀ākyer, eingeordnet haben, die Linie der Dynastie, der Zweig dem Stamme. Darum also haben auch die nächsten Verwandten Gotamos auf der Urneninschrift um die krystallene Phiole, die sie den Aschenresten ihres erlauchten Bruders gewidmet, sich selber als Sakyer bekannt:

Das ist ein Leichenschrein des Erwachten, Erhabenen:

Der Sakyer Stiftung, der Brüder mit Schwestern, mit Kindern und Frauen.

Diesem nüchternen und doch beredten Epitaph ist wohl ferner noch zu entnehmen, dass die Brüder, bez. Halbbrüder Gotamos das Erbe Sakkos gemeinsam angetreten hatten. Zerstörender Habsucht an 2400 Jahre verborgen wurde Urne und Phiole im Januar 1898 aus einem kostbar schützenden Topenhügel bei Piprāvā an der nepālischen Gränze ausgegraben und noch von BÜHLER als das erste historische Sakyer-Dokument erkannt, Journ. Roy. As. Soc. 1898 p. 389, die Inschrift aber erst von PISCHEL im 56. Bande d. Zeitschr. deutsch. morgenländ. Ges. S. 157 f. richtig erklärt. — Der Unfug mit dem S̀akaśākagargādibhyo yañ ist späterer Missverstand, wie die gute alte Theragāthā 533 u. 536 zeigt.

[110] Sälige Gestalt, tusito kāyo, im Reiche der Säligen Götter, vor der Herabkunft zur Erde. — Zu bodhisatto, erwachsam, d. h. der Erwachung angeschlossen sein, ihr nachhängen, sie erringen, cf. die Anmerkung 5 des ersten Bandes. Asokos Eigenbericht auf dem VIII. Felsenedikte, Piyadasi rājā dasavasābhisito saṃto ayāya saṃbodhiṃ, entspricht sehr schön unserem Topus, e. g. erster Band l. c., pubbe ’va sambodhā bodhisatto ’va santo: man hat also damals die wahre Etymologie von bodhisatto noch recht wohl verstanden. Später haben dann die nordbuddhistischen Uebersetzer und Bearbeiter das so natürliche, mit dem Sprachgebrauche vollkommen übereinstimmende tatpuruṣam (bodhisaktas) aus Unkenntniss in ein gekünsteltes, barbarisches, ja unmögliches bahuvrīhi (bodhisattvas) verballhornt und der wüsten tibetischen Spekulation vorgearbeitet.

[111] asuryā nāma te lokāḥ, andhena tamasāvṛtāḥ: Bṛhadāraṇyake IV, 4, 14; weiterhin bloß alokas genannt, sc. cakravālas, e. g. Raghuvaṃśe I, 68. — Vergl. die syntopischen Parallelen Mahāvastu I, 230, Divyāvadānam p. 204, Lalitavistaras V, v. 77. Irgendwie vermittelt ist diese Vorstellung bei den Scholastikern als Lehre vom Limbus rezipiert: »Juxta s. THOMAM limbus Patrum et infernus qualitate quidem locorum differunt, at situ probabiliter sunt quasi idem tractus continuus, sic tamen, ut magno spatio una commoratio ab altera distet«; rursus: »Multi cum s. THOMA in spatio intermedio purgatorium situm esse censent«: VIDMAR, Comp. rep. theol. dogm. p. 599. — Eine gleiche Phraseologie vom Lichtglanze durch die ganze Welt etc. im langen Hymnus des syrischen Propheten EPHRAEM auf die Geburt des göttlichen Knaben.

[112] Die spezielle Parallele hierzu im MAKARIOS, Apophthegm. ed. PRITIUS p. 266, bei εκ μερους τις θεωρει tτο προσωπον του ἑτερου, κτλ. — Die zehntausendfache Welt, wie die zehntausend Wesen im Tao-te-king Kap. 16, passim, oder die homerischen δμωες μαλα μυριοι, Od. XVII, 422, s. v. a. unzählig manigfach, unendlich reich.

[113] Vergl. Mantrabrāhmaṇam I, 4, 6 (= Ṛgvedas X, 184, 1):

Viṣṇur yoniṃ kalpayatu,

Tvaṣṭā rūpāṇi piṃśatu,

āsiñcatu Prajāpatir,

Dhātā garbhaṃ dadhātu te.

Komm.: Prajāpatiḥ: prajānāṃ pālako devaḥ. Etc. Es wird also hier, der S̀ruti gemäß, der Cattāro mahābrahmāṇo gedacht sein: die Lokapālā kommen erst später.

[114] pakatiyā sīlavatī; von sīlam - ηθος, suetum, Sitte: es ist das συγγενες ηθος PINDARS (Ol. XIII, 13), die angeborene Art.

[115] Vgl. Bhāgavatapurāṇam X, 2, 20, passim. — Eine schwangere Maria, in deren durchsichtigem Schooße man das strahlende Knäblein erblickt, ist kunstvoll geschnitzt auf dem linken Flügel des inneren 500 Jahre alten Kirchenportals zu Irrsdorf (einem kleinen Weiler neben Straßwalchen, auf bedeutsamen römischen Ueberresten errichtet), neuerdings kopiert auf dem Kapellenthore der Burg Kreuzenstein bei Stockerau dargestellt; vom Volke um Kindersegen angegangen. Ein Freskobild dieser Art hat RHYS DAVIDS erwähnt gefunden, Buddhist Birth Stories S. 65 Anm. Dergl. Kunstwerke mögen zunächst auf eine im Mittelalter beliebte, sinnige Vorstellung zurückweisen: cf. Band 2, Anm. 125; und von da wohl auf AUGUSTINUS, wie Meister ECKHART bemerkt hat, S. 411 i. f., eigentlich schon auf MAKARIOS MG., ed. BLONDEL p. 216: Ὡς γαρ εις ὑγροτητα καταβαινων ἡλιος ουχ ὑγροτητα δεχεται ουδε πηλωδης εὑρισκεται, την δ’ὑγροτητα του πηλου ξηραινων στεγανοι αυτος ὁλως την αυγην ουκ αποθολουμενος· οὑτως ὁ Θεος Λογος, ων ἡλιος νοητος, εις σαρκα κατελθων κτλ. — Nb. noch das »Marienglas«, lapis specularis.

Vielleicht lassen sich solche spezifisch ārische Begriffe, um nicht Dogmen zu sagen, zuletzt in den ṛgvedischen Hiraṇyagarbhas ohne Mühe und heiter auflösen, von dem der Seher, X, 121, 1, singt:

Hiraṇyagarbhaḥ samavartatāgre,

bhūtasya jātaḥ patir eka āsīt.

Als jüngsten Spross der langen Ahnenreihe hätten wir da in unseren Tagen RICHARD WAGNERS Rheingold zu begrüßen.

[116] An dem Orte, wo die Legende das Ereigniss stattfinden lässt, in einem Haine nahe dem Dorfe Luṃminī (cf. Bd. II, Anm. 237), hat Asoko unter anderem eine Denksäule errichten lassen, mit der Inschrift: »Hier wurde der Erhabene geboren.« Vergl. auch die plastischen Darstellungen der Szene, auf Ruinen aus Sārnāth etc. — Aehnlich im homerischen Hymnus auf die Geburt des Apollo, wo es, in der Uebersetzung GOETHES, v. 106–109 heißt:

. . . . es nahte Letos Entbindung.

Mit den Armen umschloss die Göttin den Palmbaum; die Füße

Stemmte sie gegen das Gras, die Erde lächelte. Mächtig

Sprang ans Licht der göttliche Sohn.

[117] Diese vier Göttersöhne, die Hüter der Weltgegenden Lokapālā, auch die »Vier großen Könige« Cattāro mahārājāno genannt, sind im Christenthum zu den heiligen Drei Königen aus dem Morgenlande geworden. Noch andere, spätere Beziehungen bei SEYDEL, Buddha-Legende, 2. Aufl. S. 35. Aber die älteste christliche Darstellung zeigt richtig Vier huldigende Könige, und zwar auf einem Fresko eingangs der Domitilla-Katakombe. Als dann in der Kirche einer der Könige, etwa der Dreifaltigkeit zuliebe, allmälig verschwunden war, sehn wir doch wieder Vier schützende Erzengel an den Seiten die Tradition unserer Vier großen Könige weiter erhalten: so eben noch in Rom auf einem musivischen Bilde links am Triumphbogen der Santa Maria Maggiore, auch im Sant’ Apollinare Nuovo zu Ravenna. Sogar die unbiblische Bartlosigkeit anderer sehr alter, antiker Magiertypen verdient einige Beachtung. Cf. DUCHESNE et BAYET, Mémoire sur une mission au Mont Athos, Paris 1876, p. 284–296, wo die Abbildungen nachgewiesen.

Noch bei der Königskrönung in der karolingischen Sage von Reinolt etc., ed. PFAFF v. 1201/03,

kamen vier engel von her oben

iglich in einer tuben wyß geflogen

und brachten, das man han solt.

[118] Im gleichen Sinne ist die Beata Maria Virgo in der Lauretanischen Litanei als »Mater purissima, Mater intemerata, Mater admirabilis, Vas spirituale, Domus aurea« gepriesen. Letzteres Bild wird zwar auf Lib. Reg. I [III], 6, 22 gedeutet, gehört aber dem Mahāmāyāsupinam des Avidūrenidānam zu, wo es dem kanakavimānam entspricht, yam pavisitvā... kucchim paviṭṭhasadiso ahosi bodhisatto: Jātakam vol. I, p. 50. — Die Vermittelung scheint über Mesopotamien erfolgt zu sein. »Omnino nulla fere ecclesia tam constanter et unanimiter anhamartesiam S. Mariae semper docuit, quam syriaca«, sagt BICKELL in seiner Ausgabe der Nisibena p. 29 und fügt p. 30 den zahlreichen ephraemitischen und anderen Sentenzen noch die Stimme eines folgenden Patriarchen hinzu, die gar deutlich dem Lalitavistaras nachklingt: »Si fuisset in anima Mariae ulla macula aut defectus, aliam utique, eamque immaculatam matrem elegisset sibi Dominus.«

[119] Diese mehr oder minder symbolische Taufe kommt bekanntlich schon in den Gṛhyasūtren vor, e. g. Gobhilas II, 8, 1, saśiraskaṃ kumāram āplāvya; sie reicht übrigens in praehistorische Zeiten hinauf. — Vergl. Iacobi Sarugensis, bei ZINGERLE S. 22 f., JESU Jordantaufe, »auch die Abgründe erbebten bei deinem Herabkommen, und die Wolken ergossen Wasser.« (JESU Epiphanie hat neuerdings JACOBY ausführlich besprochen. Ein bisher unbeachteter apokrypher Bericht über die Taufe Jesu, Straßburg 1902, namentlich S. 43 f.)

Ein ungemein schönes indo-baktrisches Hochrelief dieser Szene, ächt künstlerisch komponiert und ausgeführt, im Swāt-Gebiete gefunden, ist bei GRÜNWEDEL-BURGESS, Buddhist Art in India, London 1901, als No. 92 wiedergegeben. Noch andere bedeutende Momente, ähnlich ausgezeichnet behandelt, ib. No. 40, 65, 7. — Zur Sache: Lieder der Mönche S. 327 Anm. 2.

[120] Symbol der Königsmacht: lokajit, yasya chattraṃ sitam, wie es z. B. Ṛtusaṃhāram v. ult. heißt. Im Bhāgavatapurāṇam hält Hanumān diesen Schirm zuhäupten des siegreichen Rāmas IX. 10. 42., u. s. w., namentlich auf Inschriften alter wie neuer Zeit stereotyp. — Lies mit dem siam. Texte anuhīramāne, von harati; vorher sattapadavītihārena. Das sāptapadam weist vielleicht schon auf eine symbolische Darstellung der saptarṣayas (Sieben Weisen, Siebengestirn, Septemtrio maior) zurück; vergl. auch das traivikramam. — Der weiße Schirm, dem athenischen σκιρον parallel, ist im Christenthum zur weißen Taube geworden; wohl missverständlich, weil man das ursprüngliche Symbol nicht mehr zu deuten vermochte, śvetacchattram, den weißen Schirm, mit śvetacchadas, dem weißen Fittich, verwechselte.

[121] Quasi eine Illustration dieser Art ist es wohl, wenn man noch heute auf Zeilon, z. B. im Vidyodayapariveṇa, auf dem blumenbekränzten Altar eine krystallene Buddho-Statuette mit einem Lämpchen dahinter ein mildes und zugleich strahlendes Licht ringsumher verbreiten sieht.

[122] Der urasketenthümliche Abschluss dieser Rede, so außerordentlich in seinem tiefen Humor, möchte erstaunen lassen, wären wir eben nicht schon längst gewohnt der wunderbarsten Dinge, da gerade an unseren Texten des AUGUSTINUS feine Bemerkung, Civ. XXI. 4., sich oft bestätigt: »Quarum vero rerum ante nostros oculos cotidiana documenta versantur, non genere minus mirabili, sed ipsa assiduitate vilescunt, ita ut ex ipsa India, quae remota est pars orbis a nobis, desierimus nonnulla mirari, quae ad nos potuerunt miranda perduci.«

[123] Zu den Nackten Büßern cf. der 71. Rede letzte Anmerkung. Schon AUGUSTINUS hat diese Asketen — Ājīvikās, keine Digambarajainās — richtig beschrieben, Civ. XIV. 17. i. f.: »Per opacas quoque Indiae solitudines, cum quidam nudi philosophentur, unde gymnosophistae nominantur, adhibent tamen genitalibus tegmina, quibus per cetera membrorum carent.«

[124] Ebenso vom hundertjährigen APOLLONIOS VON TYANA berichtet, bei PHILOSTRAT Lib. I. cap. X. i. f., De mira eius castitate. Auch MAKARIOS, Homil. XV § 51, hat erklärt: Εισι δε τινες κρατουμενοι ὑπο θειας δυναμεως, ὁτι εαν ιδωσι τινα μετα γυμαικος νεον, οὑτοι ει και διαλογιζνται τκνα, ὁμως ου μιαινεται ὁ νους αυτων, ουτε δπιτελει ενον ἁμαρτιαν, während DOSITHEOS der Kilikier, das Haupt der Enkratiten, Apotaktiten und Eremiten, in einem lapidaren Satze, von MAKARIOS MG. ed. BLONDEL p. 151 überliefert, eigentlich und ehrlich Zweck und Ziel schon angegeben hatte: Δια μεν κοινωνιας ὁ κοσμος την αρχην εσχε· δια δε της εγκρατειας το τελος θελει θαβειν. — Vergl. noch ECKHART, p. 460: »Ez ist ein vrâge under den meistern, ob der mensche dâ zuo müge komen, daz er niht sünden müge in diesem lîbe? Die besten meister sprechent: jâ. Daz sult ir alsô verstân. Die liute hânt sich alsô durchüebet innen und ûzen, daz sie sich zuo keime gebresten geneigen mügent.«

[125] Nec vero saccum HILARION, quo semel amictus est, umquam aut lavit aut mutavit, cum supervacaneum esse diceret, munditias in cilicio quaerere: Breviar. Rom. d. XXI Oct. Pariter iam eiusdem magister, Actis Sanctorum Ian. t. II, 116, 48 ac 119, 66.

[126] Vergl. Nāradaparivrājakopaniṣat IV, 3: Na sambhāṣet striyaṃ kāṃcit | pūrvadṛṣṭāṃ ca na smaret | kathāṃ ca varjayet tāsāṃ | na paśyellikhitām api. — BONAVENTURA, Vita S. Francisci cap. V.: Mulierum familiaritates, colloquia et aspectus, quae multis occasio sunt ruinae, sollicitius evitari iubebat, asserens, per huiusmodi debilem frangi et fortem saepe spiritum infirmari.

[127] Cf. SOZOMENI lib. I cap. 13, De S. ANTONIO in AASS l. c. 119, 64 i. f.: Litteras neque novit neque magni aestimavit; sed puram mentem, utpote litteris antiquiorem et earum inventricem, laudavit plurimum. — Vergl. noch die Ablehnung und endlich nur durch das stille Beispiel gewährte Aufnahme, die PAULUS SIMPLICISSIMUS als beharrlicher Antonianer schweigsam nachfolgend gefunden, l. c. 147–148.

[128] zu gaddu Gurgel, Kehle cf. Anmerk. 7; von √gard = γαργαρειν. Gaddūhanamattam pi dann gelegentlich schlechthin ein Ausdruck für »auch noch so gering«. An dadrughnādi, TRENCKNER, Pāli Miscellany p. 59, ist nicht zu denken.

[129] Ein Leben wie Bakkulo hat der aegyptische PAULOS, »Eremitarum auctor et magister«, wie ihn die christliche Kirche zu rühmen beliebt, bis zu seinem Tode, im Alter von hundertdreizehn Jahren, geführt: und gleichwie Bakkulo dem Kassapo hat er es, am letzten Tage vom neunzigjährigen ANTONIOS aufgesucht, diesem noch berichtet. Der heitere Abschied unseres Bakkulo hat gleichsam eine Gegenstrophe im säligen Scheidegruß der aegyptischen MARIA, nach vierzigjähriger Buße, der sie treu in Wüsten blieb, von ihr im Sande niedergeschrieben, wie GOETHE sie nach den Acta Sanctorum (Apr. I, 82, 38) gegen Ende des Faust bekennen lässt; während ein anderer achtzigjähriger Meister, MICHELANGELO in einem Briefe an VASARI uns das alte, ächt solonische Motiv dazu insofern leichter verstehn lehrt, wenn er die festliche Feier einer Geburt nicht eher und nicht anders begangen haben will als »con quella allegrezza che s’à a serbare alla morte di chi è ben vissuto.«

Die unbeugsame Stärke bakkulischer und verwandter Geister mahnt allenthalben an die Gestalten der älteren Thebais: so deutlich, dass der letzteren historische Ahnen weiter als in Jerusalem aufgesucht werden möchten. Eine in den Acta Sanctorum vom 17. Jan. De S. ANTONIO Magno fol. 113 § 7 i. f. beigebrachte Bemerkung des IOANNES DAMASCENUS, der Ruhm der aegyptischen Eremiten sei bis an die Gränzen der Erde gedrungen, »ipsisque didita Indis esset, eos quoque ad eiusdem (sc. monasticae) vitae studium excitavit«, erheitert zunächst durch die ungeahnte Heuristik des biederen Kirchenvaters, dient aber sodann uns drüben stehenden als fein richtig weisender chrysorrhoischer Index. Namentlich nun sind es die mancherlei makarischen Denkmale, die immer wieder ihre indische Abstammung anzeigen. Die Ausgabe von PRITIUS bietet eine Hülle und Fülle der schönsten Beispiele. Hier folge als kürzeres Musterstück ein parabolischer Dialog, den man bei FLOSS p. 63 findet. »Frater convenit abbatem Macarium Aegyptium, cui: Abba, inquit, effare mihi verbum, quonam modo salvus ero? Ait senex: Vade in sepulchrum et maledictis mortuos impete. Abiens igitur frater eos conviciis et lapidibus appetiit, reversusque annuntiavit seni. Qui ab eo quaerit: Nihilne tibi responderunt? Frater: Nihil. Tum senex: Iterum, inquit, proficiscere cras, laudibus eos effer. Pergens itaque frater collaudavit eos vocans: Apostoli, sancti, iusti. Tum adiit senem dixitque: Laudavi. Qui: Nihilne, inquit, tibi responderunt? Frater: Nihil. Tunc senex infit: Nosti, quantis eos contumeliis affeceris, nec quidquam responderunt tibi, et quantis eosdem laudibus ornaveris, nihilque ad te prolocuti sunt: ita etiam tu, si salutem consequi desideras, mortuus fias, nec iniurias hominum nec laudes eorum cogites instar mortuorum; sic enim poteris salvus fieri.« Diese Thebais konnte nun freilich keine längere Blüthe erleben, und es folgte, wie eben überall, rascher Verfall, Auflösung, Umwandlung, abusus optimi als pessimus, auf den Helden und Heros der Zelot und Hesychiast, der Monk of Misrule, Abbot of Unreason und eine »affenheit« anstelle der »wîsheit«; oder um zur makarischen Parabel den speziellen Beleg zu liefern, die jesuitische Lehre vom Gehorsam perinde ac si cadaver. — Hier hinken manche Pfaffen an, sagt Meister ECKHART.

Die erstaunliche Rüstigkeit unseres Bakkulo, der von keinerlei Krankheit wusste, wie oben S. 254 gesagt, ist später sprichwörtlich geworden, im Aṉguttaranikāyo I, 14, 4, 8 bestätigt, wo er der gesündeste aller Jünger geheißen wird. Sein Andenken, zwar nur mehr der Name, ist noch im Lalitavistaras I im Anf. erhalten.

[130] Der selbe Gedanke oft im MAKARIOS, e. g. Homil. XVII § 3 & XV § 41–42, XXVII § 20.

[131] Aggivessano ist Aciravatos nomen patronymicum, der Zuname.

Der auf S. 259 und sonst, wie z. B. im 1. Bande S. 142, 313 etc., im 2. Bande S. 503 etc., mit unübertrefflicher Prägnanz geschilderten indischen Landschaft darf die ebenso rein anschaulich stilisierte Landschaft RUISDAELS als nahe verwandtes Kunstwerk verglichen werden.

Eine Art Auszug der großen Elephantenperipetie, oben S. 261–267, giebt Vers 320–324 des Dhammapadam. Cf. auch die anderen Elephantenparabeln, wie z. B. in der 61. u. 66., 27. u. 28. Rede. Das Muster der letzteren ist, nebenbei bemerkt, wörtlich in das Mahābhāratam aufgenommen worden, XII, 63, 25: Yathā hastipade padāni saṃlīyante sarvasattvodbhavāni, evaṃ dharmān rājadharmeṣu sarvān etc.

Zum Gleichnisse von den gebändigten und den ungebändigten Rossen, S. 258, cf. DIOG. LAERT. II, 69: Ερωτηθεις (Αριστιππος), τινι διαφερουσιν οἱ πεπαιδευμενοι των απαιδευτον, εφη· Ὡσπερ οἱ δεδαμασμενοι ἱπποι των αδαμαστον. Schon SOKRATES, im Gorgias p. 516: Ουκουν οἱ γε δικαιοι ἡμεροι, ὡς εφη Ὁμηρος. Aber geradezu emblematisch genau, bis in die Einzelheiten entsprechend, ist es im unerschöpflichen MAKARIOS wiederzufinden, als Thema seiner 23. Homilie, § 2–3.

Ueber die Bedeutung von saṉkhalikhitam »Punkt für Punkt«, S. 264, hat neuerdings LUDWIG in der Wiener Zeitschr. f. d. Kunde des Morgenl. Bd. 15 S. 307–310 geschrieben. Seine durch eine Glosse des Viśvalocanas angeregte, recht moderne Ableitung von śaṉkhas, dem Schläfenschwibbogen, ist nicht ohne Geist, doch bei dem hohen Alter des überlieferten brahmacariyaṃ saṉkhalikhitam unhaltbar. Eine mögliche Etymologie findet man Ende der 48. Rede Anmerk. 36, Lieder der Mönche S. 336: wahrscheinlich wird aber die in der 3. Anmerkung des 2. Bandes gegebene besser begründet sein. — Als letzten Ausläufer des saṉkhalikhitam kann man das Muschelabzeichen auch noch unserer heutigen Wallfahrer betrachten: ein längst vergessenes Symbol strenger Asketenschaft, das auf die jakobitischen Mönche des 6. Jahrh. und daher wohl auf ihren Stifter IAKOBOS ZANZALOS zurückreicht, der als Eremit in der Fetzenkutte Syrien durchzogen und viele Jünger hinterlassen hatte, Nachfolger in Aegypten, Arabien, Persien bis in die Zeiten der Kreuzzüge; woher dann endlich jenes ursprünglich indische, auf den ältesten Skulpturen schon dargestellte Büßerwappen, freilich arg verkannt, uns überkommen ist. Noch im 17. Jahrh. sind übrigens unter den »Muschelträgern« an sich die »Jakobsbrüder« verstanden worden, so im Simplicissimus; während es im Tasso, vorletzter Auftritt, mehr allgemein anschaulich heißt:

Die Pilgermuschel und den schwarzen Kittel,

Den langen Stab erwählst du dir und gehst

Freiwillig arm dahin.

cf. auch Hamlet IV. 5, 25 f.

By his cockle hat and staff

And his sandal shoon.

[132] Von der Hoffnung im weiteren Sinne handelt die 131.-134. Rede. Gegensatz: Chāndogyopaniṣat VII, 14, 2: āśayāsya sarve kāmāḥ samṛdhyanti, amoghā hāsyāśiṣo bhavanti. — THALES: Τι κοινοτατον; ελπις· και γαρ οἱς αλλο μηθεν, αὑτη παρεστι. LUCANUS II, 15: Liceat sperare timenti SHAKESPEARE: The miserable have no other medicine, But only hope: Measure for Measure III, 1.

Anacchariyam »unzweifelhaft«, »unerstaunlich«, hat mir HIKKAḌUWE SUMAṈGALA recht hübsch als thokam abbhutam erklärt, SUBHŪTI dagegen künstlich gezwungen als an-uccāriyam. — Das nur im Pāli, und auch da nur in einigen Reden erhaltene Wort assutapubbam »nie zuvor gehört« hat dem Dichter Bāṇas gar sehr gefallen, so dass er es in sein Harṣacaritam als aśrutapūrvatvam aufgenommen. Cf. Anm. 51.

[133] Die selbe Gepflogenheit im Umgang mit Menschen von griechischen Weisen oft empfohlen; so von SOLON: Σφραγιζε τουζ μεν λογους σιγῃ. Desgleichen sehr schön von MAKARIOS: Ὁ νεν γαρ σιγων ωφελει, Apophthegm. ed. PRITIUS p. 235. Auch von S. FRANCESCO als Evangelicum silentium der Brüder, »ut videlicet ab omni otioso verbo omni tempore abstinerent sollicite«, wie BONAVENTURA im 5. Kapitel der Vita berichtet. — Cf. Anm. 212.

[134] Cf. Bd. II, Anm. 14; Maṇḍalabrāhmaṇopaniṣat II, 4 i. f.: sarvaṃ jagad ātmatvena paśyaṃs tyaktāhaṉkāro brahmāham asmīti cintayann, idaṃ sarvaṃ yad ayam ātmeti bhāvayan, kṛtakṛtyo bhavati. Kurz als Monogramm: sarvatrātmaiveti paśyanti, Bhikṣukop. i. f. — Unter den heiligen Anachoreten der Bergschluchten, in Wald, Fels, Einöde gebirgauf vertheilt, gelagert zwischen Klüften, ertönt aus der tiefen Region des Pater profundus durch seine innig umfassende Naturerschauung zu Beginn der letzten Szene des Faust ein gleicher Vorklang empor:

So ist es die allmächtige Liebe,

Die Alles bildet, Alles hegt.

[135] Cf. Chāndogyopaniṣat III, 11, 6: imām adbhiḥ parigṛhītāṃ dhanasya pūrṇām. Eine gleiche Zonognosie bekanntlich in der Ilias und in der Edda.

[136] altvedisches Gleichniss, e. g. im Ṛk IV, 45, 4; cf. GELDNER in PISCHELS Vedischen Studien 2. Bd. S. 180.

[137] einer der drei begleitenden Mönche, mit welchen Anuruddho, wie eingangs erwähnt, selbviert geladen war.

[138] Hiermit vergl. man die ähnlich gesteigerten, immer sublimierter, immer reinlicher befriedigenden Begriffe des sokratischen Eros, im Symposion des PLATON p. 210–212.

[139] Vergl. Theragāthā 927, Yogacūḍāmaṇyupaniṣat v. 80 ͠= Theaitetos p. 144.

[140] Vergl. Bd. 2, Anm. 70 über das Kevaṭṭasuttantam. Auch die verwandte Tripādvibhūtimahānārāyaṇopaniṣat VI i. f., wo der upāsakas immer höhere Gegenden ersteigend, immer höhere Kreise und Himmel erkundend endlich den Ādinārāyaṇas antrifft, von ihm begrüßt wird »Du bist Brahmā: ich bin Brahmā« — worauf dieser verschwindet und er selbst sich seiner bewusst ist. Ebenso ECKHARTS Darstellung des „Klimmenden Geistes“, p. 275, und den Gang in den eigenen Grund, wo der Mensch einig geworden als vor tausend Jahren und als nach tausend Jahren und als im Nu verkehren und mitwirken mag: »unt daz ist wîsen liuten ze wizzene unde groben ze gloubenne«, p. 189–190. — Vergl. schon das altvedische Aufsteigen zum Sonnenrade, e. g. S̀atapathabrāhm. I, 9, 3, 15: und wiederum ECKHARTS Fliegen an das Rad der »gewâren sunnen«, p. 303.

Zum Gleichnisse von der hell brennenden Oellampe cf. Triśikhibrāhmaṇopaniṣat v. 157: nivātadīpasadṛśaḥ und ein Scholion zu Maitryupaniṣat VI i. m.: nirvātadeśasthapradīpaśikhāvadacalatayā’vasthānaṃ samādhiḥ. Aehnlich noch Maṇḍalabrāhmaṇopaniṣat II, 3 im Anf. (cf. Anm. 198), Yogatattvop. II, 4, Bhagavadgītā VI, 19, etc. Auch MAKARIOS, bei FLOSS p. 197: »Sicut lampas splendida in loco tenebroso... sic monachus perfectus in sobrietate et castitate« etc. — Form und Technik der indischen Lampe entspricht genau der griechischen. Von der antiken bis zur modernen Welt hat man die Metapher der Lampe immer gern gebraucht; auch in anderer Gestalt, z. B. in der 43., bez. 146. Rede unserer Sammlung, ferner in den Liedern der Mönche v. 906, der Nonnen v. 116, woselbst weitere Belege angemerkt sind. Wie beliebt solche Gleichnisse in Rom gewesen sein müssen erhellt aus dem 30. Briefe SENECAS, wo er haec non tamquam nova, sed tamquam in rem praesentem perductus mit Wohlgefallen anführt, indem er, ganz wie Lieder der Mönche v. 702, das schöne Bild entwickelt: »Ignis qui valentem materiam occupavit aqua et interdum ruina extinguendus est; ille qui alimentis deficitur sua sponte subsidit.« Vergl. auch das Testament EPHRAEMS im Anf. Aus neueren Zeiten seien hier noch zwei Stellen aus den Relations de la mort de quelques réligieux de l’abbaye de la Trappe, Paris 1702, I. p. 171 u. II. p. 227 gegeben, wo es vom abbé DE CHASTILLON heißt »il cessa de vivre comme une lampe qui s’éteint et qui cesse d’éclairer«, und vom frère ACHILLES »on le voioit diminuer de jour en jour et s’éteindre, pour ainsi dire, comme une lampe qui manque d’huile.«

[141] »Krieget man mit mir und ich gibe ime als vil worte wider, daz er geswîgen muoz, sô hân ich niht überwunden, sô bin ich überwunden. Aber geswîgen ich von rehter diemüetikeit, sô hân ich überwunden. Mit überwindenne ist man überwunden, überwunden bliben hêt man überwunden.« ECKHART, p. 639. — Zum ersten Verse cf. PERSIUS V, 52–53:

Mille hominum species et rerum discolor usus:

Velle suum cuique est, nec voto vivitur uno.

[142] Bālakaloṇakāragāmo.

[143] Aehnlich hat das altlombardische Rittergeschlecht der TRIVULZIO drei Gesichter, tre volti, im Wappen mit der Legende mens unica. Bemerkenswerth noch, wenn auch vielleicht hyperbolisch, ist was CELANO in seiner Vita S. Francisci, I, 8, genau so von den ursprünglichen Clarissinen berichtet: Praecipue namque ante omnia in eis viget virtus mutuae ac continuae charitatis, quae ita ipsarum in unum copulat voluntates, ut cum quadraginta vel quinquaginta pariter alicubi morentur, idem velle ac idem nolle unum in eis spiritum faciat de diversis. Der eigenen Einsicht aber sei endlich der ausführlichere, wundervolle Bericht über unsere Fünf Gottesfreunde vom Oberlande, um 1370, empfohlen, der wohl das innigste, zarteste, feinste Gegenstück zu den Anuruddhern darbietet und in solcher Vollkommenheit ohnegleichen dasteht: bei PREGER, Gesch. der deutsch. Mystik Bd. III, S. 364–367.

[144] Cf. CELANO, l. c. 17: Dicebat enim (fratribus) eis ipse beatus pater, veram obedientiam fore non solum prolatam sed excogitatam, non solum imperatam sed desideratam; hoc est, si frater fratris praelati subditus non solum audiat vocem, sed comprehendat voluntatem, statim ad obedientiam totum se debet colligere ac facere quod eum velle signo aliquo comprehendet. Bald darauf berichtet er weiter: Sic enim eos repleverat sancta simplicitas, sic eos cordis puritas possidebat, ut duplicitatem animi penitus ignorarent; quia sicut una fides, ita unus spiritus erat in eis, una voluntas, una charitas, animorum cohaerentia, semper morum concordia, virtutum cultus, conformitas mentis, et pacis actionum. Ebenso auch schon MAKARIOS, in der III. Homilie: Οφειλουσιν ουν οἱ αδελφοι, ει τι ποιουσι, εν αγαπῃ και χαρᾳ ειναι μετ’ αλληλων, κτλ.

[145] dassanañ ca rūpānam: rūpam = ειδος, Bild, Form, Umriss; cf. BÖTHLINGK-ROTH 1s. v. 1e. Es ist eine geistige Wahrnehmung der Grundbegriffe, d. i. der Urbilder der Dinge.

[146] Wie einst ist auch heute noch schatzgraben in manchen Gegenden, z. B. an den alten, längst unter Wüstensand verschütteten, ehedem so blühenden gräko-buddhistischen Kulturstätten im Taklamakan des östlichen Turkestan gebräuchlich und zuweilen recht ergiebig. Cf. HOERNLES interessante Belege in seinen Antiquities from Central Asia, Journ. As. Soc. Bengal. Extra No. 1, 1899, p. XXVII.

[147] Zum Anblick der Umrisse, der geistigen Wahrnehmung der Urbilder der Dinge, S. 297–303, cf. PLATONS Ideenlehre; sowie Fausts Abstieg in den allertiefsten Grund, zur Gestaltung und Umgestaltung bei den Müttern (Mahāmātaras, Lokamātaras, Μεγαλαι θεαι, Matres materiae; Magna Mater, Mater deum Aestiorum, Nerthus, Nornen); dann Tao-te-king Kap. 21. — Vergl. auch die spätere Darstellung der Mütter in den Felsenhöhlen der Tempel, Ruinen und Torsi, so zu Elurā.

Es mag nebenher angemerkt sein, dass recht eigentlich hier das nachspürende, aufschürfende, sehr allmälig vordringende Verständniss jüngerer Epochen indischer Architektur und Skulptur, der autochthonen Meisterwerke, — der Dutzenddurchschnitt und die barbarisch, d. i. fremdartig, persisch oder griechisch oder chinesisch behandelte Schablone verdient nur kulturhistorische Betrachtung — einfahren und anbohren muss: weil eben zumal der indische Künstler geheimnissvoll wie die Natur einzig von innen nach außen geschaffen, gebildet, gestaltet hat und so bei all dem Ueberflusse und der unendlichen Fülle noch immer großartig, ja erhaben zu wirken vermag; und nun trotz der scheinbaren Regellosigkeit, die den erstaunten Gast oft wie bei REMBRANDT befremden wird, wirklich doch eine höhere Einheit und Ordnung erreicht ist. Aber wenn man große Maler ohne Anschauung der Originale kaum verstehn lernen, wenn man sich Pyramiden und Amenophien durch Bilder oder Modelle schwerlich gut vorstellen kann, viel weniger erst die Art und Wirkung jener hindustanischen Denkmale, die gar tief gegründet in der heimischen Erde wurzeln, aus dem Schooße ihrer Felsenklüfte und -grüfte emporgewachsen, hinangewölbt, so zu sagen aus dem Reiche der indischen Mütter an den Tag hervorgestiegen scheinen. Immerhin einen mächtigen Kontrast zur Wirkung dieser Architektur bieten unsere gothischen Dome, in Straßburg, Rheims, in Mailand, Toledo etc., deren felsige Gestalt bekanntlich als freie Weiterentwickelung des hindustanischen Grottenstils anzusehn, uns in Europa von den Arabern und Mauren maskiert übermittelt worden ist. Denn wo der Islam dabei irgend selbständig zuwerke gehn wollte, hat er lediglich zierlich nette Kleinschmiedearbeit zustande gebracht, nicht mehr und nicht weniger, selbst in den ungeheueren Dimensionen der mogulischen Moscheen und Mausoleen zu Delhi und Agra: während schon der erste beste gewöhnliche indische oder gothische Thurm unser Gemüth bedeutsam wie die Natur anspricht, als ein Monolith vor dem Altar der Gabenmutter Demeter oder der unerschöpflich reichen Diana der Epheser. Wenn also SCHOPENHAUER die, freilich zu seiner Zeit ganz unzulänglich gekannte, hindustanische Skulptur als bloß symbolisch bezeichnet hat, so wäre hier eben bei »des Lebens Bildern, regsam, ohne Leben«, wo »Alles Melodie wird« und Säulenschaft und Triglyphe klingen, vielleicht noch eine höhere, fast unbeschreibliche Aussicht und Einsicht erreichbar und etwa der Erinnerung zu gedenken:

Alles Vergängliche

Ist nur ein Gleichniss.

[148] Vergl. BAKCHYLIDES, Theseus v. 42–45: δικας αδικοισιν οφρα μησεται — παντ’ εν τῳ δολιχῳ χρονῳ τελειται. Auch Hamlet I, 5, 10–22; namentlich die der Schlussfolge obiger Absätze merkwürdig entsprechende Stelle:

. . . . . . confined to fast in fires,

Till the foul crimes done in my days of nature

Are burnt and purg’d away.

[149] Die Opferpriester gefräßigen Hunden vergleichen ist nicht etwa ironische Erfindung unserer Texte, vielmehr schon im 12. Kapitel des 1. Buches der Chāndogyopaniṣat mit dramatischem Humor dargestellt, ganz analog der kostbaren Szene in des ARISTOPHANES Eirene v. 1043 ff., wann der Mantis Hierokles κατα την κνισαν εισεληλυθεν.

[150] Vergl. Chāndogyopaniṣat V, 10, 8 die kṣudrāṇi bhūtāni und ihr jāyasva mriyasvetyetattṛtīyaṃ sthānam.

[151] Vergl. die kuṇimāhāraneraiyā der Jainās, wie Aupapātikasūtre § 56; wo auch, beiläufig gesagt, unser Cūḷasīlam neben anderem sorgsam rezipiert erscheint.

[152] Dieser Kampf ums Dasein ist schon im Vedas erkannt worden, S̀atapathabrāhmaṇam I, 8, 1, 3. — Das Gleichniss von der Schildkröte und der Reuse scheint das Original zu jener mühsäligen, kaum verständlichen Parabel vom Kameel und dem Nadelöhr abzugeben, wie DE LORENZO in der Flegrea vom 5. Juni 1901 S. 410 f. des näheren ausführt. Doch was nach indischer Anschauung unschwer begreiflich, ist, durch diverse Medien und Metamorphosen mehr und mehr verdunkelt, im N. T. endlich zu einer Art Hieroglyphe geworden, mit der die Exegese, die sogar einen vikarierenden Elephanten aufgefunden, nicht fertig werden konnte, da ihr eben die ursprüngliche, in der Natur begründete, wenn auch hyperbolische Eikasie unseres Gleichnisses nicht zugänglich war; daher denn auch der sinnige MAKARIOS MG. es vorgezogen hat, καμηλος von καμειν abzuleiten und auf die πενια zu beziehen, ed. BLONDEL p. 58/59. Aber in einem der ältesten christlichen Briefe und zwar des BARNABAS, den freilich die Kirchentyrannis gerade seiner unzweideutig überirdischen Gesinnung wegen infam wie PETRUS verleugnet, findet man unsere obige Anschauung unvertrübt wieder, ohne Möglichkeit zu opportunem Missverstehn und theokratischer Umwerthung, in der Mitte des X. Kapitels, wo BARNABAS die Schlechten und Frevler den Polypen und anderen Thieren der Seetiefe vergleicht, ὡς και ταυτα τα ιχθυδια μονα επικαταρατα εν τῳ βυθῳ νηχεται, μη κολυμβωντα ὡς τα λοιπα, αλλ’ εν τῃ γῃ κατω του βυθου κατοικει. — Noch mag hier bemerkt sein, dass bei VERGIL, wann er den ατερπεα χωρον des EMPEDOKLES abbildet, die Stelle von der Schwierigkeit zum Menschenthum zu gelangen wiederkehrt, Aen. VI, 703–751. Bis in die Gegenwart hat sich im Volke ein solches, man möchte sagen metaphysische Gefühl hie und da erhalten. »Ziemlich verbreitet«, erzählt uns z. B. VERNALEKEN in seinen Mythen und Bräuchen des Volkes in Oesterreich S. 119 f., »ist in Steiermark die Meinung, dass die Soldaten nicht in den Himmel kämen, sondern die ‚grüne Wiese‘ zu ihrem Sammelplatz hätten. Dort auf der ‚grünen Wiese‘ harren sie, bis der Tag kommt, an welchem sie in der Welt wieder erscheinen werden.« Diese grüne Wiese nun gleicht aber mehr noch als den prata der Aeneis dem ασφοδελος λειμων der Odyssee, und dieser wiederum mehr dem heillos tiefen Sacer Oceanus, aus dem die uralte Schildkröte aufsteigt. Eine wunderbare Ahnung darum hat unseren WOLFRAM, im Titurel Str. 166, von »jâmersôten« reden lassen, nachdem er, Str. 120, das Gleichniss gegeben:

Ez ’n wart ûf mer geworfen ûz kocken noch ûz kiele

nie anker alsô swaere der ze tal durch wâc sô tiefe geviele,

als mîn herze in jâmer ist versenket.

[153] Genau entsprechend sagt SOKRATES, im Gorgias p. 522: Πολλων γαρ αδικηματων γεμοντα την εις Ἁιδου αφικεσθαι παντων εσχατον κακων εστιν.

[154] Ist das ευ ακουειν PINDARS. 1. Pythionike i. f., 4. Isthmionike v. 13: das bene audire, der gute Ruf; oder wie unser HARTMANN den Îwein gar schön eröffnet:

Swer an rehte güete

Wendet sîn gemüete,

Dem volget saelde unde êre.

Vergl. die 60. u. 76. Rede und Dhammapadam v. 1–2.

[155] Es ist, wie im Brahmāyusuttam p. 514, zu lesen: tass’ imāni satta ratanāni bhavanti, seyyathīdamādi. Die spectamina munditiae gehören in den Kommentar, der, wie gewöhnlich, manches missverstanden, manches recht volksthümlich weiter ausgeführt hat. Diesem entspricht denn auch ihre Darstellung im Relief, so zu Amarāvati, vorbuddhaghosisch.

[156] Vergl. der Smṛti Urbild: abhibhavati nṛpaḥ sarvabhūtāni tejasā, wie Manus VII, 5 etc. Auch das homerische Seitenstück, Od. II, 230/31: προφρων αγανος και ηπιος εστω σκηπτουχοσ βασιλευς, φρεσιν αισιμα ειδως. Dann des PLINIUS Glückwunsch an TRAIAN zur Thronbesteigung: Fortem te et hilarem, imperator optime, et privatim et publice opto; sowie das Ideal im Rolandslied, v. 531/33:

l’emperere est ber:

tant nel vus sai ne preisier ne loer,

que plus n’i ait d’onur e de bontet.

[157] Vergl. Bd. 2, S. 405, 470, 517. Zur antiken Auffassung der Gesundheit als einer gleichmäßigen Kräfte- und Säftemischung ist bekanntlich die neueste Medizin wiederzurückgekehrt. — Aehnlich hat SHAKESPEARE, Julius Caesar i. f., Brutus preisen lassen:

His life was gentle, and the elements

So mix’d in him that Nature might stand up

And say to all the world: This was a man.

Imgleichen hat er, als höchstes Lob Horatios, blood and judgment well commingled, Hamlet III, 2, 74; während SIMONIDES den ganzen Begriff anmuthig epigraphiert, fragm. 116:

ουδε καλας σοφιας εστιν φαρις,

ει μη τις εχει σεμναν ὑγιειαν.

[158] Der viermächtige Heerbann, caturaṉginī senā, das caturaṉgam balam der Smṛti, stellt die gesammte Kriegsmacht, und zwar Wagen-, Elephanten-, Reiter- und Fußtruppen dar: ist in der Skulptur mit Vorliebe, besonders gelungen und oft prachtvoll zu Amarāvati, behandelt; und wie bei unserem ALEXANDER, ATTILA, NAPOLEON auch in Indien selbstverständliches Attribut des Erderoberers, von der mythischen Larve des Naciketās bis zur historischen Person Asokos. Purāṇischer Ueberlieferung entstammt es, dass der Titel cakkavattī populär geworden und noch heute nicht selten als cognomen erscheint, eben wie bei uns der Name »Kaiser«. — Hier sei noch eine andere Eigenheit eines cakkavattī besser untersucht, zu Bd. 2, 1. Aufl. S. 520. Bei der Wiedergabe von jālahatthapādo war ich unvorsichtig genug einmal einer kommentariellen Tradition gefolgt, die von den fein verschlungenen Linien der Hand- und Fußflächen redet und sie einem Filigrangeflechte ähnlich beschreibt. In Wahrheit aber müssen auch hier die scholastischen Interpreten abgewiesen und die klassischen Texte zur Erklärung herangezogen werden. In der ersten Hälfte des letzten Aktes der S̀akuntalā wird nämlich unser obiges Merkmal eines dhammarājā oder cakkavattī richtig und naturgemäß der aufblühenden Lotusknospe verglichen, wo die aufstrebenden schlanken Blätter den Fingern und die unten zusammenhaltenden Blatthäutchen der Bindehaut am Ursprung der Finger entsprechen. Bei wem sich ein solches Merkmal vollkommen schön entwickelt zeigt, der mag, nach indischer Idealphysiognomik, die Laufbahn eines Welteroberers oder aber eines Weltüberwinders vollenden. So ruft denn der König, als er seines noch unerkannten, löwenwürgenden Heldenknaben emporgestreckte Hand mit der rosig durchsichtigen Bindehaut zwischen den Fingern wahrgenommen, freudig erregt aus: kathaṃ, cakravartilakṣaṇam apy anena dhāryate, tathā hy asya

pralobhyavastupraṇayaprasārito

vibhāti jālagrathitāṉguliḥ karaḥ,

alakṣyapatrāntaram iddharāgayā

navoṣasā bhinnam ivaikapaṉkajam.

Jālahatthapādo kho pana so bhavaṃ Gotamo heißt daher: »Eine Bindehaut aber an Händen und Füßen hat er, der Herr Gotamo.« — Vergl. noch die als Ausnahme einmal gute Parallele im VII. Kapitel des Lalitavistaras: jālāṉgulihastapādaḥ.

Die zweiunddreißig Merkmale eines großen Mannes, die unsere Texte angeben, theilen übrigens eine Reihe mehr oder minder gleichartiger und auch gegensätzlicher Kennzeichen mit dreißig Merkmalen SAN FRANCESCOS, die CELANO in seiner Vita I cap. 29 i. f. autoptisch überliefert: Facundissimus homo (1), facie hilaris (2), vultu benignus (3), immunis ignaviae (4), insolentiae expers (5), statura mediocris parvitati vicinior (6), caput mediocre ac rotundum (7), facies utcumque oblonga et protensa (8), frons plana et parva (9), mediocres oculi nigri et simplices (10), fusci capilli (11), supercilia recta (12), nasus aequalis subtilis et rectus (13), aures erectae sed parvae (14), tempora plana (15), lingua placabilis ignea et acuta (16), vox vehemens dulcis clara atque sonora (17), dentes coniuncti aequales et albi (18), modica labia atque subtilia (19), barba nigra pilis non plene respersa (20), collum subtile (21), humeri recti (22), brevia brachia (23), tenues manus (24), digiti longi (25), ungues producti (26), crura subtilia (27), parvuli pedes (28), tenuis cutis (29), caro paucissima (30).

[159] Cf. die Parallele in der Bṛhadāraṇyakopaniṣat IV, 3, 32–39: Sa yo manuṣyānāṃ rāddhaḥ samṛddho bhavatyanyeṣām adhipatiḥ, sarvair mānuṣyakair bhogaiḥ saṃpannatamaḥ, sādi. — MERSWIN, Neun Felsen, p. 120.

Zu der, wie oben ausgeführt, kaum gleichnissweise andeutbaren Art der Extreme des Daseins mögen hier einige Worte von ROBERT L’ORANGE mitgetheilt sein: »Was würde dieser (Philosoph) sagen, wenn man ihn an einen Ort versetzte, wo allen Sinnen dauernd nur Abscheuliches und obendrein dem Geiste lauter Widersprüche, Undinge, Wahnsinnsvorstellungen dargeboten würden? Und was würde er anderseits sagen, wenn man ihn an einen Ort versetzte, wo allen Sinnen dauernd nur Erfreuliches dargeboten würde und obendrein dem Geiste das, was er sieht, harmonisch, verständlich erschiene? Dass beide Orte existieren, daran dürfen wir nicht zweifeln, nach so vielen, zum Theil wörtlich übereinstimmenden, unabhängigen Zeugnissen glaubwürdiger Menschen — zumal kein Grund a priori dagegen spricht.« Er fügte dann noch hinzu: »Vergleiche übrigens die Worte JAKOB BÖHMES: Wenn alle Berge Bücher wären und alle Seen Tinte und alle Bäume Schreibfedern: noch wäre es nicht genug, um all den Schmerz zu beschreiben.« Indischer Prägnanz in grässlicher Nāśa-Nekadologie zunächstgekommen ist freilich AISCHYLOS mit seinem απεραντος ταρταρος und απεραντον ηικτυον ατης, Prom. 153, 1078. Beide Orte werden von MAKARIOS wundervoll tief dahin ausgelegt, ει ουν ἡ καρδια βαθος τι εχει απεραντον, εκει τρικλινοι και κοιτωνες, θυραι και προθυρα, και διακονιαι πολλαι και διεξοδοι· εκει εστι το εργαστηριον της δικαιοσυνης και αδικιας· εκει εστιν ὁ θανατος, εκει εστιν ἡ ζωη· εκει εστιν ἡ αγαθη εμπορια και ἡ εναντα: Homil. XV § 32 fine, XLIII § 8; ein vollkommen indischer Kommentar zu dem Spruche cittaṃ kāraṇam arthānāṃ | tasmintsati jagattrayaṃ | tasmin kṣīṇe jagatkṣīṇaṃ | taccikitsyaṃ prayatnataḥ |: Yogaśikhopaniṣat VI, 59.

[160] Der Weise, paṇḍito, ist hier als der Kluge nach der Seite möglicher Zuträglichkeit, wie vorher bālo, der Thor, pariyāyena entwickelt. — Zum Gleichniss vom Würfelspiele cf. die 60. Rede S. 104–115, Lieder der Mönche v. 462; Chāndogyopaniṣat IV, 1. u. 3. Kapitel. Dieses drastische Bild hat denn auch Asoko wiederholt dargestellt, namentlich auf dem IX. Felsenedikt i. f.: Tato ubhayasa ladhaṃ bhoti, iha ca so aṭho paratra ca anaṃtaṃ puñaṃ prasavati tena dharma[ma]ṃgalena. Item: XI., XIII. Felsened., III. Säulenedikt. — In der gräko-italischen Kultur ist das Gleichniss nicht minder beliebt gewesen, von EPICHARMOS, frgm. v. 280 κυβους απο τυχας βαλειν, bis auf CÄSARS »Iacta alea est« herab. Weitere interessante Nachweise findet man in den Adagia des ERASMUS s. v. alea, und in SCHRADERS Reallexikon der indogerm. Alterthumskunde s. v. Spiele. Die selbe, bei uns weniger gebrauchte Metapher vom großen Wurfe hat SCHILLER angewandt, in der Ode an die Freude. In neuerer Zeit ist dafür das große Loos und der Haupttreffer, schon bei JEAN PAUL zu begegnen, volksthümlich geworden. Vergl. auch PASCALS »Il faut parier«, Pensées II, 3, 5.

Es verdient Beachtung, dass die Todesstrafe, von der oben S. 309 und besonders wichtig im zweiten Bande S. 434 die Rede ist, auch in Indien für schwere Vergehn stets allgemein üblich gewesen. Nicht als ob man sich etwa zu wundern hätte, den milden Hindu, wie man gern spöttisch sagt, doch nicht so ganz modern nachsichtig, sogar zu Zeiten von antiker Grausamkeit erkennen zu müssen; vielmehr die indischen Juristen, die zumeist von der ehrlichen Anschauung ausgehn, hier eine Ausnahme, gleichsam einen salto mortale machen zu sehn. Denn ein solcher wäre es für den unbiblischen Rechtsverstand, auf Menschenmord Todesstrafe zu setzen, solange der Thiermord, z. B. Metzgerei, Jagd, völlig straflos, ja in gewisser Sanktion bleibt. Oder mit anderen Worten: da der Inder, entgegen dem Christen, das Leben des Menschen im Durchschnitte keineswegs als unendliche Werthgröße betrachtet, sondern nur als das was es ist, nämlich eine dem Grade nach höhere Wesenstufe, dürfte man konsequent erwarten, bei geduldetem Thiermord auch den Menschenmord eben nur geduldet (Krieg, Duell), bez. graduell bestraft zu finden (impetus, dolus). Das ist nun in Indien wirklich, und zwar von den frühesten Rechtslehrern bis zu den spätesten Kasuisten, wenigstens theilweise, zu normieren versucht worden. So sehn wir also hier das ius talionis durchaus nicht unantastbar bestehn; und noch Asoko, der kein stammelnder Moralprediger, wofür ihn der Unverstand hält, sondern selbstbewusst wie ALEXANDER jeder Zoll ein König war, dieser in Krieg und Frieden gleich große, man muss wirklich sagen ideale Monarch berichtet auf seinem V. Säulenedikt i. f., er habe fünfundzwanzigmal seit seiner Thronbesteigung (d. i. jedes Jahr) eine Anzahl Verbrecher begnadigt. Aber eben nur eine Anzahl: wie die Stelle im IV. Säulenedikt besagt, wo nāsaṃtaṃ als acc. sing. part. praes. act. von √naś zu erklären ist, und jīvitāye tānaṃ nāsaṃtaṃ va nijhapayitave wörtlich heißt, man lässt (die Hinzurichtenden, patavadhā) an das eilige Schwinden ihrer Lebensfrist denken, d. h., wie Asoko des näheren ausführt, drei Tage lang in Gesellschaft ihrer Angehörigen auf den Tod sich vorbereiten, durch Einkehr in sich, Hingabe des letzten Besitzes und Fasten im Anblick des nahen Endes. »Denn mein Wunsch ist es«, so schließt der König dieses Edikt, »dass man also selbst bei der Hinrichtung sich mit dem Jenseits versöhnen kann. Das Volk aber gedeihe vielfach im rechten Wandel, beherrsche sich, reiche Almosen dar.«

[161] Das selbe Gleichniss »ex domo in domum videri migrare« bei CORNELIUS NEPOS, Atticus i. f.

[162] na kulejeṭṭhāpaccāyī, i. e. na kule jeṭṭhā[ya] paccāyī. — Vergl. das sinngemäße gurūnaṃ apaciti, vuḍh[ā]naṃ suśruṣ[ā] etc. bei Asoko, Felsenedikt IX, IV, Säulenedikt VII, 2, 8.

[163] mahallako, wörtlich: groß geworden, d. i. in das Alter der Reife eingetreten sein: nicht etwa in das Greisenalter, wie die nordbuddhistischen Lexikographen vermeint haben. Vergl. mahilā = adulta; āyuṣmān, in aetatem esse, etc. — Aehnlich heißt bei uns »zu seinen Jahren gekommen sein« zunächst nur, das Alter der Pubertät erreicht haben: wie z. B. der Sachsenspiegel 1, 42 ausdrücklich erklärt.

[164] Genau so der platonische Mythos, den SOKRATES, im Gorgias p. 523/4, vorträgt, wo RHADAMANTHYS, »der Richter aus Asien«, den nackten Geist des Verstorbenen, ερημον παντων των συγγενον και καταλιποντα επι της γης παντα εκεινον τον κοσμον, der gerechten Krisis überantwortet. Noch schöner, ohne Mythos, nur klar Manus IV, 239–241; Raṭṭhapālo in der 82. Rede.

Jene häufige Übereinstimmung mit den Griechen ist schon dem feinsinnigen Forscher und Beobachter MEGASTHENES aufgefallen, der da, bei STRABO p. 713, von den Indern sagt: περι πολλων δε τοις Ἑλλησιν ὁμοδοξεινπαραπ, und bald darauf, gerade als ob er unsere obige Stelle im Sinne hätte, fortfährt: παραπλεκουσι δε και μυθους, ὡσπερ και Πλατων περι τε αφθαρσιας ψυχης και των παθ’ ᾁδου κρισεων, και αλλα τοιαυτα. — Vergl. übrigens das altägyptische Todtengericht.

Geistesverwandt sind bei SHAKESPEARE the visible spirits of the heavens, the justicers, Lear IV, 2.

[165] Zum letzten Götterboten, dem Lehrer Tod, dem Musageten der Philosophie, wie er von SCHOPENHAUER nach der berühmten sokratischen Definition genannt wird, cf. Lieder der Mönche Seite 285 Anm. 1. — Wie oben der Richter der Schatten im Dialoge die reflektierende Frage stellt, genau entsprechend lässt PETRARCA im ersten Dialoge De contemptu mundi seinen Augustinus, als ob er eben jene Frage vernommen, antworten: »dum aequaevum quisque comitatur ad sepulchrum, necesse est, ipse etiam ad alieni casus praecipitium contremiscat, et de se incipiat esse sollicitus. — Eo autem vehementius movebitur qui iuniorem, qui validiorem formosioremque videat repentina morte subtractum, sese ante circumspiciet et dicet: securius hic habitare videbatur, et tamen eiectus est, nec aetas profuit nec forma nec robur: mihi securitatem quis spopondit deusve magusve? Mortalis sum profecto.« — Und merkwürdig: die selbe Anschauung findet sich, etwa ein viertel Jahrtausend später, beim gewaltigen Demiourgen des Rinascimento, dem Künstler, von dem VASARI gesagt hat, »non nasceva pensiero in lui, che non vi fusse scolpita la morte«, also bei MICHELANGELO wieder, der, gleichfalls in einem seiner Dialoge, nachdem er in bekannter Weise tiefernst gelächelt, »Io vi dico che in questo mondo è da piangere«, dann fortfährt: »bisogna pensare alla morte. Questo pensiero è solo quello che ci fa riconoscere noi medesimi, che ci mantiene in noi uniti, senza lasciarci rubare dai parenti, dagli amici, dai gran maestri, dall’ ambizione, dall’ avarizia, e dagli altri vizii e peccati, che l’uomo all’uomo rubano, e lo tengono disperso e dissipato, senza mai lasciarlo ritrovarsi e riunirsi. Ed è meraviglioso l’effetto di questo pensiero della morte; il quale, distruggendo ella per natura sua tutte le cose, conserva e mantiene coloro che a lei pensano, e da tutte le umane passioni li difende.« Und noch einmal merkwürdig: wiederum etwa ein viertel Jahrtausend später hat der herrlichste aller Melodiker, also MOZART, dessen Werk allmälig von KÖCHEL und JAHN erschlossen zwar heute noch recht ungekannt ist, in der Blüthe seines 31. Jahres genau das Selbe ausgesprochen, hat den Tod als »Schlüssel zu unserer wahren Glücksäligkeit« bezeichnet, und gesagt: »da der Tod, genau zu nehmen, der wahre Endzweck unseres Lebens ist, so habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren, besten Freunde des Menschen so bekannt gemacht, dass sein Bild nicht allein nichts Schreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel Beruhigendes und Tröstendes.«

Den schlichtesten Auszug der letzten Götterbotschaft geben vielleicht die Lieder der Mönche Seite 173, wo es heißt »Ein einzig Tüchlein deckt ihn, das ist alles, Am Hingeschiednen haftet keine Habe« etc.; sowie der alte Spruch:

Povre et riche, par tout le mont,

De tout l’avoir qu’assamblé ont,

Qu’enportent ils quant ils s’en vont?

Un drapelet tant seulement.

[166] Vergl. PLATON, Rep. X. No. 14; die Höllenschilderung und den Feuerwirbelsturm im Faust, 2. Theil, bei der Grablegung,

Die rothe Brandung schlägt hervor etc.

[167] Ειτα βορβορον πολυν και σκωρ αεινων· εν δε τουτῳ κειμενους κτλ. ARISTOPHANES, Batr. 145/6. Von PLATON als alte Ueberlieferung bezeichnet Phaid. p. 69.

[168] Ir vleisch die maden âzen | unz ûf daz gebeine. KONRAD, Der werlte lôn 222/3.

[169] kukkulanirayo, kukkuranirayo = sārameyādanam, der Hundehölle des Bhāgavatapurāṇam V, 26, 7; cf. die uralten Höllenhunde des Ṛg- und Atharvavedas, auch den hesiodischen Κερβερον ωμηστην Αϊδεω κυνα πεντηκοντακεφαλον. Dann: Aen. VI. 417 ff.; Inferno VI, 13 ff.: »Cerbero, fiera crudele e diversa... graffia gli spirti gli scuoia, ed isquatra.« Ebenso hat DANTE die anderen mehr oder minder traumhaften Höllen, die gleichfalls im Bhāgavatapurāṇam l. c., bei Manus etc. etc. kurz angedeutet sind, wahrscheinlich vermittelst der sog. Paulusapokalypse überkommen und seiner katholischen Komödie kunstvoll eingefügt. — Auch die höllischen »dogs of war« im Julius Caesar, III, 1, 273, gehören hierher.

[170] Vergl. die Stygia unda, Aen. VI, 385, bis hinauf zur δεινη Στυξ des HESIOD, Theog. 776 ͠= dem vāḍavam der Smṛti.

[171] Vergl. Manaus VIII, 271: niḥkṣepyo ’yomayaḥ śaṉkur jvalann āsye daśāṉgulaḥ, mit dem Kommentar lohakīlo ’gninā pradīpto daśāṉgulo mukheṣu kṣeptavyaḥ. — Analog bei uns der nicht etwa nur dantesk visionäre sondern realchristliche »Schwedentrunk«, im dreißigjährigen Kriege vom rechtgläubigen Soldaten dem geplünderten Bauer mit Vorliebe verabfolgt, indem er ihn fesselte, zu Boden warf, ihm ein Sperrholz in den Mund steckte, einen Melkkübel Mistjauche in den Magen goß und ihm dann auf den Bauch trat, dass es wieder herausspritzte: cf. GRIMMS Wörterbuch s. v. Schwedentrunk, Simplicissimus I, 4, und zumal des Dr. LAMMERT Geschichte der Seuchen, Hungers- und Kriegsnoth etc. Wiesbaden 1890, S. 132, wo aus einer handschriftlichen Chronik noch viel andere, jeder Phantasie spottende Gräuel enthüllt werden, »unerhörte Martter, davon auch der teuffel in der höll mit Wissenschaft haben mochte, so sie den Menschen angethan.« Auch aus neuerer Zeit erzählen Augenzeugen wie treu noch unsere vereinigten apostolischen Streiter in China höllische Art bewährt haben.

Man hat gelegentlich gesagt, die Inder gefielen sich in überschwänglicher Höllenphantasie. Aber leider ist nicht nur unser „Schwedentrunk“ einer teuflischen Wirklichkeit bedenklich nahegekommen. Zahllose Beispiele erscheinen als leibhaftige Zeugen, beweisen wie genau jene Alten ja nicht den satanischen sondern eben den menschlichen Geist auch auf diesem Gebiete beobachtet und geschildert haben. Wir Deutsche stehn da gar nicht so fern ab, wie man meinen möchte, und können uns schon etliche der Akten verrathen lassen, die Dr. LAMMERT ein langes Leben hindurch aus Archiven und Urkunden unermüdlich zusammengetragen hat: und manche Zweifel an höllischer Objektität werden da schwinden. Man vergegenwärtige sich etwa folgende typische Fälle, aus tausenden gleicher herausgegriffen, und sei dabei der kantischen Lehre von der Idealität des Raumes und der Zeit wohl eingedenk. Der kgl. Bezirksarzt Dr. LAMMERT also berichtet l. c. S. 174 f.: „So meldet die Augsburger Chronik am 17. Mai 1634: »Die speerreiterische Soldaten haussen in schwaben sehr tyrannisch, tractieren die bauren mit köpff Reitlen, wasser eingießen, die Mäuler bis auf die Ohren aufschneiden u. dergl.« S. 193 ff.: In Landau und Umgegend steigerte sich der Hunger so, dass die Leichen aus den Gräbern gestohlen und verzehrt wurden. »Auch Lebende wurden hin und her erschlagen und verzehrt; so schlachtete eine Frau ihr eigenes Kind, salzte es ein, verzehrte es; sie starb darüber im Gefängniss.« Nahe bei Zweibrücken stritten zwei Weiber um den Besitz eines von Würmern bedeckten Stückes Aas, wobei eine die andere erwürgte. Rudelweise durchzogen die Wölfe Elsass und Kurpfalz und die sonst blühenden Landstriche hatten das Aussehen verödeter Kirchhöfe. Der Rektor GOTTFRIED ANDREÄ (von Worms) erzählt in seiner Lebensbeschreibung, dass sich die Leute vor den Bäckerläden einander todt gedrückt haben und dass der Magistrat auch hier den Kirchhof mit einer Wache hat versehen müssen; zur selben Zeit sah genannter Rektor vor dem Thore ein todtes Pferd liegen, »dabei sich eine Weibsperson befand, welche das Fleisch abschnitt, in ihr Fürtuch nahm und zugleich roh davon aß, dabei etliche Hunde, welche an der Mitte des Pferdes fraßen und auf dem Kopfe desselben unterschiedliche Raben.« Graf JOHANN VON NASSAU-SAARBRÜCKEN sagt in seinem Schreiben an Kaiser FERDINAND aus eigener Erfahrung, dass er in Städte, Flecken und Dörfer gekommen sei, da nicht ein Haus gefunden worden, darin nicht ein vor Hunger verschmachteter Körper gelegen wäre. »Ja, ich habe gesehen, dass die Leut vor Hunger nicht allein allerhand unnatürliche Speisen und sich untereinander selbst aufgefressen, sondern rasend worden, wie die unvernünftigen Thiere, die Sprach verloren, dagegen als Hund und Wölf geheult, nicht mehr aufrecht, sondern auf allen Vieren gelaufen.« CALMET in seiner Geschichte von Lothringen berichtet aus dieser Zeit zum Jahre 1638: Der Hunger war so groß, dass die Menschen Aas, und zuletzt sich selbst aufzehrten. Der Sohn vergriff sich an der Leiche des Vaters, der Vater an jener des Kindes, die Mutter an der Leiche der Tochter, der Reisende schlief nicht sicher neben seinem Reisegefährten, aus Furcht, dass er ihn todtschlage, um an ihm den Hunger zu stillen. Auch in der Mainzer Gegend haben sie (nach KHEVENHILLER) »die Gottesäcker durchsucht, die Gräber aufgebrochen, die Hochgerichte erstiegen und die Todten zur Speise genommen.« S. 219: In Ruppertshofen und Castorf waren alle Männer gestorben. Die Kuhhirtin in Ruppertshofen »hat von ihrem todten Manne gerissen und geschnitten, solches gekocht und mit ihren Kindern gegessen; auch ihrem Vater die Schenkel abgehauen, gewaschen, gekocht, dergleichen den Kopf aufgethan, gesotten und gefressen. Als sie gefragt worden, wie es geschmeckt, hat sie geantwortet, wenn sie nur ein wenig Salz dazu gehabt hätte, hätt’ es gut geschmeckt.« Der Kommandant von Rheinfels, Junker GEORG PHIL. VON BUSECK, hat dies nach genauem Erforschen wahr befunden. Dergleichen Jammerszenen sollen auch in anderen Gegenden, am Rhein, Main, an der Lahn, Dill und Sieg vorgekommen sein. S. 228 f.: Im Fuldaischen und Koburgischen bildeten sich »sogar förmliche Mordbanden, welche in Höhlen oder leerstehenden Häusern wohnten und von diesen aus auf Menschenraub ausgingen.« »Wie im vergangenen, so schlachteten auch in diesem Jahre Mütter ihre Kinder und verzehrten sie, während sich andere ertränkten.« — »Haufen Bettler lauerten auf die Vorübergehenden und tödteten sie, wie denn bei Worms eine solche Bande von ihrem Feuer verjagt und in den Töpfen die schaurigen Ueberbleibsel von Händen und Füßen gefunden wurden.« S. 239: Gefangene, im Stockhause verwahrte weimarische Soldaten, litten so große Noth, dass sie die vor Hunger gestorbenen Kameraden roh auffraßen. S. 132: Vernehmen wir, zu weiterer Beleuchtung des Zeitbildes, noch eine Stimme jener Leidensgenossen über die bestialische Raffiniertheit, mit welcher die schutzlosen Leute von den Mordgesellen gequält, geschunden und zum Tode gebracht wurden. »Zu dieser Zeit«, berichtet eine handschriftliche Chronik von Redwitz, »gieng jammer und Noth an in Unsrem Lande, vnd hat gewehret bis uff das 1637. Jahr, do man den baldt nichts anderst hörte, alss Rauben, stelen, Morden, brennen vnd sengen, die armen Leuth wurden niedergehauen, gestochen, geschossen, auch geraitelt, vielen die Augen ausgestochen, Arm vnd Beine entzwey geschlagen, Ohren vnd Nasen, auch Männliche Glieder vnd Säugende Brüst wurden ab- vnd ausgeschnitten, ettliche von Ferne beim Feuer gebratten, theils im Rauchschloth vffgehenket vnd Fever vnter sie geschieret, ettliche in die Backöffen gestossen, stroh fürgemacht vnd angezündet, Khün vnd schweffel vnter die Nägel gestecket vnd angezündet, die Daumen geschraubet, spitzige Knöbel ins Maul gestecket, dass das Bluth hauffenweiss herauss geloffen, hernacher den gantzen leib, durch den Mundt, mit Urin und Mistwasser gefüllet, die Fuesssohlen aufgeschnitten, hernach Salz hineingestreuet, Riemen auss den leibern geschnitten, und vielen die Rippen in den leib entzwey geschlagen, Jn Summa die grosse pein vnd vorhin unerhörte Martter (davon auch der teuffel in der höll mit Wissenschaft haben mochte) so sie den Menschen angethan, biss sie gestorben vnd verschmachtet oder presshaft worden, ist nicht zu schreiben.«“

Das wären denn einige flüchtige Streiflichter in unsere eigene Hölle einer verwichenen Zeit, gräulich genug, um uns die kokytischen Welten der Heiden nicht mehr so fremdartig wie dem Mephistopheles dämmern zu lassen. Andeutungen höllischer Phänomene aus der Gegenwart aber sind ebensowenig da wie dort verschieden: vergl. das unverblümte Wort im Wahrheitpfade 1S. 155.

[172] Vergl. des DIONYSIUS Ueberfahrt in das ungeschaffene Leben, bei ECKHART p. 530.

Das schmerzlich bewegte Aufseufzen des Richters der Schatten, am Ende obiger Symphonia horrifica, erinnert im letzten fernen Grunde an das berühmte, von SCHOPENHAUER, I § 57 i. m., interpretierte ῳμωξεν ιδων εις ουρανον ευρυν des unerbittlich vergeltenden Peliden, Mitte der XXI. Ilias. — Cf. noch Lieder der Mönche v. 217/218.

[173] Mit dem siam. Texte taṃ viddhā zu lesen; cf. Muṇḍakopan. II, 2, 2: tad veddhavyaṃ (cetasā bhāvanīyam), ib. 4: apramattena veddhavyaṃ śaravat.

[174] Von cando Mond; vergl. Haimadhātupārāyaṇam I, 313 candati dīpyate āhlādayati ca, und die beliebten nom. person. deriv. Candrasomaharidattādi, e. g. auch Theragāthā 299 Candano und den Candranavihāras, bei FOUCHER, Iconographie bouddhique, Paris 1900, p. 62.

[175] Von dem hier so oft genannten Kampfe ζξοχα πβντων gilt Asokos Wort vom dhammavijayo, dem wahren Siege, welchem gegenüber jeder andere, und noch so ungeheuere — der König spricht als Eroberer ganz Hindustans, von Baktrien bis Zeilon, vom Ganges bis zum Indus — nur von recht geringem Geschmacke ist; der dhammavijayo allein, sagt Asoko als erfahrener Held auf dem XIII. Felsenedikt, Girnār l. 11, ist sa-rasako, mit ächtem Geschmacke begabt: und nur ihn kann man für sättigend und beschwichtigend halten, den wahren Sieg.

Das maraṇaṃ suve = dem śvomaraṇaṃ der Smṛti, e. g. Mahābhāratam XII, 152, 12, »morgen todt«. — Vergl. JAKOBS Epist. 4, 14, Korinther I, 15, 30 & 55, und den Scheidegruß des Eremiten ANTONIOS, Anm. 27, ferner das Adagium στιγμω χρονου, von DEMETRIOS PHALEREUS überliefert, und GOETHE, Aus meinem Leben I, 3 i. m. Auch den schönen Spruch »Chi tempo aspetta, tempo perde«, bei RINALDO D’AQUINO, um 1250; sowie das Wort des Königs D. Rodrigo, im D. Quijote II, 26 i. m.:

Ayer fuí señor de España,

Y hoy no tengo una almena

Que pueda decir que es mia.

[176] Hier vergl. man die 57. Rede; sowie auch der 98sten drittletzten Vers, kammunā vattatī loko: vielleicht zeigt dieser Ausspruch, nächst den zur 57. Rede beigebrachten orakelartigen Stellen der Bṛhadāraṇyakopaniṣat, die früheste und ergo schärfste Prägung des faustischen Wortes: »Im Anfang war die That.« — Genau entsprechend hat der Pythagoriker TIMAIOS gelehrt: ταν ψυχαν των μεν δειλων ες γυναικεια σκανεα ποθ’ ὑβριν εκδιδομενα, των δε μιαιφονων ες θηριων σωματα ποτι κολασιν, λαγνων δ’ ες συων η καπρων μορφας, κουφων δε και μετεωρων ες πτηνων αεροπορων, αργων δε αι απρακτων αμαθων τε και ανοητων ες ταν των ενυδρων ιδεαν, De anima mundi i. f. Eine solche Palingenesie hat auch LAO-TSE, Kap. 23, dargestellt; ja sogar unser MEISTER ECKHART, p. 333, 334, 589, der mit siegreicher Geisteskraft ausführt, wie die Natur aus einem Kraut, das im Garten wächst, allmälig den Menschen zu entwickeln vermag: den Menschen, der „aller Kreatur Wesen hat, mit den Steinen, mit den Bäumen, und fürbass mit allen anderen Kreaturen.“ In diesem Sinne will er auch seine 56., so geheimnissvolle, aus verborgenster Tiefe schöpfende Rede verstanden wissen, mit dem indo-aegypto-empedokleischen Thema: »Daz edelste, daz an dem menschen ist, daz ist bluot, sô ez wol wil; aber daz ergeste, daz an dem menschen ist, daz ist bluot, sô ez übel wil.« — Vergl. noch die schöne Stelle in JAKOBS Ep. 3, 13: Τις σοφος και επιστημων εν ὑμιν, δειξατω εκ της καλης αναστροφης τα εργα αυτου εν πραϋτητι σοφιας, und insbesondere ib. 17 mit oben S. 366 dem Uebergange, der zur Anmuth führt.

[177] Vergl. der 124. Rede Anfang, S. 251: und wiederum der 85. Rede Ende, S. 471. — Beide modi sind pariyāyena anwendbar, nach Dhammapadam v. 64 u. 65, oder weil, nach HIPPOKRATES, ὁ βιος βραχυς, ἡ δε τεχνη μακρη, ὁ δε καιρος οξυς, ἡ δε πειρα σφαλερη, ἡ δε κρισις χαλεπη, Aphor. I, 1.

[178] Diese knappe, so kühn wie besonnen dargestellte Logik aller Möglichkeit ist zwar oft versucht worden, hat aber in der wichtigsten Frage, aus Mangel deutlicher Begriffe, nur paradoxe Thesen ergeben; so z. B. bei MAKARIOS, nach FLOSS p. 148, »qui se ipsum cogit ad omnia, is est monachus«, bei ECKHART p. 358 u. 447, wo er sagt: »Socrates sprichet, daz tugende machent unmüglîchiu dinc müglich.« Cf. noch Lieder der Mönche v. 536 Anm. Negativ aber doch identisch ist auch der, freilich trivial gewordene, Satz LESSINGS »Kein Mensch muss müssen.« Erst in der Lehre von der Vereinigung der Natur und Freiheit, der größten aller Leistungen des menschlichen Tiefsinns, wie SCHOPENHAUER sie nennt, hat KANT die vollkommene Auflösung und Ausführung des Problems gegeben.

Zur heißen Busse, ātappam etc. S. 376–378, cf. das vedische tapas, bez. die ebenso übermächtigende dīkṣā, von √dakṣ tüchtig sein: entspricht der ασκησις, bez. μελετη in der Anmerkung 101; auch dem αναμιμνησκεσθαι, σοχιαν τε και αρετην ασκειν PLATONS, und nicht minder GOETHES

Allen Gewalten

Zum Trutz sich erhalten,

Nimmer sich beugen,

Kräftig sich zeigen,

Rufet die Arme

Der Götter herbei.

Die geistige Einigung, der cetosamādhi, ibid., hat ein schönes Analogon in der pythagorischen συναρμογα und im gleichen ἑν γενεσθαι και τον ανθρωπον δει: und ist dann von unserem großen BRUNO, wie mir DE LORENZO mittheilt, sehr innig erkannt worden, da er im Spaccio, ziemlich gegen Ende, jene libertà di spirito preist, »a cui tal volta amministra il monachismo (non dico quello de’ cocchiaroni), l’eremo, la solitudine: che sogliono parturir quel divino sigillo, ch’ è la buona contrazione.« Es ist, im Grunde genommen, ECKHARTS und LAOS Rückkehr zur Einfalt.

[179] Ὁ τοιουτος παντα τα του κοσμου πραγματα ενδοξα, πλουτον και τρυφην, και πασαν απολαυσιν, αυτην αυτην τε την γμωσιν, και παντα τα του αιωνος τουτου βδελυκτα ἡγειται και μισητα, MAKARIOS, Homil. IX § 8 i. f.

[180] Cf. die 22. Rede, p. 140.

[181] purisadammo; analog puruṣapaśus in der Chāndogyopaniṣat II, 6, und το θρεμμα ανθρωπος im PLATON, De legibus p. 777.

[182] Vergl. den »desiderio della bellezza«, nach PLATON, bei MICHELANGELO, wie e. g. in den Rime e prose, Chieti 1847, p. 174.

[183] Die aṭṭha disā acht Richtungen bezeichnen s. v. a. die acht Freiungen aṭṭha vimokhā der 77. Rede, passim; vergl. auch Lieder der Mönche, Anmerkung zu v. 1172. — Die Makarismen MATTH. V, 3–10, im Mittelalter die aht saelekeiten genannt, bieten ein christliches Gegenstück dar; desgl. die, wiederum andersartigen, octo beatitudines der Scholastiker, vielleicht auch schon des IRENÄUS Abhandlung περι ογδοαδος; mehr noch das Durchwandeln der sechserlei Bilder, in FRITZLARS Blume der Schauung. Ueber die Unmittelbarkeit, S. 392, sagt ECKHART, S. 5: Als nû ie ein meister wîser unde mehtiger ist, alsô ouch sîn werc unmitelîcher geschiht und einveldiger ist.

Zur ganzen Stelle oben S. 390, ‚Dann habt ihr auf eines gestützt ein anderes abzustoßen‘, sei der geübteren Beobachtung ein gewiss analoger Spruch GOETHES empfohlen, aus der Säligen Sehnsucht, im West-östlichen Divan, 1. Buch, vorletzter Vers:

Und so lang du Das nicht hast,

Dieses: Stirb und werde!

Bist du nur ein trüber Gast

Auf der dunkeln Erde.

Der selbe Gedanke, »Dies um Das«, ist im Tao-te-king wiederholt vorgetragen.

Die Reihenfolge der Thiere auf S. 394, wie im Gleichnisse der 125. Rede S. 258, ist auch auf den schönen Friesen und Reliefgruppen rein indischer Meisterskulptur noch ebenso erhalten: es geht der Elephant voran, dann folgt das Ross, der Stier etc. Cf. e. g. REA, South Indian Buddhist Antiquities, Madras 1894, S. 36 und Tafel XXII. — Vorzüglich ausgeführte Elephanten und Rosse bietet später die hochentwickelte Bildhauerkunst von Amarāvati, nahe der Krischna Mündung, etwa 600 Jahre nach Gotamo. Kräftig, anmuthig, edel, zugleich individuell sehr verschieden, je nach dem gewählten Moment, und immer ungemein anschaulich, lebendig, durchgeistigt, im ganzen und im einzelnen wie bei den besten Antiken feinsinnig beobachtet und fixiert: sei es nun in einem sanft blickenden oder aber wild anstürmenden Elephantenauge oder in der seiden glänzenden muskelgeschwellten Haut oder in der wogenden Macht der zermalmenden Vorderfüße; sei es wieder an den ausdrucksvoll erregten Ohren der Rosse, ihrem stolz geschwungenen Nacken, den beweglichen Nüstern, dem rhythmischen Tritt ihrer leichten zierlichen Hufe u. s. w., u. s. w. Photographien der Reste und Fragmente — die Muhammedaner haben natürlich auch hier was sie konnten dem Erdboden gleichgemacht und kein einziges Stück unversehrt lassen, und die moderne Sammelwuth hat die Zerstörung so ziemlich vollendet — findet man, freilich dazu noch in einem gar dürftig verkleinerten Maaßstabe, in FERGUSSONS Tree and Serpent Worship, London 1868: als Beispiel der Rosse namentlich auf Tafel 59, 1, 82, 1, 96, 1; der Elephanten auf Tafel 61, 1, 64, 1, 91, 3. Vergl. auch die z. Th. ergänzenden Blätter in BURGESS’ Archaeological Survey of Southern India (Amarāvati and Jaggayyapeta), London 1887, e. g. No. 27, 1, 2, 5, etc.

[184] Die letzten Ausführungen Mahākaccānos entsprechen dem Bṛhadāraṇyakam IV, 3, 17: Sa yad atra kiṃcit paśyaty, ananvāgatas tena bhavaty: asaṉgo hyayaṃ puruṣa ity. Evam evaitad Yājñavalkyādi. Ebenso ECKHART p. 144 l. 1–2. Cf. noch Faust v. 11954/57: Ohne Erdenrest, »Und wär’ er von Asbest, Er ist nicht reinlich.« Die Darstellung des innen zuständigen Herzens, S. 401 f., hat ein mythisch gegründetes Gegenstück in der Schilderung der Menschen auf dem siebenten der Neun Felsen im Buche MERSWINS, p. 103. — Wie auch nur Gedanken nachspüren unförderlich sei wo Einigung noth, S. 400 ͠= sarvacintāvivarjitas, e. g. Nādabindūp. ed. Bomb. v. 51, hat unser WALTHER schon tief und klar erkannt, 56, 23, 24:

Liezen mich gedanke frî,

So ’nwiste ich niht umb’ ungemach.

[185] Vergl. Maitryup. VI, 25: sarvabhāvaparityāgo yoga ityabhidhīyate.

[186] Zu kāmasukham, mīḷhasukham etc. cf. der S̀ruti und Smṛti grāmyakāmān, grāmyasukham wie Kuṇḍikop. v. 3 etc. mit Anm. 45. Gegensatz vīrasukham, heroisches Wohl; dann das asaṉkiliṭṭhaṃ yogakkhemam der 26. Rede: το αθογωτον καλλος des MAKARIOS MG., p. 85. Vergl. auch das klassische luto ludere, wie PLAUTUS, Mil. glor. II, 3 gegen Ende; und BRUNO, Spaccio II, 3 eb.: »Meditantur sua stercora scarabaei.« Die ganze Antinomie hat unser Divus BERNARDUS CLARAEVALLENSIS in einen, dem Gehalte wie der Form nach eigenthümlich indisch anmuthenden, Denkspruch gefasst: Modi diligendi sunt quatuor. Carnem amare carnaliter, spiritum carnaliter, carnem spiritualiter, spiritum spiritualiter: Sententiae et Soliloquia fol. 506 ed. Par. 1621. Sie ist schon in dem alten, von PRODIKOS überlieferten, von LEOPARDI übersetzten Gleichnisse »Herakles am Scheideweg« meisterhaft veranschaulicht.

[187] Vergl. Bd. 2. Anm. 30. — Noch spät allgemein indisch, e. g. S̀ukasaptati 50: na vaktavyaṃ pāpaṃ dṛṣṭaṃ śrutaṃ... kathāpi khalu pāpānām alam aśreyase yataḥ. — Aehnlich die pythagorische, der THEANO zugeschriebene Maxime: Περι ὡν λεγειν καλον, περι τουτων σιωπαν αισχρον· και περι ὡν αισχρον λεγειν, περι τουτων σιωπαν αμεινον; sowie die andere, von ARISTOXENOS überlieferte: Μη ειναι προς παντας παντα ῥωτα. Auch von S. FRANCESCO heißt es, bei CELANO I2, 3: Expertus namque fuerat, magnum fore malum, cuncta communicare cunctis. Besonders genau aber entspricht das sechste der Octo punctorum, meditantibus quibus pervenitur ad perfectionem etc., S. BERNARDI l. c. fol. 1755–1756, und ib. die zu Ende des vierten dargelegte salutis via und ihre principia: Fuge, tace, quiesce.

[188] Βιας εφη· Μισει το ταχυ λαλειν, μη ἁμαρτῃς· μετανοια γαρ ακολουθει.

[189] Subhūti ist Glosse, nach Aṉguttaranikāyo I, 14, 2, 4. — Einen allgemeinen, κατ’ αθαμβιαν entsprechenden Kommentar zu dieser Rede mit der abschließenden Maxime »Keiner Beachtung würdigen« findet man vielleicht am schönsten im dritten Kapitel des vierten Buches der nikomacheischen Ethik des ARISTOTELES bei Ausführung der Grundsätze Ὁ δε μεγαλοψυχος δικαιως καταφρονει, οἱ δε πολλοι τυχοντως, und Ουδεν γαρ μεγα αυτῳ εστιν, und Ου γαρ μεγαλοψυχου το απομνημονευειν, αλλως δε και κακα, αλλα μαλλον παροραν; und wieder anders und doch sehr ähnlich bei dem großartig versöhnenden Urtheile des aegyptischen ANTONIOS και πασι παντα συγχωρητομεν , Vita p. 29, dem wirklich vorgeprägten Stämpel zur berühmten, von SCHOPENHAUER gepriesenen Botschaft in der letzten Szene der Cymbeline »Pardon’s the word to all«, sowie auch in CASTILLEJOS Diálogo entre Memoria y Olvido mit dem Facit:

Olvidar es lo mejor.

[190] Vergl. Bd. II, Anm. 142. — Der Aufenthalt bei Hafnern, deren Handwerk ja frei von Tadel ist, wird von Asketen bevorzugt: cf. die kulālaśālā in der Jābālopaniṣat fine.

[191] Lies tena viññāṇena kiṃ vijānāti.

[192] Das selbe Gleichniss hat PLATON, De Rep. IV, p. 435: Και ταχα αν γαρ’ αλληλα σκοπουντες και τριβοντες, ὡρπερ εκ πυρειων εκλαμψαι ποιησαιμεν την δικαιοσυνην. Cf. Anm. 89.

[193] Der āvusovādaccayo ist commentatio protreptica.

[194] Wer in den langen schmalen indischen Gassen und Höfen nicht sehr auf der Hut ist kann im Gedränge von einer der zahlreichen Kühe leicht unversehens niedergestoßen oder tödtlich verletzt werden. — Wie ein spezieller Kommentar dazu liest sich ein kürzlich vorgekommener Fall, den mir DE LORENZO aus Neapel, nach dem Pungolo vom 2. Januar 1902, berichtet: »Ieri sera fu trasportato all’ ospedale dei Pellegrini, con grave commozione generale, un giovanotto diciottenne, ARNALDO MUROLO, ferito con un colpo di corna al petto da una delle vacche, che girano per la città, continuando una usanza barbara per quanto indecente.«

[195] Der Schluss der Rede, S. 432, giebt das ächte Που στω an. — Cf. vorher Bṛhadāraṇyakam III. 4; IV, 3, 17; 4, 16:

kim icchan kasya kāmāya.

Vergl. noch ECKHART, p. 242: Ohne Dünken und Wähnen und Glauben, p. 284: »Und hier umbe sô bin ich geborn unde nâch mîner gebürtewîse, diu êwic ist, sô enmac ich niemer ersterben. Nâch mîner êwigen gebürtewîse sô bin ich êweclich gewesen unde bin nû unde sol êweclîche belîben. — Dâ bin ich daz ich was, unde dâ nime ich weder abe noch zuo. — Wer dise rede niht verstêt, der bekümber sîn herze niht damite. Wan als lange der mensche niht gelîch ist dirre wârheit, alsô lange wirt er dise rede niht verstên.« Vergl. KANT KRV II, 2, 2, 2, 9 (R. 432): »Die Kausalität der Vernunft im intelligibelen Charakter entsteht nicht, etc.« Der berühmte, von PAPPOS Lib. VIII propos. 11 prooem. überlieferte Ausruf Δος μοι που στω και κινω την γην ist von HEATH in seinem schönen Werke über ARCHIMEDES, Cambridge 1897, S. XIX, treulich erörtert. — Noch einige Sigla ähnlicher Gattung werden durch eine Reihe entsprechender Bilder hie und da veranschaulicht: wie etwa Aṉguttaranikāyo, Sattakanipāto p. 13 ed. Siam. thale tiṭṭhati brāhmaṇo, Majjhimanikāyo No. 98 v. 42 amatogadham anuppatto, Suttanipāto 359 pāraṉgato ṭhitatto.

[196] kālakiriyā, von kālaṃ karoti die Zeit erfüllen, wörtl. »die Zeit machen«, d. i. sterben [Augenblick des Todes]; vergl. das gegenüberstehende kālaṃ gacchati die Zeit erlangen, wörtl. »in die Zeit gehn«, d. i. keimen [Augenblick der Empfängniss]: Chāndogyopaniṣat II, 13, 1.

[197] Vergl. Raṭṭhapālo vor König Koravyo, in der 82. Rede; = THEOGNIS v. 727/8:

ουδ’ αν αποινα διδους θανατον ουδε βαρειας

νουσους ουδε κακον γηρας επερχομενον

[198] ajjhattaṃ sampasādanam = nistaraṉgasamudravan (nirvātasthitadīpavad acalasampūrṇabhāvābhāvavihīnakaivalyajyotir bhavati): Maṇḍalabrāhmaṇopaniṣat II, 3 im Anf.; cf. auch Bd. II, Anmerkung 4.

[199] Das Exordium der buddhistischen Lehre, die heilige Wahrheit vom Leiden, S. 435–437 und sonst ausführlich begründet, ist mit anderen Worten als »Heiligthum des Schmerzes« von GOETHE das Würdigste genannt worden, als »jene letzte Religion, die aus der Ehrfurcht vor dem, was unter uns ist, entspringt«, Wilhelm Meisters Wanderjahre, 2. Buch, 2. Kap. gegen Ende. Bei uns ist diese erste der heiligen Wahrheiten allerdings nur als Basis rechter Erkenntniss dargestellt, während die vierte ein Zenith erreicht, wo Leiden nicht mehr bestehn kann: »dâ kein leit stat enhât«, wie ECKHART, p. 42, erkannt. — Cf. das Gleichniss vom Pfeilschmidt, in der 101. Rede, S. 19.

[200] Vergl. Dhammapadam 354a, Sabbadānaṃ dhammadānaṃ jināti und ähnliche Stellen. Von Asoko auf dem IX. (Girnār-) und XI. Felsenedikt frei wiedergegeben: siehe BÜHLERS Ausführungen in der Zeitschr. d. deutsch. morgenländ. Gesellsch. Bd. 48 S. 57 f. In diesem Sinne aber fasst der König seine Gedanken über den Werth des Gebens im allgemeinen zu Ende des kurzen VII. Felsenediktes in die Maxime zusammen: »Denn wer auch eine reiche Gabe nicht geben kann: sich selbst beherrschen, das Herz läutern, erkenntlich und rechtschaffen sein bleibt immer gültig.« —

Cuddasa bis mahapphalataraṃ vadāmi ist micchāvādo, kenacideva pariyāyena infarciert.

[201] Vergl. Anm. 110. — Upapajjīti zeigt den Schluss des Berichtes an. Der Kommentar fügt noch ein paar Verse hinzu. — Anāthapiṇḍiko, der Almosenspender, war allmälig der Beiname des gabenreichen und ungewöhnlichen Mannes geworden: von Hause aus hieß er Sudatto, d. i. OTTO. Cf. Aṉguttaranikāyo I, 14, 6, 2.

Das Thema dieser meisterlichen Fugenrede findet man bei ECKHART, p. 14, also wieder: »Wil dîn ouge alliu dinc sehen unde dîn ôre alliu dinc hoeren unde dîn herze alliu dinc gedenken, in der wârheit, in allen disen dingen muoz dîn sêle zerströuwet werden. Dar umbe sprichet ein meister: swenne der mensche ein indewendic werc sol wirken, sô muoz er alle sîne krefte în ziehen, rehte als in einen winkel sîner sêle, unde sich verbergen vor allen bilden unde formen, und aldâ mag er wirken.«

Der Garten Anāthapiṇḍikos war, nebenher bemerkt, bei uns, vierzig Jahre nach ECKHARTS Tode, von MERSWIN durch die Stiftung des Grünen Werder, auf einer Insel der Ill bei Straßburg, in seiner ganzen Eigenart erstaunlich getreu wiedergeschaffen worden; worüber das Nähere PREGERS Geschichte der deutschen Mystik 3. Band S. 373 einzusehn ist.

[202] Nämlich die Ader öffnen.

[203] Zu Mahācundos Hypomnem cf. die 140. Rede i. f.; auch Kaivalyopaniṣat 24: sadasadvihīnas, Mahopaniṣat V, v. 69: sadasator madhye paśyati, ja schon Chāndogyopaniṣat III, 11, 1: Atha tata ūrdhva uditya naivodetā nāstametā, ekalā eva madhye sthātā. Ebenso Tao-te-king Kap. 33 i. f., ECKHART p. 535: »ûf der mite stên.«

Das letzte Gespräch Channos und das letzte des ATTICUS mit den Freunden vor seinem freiwilligen Tode zeigt nach Inhalt und Form paarweise Gleichheit, bei CORNELIUS NEPOS XXV, 21. Mythisches Vorbild ist die bhṛguide Wanderung durch den Tod zum Leben (vergl. auch das Bhṛgupatanam Bd. 2, Anm. 176); das herakleische Ende; und der Vogel Phoenix. »Mortalis immortalis flere si foret fas, Flerent divae Camoenae Naevium poetam« deutet uns heiter gelassen das altrömische Epitaph an.

[204] Zum dreifachen Wissen cf. e. g. Bd. II, S. 456 f.

[205] Die westlichen Suner sind in der Legende des zweiten Divyāvadānam, bei Wiedergabe unseres obigen Berichtes, zu S̀roṇāparāntakās geworden: in Wirklichkeit aber wird an die Hūnā0, Hūṇā0, die Hunu des Avesta und des PTOLEMÄUS Χουνοι, zu denken sein, zu welchen die Lage von Sāvatthī als Ausgang wohl passt.

Es ist bei diesem Dialoge kaum nöthig wiederum auf das berühmte Gespräch des S. FRANCESCO im 8. Fioretto hinzuweisen, wiewohl auf Tao-te-king Kap. 13. — Zur kurzen Anleitung S. 464 f., ib. Kap. 58. Vergl. LOTHARS Wahlspruch »Ubi mel, ibi fel«, den der vielerfahrene Kaiser vielleicht einst von S. BERNARD vernommen; dann später von HARTMANN im Gregorius v. 284, 286 als »nach liebe leit — daz honec mit der gallen« vorgetragen; zumal aber cf. ECKHART, p. 424: »Allez leit kumet von liebi unt minne; wan minne unt liebi ist leides anevanc unt ûzganc.«

[206] Vergl. Dhyānabindūpaniṣat v. 8: vṛkṣaṃ tu sakalaṃ vidyācchāyā tasyaiva niṣkalā. — Den selben Gedankengang oder vielmehr die selbe Anschauung haben alle die großen Griechen mit den Indern gemein: und der welterfahrene, reiflich gewitzigte ARISTOPHANES hat ihr sogar, wie mir scheint, den beredtesten Ausdruck verliehen, Orn. 685/87:

φυσιν ανδρες αμαυροβιοι, φυλλον γενεᾳ προσομνιοι,

ολιγοδρανεες, πλασματα πηλου, σκιοειδεα φυλ’ αλενθνα,

απτηνες εφημεριοι, ταλαοι βροτοι, ανερες εικελονειροι.

[207] Das öfter gegebene Gleichniss von der geschlachteten Kuh ist insbesondere in der Atharvasaṃhitā nicht selten anzutreffen. Es spricht für das hohe Alter und die gute Ueberlieferung unserer Texte. Denn spätere Generationen, etwa seit Asokos ersten Felsen-, bez. fünften Säulenedikten vom praktischen Buddhismus bereits mächtig beeinflusst, hätten es, als anachronistisch, nicht mehr anwenden können. Daher galten denn auch der Smṛti die gavāśanās als antyajās, e. g. Vyāsīyadharmaśāstre I, 12. — Vergl. Anm. 62; und die unpatriarchalische, tief asketenthümliche Art wie der greise, naive HILARION in seiner Unterredung mit dem Judenchristen und kyprischen Bischofe EPIPHANIOS, der ihm zu Ehren ein Fleischgericht hatte vorsetzen lassen, der Speiseregel der Mönche unserer 55. Rede wohl entsprechend geantwortet hat: »Ignosce mihi, pater, quia ex quo accepi habitum istum, non manducavi quidquam occisum«, nach den AASS Oct. tom. IX fol. 29 No. 57 i. f.

[208] Der Anschauung gemäß betrachtet der Inder die noch zunehmende, bez. eben erst voll gewordene Mondnacht als Kulmination: während wir, ohne Rücksicht auf die Anschauung, die astronomische Tageszeit berechnen; daher fällt in Indien die Feier des Vollmondes in der Regel auf den Vorabend. — Ein anderes Mondgleichniss im 2. Bande S. 635, Lieder der Mönche S. 234: ebenso doppelartig bedeutsam in dem Bilde eines Fra MARIANO da Volterra »SAN FRANCESCO è simile alla luna piena per la activa et contemplativa vita«, bei SABATIER, BARTHOLI Tractatus etc. p. 149.

Ein schönes, ob auch tiefer stehendes Gegenstück zum obigen Berichte von Nandako und den Nonnen darf man bei uns wohl in Meister ECKHARTS Gesprächen mit Schwester KATREI erkennen: so wenn diese Heilige, nicht unähnlich wie es oben von der geringsten der Nonnen ausgesagt ist, von sich den Bescheid giebt, »daz ich nie hinder mich gesach, sît ich ûf den wec gewîset wart zuo mîner êwigen sêlicheit, unde daz ich keiner crêatûre rât nie gevolgete, wan daz ich allez für mich gienc in eime rehten ernste«, p. 468; oder p. 474 das Wort von der Uebung bis an den Tod; u. a. m.

[209] Vergl. Bd. 2. S. 68. 271, 541. — Zu nibbindam, überdrüssig, cf. die 74. Rede i. f. und Lieder der Mönche S. 278 Anm. 1; sowie den nirvedas der S̀ruti, namentlich im Bṛhadāraṇyakam III, 4. Dann auch den nivveo der Jainās etc. Bei uns hat Meister ECKHART, p. 374, gesagt: »Ez enist dehein krêatûre sô gelustlich, der mensche möhte sî sô lange anesehen, ez enverdrüzze in.« In einem ähnlichen aber allgemeineren Sinne, mehr objektiv nach außen gewendet, haben wieder andere grübelnde Geister »Cui bonum« gefragt und »Quien querrà la vida si sabe lo que es?«, GRACIAN, Criticòn III, 1, »Wer erfreute sich des Lebens, | Der in seine Tiefen blickt!«, SCHILLER, Kassandra 87/88, etc.

Den Ausdruck einer solchen Gesinnung hat vielleicht erhaben wie keine andere die buddhistische Kunst getroffen, zumal auf einer der so fein gearbeiteten Meisterstatuetten aus getriebenem Golde, in Anurādhapura gefunden, jetzt im Museum zu Kolombo, mit dem herrlichen nach rechts geneigten Antlitze, von rein indo-ārischem Typus. Auch die Züge des lysippischen Apoxyomenos gleichwie die verklärteren des glykonischen Herakles und etwa die des lateranensischen St. Hippolytus sind von einem verwandten Geiste belebt; obwohl der letztgenannte kirchlich, also κακιστῳ κομματι.

Der pacchāsamaṇo, upaṭṭhāko, antevāsī, der eine, jeweilig andere begleitende Jünger, der dem Meister nachfolgt, ihm aufwartet, wie oben S. 481, 2. Bd. S. 476, 1. Bd. S. 152, passim, reicht bis in die alten Upanischaden hinauf, e. g. Bṛhadāraṇyake VI, 3, Ende: Taṃ haitam Uddālaka Āruṇir Vājasaneyāya Yājñavalkyāyāntevāsina uktvā... etam u haiva Vājasaneyo Yājñavalkyo Madhukāya Paiṉgyāyāntevāsina uktvā... Madhukaḥ Paiṉgyaś Cūḍāya Bhāgavittaye ’ntevāsina uktvādi. So schließt auch bei uns das vorletzte Fioretto nach SAN FRANCESCO ab, ed. SABATIER No. 54: »Hanc historiam habuit frater Iacobus de Massa ab ore fratris Leonis, et frater Hugolinus de Monte Sanctae Mariae ab ore dicti fratris Iacobi, et ego qui scripsi ab ore fratris Hugolini viri per omnia fide digni.«

Die Gestalt eines so getreuen Jüngers ist in der Skulptur, z. B. der von Sārnāth, und in der Malerei, wie auf den Fresken zu Ajaṇṭā — die Skizze eines derartigen Bildes findet man in FERGUSSONS und BURGESS’ Cave Temples of India, London 1880, p. 311 No. 59 — anmuthig dargestellt: und hat wiederum ein überraschend entsprechendes Gegenstück auf elf der ausgezeichneten sechsundzwanzig theodericischen Mosaiken vom Leben Jesu im Sant’ Apollinare Nuovo zu Ravenna. Mag nun dergl. durch zufällige oder nothwendige Anlässe oder etwa durch byzantinische Tradition à la bricole begegnet sein: der Künstler hat da wie dort eine große Anschauung bewundernswürdig groß und gleichartig nachgebildet. Athavā bhavitavyānāṃ dvārāṇi bhavanti sarvatra.

Vergl. noch das wohlbekannte sāvakayugam, d. i. Sāriputto und Moggallāno, das aggam bhaddayugam: ein gleiches auch in der 50. Rede, p. 333; und die cattāri purisayugāni, viermal je zwei erlauchte Jünger, 7. Rede p. 37, passim.

Die sinnige Vorstellung, dass in heiliger Nähe auch einer Geisterschaar das abgeklärte Auge aufgehn mag, wie oben Ende des Berichtes S. 485, hat bei uns GOETHE veranschaulicht, wenn der Pater seraphicus den Säligen Knaben seine Augen verleiht und als die eigenen brauchen lässt, »diese Gegend« anzuschauen, und die Säligen nun »in sich nimmt«, ihnen Bäume, Felsen, Wasserstrom liebreich offenbart und sie zu höherem Kreise hinansteigen, durch Geisternahrung immer unvermerkt wachsen lehrt, in den freiesten Aether entfaltet: die »junge Geisterschaar«, die — gleich jener anderen oben S. 481 — erst wie ein Morgenwölkchen durch den Dunkeln Wald herangeschwebt war, mit der Frage:

Sag’ uns, Vater, wo wir wallen,

Sag’ uns, Guter, wer wir sind?

Glücklich sind wir, allen, allen

Ist das Dasein so gelind.

[210] Chāndogyopaniṣat I, 2, 2: te ha nāsikyaṃ prāṇam udgītham upāsāṃ cakrire. Etc. — Και καλως Ἡρακλειτος ειπεν, ὁτι αἱ ψυχαι οσμωνται καθ’ ἁδην, PLUTARCHI De facie etc. cap. 28 i. f. — Faust v. 6473/78 (Der Hauch des Paris); ib. v. 8265 f. (Das Gruneln des Homunculus), und ebenso W. Ö. Div. I, 16, VIII, 28. In diesem Sinne möchte sich wohl auch der gandharvas, gandhabbo, der Δαιμων, Genius, Keimling — vergl. die 93. Rede gegen Ende — als Duftes lebendige Fühlung, ohne Ferne geflogen und gebannt, wirkend offenbaren: colla parte keine ganz ungehörige, recht artige Probe höherer indo-ārischer Physiologie. Bei uns von GUSTAV JÄGER umfassend erneut.

Eine solche Anschauung, die bis zu einem gewissen Grade gültig ist, wird von ECKHART mit großer Besonnenheit mehrfach beleuchtet, z. B. p. 81 »diu sêle ist in eime ieklîchen gelide alzemâle«, p. 268 »diu sêle ist ganz und ungeteilt alzemâle in dem fuoze und in den ougen«, p. 397 »ist ganz in eime ieglîchen gelide, in den vingern, in den ougen, in dem herzen und in eime ieglîchen teil aller gelide grôzer und kleiner«, p. 537 »diu sêle ist an ir nâtûre alsô gestalt, wâ si iht ist, dâ ist si alzemâle, an ieglîchem lide ist si alzemâle, unt daz ist des schult, swâ der nâtûre iht ist, dâ ist si alzemâle«. KANT: »Ich bin ebenso unmittelbar in der Fingerspitze wie in dem Kopfe. Meine Seele ist ganz im ganzen Körper und ganz in jedem seiner Theile.« ed. ROSENKR. VII, 42.

[211] Wenn bei der 120. Rede in anderem Zusammenhange eine kantische Einführung empfohlen sein durfte, so wird hier als Vorschule das 1.-2. Hauptstück des 2. Buches der transscendentalen Dialektik das Verständniss z. Th. erleichtern. Da kommt unser Ergebniss vom »Entstehn und Vergehn des Selbstes« bei der Kritik des 1. Paralogismus zustande: »Denn das Ich ist zwar in allen Gedanken; es ist aber mit dieser Vorstellung nicht die mindeste Anschauung verbunden, die es von anderen Gegenständen der Anschauung unterschiede. Man kan also zwar wahrnehmen, daß diese Vorstellung bey allem Denken immer wiederum vorkömt, nicht aber, daß es eine stehende und bleibende Anschauung sey, worin die Gedanken (als wandelbar) wechselten. Hieraus folgt: daß der erste Vernunftschluß der transscendentalen Psychologie uns nur eine vermeintliche neue Einsicht aufhefte, indem er das beständige logische Subiect des Denkens vor die Erkentniß des realen Subiects der Inhärenz ausgiebt, von welchem wir nicht die mindeste Kentniß haben, noch haben können, weil das Bewustseyn das einzige ist, was alle Vorstellungen zu Gedanken macht, und worin mithin alle unsere Wahrnehmungen, als dem transscendentalen Subiecte, müssen angetroffen werden, und wir, außer dieser logischen Bedeutung des Ich, keine Kentniß von dem Subiecte an sich selbst haben, was diesem, so wie allen Gedanken, als Substratum zum Grunde liegt.« K. R. V., 1S. 350.

[212] Zum stillen Niedersitzen, der lautlosen Versammlung, dem heiligen Schweigen cf. Bd. 2, S. 354 u. 391, und die 118. Rede, oben S. 183 f. So hat denn auch S. IOANNES SINAITICUS, der unverzagte asketische Felsenklimmer, auf seiner 3. Klimas den σιωπης βυθον wahrgenommen und auf der 27. Staffel dann wundersam entsprechend erklärt: προερχομενος, ὁ λογῳ ου προερχομενος, ηπιος, αγαπης ὁλος οικς, p. 28 u. 403 der Ausgabe von 1633. — In diesem Sinne hat bei uns CARLYLE gesagt: »Speech is of Time, Silence is of Eternity«, Sartor resartus III, 3.

[213] Wie das Vorspiel dieser und ähnlicher Reden lautet der Bericht in CELANOS Vita S. FRANCISCI, I, 22: Ingrediente ipso aliquam civitatem, laetabatur clerus, pulsabantur campanae, exultabant viri, congaudebant foeminae, applaudebant pueri, et saepe ramis arborum sumptis psallentes ei obviam procedebant.

Diese, zumal im 2. Bande, oft dargestellte cārikā kalyāṇena kittisaddena abbhuggatā ist gewissermaaßen eine vihārayātrā höherer Art, oder recht eigentlich eine dhammayātrā; und man erinnert sich da gern, dass Asoko gerade den letzteren Ausdruck auf dem VIII. Felsenedikt gebraucht, auch wohl im Gegensatze zur gewöhnlichen devayātrā, um alsdann, ein seltener Herrscher, zufrieden den Schluss zu ziehen, er habe, auf der anderen Seite, dabei, nämlich bei der dhammayātrā, mehr Genuss erfahren als die vorangegangenen Könige bei ihren vihārayātrās, Prozessionen, Jagdfahrten und sonstigen dergleichen Vergnügungen. — Nb: bhāge aṃñe, bez. bhagi aṃñi, ist loc.: parte alteri; wodurch mit ächt indischem feinsten Humor implicite das ‚bessere Theil‘ bedeutet ist. Aehnlich Säulenedikt VII, 2, 9, wo Asoko völlig bewusst des Unzulänglichen selbst seines großartigen Wirkens, das umfassend und allgemein wie es ist zugleich auch die mindesten Einzelheiten zum Schutze der Menschen sowie der zahmen und der wilden Thiere sorgsam vorgesehn hat, endlich — ubique princeps — mit innig melancholischem Lächeln sagt: Tata cu lahu se dhaṃmaniyame, nijhatiyā va bhuye: „Dennoch aber ist wenig gethan mit gerechtem Betragen, Einsicht üben ist wohl mehr.“ Eine solche Mahnung ist übrigens auch bei uns, zwar von keinem Kaiser und König, doch von einem Meister verkündet worden: „Ihr sollt wissen, dass die Leute die nützesten Uebungen üben. — Wisset, dass das Königreich sälig ist, wo der Mensch eins ist innen. Sie schaffen mehr ewigen Nutzes in einem Augenblicke, als alle äußeren Werke, die je auswendig gewirkt wurden“: ECKHART, p. 129; vielleicht also wie kein anderer kühn bekräftigend was der Panagios GREGORIOS Phoster ein Jahrtausend vorher schon an den Abhängen des Ararat gelebt und gelehrt: Ωθελιμωτατον γαρ ὑπαρχει απο παντων των κοσμικων περισπασμων ἡσυχιαν αγειν, και ιδιαζειν, Act. Sanct. Sept. tom. VIII fol. 393 C.

Der Bescheid über jene Ehrwürdigen, am Schlusse der obigen Rede, ist eine schlichte Auflösung der bedenklichen Frage JAKOBS, Ep. 4, 4, ουκ οιδατε ὁτι ἡ φιλια του κοσμου εχθρα του θεου εστιν; und des paradoxen Spruches, den ECKHART p. 483 aus einem gleichen Sanctus EXPERGITUS Illuminator beibringt: „Weltliche Ehre und weltliche Freude ist nichts anderes als eine ungerechte Bosheit“; wie denn sogar unser frohgemuthe und doch tiefsinnige Ritter WIRNT ebenso gesagt hatte, »daz diu werlt niht fröuden hât, ir hoehstez leben mit grimme stât |«: Wîgâlois v. 11677/78.

[214] Cf. zum Eingange dieser Rede einen Ausspruch des DIOGENES, in STOB. Flor. XCV, 19: την πενιαν αυτοδιδακτον κιναι αρετην und, ib. 11, γπικουρηλα προς φιλοσοφιαν. Ebenso der Pythagoriker HIPPODAMOS, ib. XCVIII, 71 i. f.; und noch mancher Große, der uns von SENECA in seinem encomium paupertatis, epist. LXXXVII bei Erklärung des deesse, vorgeführt wird: eine Reihe, die man beliebig von ARISTOPHANES, Plut. 593: παντ’ εστ’ αγαθ’ ὑμιν εια την πενιαν, bis zu PLOTIN, Enn. III. 2. 5: πενιαι συμφορα, und weiter ergänzen und erkunden mag. Ist nun zwar der griechische Begriff der πενια, bez. ανυπαρξια viel kleiner als der indische der śūnyatā, so stellt er doch wohl einen Bruchtheil des letzteren dar; gleichwie auch die povertà des S. FRANCESCO und die armuot MEISTER ECKHARTS, zumeist aber die himmlische Oede LAO-TSES. Bei ihnen allen gilt eben BRUNOS tiefbedachte Definition: »nessuno può gustar che cosa sia tranquillità di spirito, se non è povero o simile al povero«; und nicht minder was ein alter Barde an DON GOZIMAS dem Eremiten naiv gerühmt hat:

Mas preçiava el su pobredat

Que algun conde su riquedat.

[215] an der südöstlichen Gränze von Nepāl, vielleicht im Gebiete von Khajauli, unfern Janakapur, dem alten Mithilā.]

[216] Nach dem Bṛhadāraṇyakam I, 5, 8: manasā hyeva paśyati, manasā śṛṇoti; wo auch II & IV i. f. Pārāśaryas als Altmeister überliefert ist.

Zu [S. 485, Z. 5 v. o.]: Auch Geister und Götter sind bekanntlich dem Entstehn und Vergehn unterworfen. Vergl. Anm. 96 und S. 284. Dieser Begriff der nur lange, nicht ewig bestehenden Götter, wie er in Indien gang und gäbe und unvermuthet wieder bei EMPEDOKLES erscheint, ist mir recht merkwürdig einmal auch bei uns begegnet. Eine muntere Schrättin sagte einst im Gespräch, es war an einem Karfreitage, sehr klug zu mir: »Wie kann Eins denn immer noch an Christus glauben? In so langer Zeit muss er ja längst anders worden sein und aufgelöst.« — »Freilich doch nur was den Leib angeht«, warf ich ein, »aber sein Geist?« — »Auch der, mein’ ich«, sagte sie, »mag nimmer der selbe geblieben und verschwunden sein.« Einem solchen Zeugnisse wohlgesättigten Mutterwitzes ließen sich gelegentlich mancherlei tiefere Stimmen gesellen, wie etwa Anm. 152 von anderen Ripien berichtet ist, deren finale Gestalt uns VERNALEKEN aufbewahrt hat. Es sind gewissermaaßen chladnische Klangfiguren; oder historisch betrachtet, versprengte Reste ārischen Glimmers im semitischen Kalke, die heute nur mehr in labyrinthisch verborgen rieselnden Quellen altüberkommener Weissagung, allmälig fast ununterscheidbar zerschliffen, immer weiter zersetzt, hinweggetragen und verschwemmt, kaum reinlich wiedergewinnbar sein werden: und ihnen glücklich nachspüren kann selten gelingen. Noch seltener freilich durch Schlamm und Gerölle, Mergel, Kies und Quarz bis zum Urgebirge vordringen und Edelkrystalle finden und schätzen lernen: »denn die wahren Heiligen sind«, nach des MATTHIAS CLAUDIUS einsichtiger Kleinodienkunde, »die Diamanten gegen die ungeheure Menge Feldsteine.« Am seltensten aber erst KANT ergründen und Kopf und Herz buddhistischer Mönche abwägen, dann Gleichmuth in entlegenen Wäldern vollbringen und endlich wortlos in ägyptischer Einöde sich verlieren: wie es ROBERT L’ORANGE gethan.