Das Bärensteiner Spiel.

Die Erhaltung verdanken wir dem Oberförster Timäus in Unterwiesenthal. Sein Gewährsmann ist der Waldwärter Göbel, der es im Jahre 1900 von einem Schuhmacher Fritz Meyer in Bärenstein, der selbst noch an den Spielen teilgenommen, aufgezeichnet erhielt. Man vergleiche besonders die Bescherungsszene mit der im Wiesaer Spiel. Das Stück ist enthalten in den Mitteilungen des Vereins für Sächsische Volkskunde, Band II, Heft 3.

I.

1. und 2. Engel singen »Vom Himmel hoch«. 1. Vers.

II.

Die ganze Schar singt »Vom Himmel kam der Engel Schar«.

III.

Der heilge Christ singt

Einen schönen Abend insgemein,
Wir sind gekommen zu euch rein
Und wollen sehen zu dieser Frist,
ob Aufrichtigkeit und Religion noch ist,
die Eltern auch geliebt,
mit Willen nie betrübt,
was sie befohlen euch
und sie erzürnet nicht.

IV.

Nikolaus spricht zum Knecht Martin oder Ruprecht.

Wir wollen von hinnen fahren
und wollen unsre Schätz auf fromme Kinder sparen.
Und wer fein fromm gewesen ist, den will er freundlich loben,
Komm immer, komm herein, du heilger Christ von oben.
Nun Martin, fang du an und laß die Kinder beten,
Weihnachtsgebetlein zum Katechisma treten.
Schämt euch der Arbeit nicht, red auch kein schnippig Wort,
in Schulen sitzt fein still und bleibt an euren Ort.
So will ich euch Gold, Silber, Schmuck und Perlen bringen,
wenn ihr werd't fahren fort mit Beten, Lesen und Singen.

V.

Gesang: Ich freue mich in dir und heiße dich willkommen usw. 1. Vers.

VI.

Joseph und Maria. Joseph spricht beim Wirt um Herberge an:

Schön guten Abend, mein lieber Herr Wirt,
Ich und das Weib, wir kommen aus der Stadt Galiläa
Und wollen fragen um Herberge ah.

Wirt.

Mein lieber alter Mann, das kann nicht sein,
es sind bei mir gekehret ein
viel tapfere Herren und Frauen ein.
Reist weg von mir, ihr könnt hier keine Herberge bekommen.

Joseph.

Es ist lauter Gottesgeschick,
wir Armen ham halt gar kä Gelück,
Herze Maria, gieh du na,
weil ich nischt richten ka.

Maria spricht den Wirt an. (Die Worte waren dem Ueberlieferer entfallen.)

Wirt (antwortet).

Für eure große Aufrichtigkeit
sag ichs euch zum letzten Mal,
vergonnen soll euch sein der Stall.

Gesang von Maria und Joseph: Lobt Gott ihr Christen allzugleich. 1. Vers.

VII.

Hirten liegen am Boden schlafend.

Ein Engel verkündigt:

Ihr Hirten und Schäfer, steht, (auf?)
hört, was ich euch sagen will.
Uns ist ein Kind geboren
zu Bethlehem in Davids Stadt,
wie Micha das verkündigt hat.

Hirten erwachen und der erste Hirt spricht:

Schaut Brüder, was ist das für ein Zeichen,
das am Himmel sich erregt,
es muß ganz neues was bedeuten,
weil er ganz alleine steht. (!)

Der zweite Hirt spricht:

Drum ihr Brüder auf,
wir wollen gehen einen Lauf,
und wollen nach Bethlehem gahn,
und wollen nach dem Kindlein fran,
wie uns der Engel hat kundgetan.

Der dritte Hirt spricht:

Wir werdens noch erfahren heut (!)

VIII.

Opferung der Hirten und Schäfer bei Joseph, Maria und neugeborenem Kind im Stalle.

Gesang der Engel: Gloria in exelsis deo, et in der Apacemine was trollenfollendatis.[13]

Lied für die ganze Schar.

O Fürstenkind aus Davids Stamm,
du meiner Seelen Bräutigam,
mein Licht, mein Trost, mein Leben.
Schließ ich in mir (?) in mein Herze,
daß ich scherze, und dich küsse,
dich auf ewig lieben müsse.

Lied der Schäfer.

Das Schäferleben mich ergötzt,
weil es so lustig ist,
denn wo ich nur den Fuß hinsetz
ist alle Müh versüßt.
Das Ohr zu hören wird nicht matt.
Das Aug zu sehen wird nicht satt,
den Schäferstab ich lieb.