Das Cranzahler Spiel.
Mosen (Seite 31) schreibt darüber, daß die meisten Mitglieder dieser Engelschar wegen der Aufführung bestraft worden seien, aber »mit brennendster Begier die Erlaubnis zur Wiederholung ihres Spiels« wünschten. Sämtliche Rollen wurden nur von Männern dargestellt, auch die der Maria. Das Vorspiel gleicht dem Wiesaer, nur die Hirtenszenen sind ausführlicher.
Die Hirten singen beim Auftreten.
Frohlocket, ihr Himmel, mit englischer Wonne,
weil Jesus geboren, die himmlische Sonne.
Es jauchzen die Völker, es singet die Welt,
weil Jesus heimsuchet das Erdengezelt.
Heut singen die Engel, heut lachet der Himmel,
heut jauchzet und springet das Erdengetümmel.
Nach der Anbetung im Stalle sangen sie:
Drauf finden die Hirten und loben mit Schalle
das Jesulein, liegend im finstern Stalle,
sie fallen zu Füßen und beten es an,
als ihnen die Engel dies kundbar getan.
Heut singen die Engel, heut jauchzen die Himmel,
heut jauchzet und springet das Erdengetümmel.
Beim Zusammentreffen der drei Könige spricht Melchior:
Im Namen Jesu seid gegrüßt!
Ich bring euch gute neue Zeit,
die euch der Herr mit Freuden geit.
Euch ist geboren der edle Held,
der erlösen wird die ganze Welt.
Drum laßt uns eilend und behend
hinziehen nach demselben End,
an welchem Ort zu dieser Frist
der neue König geboren ist.
Denselben wollen wir beten an,
und ihm auch unsere Huldigung tan,
wir wollen ihn verehren mit unserm Geschenk,
dabei er unser stets gedenk.
Sie kommen zu Herodes und sprechen:
Glück zu, mein lieber König Herodes!
Sie sagen ihm, daß ein Kindlein geboren sei,
welches ein großmächtiger König und Herr soll sein,
seine Gewalt über Himmel und Erden.
Da gerät er in heftigen Zorn:
Potz Quintus Florus, was hör ich nun!
Was soll ich in meinen Sachen tun?
Soll sein ein neuer König geboren,
so wäre mein ganzes Reich verloren.
O Jammer über Jammer groß!
Wie stehet meine Sache bloß!
Soll sein ein neuer König zur Hand,
so treibt er mich aus meinem Land.
Die Anbetung der Könige findet sich in der Zusammenstellung am Ende dieses Bandes.
Nachdem der Engel die Weisen gewarnt hat, zu Herodes zurückzukehren, spricht Kasper:
Dieweil wir nun im Traum von dem Engel haben gehört,
daß wir sollen ziehen einen andern Weg,
so laßt uns aufmachen zur Hand
und ziehen durch ein ander Land.
Dann fordert der Engel Joseph zur Flucht auf und dieser spricht zu Maria:
Nun Maria, laß dir sagen,
wir sollen das Kind nach Aegypten tragen.
Maria.
Es soll an mir kein Mangel sein,
komm immer, mein liebes Jesulein,
wir wollen schnell und behend
reisen nach unserm Elend.
Joseph.
Packt zusammen!
Der Chor singt nun den Liedvers: »Wo werd ich Dich nun finden? zu Bethlehem nicht mehr usf.« Die Herodesszene beginnt mit den Worten:
Herodes.
Mein lieber Diener, hast du nichts vernommen,
ob diese Personen sind wiedergekommen?
Als er das Gegenteil erfährt, wird er wütend:
Ei, da schlag Blei und Pulver drein,
sollten sie gewiß vorüber sein?
Er beschließt den Kindermord:
Und sollten alle Kinder sterben,
so muß der König auch verderben;
das Kinderblut ist meine Lust,
dieweils mich Kron und Szepter kost't.
Drum, auf, ihr Diener, eilt geschwind,
und helft mir suchen das jüdische Kind.
Wenn einer solches ausrichten kann,
der soll haben mein halb Königreich zum Lohn.
Diener.
Mit meiner Macht und starker Hand,
will ich gehn durchs ganze jüdische Land
und töten alsobald alle Knaben
von zwei Jahren alt zu Ehren mein,
haun und stechen mit meiner Kling und Spitzen;
Den großen Hauf und das Fräulein
wird sie mit Knabenblut bespritzen.
Zu Ehren des Herren mein
will ich meine Macht beweisen,
mit Rach und unbarmherziger Hand,
die euch durchdringet Stahl und Eisen,
zu schützen meines Herren Kron,
davon ich soll haben sein halb Königreich zum Lohn.
Dann spricht er dreimal den Satz:
Ich suche Blut und übe Rach' an jungen Knaben aus.
Der Chor singt.
Auf sperren sie den Rachen weit
und wollen uns verschlingen.
Lob und Dank sei Gott alle Zeit,
es wird ihn'n nicht gelingen.
Er wird ihren Strick zerreißen gar
und stürzen ihre falsche Lahr,
sie werdens Gott nicht wehren.
Nun tritt der Diener wieder ein und spricht:
Ich hab gekämpft und wollt obsiegen gar,
nun aber muß ich schamrot werden ganz und gar;
ich suchte wohl, fand aber nichts,
nach dem sich tät mein Mut erreichen.
Mit Rach und Tyrannei ist nichts getan,
Das muß ich jetzt bezeugen.
Ich hätte gern vollführt, was mir vom König ward bestellt,
nun aber ist mir erst der ganze Sinn und Mut gefällt;
Drum leg ich nieder Wehr und Waffen
und hab mit der Gerechten Blut nichts mehr zu schaffen.
Die nächste Szene haben wir uns in Ägypten zu denken. Der Engel verkündet dem Joseph, daß die Feinde gestorben sein. Da spricht Joseph:
Höre, Maria, wir sollen schnell und behend,
reisen wieder nach Bethlehem,
Gott wird uns erhalten bis an unser End.
Nun singt die ganze Engelschar eine »Arie«, die so beginnt:
Was wird mir mein herzliebes Jesulein geben?
Himmlisches Leben!
Der Sternenengel beschließt das Spiel mit den Worten:
Nun, lieben Freunde insgemein,
nun haben Sie vernommen fein
und ohne Zweifel frei genommen,
wie es mit dem Kindlein sei gekommen,
daß es mußt gleich nach seiner Geburt
fortziehen an einen fremden Ort,
und wie Herodes falsche List
hernach zu nichte worden ist,
und wie die Weisen aus Morgenland
ihm groß Geschenk verehret haben.
Der Fried des Herrn sei mit euch,
einen guten Abend haben Sie allzugleich,
dazu ein fröhlich neues Jahr;
Gott helf, daß es uns allen widerfahr,
Gott helf, daß er nach dieser Zeit
uns bringe zu der Ewigkeit.
Der Vers: »Heut schleußt er wieder auf die Tür« beschließt auch das Cranzahler Spiel.
Aus dem