Das Wiesenthaler Spiel.
Dieses ist 1910 von Pastor Böhme aufgezeichnet worden und wird zuerst im »Glück auf«, Jahrgang 1910, Seite 183 ff, veröffentlicht. Im nächsten Jahrgang (1911, Seite 39) bringt Schuldirektor O. Borges in Leipzig einige Berichtigungen und Ergänzungen. Wir stellen die beiden Bearbeitungen nebeneinander. Die alte Fassung (Borges) scheint die volkstümlich wertvollere zu sein.
Personen:
Maria, Josef, Hohenpriester, Diener Laban, 3 Könige, 3 Bediente, Wirt, Herodes, Engel, 2 Hirten.
Gesang: Vom Himmel hoch.
Alte Fassung.
Hohenpriester.
Einen schönen guten Abend zu dieser heiligen Zeit,
ein frohes Jahr, gesunden Leib
Und was Ihr Herz tut mehr begehren,
Das wünsch ich Euch, großgünstge Herrn,
weil sich die Zeit jetzt tut herwenden,
der Weisen Freude zu gedenken,
so wollen wir etwas diskurieren,
von der Geburt Jesu, unsres Herrn,
und wie sie hat geführt der Stern.
(Geht ab.)
Neue Fassung.
Hohenpriester.
Nun ist das schönste Fest auf Erden,
Das heilge Christfest wieder da.
Wie soll an diesem Fest der Herr gepriesen werden,
der, als er einer Welt voll Sünder elend sah,
vor Mitleid gegen sie so inniglich entbrannte,
daß er – was ihm das Teuerste und Liebste war, –
selbst seinen Sohn, den eingebornen an sie wandte
und ihn, – doch wer erstaunt hier nicht sogar? –
vom Throne seiner Herrlichkeit ins Tal der Tränen sandte,
wo die Maria ihn gebar,
gebar in einem finstern Stalle,
wo nichts von Herrlichkeit an ihm zu sehen war.
Hier lag er nun zur Rettung für uns alle,
uns zu erretten von dem Sündenfalle,
der leider uns die Gnade Gottes nahm.
Ein Engel, der vom Himmel kann,
rief: »Ich verkündige euch große Freude,
die allem Volke widerfahren soll,
denn heute ist der Heiland euch geboren,
der euch das wiederbringt, was ihr verloren.«
Freut euch, Erwachsene, auch nicht minder
ihr guten, ihm so teuren Kinder,
freut sämtlich euch, daß er des Himmels Paradies
eröffnet und uns Sünder nicht verloren ließ.
Dankt ihm vereint, verherrlicht seinen Namen
und sucht schon früh sei Beispiel nachzuahmen!
Nehmt seine Lehre an, die er von Gott gebracht!
Befolgt sie gern, befolgt sie Tag und Nacht,
so habt ihr euer Glück dann ganz gewiß gemacht,
so seid ihr selig hier, und schließt ihr euer Leben,
so wird der Heiland euch dort seinen Himmel geben.
(Geht ab.)
In beiden Fassungen.
Wirt:
Was gibts heut für ein Wunderspiel?
Hab ich der Gäste doch soviel
wie oftmals nicht? oft ist das Haus
so leer, daß mich befällt ein Graus.
Heut will ich mir den Beutel spicken,
auf lange Zeit die Früchte pflücken,
mein Haus soll mir, bei meinem Eid,
bezahlet werden von solchen Leut.
Ich will die Gäste gar gut traktieren,
dabei auch doppelte Kreide führen,
bei hohem Preis und blankem Geld,
weil beides nur den Wirt erhält.
(Maria und Josef kommen von rechts.)
Doch halt, was kommt dort für ein Alter her,
der trägt seinen Kober ganz die Quer,
der wird gewiß wollen Herberg haben,
eine warme Stube, die wird ihn laben.
Er sieht so frostig um sein Maul,
ich will hingehn, will sein nicht faul,
will hören was sein Begehr ist.
Woher, Alter, zu dieser Frist?
Josef.
Ach mein allerliebster Herr,
ich komme gar von Weitem her,
meiner gnädigen Herrschaft zu gehorchen.
Ich bitt, wollt mich beherbergen bis morgen.
Wirt.
Ihr seht mir viel zu ärmlich aus,
paßt heute gar nicht in mein Haus,
ist auch kein Raum für euch mehr hier,
sucht euch ein anderes Nachtquartier.
Josef spricht zu Maria:
Maria gieh du na, weil iech nichts richten ka.
oder
Maria, bitte du, weil ich nichts richten tu.
Alte Fassung.
Maria.
Herr Wirt, Herr Wirt, versag er uns doch nicht
und geb er uns doch guten Bericht,
seh er doch meinem Umstand an
und meinen alten grauen Mann.
Wirt.
So gehet hinter in den Stall
zum Ochsen und zum Esel all.
Und was ich euch lasse tragen für,
so kommet und bezahlet mir.
Josef.
Kumm, Maria, wolln wir uns ins Winkel packen,
Gott wird schicken all unnere Sachen.
Maria.
Ach Josef, mein getreuer Mann,
ich dir nicht mehr verhehlen kann:
Ich werde nach des Herrn Wort
ein Kind gebären in diesem Ort.
Josef.
Daß mir die Sach net kund mog sei,
Maria, mit den Kindelei!
Ich hob mich a besunne schu,
ich war noch lafen gar drvu.
Engel.
Ach Josef, ändere deinen Sinn,
weil ich von Gott gesendet bin.
Wenn du verlassen wirst dein Weib,
das wird dir bringen großes Leid.
Denn was von ihr geboren ist,
das soll heißen Jesus Christ,
soll der ganzen Welt Erlöser werden,
ja, allem Volk, das lebt auf Erden.
Neue Fassung.
Maria.
Ach Herr, verstoßt mich doch nicht,
und gebt mir einen guten Bericht,
weist mir ein Plätzchen im Stall an
mit meinem alten grauen Mann.
Wirt.
So geht nun hinter in den Stall
zum Ochsen und zum Esel all!
Da sollt ihr euer Wohnung han
mit eurem alten, grauen Mann.
Und alles, was ich euch laß tragen für,
so kommet und bezahlet mir.
Josef.
Jetzt hab ich mir das Ding bedacht,
und das wird auch so gleich vollbracht
Ich geh halt fort ganz in der Still,
kann Maria machen, was sie will.
Engel.
Ach Josef, ändre deinen Sinn,
weil ich von Gott gesendet bin,
behalt Maria, dein Gemahl,
und änder die getroffne Wahl!
Bleib du bei ihr und liebe sie
Gott lohnt dir alle deine Müh.
2. Auftritt.
Die beiden Hirten um ein Lagerfeuer ruhend.
Alte Fassung.
1. Hirt.
B'hüt Gott, dos is a kalte Nacht,
vor grußer Kält hob iech gewacht.
Mei Kreiz, iech ka nimmer länger stah,
ich will e Weile ofn Fald rimgah.
2. Hirt.
Ich will e Weile mittegah,
daß ich mich erwärme ka.
Es freist mich a su grausam hart,
vor grußer Kält strotzt mir mei Bart.
1. Hirt.
Ober schau emol, mei lieber Gespa,
wos dort of gener Weide stah,
es gibt an glänzend hallen Schei,
es ward wuhl gar e Gespenster sei.
2. Hirt.
Ich gieh net na,
's könnt mir aans vorn Hals aga.
1. Hirt.
Ich gieh a net na,
's könnt mir a aans vorn Hals aga.
2. Hirt.
Gimmer alle bede na,
werds uns aans vorn Hals aga,
schlae mir e annersch na.
Neue Fassung.
1. Hirt.
Mein Gott, wie kalt ist diese Nacht!
Wie schwer wird da der Hirten Wacht!
2. Hirt.
Ja, lieber Freund, sie ist sehr hart.
Vor großer Kält strotzt mir mei Bart.
Es schauert mich, das Blut ist steif
und fingerdick wird da der Reif.
Doch siehe, du, mein lieber Freund!
Was dort in jener Ferne scheint,
das glänzt so schön, gibt hellen Schein,
es mag wohl gar ein Gespenst sein.
1. Hirt.
Wahrlich mir graut vor diesem Ding.
Wir wollen uns nicht lange besinnen,
wollen laufen und springen.
In beiden Fassungen.
2. Engel.
Steht still, ihr Hirten alle zwei!
Der Engel Gottes mit euch sei!
Denn siehe ich verkündige euch große Freud,
Die allem Volke widerfahren heut,
denn euch ist heute der Heiland geboren,
welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids.
1. Hirt.
O horch, das ist ein Engelein,
ein vielgeliebtes Geistelein,
das wollen wir fragen,
das wird uns sagen,
das, was uns gut und dienlich sei.
2. Hirt.
Ich mags nicht fragen,
laß du dirs sagen,
was es wohl ist mit dem Gottesbericht,
weil gar kommt ein Engelgesicht.
1. Hirt.
Höre du, mein liebes Engelein,
mein vielgeliebtes Geistelein,
erzähl mir die Geschicht,
mit deinem Bericht
von dem neugebornen Kindelein.
Engel.
Zu Bethlehem in Davids Stadt,
wie Micha es verkündet hat,
da liegt der Herre Jesus Christ,
der euer aller Heiland ist.
Er liegt in einer Krippe hart,
neugeboren, arm und zart,
gewickelt in die Windeln ein,
das soll für euch das Zeichen sein.
1. Hirt.
Hab Dank, du liebes Engelein,
du vielgeliebtes Geistelein!
Wir wollen uns kurz besinnen,
wollen laufen und springen,
bis wir das Kindlein gefunden han,
auf daß auch wir es beten an.
2. Hirt.
Sieh hier, da steht ein heller Stern,
der zeigt gewißlich an den Herrn.
(Josef kommt von links.)
Wir wollen diesen Alten fragen,
der wird uns wohl die Wahrheit sagen.
Alte Fassung.
1. Hirt.
Guten Abend, guten Abend, du alter Greis,
wir bitten dich mit ganzem Fleiß,
du wollest uns doch sehen lan
das Kind, das uns ist kundgetan.
Josef.
Dort liegt es in dem Krippelein,
gewickelt in ein Windelein.
Hirt.
Wie heißt es denn?
Josef.
Immanuel.
Hirt.
Was bringt es uns?
Josef.
Trost, Heil der Seel.
Es ist der Weg der Glaub allein.
Hirt betet an.
Darnach:
Wenn wir wieder kommen rein,
bringen wir mit rote und gelbe Aepfelein.
Neue Fassung.
Hirt.
Ist, Alter, hier ein Kindelein,
neugeboren, zart und fein,
so zeige uns dasselbe für,
denn uns treibt Dank und Lobgebühr.
Josef.
Es liegt in seiner Krippen dort,
weil kein Raum ist an diesem Ort.
Hirt.
Weil wir nun das Christkind gefunden han,
so mögen denn unsere Stimmen erklingen
und dem Kind ein Lied zu Ehren singen.
Die Hirten singen:
Gelobet seist du Jesus Christ,
daß du Mensch geboren bist
usw.
Hirt.
Wenn wir wieder komme herein,
wollen wir mitbringen feine gelbe, rote Aepfelein.
Hirten nach rechts ab. Der Vorhang fällt.
3. Aufzug.
Die Weisen kommen von rechts.
Melchior (sieht sich erstaunt um).
Mein Gott, was soll mir dies bedeuten,
daß mir der Stern jetzt tut entweichen?
Caspar.
Ich wünsche dem Herrn viel Glück und Fried!
Wie kommts, daß er sich so umsieht?
Melchior.
Einem Stern bin ich nachgezogen,
der hat mich bis hierher getragen,
und als ich kam in diese Stadt,
sogleich er sich verloren hat.
Caspar.
Auch mir ist dieser Stern erschienen.
Ich komme und will dem Kindlein dienen,
allein der Stern ist mir entschwunden,
und hab das Kindlein nicht gefunden.
Balthasar.
Einen schönen guten Abend ich euch vermeldt,
wie ist es denn mit euch bestellt,
daß ihr allhier so stille steht
und freundlich miteinander redt?
Seid ihr etwa in dieser Stadt zu Haus,
so will ich euch um etwas fragen aus.
Melchior.
Mein lieber Freund, sag immer an,
ich will hören, ob man euch berichten kann.
Balthasar.
Ich habe einen Stern gesehen,
wo wunderliches ist geschehen,
der mir anzeiget fein,
daß ein Kindlein soll geboren sein,
soll der ganzen Welt bringen den Fried,
soll aller Welt Erlöser werden,
und allem Volk, das lebt auf Erden.
Caspar.
Gleiches ist uns auch geschehen,
wir haben einen Stern gesehen,
und als wir kamen zu dieser Stadt,
sogleich er sich verloren hat.
(Diener kommt von links.)
Balthasar.
Dort kommt einer von ferne her,
der wird uns beichten von ungefähr,
wo der neugeborene König ist,
der geboren ist zu dieser Frist.
Caspar.
So wollen wir ihm entgegen gehn
und mit ihm sprechen.
Alte Fassung.
Balthasar.
Einen schönen guten Abend ich euch vermeldt.
Wie ist es denn mit euch bestellt,
könnt ihr uns nicht anzeigen fein,
wo der neugeborne König der Juden mag sein?
Wir sind dem Sterne nachgezogen,
der hat uns bis hierher getragen,
und als wir kamen in diese Stadt,
er sich alsbald verloren hat.
Neue Fassung.
Balthasar.
Könnt ihr uns etwa berichten
von den freudigen Geschichten,
vom neugebornen Königssohn?
Denn es zeigte uns von ferne
ein Wunder, schönster aller Sterne,
daß geboren sei, der trägt die Krone,
vom Hause Juda, der regieret
die Völker alle, die anführet;
wird aller Welt Erlöser werden
und allem Volk, das lebt auf Erden.
Diener.
Ich kann euch jetzt berichten nicht,
weiß wahrlich nicht, wie mir geschieht,
doch will ich meinen König fragen,
dann werd ich es euch wieder sagen.
(Die drei Könige ab nach rechts.)
Herodes kommt von links und setzt sich auf den Thron.
Diener.
Gnädigster Herr König, Gott verleihe Euch langes Leben!
Es sind drei Männer hier aus fremden Land,
Die fragen nach einem Königsohn,
der die ganze Welt erlösen soll.
Herodes.
Was bringst du hier für eine Mär?
Geschwind, daß man sie bringe her.
Ich will sie fragen, ob sie mich narren,
sie sollen ganz geschwind erfahren,
was sie für einen König haben.
Geschwind Diener, laß sie herkommen!
Diener (zu den drei Weisen).
Mein gnädigster König und Herr läßt euch sagen:
Ihr sollet sofort vor ihm erscheinen.
Melchior.
Wir werden sofort erscheinen.
(Die drei Könige treten vor den König.)
Herodes.
Was ist das, daß ihr in meinem Land
nach einem jungen Königssohn fragt?
Melchior.
Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande
und sind gekommen, ihn anzubeten.
Herodes.
Geht einstweilen in eure Herberge,
bis ich euch rufen lasse.
(Die Weisen gehen nach rechts ab.)
Herodes (zum Diener.)
Höre Laban!
Diener.
Was ist dein Wille?
Herodes.
Hole mir den Hohenpriester in der Stille.
Diener zum Hohenpriester.
Mein gnädigster Herr König läßt euch sagen,
ihr sollt sofort vor ihm erscheinen.
Hohenpriester.
Werde gleich kommen,
(tritt ein und verbeugt sich vor dem König)
Was ist das, daß ihr mich rufen laßt?
Herodes.
Es sind drei Männer hier aus fremdem Land,
die fragen nach einem jungen Königssohn,
der die ganze Welt erlösen soll.
Könnt Ihr mir vielleicht sagen,
was ich mit solchen machen soll?
Hohenpriester (sinnt und spricht)
Ich meine, es wäre der beste Rat,
man ließe sie ziehen aus der Stadt,
bis sie das Kind gefunden han,
auf daß auch ihr hingehet und betets an.
Herodes.
Ich danke Euch für Euern Rat!
Ich werde mich künftig Euer öfters bedienen.
(Hohenpriester ab.)
Herodes zum Diener.
Höre Laban!
Diener.
Was ist dein Wille, gnädigster Herr?
Herodes.
Die drei Männer sollen sofort vor mir erscheinen!
Diener zu den drei Weisen.
Ihr sollt sofort zu meinem gnädigsten Herrn König kommen.
Melchior.
Wir werden sogleich erscheinen.
(sie treten vor den König)
Gott verleihe dem Herrn König langes Leben!
Herodes.
Zieht hin und forschet fleißig nach dem Kindelein,
und wenn ihr es gefunden habt,
dann kommt und sagt mirs,
auf daß ich auch hingehe und es anbete.
Melchior.
Mein gnädigster Herr und König, es soll ganz nach deinem Wunsche geschehen.
(Die drei Weisen ziehen dreimal um den König herum und treten ab.)
Vorhang fällt.
4. Aufzug.
Die Weisen von rechts wandernd, Geschenke tragend.
Melchior.
Hier werden wir gefunden ham
das Kindelein aus Judas Stamm.
Weil hier der Stern so stille steht
und nicht von diesem Haus abgeht.
(sie knien nieder und beten an.)
Melchior.
Da ich nun dich, König der Ehren, gefunden habe,
so gebe ich dir meine Gabe,
nimm hin das Gold aus meinem Schatz,
so viel ich hab gefunden Platz.
Caspar.
Nimm hin den Weihrauch des Gebets
sei gnädig mir, erhöre stets
meine Bitten, das in Demut dir
ich aus dem Herzen bringe für.
Balthasar.
Nimm hin die Myrrhen bittrer Reu,
die ich dir bring aus wahrer Treu.
Dein Lebenslauf wird bitter sein
und enden mit sehr großer Pein.
Nachdem die drei Weisen ihre Gaben dargebracht, erheben sie sich und singen gemeinsam: »Ich freue mich in dir«, nach dem Gesange legen sie sich schlafen.
Engel.
Herodes trachtet nach euerem Leben.
Ihr sollt nicht wieder zu ihm ziehen,
sondern einen andern Weg gehen dahin.
(Engel ab.)
Melchior zu Balthasar.
Was lamentierst du denn in deinem Sinn,
daß du so sauer stehst dahin.
Balthasar.
Soll ich nicht lamentieren viel,
dieweil ich ganz verwirret bin,
durch einen Traum, den ich gehabt
von Herodes die ganze Nacht.
Caspar.
Auch ich träumte in dieser Nacht,
als wenn Herodes nach uns tracht't,
und wollt uns alle töten lassen.
Solln ziehn auf einer andern Straßen.
Melchior.
Gott warnt uns gewiß vor ihm,
daß wir nicht wieder ziehn dahin.
(Könige ab.)
Herodes zum Diener.
Höre Laban!
Diener.
Was ist der Wille meines gnädigsten Königs?
Herodes.
Hast du die drei Weisen nicht wieder nach mir fragen hören?
Diener.
Sie sind in der Stille fortgezogen,
haben uns wahrlich recht betrogen,
wir sollten sie tot niederschießen,
wenn wir nur erst ihr Bleibens wüßten.
Herodes.
Bleizentner alle Stadtgraben voll,
vor großem Zorn werd ich jetzt toll!
du sollst gehen aus meinem Haus,
ein großes Blutbad richten aus.
Alle Kinder, die in Bethlehem sind,
die sollst du töten gar geschwind!
Alle Kinder von eins und zwei Jahren sollst
du in einer Stunde getötet haben!
Diener.
Was mein gnädigster Herr König befiehlt,
das will ich tun.
(Diener ab mit blankgezogener Waffe.)
Gesang.
Wenn wir in höchsten Nöten sein usw.
(Nach dem Gesang kehrt der Diener zurück, steckt sein Schwert in die Scheide und spricht zu Herodes):
Ei, ei! wie hat mein Schwert geschnitten,
Da half kein Flehen, da half kein Bitten,
die Kinder schrieen erbärmlich,
bei mir war kein Verschonen nicht.
Ei, ei! wie viel hab ich erschlagen,
trotzdem keiner mir ein Wort kann sagen.
Herodes.
Recht so, Diener Laban.
Gesang.
»Der Heiland ist geboren« usw.
Schluß.