Hektors Tod

Also weineten beide, den trautesten Sohn anflehend,

Laut mit Geschrei; doch nicht war Hektors Geist zu bewegen;

Nein, er erharrt Achilleus, des Ungeheuren, Herannahn.

So wie ein Drach im Gebirge den Mann erharrt an der Felskluft,

Statt des giftigen Krauts, und erfüllt von heftigem Zorne;

Gräßlich schaut er umher, in Ringel gedreht um die Felskluft;

So unbändigen Mutes verweilt auch Hektor und wich nicht,

Lehnend den hellen Schild an des Turms vorragende Mauer;

Unmutvoll nun sprach er zu seiner erhabenen Seele:

„Wehe mir! Wollt ich anjetzt in Tor und Mauer hineingehn,

Würde Polydamas gleich mit kränkendem Hohn mich belasten,

Welcher mir riet, in die Veste das Heer der Troer zu führen;

Vor der verderblichen Nacht, da erstand der edle Achilleus.

Aber ich hörete nicht; wie heilsam hätt ich gehöret!

Jetzo, nachdem ich verderbte das Volk durch meine Betörung,

Scheu ich Trojas Männer und saumnachschleppende Weiber,

Daß nicht einst mir sage der Schlechtern einer umher wo:

»Hektor verderbte das Volk, auf eigene Stärke vertrauend!«

Also spricht man hinfort; doch mir weit heilsamer wär es:

Mutig entweder mit Sieg von Achilleus Morde zu kehren,

Oder auch selbst ihm zu fallen im rühmlichen Kampf vor der Mauer.

Aber legt ich zur Erde den Schild von geründeter Wölbung,

Samt dem gewichtigen Helm, und, den Speer an die Mauer gelehnet,

Eilt ich entgegenzugehn dem tadellosen Achilleus,

Und verhieß ihm Helena selbst und ihre Besitzung,

Alle, so viel Alexandros daher in geräumigen Schiffen

Einst gen Troja geführt, was unseres Streites Beginn war,

Daß er zu Atreus Söhnen es führt; auch dem Volke von Argos

Anderes auszuteilen, wieviel auch heget die Stadt hier;

Und ich nähme darauf von Trojas Fürsten den Eidschwur,

Nichts imgeheim zu entziehn, nein, zwiefach alles zu teilen,

Was auch die liebliche Stadt an Gut in den Wohnungen einschließt: —

Aber warum doch bewegte das Herz mir solche Gedanken?

Laß mich ja nicht flehend ihm nahn! Nein, sonder Erbarmung

Würd er, ohn einige Scheu, mich niederhaun, den Entblößten,

Grad hinweg wie ein Weib, sobald ich der Wehr mich enthüllet.

Jetzo fürwahr nicht gilt es, vom Eichbaum oder vom Felsen

Lange mit ihm zu schwatzen, wie Jungfrau traulich und Jüngling,

Jungfrau traulich und Jüngling zu holdem Geschwätz sich gesellen.

Besser zu feindlichem Kampf an rennen wir! Daß wir in Eile

Sehn, wem etwa von uns der Olympier gönne den Siegesruhm!“

Also erwog er, und blieb. Doch nah ihm wandelt Achilleus,

Ares gleich an Gestalt, dem helmerschütternden Streiter,

Welchem Pelions Esch auf der rechten Schulter entsetzlich

Bebete; aber das Erz umleuchtet’ ihn, ähnlich dem Schimmer

Lodernder Feuersbrunst, und der hell aufgehenden Sonne.

Hektor, sobald er ihn sah, erzitterte: nicht auch vermocht’ er

Dort zu bestehn, und er wandte vom Tore sich, ängstlich entfliehend.

Hinter ihm flog der Peleide, den hurtigen Füßen vertrauend.

So wie ein Falk des Gebirgs, der behendeste aller Gevögel,

Leicht mit gewaltigem Schwung nachstürmt der schüchternen Taube;

Seitwärts schlüpft sie oft: doch nah mit hellem Getön ihr

Schießet er häufig daher, voll heißer Begier zu erhaschen:

So drang jener im Flug gradan; doch es flüchtete Hektor

Längs der troischen Mauer, die hurtigen Kniee bewegend.

Beid an der Warte vorbei und dem wehenden Feigenhügel,

Immer hinweg von der Mauer entflogen sie über den Fahrweg.

Und sie erreichten die zwei schönsprudelnden Quellen, woher sich

Beide Bäch ergießen des wirbelvollen Skamandros.

Eine rinnt beständig mit warmer Flut, und umher ihr

Wallt aufsteigender Dampf, wie der Rauch des brennenden Feuers;

Aber die andere fließt im Sommer auch kalt wie der Hagel.

Oder des Winters Schnee, und gefrorene Schollen des Eises.

Dort sind nahe den Quellen geräumige Gruben der Wäsche,

Schön, aus Steinen gehauen, wo die stattlichen Feiergewande

Trojas Weiber vordem und liebliche Töchter sich wuschen,

Als noch blühte der Fried, eh die Macht der Achaier daherkam.

Hier nun rannten vorbei der Fliehende und der Verfolger.

Vornan floh ein Starker, jedoch ein Stärkerer folgte,

Stürmenden Laufs: denn nicht um ein Weihvieh oder ein Stierfell

Strebten sie, welches man stellt zum Kampfpreis laufender Männer;

Sondern es galt das Leben des gaulbezähmenden Hektor.

So wie zum Siege gewöhnt, um das Ziel starkhufige Rosse

Hurtiger drehen den Lauf; denn es lohnt ein köstlicher Dreifuß,

Oder ein blühendes Weib, am Fest des gestorbenen Herrschers:

Also kreiseten sie dreimal um Priamos Veste

Rasch mit geflügeltem Fuß; und die Ewigen schaueten alle.


GRÖSSERES BILD

Jetzo begann das Gespräch der Menschen und Ewigen Vater:

„Wehe doch! Einen Geliebten, verfolgt um die Mauer von Troja,

Seh ich dort mit den Augen; und ach, sein jammert mich herzlich,

Hektors, welcher so oft mir Schenkel der Stier auf dem Altar

Zündete, bald auf den Höhen des vielgewundenen Ida,

Bald in der oberen Burg! Nun drängt ihn der edle Achilleus,

Rings um Priamos’ Stadt mit hurtigen Füßen verfolgend.

Aber wohlan, ihr Götter, erwägt im Herzen den Ratschluß,

Ob er der Todesgefahr noch entfliehn soll, oder anitzo

Fallen, wie tapfer er ist, dem Peleionen Achilleus.“

Drauf antwortete Zeus’ blauäugige Tochter Athene:

„Vater mit blendendem Strahl, Schwarzwolkiger, welcherlei Rede!

Einen sterbenden Mann, der bestimmt längst war dem Verhängnis,

Denkst du anitz von des Tods graunvoller Gewalt zu erlösen?

Tu’s; doch nimmer gefällt es dem Rat der anderen Götter!“

Ihr antwortete drauf der Herrscher im Donnergewölk Zeus:

„Fasse dich, Tritogeneia, mein Töchterchen! Nicht mit des Herzens

Meinung sprach ich das Wort: ich will dir freundlich gesinnt sein.

Tue, wie dir’s im Herzen genehm ist; nicht so gezaudert.“

Also Zeus und erregte die schon verlangende Göttin;

Stürmenden Schwungs entflog sie den Felsenhöhn des Olympos.

Hektorn drängt’ in die Flucht rastlos der Verfolger Achilleus,

Wie wenn der Sohn des Hirsches der Hund im Gebirge verfolget,

Aufgejagt aus dem Lager, durch windende Tal und Gebüsche;

Ob auch jener sich berg und niederduck in dem Reisig,

Stets noch läuft er umher, der spürende, bis er gefunden:

So barg Hektor umsonst sich dem mutigen Renner Achilleus.

Wenn er auch oft ansetzte, zum hohen dardanischen Tore

Hinzuwenden den Lauf, an der Türm hochragende Schutzwehr,

Ob sie oben vielleicht mit Geschoß ihn verteidigen möchten;

Ebenso oft flog jener zuvor, und wendet ihn abwärts

Nach dem Gefild; er selbst an der Seite der Stadt hinfliegend.

Wie man im Traum machtlos den Fliehenden strebt zu verfolgen;

Nicht hat dieser die Macht zu entfliehn, noch der zu verfolgen.

So konnt er nicht haschen im Lauf, noch enteilete jener.

Doch wie wär itzt Hektor entflohn vor den Keren des Todes,

Wenn nicht einmal noch und zuletzt ihm Föbos Apollon

Nahete, welcher ihm Kraft aufregt und hurtige Schenkel?

Aber dem Volke verbot mit dem Haupt zuwinkend Achilleus,

Nicht ihm daherzuschnellen auf Hektor herbe Geschosse;

Daß kein Treffender raubte den Ruhm, und ein Zweiter er käme.

Als sie nunmehr zum vierten die sprudelnden Quellen erreichet,

Siehe, hervor nun streckte die goldene Wage der Vater,

Legte hinein zwei Lose des langhinbettenden Todes,

Dieses dem Peleionen, und das dem reisigen Hektor.

Faßte die Mitt und wog: Da lastete Hektors Schicksal

Schwer zum Aides hin; es verließ ihn Föbos Apollon.

Doch zu Achilleus kam die Herrscherin Pallas Athene;

Nahe trat sie hinan und sprach die geflügelten Worte:

„Jetzt doch hoff ich gewiß Zeus’ Liebling, edler Achilleus,

Bringen wir großen Ruhm dem Danaervolk zu den Schiffen,

Hektors Kraft austilgend, des unersättlichen Kriegers.

Nun nicht länger vermag er aus unserer Hand zu entrinnen,

Nein, wie sehr auch sich härme der treffende Föbos Apollon,

Hingewälzt vor die Knie des ägiserschütternden Vaters.

Aber wohlan, nun steh und erhole dich; während ich selber

Jenem genaht zurede, dir kühn entgegenzukämpfen.“

Also Pallas Athen’; er gehorcht’ ihr freudigen Herzens,

Stand und ruhte gelehnt auf die erzgerüstete Esche.

Jene verließ ihn dort und erreichte den göttlichen Hektor,

Ganz dem Deiphobos gleich an Wuchs und gewaltiger Stimme;

Nahe trat sie hinan und sprach die geflügelten Worte:

„Ach mein älterer Bruder, wie drängt dich der schnelle Achilleus,

Rings um Priamos Stadt mit hurtigen Füßen verfolgend!

Aber wohlan, hier stehn wir in fest ausharrender Abwehr!“

Ihm antwortete drauf der helmumflatterte Hektor:

„Stets, Deiphobos, warst du zuvor mein trautester Bruder,

Aller, die Priamos zeugt, und Hekabe, unsere Mutter;

Doch nun denk ich noch mehr im Innersten, dich zu ehren,

Daß du um meinetwillen, sobald dein Auge mich wahrnahm,

Dich aus der Mauer gewagt, da andere drinnen beharren.“

Ihm antwortete Zeus’ blauäugige Tochter Athene:

„Bruder, mich bat der Vater mit Flehn und die würdige Mutter,

Die umeinander die Kniee mir rührten, jeder Genoß auch,

Dort zu bleiben: so sehr erbeben sie all in Bestürzung.

Doch mein Herz im Busen durchdrang tiefschmerzender Kummer.

Nun denn grad in Begierd ankämpfen wir! Länger hinfort nicht

Unserer Lanzen geschont! Damit wir sehn, ob Achilleus

Uns in den Staub ausstreckt und blutige Waffen hinabträgt

Zu den gebogenen Schiffen; ob deiner Lanz er dahinsinkt!“

Dieses gesagt, ging jene voran, die täuschende Göttin.

Als sie nunmehr sich genaht, die Eilenden gegeneinander;

Jetzo rief er zuerst, der helmumflatterte Hektor:

„Nicht fortan, o Peleid, entflieh ich dir, so wie bis jetzo!

Dreimal umlief ich die Veste des Priamos, nimmer es wagend,

Deiner Gewalt zu beharren; allein nun treibt mich das Herz an,

Fest dir entgegenzustehn, ich töte dich, oder ich falle!

Auf, laß uns zu den Göttern emporschaun, welche die stärksten

Zeugen des Eidschwurs sind, und jegliches Bundes Bewahrer.

Denn ich werde dich nimmer mit Schmach mißhandeln, verleiht mir

Zeus, als Sieger zu stehn und dir die Seele zu rauben:

Sondern nachdem ich entwand dein schönes Geschmeid, o Achilleus,

Geb ich die Leiche zurück an die Danaer. Tue mir Gleiches!“

Finster schaut’ und begann der mutige Renner Achilleus:

„Hektor, du Unsühnbarer, mir nicht von Verträgen geplaudert!

Wie kein Hund die Löwen und Menschenkinder befreundet,

Auch nicht Wölf und Lämmer in Eintracht je sich gesellen,

Sondern bitterer Haß sie ewig trennt voneinander:

So ist nimmer für uns Vereinigung, oder ein Bündnis,

Mich zu befreunden und dich, bis wenigstens einer im Hinsturz

Ares mit Blute getränkt, den unaufhaltsamen Krieger!

Jeglicher Art von Tugend erinnre dich! Jetzo gebührt dir,

Lanzenschwinger zu sein und unerschrockener Krieger!

Nicht mehr kannst du entrinnen; sogleich schafft Pallas Athene,

Daß mein Speer dich bezwingt! Nun büßest du alles auf einmal,

Aller der Meinigen Weh, die du Rasender schlugst mit der Lanze!“

Sprach’s, und im Schwung entsandt er die weithinschattende Lanze.

Diese jedoch vorschauend vermied der strahlende Hektor;

Denn er sank in die Knie; und es flog der eherne Wurfspieß

über ihn weg in die Erd; ihn begriff und reichte die Göttin

Schnell dem Peleiden zurück, unbemerkt von dem streitbaren Hektor.

Hektor aber begann zu dem tadellosen Achilleus:

„Weit gefehlt! Nein, schwerlich, o göttergleicher Achilleus,

Offenbarete Zeus mein Geschick dir, wie du geredet;

Sondern du warst ein gewandter und hinterlistiger Schwätzer,

Daß ich, vor dir hinbebend, des Muts und der Stärke vergäße.

Nicht mir Fliehenden soll dein Speer den Rücken durchbohren;

Sondern vorn, dem gerad Anstürmenden, stoß in die Brust ihn,

Wenn dir ein Gott es verlieh! Nun aber vermeid auch die Schärfe

Meines Speers! O möchte dein Leib doch ganz ihn empfangen!

Weit ja erträglicher würde der Kampf für die Männer von Troja,

Wenn du sänkst in den Staub; du bist ihr größestes Unheil!“

Sprach’s, und im Schwung entsandt er die weithinschattende Lanze,

Traf, und verfehlete nicht, gerad auf den Schild des Peleiden;

Doch weit prallte vom Schilde der Speer. Da zürnete Hektor,

Daß sein schnelles Geschoß umsonst aus der Hand ihm entflohn war;

Stand und schaute bestürzt; denn es war kein anderer Wurfspieß.

Laut zu Deiphobos drauf, dem weißgeschilderten, ruft er.

Fordernd den ragenden Speer; allein nicht nahe war jener.

Hektor erkannt es anjetzt in seinem Geist, und begann so:

„Wehe mir doch! Nun rufen zum Tode mich wahrlich die Götter!

Denn ich dachte, der Held Deiphobos wolle mir beistehn;

Aber er ist in der Stadt, und es täuschte mich Pallas Athene.

Nun ist nahe der Tod, der schreckliche, nicht mir entfernt noch;

Auch kein Rat, zu entfliehn! Denn ehmals gönnete solches

Zeus, und des Donnerers Sohn, der Treffende, welcher zuvor mich

Stets willfährig geschirmt; nun aber erhascht mich das Schicksal!

Daß nicht arbeitslos in den Staub ich sinke, noch ruhmlos,

Nein, wann ich Großes vollendet, wovon auch Künftige hören!“

Also redete jener und zog das geschliffene Schwert aus,

Welches ihm längs der Hüfte herabhing, groß und gewaltig;

An nun stürmt er gefaßt, wie ein hochherfliegender Adler,

Welcher herab auf die Ebne gesenkt aus nächtlichen Wolken

Raubt den Hasen im Busch, wo er hinduckt, oder ein Lämmlein:

Also stürmete Hektor, das hauende Schwert in der Rechten.

Gegen ihn drang der Peleid, und Wut durchtobte das Herz ihm

Ungestüm: er streckte der Brust den geründeten Schild vor,

Schön und prangend an Kunst; und der Helm, viergipfelig strahlend,

Nickte vom Haupt, und die Mähne des schön gesponnenen Goldes

Flatterte, welche der Gott auf dem Kegel ihm häufig geordnet.

Hell wieder Stern verstrahlet in dämmernder Stunde des Melkens,

Hesperos, der am schönsten erscheint vor den Sternen des Himmels:

Also strahlt es vom Speer, dem geschliffenen, welchen Achilleus

Schwenkt in der rechten Hand, wutvoll dem erhabenen Hektor,

Spähend den schönen Leib, wo die Wund am leichtesten hafte.

Rings zwar sonst umhüllt ihm den Leib die eherne Rüstung,

Blank und schön, die er raubte, die Kraft des Patroklos ermordend;

Nur wo das Schlüsselbein den Hals und die Achsel begrenzet,

Schien die Kehl ihm entblößt die gefährliche Stelle des Lebens:

Dort mit dem Speer anstürmend durchstach ihn der edle Achilleus,

Daß ihm gerad aus dem zarten Genick die Spitze hervordrang.

Doch nicht völlig durchschnitt der eherne Speer ihm die Gurgel,

Daß er noch zu reden vermocht im Wechselgespräche;

Und er sank in den Staub; jetzt rief frohlockend Achilleus;

„Hektor, du glaubtest gewiß, nach geraubter Wehr des Patroklos,

Sicher zu sein, und mich mißachtetest du, den Entfernten.

Törichter! Fern war jenem ein weit machtvollerer Rächer

Bei den gebogenen Schiffen, ich selbst war zurück ihm geblieben,

Der dir die Kniee gelöst! Dich ziehn nun Hund und Gevögel

Schmählich umher; ihn aber bestatteten mit Ruhm die Achaier.“

Wieder begann schwach atmend der helmumflatterte Hektor:

„Dich bei dem Leben beschwör ich, bei deinen Knien und den Eltern,

Laß mich nicht an den Schiffen der Danaer-Hunde zerreißen;

Sondern nimm des Erzes genug und des köstlichen Goldes

Dir zum Geschenk, das der Vater dir beut und die würdige Mutter,

Aber den Leib entsende gen Ilios, daß in der Heimat

Trojas Männer und Fraun des Feuers Ehre mir geben.“

Finster schaut’ und begann der mutige Renner Achilleus:

„Nicht, du Hund, bei den Knien beschwöre mich, noch bei den Eltern!

Daß doch Zorn und Wut mich erbitterte, roh zu verschlingen

Dein zerschnittenes Fleisch, für das Unheil, das du mir brachtest!

Niemand sei, der die Hunde von deinem Haupt dir verscheuche!

Wenn sie auch zehnmal so viel und zwanzigfältige Sühnung,

Hergebracht darwögen, und mehreres noch mir verhießen!

Ja, wenn selber mit Golde dich aufzuwägen geböte

Priamos, Dardanos Sohn, auch so nicht bettet die Mutter

Dich auf Leichengewand und wehklagt, den sie geboren;

Sondern Hund und Gevögel zerreißen dich, ohne Verschonung!“

Wieder begann, schon sterbend, der helmumflatterte Hektor:

„Ach, ich kenne dich wohl, und ahnete, nicht zu erweichen

Wärest du mir; du trägst ja ein eisernes Herz in dem Busen.

Denke nunmehr, daß nicht dir Götterzorn ich erwecke,

Jenes Tags, wann Paris dich dort und Föbos Apollon

Töten, wie tapfer du bist, am hohen skäischen Tore!“

Als er solches geredet, umschloß der endende Tod ihn;

Aber die Seel aus den Gliedern entflog in die Tiefe des Aïs,

Klagend ihr Jammergeschick, getrennt von Jugend und Mannkraft.

Johann Heinrich Voß